erwarten (DS)

es
reicht nicht
nur zu warten
es reicht auch nicht
etwas nur zu erwarten
ohne das notwendige zu tun
dass das worauf ich jetzt warte
oder das was ich vom leben erwarte
auch in mein künftiges leben treten kann

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Anmerkungen zu  "Ziel hinter dem Horizont" 

Die hier vorliegenden Gedichte haben eine ganz besonderen Hintergrund. Sie begleiteten, lyrisch verdichtet und überhöht, den konkreten Weg zweier Menschen, die sich per E-Mail kennen lernten und im Verlauf des Schreibens sich gemeinsam auf den Weg zu einem neuen Leben aufmachten. Die einzelnen Gedichte sind jeweils Stationen des Aufbruchs heraus aus den eigenen Befindlichkeiten und Lebensumfeldern.

Viele Menschen erleben solche Phasen oft in Form von Lebenskrisen, in denen man hofft, dass das Eingefahrene sich ändern möge. Vielfach mündet dieser Umbruchwille zunächst bei einem geeigneten Therapeuten, um dort die verlorene Mitte wiederzufinden. Und je nach der persönlichen Lebensstruktur und den erkannten Einengungen wechselt man vielleicht den Beruf, tritt aus der Kirche aus oder in eine ein, trennt sich vom Lebenspartner und/oder sucht eine neue Partnerschaft, um irgendwann später doch wieder betroffen festzustellen, dass trotz guter Entscheidungen und einer gelungenen neuen Beziehung die erwarteten inneren Veränderungen doch nicht so eingetroffen sind, wie man sich das gewünscht hatte. Irgendetwas fehlt noch. Und wenn man ehrlich mit sich etwas weiter denkt, wird man möglicherweise bemerken, dass man zwar die äußerlichen Lebensfaktoren verändert hatte, wesentliche innere Anteile der Person aber doch noch gleichgeblieben sind. An dieser Stelle beginnt der Versuch, das eigene „Stehen geblieben sein“ der neuen Lebenssituation anzugleichen. Auch in diesem Sinn sind die vorliegenden Gedichte Ausdruck der Suche und des Findens neuer Wege und spiegeln die dabei notwendigen Fragen und Schritte ins eigene Innere und den zu entwickelnden Mut, sich auf die Begegnung mit dem Wagnis „Liebe“ einzulassen.

Dabei sind das jeweils sprechende oder angesprochene lyrische Ich oder Du aber immer mehr als die realen Personen. Das lyrische Ich oder Du ermöglichte, aus der eigenen Rolle oder Situation herauszutreten und in einer Art Über-Ich-Du den Weg zueinander und zu sich selbst mit allen Wünschen und entstehenden Fragen kommentierend zu beschreiben, damals noch mit der Hoffnung, dass „Ziel hinter dem Horizont“  in Gestalt eines kommenden gemeinsamen Lebens auch zu erreichen. Heute leben wir bereits seit einigen Jahre zusammen, aber der evolutionäre Prozess des Fragens und Findens geht weiter, weil auch das Leben und Beziehungen nie bei dem stehen bleiben, was gerade erreicht wurde.

So können die vorliegenden Gedichte vielleicht dabei helfen, die eigenen Fragen, Wünsche, Hoffnungen oder Krisen zu begleiten und daraus für sich persönlich mögliche Wege in eine neue Zukunft zu finden.

Link zum Reinlesen ins Buch. Gerne versende ich davon auch signierte Exemplare. Bestellung bitte per E-Mail (Impressum)

Leseprobe: 

 

stellvertretung

ich möchte nicht mehr
mein leben
in den gedichten
von rilke und hesse leben
sondern in meinem leben
sollen rilke und hesse
leben

ich möchte nicht mehr
meinen traum
in gedichten beschreiben
sondern mein traum
soll in mein leben treten
und dort
die gedichte schreiben
die ich leben
möchte 

 

 

auf dem weg sein

auf dem weg sein
die früh erzogene erstarrung durchbrechen
unterwegs sein
zu sich selbst
und sich nicht aufhalten lassen
von den vielen
 "du sollst nicht"
und den eigenen
"du darfst nicht"
in die unabhängig eigene freiheit
um selbstbestimmt
zu leben

 

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Vorbemerkung zu den Geistlichen Gedichten


Die geistlichen Gedichte stehen in direkt chronologischer Folge, weil sie in lyrischer Form meinen Weg dokumentieren heraus aus einer sehr engen und exklusiv denkenden religiösen Gemeinschaft hin zu einem befreiten Gottesbild ohne Angst. Ich war in diese Gemeinschaft hineingeboren und hatte es 50 Jahre später geschafft, endlich auch rechtlich aus ihr auszutreten. Die Texte spiegeln die damit verbundenen inneren Auseinandersetzungen und Probleme des Weges bzw. Prozesses hin zur spirituellen Neuorientierung. Diese, biblisch gesprochen, „Neugeburt“ war ein gnadenlos radikaler Umbruch und im Sinne des ersten Textes tatsächlich ein Weg hin zum "Siehe, ich mache alles neu". Obwohl ich die geistige Mauer, die zunächst nur rissig war, durchbrochen hatte, musste ich noch das entstandene Loch wieder verschließen, um den doch immer wieder gesuchten Blick nach hinten zu unterbinden. Erst dann wurden Blick und Weg wirklich frei, denn das Ziel liegt immer vorn - niemals hinten.
 

 Detlef Streich Download:
„Erweckt aus tiefem Schlaf - von IHM zum ICH“
     -  Geistliche Gedichte 2000 - 2009
 

Nachwort zu den Gedichten
  αγάπη - agape


Wenn ich in allen Sprachen der Welt
und sogar mit Engelszungen reden könnte,
aber ich hätte keine Liebe,
so wären alle meine Worte hohl und leer,
ohne jeden Klang, wie dröhnendes Eisen,
oder wie ein dumpfer Paukenschlag.

Und wenn ich alle Geheimnisse der Welt und
Gedanken der Menschen erkennen könnte,
aber mir würde Liebe fehlen,
so wäre es alles nichts.

Und wenn ich all meinen Besitz hergeben und
für meinen Glauben an das Leben opfern würde,
hätte aber Liebe nicht,
dann wäre alles umsonst. 

 

Λόγος - logos 24.2.07 (Detlef Streich)

 (Anmerkung: Das auch unser Ursprung im Sinne der Verortung unseres Ich-Bewusstseins im nichtmateriellen Raum liegen könnte, davon erzählt ein interessantes Sterninterview)

im anfang war der ruhende

und der in sich selbst ruhende war der ursprung

der ruhende war ursprung von sinn und vernunft

ursprung sinn und vernunft waren im ruhenden

alle dinge sind durch den alles durchwirkenden ursprung gemacht

und ohne den aus sich selbst herausgetretenen ruhenden

ist nichts gemacht was gemacht ist

 

in ihm ist das leben

und das leben ist das licht der menschen

und das licht scheint in der finsternis

aber die finsternis hat's nicht ergriffen

 

manche menschen kamen zur erkenntnis

um von dem licht zu zeugen

aber sie sind nicht das licht

sondern sie sollen zeugen vom wahren licht

das alle menschen erleuchtet

die in diese welt kommen

 

der in allem seiende ursprung wohnt unter uns

voller gnade und wahrheit

und von seiner fülle

können wir nehmen

gnade um gnade

 

das gesetz ist durch mose gegeben

gnade und wahrheit wurden verkündet

von dem einen der geboren wurde

um den von niemandem je gesehenen

ursprung zu verkünden

er war in der welt

aber die welt erkannte

die verkündete wahrheit nicht

und den nicht

den er als liebe

kundgemacht hatte

 

wer aber die wahrheit erkennt

hat die macht

frei von jeder gebundenheit

als kind des einen

und in allem seienden ursprungs

eins zu werden mit seiner liebe

aus der heraus alles ist

was geschaffen ist

um neu geboren

liebend

zu leben

 

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