Der Sektenausstieg aus der NAK-
Oder: Die Problematik des unsichtbaren Netzes
Sammlung aller Worte zum Monat: Auszug aus: 02/2004 | Frei durch Christus
„So mancher, der sich frei wähnt, ist in Wirklichkeit gebunden durch irgendwelche Geister, Anschauungen und Ideologien. … Es ist unbestritten: Die göttliche Wahrheit wird offenbar im Wort des Herrn, gewirkt durch den Heiligen Geist am Altar. Wer sich in diese Wahrheit hineinführen lässt, indem er das Wort annimmt und befolgt, der ist wirklich frei – frei durch das Wort …Lassen wir uns nicht durch Irdisches knechten; oft treten Abhängigkeiten schleichend an uns heran. Wehren wir sie ab, indem wir Wort und Gnade erfassen …“ Stap. Fehr
Sie finden auf dieser Seite neben vielen verbindenden NAK-Zitaten:
- Vorbemerkungen DS/UB
- Aussteigerberichte: Ich bin ein Psycho / Einer.der es geschafft hat/ Flügellahm?
- Die Problematik eines Aussteigers DS
- Die NAK, ein harmonisches Gemeinwesen?- Versuch einer Erklärung für Außenstehende DS
- Mögliche psychische Folgeschäden - (Kapitel 5 aus D. Streich „Sprachliche Mittel zur mentalen Zwangsüberzeugung in der NAK“)
- Die Lösungsproblematik aus psychologischer Sicht - (Kapitel 1.4 aus D. Streich „Zur Psychodynamik religiös fundamentalistischer Bewegungen“
- Kriterien zur Therapeutenwahl - (Kapitel 6 aus Ulrike Bär "Psychologische Beratung oder Therapie?)
Denkmotto: "Denk also daran: Gönne dich dir selbst!"
(aus einem ca. 900 Jahre alten Brief von Bernhard von Clairvaux an seinen früheren Schüler und Mönch, Papst Eugen III.)
Vorbemerkungen zur Ausstiegsproblematik von Ulrike Bär-Streich und DS
1. Der Ausstieg als positiver Einstieg ins eigene Leben
Die ehemalige Mitgliedschaft in einer kirchlichen Sekte und/oder fundamentalistisch totalitären Gruppierung mit praktizierter mind control und der spätere Ausstieg aus dieser Gemeinschaft ist in den meisten Fällen mit starken psychischen Belastungen und Spätfolgen verbunden. Es braucht eine gehörige Portion Mut und Kraft, sich aus diesen Zwängen zu befreien und den Schritt heraus zu wagen. Aber die erste Euphorie darüber, der Sekte entronnen zu sein, weicht meist sehr schnell der nüchternen Feststellung, dass viele Probleme sich danach erst so richtig zeigen. Oftmals ist solch ein Mensch dann auch in ganzer Härte auf sich allein gestellt, weil das bisherige soziale Familien- und Bezugssystem zerbrochen ist. Und die Erkenntnis, 20, 30 oder mehr Jahre seines Leben für eine verlogene Scheinwelt geopfert zu haben, ist ebenso furchtbar wie die damit verbundene Tatsache des nicht gelebten und sogar versäumten eigenen Lebens. Selbst ein möglicherweise begleitender Therapeut, der mit den sehr speziellen Problemen der Ausstiegsproblematik zu wenig vertraut ist, kann sich unter Umständen als wenig hilfreich herausstellen. Der Klient wird oft nur medikamentös versorgt, eine gesprächstherapeutische Aufarbeitung aber unterbleibt oder greift zu kurz. Um diesem Missstand zu begegnen, sind wir auf der Suche nach Berichten von Menschen, die sich aus den Zwängen ihrer Religionsgemeinschaft befreien konnten und einen neuen Anfang gefunden haben, der auch anderen betroffenen Personen Mut machen kann, diesen Ausstiegsschritt zu wagen.
Selbstverständlich werden die Texte vertraulich behandelt, von uns redigiert und auf Wunsch auch anonymisiert. Ein Recht auf Verwendung oder Vergütung der zur Verfügung gestellten Texte besteht leider nicht. Ebenso wird um Verständnis dafür gebeten, dass eine konkrete Antwort im Sinn einer seelsorgerisch-therapeutischen Begleitung in diesem Zusammenhang nicht erfolgen kann.
Dieses auch bei Readers Edition im Netz stehende Projekt möchte unsere Ausarbeitungen zur Sektenproblematik um den subjektiv-positiven Faktor „Vollzogener Ausstieg – neu gefundenes Leben“ ergänzen und möglichst zu einer Orientierungshilfe werden für diejenigen, die sich vielleicht gerade auf diesen schwierigen Weg begeben oder schon auf ihm sind. Ebenfalls können Sie auch einen Bericht, den Sie bereits in einem Forum hinterlassen haben, kopieren und uns zusenden. Beachtenswert ist auch die neue HP von Ulrike Bär-Streich: Hilfe und Begleitung beim Ausstieg .
2. Formaler Austritt
Wer Fragen zum rein formellen Austritt hat, kann sich auf der Seite "Kirchenaustritt " umfassend informieren. Falls jemand auch in seiner Geburtsurkunde die nach Personenstandsgesetz § 21 auf Wunsch mögliche Eintragung der elterlichen Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft der Vollständigkeit halber ebenfalls nicht mehr haben möchte, kann dies beim Standesamt in der Fortführung des Eheregisters nach § 16 Nr.5 als „Änderung oder Löschung der eingetragenen Religionszugehörigkeit“ aufnehmen lassen.
Aussteigerberichte
11.09.2010 Jürgen, Nickname „Psycho“ (mit freundlicher Genehmigung)
"Ich bin ein Psycho"
Hallo zusammen,
was mich wütend macht? Was mich wirklich wütend macht? – Ich habe mein Leben lang meine Gefühle auf kleiner Flamme gekocht, ich habe sie so gut es ging mit analysieren und interpretieren unter Kontrolle gehalten, weil mir die Menschen denen ich vertraut habe, immer gesagt haben, ich dürfe keine Wut, keine Angst, keine Zweifel, keine Verzweiflung fühlen, weil ich sonst Gott nicht gefalle. Und jetzt, jetzt wollen die Gefühle hoch, wollen raus! Und jetzt sagen mir wieder Menschen, denen ich vertraue, ich soll diese Gefühle relativieren, solle nicht meinen, ich könnte andere retten, denen es nicht so geht wie mir. Nur, was wissen die denn?
Ich will und kann andere nicht retten! Um die geht es auch gar nicht! Es geht um mich! Mir ist es nicht oft bewusst geworden, was in der NAK abgelaufen ist! Ich habe nur mein Leben nie in den Griff bekommen! Ich bin von vorne bis hinten verarscht, belogen, betrogen, ausgenommen, ausgenutzt und missbraucht worden! Ich bin unter fast ständiger Überwachung gestanden! Ich habe ständig Angst davor gehabt, was passiert, wenn Jesus jetzt wiederkommt! Ich habe diese Angst als Kind gehabt, wenn meine Eltern am Mittwoch- oder Sonntagabend im „Gottesdienst“ waren! Ich habe sie als Jugendlicher gehabt, wenn ich alleine war und jemand aus der NAK sich verspätet hat! Es war immer meine Entscheidung, heisst es. Wirklich?! Ich mag in den letzten Jahren Entscheidungen getroffen, doch dort zu bleiben, obwohl ich ahnte, was geht! Davor habe ich noch nicht einmal geahnt, was geht und wenn ich es doch ahnte, haben Schutzmechanismen gegriffen, die mich dort hielten! Ich wusste doch, was passieren würde, wenn ich gehen würde! Ich hätte keine Freunde mehr! Ich hätte Ärger mit der Familie!
Und wenn die doch recht hätten, was dann? Es hat keinen Stacheldraht, keine Tretminen, keinen sichtbaren Todesgürtel gebraucht um mich lange zu halten – nur meine Angst! Angst, die systematisch aufgebaut wurde! Angst die ich nicht fühlen durfte, weil sie Gott nicht gefiel, Angst, die ich deswegen weginterpretiert, weganalysiert habe! Schön, ich bin raus! Aber bin ich frei?! Kann ich loslassen?! Mein Leben ist immer noch ein Minenfeld! Ich habe es die letzten Nächte wieder gemerkt. Es ist fast alles vermint in meinem Leben. Überall sind Auslöser, die mir wieder einen Rückschritt eintragen! Rums! Und ich muss diesen Gedanken, der mich dann quält, wieder niederkämpfen!
Bisher habe ich gedacht, dass ich das selber auslöse, weil ich ins Internet schaue. Langsam merke ich, ich schaue ins Internet, wenn mich wieder so ein Gedanke quält, noch bevor er mir bewusst wird. Mich macht das müde, mir nimmt dieser Kampf die Kraft und wenn ich ihn nicht kämpfe, nimmt mir die unbewusste oder bewusste Qual jede Kraft. Ich kann die Auslöser in meinem Leben nicht vermeiden, denn jede Situation, und wenn sie noch so schön ist, kann einen solchen Gedanken oder eine solche Gedankenflut auslösen, der ich nur noch durch Kampf Herr werden kann. Und Unterstützung hole ich mir von den Aussteiger- und Kritikerseiten, weil ich sie sonst nirgends holen kann! Ich müsste auf mein ganzes Leben verzichten, um einigermassen sicher vor diesen Gedankenfluten zu sein! Es sind Erinnerungen, schlimme Erinnerungen, quälende Erinnerungen, die anderen wieder völlig harmlos erscheinen müssen. Erinnerungen in denen die alten, früher oft unbewussten Gefühle, bewusst in Erscheinung treten und mich dann quälen. Noch hilft es mir, diese Gefühle wieder durch Analysieren und Interpretieren nicht zu heftig werden zu lassen. Doch ich will wieder leben! Ich will nicht mehr auf Sparflamme weiterleben und weiterfühlen! Ich will doch nur leben … mehr nicht.
Einer, der es geschafft hat
Die erste Schlange auf dieser Erde muss neuapostolisch gewesen sein, denn sie bediente sich derselben Mittel wie es die Neuapostolen heute auch tut. Die Aussage "Sollte Gott wohl gesagt haben?" entspricht genau dem, was die NAK heute in abgewandelter Form auch immer wieder vermittelt.
Das Thema NAK ist ein leidiges Thema. Auf der einen Seite stehen die (noch) tief Gläubigen und auf der anderen Seite stehen die sogenannten Aussteiger. Den Gläubigen kann man erzählen was man will und sie würden alles glauben. Die Berichte der Aussteiger hingegen sind bis auf ein paar Abweichungen alle gleich. Fest steht, man wird weder bei den Gläubigen noch bei dem Führungspersonal etwas ändern können. Die Gläubigen werden mit Angst und Schrecken, Psychoterror und falschen Versprechungen in Schach gehalten und die "hohen Herren" lieben das Geld und ihre abgesicherte Versorgung.
Das einzige was man wirklich tun kann ist, die die Austreten wollen in ihrem Vorhaben zu unterstützen. Sie benötigen Begleitung, Rat und Tat. Ich kann nur wünschen, dass es noch sehr viele schaffen, dieser Psychosekte den Rücken zu kehren!
Ich selber war von Kindheit an über 45 Jahre neuapostolisch davon über 20 Jahre im Amt. Daher weiß ich, wovon ich rede. Ich hatte Privataudienzen bei Brinkmann und Leber. Dabei ging es nicht um Recht oder Unrecht, sondern um grundlegende Dinge in der Seelenpflege. Dabei musste ich erleben, dass es den "hohen Herren" eigentlich gar nicht um die Seelen an sich geht, sondern dass sie ganz andere Interessen verfolgen. Abstoßende Kälte ging von diesen sogenannten Führungskräften aus. Zugegeben ich weiß nicht viel, aber einige Dinge weiß ich mit hundertprozentiger Sicherheit die da wären:
Die NAK ist alles, aber mit Sicherheit keine Kirche und schon gar keine "Auserwählte kleine Herde" Wäre es so, dann müsste Gott einen schweren Kapitalfehler begangen haben und sich geirrt haben. Obwohl Gott alle Dinge möglich sind, aber das er sich so geirrt haben soll ist selbst für einen Gott unmöglich.
FAZIT:
Die NAK ist ein knallhartes Wirtschaftsunternehmen wo sich einige Herren auf Kosten der Gläubigen ein schönes abgesichertes Leben genehmigen. Zahlen sind kaum bekannt, aber nach einer Publikation im Schweizerischen Nachrichtenmagazin FACTS betrug das Reineinkommen von Stap. R. Fehr laut Steuerausweis vom 24.6.1996:
1993: SFr. 208.000.--
1994: SFr. 269.800.-- Zuwachs: SFr. 61.800.-- jaehrlich
1995: SFr. 302.400.-- Zuwachs: SFr. 32.600.-- jaehrlich
Dies entspricht einer Steigerung des Reineinkomens von SFr. 7.866.-- pro Monat inner-
halb zweier Jahre auf SFr. 25.200.
Die NAK arbeitet mit indirektem Psychoterror, der seinesgleichen sucht.
Die NAK ist tatsächlich der WOLF im Schafspelz.
Das sage ich nicht, weil ich verbittert wäre, nein, sondern weil ich im Nachhinein erkannt habe, mit welch fatalen Mitteln diese Sekte ihre Schäfchen beisammenhält. Heute bin ich frei und glücklich, denn ich habe es geschafft aus der NAK auszutreten, bin aber nur knapp einer Psychotherapie entgangen. Und was wahrscheinlich kein noch gläubiger, neuapostolischer Christ nachvollziehen kann ist, dass ich heute dankbar, glücklich und ein freier Mensch bin. Selbst wenn es einen "Tag des Herrn" geben sollte und ich nicht daran teilhaben könnte, würde ich sagen: ALLES - NUR NIE MEHR ZURÜCK!!!
Mehr möchte ich dazu nicht sagen.
Meine Mailadress und meinen kompletten Namen habe ich bewusst nicht angegeben, weil ich die Reaktionen der NAK und deren Gläubigen kenne. Darauf habe ich echt keinen Bock.
P.S. Mit meinen Ausführungen will ich niemand zu nahe treten noch beleidigen oder beschuldigen. Es sind meine ganz persönlichen Erfahrungen und Eindrücke. Mein Bericht soll lediglich denen eine Hilfe sein, die bereit sind aus der NAK auszutreten bzw. schon ausgetreten sind.
Ich weiß wie furchtbar und schwer diese Zeit ist.
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(DS) Diese Zahlen will ich noch nachsetzen:
Laut einer Berechnung von Horst Hartmann lagen die Bezüge im Jahr 1999 bei folgenden Summen:
Stammapostel: 362.880 SFR
Bez.-Ap. : 272.160 SFR
Apostel: 192.326 SFR
Bischof: 90.720 SFR
Wie hoch sind die Einkommen wohl heute? (DS)
Von „Flügellahm am 11.1.2012“, mit freundlicher Genehmigung:
Lieber Detlef,
ja, deine Texte haben mich schon vor Jahren bestärkt, gerade in dem Selbstverständnis, dass ich aus der Zeit unter der Käseglocke der NAK ganz schön viel mit mir verwachsenen Ballast mitgenommen habe – und der daraus folgenden Milde und Zärtlichkeit gegenüber mir selbst, die ich der erlernten Beziehungslosigkeit entgegensetzen kann. Als ich damals nach immer längerer Abwesenheit meinen Geistlichen auf einem Jugendausflug sagte, woran ich nicht mehr glauben könne, brach ich kurz darauf zusammen, übergab mich, auf dem Weg nach Hause in einem Auto erbrach ich in eine Tüte, legte mich zuhause mit Fieber ins Bett und war nach kurzem Schlaf und Anruf bei meiner Mutter gesünder als zuvor.
Heute und nach einer weiteren sehr hilfreichen Therapie-Einheit freue ich mich, dass ich mit der Familie eine Ebene fand, auf der wir zusammen leben können. Schon bald nach meinem Abschied von der NAK stellte ich gegenüber Familienmitgliedern deutlich klar, dass Wille und nicht Krankheit mich zum Verlassen brachte. So wurde mir beispielsweise ein Leitwort aus „Unsere Familie“ geschickt, und in der mit Kugelschreiber ergänzten Widmung wurde ich als „flügellahm“ bezeichnet. Ich antwortete, dass diese Metapher Krankheit und einen Mangel und ein Unvermögen unterstelle, dass die Wirklichkeit, die ich so wollte, aus Sicht derjenigen, die mich als „flügellahm“ bezeichneten, allerdings schlimmer sei: Ich war nicht etwa flügellahm, sondern hatte mir, um in dieser Metapher zu bleiben, willentlich die Flügel ausgerissen, verspürte nun blutend große Schmerzen aber ein ungleich größeres Glück, dass ich es getan hatte. Das wollte ich so und das würde auch so bleiben. Nach dieser Klarstellung näherten wir uns langsam wieder an und mittlerweile haben wir ein für mich schöneres, lebendigeres Verhältnis als zuvor.
In deinen Texten finde ich das mir damals Wichtigste wieder: Ich stand vor den Geistlichen und sagte: „Ich finde keine Anleitung, wie ich stark und MIT meinen Fähigkeiten leben kann! Ich finde keinen Bezug zu meinem echten Leben!“ Es war erstaunlich zu sehen, wie die beiden, die damals vor mir standen, ein Jugendleiter und ein Vorsteher, sehr ratlos und sehr ruhig da standen. Als wäre ich ein Erwachter und sie die Schlafenden, sich in den Schlaf Flüchtenden.
Ich bin gerne wach, mit allen Entscheidungen, allen Konflikten und , hurra! , allen Fortschritten. Im Leben außerhalb dieser Gemeinschaft fand ich überhaupt erst einen Weg. Die Pointe, die mein Leben schrieb, ist: Der vielfach erwähnte „dornige, steile Weg“ ist eine Rolltreppe mit Massagesesseln drauf, eine Rolltreppe, die sich im Kreis dreht. Einen Weg, der überhaupt so genannt werden darf, weil ich ihn beschreiten muss und daher auch so viel sehe, diesen Weg fand ich außerhalb der NAK.
Danke für die Mühe, Präzision und Aufrichtigkeit in deinen Texten.
UF Februar 2011 Stap. Leber:
"Ich kann mir vorstellen,dass der eine oder andere sich nicht sicher ist,ob die Neuapostolische Kirche Gottes Werk ist. Sind solche Zweifel nicht wie eine Krankheit ? Wenn ihr unsicher seid,ob es wirklich Gottes Wort ist, das hier verkündigt wird,ob der Herr in seinen Aposteln gegenwärtig ist,wenn ihr solche Zweifel, solchen Unglauben in euch wahrnehmt, dann ist die erste Frage:Wollt ihr davon befreit werden? Ich kenne Menschen,die auf ihre kritische Haltung stolz sind und sich auf Zweifel etwas einbilden.Sie rühmen sich ihres Unglaubens und halten ihre Meinung für die einzig richtige. Aber das ist töricht.Wir sollten uns von allen Zweifeln, von allem Unglauben befreien lassen."
Die Problematik eines Aussteigers (DS)
Von frühester Kindheit an erzeugen neuapostolische Eltern und hier besonders die Mütter bewusst und unbewusst als verlängerter Arm der NAK bei ihren Kindern spezifische „innere Bilder“ und formen sie somit zu dem „neuapostolischen Bild" vom Menschen primär in seiner Bestimmtheit als Gotteskind. Das "tut ein Gotteskind nicht", "Gott ist traurig" und ähnliche Verknüpfungen zwischen Moralvorstellungen und Sünde zu göttlichem Heil und Unheil sind die seelischen Geißeln, die diesem Entwicklungsprozess psychisch zwanghaft den nötigen Gewissensgrund geben. Und immer im ABSOLUTEN Mittelpunkt der sich entwickelnden Person steht die NAK, die den Horizont und Blickwinkel begrenzt und bestimmt und um den sich alle Selbstbildung des Kindes rankt! Das Lebensziel ist eschatologisch bestimmt und auf das Jenseits ausgerichtet und nicht auf das wirkliche Leben in „dieser Welt“! Der geistige Tod – also das ewige Getrenntsein von Gott (= Trennung von der NAK) – wird als das „Furchtbarste“ deklariert, der leibliche Tod hingegen ist ja schließlich nur das Ablegen der „körperlichen Hülle“! Gedankenkontrolle über predikale Psychomanipulation und Großgruppendynamik sind in Folge die Mittel, die dem Erwachsenen die Richtigkeit dieser inneren Bilder immer wieder suggestiv bestätigen. weiterlesen
Wort zum Monat 04/2002 | Gesundheit der Seele
„Stellen wir uns für eine "geistige Diagnose" folgende Fragen: Was sehen unsere inneren Augen: Die Zeichen der Zeit? Den Altar in seiner erhabenen Größe? Die Sendung Jesu in seinen Knechten? … Auch an Halsstarrigkeit kann man erkranken: Mit einem steifen Nacken, mit Eigensinn fällt es schwer, sich in Demut vor dem Herrn zu beugen.“ Stap. Fehr
Die NAK, ein harmonisches Gemeinwesen? (DS)
- Versuch einer Erklärung für Außenstehende
Im Artikel OB Frank hofiert totalitäre Glaubensgemeinschaft vom 21. Juni 2011 ist zu lesen, dass der grüne Oberbürgermeister Frank eine Veranstaltung der Neuapostolischen Kirche anlässlich ihres 100jährigen Bestehens besucht hat und diese „Kirche“ dabei für ihr „harmonisches Gemeinwesen“ lobte. Dies ist die Sicht von außen, was aber spielt sich innen drin wirklich ab. Hier ein Versuch der Erklärung für außenstehende Nichtmitglieder der NAK.
Die NAK ein harmonisches Gemeinwesen? Wer die Borg aus der Serie Raumschiff Enterprise noch kennt mit ihrem Gedankennetzwerk des kollektiven Bewusstseins, kann eine Ahnung entwickeln, woher diese „Harmonie“ der NAK kommt. Besucht man ihre Gottesdienste, wird man zuerst sehr freundlich umgarnt, nach dem Eintritt aber schlichtweg assimiliert! Widerstand ist zwecklos, denn sobald man dabei ist, gilt folgendes: "... da beharren solche Menschen auf ihren eigenen Theorien und Ideen und sind nicht zur Nachfolge bereit. Wir können aber nicht auf unsere eigene Meinung pochen, ...
Eigene Meinung ist nämlich ganz schlimm, hindert sie doch die angestrebte Assimilierung. Deshalb immer wieder Denkverbote wie: "Wenn Gott ruft, dann ist kein Platz für Einwände und Bedenken, dann gilt es, einfach zu tun, was er möchte." Weil beim Ungehorsam die Hölle droht, wird hier mit der Angst der Menschen gespielt, ein grausiges Spiel mit auf ewig bösem Ende. „Gehen wir nicht mit menschlicher Überlegung an die Sache heran, sonst müssen wir bald einsehen, dass wir nicht weiterkommen.“ Also wer dieses „harmonische Gemeinwesen“ lobt, toleriert und unterstützt permanente Denkverbote. weiterlesen
Wort zum Monat 02/2006 | Gottes Werke
„Es geht also auch heute darum, die Apostel des Herrn aufzunehmen und ihrem Wort zu glauben. … Glauben wir denen, die der Herr heute sendet, seinen Aposteln – das ist Gottes Werk.
Ich möchte es noch etwas verdeutlichen, was das bedeutet, den Aposteln Jesu Christi zu glauben. Man kann sehr intensiv, aber auch sehr oberflächlich glauben. Der Herr erwartet einen tief gehenden Glauben. Das ist ein Glaube, bei dem man nachfolgt. Das ist ein Glaube, bei dem man unbegrenztes Vertrauen zu den Boten Jesu hat.“ Stap. Leber
Mögliche psychische Folgeschäden
(Kapitel 5 aus D. Streich „Sprachliche Mittel zur mentalen Zwangsüberzeugung in der NAK“)
Aus der anhaltenden Trance und solchen programmierten Glaubenssätzen und Grundhaltungen erklärt sich so auch für Außenstehende manch auffälliges Verhalten. Die neuapostolischen Menschen können mit zunehmendem Alter dem wirklichen Leben gegenüber lethargisch, abwesend werden und blühen nur im "Glauben" richtig auf. Im schlimmsten Fall entwickelt sich eine massive Todessehnsucht, die euphemistisch als „warten auf den Tag des Herrn“ umgedeutet wird. Bedenkt man weiter, dass jedes Mitglied der NAK diese mentale Programmierung bereits seit Kindertagen immer und immer wieder über sich ergehen lassen musste, kann man vielleicht erahnen, welche unglaublichen Auswirkungen dies auf die gesamte Psyche und neuronalen Denkbahnen eines jeden Einzelnen haben muss. Und es erklärt auch, warum viele Aussteiger selbst nach dem vollzogenen Bruch mit der Lehre der NAK noch lange nicht in ihrem eigenen Leben ankommen können: Die mentale Programmierung bleibt erhalten!
Und:
Diese mentale Programmierung kann in ihren unbewussten Auswirkungen weder vom Klienten noch von Psychotherapeuten erkannt werden, man ist vollends mit sich allein, isoliert und unverstanden! weiterlesen
Wort zum Monat 02/2007 | Speise für die Seele
„Wenn wir das Wort Gottes hören, dann soll das nicht so sein, als würden wir eine Vorlesung oder irgendeinen Bericht hören, sondern dann wollen wir das Wort Gottes essen. Wer ein spannendes Buch liest, „verschlingt“ es, weil er sich gar nicht davon lösen kann. Er wird hineingeführt in eine ganz andere Welt, die ihn gefangen nimmt. … Und wie empfinden wir es beim Hören des Wortes Gottes? Es kommt ja aus einer ganz anderen Welt, … Und es führt uns in eine ganz andere Welt. Und da hinein wollen wir uns führen lassen. Wir wollen uns so von dieser Atmosphäre gefangen nehmen lassen, dass wir gar nicht mehr hinaus wollen.“ Stap. Leber
Die Lösungsproblematik aus psychologischer Sicht
Kapitel 1.4 aus D. Streich „Zur Psychodynamik religiös fundamentalistischer Bewegungen“
Die therapeutische Suche nach „schöpferischen und echten Lösungen“ ist ein langwieriger und äußerst komplizierter Weg. Jedes Individuum hat seine eigene Ich-Struktur gebildet, in die das System NAK aber, wie die Spinne inmitten des Netzes, eingebaut ist. Es kann hier nur auf einige grundlegenden Aspekte hingewiesen werden, deren Durchdringung in der Therapie von entscheidender Relevanz sein dürfte. Je nach dem Grad der erfolgten psychodynamischen Indoktrination aus dem Zusammenwirken von System und Familie und den später sich zeigenden falschen Selbstzuschreibungen. fällt es einem als Kind in die Gemeinschaft Hineingeborenen als Erwachsener entsprechend leichter oder schwerer, sich von der Gemeinschaft trotz empfundener Ängste und Beeinträchtigungen zu trennen. Die bereits über Generationen erlittene Erziehung und (durchsichtig zu machende) suggestive Beeinflussung macht es den betroffenen Menschen durch die in ihrer Sozialisation erworbenen Introjekte annähernd unmöglich, mit einem klaren Blick auf sich selbst die hinter ihren eigenen Affekten (oder z.B. bereits aufgetretenen depressiven Verstimmungen) liegenden Ursachen zu erkennen und in eine kritische Distanz zur Gruppe und deren Ideologie zu treten. Die gefühlte und geglaubte Grundannahme, Gott selbst stünde als Ursache und Begründer hinter und in der Gemeinschaft, verhindert als hartnäckig gelehrter Mythos wie ein blinder Fleck trotz kritisch abweichender Lehrmeinungen den aktiven und vollständigen Lösungsschritt. Ein hinweisender Blick (gemessen an dem intern feierlich beschworenen Bild des „liebenden und gütigen Gottes“) auf die tatsächlichen Geschehen der eigenen Kirchengeschichte in ihrer oft menschenverachtenden und theologischen Willkür könnte aber als erste Stufe neben weiteren theologischen Erkenntnisschritten innerhalb der Selbstdiskrimination dennoch die für den Betreffenden schmerzliche Akzeptanz auslösen, die der bekannte Autor und Jesuitenpater Prof. Dr. Rupert Lay in Ketzer Dogmen Denkverbote, S.74 konsequent so formuliert:
„Systemagenten sind stets Faschisten. Der Bestand einer Institution ist ihnen höchstes zu schützendes Gut. ... dem kirchlichen Systemagenten ist der Bestand der Kirche (und nicht etwa das Heil der Menschen) höchstes zu schützendes religiöses Gut.“
GD in Berlin-Lauta am 23.11.2008; Stap Leber:
„Wisst ihr, da gibt es auch so eine Festung, … die zu zerstören ist. Wisst ihr, was diese Festung ist? Das ist das eigene „Ich“, die eigene Meinung. Man macht sie heute so hoch, hängt das so hoch auf und jeder möchte so seine Meinung durchsetzen. (…) Wir wollen nicht unsere Meinung durchsetzen, wir wollen nach dem Himmel streben. (…) Wollten wir um unserer „eigenen Meinung willen“ die Einheit zerstören? Das wäre nicht gut.
Bez.Apostel Latorcai:
„Manchmal hören wir etwas in einem Gottesdienst und es kommt gar nicht an die richtige Stelle in unserem Herzen. Dann denken wir, das ist nicht für mich, das ist für meinen Nächsten. Der größte Feind gegen den wir kämpfen müssen, das ist nicht Satan, das ist nicht seine Großmutter, wir müssen gegen uns selbst kämpfen. Wir sind unser größter Feind! Aber wenn wir aufhören zu kämpfen, dann werden wir niemals den Sieg erringen. … Ohne unseren Glauben können wir überhaupt nichts tun und allein können wir auch nichts.“
Kriterien zur Therapeutenwahl
(Kapitel 6 aus Ulrike Bär "Psychologische Beratung oder Therapie?")
Welche therapeutische Fachrichtungen ist nun also für die ganz spezielle Situation der Aussteiger aus religiös-fundamentalistisch Gemeinschaften oder Kulten geeignet? Wesentlicher Aspekte für die Wahl des Therapieverfahrens stellen zunächst der Leidensdruck, die Veränderungsbereitschaft und die Eigenmotivation des Patienten dar. Die persönlichen Voraussetzungen des Patienten, wie etwa seine Introspektionsfähigkeit, seine verbale und intellektuelle Kompetenz sind weitere Kriterien, die Beachtung finden müssen. Außerdem muss genau betrachtet werden, an welcher Stelle, also in welcher Phase seines Lösungsprozesses die Stagnation der Entwicklung eingetreten ist und welche weiteren Schritt dem Patienten zunächst überhaupt möglich sind, ohne ihn zu überfordern.
Zusätzlich zu all den oben genannten Überlegungen scheint mir hier ein weiterer Gesichtspunkt von spezieller und zentraler Bedeutung zu sein: das oben schon angedeutete „gottesbildliche Alternativangebot“. Dieser Begriff ist wenig glücklich, aber in gewisser Weise unumgänglich. Der wichtigste Aspekt der religiös-fundamentalistisch bedingten Störungsbilder ist das systembedingt einseitig verzerrte Gottesbild und sein psychosoziales Umfeld, welches die dafür disponierten Menschen krank macht. An dessen Durchdringung und Veränderung muss jede Form der Therapie ansetzten, will sie eine Chance auf dauerhaften Erfolg haben. Das heißt praktisch, dass der behandelnde Therapeut, bevor er überhaupt an den entsprechenden Krankheitssymptomen arbeiten kann, diesen die bisherige scheintheologische Grundlage entziehen muss. Da aber „göttlichen Wahrheiten“ keine „menschlichen Argumente“ entgegengesetzt werden können, kann der Therapeut nur versuchen, alternative „göttlich biblische Wahrheiten“ anzubieten. Es reicht nicht aus, nur die Erlebnisse des Kindes mit seinen Eltern in der Vergangenheit zu beleuchten und mögliche Konflikte aufzudecken. Es reicht auch nicht aus, ein bestimmtes Verhalten verhaltenstherapeutisch verändern zu wollen, weil ein reines Arbeiten an den Symptomen die Ursache der Krankheit nicht beseitigt. Wie bereits erwähnt können die dysfunktionalen kognitiven Verzerrungen und Fehldeutungen, deren Ursache das religiös-fundamentalistische Erziehungsziel war, nicht einfach durch – für jeden anderen Menschen sinnvolle- funktionale Gedanken ersetzt werden. Der überhöhte „innere Richter“ des Über-Ichs mit seinem über allem Menschlichen stehenden „göttlichen Führungsanspruch“ ist so einfach weder aufzubrechen noch zu überzeugen.
19.11.2006 Knetzgau Bamberg, Stap. Leber:
"Es ist kein anderer Weg. Der Herr hat einen Weg gegeben. ... so ist es doch so und bleibt so, dass ein Weg gelegt ist, der Weg Jesu und der Apostel — Punkt!"