Ölkreide D. Streich

Vorbemerkungen: Aussteigen oder nicht? - Drei Erwägungen

Teil 1  Der willenlose Mensch (DS)

Teil 2 Der theologische Narzissmus der NAK (DS)

Teil 3  Glaubst du noch oder denkst du schon…?  (RS)

 

Teil 1  Der willenlose Mensch (15.7.17)

Aussteigen offiziell oder nicht ist aus meiner Sicht eine Frage der fortschreitenden Erkenntnis des Betreffenden (Lehre als falsch erkannt) und der Situationen, denen man ausgesetzt ist und den damit verbundenen Enttäuschungen. Wenn der berühmte letzte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt ist zumindest das Bedürfnis, einen GD zu besuchen, weitestgehend verschwunden. Allerdings ist die von Kindheit an indoktrinierte, tief sitzende Angst vor dem Heilsverlust heftig, ebenso der zu erwartende soziale Verlust. Einmal draußen, null Kontakte! So war es jedenfalls bei mir, und ich kannte damals eine Menge Leute aus Chören, Orchester usw. Keiner von den vermeintlichen Freunden hat sich jemals gemeldet! Mein letzter Vorsteher hat nach einem Jahr mal angerufen, wollte aber nur wissen, wohin die von mir angeschafften Xylophone verliehen wurden - ansonsten keinerlei persönlichen Anmerkungen. Das sagt etwas über die Qualität der sozialen Kontakte. Auch sie sind wohl eher Scheinkontakte ohne Tiefe innerhalb der aufgeblasenen, theologischen Parallelwelt der NAK. Vor einigen Tage musste sich hier im Süden eine ältere Familie, deren Sohn schon vor Jahren mit der ganzen Familie ausgetreten war, von einer anderen, auch älteren Schwester anhören:""Lieber ein krankes Kind, wie ein abgefallenes!" Die Krankheit dieses "Kindes", das heute ein Mann ist, ist psychischer Natur (arbeitsunfähig) und vermutlich durch die Erziehung der Eltern mit bedingt.

Mein Fazit: Die Gründe, drin zu bleiben, sind angstbestimmt, letztlich aber nicht wirklich zwingend. Die Gründe auszutreten sind Fakten und vielfältig. Ehe man sich psychisch kaputt glaubt und hofft, sollte man die Konsequenz aus den gemachten Erfahrungen ziehen und nicht nur wegbleiben, sondern tatsächlich austreten. Für die weitere Entwicklung ist das von großer Bedeutung, verbunden mit der Hoffnung auf weitere Entwicklungen im Sinne von Vaclav Havel:

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewißheit, dass etwas einen Sinn hat, egal wie es ausgeht."

Irgendeinen tatsächlichen, echten Sinn in Richtung einer Lebensbedeutung gibt es in der NAK nicht. All ihre vermeintlichen Angebote sind Schein und haben ein starkes, unsichtbares Preisschild in Richtung einer ungeheuren Beeinträchtigung der wahren Lebensqualität - was auch immer das dann ist und was man dann noch mit der gewonnenen Freiheit in Zukunft anfangen kann.

Keinesfalls ist es meine Absicht, hier jemanden zum Austritt zu "zwingen" oder unter Druck zu setzen. Wer die Texte meiner HP kennt, dürfte wissen, dass ich jederzeit bemüht bin, argumentativ und sachlich orientiert meine (meist aus psychologischer, theologischer oder rhetorischer Sicht) kritischen Schreiben zu begründen. Wem es in der NAK gut geht, warum sollte der austreten? Ich kenne auch Beispiele aus der NAK (Hannover-Mitte zu früheren Zeiten und einzelne At´s und damit Gemeinden), in denen das anders läuft. Aber ist das maßgeblich? Aber auch dort wird den Kindern zwangsläufig die negative NAK-Sicht auf die Welt indoktriniert. Ferner sind die (schein-)theologischen Behauptungen der NAK sui generis geistlicher Missbrauch, ohne den das System NAK überhaupt nicht funktionieren kann und die stets auf Kosten des eigenen Lebens gehen. Dass man in der NAK, wie manche argumentieren, "Mitgefühl, Güte, und sozialer Verantwortung" lernen kann ist richtig, aber das geht woanders und durch ein gutes Elternvorbild auch. Der Preis für das Lernen in der NAK oder ähnlichen religiösen Gruppierungen ist aber immer Subordination im schlimmsten Fall im Sinn einer völligen, geistlichen Unterwerfung. Der "willenlose Mensch" ist das Ziel, nicht der selbstveranwortete oder "mündige und authentische!" Niemand in der NAK kann, von wenigen Ausnahmen abgesehen, wenn er drinnen ist, sich mündig und authentisch entwickeln. Siehe Stap Schneider 2013 in Saarbrücken:

"Ein Jünger ist immer gehorsam, der bleibt am Wort Gottes, was auch kommen mag. Das ist für ihn selbstverständlich ... Es gibt für ihn keinen Kompromiss. Gehorsam, Glaubensgehorsam ist dem Herrn Gehorsam. Das ist der wahrhaftige Jünger. Wenn ihr an meinem Wort bleibt, kein Kompromiss, wir bleiben dabei auch wenn es schwer ist, auch wenn es manchmal schmerzhaft ist – wir bleiben gehorsam."

Solche Forderungen sind einfach nur grauslich sind und haben mit dem Evangelium absolut nichts zu tun. Und was auf den ersten Blick vielleicht richtig klingt, ist es bei näherer Betrachtung auch nicht (Wort zum Juli 2015):

"Anstatt alle unsere Sorge auf ihn zu werfen, tragen wir sie weiter mit uns herum. – Die anderen sollen ruhig sehen, wie sehr wir uns abplagen! Anstatt Gott voll und ganz zu vertrauen und uns auf seine Hilfe zu verlassen, halten wir ängstlich an unseren Bedenken fest. – Lieber nicht zu viel erhoffen, dann ist man hinterher nicht enttäuscht!
Anstatt dem Nächsten zu vergeben, pflegt man seine Enttäuschung und die Erinnerung an erlittenes Unrecht. – Das Mitleid der anderen tut ja auch gut! Anstatt die Vergangenheit zu begraben, richtet man sich im Selbstmitleid ein. – Was habe ich schon alles durchgemacht! Dabei könnte vieles so viel einfacher und leichter sein!"

Gerade denen, die zu Recht sich um ihr Leben sorgen machen und in äußersten Nöten leben, wird hier ein starker Vorwurf gemacht. Ja es wird ihnen sogar vorgehalten, sie handelten aus niederen Motiven, um Mitleid zu erheischen. Auch kann man die Vergangenheit, welche auch immer, nicht begraben. Erlittenes Unrecht muss bis zum Allerletzten geklärt werden. Forderungen dieser Art und das hier produzierte Gottenbild sind nicht nur geistlicher Missbrauch, sondern tatsächlich auch psychischer Missbrauch, dem im besonderen eben auch widerstandsunfähige Kinder von Geburt an ausgesetzt sind. Dr. med. Michael Depner, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, schreibt dazu auf seiner sehr interessanten und absolut lesenswerten Homepage "Seele und Gesundheit" zum Thema Vergebung folgendes:

"Die Tilgung existenzieller Schuld erfordert die Bereitschaft zu einer Wiedergutmachung, die die Lebensführung des Schuldigen verändert.... Die Grundlage echter Vergebung ist die Läuterung des Schuldigen. ... Vergebung kann auch trügerisch sein. Ist der Geschädigte so harmoniebedürftig, dass er die Spannung einer Beziehungs­störung nicht aushält, kann es sein, dass ihn seine Verlustangst dazu verleitet, vorgeblich zu vergeben, obwohl er im Herzen nicht wirklich vergeben kann." (siehe http://www.seele-und-gesundheit.de/index.html#spi )

Für die Forderungen Schneiders gilt laut Depner:

"Ideologisch geschlossene Weltanschauungen entwerfen regelhaft Moralvorstellungen, deren Missachtung eine vermeintliche Schuld erzeugt, die angeblich nur durch die Re­präsentanten der Gemeinschaft und die Bereitschaft zur Unterwerfung vergeben werden kann. Die Vergebung, die sie nach erfolgter Unterwerfung erteilen, ist absurd."

Bei einer Betrachtung aller Erfahrungen mit der NAK in der Summe, und bei einer sachlichen Güterabwägung kann ich nicht anders, als dem schwankenden, zweifelnden und hier lesenden Menschen einen unbedingten Austritt zu empfehlen.

Alleine seine Kinder den Manipulationen dieser Sekte zu entziehen, ist für deren weiteres Leben von unschätzbarem Wert!

 

Teil 2 Der theologische Narzissmus der NAK (11.10.17)

Wer die NAK schlicht der RKK oder EKD beiordnet und meint, sie hätte die gleiche Berechtigung, der irrt. Papst Franziskus bezieht klar Stellung:

Wenn die Kirche sich selbst verkündet, verliert sie ihren Kompass. Die Kirche verkündet Christus! Sie bringt nicht sich selbst zu den Menschen, sondern Christus! ... Nicht ein anderer, der vielleicht noch kommt, nein – er ist es!“ (rv 15.01.2017)

Bereits im Konklave hatte er eine kurze „Bewerbungsrede“ gehalten, in der ähnliche Punkte sehr markant angesprochen wurden:


2. Wenn die Kirche nicht aus sich selbst herausgeht, um das Evangelium zu verkünden, kreist sie um sich selbst. Dann wird sie krank (vgl. die gekrümmte Frau im Evangelium). Die Übel, die sich im Laufe der Zeit in den kirchlichen Institutionen entwickeln, haben ihre Wurzel in dieser Selbstbezogenheit. Es ist ein Geist des theologischen Narzissmus. … Die egozentrische Kirche beansprucht Jesus für sich drinnen und lässt ihn nicht nach außen treten.
3. Die um sich selbst kreisende Kirche glaubt – ohne dass es ihr bewusst wäre – dass sie eigenes Licht hat. Sie hört auf, das „Geheimnis des Lichts“ zu sein, und dann gibt sie jenem schrecklichen Übel der „geistlichen Mondänität“ Raum … . Diese (Kirche) lebt, damit die einen die anderen beweihräuchern.
4. (…)Vereinfacht gesagt: Es gibt zwei Kirchenbilder: die verkündende Kirche, die aus sich selbst hinausgeht, die das „Wort Gottes ehrfürchtig vernimmt und getreu verkündet“; und die mondäne Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt.

Quelle: http://blog.radiovatikan.de/die-kirche- ... arzissmus/

Auf die NAK bezogen würde ich nach Franziskus klar sagen:
Die NAK verkündet sich selbst, weil sie meint, dass Christus in vollkommener Weise nur in ihr zu finden ist. Sie ist ihr eigener Kompass im Geist des theologischen Narzissmus. … Die egozentrische Kirche beansprucht Jesus für sich drinnen und lässt ihn nicht nach außen treten. Sie kreist ständig um sich selbst und verkündet das in ihr zu findende Licht. Sie hört auf, das „Geheimnis des Lichts“ zu sein, und dann gibt sie jenem schrecklichen Übel der „geistlichen Mondänität“ Raum … . Diese (Kirche) lebt, damit die einen die anderen beweihräuchern. Die NAK ist damit eine mondäne Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt. Ihre Anhänger folgen lieber einem Blender als gar keine Lichtquelle zu haben! (Wilfried Schmickler)

Schneider hat das NAK- Programm in seiner Co-Predigt an Pfingsten kurz vor seiner Amtseinsetzung selbst wie folgt festgelegt:
"Am letzten Sonntag durfte ich mit dem Stammapostel in einer Gemeinde sein und da haben die Kinder so ihre Kirche und die Gemeinde abgebildet, sie haben einen Zug dargestellt. In den verschiedenen Wagen saßen die Kinder und die Mitglieder der Gemeinde. Ganz vorne war die Lokomotive und darin war unser Stammapostel.
Ja, ein schönes Bild. Aber was geschieht jetzt heute? Ja, der zuständige Lokführer geht in den Ruhestand und ein anderer kommt, ganz simpel, das ist alles. Der Zug fährt weiter, das Ziel ist unverändert. Das Ziel ist das Wiederkommen des Herrn, die ewige Gemeinschaft mit Gott. Der Weg, der dorthin führt, ändert sich nicht. Der Zugführer kann nicht irgendwo hingehen, er muss den Schienen folgen und die Schienen liegen schon dran... Der muss lediglich dafür sorgen, dass der Zug immer weiter vorwärts geht und das wird auch so sein."

Wer in diesem NAK-Zug als amtsbeauftragter Zugbegleiter mitarbeitet – gleich wie offen und „modern“ er selbst ist oder meint zu sein, unterstützt trotzdem als Systemagent den Zugführer Schneider und damit das ganze, den Menschen ignorierende System „NAK“, ob er das wahrhaben will oder nicht.

Die eigene Gottesbeziehung muss unter einem Austritt aus der NAK  keinesfalls leiden, eher im Gegenteil. Wer sich gedanklich oder in der Tat von der NAK abwendet, ist eigentlich auf einem richtigen Weg, nämlich dem, der wegführt von menschlichen Bildern über das, was mit der Chiffre G-O-T-T im Christentum bezeichnet wird.  Nach jüdischer Überlieferung nennt sich Gott jenseits jeder erfassbaren Statik selbst “Ich bin, der ich bin” oder “Ich werde sein, der ich sein werde” oder “Ich bin, der ich sein werde” (je nach Übersetzung) und gibt die Aufforderung, sich kein Bild von ihm zu machen

Die NAK hingegen meint leider nicht nur relativ sicher zu wissen, was Gott ist (gut, liebend, begleitend, führend bis nach und in Auschwitz!!), sie weiß auch was er denkt (Gott denkt???), was er will (in einem zeitlichen Rahmen???) und wohin der exklusive Weg mit einigen unbedarften, theologisch absolut unterentwickelten und zudem inhumanen, machtbesessenen Kirchenleitern und den ihnen und ihren Dogmen unter Aufgabe des eigenen Denkens und Lebens treu doof folgenden Kugelschreibern und  Schäfchen gehen wird, nämlich ins tausendjährigen Friedensreich als Könige und Priester zur Weltmission!!! Weil dieser Wahn, und nichts anderes ist diese Vorstellung, von Kindheit an indoktriniert wird, kommt anderes Denken bei der letztlich verbleibenden Gefolgschaft nicht in Frage!

Die NAK ist ein Schmarotzer, der sich vom Lebenswillen, von der Lebenskraft und vom Geld seiner willenlosen Jünger ernährt:
Stap Schneider am 03.02.2013 in Saarbrücken :„Wir können nicht sagen aufgrund unserer großen Erfahrung, großen Erkenntnis, so und soviel jahrzehntelang neuapostolisch – aber was die jetzt da predigen, was da kommt – also da bin ich nicht einverstanden. ...

Der Herr Jesus erwartet von einem Jünger, dass er nie kommt mit einer Ausrede und dem Herrn klarmachen will, ja aber weißt du, jetzt in dieser Situation, in diesem Fall kann ich das nicht machen, das geht jetzt nicht. Da brauch ich jetzt eine Entschuldigung, aber es geht nicht. Ein Jünger ist immer gehorsam, der bleibt am Wort Gottes, was auch kommen mag. Das ist für ihn selbstverständlich ...

Sicher ist hingegen nur das Nichtwissen über den oder das, was mit der Chiffre G-O-T-T bezeichnet werden soll. Damit bleibt man sogar zumindest Bi. Johanning gegenüber in der Nachfolge, wenn man seinem Beispiel folgend neben den „Fragen und Antworten“ früherer Zeit auch jegliche Vorstellung von Gott auf den „Scheiterhaufen der Geschichte“ wirft! Nachfolge bis zuletzt – alles andere ist Leerlauf! Oder sich ständig ändernde Lehrverlauf? in der NAK?

Hier einige historische Gedankenansätze zur Frage nach G-O-T-T  und seiner Relevanz:

Thomas von Aquin : „Man sollte wissen, dass es an Gott etwas gibt, das den Menschen in diesem Leben gänzlich unbekannt bleibt, nämlich was Gott ist. … Wir sind mit Gott als mit einem Unbekannten (ignotus) verbunden.“

Meister Eckhart: »Du sollst Gott lieben, wie er ein Nicht-Gott ist, ein Nicht-Geist, eine Nicht-Person, ein Nicht-Bild, ja wie er ein lauteres, reines, klares Eines ist, abgesondert von aller Zweiheit.« / Man soll Gott nicht als außerhalb von einem selbst ansehen, sondern als das, was in einem ist. « / »Hätte ich einen Gott, den ich erkennen könnte, ich würde ihn nimmer für Gott ansehen. - Wenn ich Gott gut nenne, so sage ich etwas ebenso Verkehrtes, wie wenn ich das Weiße schwarz nennen wollte.« / »Gott wird dann in uns geboren, wenn alle Kräfte unserer Seele, die vorher durch Gedanken, Bilder und was es auch sei, gebunden und gefangen waren, ledig und frei werden und in uns alle Absicht zum Schweigen kommt

Bonhoeffer: „Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht“ (Widerstand und Ergebung, DBW 8, S.514f.

 Der Mut zum Sein gründet in dem Gott, der erscheint, wenn Gott in der Angst des Zweifels untergegangen ist.“ /„Gott über Gott“ Wie ist das möglich? Weil Gott nicht ein Seiendes ist, sondern der Grund alles Seienden, weil er als der schöpferische Grund alles Seienden auch der Grund meines Seins ist und nicht gegen mich steht. In meiner Selbstbejahung bejaht er sich selbst. Indem er an mir teilhat, ist Autorität hinfällig geworden. Das, was in mir Gott töten will, ist Gott selbst, nämlich der Grund meines Seins und Sinnes – meiner Selbstbejahung. Man könnte dies den ‚Gott über Gott‘ nennen, das heißt über jenem Gott, der ein höchstes Wesen und die Ursache jeder heteronomen und hypostasierten Autorität ist. Der wahre Gott, der Gott über jedem Gott, der ein Wesen ist, befreit uns von der totalen Autorität auch des höchsten polytheistischen Gottes, der in Wahrheit ein Dämon ist.“ P. Tillich, Autorität und Offenbarung, GW VIII, S. 69.

Wem das zu kompliziert zu sein scheint, der kann es mit Tillich aber auch ganz einfach haben:

"‚Du bist angenommen!‘ Angenommen, bejaht durch das, was größer ist als Du, und dessen Namen Du nicht kennst. Frage jetzt nicht nach dem Namen, vielleicht wirst Du ihn später finden. Versuche jetzt nicht, etwas zu tun, vielleicht wirst Du später viel tun. Trachte nach nichts, versuche nichts, beabsichtige nichts. Nimm nur dies an, dass Du angenommen bist.“  Aus einer Predigt  von Paul Tillich am 20. August 1946 /

Je weiter man sich von den Dogmen der NAK entfernt, umso klarer und freier kann sich eine tatsächliche Gottesbeziehung einstellen – oder auch nicht. Aber das macht keinen Unterschied. Darüber empfiehlt es sich, nachzudenken. Ein Ansatz dazu:

Prediger Salomo; Auszüge aus Kap. 3

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:

geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit;

abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;

weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit;

suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit;

behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;

zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit;

schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;

Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon. Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.

 

Teil 3 Gastautor R. Stiegelmeyr: Glaubst du noch oder denkst du schon…?

Wer sich religiös emanzipieren möchte, wer frei werden möchte von kirchlich geforderten Glaubensdogmen, die meist nichts als puren Aberglauben zur Grundlage haben, dem bleibt nichts anderes übrig, als sich der vom Schöpfergott geschenkten Fähigkeit des Denkens und Erkennens ein Leben lang zu bedienen, in die Erkenntnis der göttlichen Wahrheit stufenweise hineinzuwachsen, um mit und in dieser Wahrheit die Geister bzw. geistigen Strömungen unterscheiden und Wahrheit von Lüge oder Irrtum scheiden zu können. Eine Sakralisierung von Glaube, Kirche oder Bibel steht diesem göttlichen Geist diametral entgegen.

Dies beginnt bereits bei der Frage nach den Anfängen, denn schon das Christentum steht NICHT am Ursprung einer neuen, uns heute scheinbar vertrauten und angeblich unmittelbar auf Jesus selber zurückführenden Religion. Der unabdingbare Link zwischen dem leiblichen Jesus und seiner Lebensphilosophie und dem Christentum ist der jüdische Rabbiner und unter römisch-griechischem Einfluss (Gnosis etc.) stehende Philosoph Paulus. Jesus, seine Jünger und die ersten jüdischen Versammlungen in seinem Namen waren allesamt jüdisch orientiert. Es waren auch keine Judenchristen – der Begriff entwickelte sich erst viel später –, sondern Judaisten, welche zusammen mit den unmittelbaren Zeitzeugen wohl die erste Gemeinde bildeten.

Gleichwohl bestand diese sich Ende der 30er Jahre entwickelnde Jerusalemer Urgemeinde zum großen Teil schon nicht mehr aus unmittelbaren Nachfolgern des Nazareners, die ihn teilweise bis zu seiner Gefangennahme begleitet hatten. Die meisten von ihnen waren nach der Gefangennahme sowohl aus Angst als auch Enttäuschung in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt. Die tatsächliche Urgemeinde bestand wohl aus ersten Anhängern der Zeitzeugen Jesu, die ihnen von den Geschehnissen um Jesus erzählten (sie predigten erst später als der Stoff der Erzählung bereits ausgeschmückt und den Zuhörern entsprechend angepasst worden war, wie das auch das Pfingstwunder nahelegt). Später kamen griechischsprachige Proselyten dazu (vgl. die Stephanusgeschichte), die wahrscheinlich den Uranstoß für unterschiedlich Glaubenspraktiken gaben, aus denen heraus sich die Urgemeinde der Judaisten spaltete.

Daraus entwickelten sich wohl schon zu Beginn der 40er Jahre unterschiedliche jüdische Gruppierungen (z.B. die Nazoräer, die Ebioniten, s.u.a. hier), die schon Paulus vorfand (vgl. Apg 24,5), aber deren Weiterentwicklung einerseits an ihren restriktiven jüdischen Glaubensvorstellungen und andererseits am missionsfreudigen paulinischen Christentum scheiterte. Vor Paulus gab es weder ein Christentum, noch christliche Gemeinden, noch eine christliche Lehre, auch keine Unterscheidung in Juden- und Heidenchristen. Es gab nicht einmal ein Neues Testament. Dies alles sind Erfindungen einer späteren Kirche, die damit nicht an der Quelle schöpfte, sondern am heidenchristlichen Adapter Paulus.

Die Bezeichnung Christ(en) für die Nachfolger der paulinisch-heidnischen Jesulehre kam erst Mitte des 1.Jhs bei paulinisch geprägten Heidenchristen in Antiochien auf. Und weil Paulus mit dem leiblichen Jesus im Grunde wenig am Hut hatte (er kannte ihn nicht einmal), wurden seine Nachfolger auch nicht Jesuaner oder Nazarener (wie z.B. im Ostjordantal nach dem Fall Jerusalems) o.ä. genannt, sondern – und das ist theologisch sehr aufschlussreich – Christianoi, also Christen. Denn nicht Jesus und seine dem Menschen und seinen Bedürfnissen zugewandte Lebensphilosophie standen wirkmächtig am Beginn des Christentums, sondern der erhöhte Christus und sein angeblicher Sühnetod im Verbund mit heidnischer Philosophie der Antike – ein gewaltiges Herrschaftsinstrument für die kommende Kirche. Denn mit der Verwaltung dieses Sühnetods (Taufe, Sündenvergebung, Hlg. Geist) hatte die Kirche den Zugangsschlüssel in der Hand für ein nunmehr immer stärker politisch geprägtes Kirchenchristentum.

Paulus und die paulinische Schule ist nach allem, was wir heute wissen, Ursprung und Urheber einer Religionsphilosophie, der man den Namen Christentum gab, weil nicht ein Sozialreformer und Gesellschaftskritiker – was in der theokratischen Staats- und Gesellschaftsform des damaligen Judentums automatisch auch die Religionskritik einschloss – im Mittelpunkt dieser Lehre stand, sondern der ‚erhöhte Herr‘ und eine daraus erwachsende und zum Teil dämonische Herrschaftslehre. Über das, was Jesus zu seinen Lebzeiten wirklich gesagt hatte, wissen wir so gut wie nichts. Wir können im Grunde nur Rückschlüsse darauf ziehen aufgrund bestimmter Charaktereigenschaften, die Jesus deutlich vom Judentum seiner Zeit abgrenzte. Im Gegenzug wissen wir – nicht zuletzt dank der historisch-kritischen Bibelauslegung, welche zunehmend in der Lage war, die Hintergründe und zeitlichen Motivatoren zu beleuchten, auf der das Neue Testament basiert – aber umso mehr, was man ihm in den Mund legte von Menschen, die völlig andere Interessen hatten und in anderen Lebensumständen standen, ja diesen Jesus von Nazareth teilweise sprach- wie kulturbedingt gar nicht verstanden. Trotzdem wird die historisch-kritische Methode (HKM) von nahezu allen Kirchen bis heute u.a. mit dem Hinweis verteufelt, dass man damit nicht das Reich Gottes erlangen, ja nicht einmal Gott erfahren bzw. erfahrbar machen könnte. Dafür würde sie den Glauben zerstören, nicht zuletzt, weil Glauben und Vernunft im Grunde inkompatibel wären.

Dabei geht es der HKM einschließlich aller anderer wissenschaftlicher Verfahrensweisen WEDER um wie auch immer zu verstehende Gotteserfahrungen NOCH um einen unmittelbaren Zugang zum Reich Gottes. Dafür sind sie nicht zuständig, denn diese sind ausschließlich der persönlichen Gottesbeziehung vorbehalten, welche die HKM und die anderen Verfahrensweisen NIEMANDEM rauben wollen! Worum es der modernen Bibelforschung allerdings durchaus geht, ja gehen muss, ist alles, was nicht Gott bzw. nicht von Gott ist (u.a. also die ganzen menschengestrickten Gottesbilder, Glaubensdogmen, Kirchen- und Apostellehren usw., usw.) als solches zu erkennen (in neutestamentl. simpler und leider deshalb auch missverständlicher Sprache: „Prüfet die Geister“, 1.Joh 4,1). Man betrachte die zahllosen Aberglauben, die seit der Aufklärung als solche erkannt und als heilshinderlich, ja gefährlich gebrandmarkt wurden, und man beginnt zu verstehen, dass der Wert der wissenschaftlichen Bibelforschung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, hat er uns doch bis heute bewahrt, von pseudokirchlicher Rechtsprechung u.U. zum Scheiterhaufen verurteilt zu werden, nur weil selbst ernannte kirchliche Heiligkeiten und ihre Lehren kritisch hinterfragt werden.

Aber selbst im 21. Jh. gibt es seltsamerweise immer noch Verfechter der biblischen Unantastbarkeit, weil sie die Bibel als notwendiges Heilsgeländer betrachten, um überhaupt den Glaubensweg gehen zu können. Als hätte es all die Jahrhunderte von Irrglauben und Scheiterhaufen nicht gegeben, glauben Menschen vor allem im evangelikalen Lager (wozu zum Teil auch die NAK gehört) heute noch an ein Buch göttlicher Verbalinspirationen, ohne zu merken, wie sehr sie sich dadurch in mittelalterlichen Denkstrukturen versklaven, indem der Anspruch des papierenen Papstes nicht weniger idiotisch ist als der des menschlichen. Vor diesen Gefahren gilt es zu warnen, denn nur der denkende Mensch kann ihnen adäquat begegnen. Der Glaubende ist ihnen hilflos ausgeliefert
(wie jene deutlich beweisen, die anstelle der Apostel nun die Bibel vergöttlichen ...)

Dabei gibt die Bibel sogar selber den Rat, die Geister zu prüfen (ob sie denn von Gott kommen usw.), mit heutigen Worten also ALLES OHNE ANSEHEN VON PERSON UND NAMEN kritisch zu hinterfragen, da sonst niemals zwischen Glauben und Aberglauben, Wahrheit und Irrtum und nicht zuletzt wahren und falschen Aposteln/Jüngern unterschieden werden könnte. Und naturgemäß hat jede Zeit und Entwicklungsstufe des Menschen ihre eigenen Mittel und Methoden für diese Geisterunterscheidung. In der Neuzeit sind dies Vernunft und Erkenntnis. Dabei geht es nicht darum, dass diese als Maßstab fehlerfrei wären, sondern darum, dass es keinen besseren Maßstab für denkende Wesen gibt. Was zählt ist, dass er irrtums- und damit manipulationsfreier (Komparativ) ist als alle anderen Maßstäbe, vor allem als der kirchlich immer wieder eingeforderte Glauben. Im Gegensatz zur sakralisierten Glaubensdogmatik hätte es unter der Regie von Vernunft und Erkenntnis weder Religions- bzw. Glaubensverfolgungen noch Hexenverbrennungen gegeben noch wären Wissen und Erkenntnis als vom Teufel kommend verdammt und so jeglicher Fortschritt verhindert, zumindest jedoch unsinnig verlangsamt worden. Wer jedoch glaubt, dass die Bibel heilig und unantastbar ist, der wird über kurz oder lang damit genau das machen, was die Islamisten aufgrund der gleichen Idiotie bezügl. ihres Korans auch machen.

Diese eindeutige Unterscheidung zugunsten von Vernunft und Erkenntnis betrifft letztlich selbst die Grundmauern christlicher Lehre: die Frage, ob Christus im kirchlichen Sinne Gottes Sohn war oder nicht. Gab es einen gottesgeistlichen Beischlaf und daraus resultierend eine jungfräuliche Empfängnis, wie das im Christentum bis heute gelehrt und unter Glaubenszwang gestellt wird, oder haben wir es hier mit uralten Bildern einer uns völlig fremden Kultur zu tun, die eben nur in alltagstauglichen Bildern ausdrücken konnte, was ihr das fehlende Wissen an sprachlichen Äußerungsmöglichkeiten verunmöglichte?

Um die gestellte Frage einigermaßen sinnvoll vor dem Hintergrund unseres heutigen Wissens beantworten zu können, brauchen wir vorab erst mal einige unabdingbare sprachwissenschaftliche Erklärungsmuster (u.a. die Polysemantik von Sprache, Unterschied von Wort und Begriff, Narration und Bericht usw., usw.), ohne welche wir im Grund nur spekulieren könnten. Ohne hier ins Detail gehen zu wollen geht es zuerst einmal um die Bewusstmachung, dass sowohl der Vater- als auch der Sohnbegriff unterschiedliche Perspektivierungen ermöglicht, je nachdem, unter welchem Blickwinkel bzw. mit welcher Redeabsicht sie gebraucht werden. Ein gängiges, weil sehr anschaulichen Mittel für diese Perspektivierung ist die Bildung von Gegensätzen:

Kontrastiert sich der Vater-Begriff (a) mit dem Mutter-Begriff auf der körperlichen Ebene (also Mann versus Frau) oder (b) mit dem Mutterbegriff z.B. auf der sozialen Ebene (die u.a. die Erziehung mit einschließt), oder wird er als Bild des männlichen Schutzes für seine Kinder verstanden, wie dies als Gottesvorstellung vor allem im Alten Testament häufig der Fall war. Oder soll mit dem Vater-Begriff gar das Bild der heutigen Vatervorstellung evoziert werden usw., usw. Gerade die Theodizeefrage, warum ein Vater-Gott das Übel in der Welt zulässt, zeigt, wie wichtig derartige Unterscheidungen sind. Gleiches gilt für die Vorstellung des Sohnes. Auch dieser kann auf ähnliche Kriterien (Sohn als Leibesgabe, Sohn als soziale Rolle, Sohn als Angehöriger einer Familie, Sohn als Erbberechtigter usw.) hin hinterfragt werden.

Um’s kurz zu machen. Es kann bei dem Sohnbegriff mit definitiver Sicherheit weder um eine genealogische noch um eine biologische Perspektive gehen. Die Vorstellung einer heilig-geistlichen Begattung mittels spirituellem Beischlaf ist nicht nur völlig absurd, sie macht in der eigentlichen Glaubensfrage selber auch keinerlei Sinn. Wozu sollte eine geistige Empfängnis in Fragen der göttlichen Glaubwürdigkeit dienen? Was sollte eine mystische Begattung in Fragen einer Göttlichkeit Jesu bewirken? Und selbst wenn diese Bilder jemals wörtlich genommen worden wären, dann nur vor dem Hintergrund einer Zeit und Kultur, die einen völlig gegensätzlichen Göttlichkeitsbegriff hatte, der mit demjenigen, den Jesus verwandte, nicht vergleichbar ist.

Anders sieht es aus, wenn wir den Sohnbegriff unter einer anderen Perspektivierung betrachten, nämlich so wie ihn die Völker der Bibel und damit seine Zeitgenossen sehen. Bei dem Sohnbegriff geht es, wie die Bibel selber deutlich macht, um ein urjüdisches Sprachbild, welches entweder im Sinne eines geistigen Eigentums (vgl. Deut. 32,19) zu deuten ist, oder im Sinne einer geistigen Übereinstimmung mit einer Sache bzw. einer bestimmten Eigenschaft (vgl. die markinischen Boanerges - die Donnersöhne), die i.d.R. als Wesenseigenschaft verstanden werden will. Nicht fleischliche Abstammung kraft himmlischer Besamung stehen im Vordergrund des biblischen Sohn-Gottes-Verständnisses, sondern es geht im übertragenen Sinn um das Bild einer geistigen Wesensgleichheit (vgl. Joh 4,24), weshalb wir alle als Söhne und Töchter Gottes gesehen werden, insofern wir das göttliche Wesen in uns zur Entfaltung bringen.

Dazu passend noch ein Link: Ältestes Evangelium rekonstruiert

 

Info: Formaler Kirchenaustritt

Wer Fragen zum rein formellen Austritt hat, kann sich auf der Seite "Kirchenaustritt " umfassend informieren. Falls jemand auch in seiner Geburtsurkunde die nach Personenstandsgesetz § 21 auf Wunsch mögliche Eintragung der elterlichen Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft  der Vollständigkeit halber ebenfalls nicht mehr haben möchte, kann dies beim Standesamt in der Fortführung des Eheregisters nach § 16 Nr.5 als „Änderung oder Löschung der eingetragenen Religionszugehörigkeit“ aufnehmen lassen.

Übrigens: Wer nicht austritt, braucht sich nicht zu wundern, wenn auch nach Heirat (Namensänderung) und Umzug plötzlich die NAK vor der Tür steht. Sie erhält die Kontaktdaten direkt und ganz offiziell über das Einwohnermeldeamt.

 

Ein Chorus von Udo Lindenberg sei den weiteren Ausführungen als Motto vorangestellt:

Udo Lindenberg "Das Leben"

Nimm dir das Leben
und lass es nicht mehr los
denn alles was du hast
ist dieses eine bloß
Nimm dir das Leben
und gib's nie wieder her
denn wenn man es mal braucht
dann findet man's so schwer

Nimm dir das Leben
und lass es nicht mehr los
greif's dir mit beiden Händen
mach's wieder stark und groß
Nimm dir das Leben
und gib's nie wieder her
denn wenn man es mal braucht
dann findet man's so schwer

Video   Text

 

 

Der Sektenausstieg aus der NAK-

Oder: Die Problematik des unsichtbaren Netzes

Lessing, Nathan der Weise:
Der Aberglaub', in dem wir aufgewachsen,
Verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darum
Doch seine Macht nicht über uns.-- Es sind
Nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten.

 

Sie finden auf dieser Seite neben vielen bezeichnenden NAK-Zitaten zunächst zur Einführung:

  • Austiegsseite von Ulrike Bär-Streich
           
                                                                                                       

Artikel:

  • Die Problematik eines Aussteigers DS
  • Die NAK, ein  harmonisches Gemeinwesen?- Versuch einer Erklärung für Außenstehende DS
  • Mögliche psychische Folgeschäden - (Kapitel 5 aus D. Streich „Sprachliche Mittel zur mentalen Zwangsüberzeugung in der NAK“)
  • Die Lösungsproblematik aus psychologischer Sicht - (Kapitel 1.4 aus D. Streich „Zur Psychodynamik religiös fundamentalistischer Bewegungen“
  • Kriterien zur Therapeutenwahl - (Kapitel 6 aus Ulrike Bär "Psychologische Beratung oder Therapie?)
  • LinkKann das denn wirklich rechtens sein? Rechtliche Grundlagen für den Bereich unter dem speziellen Blickwinkel des Kinder- und Jugendschutzes - Sekten und Psychogruppen - IDS - Informations- und Dokumentationsstelle
  • Downloadlinks zum Thema Psychomanipulation in Sekten

 

 

 

 

"Gibt es für mich eine Hilfe, an die ich mich wenden kann,die mir bei dem Ausstieg aus der NAK Tipps und Ratschläge geben können, einen Weg aufzeigen, den Anfang was man zuerst macht um es zu vergessen und neu zu beginnen und wie man neu beginnen soll und wie man in Zukunft mit der Frage Glauben umgehen soll?" (Andrea im Gästebuch)

Dieser aktuelle Hilferuf im Gästebuch (130.) 04.02.2012)  hat uns veranlasst,eine neue HP ins Netz zu stellen, die den Versuch macht, sich genau dieses Problems anzunehmen:

Homepage zur Hilfe und Begleitung in Ausstiegsfragen

Die Verantwortung und Betreuung der neuen HP liegt in den Händen von Ulrike Bär-Streich, ausgebildete und zugelassene Heilpraktikerin für Psychologische Beratung und Psychotherapie.

Möge auf der neuen HP ein reges Fragen, Schreiben und Ausstauschen stattfinden. Vor allem beteiligt euch mit Fragen oder Vorschlägen zur Gestaltung, indem Ihr Ulrike anschreibt, am besten über "Kontakt" auf der neuen Hp oder Einträge im Gästebuch..

Für besondere Fälle  gibt es sogar eine Privatperson, die freundlicherweise die Honorare von Ulrike teilweise oder ganz als Spender übernehmen würde, wenn finanzielle Engpässe bestehen.  Auch hier sei ein herzlicher Dank gesagt für dieses überaus großzügige Angebot. Wer Genaueres erfahren möchte möge sich also nicht scheuen und gerne direkt mit meiner Frau Ulrike Bär-Streich Kontakt aufnehmen, die auch eine telefonische Beratung in Ausstiegsfragen durchführt.

Ebenso wäre sie bereit,  für interessierte Menschen Wochenendseminare anzubieten zum Thema "Sektenausstieg - Probleme, Hilfen und Begleitung". Diese Veranstaltungen können bei uns im Großraum Stuttgart oder auf Einladung ab 10 Personen auch andernorts durchgeführt werden (Terminabsprachen nach Vereinbarung und Bedarf). Bei Interesse wenden Sie sich telefonisch oder per Mail direkt an Ulrike Bär-Streich.   Sie wird eine Warteliste führen, auf die Sie sich eintragen lassen können.

Weitere inhaltliche Ansatzpunkte zur Hilfe finden Sie auf der neuen Seite, wie Z.B.:

 

Vorbemerkungen zur Ausstiegsproblematik von Ulrike Bär-Streich und DS
 

1. Der Ausstieg als positiver Einstieg ins eigene Leben

Die ehemalige Mitgliedschaft in einer kirchlichen Sekte und/oder fundamentalistisch totalitären Gruppierung mit praktizierter mind control und der spätere Ausstieg aus dieser Gemeinschaft ist in den meisten Fällen mit starken psychischen Belastungen und Spätfolgen verbunden. Es braucht eine gehörige Portion Mut und Kraft, sich aus diesen Zwängen zu befreien und den Schritt heraus zu wagen. Aber die erste Euphorie darüber, der Sekte entronnen zu sein, weicht meist sehr schnell der nüchternen Feststellung, dass viele Probleme sich danach erst so richtig zeigen. Oftmals ist solch ein Mensch dann auch in ganzer Härte auf sich allein gestellt, weil das bisherige soziale Familien- und Bezugssystem zerbrochen ist. Und die Erkenntnis, 20, 30 oder mehr Jahre seines Leben für eine verlogene Scheinwelt geopfert zu haben und geistlich missbraucht worden zu sein, ist ebenso furchtbar wie die damit verbundene Tatsache des nicht gelebten und sogar versäumten eigenen Lebens. Selbst ein möglicherweise begleitender Therapeut, der mit den sehr speziellen Problemen der Ausstiegsproblematik zu wenig vertraut ist, kann sich unter Umständen als wenig hilfreich herausstellen. Der Klient wird oft nur medikamentös versorgt, eine gesprächstherapeutische Aufarbeitung aber unterbleibt oder greift zu kurz.  Um diesem Missstand zu begegnen, sind wir auf der Suche nach Berichten von Menschen, die sich aus den Zwängen ihrer Religionsgemeinschaft befreien konnten und einen neuen Anfang gefunden haben, der auch anderen betroffenen Personen Mut machen kann, diesen Ausstiegsschritt zu wagen.
Selbstverständlich werden die Texte vertraulich behandelt, von uns redigiert und auf Wunsch auch anonymisiert. Ein Recht auf Verwendung oder Vergütung der zur Verfügung gestellten Texte besteht leider nicht. Ebenso wird um Verständnis dafür gebeten, dass eine konkrete Antwort im Sinn einer seelsorgerisch-therapeutischen Begleitung in diesem Zusammenhang nicht erfolgen kann.
Dieses auch bei
Readers Edition  im Netz stehende Projekt möchte unsere Ausarbeitungen zur Sektenproblematik um den subjektiv-positiven Faktor „Vollzogener Ausstieg – neu gefundenes Leben“ ergänzen und möglichst zu einer Orientierungshilfe werden für diejenigen, die sich vielleicht gerade auf diesen schwierigen Weg begeben oder schon auf ihm sind. Ebenfalls können Sie auch einen Bericht, den Sie bereits in einem Forum hinterlassen haben, kopieren und uns zusenden. Beachtenswert ist auch die neue HP von Ulrike Bär-Streich: Hilfe und Begleitung beim Ausstieg .

 

 2. Die Beziehungsproblematik zur Sekte

Immer wieder fragt man sich als ehemaliges Mitglied, warum hat es so lange gedauert, bis ich den Absprung geschafft habe. Sicher haben die Methoden der Mindcontrol ihre Auswirkungen gehabt, besonders dann, wenn Sekte und Eltern einen von Kindheit an damit  kontrollierten, manipulierten und indoktrinierten. Aber später, mit aufkommender Kritik und Glaubenszweifeln? Reicht da der Verweis auf immer noch vollzogene Mindcontrol als hinreichender Grund des Bleibens? Mit Sicherheit nicht, auch wenn es in den Gottesdiensten immer wieder diese suggestiven Einschwörungsfloskeln gibt, so auch von Stap. Leber am Ende des Abschlussgottesdienstes der Bezirksapostelversammlung  am 18.3.2012 in Lenzburg (Schweiz):

Bleiben wir treu! Lassen wir uns nicht davon abbringen, dem Herrn zu dienen und bei ihm zu bleiben, zu ihm aufzuschauen. Wir  wollen uns nicht beirren lassen von irgendwelchen Meinungen. Dass die Verhältnisse unterschiedlich sind, sich auch entwickeln. Ich weiß auch nicht, was in der nächsten Woche los ist, das wissen wir alle nicht, haben wir nicht in der Hand. Aber eines soll feststehen, dass wir dem Herrn treu bleiben.“

Man ist als Kult- oder Sektenmitglied eben nicht ein bloßes Vereinsmitglied, sondern man ist mit seinem ganzen Sein in der Gruppe und ihrer Idee so fest verortet und verwurzelt wie in einer personalen Beziehung oder in der Beziehung zur Heimat. Man verlässt eben nicht die Kirche, man verließe den "Herrn", so die Suggestion der NAK! Dazu ein Liedzitat aus dem neuapostolischen Gesangbuch Nr. 183, die zweite Strophe  von „Wort des Lebens“ (Original von  K.J. Spitta 1801-1859) in der Bearbeitung von Apostel  Bansbach, Jg. 1954:

Ohne dich, was ist die Erde?
Ein mit Fluch beladnes Tal. (Original: Ein beschränktes, finstres Tal)
Ohne dich, was ist der Himmel?
Ein verschlossner Freudensaal.
Ohne dich, was ist das Leben?
Ein erneuter finstrer Tod. (Original: Nur ein Warten auf den Tod)
Ohne dich, was ist das Sterben:
Nachtgraun ohne Morgenrot.


Man beachte die durch die Bearbeitung noch deutlich verstärkte negative Einstellung zum Leben. Hinzu kommt für das neuapostolische Mitglied die ganz definitive Konnotation, dass das „Ohne dich“ aber nicht etwa nur ohne Jesus/ Gott bedeutet, sondern  „Ohne die Mitgliedschaft in der  NAK, was ist  …!“.

Der Bearbeiter, Apostel Herbert Bansbach, predigte am 17.04.2011 in einem Konfirmationsgottesdienst in Heidelberg zum Thema „Gottesfurcht“ zunächst einleitend:

Jesus konnte sich den Versuchungen widersetzen, weil er immer die nötige Gottesfurcht praktizierte. … Auch wir müssen immer wieder darum kämpfen, nicht vom Glaubensweg abzukommen.“

Nach dieser bereits völlig unzulässigen Verknüpfung zwischen Gottesfurcht und Glaubensweg folgtenDrei entscheidende Komponenten der Gottesfurcht:

  • Grundhaltung der Demut gegenüber Gott: Wir wollen uns immer wieder bewusst machen, dass wir ohne Gottes Hilfe sehr schwach sind. Alles was wir sind, ist uns durch die Gnade Gottes zuteil geworden. Wir benötigen zwar einen starken Willen, der uns aber alleine nicht vorwärtsbringt. 
  • Beständigkeit in der Verbindung zu Gott: Wir wollen die stetige Verbindung zu Gott suchen. Dies gelingt am besten im Gebet, im Gottesdienst und in der Nachfolge. Wir wollen keine „Notfall-Verbindung“ pflegen.
  • Nach dem Willen Gottes fragen: Wir können und sollen unsere eigenen Pläne und Vorstellungen verfolgen. Zuvor gilt es aber, nach dem Willen Gottes zu fragen, um beides in Einklang zu bringen.“

Beständigkeit in der Verbindung zu Gottim Gottesdienst und in der Nachfolgeden NAK-Predigern ist also aus seiner Sicht „Gottesfurcht!“ Diese und weitere Indoktrinationen wie die Vorstellung des nur zur NAK wiederkommenden Messias werden unbearbeitet als Trigger im Stammhirn abgelegt und lösen auch im späteren Leben Prozesse aus, die nicht willentlich gesteuert werden können.  Das folgende Zitat von Bezirksapostel  Nadolny am Jugendtag 2008 zeigt die Ver- Rücktheit des Denkens besonders deutlich: „Wie wichtig dieses Vertrauen ist, verdeutlichte die Geschichte vom Wanderer, der in eine Schlucht stürzt und sich nur noch an einem Zweig hält. Er bittet Gott um Hilfe und als dieser sie ihm zusichert und ihn auffordert sich dann fallen zu lassen, entgegnet ihm der Wanderer nur "ich bin doch nicht verrückt". Wir möchten uns doch immer in die Hand Gottes fallen lassen.“

Dazu noch ein eingeschobenes Zitat von Sigmund Freud: Die Zukunft einer Illusion (1927)

 "... Für die Illusion bleibt charakteristisch die Ableitung aus menschlichen Wünschen, sie nähert
sich in dieser Hinsicht der psychiatrischen Wahnidee, aber sie scheidet sich, abgesehen von dem komplizierteren Aufbau der Wahnidee, auch von  dieser. An der Wahnidee heben wir als wesentlich den Widerspruch gegen die Wirklichkeit hervor, die Illusion muß nicht notwendig falsch, d. h. unrealisierbar oder im Widerspruch mit der Realität sein.

Ein Bürgermädchen kann sich z. B. die Illusion machen, daß ein Prinz kommen wird, um sie heimzuholen. Es ist möglich, einige Fälle dieser Art haben sich ereignet. Daß der Messias kommen und ein Goldenes Zeitalter begründen wird, ist weit weniger wahrscheinlich; je nach der persönlichen Einstellung des Urteilenden wird er diesen Glauben als Illusion oder als Analogie einer Wahnidee klassifizieren. ..." )

 

3. Wie steht es mit Ihrem Verhältnis zu Ihrer Glaubensgemeinschaft? (UB/ DS)

In vielen religiösen Gemeinschaften gibt es Schwierigkeiten, weil die Dogmatik der Gruppe und ihre hierarchische Struktur einen starken Einfluss auf die Lebensgestaltung ihrer Mitglieder ausüben. Besonders problematisch ist es, wenn sich die Mitglieder ihre Mitgliedschaft nicht ausgesucht haben und sie gar keine Wahl hatten, weil sie in die Gruppe hineingeboren wurden. Die gesamte Sozialisation ist von Kindheit an darauf ausgerichtet, sich den Zielen und Maßgaben der Gruppe kritiklos zu unterwerfen. Der Raum zur freien Entfaltung der eigenen Persönlichkeit ist dadurch sehr stark reduziert und/oder an den Angeboten der Gruppe orientiert.

Gibt es in Ihrer Gemeinschaft  wirklich genügend Verständnis und Geborgenheit für Sie? Die folgenden Fragen können Ihnen helfen, Ihren "Beziehungs‑Quo­tienten" zu Ihrer Glaubensgemeinschaft festzustellen. Beantworten Sie die einzelnen Fragen und geben Sie sich ein A für die Antwort "stimmt", ein B für "stimmt manchmal" und ein C für "stimmt selten oder gar nicht".

 stimmt  manchmal  selten

Hier einige Fragenbeispiele:

 

1.      Es ist schwierig für mich, nicht zu tun, was meine Gemeinschaft  von mir verlangt.     stimmt  manchmal  selten 

2.      Ich habe viel an meiner Gemeinschaft  zu kritisieren.    stimmt  manchmal  selten

3.      Ich fühle mich durch die Gemeinschaft  eingeengt.   stimmt  manchmal  selten

4.      Meine Gemeinschaft  sagt mir zu oft, was ich tun soll.   stimmt  manchmal  selten

5.      Ich fühle mich durch die Gemeinschaft  oft herabgesetzt.   stimmt  manchmal  selten

 

Zur Auswertung:

 Dieser Fragebogen ist als noch vorläufige Testversion eine Modifikation eines Partnerschaftstestes von Ursula Nuber aus „Psychologie Heute“, Mai 1992, mit dem Titel „Intimität, so nah und doch so fern“. Da das Verhältnis zu einer Glaubensgemeinschaft eher einer Partnerbeziehung gleicht als einer Mitgliedschaft in irgendeinem Verein kann Ihnen der Test helfen, eine erste, grobe Standortbestimmung durchzuführen und könnte für Sie als Anregung dienen, sich vertiefend mit der Problematik auseinanderzusetzen. Weitere interessante Informationen und Hinweise finden Sie in der ausführlicheren Einführung auf der HP von Ulrike Bär-Streich.

Wir sind sehr an Ihren Erfahrungen in der Bearbeitung dieses Fragebogens interessiert und jederzeit für konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge offen. Über eine Rückmeldung zum Test würden wir uns sehr freuen.

 Wir wünschen Ihnen auf Ihrem Weg alles Gute! Download Fragebogen

 

 „Psychologische Beratung oder Therapie? Überlegungen zur spezifischen Problematik von Geburt an religiös-fundamentalistisch geprägten Menschen“, Göppingen 2005

Eine Ausarbeitung von Ulrike Bär, HP für Psychotherapie

Homepage für Aussteiger (Download der gesamten Arbeit) und Homepage für Psychotherapie und Beratung

Daraus Kapitel 4. Ausstiegsweg und Ausstiegsphasen

In meiner Arbeit mit Menschen, die aus solchen Systemen und Gruppen austreten möchten, bzw. bereits ausgetreten sind, konnte ich verschiedene Phasen des Ausstiegsprozesses beobachten, die allen Betroffenen gemeinsam sind. Wie lange die jeweiligen Phasen durchlebt werden kann sehr unterschiedlich sein. Das kann zwischen einigen Monaten und 10-20 Jahren schwanken. Außerdem ist festzustellen, dass nicht jeder Ausstiegswillige alle Phasen durchlaufen konnte, sondern bei der einen oder anderen Phase stehen geblieben ist. Dies ist vor allem für die spätere Betrachtung in Bezug auf die psychologische Beratung oder Psychotherapie von Bedeutung.

James W. Fowler beschreibt dazu passend in seinem Buch "Stufen des Glaubens. Die Psychologie der menschlichen Entwicklung und die Suche nach Sinn" sechs mögliche Stufen des Glaubens, in die der Mensch im Verlauf seines Lebens eintreten kann. In der ersten und zweiten Glaubensstufe wird zunächst die religiöse Bilderwelt wörtlich verstanden, in der dritten, konventionellen Stufe lebt der Mensch dann in dem Sinn- und Wertesystem, dass er durch die elterlichen und von der Gruppe bestimmten Vorgaben kritiklos übernommen hat. Die meisten Menschen verbleiben zeitlebens auf dieser Stufe. Kennzeichen der vierten, reflektierenden Glaubensstufe ist die einsetzende Entmythologisierung. Die äußeren Autoritätsquellen verlieren an Gewicht, die verschiedenen Glaubens-, Denk- und Gefühlsvorgaben werden zweifelhaft. Diese Entwicklung ist jedoch nicht zwangsläufig, da der Mensch dazu tendiert, an den alten Vorgaben festzuhalten, auch wenn eine Befreiung durchaus einen persönlichen Gewinn mit sich bringen würde.[1] An dieser Stelle bzw. Stufe setzen nun die von mir beschriebenen Phasen des Zweifels an.

Phase 1:    Der Zweifel

In einer groben Einteilung lassen sich zwei Gruppen ausstiegswilliger Mitglieder unterscheiden:

  • Es gibt Menschen, die auf Grund persönlicher Kränkung oder auch durch Nichtbeachtung des von ihnen eingebrachten Engagements durch die maßgeblichen Systemvertreter beginnen, die Inhalte der Lehre und die gelebte Praxis der sie Vertretenden zu hinterfragen.
  • Die zweite Gruppe sind Menschen, die auf Grund ihrer persönlichen inneren religiösen Haltungen und Erfahrungen oder durch Kontakte mit anderen religiös geprägten Menschen außerhalb ihrer Konfession mit den Diskrepanzen der in der Glaubensgemeinschaft gelebten, geforderten und gepredigten Lehre nicht mehr zurechtkommen.

Beiden Gruppen sind also, trotz zunächst unterschiedlicher Ursachen, früher oder später die Zweifel am Inhalt der Lehre gemeinsam. Selbstverständlich gilt wie überall, wo theoretische Einteilungen stattfinden, dass es ebenso Mischformen gibt, die nicht immer trennscharf zugeordnet werden können.

In der ersten Phase der auftretenden Diskrepanzen und der nachfolgenden potentiellen Lösung aus der Gruppe sind die betroffenen Menschen einer großen inneren Unruhe und Anspannung ausgesetzt. Ihre Zweifel speisen sich oft aus theologischen Fragwürdigkeiten und Ungereimtheiten ihres Glaubens im Hinblick auf den in unserem Kulturkreis üblichen christlichen Glauben. Sie machen die Erfahrung, dass von Nächstenliebe innerhalb der Gruppe nichts mehr zu spüren ist, sobald jemand quer zu denken beginnt. Diese Erkenntnis kann als entscheidender Auslöser zum Ausstiegsprozess angesehen werden.

Daraus folgend entstehen große innerpsychische Spannungen. Trotz mancher rationalen Erkenntnis kommt es zu zum Teil erheblichen Ängsten und Schuldgefühlen. Die Angst, dass Gott den „Unglauben“ und Zweifel sehen und bestrafen könnte ist immens groß. Die verinnerlichte und vom System angedrohte Konsequenz des ewigen Verdammtseins wirkt trotz der Zweifel weiter und übt zusätzlich einen enormen psychischen Druck aus.

Innerhalb der Gruppe ist es schwer bis unmöglich, einen förderlichen Gesprächspartner für die entstandenen Fragen zu finden, da ein enormer Gruppen- und damit Konformitätsdruck herrscht. Die meisten Betroffenen entwickeln dadurch ein tiefes Gefühl der Einsamkeit und des Verlassenseins. In diesem Stadium ist bei den meisten Mitgliedern das gelehrte Gottes- und Weltbild instabil geworden. Dennoch bleibt aber durch die allgemein heteronomistisch orientierte Grundhaltung das Bedürfnis nach einer geistlichen Autorität, an der man sich ausrichten kann. Dies führt bei vielen Betroffenen zu einem Gefühl des Verlassen- und Verlorenseins und damit in eine erste existentielle Krise.

Phase 2: Aufklärung und Folgen

Wie in allen totalitären Systemen herrschte bei vielen religiös-fundamentalistischen Kleingruppen und religiösen Sekten Jahrzehnte eine vollständige Informationskontrolle. Die Mitglieder wurden gar nicht oder nur über das informiert, was für das System erhaltend war. Jede Kritik an der Lehre ist geistlicher Selbstmord.

Seit etwa 10 Jahren bietet das Internet jedoch eine Fülle an Sachinformationen über fast jede religiöse Gruppierung an. Auch gibt es eine Vielzahl von kritischen Foren und Internetseiten, auf denen sich Menschen unter dem Schutz der Anonymität informieren und sich mit ebenfalls an der jeweiligen Lehre zweifelnden Gläubigen austauschen können. Zeitgleich sind Selbsthilfegruppen entstanden, die einen Austausch und theologische Aufklärung bzw. Auseinandersetzung ermöglichen. Viele „ältere“ Aussteiger können dort mit Buchtipps zu psychologischen, theologischen und soziologischen Themen weitere Anregungen geben. Dies hat die äußeren Bedingungen für die  Aussteigewilligen zwar vorteilhaft verändert, die möglichen psychischen Folgen sind damit jedoch noch lange nicht bearbeitet. So setzt an dieser Stelle des Ausstiegsprozesses für die meisten Betroffenen ein großes Gefühl der Unsicherheit ein. Es wird deutlich, dass der in Gang gekommene Erkenntnisprozess Veränderungen mit sich bringt, die nicht mehr aufzuhalten sind.

Die psychischen Reaktionen darauf sind unterschiedlich. Bereits zu diesem Zeitpunkt können manche Menschen den nächsten Schritt nicht mehr weiter gehen. Unbewusst oder bewusst verdrängen sie die gewonnenen Erkenntnisse. Verzerrungen und Rationalisierungen sollen helfen, die entstandene Inkongruenz zu verarbeiten. Hartnäckiges Leugnen der Fakten, ein Zurechtbiegen vor sich und anderen soll die innere Unsicherheit und Angst bannen.

Diese Menschen „kämpfen“ für ihren Glauben und damit für ihr eigenes Selbst. Viele gehen früher oder später trotz ihrer großen inneren Zerrissenheit in das Glaubenssystem zurück. Flash-backs verhindern einen endgültigen Austritt.

Andere hingegen reagieren mit Neugierde und Eifer, um den eigenen Prozess zu fördern. Solange die gedanklichen Auseinandersetzungen den Menschen beschäftigen, hilft es ihm, zum Glaubenssystem eine gewisse kognitive innere Distanz zu entwickeln. Gleichzeitig suchen aber die meisten Betroffenen nun oft nach anderen religiösen Gruppierungen oder spirituellen Vereinigungen, um ihre tief verwurzelte natürliche und konditionierte Religiosität irgendwie noch leben zu können. Da das Ich dieser Menschen kaum „Eigenanteile“  besitzt braucht es diese religiös-göttliche Stütze zunächst noch. Deswegen besteht für viele Menschen die Gefahr, sich erneut in eine Gruppe zu begeben, die ähnliche hierarchisch gestaffelte und abhängig machende Strukturen aufweist. Unbewusst werden diese wieder - weil bekannt - als Geborgenheit und Stütze gebend erlebt.[2]

Es gibt aber auch Menschen, die einen radikalen Schnitt vollziehen und sich von heute auf morgen von der fundamentalistischen Gemeinschaft trennen. Es hat sich dabei jedoch gezeigt, dass, obwohl zunächst ein ganz neues Leben angefangen wurde, nach vielen Jahren (bis zu 20 oder 30 Jahre später) die Betroffenen dennoch von ihrer Vergangenheit eingeholt werden und sie sich also immer noch nicht vollständig von den alten Bindungen und Über-Ich Forderungen lösen konnten, also weiterhin vielen in der Kindheit konditionierten kognitiven und emotionalen Mechanismen folgen. [3]

Phase 3: Emotionale Reaktionen

Innerhalb dieser Phase zeigen sich ganz besonders deutliche Unterschiede in der Verarbeitung des Ausstiegsprozesses. Es treten verschieden lang andauernde Phasen der Wut, der Verzweiflung und des Gefühls der Sinnlosigkeit des Lebens, sowie  Zweifel an den eigenen kognitiven Fähigkeiten auf. Die Erkenntnis, von Kindheit an manipuliert worden zu sein und die damit verbundenen unterschiedlich stark ausgeprägten elterlichen Erziehungseinflüsse erkennen zu müssen, ist hart und schwer zu akzeptieren. Viele Aussteiger sehen unwiederbringlich auf eine „gestohlene“ Kindheit und Jugendzeit zurück. Je nach  persönlichen Voraussetzungen, wie leichte Suggestibilität oder Beeindruckbarkeit und je nach elterlicher Prägung können sich hier die Biographien sehr unterscheiden. Manchen Eltern gelang trotz aller Systemvorgaben eine liberalere Erziehung, andere wiederum erzogen ihre Kinder mit absoluter Konsequenz systemgebunden und autoritär. Die jeweils entstandenen Folgen sind beträchtlich. Bei manchen Aussteigern konnten sich etwas mehr „Eigen-Ich-Anteile“ bilden, in den meisten Fällen ist jedoch eine deutliche Ich-Schwäche bei absoluter Autoritätsgläubigkeit, wenn nicht sogar Hörigkeit zu beobachten. Erlernte Hilflosigkeit führt zu Opferrollendenken. Verlernte oder nie gelernte Selbstwirksamkeit wird deutlich. Wünsche und Pläne außerhalb des Glaubenssystems sind nicht mehr vorhanden oder wurden unterdrückt. Das zu erwartende „ganz normale Leben“ bildet kein ausreichend starkes emotionales Gegengewicht gegenüber der indoktrinierten und schwer negativ geprägten Dogmatik mit ihrem „ Kampf gegen die Finsternis für ein besseres gottwohlgefälliges Wesen“  und den daraus resultierenden, wie auch immer benannten Lebenszielvorgaben. Auch der wertfreie und von den erlebten Prägungen losgelöste Umgang mit Erlebnissen und den damit verbundenen Gefühlen ist vielen fast unmöglich. Jedes Gefühl bleibt auf das Engste mit den Systemvorgaben verknüpft und löst eine Fülle von automatischen, quasi reflektorischen Assoziationen und kognitiven Abläufen aus. Gelegentlich kann es dazu kommen, dass vor allem bei schönen und Lebensfreude bringenden Erlebnissen sich keinerlei Emotionen einstellen, weil diese ja vormals als wertlos abgetan und aberzogen wurden.  Selbst wenn die dogmatischen Konstrukte kognitiv längst durchdrungen und als Irrtum entlarvt wurden, bleibt ein tiefes emotionales Loch, von dem der Aussteiger nicht weiß, wie und wodurch er es füllen soll. Mitunter schließt sich an diesen Abschnitt des Ausstiegsprozesses zunächst eine Art nachgeholte Pubertät an mit all den Findungsprozessen und oft überschießenden Reaktionen eines sonst 14jährigen. Meist bleibt jedoch trotz allen „Nachholens“ ein fades Gefühl der Sinnlosigkeit zurück. Der bei den Betroffenen oft anzutreffende Aktionismus in alle möglichen spirituellen Richtungen ist hierfür ein Ausdruck des Suchens und der emotionalen Verzweiflung zugleich.

Phase 4: Neuorientierung und Trauer

Manche Menschen versuchen mit ihrem entstandenen Leid nun dadurch fertig zu werden, dass sie anderen Aussteigewilligen in ihrem Lösungsprozess behilflich sind. Das kann helfen, die eigenen Erlebnisse zu verarbeiten. Ein gewisses Gefühl, noch handlungsfähig zu sein und irgendwie gebraucht zu werden, stellt, meist unbewusst, einen ersten Versuch dar, dem Leben wieder einen Sinn zu geben und die entstandene Lücke zu schließen. Auf diese Weise lernt der Betroffene seine Selbstwirksamkeit kennen und kann sich etwas stabilisieren. Die Mitarbeit in Selbsthilfegruppen kann also eine stützende und begleitende Funktion einnehmen, andererseits kann jedoch auch die ständig weiter bestehende Konfrontation mit dem System und den Erlebnissen der anderen Mitglieder dazu führen, dass diese Menschen nach wie vor stark in der eigenen Vergangenheit gebunden bleiben. Sie verbleiben oft viele Jahre in ihrer Selbsthilfegruppe, „kultivieren“ aber damit möglicherweise ganz unbewusst eine gewisse Opferhaltung, die den Weg zu autonomem Denken und Handeln erneut sehr erschwert. Manche resignieren, verzweifeln und geraten in eine endlose Spirale depressiver Verarbeitungsmuster. Das bisherige Leben scheint keinen Sinn gehabt zu haben und im neu gewonnenen Leben scheint es unmöglich zu sein, „gleichwertige“ Emotionen erleben und Lebensziele finden zu können. Viele Menschen leiden sehr unter diesem Zwiespalt und dem bisherigen Missbrauch ihrer tiefen religiösen Gefühle durch das fundamentalistische System. Sie wollten Gott ihr Leben weihen und müssen feststellen, dass sie lediglich willige Diener eines Systems waren, das völlig andere Zwecke verfolgt. Hier ist der Mensch im innersten seiner Seele tief verletzt worden.

Aber auch Menschen, die es schaffen, die endgültige Loslösung von der Gruppe zu erreichen, kann der Weg ins neue Leben nur mühsam gelingen. Nach wie vor werden auch sie mit den Folgen der Lerndefizite und der emotionalen Unsicherheit konfrontiert werden. Viele suchen jetzt den Weg der Psychotherapie, um die ihnen unbewussten Mechanismen und kognitiven Fehldeutungen durchdringen zu können und Defizite aufzuarbeiten. Sollte es gelingen, sich dem Sog und der Ursache der emotionalen inneren Prozesse bewusst zu werden, schließt sich immer eine unterschiedlich lang andauernde Periode der tiefen Trauer an. Ganz oft wird dabei erst richtig deutlich (oft Jahre nach dem eigentlichen Ausstieg), wie stark die Persönlichkeit von der  religiösen Gemeinschaft geprägt worden war und welchen Einfluss sie auf die Ich-Bildung genommen hat.

Phase 5: Familiäre Ausgrenzung und soziale Isolation

Zu den benannten inneren Problemen des Aussteigers kommen spezifische soziale Schwierigkeiten in Bezug auf das vorhandene Lebensumfeld noch dazu. Im Fall der NAK ist die Herkunftsfamilie meist seit drei bis vier Generationen neuapostolisch, der jeweilige Ehepartner und dessen Verwandte sowie der gesamte Freundeskreis ebenfalls. Familienmitglieder anderer Konfessionen wurden gemieden oder im Familienverbund isoliert oder sogar tabuisiert. Genau mit dieser Situation sieht sich der sich von der Gruppe lösen wollende Mensch konfrontiert. Sollte er aus der Gemeinschaft aussteigen, gefährdet er die Sicherheit seines gesamten familiären und sozialen Umfelds.[4] So ist oft der Ehepartner nicht immer bereit, den gleichen Weg und vor allem im gleichen Tempo mitzugehen. Schwere Eheprobleme und damit auch Probleme der Kindererziehung können aus solchen Situationen entstehen. Zwar gibt es dazu noch keine statistischen Untersuchungen, aber nach dem Ausstieg z. B. aus der NAK werden nach den zu beobachtenden Fällen mindestens 70% der Ehen geschieden. Die Furcht vor einer möglichen Auflösung der Familie ist also berechtigt und viele scheuen sich darum, öffentlich und selbst mit ihrem Partner von ihren inneren Zweifeln zu sprechen. Solche Menschen machen alles mit sich alleine aus und leben der Form halber in der Gruppe weiter, als wäre nichts geschehen. Obwohl die Inkongruenz unerträglich ist, ordnen sie sich weiterhin dem System unter. Die Folgen sind innere Einsamkeit, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Ängste, depressive und somatische Symptome. Die meisten Menschen werden sich dieser Zusammenhänge jedoch nicht bewusst oder verdrängen die Korrelationen zwischen ihrem Krankheitsbild und den dazu führenden Ursachen in ihrer Gemeinschaft. Es kommt damit an dieser Stelle zur Stagnation des Entwicklungsprozesses.

Kurz zusammengefasst kann also gesagt werden: Menschen, die den schwierigen Schritt des Ausstiegs aus einer religiös-fundamentalistisch Gemeinschaft oder eines Kultes trotz all dieser Probleme wagen, müssen die auf sie zukommenden Schwierigkeiten in langen und emotional schweren Erkenntnisprozessen verarbeiten lernen. Mitten im Leben meist zwischen ca. 30 und 45 Jahren stehen sie vor der unvorstellbar schwierigen Aufgabe und Notwendigkeit, trotz der nun vollständigen Entwurzelung einen neuen, jetzt persönlich orientierten Lebenssinn und Plan zu finden. Oder anders ausgedrückt:

Der Ausstieg wird entweder als Einstieg ins nun eigene Leben begriffen, oder aber er wird zur Sackgasse.

 

[1] Die Stufentheorie unterliegt allerdings der Gefahr, dass die einzelnen Stufen wiederum exklusivistisch missverstanden als anzustrebende Entwicklungsstufen angesehen werden könnten. Fowler: "Die Glaubensstufen... dürfen nicht als eine Leistungsskala verstanden werden, nach der der Wert von Menschen beurteilt werden kann. Ebenso stellen sie keine erzieherischen oder therapeutischen Ziele dar, auf die man die Menschen hinbewegen sollte." Wohl aber können sie in der Diskussion eine Hilfe sein, den problematischen Weg eines „Aussteigers“ in gewisse Kategorien einzuteilen, um damit die Prozesse durchschaubarer zu machen.

[2] Michael, ca. 25 Jahre alt und vor mehreren Jahren aus der NAK ausgetreten  (Schreiben vom 31.12.04):

„Die Erkenntnis ist relativ bitter, daß die Grundlage meines geistigen Nährbodens christlich-fundamentalistisches Gedankengut ist. Ein Nährboden und eine geistige Engführung vor der ich Tag für Tag immer wieder aufs Neue stehe und die mich fast wahnsinnig macht. Ein Michael ohne diesen NAK-Nährboden ist nicht vorstellbar. Würde auch keinen Sinn machen, denn das wäre dann nicht mehr ich. Obwohl ich mich von meinem alten NAK-Milieu versucht habe so weit wie möglich zu entfernen, ich bleibe ich, und ein Teil von mir ist/bleibt neuapostolisch verseucht. Und das perverse an der Sache ist, daß ich diesen Teil nicht mit der „Welt“ teilen kann, sondern nur mit den NAK-lern. Die NAK wird dadurch zu einem verlorenen Stück Heimat. Ich ertappe mich dabei, daß ich mit meinen Eltern über die Stammapostel-Nachfolge spreche und mich genauso anhöre und anfühle, als hätte es meinen Ausstieg niemals gegeben. Oder manchmal, wenn es mir besonders schlecht geht, denke ich gar darüber nach wieder in die NAK einzutreten. Als großes Eingeständnis eines fundamentalen Scheiterns.“

[3] Herr Sch., ca. 50 Jahre,  Schreiben Juni/Juli 2005

„Ich bin seit ca. 20 Jahren raus aus der NAK aber trotzdem immer noch nicht frei. Ich habe viele Ängste gelitten in der Kindheit, initiiert von der Kirche (Tag des Herrn, Würdigkeit usw.). Aus diesen Verletzungen hat sich Haß gebildet, so gut wie ausschließlich auf führende Männer der Kirche, insbesondere unseren damaligen Vorsteher und nachmaligen Apostel W. Er ist mittlerweile tot, aber es gibt stellvertretende (nicht unbegründete) Projektionen auf den jetzigen Bezirksapostel B., den ich kennenlernte, als er noch Evangelist war und auch auf den inzwischen zur Ruhe getretenen Stammapostel Fehr.“

[4] Markus, Mitte 30 , Schreiben vom Juli 2004:

„Das Thema Amtsniederlegung und Kirchenaustritt war in den letzten Jahren immer wieder aktuell. Ersteres werde ich freiwillig nicht tun, man müßte mich schon entfernen! Ich biete aber auch nach außen wenig Angriffsfläche, da ich nicht mehr GLAUBE, dass die Institution NAK sich wesentlich verändern wird. Die Menschen um mich herum sind mir wichtiger! Sollte ich zu irgendeinem Thema befragt werden, was selten vorkommt, dann formuliere ich sehr vorsichtig . . .fühle mich dabei nicht gut.

Kirchenaustritt . . . ist aus verschiedenen Gründen nicht aktuell:

1)   Es gibt keine Alternativen. Ehemalige, die danach gesucht haben, sind heute auch nicht glücklicher. Prüfungen der Inhalte anderer Gemeinschaften führen am Ende auch nur zu Kompromissen. Licht und Schatten ist überall, da es in Institutionen immer menschelt.

2)   Unsere Familien (Eltern usw.)  und viele Bekannte sind in der NAK, teils als Amtsträger, aktiv. Wir müßten mit erheblichen Umbrüchen in unserem sozialen Umfeld rechnen und würden anderen lieben Menschen vermutlich dadurch Leid zufügen. Das ist es uns nicht wert und wir arbeiten an Strategien, unser eigenes Leid zu reduzieren.“

 

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Heraus aus dem Werk des Herrn - Anmerkungen von D. Streich – 12. 2012


So mancher, der sich frei wähnt, ist in Wirklichkeit gebunden durch irgendwelche Geister, Anschauungen und Ideologien. … Es ist unbestritten: Die göttliche Wahrheit wird offenbar im Wort des Herrn, gewirkt durch den Heiligen Geist am Altar. Wer sich in diese Wahrheit hineinführen lässt, indem er das Wort annimmt und befolgt, der ist wirklich frei – frei durch das WortLassen wir uns nicht durch Irdisches knechten; oft treten Abhängigkeiten schleichend an uns heran. Wehren wir sie ab, indem wir Wort und Gnade erfassen … Stap. Fehr

Auszug aus:  02/2004 | Frei durch Christus

Eine Anfrage in meinem Gästebuch:

Wie ist es möglich, wenn man noch ein wenig zu denken vermag, dass man sich diese ganzen Ungereimtheiten durchliest und noch zu dem Schluss kommt:
Das ist wahrlich Gottes Werk an dem wir stehen?

Erste Anmerkung:
Matth. 13,13

Darum rede ich zu ihnen durch Gleichnisse. Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht, und mit hörenden Ohren hören sie nicht; denn sie verstehen es nicht.
Und über ihnen wird die Weissagung Jesaja's erfüllt, die da sagt: "Mit den Ohren werdet ihr hören, und werdet es nicht verstehen; und mit sehenden Augen werdet ihr sehen, und werdet es nicht verstehen.
Denn dieses Volkes Herz ist verstockt, und ihre Ohren hören übel, und ihre Augen schlummern...
."

Zweite Anmerkung:
Vielleicht kann meine eigene, veröffentliche Biographie weiterhelfen:
Auf ewig bei dem Herrn / http://nak-aussteiger2010.beepworld.de/files/aufewigbeidemherrn.doc

Zitat daraus:
"Davor standen 30 Jahre hingebungsvolle und aufopfernde Arbeit für das „Werk des Herrn“, mit allem Ernst und aus tiefster Überzeugung, obwohl weitestgehend ohne deren dogmatischen Überzeugungen, aber mit solchem Gefühl (Lieblingslied meines Opas, der Priester war):

1) Auf ewig bei dem Herrn!
soll meine Losung sein.
Dies Wort sei in der Nacht mein Stern,
es führ' zum Himmel ein!
Ich walle durch die Welt
bin nur ein Fremdling hier
und schlage auf mein Pilgerzelt,
o Herr, stets näher dir.
Näher dir, näher dir,
o Herr, stets näher dir!

Dabei auch 30 Jahre Kampf – und dies sogar relativ erfolgreich - gegen Intoleranz, geistige Engstirnigkeit und machtorientierte, arrogante Amtsträger mit zum Teil dümmster Scheinargumentation, die nur vorstellbar ist. Dazu einen Apostel befragt und Antwort von ihm:

„Es gibt heutzutage viele kleine Hitler!“


Und dennoch, es war und blieb auch für mich, - damals -, das "Werk des Herrn"!

Dritte Anmerkung:

Der Weg heraus

Ein wichtiger Aspekt des „Warum“ liegt in den sogenannten Predigten der NAK-Apologeten. (Es empfiehlt sich, dazu meinen kurzen Artikel unter NAK-Predigten zu lesen.) Da diese Predigten weder einen exegetischen Ansatz verfolgen und auch überhaupt nicht zur Bewältigung der alltäglichen Sorgen und echten Nöte dienen können, muss man sich die andere Frage stellen: Wieso hört sich denn diesen Bockmist überhaupt jemand an und glaubt auch noch, dass es sich dabei um „Gottes Wort“ direkt aus dem Heiligen Geist inspiriert handelt?  

Natürlich spielt die indoktrinierte Angst (Gottesdienstversäumnis ohne Grund ist Sünde) eine wesentliche Rolle. Und hier hat man eine aufeinander bezogen Kausalität: Ich gehe hin, weil ich Angst vor den Folgen eines Versäumnisses habe. Und: Wenn ich hingehe, werde ich in meiner Bindung an die Gruppe und in meiner Angst immer wieder neu tranceinduziert beeinflusst, ohne dass ich das merke, bzw. halte das  Gehörte durch die Indoktrination insgesamt für richtig. Teilweise Kritik stört da wenig, wenn ich nicht grundsätzlich das „Werk“ verlasse. Doch das haben nur wenige vor. Meckern ja, aber nicht austreten. Man fällt ja nicht nur aus der Geborgenheit der Gruppe, sondern auch noch direkt dem geglaubten Teufel und der gesamten Macht des Bösen in die Hände, entfremdet sich von Gott und entzieht sich der gefühlsmäßig lebensnotwendigen Gemeinschaft. Eine Umfrage unter aktiven NAK-Mitgliedern ergab folgende Erkenntnisse:

Mitgliederbefragung der Schweiz 2011finden sich folgende Sätze:

Quelle: (www.nak-muellheim.ch/NAK_Broschuere_Umfrageergebnisse.pdf)

Der hohe Stellenwert von Musik und Gesang wird betont, trotzdem hat das gesprochene Wort große Bedeutung.

Die Amtshierarchie wird als nützlich und insgesamt gut funktionierend empfunden.

Die Öffnung in Richtung Ökumene wird begrüßt, ebenso die Betonung des Gemeinsamen, aber gleichzeitig klar begrenzt (kein gemeinsames Heiliges Abendmahl).

Die Form der Seelsorge stimmt für alle Gruppen mit Ausnahme der Jungen bis 30 Jahre der deutschsprachigen Schweiz.

Die Seelsorger sind in schwierigen Situationen präsent und eine Hilfe, können aber ihre Orientierungsfunktion nicht optimal wahrnehmen.

Predigt toll, Amtshierarchie prima, Ökumene ja - aber nicht zusammen, Seelsorge stimmig – aber nicht genügend Geländer (Orientierungsfunktion).

Wer diesem Teufelskreis entrinnen will, muss als Erstes ein einschneidendes Erlebnis gehabt haben (oder mehrere, und das letzte ist der berühmte Tropfen, der das Fass dann zum Überlaufen bringt) mit der Folge, zuerst kurzzeitig aufzuwachen und das Wort und die Dogmen kritisch zu hinterfragen. Dann aber beginnt die mühevolle zweite Phase: Man beginnt seine geglaubte Lebenslüge zu erkennen, was einem zunächst absolut den Boden unter den Füßen wegreißt (Wo soll ich gehen, wie könnt ich stehn, wo wär´ ich froh, wenn du mich nicht begleitest?) und muss sich jetzt entscheiden, ob man diesen Weg weitergeht mit aller Konsequenz (auch der sozialen Isolation) oder aber die Augen wieder zumacht und brav zurückkehrt als einfügsames Schaf  in die treue Herde der Nachfolger. Schwierig bis unmöglich ist es auch, in dieser Phase Gesprächspartner oder Informationen zu finden. Die heutigen Möglichkeiten im Netz sind sehr vielfältig geworden, vor 10 Jahren sah das aber noch ganz anders aus. Und immer wieder kommt dieser im Krokodilshirn (Mandelkern) verankerte Angsttrigger hoch: Was ist wenn …

Der Mandelkern steuert u.a.:

  • Verarbeitung emotionaler Reize
  • emotionale Bedeutung von Informationen
  • affektive Antwort (z.B. Aggresssion)
  • aversives (ablehnendes) Verhalten (z.B. konditionierte Furcht)
  • emotionale Erinnerungen

Die Steuerung durch die rational arbeitenden Stirnlappen wird ausgeschaltet. Man muss dem Mandelkern ungefähr 15 mal „Nein !“ sagen, bis das Lymbische System neue Reaktionen und Gefühle zulässt.

(Kurzer Exkurs dazu:

Die Hirnaktivitäten im Neocortex (Großhirn) sind die einzigen, die uns wirklich bewusst sind. Deshalb meinen wir, uns "steuern" zu können. Das ist aber wohl nur sehr eingeschränkt der Fall, denn das mittendrin liegende, unbewusst arbeitende Lymbische System ist elementar beteiligt an Denk- und Gedächtnisprozessen und an der Steuerung von Emotionen und Motivation. Außenreize also, die z.B. Furcht/Angst bedeuten können, werden im Lymbischen System (Mittelhirn) und dort besonders im Mandelkern aufgenommen und in Millisekunden verarbeitet. Viele Gefühle und Stimmungen kommen von dort dann sozusagen reflektorisch, Emotionen und zwischenmenschliches Verhalten werden aber auch hier geregelt, allerdings im Zusammenspiel mit den anderen Hirnteilen. Die gesamte Hirn- und Körperchemie wird von hier gesteuert. Im Fall einer Negativbeurteilung einer Situation wird  z.B. die Verbindung zwischen der rechten und linken Hirnhälfte zugemacht und wir arbeiten mit der bevorzugten Seite allein weiter, also entweder eher in Richtung Logik, Vernunft, Fakten oder mehr in Intuition, Denken in Bildern und Ganzheiten ...  Bei außerordentlichen Bedrohungen wird auf Angriff oder Flucht geschaltet, das Denken ist ausgeschaltet. Die nötigen vegetativen Prozesse steuert dann das Stammhirn, weil die Ergebnisse der Verarbeitung des Lymbischen System ans uralte, autonome Stammhirn weitergeleitet werden. Hier gibt es nur ein Freund oder Feind-Schema. Man vermutet dort auch eine Art Belohnungszentrum (Dopamin) , dass ursprünglich nur auf Mammut jagen, fressen, Sex reagiert hat. Im Rahmen eines Ausstiegsprozesses muss also bewusst einige Zeit der Neocortex die aktive Steuerung übernehmen und die reflektorischen Verhaltensweisen, die durch das Lymbische System hervorgerufen werden wollen, überstimmen. Dazu ist allerdings Unterstützung von außen notwendig, alleine kommt man dagegen schwerlich an.)

Zudem türmen sich tatsächlich jetzt nur Schwierigkeiten auf. Die erste mögliche Euphorie weicht, man wird ziellos und hat kein Geländer mehr, an dem man sich geistig und gefühlsmäßig entlang hangeln kann. Zudem ist der gesamte Lebensentwurf kaputt, die Ehe vermutlich auch. Als Frau war man brav zu Hause und findet nun keinen Job, finanzielle Not kommt also auch dazu. Das alles deutet man natürlich als Strafe Gottes für das sträfliche Verhalten, seinem Werk und damit IHM untreu geworden zu sein. Der innere Richter funktioniert einwandfrei! Umsonst gelebt in der Vergangenheit, nichts für sich erreicht und kein Ziel nach vorne. Und vor allem: Selber Schuld! Was bist du blöd gewesen. Und jetzt gleich wieder: Alle Möglichkeiten wären offen, aber nichts lohnt sich. Ich bin immer noch genauso blöd! Diesem schwarzen Loch (vollständiger Verlust der Orientierung und kein sinnträchtiger Ersatz) kann man sich kaum entziehen. Ohnehin schon immer jenseitsorientiert tauchen Selbstmordgedanken auf, weil die Sinnlosigkeit in dieser Lebensphase alles überdeckt und jeden Mut und jede Kraft raubt und die Wut über das verpfuschte Leben und die selbstgefälligen, machtorientierten Verführer der NAK-Führungsetage das Denken zudem einseitig blockiert. Mögliche therapeutische Hilfe führt oft und meist auch zu wenig neuen Impulsen, weil die Auswirkungen der Indoktrinationen auf die Ich-Struktur der Person von unkundigen Therapeuten nicht erkannt werden kann. Man kennt doch nur richtig oder falsch (dichotomes Denken) und gar selbst Entscheidungen für das eigene Leben fällen? In vielen Fällen gerät natürlich auch das vielleicht noch positive oder positiv erworbene Gottesbild in Wanken und zerbricht schließlich auch. Ein äußerst herber innerer Verlust, hat man sich doch jahrelang wenigstens auf IHN verlassen (wollen). Und nun? Alles umgerührt, nichts als dunkelgrauer Dreck. Die NAK hatte doch recht: Ohne dich was ist das Leben … ein erneuter finstrer Tot, Nachtgraun ohne Morgenrot! Psychosomatische Folgen treten in der Regel auch noch auf, besonders im unteren Rücken.

Es kann lange dauern, bis sich diese Verwirrung klärt und bis man beginnt zu akzeptieren, dass der Sinn des Lebens im Leben selbst liegt und dass nicht irgendwelche Dinge an sich Wert haben, sondern ihren Wert erst bekommen, wenn ICH ihnen einen gebe. Aber es kann die Hoffnung bleiben, dass sich doch Vieles von den bisher lebenslang erworbenen und indoktrinierten Denkautobahnen umschiffen lässt und neue Verknüpfungen entstehen, die diese alten Trigger langsam schwächer werden lassen.  In meinem Büchlein „Ziel hinter dem Horizont“ habe ich das selbst in allen Facetten durchlittene Problem wie folgt lyrisch beschrieben:

LEBEN AM GRAT

leben am grat

leben ohne rat

leben umgegraben

ohne sicherheit zu haben

leben mit ausblick

aber hängend im rückblick

leben mit perspektive

und doch gefangen in eigener direktive

ungewollt

überrollt

und fremdgepolt

eingeholt

vom uralt alten

kalten

sein

früher kindheitstage

mit ungelöster frage:

wer bin ich eigentlich

was ist mein ich

und wohin treibt es mich

oder dich

im neuen

tiefernst freien

und ungewohnt offenen leben

umgeben

von dir

aber ohne sicherheit

 

Aus heutiger Sicht sei angemerkt: Der Weg und der Kampf mit sich selbst haben sich gelohnt. Es gibt einen Weg heraus – aber er ist schmal und beschwerlich, wie der nakische Weg. Aber dieser Weg hat ein anderes und wirkliches Ziel: Ein, soweit es geht, selbstbestimmtes und freies Leben, das erfüllt und auch wieder gefühlt ist. Aber: Man muss es selber gestalten und in die Hand nehmen. Wenn man aus der NAK raus ist, gibt es auch keine Bezirksapostel mehr, die einem sagen, wo es lang geht.

Wer zu sich selbst finden will, darf andere nicht nach dem Weg fragen.
(Paul Watzlawick)

Viel Glück allen Lesern dieser Zeilen bei eurem Weg heraus und hin zu euch selbst!

 

Georg Büchner;  Auszug aus „Lenz

Wolken zogen rasch über den Mond; bald alles im Finstern, bald zeigten sie die nebelhaft verschwindende Landschaft im Mondschein. Er rannte auf und ab. In seiner Brust war ein Triumphgesang der Hölle. Der Wind klang wie ein Titanenlied. Es war ihm, als könnte er eine ungeheure Faust hinauf in den Himmel ballen und Gott herbeireißen und zwischen seinen Wolken schleifen; als könnte er die Welt mit den Zähnen zermalmen und sie dem Schöpfer ins Gesicht speien; er schwur, er lästerte. So kam er auf die Höhe des Gebirges, und das ungewisse Licht dehnte sich hinunter, wo die weißen Steinmassen lagen, und der Himmel war ein dummes blaues Aug, und der Mond stand ganz lächerlich drin, einfältig.

Lenz mußte laut lachen, und mit dem Lachen griff der Atheismus in ihn und faßte ihn ganz sicher und ruhig und fest. Er wußte nicht mehr, was ihn vorhin so bewegt hatte, es fror ihn; er dachte, er wolle jetzt zu Bette gehn, und er ging kalt und unerschütterlich durch das unheimliche Dunkel; es war ihm alles leer und hohl, er mußte laufen und ging zu Bette.

 

Zum Weiterlesen:

Downloadlinks

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UF Februar 2011 Stap. Leber:

"Ich kann mir vorstellen,dass der eine oder andere sich nicht sicher ist,ob die Neuapostolische Kirche Gottes Werk ist. Sind solche Zweifel nicht wie eine Krankheit ? Wenn ihr unsicher seid,ob es wirklich Gottes Wort ist, das hier verkündigt wird,ob der Herr in seinen Aposteln gegenwärtig ist,wenn ihr solche Zweifel, solchen Unglauben in euch wahrnehmt, dann ist die erste Frage:Wollt ihr davon befreit werden? Ich kenne Menschen,die auf ihre kritische Haltung stolz sind und sich auf Zweifel etwas einbilden.Sie rühmen sich ihres Unglaubens und halten ihre Meinung für die einzig richtige. Aber das ist töricht.Wir sollten uns von allen Zweifeln, von allem Unglauben befreien lassen."

Die Problematik eines Aussteigers (DS)

Von frühester Kindheit an erzeugen neuapostolische Eltern und hier besonders die Mütter  bewusst und unbewusst als verlängerter Arm der NAK bei ihren Kindern spezifische „innere Bilder“ und formen sie somit zu dem „neuapostolischen Bild" vom Menschen primär in seiner Bestimmtheit als Gotteskind. Das "tut ein Gotteskind nicht", "Gott ist traurig" und ähnliche Verknüpfungen zwischen Moralvorstellungen und Sünde zu göttlichem Heil und Unheil sind die seelischen Geißeln, die diesem Entwicklungsprozess psychisch zwanghaft den nötigen Gewissensgrund geben.  Und immer im ABSOLUTEN Mittelpunkt der sich entwickelnden Person steht die NAK, die den Horizont und Blickwinkel begrenzt und bestimmt und um den sich alle Selbstbildung des Kindes rankt! Das Lebensziel ist eschatologisch bestimmt und auf das Jenseits ausgerichtet und nicht auf das wirkliche Leben in „dieser Welt“! Der geistige Tod – also das ewige Getrenntsein von Gott (= Trennung von der NAK) – wird als das „Furchtbarste“ deklariert, der leibliche Tod hingegen ist ja schließlich nur das Ablegen der „körperlichen Hülle“! Gedankenkontrolle über predikale Psychomanipulation und Großgruppendynamik sind in Folge die Mittel, die dem Erwachsenen die Richtigkeit dieser inneren Bilder immer wieder suggestiv bestätigen.  weiterlesen

Wort zum Monat 04/2002 | Gesundheit der Seele

Stellen wir uns für eine "geistige Diagnose" folgende Fragen: Was sehen unsere inneren Augen: Die Zeichen der Zeit? Den Altar in seiner erhabenen Größe? Die Sendung Jesu in seinen Knechten? … Auch an Halsstarrigkeit kann man erkranken: Mit einem steifen Nacken, mit Eigensinn fällt es schwer, sich in Demut vor dem Herrn zu beugen.“ Stap. Fehr


Die NAK, ein  harmonisches Gemeinwesen? (DS)

- Versuch einer Erklärung für Außenstehende

Im Artikel  OB Frank hofiert totalitäre Glaubensgemeinschaft vom 21. Juni 2011 ist zu lesen, dass der grüne Oberbürgermeister Frank eine Veranstaltung der Neuapostolischen Kirche anlässlich ihres 100jährigen Bestehens besucht hat und diese „Kirche“ dabei für ihr „harmonisches Gemeinwesen“ lobte.  Dies ist die Sicht von außen, was aber spielt sich innen drin wirklich ab. Hier ein Versuch der Erklärung für außenstehende Nichtmitglieder der NAK.

Die NAK ein harmonisches Gemeinwesen? Wer die Borg aus der Serie Raumschiff Enterprise noch kennt mit ihrem Gedankennetzwerk des kollektiven Bewusstseins, kann eine Ahnung entwickeln, woher diese „Harmonie“ der NAK kommt.  Besucht man ihre Gottesdienste, wird man zuerst sehr freundlich umgarnt, nach dem Eintritt aber schlichtweg assimiliert! Widerstand ist zwecklos, denn sobald man dabei ist, gilt folgendes: "... da beharren solche Menschen auf ihren eigenen Theorien und Ideen und sind nicht zur Nachfolge bereit. Wir können aber nicht auf unsere eigene Meinung pochen, ...

Eigene Meinung ist nämlich ganz schlimm, hindert sie doch die angestrebte  Assimilierung. Deshalb immer wieder Denkverbote wie: "Wenn Gott ruft, dann ist kein Platz für Einwände und Bedenken, dann gilt es, einfach zu tun, was er möchte.Weil beim Ungehorsam die Hölle droht, wird hier mit der Angst der Menschen gespielt, ein grausiges Spiel mit auf ewig bösem Ende. Gehen wir nicht mit menschlicher Überlegung an die Sache heran, sonst müssen wir bald einsehen, dass wir nicht weiterkommen.“ Also wer dieses „harmonische Gemeinwesen“ lobt, toleriert und unterstützt permanente Denkverbote.                               weiterlesen 


Wort zum Monat 02/2006 | Gottes Werke

Es geht also auch heute darum, die Apostel des Herrn aufzunehmen und ihrem Wort zu glauben. … Glauben wir denen, die der Herr heute sendet, seinen Aposteln – das ist Gottes Werk.
Ich möchte es noch etwas verdeutlichen, was das bedeutet, den Aposteln Jesu Christi zu glauben. Man kann sehr intensiv, aber auch sehr oberflächlich glauben. Der Herr erwartet einen tief gehenden Glauben. Das ist ein Glaube, bei dem man nachfolgt. Das ist ein Glaube, bei dem man unbegrenztes Vertrauen zu den Boten Jesu hat.“
Stap. Leber

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Mögliche psychische Folgeschäden

 (Kapitel 5 aus D. Streich „Sprachliche Mittel zur mentalen Zwangsüberzeugung in der NAK“)

 Aus der anhaltenden Trance und solchen programmierten Glaubenssätzen und Grundhaltungen erklärt sich so auch für Außenstehende manch auffälliges Verhalten. Die neuapostolischen Menschen können mit zunehmendem Alter dem wirklichen Leben gegenüber lethargisch, abwesend werden und blühen nur im "Glauben" richtig auf. Im schlimmsten Fall entwickelt sich eine massive Todessehnsucht, die euphemistisch als „warten auf den Tag des Herrn“ umgedeutet wird. Bedenkt man weiter, dass jedes Mitglied der NAK diese mentale Programmierung bereits seit Kindertagen immer und immer wieder über sich ergehen lassen musste, kann man vielleicht erahnen, welche unglaublichen Auswirkungen dies auf die gesamte Psyche und neuronalen Denkbahnen eines jeden Einzelnen haben muss. Und es erklärt auch, warum viele Aussteiger selbst nach dem vollzogenen Bruch mit der Lehre der NAK noch lange nicht in ihrem eigenen Leben ankommen können:  Die mentale Programmierung bleibt erhalten!

Und:

Diese mentale Programmierung kann in ihren unbewussten Auswirkungen weder vom Klienten noch von Psychotherapeuten erkannt werden, man ist vollends mit sich allein, isoliert und unverstanden!           weiterlesen


Wort zum Monat 02/2007 | Speise für die Seele

„Wenn wir das Wort Gottes hören, dann soll das nicht so sein, als würden wir eine Vorlesung oder irgendeinen Bericht hören, sondern dann wollen wir das Wort Gottes essen. Wer ein spannendes Buch liest, „verschlingt“ es, weil er sich gar nicht davon lösen kann. Er wird hineingeführt in eine ganz andere Welt, die ihn gefangen nimmt. … Und wie empfinden wir es beim Hören des Wortes Gottes? Es kommt ja aus einer ganz anderen Welt, … Und es führt uns in eine ganz andere Welt. Und da hinein wollen wir uns führen lassen. Wir wollen uns so von dieser Atmosphäre gefangen nehmen lassen, dass wir gar nicht mehr hinaus wollen.“ Stap. Leber

Die Lösungsproblematik aus psychologischer Sicht

 

Kapitel 1.4 aus D. Streich „Zur Psychodynamik religiös fundamentalistischer Bewegungen“

 Die therapeutische Suche nachschöpferi­schen und echten Lösungen“ ist ein langwieriger und äußerst komplizierter Weg. Jedes Individuum hat seine eigene Ich-Struktur gebildet, in die das System NAK aber, wie die Spinne inmitten des Netzes, eingebaut ist. Es kann hier nur auf einige grundlegenden Aspekte hingewiesen werden, deren Durchdringung in der Therapie von entscheidender Relevanz sein dürfte. Je nach dem Grad der erfolgten psychodynamischen Indoktrination aus dem Zusammenwirken von System und Familie und den später sich zeigenden falschen Selbstzuschreibungen. fällt es einem als Kind in die Gemeinschaft Hineingeborenen als Erwachsener entsprechend leichter oder schwerer, sich von der Gemeinschaft trotz empfundener Ängste und Beeinträchtigungen zu trennen. Die bereits über Generationen erlittene Erziehung und (durchsichtig zu machende) suggestive Beeinflussung macht es den betroffenen Menschen durch die in ihrer Sozialisation erworbenen Introjekte annähernd unmöglich, mit einem klaren Blick auf sich selbst die hinter ihren eigenen Affekten (oder z.B. bereits aufgetretenen depressiven Verstimmungen) liegenden Ursachen zu erkennen und in eine kritische Distanz zur Gruppe und deren Ideologie zu treten. Die gefühlte und geglaubte Grundannahme, Gott selbst stünde als Ursache und Begründer  hinter und in der Gemeinschaft, verhindert als hartnäckig gelehrter Mythos wie ein blinder Fleck trotz kritisch abweichender Lehrmeinungen den aktiven und vollständigen Lösungsschritt. Ein hinweisender Blick (gemessen an dem intern feierlich beschworenen Bild des „liebenden und gütigen Gottes“) auf die tatsächlichen Geschehen der eigenen Kirchengeschichte in ihrer oft menschenverachtenden und theologischen Willkür könnte aber als erste Stufe neben weiteren theologischen Erkenntnisschritten innerhalb der Selbstdiskrimination dennoch die für den Betreffenden schmerzliche Akzeptanz auslösen, die der bekannte Autor und Jesuitenpater Prof. Dr. Rupert Lay in Ketzer Dogmen Denkverbote, S.74  konsequent so formuliert:

„Systemagenten sind stets Faschisten. Der Bestand einer Insti­tution ist ihnen höchstes zu schützendes Gut. ... dem kirchlichen Systemagenten ist der Bestand der Kirche (und nicht etwa das Heil der Menschen) höchstes zu schützendes reli­giöses Gut.“

 

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GD in Berlin-Lauta am 23.11.2008; Stap Leber:

Wisst ihr, da gibt es auch so eine Festung, … die zu zerstören ist. Wisst ihr, was diese Festung ist? Das ist das eigene „Ich“, die eigene Meinung. Man macht sie heute so hoch, hängt das so hoch auf und jeder möchte so seine Meinung durchsetzen. (…) Wir wollen nicht unsere Meinung durchsetzen, wir wollen nach dem Himmel streben. (…) Wollten wir um unserer „eigenen Meinung willen“ die Einheit zerstören? Das wäre nicht gut.

 Bez.Apostel Latorcai:

 „Manchmal hören wir etwas in einem Gottesdienst und es kommt gar nicht an die richtige Stelle in unserem Herzen. Dann denken wir, das ist nicht für mich, das ist für meinen Nächsten. Der größte Feind gegen den wir kämpfen müssen, das ist nicht Satan, das ist nicht seine Großmutter, wir müssen gegen uns selbst kämpfen. Wir sind unser größter Feind! Aber wenn wir aufhören zu kämpfen, dann werden wir niemals den Sieg erringen. … Ohne unseren Glauben können wir überhaupt nichts tun und allein können wir auch nichts.


 

Kriterien zur Therapeutenwahl

(Kapitel 6 aus Ulrike Bär "Psychologische Beratung oder Therapie?")

Welche therapeutische Fachrichtungen ist nun also für die ganz spezielle Situation der Aussteiger aus religiös-fundamentalistisch Gemeinschaften oder Kulten geeignet?  Wesentlicher Aspekte für die Wahl des Therapieverfahrens stellen zunächst der Leidensdruck, die Veränderungsbereitschaft und die Eigenmotivation des Patienten dar. Die persönlichen Voraussetzungen des Patienten, wie etwa seine Introspektionsfähigkeit, seine verbale und intellektuelle Kompetenz sind weitere Kriterien, die Beachtung finden müssen. Außerdem muss genau betrachtet werden, an welcher Stelle, also in welcher Phase seines Lösungsprozesses die Stagnation der Entwicklung eingetreten ist und welche weiteren Schritt dem Patienten zunächst überhaupt möglich sind, ohne ihn zu überfordern.

Zusätzlich zu all den oben genannten Überlegungen scheint mir hier ein weiterer Gesichtspunkt von spezieller und zentraler Bedeutung zu sein: das oben schon angedeutete „gottesbildliche  Alternativangebot“. Dieser Begriff ist wenig glücklich, aber in gewisser Weise unumgänglich. Der wichtigste Aspekt der religiös-fundamentalistisch bedingten Störungsbilder ist das systembedingt einseitig verzerrte Gottesbild und sein psychosoziales Umfeld, welches die dafür disponierten Menschen krank macht. An dessen Durchdringung und Veränderung muss jede Form der Therapie ansetzten, will sie eine Chance auf dauerhaften Erfolg haben. Das heißt praktisch, dass der behandelnde Therapeut, bevor er überhaupt an den entsprechenden Krankheitssymptomen arbeiten kann, diesen die bisherige scheintheologische Grundlage entziehen muss. Da aber „göttlichen Wahrheiten“ keine „menschlichen Argumente“  entgegengesetzt werden können, kann der Therapeut nur versuchen, alternative „göttlich biblische Wahrheiten“ anzubieten. Es reicht nicht aus, nur die Erlebnisse des Kindes mit seinen Eltern in der Vergangenheit zu beleuchten und mögliche Konflikte aufzudecken. Es reicht auch nicht aus, ein bestimmtes Verhalten verhaltenstherapeutisch verändern zu wollen, weil ein reines Arbeiten an den Symptomen die Ursache der Krankheit nicht beseitigt. Wie bereits erwähnt können die dysfunktionalen kognitiven Verzerrungen und Fehldeutungen, deren Ursache das religiös-fundamentalistische Erziehungsziel war, nicht einfach durch – für jeden anderen Menschen sinnvolle- funktionale Gedanken ersetzt werden. Der überhöhte „innere Richter“ des Über-Ichs mit seinem über allem Menschlichen stehenden „göttlichen Führungsanspruch“ ist so einfach weder aufzubrechen noch zu überzeugen.

 

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 19.11.2006 Knetzgau Bamberg, Stap. Leber:

"Es ist kein anderer Weg. Der Herr hat einen Weg gegeben. ... so ist es doch so und bleibt so, dass ein Weg gelegt ist, der Weg Jesu und der Apostel — Punkt!"

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