Aquarell D. Streich

 

 Quelle: NAK-Gesangbuch Ausgabe 1925, Lied Nr. 509

(Original von J. Mentzer Strophe 10 siehe: HIER

Drum küsse ich auch deine Rute, mit der du mich gezüchtigt hast.

Sie wirkt in mir so manches Gute und ist mir eine sanfte Last.


Sie finden auf dieser Seite:

  • Geistlicher Missbrauch- Versuch einer Annäherung;  Detlef Streich(Druckversion)
  • Die Wolkenpredigt - Ein konstruiertes Beispiel für geistlichen Missbrauch in der NAK (DS)
  • Erste-Hilfe-Notfallzettel für seelische Verletzungen: Krtitische Anmerkungen zu einem Aufruf aus der Neuapostolischen Kirche Schweiz, Opfer zu bleiben
  • Kurze Predigtbeispiele von Stap Leber zum Thema Geistlicher Missbrauch (DS) (Druckversion)

 

Liedtext: Apostel Keck Im neuen, aktuellen NAK-Gesangbuch unter  "Glaube – Vertrauen - Trost"  Nr. 209 :

Gottes Wege, sie sind richtig

1. Gottes Wege, sie sind richtig
Menschlich Denken ist oft nichtig,
sein Gedanken liebend groß.
Zeitlich nur sind ird´sche Leiden,
helfen uns zu ew´gen Freuden,
machen von der Weltlust los.

2. Soll sich Frucht der Rebe mehren,
darf dem Schneiden man nicht wehren,

Läutrung macht das Gold erst rein;
Hitze bringt das Korn zum Reifen;
Edelsteine muss man schleifen,
dass sie strahlen hell und fein.

3.Trübsal macht das Herze beben,
aber auch den Herrn erleben,
bringt Erfahrung seiner Huld,
lässet hoffend auf ihn schauen,
stets auf seine Hilfe bauen,
Früchte tragen der Geduld !

 

„Geistlicher Missbrauch?“ Versuch einer Annäherung

Autor: Detlef Streich Mai 2012 

Der Größte unter euch soll euer Diener sein.  Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht.

Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließet vor den Menschen! Ihr kommt nicht hinein, und die hinein wollen, laßt ihr nicht hineingehen. 

Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr der Witwen Häuser fresset und wendet lange Gebete vor! Darum werdet ihr desto mehr Verdammnis empfangen.

Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr Land und Wasser umziehet, daß ihr einen Judengenossen macht; und wenn er's geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, zwiefältig mehr denn ihr seid! (Matthäus 23, 11ff)

 

Gliederung

  1. Einführung: Formen des Missbrauchs                                        

  2. Was ist Geistlicher/Religiöser Missbrauch  

  3. Merkmale Geistlichen Missbrauchs                             

  4. Vergiftete Glaubensüberzeugungen 

  5. Beispiel für eine vergiftende Predigt                    

  6. Umgang mit Geistlichem Missbrauch           

  7. Anhang: Linkadressen         

 

1.Einführung: Formen des Missbrauchs

Das Substantiv Missbrauch gibt es laut Duden in Deutschland seit dem 16. Jahrhundert und bezeichnet im Gegensatz zum rechtmäßigen Gebrauch eine  falsche oder böse Handlung, beziehungsweise  die „ Anwendung einer Sache auf eine ihrem Zwecke und ihrer Bestimmung zuwider laufende Art“ (Oeconomische Encyclopädie 1773-1858).

Der Missbrauch, der speziell nur durch die Position eines Amtsträgers begangen werden kann, gilt als Amtsdelikt (Amtsmissbrauch).

Der Missbrauch innerhalb einer therapeutischen Beziehung gilt als Machtmissbrauch.  Die Abhängigkeit der Klienten und das damit verbundene Machtungleichgewicht des Hilfe Suchenden wird manipulierend ausgenutzt, um eigene Bedürfnisse zu befriedigen oder in den Vordergrund zu stellen. Die Ziele des Klienten werden dabei gefährdet oder verraten. Hierbei ist nicht entscheidend, ob die missbräuchliche Handlung  mit oder ohne Zustimmung des Klienten vollzogen wird.

In der Psychologie spricht man vom Missbrauch in Zusammenhang mit Kindern von Misshandlung durch Körperliche Gewalt und sexueller Missbrauch, Seelische Gewalt und Vernachlässigung.

Weitere Formen von Missbrauch, die besonders (oft unerkannt) an Frauen ausgeübt werden:

  • visueller sexueller Missbrauch
  • verbaler sexueller Missbrauch
  • seelischer Missbrauch
  • Missbrauch durch den Ehepartner
  • Emotionaler Missbrauch
  • Körperlicher Missbrauch

Medizinisch ist der Missbrauchs- und Suchtbegriff (in diesem Fall gegen sich selbst gerichteter Missbrauch) ersetzt worden durch vier definierte Klassen des Gebrauchs:

  1. Unerlaubter Gebrauch ist von der Gesellschaft nicht tolerierter Gebrauch.
  2. Gefährlicher Gebrauch ist Gebrauch mit wahrscheinlich schädlichen Folgen für den Konsumenten.
  3. Dysfunktionaler Gebrauch liegt vor, wenn psychischen oder sozialen Anforderungen nicht mehr entsprochen werden kann.
  4. Schädlicher Gebrauch hat bereits schädliche Folgen (Zellschäden, psychische Störung) hervorgerufen.)

Die Bezeichnung Ritueller Missbrauch wird verwendet für fortgesetzte, extreme und sadistische Misshandlungen an Menschen (vornehmlich Kindern) oder Tieren innerhalb von Gruppen, deren Ideologie solche Handlungen rechtfertigt. Die geheim stattfindenden, äußerst brutalen Misshandlungen werden in Zeremonien oder Ritualen ausgeübt und vermitteln die Ideologie der sich oft religiös gebenden Gruppierung.

Versucht man nun, die verschiedenen Fälle von Missbrauch unter Einbezug ihrer verbindenden Eigenschaften allgemein zu definieren, kann man feststellen, dass Missbrauch immer unter Ausnutzung eines gegebenen Machtgefälles dazu dient, einen anderen Menschen zu benutzen, um die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Die eigentlich bestehenden Fürsorgepflichten werden dabei vernachlässigt.


Marc Dupont (1997) definiert in  „Walking Out of Spiritual Abuse. Sovereign World Ltd., Tonbridge, Kent, GB, S.8+9“:
Missbrauch ist der missbräuchliche Gebrauch von Macht. Ob der Missbrauch emotional, körperlich, sexuell oder geistlich ist, immer geht es um den verkehrten Einsatz von Macht und Autorität, die Macht, die ein einzelner gebraucht, um andere zu kontrollieren, zu beherrschen, zu manipulieren und/oder zu benutzen. Für das Opfer ist das Endergebnis eine Schädigung, sei es ein körperlicher .. emotionaler .. sexueller .. oder geistlicher Schaden oder eine Kombination davon. Missbrauch handelt immer davon, dass diejenigen mit Macht und Autorität ihre Macht und Autorität verkehrt einsetzen, um ihre eigenen Ängste, Verletzungen oder Unsicherheiten zu kompensieren.“

Ausgeübt wird Missbrauch also von einer Person gegenüber einer anderen Person in einer klaren Täter-Opfer- Beziehung, oft unter Ausnutzung eines bestehenden Vertrauens–  oder Schutzverhältnisses (Ehe, Verwandtschaft, Kind, Schüler, Klient). Das Opfer erleidet durch die missbräuchlichen Handlungen oft unter Ausnutzung der Widerstandsunfähigkeit  je nach Art des Missbrauchs in jedem Fall (meist starken) psychischen und/oder physischen Schaden. Bereits der Versuch der Misshandlung gilt als Straftatbestand und wird wie die Tat selbst strafrechtlich verfolgt (z.B. § 225, § 176 )

 

  1. Was ist Geistlicher/religiöser Missbrauch (GM)

"Weh den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen nicht die Hirten die Herde weiden?Aber ihr fresset das Fette und kleidet euch mit der Wolle und schlachtet das Gemästete; aber die Schafe wollt ihr nicht weiden.Der Schwachen wartet ihr nicht, und die Kranken heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht und das Verlorene sucht ihr nicht; sondern streng und hart herrschet ihr über sie!" (Hesekiel 34, 2ff)

Wie das Bibelzitat zeigt, ist GM vermutlich so alt wie die Religionen selbst. Nicht nur in sektenähnlichen Sondergemeinschaften oder religiösen Randgruppen, sondern auch in traditionellen religiösen Gruppen und Kirchen wird seit einiger Zeit verstärkt auch auf die Gefahr des  Geistlichen bzw. Religiösen Missbrauchs (spiritual abuse) aufmerksam gemacht. Hierbei ist vorab zu unterscheiden zwischen dem (z.B. sexuellen) Missbrauch in der Gemeinschafft durch Kirchenvertreter und dem grundsätzlichen Missbrauch durch und mit der Religion (Kirche) selbst, der gleichzeitig seelischer, psychischer und zusätzlich auch physischer und/oder sexueller Missbrauch sein kann.  Aber was ist nun GM? Verschiedene, sich ergänzende  Ansätze einer Definition liegen vor. Auf das Wesentliche beschränkt, könnte man sie so zusammenfassen:

Geistlicher Missbrauch ist der Einsatz geistlicher Autorität zum Ausbau der eigenen Machtposition. Häufig werden dafür zwei Mittel angewendet: 1. Forderungen ohne Liebe (moralischer Perfektionismus), und 2. die Inanspruchnahme göttlicher Legitimation für eigene, menschliche Absichten.

Hier einige Definitionsbeispiele (Quelle Internet) mehrerer Autoren:

Der Rahmen, in dem sich geistlicher Missbrauch vollzieht, ist die christliche Gemeinde. Seine Opfer sind folglich engagierte Christen. Das Interesse am Glauben macht sie anfällig. … Kernpunkte sind … Dominanz und Kontrolle gegenüber Hilfesuchenden.“ Harald Lamprecht bei Confessio


„Geistlicher Missbrauch liegt dann vor, wenn eine Leiterpersönlichkeit, die geistliche Autorität über einen anderen hat, diese Autorität benutzt, um Druck oder Zwang auszuüben, und damit dem ihm Untergebenen geistliche Wunden zufügt. Geistlicher Missbrauch (wird) selten mit der Absicht zu verletzen verübt ... Menschen, die ihr geistliches Amt missbrauchen, (sind) auf merkwürdige Weise naiv hinsichtlich der Folgen ihrer Ausbeutung. Selten wollen sie ihre Opfer wirklich verletzen. Sie sind für gewöhnlich derart narzisstisch oder darauf fixiert, etwas Großes für Gott tun zu wollen, dass sie es nicht einmal merken, wie weh sie ihren Opfern tun. Deshalb: Auch wenn ich betonen möchte, dass ein solches Verhalten unmoralisch und böse ist, vermeide ich dennoch den Aspekt des ‚ absichtlichen Verletzens’ in meiner Definition. (Ken Blue 1997, Geistlichen Mißbrauch heilen. Brunnen-Verlag Basel, S. 8+9)

„Anders als der körperliche Missbrauch, den man meist an den entsprechenden Wunden erkennen kann, hinterlässt der geistliche Missbrauch psychische Wunden tief in der menschlichen Seele. Er wird von denjenigen Menschen zugefügt, denen unsere Gesellschaft normalerweise Respekt und Achtung zollt, weil sie eine Leiterfunktion im geistlichen Amt ausüben und als Vorbilder gelten. Sie gründen ihre Autorität auf die Bibel als Gottes Wort und sehen sich selbst als Hirten, denen ein heiliges Amt auferlegt ist. Wenn solche Menschen jedoch das ihnen anvertraute Amt missbrauchen und ihre kirchliche Position dazu benutzen, ihre Herde unter Druck zu setzen und zu manipulieren, kann dies zu katastrophalen Folgen führen.“  [Ron Enroth (1992). Churches that abuse. Zondervan, Grand Rapids, S. 29]

„Von religiösem (geistlichem) Missbrauch spreche in dann, wenn Grenzen, die Gott selbst jedem Menschen zugedacht hat, aus religiösen Gründen überschritten werden und / oder wenn der Lebensraum, der einer Person von Gott geschenkt ist, wiederum aus religiösen Gründen eingeengt wird. Dies geschieht entweder ohne das Einverständnis der Betroffenen (man stülpt es ihnen über und kontrolliert sie), oder die Grenzverletzung wird aufgrund von geistlich getarnter Manipulation und gedanklicher Beeinflussung bereitwillig zugelassen. In beiden Fällen werden persönliche Grenzen unrechtmäßig überschritten, und zwar von Menschen, die Macht im Leben des einzelnen haben und denen es letztlich um die Befriedigung eigener (möglicherweise unbewusster) Bedürfnisse geht. Ausgenutzt werden in diesem Zusammenhang die Hilfsbedürftigkeit und Hingabebereitschaft der Betroffenen.

In die Begrifflichkeit des Missbrauchs gehört ferner der Aspekt der Vernachlässigung einer Fürsorgepflicht. Dies geschieht, wenn Autoritätspersonen (Eltern, geistliche Leiter, Seelsorger oder andere Menschen, die eine Aufgabe der Fürsorge übernommen haben) kein positives Modell gesunder Spiritualität vorleben, und wenn sie ihr Gegenüber nicht lehren, dem eigenen Herzen und der persönlichen Wahrnehmung Vertrauen zu schenken. Geistliche und emotionale Verwundungen und Verunsicherungen sind die Folge.”  (Inge Tempelmann, Arbeitspapier 2006)

Es ist religiös „missbräuchlich, zu versuchen, den geistlichen Weg eines anderen zu kontrollieren … Religiös missbräuchliche Eltern oder geistliche Leiter benutzen Kinder oder Nachfolger, um ihre eigenen Bedürfnisse nach Kontrolle und Selbstwert zu erfüllen, statt die geistliche Entwicklung derer zu fördern (zu nähren), die zu ihnen aufschauen … Genauso wie emotionaler oder körperlicher Missbrauch Vernachlässigung beinhalten kann, z.B. was nicht getan wird, gilt dies für religiösen Missbrauch.“ Wenn z.B. Eltern „kein positives Modell gesunder Spiritualität vorleben noch lehren, wie man seinem inneren Selbst Vertrauen schenken kann.

Religiöser Missbrauch beinhaltet den Versuch, Menschen in eine Entwicklungsphase des Glaubens hineinzudrängen, für die sie noch gar nicht bereit bzw. zu der sie noch nicht in der Lage sind, oder sie in einem Entwicklungsstadium festzuhalten, über das sie längst hinausgewachsen sind.“ (Matthew Linn, Sheila Fabricant Linn and Dennis Linn (1994) Healing Spiritual Abuse & Religious Addiction. Paulist Press, New York/Mahwah, N.J., S. 12-13,15,18)

Fasst man die wesentlichen Punkte aus den verschiedenen Formulierungen  zusammen, ergeben sich folgende Einzelphänomene, die durchaus nicht gleichzeitig zutreffend oder anwendbar sein müssen, zur Definition Geistlichen Missbrauchs:

Es ist Geistlicher Missbrauch und damit eine tiefe, psychische Verletzung der menschlichen Seele unter Ausnutzung des Vertrauensverhältnisses und der oftmals vorhandenen  Widerstandsunfähigkeit, wenn

  • der Einsatz geistlicher Autorität zum Ausbau der eigenen Machtposition verwendet wird
  • Forderungen ohne Liebe (moralischer Perfektionismus) gestellt werden
  • die behauptete göttliche Legitimation der Leiterpersönlichkeit für menschliche Absichten in Anspruch genommen wird
  • die behauptete göttliche Legitimation der Leiterpersönlichkeit jede Kritik an seiner Lehre oder Person ausschließt
  • die behauptete göttliche Legitimation der Leiterpersönlichkeit oder die "Besonderheit" der Kirche/Gemeinde selbst zum Gegenstand der Predigt werden
  • im Namen der behaupteten göttlichen Legitimation der Leiterpersönlichkeit Drohungen und Einschüchterungen ausgesprochen oder unterschwellig vermittelt werden
  • wenn eine Leiterpersönlichkeit ihre Autorität gegenüber Hilfesuchenden und deren Loyalität benutzt, um Druck, Zwang, Dominanz oder Kontrolle auszuüben
  • über erzeugte Schuldgefühle der Besuch von Veranstaltungen oder finanzielle Unterstützungen zwanghaft eingefordert werden
  • die Leiterpersönlichkeit einer Person "Besessenheit" diagnostiziert oder er sie ungefragt und gegen ihren Willen von "einem bösen Geist (Dämon)" befreien will
  • wenn das Recht auf Selbstbestimmtheit und der persönliche Lebensraum aus religiösen Gründen eingeengt wird
  • eine Bevormundung in Lebensfragen oder Entscheidungen als Eingriff in die persönliche Lebensgestaltung ausgeübt wird
  • eine Grenzverletzung mit geistlich getarnter Manipulation und gedanklicher Beeinflussung begangen wird
  • vertraulich mitgeteilte Informationen in der Predigt ohne Einverständnis öffentlich gemacht werden
  • die Fürsorgepflicht vernachlässigt wird, weil kein positives Modell gesunder Spiritualität vorgelebt und gelehrt wird
  • die  Leiterpersönlichkeit ihr Gegenüber nicht lehrt, dem eigenen Herzen und der persönlichen Wahrnehmung Vertrauen zu schenken
  • versucht wird, den geistlichen Weg eines anderen zu kontrollieren
  • missbräuchliche Eltern oder geistliche Leiter die Hilfsbedürftigkeit und Hingabebereitschaft ihrer Kinder oder Nachfolger ausnutzen zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse nach Kontrolle und Selbstwert
  • die geistliche Entwicklung der Kinder oder Nachfolger nicht dahingehend gefördert wird, wie man seinem inneren Selbst Vertrauen schenken kann
  • auch nur der Versuch gemacht wird, Menschen in eine Entwicklungsphase des Glaubens zu drängen, für die sie weder bereit noch in der Lage sind
  • Menschen in einem Entwicklungsstadium festgehalten werden, über das sie längst hinausgewachsen sind

Je enger und autoritärer eine Gemeinschaft in ihren hierarchischen Strukturen organisiert ist, desto größer ist dabei die Gefahr des Aufkommens von GM. Handelt es sich um eine bereits tradierte Gemeinschaft, die über die jeweils nächste Kindergeneration weiter getragen wird, besteht die Gefahr, dass die Kinder von Beginn an im Interesse der Gemeinschaft indoktriniert werden um den zukünftigen Bestand zu bewahren. Ihr eigentlich genuin eigenes religiös/spirituelles Interesse wird kontrolliert in die gewünschte Richtung gelenkt. Ein freiwilliges Bekenntnis ist unter diesen Bedingungen nicht möglich, da Kritik und Alternativen sukzessive dem spezifischen Gruppeninteresse  zumindest untergeordnet werden oder durch die manipulierende Indoktrination gänzlich „undenkbar“ geworden sind. Nicht aber die in jeder christlichen Kirche praktizierten Rituale (Konfirmation, Firmung etc.) sind an sich ein Indiz für GM, sondern die spezifische Art der begleitenden sozialen Umstände durch das Elternhaus, besondere Lehrstunden, Lieder und Predigten sowie exklusivistische Glaubensinhalte können je nach Ausprägung zum GM führen. Kriterien zur Aufdeckung von GM sollen im nächsten Abschnitt aufgezeigt werden.

 

  1. Merkmale Geistlichen Missbrauchs

Fredy Falger, selbst ein Missbrauchsopfer einer Freikirche (Zeitungsbericht), hat seine Erfahrungen zum GM in 10 Punkten aufgelistet, die helfen sollen, missbräuchliche Praktiken aufzuzeigen (wer sich bereits mit dem Phänomen „Sektenmerkmale“ beschäftigt hat, wird hier klare Parallelen finden …):

  1. Wenn du ein Problem ansprichst, wirst du zum Problem und das Problem wird nie besprochen.
    Ein sachliches Problem oder ein Missstand werden angesprochen. Plötzlich merkst du, während dem meist manipulativen Gespräch mit dem Leiter, dass du zum Problem gemacht wirst.
    Dies kann ausarten bis hin dazu, dass die Leiter dir den Glauben absprechen, dich als psychisch krank oder sogar besessen, resp. als Werkzeug Satans betiteln.
    Die sachliche Diskussion über einen Missstand wird nie stattfinden.
  2. Wenn du einen Leiter/Pastor hinterfragst, wird dir gesagt, du hast ein Autoritätsproblem.
    Bibelstellen über "Leiterschaft" werden dir als Lektüre verschrieben und stark auf Unterordnung gepocht.
    Entspricht eigentlich dem Merkmal 1 - du wirst zum Problem gemacht.
  3. Mentoring wird zur Kontrolle missbraucht.
    Mentoring, Coaching, Seelsorge - und alle Namen, die man noch dafür finden möge - wird für die Kontrolle der Mitglieder missbraucht. Leiter besprechen persönliche Details aus seelsorgerlichen Sitzungen miteinander und versuchen die Untergebenen damit zu manipulieren, bis hin zu Erpressung.
  4. Die Leitung nimmt sich das Recht, über dein Privatleben zu bestimmen.
    Die Leitung ist mehr an deinem Lebensstil als an dir als Person interessiert.
    Hier ist nicht eine Anregung über deinen Lebenswandel gemeint, sondern eine Kontrolle. Es kann vorkommen, dass man dir ein Hobby nicht mehr gewährt, einen Musikstil oder Bücher verbietet etc.
  5. Die Leitung steht nicht zu gemachten Fehlern.
    Da die Leitung sich als ultimatives Werkzeug Gottes sieht, oft auch der Pastor als eine Art Auserwählten, der nicht angetastet werden darf - was übrigens völliger Unsinn ist - wird er seine Fehler nicht einsehen (wollen).
    Allgemeine Aussagen wie "Wir machen alle Fehler" kann ein Missbrauchender Leiter schon mal von sich geben, doch wenn man von ihm konkret eine Entschuldigung verlangt, werden Merkmale 1 oder 2 in Kraft treten.
  6. Der Schein zählt mehr als das Sein.
    Fehler, Missstände, körperlicher oder sexueller Missbrauch werden lieber verdeckt gehalten, um den Schein einer heilen Gemeindewelt zu wahren.
    Besucherfreundliche Gottesdienste werden eingeführt. Da sind alle so lieb und die wahren Charaktere kommen nicht zum Vorschein - man spielt sich was vor, wie es die Leitung der Gemeinde schon lange tut.
    Bei Abstimmungen wird befohlen, gemäss Meinung der Hauptleitung zu stimmen. Kritische Stimmen werden auf fiese Art und Weise "bekämpft".
  7. Freundschaften und Ehen werden zerstört.
    Kann man den/die Hinterfragenden nicht ruhig stellen, werden die Mitglieder, Freunde und sogar Ehepartner manipuliert und gegen den/die Hinterfragenden aufgehetzt. Aussagen wie: "XY hat eine schwere Zeit und lebt in der Verführung." oder "XY lässt sich nicht mehr vom Geist Gottes leiten und greift die Leiterschaft mit Lügen an." werden meist sehr subtil in diverse Gespräche, Gebetskreise und sogar Predigten eingebaut.
  8. Unangenehme Aussagen werden als Missverständnisse abgetan
    Oft werden in bewusst geplanten Zweiergesprächen Aussagen gemacht, welche die Leiterschaft als Missverständnis oder Lüge deklariert, sollte der Inhalt dieser Gespräche anderen zuteil werden. Der Hinterfragende wird bewusst als unglaubwürdig dargestellt.
  9. "Kleider machen Leute"
    Mitglieder werden aufgrund ihrer Position, sei dies innerhalb der Kirche oder im Beruf,  bevorzugt behandelt.
    Andererseits werden kranke oder depressive Menschen bewusst gemieden oder als Minderwertig abgestempelt. z.B. "XY kann Gott noch nicht gebrauchen bis er/sie heil ist."
  10. Mit-Entscheidung nur proforma
    Die Leiterschaft vermittelt den Mitgliedern oder den Mit-Leitern das Gefühl , sie hätten weitgehend bei einer Entscheidung mitbestimmen dürfen. Oft sind solche Gespräche eine abgekartete Sache, in denen die Leitung bereits entschieden hat und die Diskussion manipulativ zu ihrem Wunschergebnis hin steuert.
    Beim Erkennen und Ansprechen eines solchen Manövers, treten meist Merkmale 1 und 2 in Kraft.

Weitere Erkennungsmerkmale des GM sind laut Falger (Quelle):

  • Manipulation
    (z.B. Gott hat mir gesagt dass du... # Hat Gott wirklich gesagt ? # Kann dies tatsächlich der Heilige Geist in dir bewirken ? etc.)
  • Themen die nicht angesprochen werden dürfen.
    (Dies merkt man meist erst, wenn man die Regel des Nicht-sprechens gebrochen hat, und eben diese Themen anspricht.)
  • Machtanspruch
    ("Ich bin Leiter, also musst du mir gehorchen !" ein Hinterfragen wird immer als Rebellion angesehen! # Das Image ist immer wichtiger als Wahrheit und Gerechtigkeit!)
  • Lügen, die dann als Missverständnisse abgetan werden.
  • Vertrauensvorschuss wird oft von missbräuchlichen Leitern gefordert !
    (man bedenke, dass Vertrauen die Summe aller Kontrollen ist ! Da diese Leiter jedoch nicht kontrolliert werden wollen, verlangen sie das Vertrauen auf Vorschuss. Sie wissen, dass die wenigsten, im Nachhinein kontrollieren werden, und schon gar nicht das kontrollierte ansprechen. Man gesteht sich nicht gern ein, dass man diesen Fehler wirklich begangen, und einfach blindlings einem "Guru" vertraut hat.
    So wird die Lüge aufrechterhalten und der Fehler bei sich selbst gesucht. Diese Leiter sind Meister im Einreden eines schlechten Gewissens!)

Vielfältige Erfahrungsberichte zum GM finden sich auf der HP Cleansed.

 

  1. Vergiftete Glaubensüberzeugungen

Die Manipulation und der Geistliche Missbrauch in christlichen Gemeinden oder Gemeinschaften erfolgen auch über ideologiespezifische „ Glaubensüberzeugungen“, die meist einem simplifizierenden Bibelverständnis folgen. Die Bibel wird dabei als authentisches „Wort Gottes“ betrachtet, wörtlich genommen und mit gezielt ausgewählten Passagen immer wieder zur Bestätigung der Richtigkeit der eigenen Aussagen verwendet, bzw. missbraucht.  Dr. Christoph Rohde  beschreibt diese „Charakteristika einer Missbrauchsumgebung in einem Interview wie folgt:

„ Es liegen einfache Strukturen vor. Eine einfache Auslegung einer Schrift – die meist völlig nichtssagend ist und so besonders anfällig wird für Willkürauslegung. „Jesus war auch Diener“ - „vergebt einander“ - „Jesus war auch opferbereit“. Der Mangel an Bibelkompetenz, verbunden mit psychologischer Unkenntnis führt zu einem Drucksystem. Von manchen wird das bewusst gesteuert, aber in vielen Gruppen erkennen die Anführer diese Muster selber nicht.“

Als „Vergiftete Glaubensüberzeugungen“ bezeichnen Stephen Arterburn und Jack Felton in ihrem gleichnamigen Buch Toxic Faith, (WaterBrook Press, Colorado Springs 2006, S.33-78)Sätze, wie die  folgenden:

1. Gottes Liebe und Gnade sind von meinem Verhalten abhängig

2. Wenn ein tragisches Schicksal zuschlägt, sollten die wahren Gläubigen tiefen Frieden darüber haben

3. Ich habe wirklich Glauben, deshalb wird Gott mich oder denjenigen für den ich bete auch heilen

4. Alle Leiter (Älteste) und verantwortlichen Mitarbeiter (Diakone) sind Männer und

Frauen Gottes und daher vertrauenswürdig

5. Materieller Segen ist ein Zeichen geistlicher Stärke

6. Je mehr Geld ich Gott gebe, desto mehr Geld gibt er mir zurück

7. Ich kann mir den Himmel erarbeiten

8. Probleme in meinem Leben resultieren von bestimmten Sünden

9. Ich darf nicht damit aufhören, für die Nöte anderer da zu sein

10. Ich muss mich einer Autorität immer unterordnen

11. Wahren Glauben zu besitzen bedeutet, auf Gottes Hilfe zu warten und nichts zu

unternehmen, bis Er etwas tut

12. Alles, was mir widerfährt ist gut

13. Ein starker Glaube wird mich vor Problemen und Schmerzen bewahren

14. Gott hasst Sünder, Er ist verärgert über mich und will mich bestrafen

15. Jesus war hauptsächlich ein großartiger Lehrer

16. Gott ist zu groß, um sich um mich zu kümmern

 

 

  1.  Beispiel für eine vergiftende Predigt (DS)                           

Die Art und Weise, wie solche Sätze zu einer Predigt zusammengefügt werden, ist letztlich nichts weiter als eine assoziative Reihung, durchsetzt von Bibelzitaten, die auch leicht abgewandelt werden können (wem fällt das schon auf?). Wenn die Predigt gut gemacht ist, durchzieht sie zudem ein immer wiederkehrender Schlüsselbegriff, der in den einzelnen Abschnitten aber wechseln kann. Der Zuhörer wird da abgeholt, wo er sich befindet (Sorgen etc), und es werden ihm ständig zu bejahende Aussagen hingeworfen, die er bereitwillig aufgreift. Dass diese scheingeistlichen Assoziationen völlig inhaltsleer sind, wird nicht wahrgenommen, da sich von Beginn an eine leichte bis mittlere Trance einstellt, die das Gehirn rezeptiv/passiv macht und damit sehr empfänglich für „einfache Botschaften“. Die ständigen Bejahungen führen zu Ausschüttungen von Endorphinen (Glückshormonen), die den Zustand  emphatisch bis zur Euphorie steigern können (je nach Fähigkeit des Predigers). Das Sprachtempo ist anfänglich stets langsam, der Tonfall oft ruhig bis gleichförmig, der Inhalt ist durchsetzt von Verknüpfungen, die nicht verstanden werden können (Paradoxa). Kurz: Es sind alle Elemente vorhanden, die auch bei einer Tranceinduktion zur Vorbereitung der sich anschließenden Heilhypnose verwendet werden. Wie so etwas in der Praxis aussehen kann, habe ich im Folgenden als konstruiertes Beispiel sehr verkürzt notiert, denn meistens gehen solche Reden über den Zeitraum von 40 bis 60 Minuten. Die Menschen, die solche Reden hören wollen, machen sie süchtig nach diesen vergiftenden Worten (siehe dazu das nächste Kapitel):

Liebe Geschwister im Herrn,

wie wunderbar ist es heute Morgen wieder, dass wir uns wieder alle hier gemeinsam versammelt haben, um unseren himmlischen Vater zu ehren, ihn zu preisen, ihm zu danken für all das Wunderbare, was er bereitet hat und nun bereiten wird in Seinem Wort. Keiner von uns ist zu Hause geblieben. Vielleicht war der eine oder andere versucht, im Bett liegen zu bleiben wie der Kranke am See zu Zeiten Jesu. Dann aber hättest du heute nicht die Verwandlungsworte des Herrn gehört, die ER jetzt auch wieder zu DIR spricht: Stehe auf!

Viele unter uns waren ebenso wie der Mensch am See 38 Jahre krank. Krank an der Seele, krank am Körper, krank in der Familie und hofften auf Hilfe, die niemals kam. Und plötzlich trat uns der Herr in den Weg und sagte ganz schlicht: Stehe auf! Steh einfach auf! Stehe auf aus deinen Sorgen und lass meine Kraft an dir geschehen! Ich bin die Kraft, die Auferstehung und das Leben. Und wir haben die Kraft genommen und sind aufgestanden. Wir haben SEINEN Ruf gehört und gehandelt! Jeder von uns ist ein Zeugnis dieser Auferstehung, die der Herr an uns geschaffen hat. Dem Herrn sei Dank dafür und Halleluja seiner unbeschreiblichen Liebe. Wir konnten mit seiner Kraft, die jetzt in uns ist, aufstehen aus all unseren Sorgenlagern, in die wir uns gebettet hatten, aus unseren Kummerhöhlen, in die wir uns geflüchtet hatten, aus unseren geistlichen Irrtümern, in die wir geführt wurden, aus der Verzweiflung, in die wir gestürzt waren.

Der Herr hatte zu uns gesagt: Stehe auf! Und wir sind aufgestanden und haben uns in die Arme seiner Liebe geworfen, einer wahrlich umwerfenden Liebe! Sie wirft alles um, macht alles neu, hat uns neu werden lassen. Zur neuen Kreatur, gezeugt aus seinem Geist! Aber wir sind nicht vollkommen geworden, keiner von uns. Auch ich nicht, der zu euch heute aus dem Heiligen Geist die Worte des Herrn spricht. Vollkommen ist nur ER! Halleluja, und gelobt sei er, Jesus der Christus! Nein, wir sind nicht vollkommen. Immer wieder packt uns der Teufel an unserer empfindlichen Stelle und will uns wegziehen, uns wieder zurückbringen auf unser unbequemes Sorgen- oder Kummerbett. Deshalb brauchen wir auch heute wieder seinen Ruf, sein Befehlswort: Stehe auf! Und ich sage dir: Stehe jetzt auf und wirf deine Sorge um deine Arbeit, die Sorge um deine Familie, um deine Gesundheit  in die Arme der Liebe des Herrn. Wirf das alles einfach weg! Und dann ? Dann stehe auf, nimm dein Bett und gehe los! Gehe los mit neuem Mut zu neuen Taten. Du kannst dir gewiss sein: Er ist da, Halleluja! Er begleitet dich, Halleluja! Er liebt dich, Halleluja! Er kennt deinen Weg, Halleluja! Er, der Herr, ist dein Weg! Preis und Halleluja! Er ist unsere Kraft, unser Ziel, unser Mut: Er ist alles in allem, wie Paulus sagt: Preis, Ruhm, Anbetung bringen wir dir Herr, jetzt und in Ewigkeit! Amen

Dies wäre sozusagen die Einführung und Einstimmung der Zuhörer, noch ohne direkt konkrete Manipulation. Im folgenden Teil würden Anweisungen eingebaut, was gut und schlecht ist, was zu tun und was zu lassen (Triggersetzungen). Abgrenzungen von anderen Gemeinschaften könnten eingestreut werden und gegen Ende nochmals auf die wunderbare exklusive Gemeinschaft hingewiesen werden, die natürlich nur HIER zu finden ist.

Aber was ist nun wirklich „vergiftend“ an solchen Aussagen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)?

Es werden z. B.

  1. keine wirklich lebensbewältigenden Einsichten vermittelt
  2. keine wirklich den Menschen stärkende oder tröstende Erkenntnisse mitgeteilt
  3. keine wirklich „spirituellen“ Wege aufgezeigt
  4. scheintheologische „Pseudowahrheiten“ bzw. Binsenweisheiten  verkündigt
  5. Bindungen an den Prediger/die Gruppe erzeugt
  6. Muster bedient, die die Abhängigkeit der Hörer bewirkt und fördert
  7. biblische Worte zu pseudoargumentativen, scheinlogischen Schlüssen und/oder Scheinanalogien verknüpft
  8. biblische Aussagen semantisch völlig falsch als Vergleich oder Forderung umgebildet
  9. Dinge als Wahrheiten behauptet, die keinerlei biblischen Grund haben
  10. biblische Worte umgedeutet zu eigenen Zwecken der Manipulation der Gruppe

 

6. Umgang mit Geistlichem Missbrauch

Im Gegensatz zum meist nachweisbaren körperlichen Missbrauch ist der Nachweis geistlichen Missbrauchs schwierig und wird zudem oft weder vom Täter noch vom Opfer als solcher erkannt, weil die Selbstverständlichkeit der missbräuchlichen Handlungen und Lehren zutiefst im Inneren verankert sind. Die verletzte Persönlichkeit zieht sich wegen der Verletzungen hinter verschiedene Schutzmöglichkeiten (Schutz vor der Realität) zurück:  Die Tatsachen werden verharmlost (bagatellisiert), verdreht, ignoriert, verleugnet und umgedeutet, eigene Gefühle und Wünsche werden unterdrückt, abgespalten, verdrängt (kurz dissoziiert) mit der Folge, dass das „ geliebte Wunschbild“ erhalten bleiben kann. Diese Opferreaktionen sind bekannt auch bei sexuellem Kindesmissbrauch oder Gewalt in einer Beziehung/ Familie. Im späteren Leben führen sie u.a. zu Lebenskrisen, Depressionen oder Psychosen und müssen meist langwierig therapeutisch behandelt werden.  Wird von außen in einer Gruppe GM beobachtet oder vermutet, ist es sehr schwer bis unmöglich, die betroffenen Personen darüber aufzuklären oder gar daraus zu befreien. Wer selbst Bedenken hat, GM ausgesetzt zu sein, kann den folgenden Fragebogen als ersten Test verwenden:

Antwort: „Ja“ oder „Nein“

1. Hat sich Ihre Familie darüber beschwert, dass Sie zu häufig zu Gemeindeveranstaltungen gehen und sich zu wenig um sie kümmern?

2. Empfinden Sie extreme Schuldgefühle, wenn Sie einen Sonntag einmal nicht zum Gottesdienst gehen?

3. Haben Sie das Gefühl, dass Gott auf das sieht, was Sie tun. Und wenn Sie nicht genug tun, dass er sich vielleicht von Ihnen abwendet und Sie nicht mehr segnet?

4. Sagen Sie Ihren Kindern oft. was sie zu tun haben ohne Angabe der Gründe, da Sie wissen, dass Sie einfach Recht haben?

5. Finden Sie selbst kaum noch Zeit für Vergnügungen früherer Jahre, weil Sie so damit beschäftigt sind, in Arbeitskreisen mitzuarbeiten und an kirchlichen Gruppen teilzunehmen?

6. Haben sich Menschen darüber beschwert, dass Sie so viele Bibelstellen in Ihren Gesprächen zitieren, dass es schwer ist, sich mit Ihnen zu unterhalten?

7. Spenden Sie Geld, weil Sie glauben, dass Gott Sie reich macht wenn Sie geben?

8. Fällt es Ihnen schwer, Entscheidungen zu treffen, ohne sich mit Ihrem Pastor (geistlichem Berater) beraten zu haben? Selbst wenn es sich um unwichtige Entscheidungen handelt?

9. Sehen Sie Ihren Pastor oder geistlichen Berater als mächtiger ja als andere Menschen?

10. Hat Ihr Glaube Sie hineingeführt in ein isoliertes Leben, wo es ihnen schwerfällt, mit Freunden und Familie in Beziehung zu stehen?

11. Haben Sie sich dabei entdeckt, dass Sie von Ihrem Pastor/geistlichem Berater für ein lebenslanges Problem eine schnelle Lösung erwarten?

12. Fühlen Sie sich extrem schuldig für die kleinsten Fehler oder Schwächen?

13. Haben Sie schon einmal gedacht, Gott würde von Ihnen verlangen, dass Sie sich selbst oder andere zerstören, um mit ihm zu leben?    '

14. Sind Sie der Meinung, dass Sie immer noch für etwas bestraft werden, dass Sie als Kind getan haben?

15. Haben Sie den Eindruck, dass Gott Ihnen endlich vergeben wird, wenn Sie sich noch ein wenig mehr bemühen?

16. Hat Ihnen schon einmal jemand gesagt, dass ein Prediger ihre Gedanken und Gefühle manipuliert?

(Aus: Stephen Arterburn & Jack Feiton: Toxic Faith. Experiencing Healing from Painful Spiritual Abuse. Colorado Springs 1991/2001. S. 264: sowie »Praxis«. Heft 1/97. Nr. 68. Wenn Leiter ihre Macht missbrauchen. S. 23 Fragebogen im Internet  )

Wenn Sie mindestens drei der Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, ist es annähernd sicher, dass Sie zum Opfer eines geistlichen Missbrauchs (vergifteten Glaubens) geworden sind. Aber auch bei einer einzigen Ja-Antwort  sollten Sie sich an eine Person Ihres Vertrauens außerhalb Ihrer Gruppe wenden (Pfarrer, Beratungsstellen, Therapeut) und die Problematik schildern. Wenn Sie ein direktes Gespräch mit dem verursachenden Geistlichen führen wollen ist es für beide Seiten dringend anzuraten, einen unabhängigen und neutralen Mediator zur Klärung der Sachlage dabei zu haben. Einen weiteren und differenzierteren Testbogen „Wie steht es mit Ihrem Verhältnis zu Ihrer Glaubensgemeinschaft?“ und Psychologischer Fragebogen zur Aufdeckung  individueller Problemfelder in einer religiösen Sondergemeinschaft finden Sie zur Selbstanalyse auf der Homepage „Hilfe und Begleitung in Ausstiegsfragen“ von Ulrike Bär-Streich, ebenso Ausführungen zu den Folgen Geistlichen Missbrauchs.

So wie jede Form von Missbrauch inakzeptabel und verwerflich ist, heiligt auch beim GM nicht etwa der beabsichtigte Zweck (eines in Folge scheinbar göttlich gesegneten Lebens) die dafür eingesetzten Mittel der geistigen und psychischen Manipulation, des seelischen Drucks, der körperlichen Züchtigung, der pseudotheologischen Drohungen mit ewiger Verdammnis, der angedrohten  Isolation und sozialen Entfremdung von der Gruppe usw. Unter diesem Aspekt dürfen Menschen, die ihrer Kirche oder ihrem Seelsorger GM vorwerfen, keinesfalls als „Nestbeschmutzer“  abgetan werden, sondern es muss geradezu im ureigenen Interesse der Seelsorger, Kirchenvertreter und insbesondere der Kirchenleiter liegen, solche dysfunktionalen Vorgänge und erhobenen Vorwürfe zu klären und vorbehaltslos zu prüfen. Wer sich hier Gesprächen verweigert, sich desinteressiert und arrogant abwendet oder schlicht auf menschliche Schwächen verweisen möchte, gehört bereits relativ sicher zu den Tätern, die GM ausüben!

Viele herkömmliche Missbrauchsfälle, die strafrechtlich relevant verfolgt werden könnten, werden jedoch nicht angezeigt und bleiben verborgen (ca. 90 %), weil das Opfer sich schämt und/oder die durchaus berechtigte Sorge hat, unglaubhaft zu klingen und nicht ernst genommen zu werden. Der Versuch einer Petition, dass „der Deutsche Bundestag beschließen möge, dass das Strafrecht so ergänzt wird, dass in Zukunft auch "Religiöser Missbrauch", insbesondere bei Kindern, strafrechtlich verfolgt werden kann“, ist 2009 abgelehnt worden u.a. mit der Begründung, dass die „angesprochenen Rechtsgüter sämtlich durch das Strafrecht geschützt und die genannten Handlungen bereits strafbar“ sind. Ohnehin bliebe und bleibt ein strafrechtlich begründeter Versuch, eine Anklage gegen verübten GM zu formulieren, bereits bei dem Problem stecken, konkret nachweisbare Handlungen und schädigende Folgen zu benennen. Die Grenzen zwischen korrektem Verhalten von geistlichen Führern und ihrem missbräuchlichem Tun sind mitunter Gradwanderungen. Grundsätzlich ist aber die Redeabsicht bei exegetischen Bibelauslegungen und Predigten der Versuch, den Hörern eine Glaubens- und Lebenshilfe anzubieten und Tröstung oder Mut zu vermitteln. Die Redeabsicht, die hinter dem GM steht, zielt entweder auf den Gruppenerhalt (WIR) ab, betont oft in selbstgefälliger Art die Wichtigkeit des Predigers und/oder die besonderen Lehre, die nur hier und durch ihn so vermittelt und erlebt werden kann. In meinem Artikel "Vom Regen in die Jauche?  Warnende Anmerkungen zu Gospel Of Grace  von „Pastor“ M. Thiemann" habe ich die Folgen daraus so skizziert:  "Die Zuhörer werden  über diesen GM  in den suggestiven Bann gezogen und in eine Abhängigkeit geführt, die nur mit einer Sucht zu vergleichen ist, denn das gesamte Leben gestaltet sich fortan um zu einer "Suche" nach dem "Stoff" in den Predigten, Schriften, Kursen und Medien der Gruppe. Vernunft und Denken werden ausgeschaltet, das Unterbewusstsein wird neu programmiert und die eigene, persönliche Individualität nach und nach aufgegeben. Hinzu kommt der Drang zur Mission, auch andere Menschen in diese Gruppe hinein zu bringen und das Anliegen der "Bewegung" in der "Welt" durch das Schulungsmaterials voran zu treiben. Die geistige und seelische Abhängigkeit an den/die geistigen Führer wird dabei so stark, dass auch nahe Verwandte oder Freunde, kurz das gesamte soziale Umfeld darauf kaum mehr Einfluss nehmen können. Familie, berufliche Entwicklung, persönliche Interessen, all das wird sukzessive dem Gruppendenken geopfert. Jeder Versuch, den Menschen aus dieser Abhängigkeit zu befreien, ist angstbesetzt und wird als "geistlicher Tod" verteufelt."


Leo Booth überschreibt in seinem Buch "Heilung von religiösem Missbrauch und religiöser Abhängigkeit" ein Kapitel mit dem Titel "Wenn Gott zur Droge wird" und meint, dass religiöser Missbrauch den Hörer in die sogar mit einer Sucht vergleichbare Abhängigkeit führt. "Ausgedehnter Kirchenbesuch/ zwanghaftes Nachdenken über die Bibel/ ständige Beschäftigung mit der Kirche/ verstärkter Gebrauch von Kirche, Bibel oder Gebet, um Problemen aus dem Weg zu gehen/ Verlust anderer Interessen/ Zunahme von Schwarz-Weiß-Denken/ Ärger an Kritik über die religiösen Praktiken" (Seite 61) und anderes mehr bilden für ihn Stadien auf dem Weg in die religiöse Abhängigkeit mit sich einstellendem Kontrollverlust. Zudem sind es Kriterien, ausgeübten Missbrauch aufzudecken. Das Hauptsymptom  für ein dysfunktionales und damit abhängig machendes Glaubenssystem ist laut Booth die erworbene „Unfähigkeit, Informationen oder Autoritäten in Frage zu stellen, anzuzweifeln oder darüber nachzudenken“ (S.78). Der Verzicht auf eigenständiges Denken ist dabei die Basis für die missbrauchenden  Leiter, über die Mitglieder die Kontrolle zu behalten.  Diese lebensfeindliche Dysfunktion sieht er ferner als Familienkrankheit, die in missbrauchenden Systemen an die nächste Kindergeneration weitergegeben wird.

Gerade wegen dieser beschriebenen und verheerenden Folgen und wegen des besonderen Auftrages von Religion und Kirche und ihrer Vertreter besteht nahezu eine moralisch-ethische Verpflichtung für seriöse Gruppierungen und deren Leiter, sich erhobenen Vorwürfen offen zu stellen, um dem selbst gestellten Anspruch und Ziel der fürsorgenden Seelsorge und christlichen Nächstenliebe gerecht zu werden.  Mehr noch müssen sich die Institutionen und Gemeindeleiter ihren eigenen Wurzeln stellen und ihre z.T.  sogar konstitutiven Denkweisen, Traditionen, Organisationsformen und Verhaltensmuster auf ihre tatsächlich fördernde Funktion im Sinne  wirklicher Lebenshilfe und Bereicherung hin für den Einzelnen prüfen. Das „System Kirche bzw. Gemeinde“ muss dem Menschen dienen und nicht der Mensch durch Anpassung dem Erhalt des Systems. Jesus drückte diesen Sachverhalt so aus (Markus 2,27): „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“  Auf die Kirchen bezogen bedeutet das, nicht der Mensch ist für das System da, sondern das System muss für den Menschen da sein. Oder, wie der Titularbischof Gaillot es prägnant formulierte:

Wenn die Kirche nicht dient, dient sie zu nichts!“

Hesekiel 22,23f 

Und des HERRN Wort geschah zu mir und sprach: Du Menschenkind, sprich zu ihnen:

Du bist ein Land, das nicht zu reinigen ist, wie eines, das nicht beregnet wird zur Zeit des Zorns. Die Propheten, so darin sind, haben sich gerottet, die Seelen zu fressen wie ein brüllender Löwe, wenn er raubt;

sie reißen Gut und Geld an sich und machen der Witwen viel darin. 

Ihre Priester verkehren mein Gesetz freventlich und entheiligen mein Heiligtum;…. 

Und ihre Propheten tünchen ihnen mit losem Kalk, predigen loses Gerede und weissagen ihnen Lügen und sagen: "So spricht der Herr, HERR", so es doch der HERR nicht geredet hat.

 

Anmerkungen:

Zu Geistlichem Missbrauch in modernen christlichen Gruppierungen siehe Drehtüreffekt

Zur weiter vertiefenden Beschäftigung mit diesem Thema in Bezug auf die NAK empfehle ich meine beiden Arbeiten "NAK- Christliche Sondergemeinschaft oder Sekte?" und  "Spachliche Mittel zur mentalen Zwangsüberzeugung in der NAK - Eine rhetorische Stilmittelanalyse" 

Rainer Ballnus und Irene Döring von LINDD e.V. : Rückmeldung zu Spirit-Ausgabe 1/12 - Gegen den eigenen Willen - Missbrauch.

Interessant ist auch ein Artikel vom Verlag Friedrich Bischoff: spirit im Gespräch mit dem Arzt Stefan Werner zum Thema "Macht, Missbrauch, Ohnmacht":

ZITAT daraus: (sexueller) Missbrauch findet überall statt, auch in der Neuapostolischen Kirche?

Dr. Werner: Ja, und zwar so häufig, dass man davon ausgehen kann, dass in jeder Gemeinde Betroffene sind.

Glaube kann heilen, aber auch krank machen. Gibt es auch geistlichen Missbrauch? Was ist das?

Wenn ich das kirchliche Umfeld nutze, um eigene Bedürfnisse zu befriedigen. Das kann zum Beispiel das Bedürfnis nach Anerkennung sein. Wenn jemand in der Kirche eine Funktion ausübt, um Selbstbestätigung zu erlangen, führt das schnell zu einer gewissen Selbstherrlichkeit. Dann ist Seelsorge im eigentlichen Sinn nicht mehr möglich. Das wäre Missbrauch.

Wie merkt man denn, wann die Grenze überschritten wird?

Wenn das eigene Ego im Vordergrund steht. Eine klare Definition für die Grenze kann es nicht geben. Man kann kirchliche Aufgaben auch missbrauchen, um etwas anderes zu ignorieren, wo man gerade nicht hinschauen will. Altruismus kann etwas sehr Narzisstisches sein. Zum Missbrauch wird er aber erst, wenn Dritte geschädigt werden, indem ich zum Beispiel meinen Aufgaben nicht mehr gerecht werde.

 

Weiteres zum Thema:

9.12.13 Link zum ERF-Video:  Sendung vom 02.07.2013 Geistlicher Missbrauch: Wölfe im Schafspelz (leider nicht mehr verfügbar)

Wölfe im Schafspelz – gibt es sie wirklich? Und wenn ja, wie kann man sich vor geistlichem Missbrauch schützen?  PDF zur Sendung mit umfangreichen Literaturtipps

Zitat zur Sendung: Andere Menschen fördern, damit sie sich entfalten und eigene Verantwortung übernehmen können – dazu sind Leiter da. Doch wenn diese ihre Position für persönliche Zwecke einsetzen und sich damit eigene Vorteile verschaffen, missbrauchen sie ihre Macht. Vordergründig sind die Motive oft nicht so leicht zu durchschauen. Findet der Machtmissbrauch in christlichen Gemeinden statt, hat er in der Regel sogar einen besonders frommen Anstrich. Der Schaden, der Menschen dabei zugefügt wird, hat ein ungeahntes Ausmaß. Wie kann man sich davor  schützen und wie können verwundete „Schafe“ wieder heil werden? Darüber reden wir mit Betroffenen und Experten bei „wirklich.“

Anhang: Eingefügte Linkadressen

INFO: Gewalt gegen Kinder

http://www.psychologie-info.org/Missbrauch/missbrauch.html

Artikel zum GM bei Confessio:

http://www.confessio.de/cms/website.php?id=/religionheute/grundlagen/geistlicher-missbrauch.html

Arbeitspapier Inge Tempelmann

http://www.isodos.at/Vortraege/WorkshopRelMissbrauch.doc

Lebenslauf Titularbischof Galliot:

http://www.partenia.org/deutsch/biographie_ger.htm

Petition an den Bundestag:

https://epetitionen.bundestag.de/files/0339.pdf

Fredy Falger, Zeitungsbericht:

http://www.geistlicher-missbrauch.info/medien/LIZ%20Artikel.pdf

Homepage:

http://www.geistlicher-missbrauch.info/index.php?10_Merkmale

Zitat: „Charakteristika einer Missbrauchsumgebung“ von Dr. Christoph Rohde

http://www.christoph-rohde.de/counseling.html

Erfahrungsberichte zum GM:

http://www.cleansed.de/berichte.php

 

Wie steht es mit Ihrem Verhältnis zu Ihrer Glaubensgemeinschaft?“ von Ulrike Bär-Streich:

http://nakaustiegshilfenundberatung.beepworld.de/selbstanalyse.htm

Psychologischer Fragebogen zur Aufdeckung  individueller Problemfelder in einer religiösen Sondergemeinschaft

Fragebogen: Stephen Arterburn & Jack Feiton: Toxic Faith:

http://www.darvsmith.com/dox/toxicfaith_test.html

Predigtanalysen zu Stap Schneider

 

Die Wolkenpredigt - Ein konstruiertes Beispiel für geistlichen Missbrauch in der NAK (DS)

Vorbemerkungen zur Wolkenpredigt

Als Einführung zur Wolkenpredigt eine kurze Kostprobe einer Leberschen Predigtsequenz, die durchaus auch in die Unterseite Satire passen würde. Oder hat schon einmal jemand von Ihnen "Schnecken herumtoben" sehen"?

Europäischer Jugendtag der NAK

Datum Donnerstag, 21. Mai 2009
Ort/Land Düsseldorf Deutschland
Bezirksapostelbereich A. Brinkmann
(Wörtliche Predigtmitschrift von NAK-NRW)

 Stap. Leber  (Zwischenbemerkung):  „Lasst mich noch ein Wort sagen zu diesem Gedanken, dass wir manches Mal fragen: „Warum?“ und eigentlich diese Frage töricht ist, weil wir nicht den Überblick haben, wie ihn natürlich Gott hat.  Da gibt es eine kleine Geschichte. Es sind Schnecken irgendwo auf dem Weg. Dann kommt ein Wanderer vorbei und sieht die Schnecken, die mitten auf dem Fahrweg sind. Er sagt sich: Die sind in großer Gefahr. Wenn ein Auto kommt, können sie schnell überrollt werden und müssen mit ihrem Leben büßen. Er nimmt die Schnecken und setzt sie irgendwo an den Rand auf die Blätter. Die beiden Schnecken toben und sagen: Was fällt dem ein, uns von unserer Bahn wegzunehmen und irgendwo abzusetzen? 

Das ist eine ganz simple Geschichte, die aber zeigt: Wenn man nicht den Überblick hat, dann beurteilt man die Dinge falsch. Darum ist es manchmal so töricht, immer zu fragen: „Warum?“ Wir haben nicht diesen Überblick, und stattdessen wollen wir Vertrauen haben und nicht herumtoben wie diese Schnecken.“

Neben einigen typischen neuapostolischen Predigtfloskeln ist der folgende Predigtentwurf von mir vor allem eine NAK-Musterpredigt zur Verdeutlichung tranceinduzierender Stilmittel. Eine grobe Analyse dazu finden Sie hier, Ausführliches in der Ausarbeitung zu den " Rhetorischen Stilmitteln zur Zwangsüberzeugung . Manches NAK-Mitglied wäre wohl heute noch hochzufrieden, wenn es eine Predigt in diesem Stil ( z.B.Bezirksapostel Steinweg) mal wieder hören "dürfte"! Siehe zu diesem Thema auch die Artikel zu "Predigten in der NAK" und "Kinder und Jugendliche" sowie aktuelle Analysen zu Predigten von Stap Schneider und den grundlegenden Artikel " Was ist eine Sekte - Psychologische Aspekte zur Sektendefinition von D. Streich, August 2013
(Überarbeitete Auszüge aus der Ausarbeitung „ChristlicheSondergemeinschaft oder Sekte“).

 Bei den jetzt folgenden Predigtsätzen handelt es sich eigentlich um keinerlei Glaubensinhalte, sondern nur um einleitende, inhaltslose Formulierungen, die zur unbemerkt bleibenden Mind Control führen. Für Die Mitglieder der NAK sind dies aber deutlich "Glaubenssätze". Die Überschriften entsprechen den 8 Kriterien, die Robert J. Lifton in seiner Ausarbeitung „Thougt Reform and the Psychology of Totalism - A Study of Brainwashing in China; New York, 1961“ entwickelt hat und die bis heute für eine Untersuchung zur Anwendung von ausgeübter Mind Control herangezogen werden!

Gruppensätze zur Milieukontrolle

Wir haben ein so schönes Miteinander, das kann man nicht erklären – komm einfach mal

Die anderen können das nicht verstehen, erzähle ihnen lieber nichts

Bei uns ist vieles ganz anders als ...

Noch wird dir manches ein wenig fremd sein, aber nach einer Weile wirst du erleben, dass ...

Gruppensätze zur Mystischen Manipulation

Wir haben uns das nicht selbst ausgedacht, es ist „Sein“ Wille

Wir sind Werkzeuge einer höheren Macht

Wir können „Seinen“ Willen nicht immer verstehen, aber wenn wir „Seinem“ Wort folgen, werden wir erleben, wie sich alles zum Guten entwickelt

Gruppensätze zur Forderung nach Reinheit

Wir müssen unseren eigenen Willen überwinden und unter Seinen Willen stellen

ER sieht und bemerkt alles

ER kennt jeden unserer Gedanken und weiß, was gut für dich ist

Draußen ist nur das Böse, dass uns vom Weg/Ziel abbringen möchte

Gruppensätze zum Bekenntniskult

Wir müssen lernen, uns stets mit Seinen Augen zu sehen, wenn wir ...

Wir müssen unsere Gedanken und Gefühle kontrollieren, sonst ...

Nimm dich selbst nicht so wichtig, denn was sind wir ohne ...

Diese Gedanken führen uns ins Verderben, weil ...

Gruppensätze für die "Heilige Wissenschaft"

Wir glauben das, weil .... und können es belegen, denn ... . Also ...

Der Plan ist von Ihm schon lange festgelegt, nichts hält den vorgegebenen Lauf auf

Der Stap. und die Apostel sind zwar auch nur Menschen, aber ihre Worte sind Eingebungen sind von ...

Wir haben das höchste Ziel, was ein Mensch erreichen kann. Das wollen wir nicht aufs Spiel setzen

Gruppensätze zur Sprachlichen Beeinflussung

Alles Denken der anderen ist Torheit und zeigt ihr Unvermögen, unsere gute Sache zu begreifen

Die anderen sehen nur sich selbst, wir aber folgen ...

Mag es denen da draußen auch scheinbar gut gehen, letztlich wird sich doch zeigen, dass ...

Manches können wir jetzt mit unserem begrenzten/natürlichen Verstand noch nicht verstehen, aber wenn ...

Gruppensätze zur personenbeherrschenden Doktrin

Nur wer sein eigenes Wollen der Sache unterordnet, wird am Ende das wundervolle Ziel erreichen

Der Einzelne mit seinem Wissen kann den ganzen Plan nicht verstehen, aber ...

Wir wollen doch den anderen und dem Ziel nicht im Weg stehen

Wir müssen innerlich völlig neu werden, der alte "Adam" kann es nicht erreichen

Gruppensätze zur Dispensierung der Existenz

Wenn auch die Anderen die Wahrheit/unsere Apostel/das Ziel/die Botschaft/Seinen Willen/ das Gute/unseren Weg nicht verstehen und annehmen können, wir wissen doch aber, worum es in der Zukunft wirklich geht

Die Anderen werden einmal bereuen, wir aber werden erleben, dass ...

Die Anderen haben/wissen/verstehen/sind nichts, ihr Leben und Streben ist vergeblich. Was nützt es ihnen, dass sie ...

Nur wir ...

 Wer nun den Test auf die tranceerzeugende Wirkung durch direkte und indirekte Suggestionen machen will: Die Predigt einem Partner langsam vorlesen, gut und abwechslungsreich betonen und die Wirkung als Lesender selbst erspüren. Nicht unterbrechen bis zum AMEN! Und dann hinterher Reaktionsmuster erfragen oder: Was weißt du noch von dem, was du gerade gehört hast. Wie nach einer NAK-Predigt üblich, wird man fast nichts von der Vielzahl des Gehörten noch wissen ...

 

Wolkenpredigt von Detlef Streich

Als "Schale zum Wort" dient uns Markus 13, Vers 26
„Und dann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in den Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit.“
Chor: Auf Adlers Flügeln getragen (siehe dazu auch den Beitrag von Hermann Ober)

Liebe Geschwister!

Wer in den letzten Tagen und Wochen das Geschehen um uns herum mit verfolgt hat und gesehen hat, wie es in der Welt so auf und ab geht,  dem könnte manchmal Angst und Bange werden vor all den Dingen, die da wohl noch kommen. Und gerade auch dann, wenn man manchmal meint und denkt, jetzt wird es besser, es wird etwas heller am Horizont, und man freut sich, dann bricht plötzlich das nächste Unwetter herein und alles ist danach noch schlimmer als zuvor. Das gehört aber alles zu den Zeichen der Zeitverhältnisse, die uns umgeben, und die der Herr so zugelassen hat und die seiner Wiederkunft vorausgehen müssen. Auch viele Mitmenschen sehen diese Verhältnisse, liebe Geschwister, und auch die sind oft entsetzt über die Dinge, die da geschehen. Eben denkt man noch, es ist alles in Ordnung, es geht mir doch ganz gut, auch in meiner Familie, mit den Kindern, oder im Beruf. Und plötzlich treten dann Dinge und Umstände ein, und alles ist von einem Moment auf den andern ganz anders. Das passiert, das kennen wir alle auch aus dem eigenen Erfahren und Erleben.

Aber was macht man dann in der Not? Schreit und tobt man herum und beklagt man sich über die Ungerechtigkeit in der Welt? Sicher, viele Mitmenschen machen das so, aber hilft ihnen das weiter? Manche schrecken dann nicht einmal davor zurück und klagen sogar den lieben Gott an. Wir wollen darüber nicht urteilen, liebe Brüder und Schwestern, aber gilt solchen nicht auch das Wort, was der Herr einst zu Hiob sprechen musste, als er sagte: „Und der HERR antwortete Hiob aus dem Wetter und sprach: Wer ist der, der den Ratschluss verdunkelt mit Worten ohne Verstand?“ {Hiob.38,1} Und auch zu Hiob direkt sprach der Herr dann noch: "Hiob redet mit Unverstand, und seine Worte sind nicht klug." {Hiob.34,35}  Liebe Geschwister, wir wollen doch nicht unklug sein!
                                                                                                  weiterlesen

 

Es ist wichtig, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist. Auch wenn mir nicht gefällt, was ich sehe. Es hat keinen Sinn, sich selbst zu betrügen. Religion ist wie eine Brille, die den Blick auf die Wirklichkeit trübt, die bittere Realitäten hinter einem milden Schleier verschwinden lässt. Deshalb wehren sich die Anhänger der Religionen auch so vehement, diese Brille jemals abzusetzen.“ Marcel Reich-Ranicki

 

Ergänzende Anmerkungen zum Thema Missbrauch in der NAK (Februar 2013)

 

Erste-Hilfe-Notfallzettel für seelische Verletzungen: Ein Aufruf aus der Schweiz, Opfer zu bleiben (Druckfassung)

Zitat: 7. Selbstmitleid vermeiden. Das beste Gegenmittel: Entschuldigungen annehmen.

Wenn du von anderen seelisch oder körperlich verletzt wurdest, dann beachte den folgenden Notfallzettel zur "Ersten Hilfe bei seelischen Verletzungen" der NAK-Schweiz/ Ostermundigen  auf keinen Fall. Und es sage niemand, dass diese "10 Gebote" nur der Einzelfall eines gedanklichen Ausfalls eines kleinen NAK-Gemeindevorstehers seien. "Gehe den unteren Weg" oder "Sei stille, oh sei stille, Gott will nur dein Heil" ist das konstitutive Prinzip in der NAK. Dieser Notfallzettel ist nur die hier deutlich sichtbar gewordene, vergiftende Frucht eines Myzels, das die gesamte NAK und ihre genauso indoktrinierten Mitglieder durchzieht: "Durch Leiden und Stillhalten zu ewigen Freuden!" Stap. Leber formuliert das laut "Impulse 19/2012 wie folgt:

Wenn wir Probleme haben, anderen zu vergeben, lasst uns an unsere eigenen Sünden denken. Dann wird uns so manches einfallen, das uns zur Erkenntnis führt, kein Recht zu haben, andere zu verurteilen. (Q)

Als Entgegnung auf diesen Unsinn sollte man zunächst  HIER den leider sehr seltenen Bericht eines betroffenen Missbrauchsopfers lesen und sich bewusst machen, dass das beileibe keine Seltenheit ist. Betroffene seien entgegen des Rates im Notfallzettel an dieser Stelle aufgerufen, Fälle von selbst erfahrenem oder mit angesehenem Missbrauch öffentlich zu machen, gerne auch an mich. Jede Mitteilung wird absolut vertraulich behandelt und nur mit ganz klarer Genehmigung als Erfahrungsbericht anonymisiert eingestellt. In einem Artikel vom Verlag Friedrich Bischoff (spirit im Gespräch mit dem Arzt Stefan Werner zum Thema "Macht, Missbrauch, Ohnmacht") ist klar zu lesen:

ZITAT: (Sexueller) Missbrauch findet überall statt, auch in der Neuapostolischen Kirche?

Dr. Werner: Ja, und zwar so häufig, dass man davon ausgehen kann, dass in jeder Gemeinde Betroffene sind.

Es ist also davon auszugehen, dass auch in Ostermundigen mindestens ein Opfer sexueller Gewalt in der Gemeinde ist. Umso schlimmer sind also die Bemerkung von Leber und der nachstehende "Notfallzettel" anzusehen, weil die betroffenen Opfer in ihrer Verletzung damit völlig ignoriert werden und erneut in seelische Nöte gestürzt werden. In Absatz 10 heißt es im Notfallzettel:

"Die Heilung ist abgeschlossen, wenn der Patient wieder in voller Gemeinschaft und Harmonie mit seiner Umwelt lebt, insbesondere mit dem Verursacher der Wunde!"

Irene Döring und Rainer Ballnus vom Verein LINDD - Licht nach dem Dunkel e.V.(Gemeinnütziger Verein zur Hilfe für neuapostolische Christen und andere Betroffene von sexueller, seelischer und körperlicher Gewalt) kommentieren das in einer Mail so:

Wir stufen diesen Notfallplan nicht nur als nicht hilfreich ein,  sondern sehen die Gefahr, dass Notleidende in noch größeres Leid fallen könnten. Wir werden aktiv werden und in mehreren Schritten gegen diese Gefahr vorgehen. Wir werden unsere Arbeit auf unserer Homepage transparent machen.

In einer weiteren Stellungnahme vom 25. 2. heißt es weiter:

"Wir haben deshalb den Stammapostel kontaktiert, und er hat uns sinngemäß geantwortet, dass es hier doch erkennbar um alltägliche Verletzungen im zwischenmenschlichen Bereich ginge und nicht um gravierende Ereignisse und dass er uns davon abrate, das Thema aufzugreifen.

Wir teilen diese Einschätzung nicht. Zum einen lässt dieser Zettel alle Interpretationen für seelische Verletzungen zu, also auch für trauatisierende. Zum anderen aber widersprechen die Empfehlungen seinen selbst getätigten Äußerungen, „nichts unter den Teppich zu kehren“, sondern miteinander „miteinander zu reden“, gerade wenn es um zwischenmenschliche Verletzungen geht."

Zwischenbemerkung: Meinen obigen Einleitungstext habe ich  am 23.1.2013 am Nachmittag  im Gästebuch der HP eingestellt. Dort gab es bereits drei weitere kritische Neueinträge. Jetzt, um 22.00 Uhr ist mein Eintrag nebst den anderen kritischen Einträgen bereits gelöscht - der Notfallzettel blieb! Als ob es hilft, solche Einträge schlicht zu löschen ... Und noch etwas: Seit dem 24.1. ist das gesamte Gästebuch entfernt! Auch ein Erfolg! Aber das hier ist tatsächlich immer noch drin:

NOTFALLZETTEL

Neuapostolische Kirche Ostermundigen „ERSTE HILFE“ bei seelischen Notfällen

Wenn du von einem anderen verletzt wurdest, dann beachte:

  1. Ruhe bewahren! Jede Hektik verschlimmert die Situation.

  2. Überlege: Wie kann es zu dem Unfall? Hätte ich ihn vermeiden können? Wie fühlt sich der andere?

  3. Wie Wunde gründlich auswaschen. Dabei darauf achten, dass aller Ärger und alle Unversöhnlichkeit entfernt werden.

  4. Anschließend reichlich Nächstenliebe-Salbe auftragen. So schützt du dich vor Groll- und Bitterkeitsinfektion.

  5. Nun die Wunde mit einem Verband der Vergebung umwickeln. Dadurch kann die Wunde heilen, ohne dass du sie jeden Tag sehen musst.

  6. Später nicht am Wundschorf kratzen! Den Vorfall nicht zur Sprache bringen, da sonst die Wunde wieder aufbricht und es zu Infektionen kommen kann, die sich ausbreiten und geistlich tödlich enden können.

  7. Selbstmitleid vermeiden! Das beste Gegenmittel: Entschuldigung annehmen.

  8. Medizin: Mehrmals täglich das Wort Gottes einnehmen, dabei vor und nach der Einnahme beten. Das Medikament hat eine ausgeprägt beruhigende und schmerzstillende Wirkung.

  9. Stets in engem Kontakt mit dem höchsten der Ärzte bleiben. Er wird dir bei der Genesung Kraft, Freude und inneren Frieden geben.

  10. Die Heilung ist abgeschlossen, wenn der Patient wieder in voller Gemeinschaft und Harmonie mit seiner Umwelt lebt, insbesondere mit dem Verursacher der Wunde.

 

Ittigen, im September 2005/ HRB

 

28.1. 2013; 21.00 Uhr:

Der Notfallzettel ist von der Homepage zwar entfernt worden, war aber über den Link oben aus technischen Gründen immer noch erreichbar, ebenso unter der Googlesuche "NAK Ostermundigen Erste Hilfe". Umfangreiche Interventionen an diverse Opferberatungsstellen in der Schweiz und die zuständigen Dienstvorgesetzten in der NAK (Bezirksapostel etc.) sowie NAKI International und Pressesprecher Johanning sind dem vorausgegangen, Reaktionen stehen aber noch aus. Nun bekommt der kleine Vorsteher wohl einen auf den Deckel wegen seines persönlichen Machwerkes. Zurecht? Schon, aber was predigte der Stammapostelhelfer Jean-Luc Schneider in Ostermundigen am 13. Januar 2013 laut eines Berichtes zum Textwort „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein.“ (Matthäus 5, aus Vers 37) passend zum Thema "Opfer" in eben genau dieser Gemeinde:

 „Das erste Ja ist das Ja, das wir bei der Heiligen Versiegelung gegeben haben. Das zweite Ja wird später von uns verlangt (sic !!); es ist das Ja der Beharrlichkeit, wie es einst Abraham gegeben hat. Er hat Ja gesagt und ist mit seiner Familie weggezogen. Und später hat er nochmals sein Ja gegeben, als Gott ihm geboten hat, seinen Sohn zu opfern, diesen Sohn, den ihm Gott selber verheissen und geschenkt hatte. Wenn wir Gott unser Ja geben und ihm ganz vertrauen, können wir erfahren, dass er ständig an unserer Seite sein und uns auch immer helfen wird.“

Also nicht nur das eigene Opfersein muss man schlichtweg hinnehmen und sich mit dem Täter sogar noch in "Nächstenliebe, Gemeinschaft und Harmonie" aussöhnen, sondern auch noch bereit sein, seine Söhne und Töchter, wie es Abraham tat und der Stammapostelhelfer einforderte, zu opfern. Nur so kann man treu neuapostolisch sein. Immer schön der alten NAK-Scheinlogik folgend, wenn du .... dann wird ... was auch immer, jedenfalls alles gut! Allerdings klingt das im originalen Wortlaut des örtlichen GD-Berichtes der Schneiderpredigt nochmals deutlich schärfer. Zitat:

“Ich denke an Abraham. Er hat von Gott einen Befehl erhalten und er hat „Ja“ gesagt. Er hat sein Land verlassen, er hat Gott gehorcht, ein Beispiel des Gehorsams dem Herrn „Ja“ zu sagen und viel, viel später hat er den versprochenen Segen erhalten und er hat den Sohn bekommen, den Gott ihm verheißen hatte. Ist die Geschichte jetzt zu Ende? Aber die Geschichte geht noch weiter. Gott ist wieder zu ihm gekommen und hat gesagt: „Opfere mir diesen Sohn der Verheißung.“ Er hat ihm nicht noch einmal eine weitere Verheißung gegeben: Ich werde dich noch mehr segnen…, nur diesen Befehl: „Opfere mir deinen Sohn.“ Er musste Gott diesen verheißenen Segen zurückgeben! Und weil Abraham Vertrauen hatte zu Gott, hat er ein zweites Mal „Ja“ gesagt. Und das hat ihm noch einen größeren Segen Gottes eingebracht.”

Ich kenne auch viele Geschwister, die jahrelang treu geblieben sind, die „Ja“ gesagt haben und die diesem „Ja“ treu geblieben sind und im Lauf der Jahre wurden sie reich gesegnet. Und nun kommt Gott wieder und will ihnen scheinbar einen Teil dieses Segens wegnehmen und er versetzt sie in Prüfungen, in Krankheiten, in Schwierigkeiten und dann versteht man nichts mehr und sagt: Warum, Herr, warum denn das für mich, warum muss ich das erleben? Der Herr verlangt von dir jetzt das zweite „Ja“, das „Ja“ der Beharrlichkeit!

Zum Thema “Konflikte” äußerte Schneider sich wie folgt:

“Es gibt manchmal Konflikte in den Gemeinden, da kann man nicht sechs Monate warten, um sie zu lösen, man muss sie sofort lösen und dann bemüht man sich, man bringt Opfer. Das Wichtigste ist doch, dass der Konflikt bald gelöst ist, denn der Herr kommt bald!”

Um also Konflikte zu lösen, muss man selbst Opfer bringen und zurückstecken, weil der Herr bald kommt!

Da steht doch der Vorsteher in klarer Nachfolge! Wer will ihm seinen Notfallzettel nun noch vorwerfen, wenn doch auch der Stammapostel und der Stammapostelhelfer so predigen? Das ist echte neuapostolische Seelsorge, die sich um den Täter sorgt und dem Opfer Unterordnen verordnet! Schwamm drüber, alles im Werke des Herrn ist in Ordnung! Und auch nicht Murren, so jedenfalls im  Erntedankgottesdienst der NAK in  Duisburg 2012 nochmals Stammapostelhelfer Schneider (im Videolink ab 4.05 Minuten):

Manchmal hört man, ach vielleicht hier und da und in Deutschland nicht, aber bei uns hört man so manchmal  so Leute von meiner Generation oder der Generation vorher, da ist ein bisschen Murren, so  Unzufriedenheit, wenn man daran denkt, was zu unserer Zeit alles geschehen ist, wie es  schwer war, neuapostolisch zu sein.
Das durfte man nicht machen - und jenes durfte man nicht machen; und man war so hart mit uns usw. usw... Und heute ist alles so einfach und so gelassen. Da kommt schon ein bisschen Murren und Unzufriedenheit auf!
Ich muss dann immer wieder an dieses "Gleichnis" denken:
Ja, meinst Du vielleicht, Du hättest deswegen mehr verdient als der, der heute in einer anderen Zeit, in einer anderen Welt seines Glaubens lebt? Meinst Du vielleicht, du hättest was verdient, du hättest mehr verdient als der andere? Wenn dieses Murren, dieser Gedanke aufkommt, beweist man lediglich, man erkennt die Gnade nicht mehr."

Also völlig gleich, was früher so alles passierte oder heute passiert: Jedes kirchliche Fehlverhalten und die psychischen Folgen daraus sind für Stammapostelhelfer Schneider nichts anderes als ein Zeichen dafür, dass das anklagende Opfer die Gnade Gottes nicht mehr erkennt! Die Ausführungen Schneiders waren übrigens mit dem angeführten Zitat noch nicht zu Ende. Der designierte Stammapostel setzte sogar noch hinzu (als ob das Gesagte nicht schon längst ausreichte):

"Der liebe Gott könnte noch viel, viel mehr von mir verlangen. Ich hätte immer noch nicht einen geringsten Anspruch auf die Gnade, auf das Himmelreich, auf die Gotteskindschaft.  Es ist und bleibt unverdiente Gnade.  Und deshalb ist diese Dankbarkeit eine Grundhaltung der Gotteskinder.“

Wer also für seinen erlittenen Schaden nicht auch noch dankbar ist, der ist aus neuapostolischer Sicht wohl kein echtes Gotteskind! Basta! Wie zynisch, ignorant und selbstgefällig sind diese Bemerkungen des designierten Stammapostels. Wenn man dann noch die Vortragsweise und den Ton in seiner Ansprache hört, bekommt man vollends das Grausen ….

Einen dazu erschreckend passenden Liedbeitrag gibt es auch im neuen Gemeindegesangbuch. Das textliche Machwerk stammt von Apostel Keck und findet sich paradoxer Weise zum Thema "Glaube – Vertrauen - Trost" unter der Nr. 209 auf Seite 312:

Gottes Wege, sie sind richtig

1. Gottes Wege, sie sind richtig
Menschlich Denken ist oft nichtig,
sein Gedanken liebend groß.
Zeitlich nur sind ird´sche Leiden,
helfen uns zu ew´gen Freuden,
machen von der Weltlust los.

2. Soll sich Frucht der Rebe mehren,
darf dem Schneiden man nicht wehren,

Läutrung macht das Gold erst rein;
Hitze bringt das Korn zum Reifen;
Edelsteine muss man schleifen,
dass sie strahlen hell und fein.

3.Trübsal macht das Herze beben,
aber auch den Herrn erleben,
bringt Erfahrung seiner Huld,
lässet hoffend auf ihn schauen,
stets auf seine Hilfe bauen,
Früchte tragen der Geduld !


 

Da fehlt jetzt nur noch die Geschichte eines unbekannten Verfassers zum Thema "Gottes Fürsorge", die so durchaus auch in einem Gottesdienst der NAK erzählt werden könnte. Ein Hirte hat hier ein krankes Schäflein auf dem Arm. Auf die Frage, was es mit dem gebrochenen Fuß des Schafes auf sich hat, gibt der Hirte folgende Erklärung:

Ich selbst habe ihm den Fuß gebrochen, weil ich seinen Ungehorsam nicht länger ertragen konnte. Monatelang habe ich versucht, es mit Liebe zu leiten und ihm nur Gutes zukommen zu lassen, aber es hat nie richtig auf meine Stimme gehört. Immer ging es seinen eigenen Weg.Einmal musste ich es von einem steilen Felsen herunterholen und ein andermal aus einem Abgrund herauf tragen.Fast wäre es einem Adler zum Opfer gefallen, aber das Schlimmste war, dass auch andere Schafe ihm nachliefen. Da wusste ich nur noch ein Mittel: 
Ich musste ihm einen Fuß brechen, damit es nicht mehr weglaufen kann.Erst war es böse, fraß nichts und stieß nach mir; aber jetzt sieht es mich demütig an und leckt mir meine Hände. Auch auf den Ton meiner Stimme achtet es genau. Bald kann es wieder laufen, und eines weiß ich, dass ich dann in meiner Herde kein ungehorsames Schaf haben werde.

So arbeitet in der NAk der "liebe Gott" eben, da kann man nichts machen! Ansonsten erübrigt sich fast jeder Kommentar zu diesem unglaublichen Machwerk vom neuapostolischen Gemeindevorsteher  sowie den so immer wieder gehörten Vorgaben seiner oberen Kirchenführer, die solches Denken und damit dieses Papier erst möglich machten.

Inge Deutschkron, heute 90 Jahre alt und als Jüdin Opfer eines anderen System, gab dazu im Gegensatz als Zeitzeugin am 30. Januar 2013 in ihrer Rede im Deutschen Bundestag den Rat ihrer Mutter weiter: "Lass Dir nichts gefallen, wenn Dich jemand angreifen will. Wehr Dich!" Gleiches gilt auch denen, die Opfer im Rahmen des NAK-Systems geworden sind: Schweigt nicht und wehrt euch und ermuntert die, die im Begriff stehen, sich wehren zu wollen und helft ihnen, den Weg heraus zu finden aus dem Bann des Stillhaltens.

Und noch etwas, hier genauso Relevantes, sagte sie bezüglich der alle Erinnerung verdrängen wollenden Nachkriegsdeutschen und ihrer „Sprachlosigkeit, wenn Menschen im Nachkriegsdeutschland … sagten: "So vergessen sie doch", wenn sie mich nicht anders zum Schweigen bringen konnten. "Sie müssen doch auch vergeben können", meinten sie. "Es ist doch schon so lange her." Die meisten, denen ich in der provisorischen Bundeshauptstadt Bonn begegnete, hatten sie einfach aus ihrem Gedächtnis gestrichen, die Verbrechen, für die der deutsche Staat eine eigene Mordmaschinerie hatte errichten lassen und sie es geschehen ließen.“

 Die Geschichte der NAK ist eine Geschichte der Unterdrückung und des psychischen Missbrauchs mit zahllosen Einzelopfern und über Generationen geschädigter Familien. Niemand „muss“ hier vergeben „müssen“! Auch  ist dabei unbedeutend, ob das missbräuchliche Verhalten länger oder kürzer her ist: Schweigt nicht, wenn ihr darum wisst! Klärt auf und gebt der Erinnerung Raum zum Schutz der kommenden Generationen eurer Enkel und Urenkel!  Die Religionsfreiheit als hoch zu schätzendes Gut ist kein Deckmantel für systematische, psychische Unterdrückung oder stillschweigende Erduldung körperlichen und geistlichen Missbrauchs durch ein System, für dessen Existenz aber die indoktrinierte Unterordnung und das damit verbundene Schweigen die konstitutive Voraussetzungen sind. Wie drückte Rupert Lay das drastisch aus: „Systemagenten“, und dazu gehören der Stammapostel und alle leitenden Funktionäre der NAK, „sind alle Faschisten,“ denn sie setzen den Schutz des Systems vor die Bedürfnisse der  Menschen und gehen dabei sinngemäß über Leichen.  Vielleicht haben gerade wir als Deutsche da eine historisch bedingte, ganz besondere Verantwortung, der wir nachkommen sollten.

Nachbemerkung: Die Hausregeln von HRB zum Verhalten vor, im und nach dem GD sind übrigens auch sehr aufschlussreich und zeigen die menschenverachtende Psychomanipulationen in der NAK! Die Anweisungen/Vorgaben unter "Vor dem Gottesdienst" bezeichnen eine deutliche Einleitung einer Tranceinduktion zur Vorbereitung der nachfolgenden Redebeiträge, die dann direkt und ungefiltert  auf die Psyche der Hörer systemgewünscht einwirken können. Mittlerweile (31.1.) sind auch die Hausregeln von der Homepage Ostermundigen entfernt worden, können hier aber weiterhin gelesen werden. Zudem wird diesen Machenschaften und Machwerken alleine mit diesem Artikel ein bleibendes "DENK-MAL darüber nach" erhalten bleiben.

Hinweis: Dieser Artikel ist bei Readers Edition unter dem Titel "Täter – oder Opferschutz in der Neuapostolischen Kirche?" eingestellt und kann dort mit Leserbriefen kommentiert werden. Wie ein typischer NAK´ler das aus seiner fundamentalistischen Sicht sieht und arrogant kommentiert, kann man HIER  nachlesen.

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23.2.2013 Ergänzungen zum Thema Notfallzettel

Ebensfalls hat der Verein LINDD reagiert und ein konzeptionelles Schreiben zum Thema der Prävention vor sexuellem Missbrauch herausgegeben (Artikel Download). Dort heißt es u.a.:

Zitat: Ballnus/Döring vom Verein LINDD – Licht nach dem Dunkel e.V.:

Wir haben seit geraumer Zeit zum Thema „Sexuelle Gewalt an Kindern“ die Frage bewegt: „Wie können wir unsere Gemeinden sicherer machen?“. …

Wir haben deshalb ein Konzept hierzu entwickelt, das wir dem Stammapostel mit der Bitte um Prüfung bzw. Weiterleitung an den designierten Stammapostel-Nachfolger übersandt haben.

Dieses Konzept ist auf unserer Homepage unter „Fachliches“ eingestellt.

Zitat aus dem benannten Aufsatz vom 22. Februar 2013 zum Thema „Wie gelangen wir in unserer Kirche zu „sicheren“ Gemeinden?“ :

Bestimmte Faktoren im Gemeindeleben begünstigen sie (Anm. die Täter) und ihr schändliches Tun:

  • In den Gemeinden ist nicht selten eine familiäre Struktur vorzufinden, der vorbehaltlos vertraut wird.

  • Das Thema „Gehorsam-Ungehorsam-Gehorsamspflicht“ wird nicht zuletzt durch biblische Hintergründe auch heute noch streng beachtet.

  • Auch die Vergebungs-Haltung wird derzeit immer noch eingefordert, ohne auf ganz spezifische Situationen einzugehen.

  • Nicht zuletzt ist die Amtsautorität, verbunden mit dem Amtsauftrag und der Vorbildfunktion zu benennen.“

Aus unserer Sicht hat vor einer Vergebung gegenüber der Institution Kirche Folgendes Vorrang:

1. Eine vorbehalt-, lücken- und vor allem schonungslose Vergangenheitsbewältigung.

2. Ein erkennbarer Veränderungswille im Umgang mit solchen Geschehnissen in der Zukunft und

3. Implementierung einer angemessenen und wirkungsvollen Prävention zu allen Arten von Gewaltgeschehen.

Niemand kann von Opfern Verzeihungsbereitschaft erwarten!

Auch der These …l, dass eine von der Kirche geforderte Versöhnungsbereitschaft des Opfers im Falle eines sexuellen Gewaltgeschehens völlig unangemessen ist und nicht dem Leid des Opfers gerecht wird, sondern eher dem Bedürfnis der Kirche dient, diese in ihrer Verantwortung zu entlasten, können wir zustimmen.“

 

Unter Berichte finden sich auf der Hp von LINDD folgende Anmerkungen:

21.12.12 - Bericht - nach einem Treffen mit dem Stammapostel und einer Auswahl von Gewalt-Betroffenen am 10.11.2012 in Friedewald in Hessen

„2. Eine andere teilnehmende Person bat den Stammapostel um eine geistliche Entlastung für ihren Schritt, die neuapostolische Kirche verlassen zu haben. Der Stammapostel sagte hierzu sinngemäß Folgendes: Gewiss sei sie nicht verloren für alle Ewigkeit. Der liebe Gott habe für uns unbekannte Wege, Menschen zu sich zu nehmen. Es sei als nicht sein Anliegen, Angst zu erzeugen. Im Übrigen sei das auch im neuen Katechismus nachzulesen – ganz offiziell. Natürlich sei es der neuapostolische Glaube, dass die Vorbereitung auf die Wiederkunft Christi durch Apostel geschehe. Es entziehe sich aber unserer Kenntnis, in wieweit der liebe Gott andere Menschen annimmt. Jedoch sei es vorstellbar, dass der liebe Gott sich auch anderen Menschen gnädig zuwende. Es sei deshalb heute nicht das kirchliche Verständnis zu sagen, dass nur die neuapostolischen Christen eine Chance auf ewiges Leben hätten. Ja, es gäbe Glaubensgeschwister, die fragten, warum seien sie denn überhaupt noch neuapostolisch? Unsere Antwort laute dann, dass wir in unserer Kirche alle Heilseinrichtungen hätten, die eben biblisch begründet seien und die uns die Möglichkeit eröffneten, am Tag des Herrn dabei zu sein. Das gäbe uns eine gewisse Sicherheit. Alles andere könnten wir nicht beurteilen, das läge in der Hand Gottes. Also, niemand würde kategorisch vom Heil ausgeschlossen.

Diese Ziff. II wird im Einvernehmen mit dem Stammapostel veröffentlicht.“

Aus den Rückmeldungen von den am Gespräch mit dem Stammapostel Teilnehmenden:

Es ist anerkennenswert, dass der Stammapostel sich die Zeit für uns genommen hat. Ich hoffe sehr, dass ihm bewusst geworden ist, dass wir nur eine verschwindend kleine Gruppe waren, die einmal zum Ausdruck bringen konnte, wie wir unter dem psychischen Druck der Kirche gelitten haben. Erschreckend beeindruckt war ich davon, wie stark bzw. zum Teil unheilbar die entstandenen psychischen und körperlichen Schäden sind.“

 

 

 

 

Kurze Beispiele zum Thema Geistlicher Missbrauch von Stap. Leber (Mai 2012; DS)

 Charakteristika einer Missbrauchsumgebung von  Dr. Christoph Rohde

„ Es liegen einfache Strukturen vor. Eine einfache Auslegung einer Schrift – die meist völlig nichtssagend ist und so besonders anfällig wird für Willkürauslegung. „Jesus war auch Diener“ - „vergebt einander“ - „Jesus war auch opferbereit“. Der Mangel an Bibelkompetenz, verbunden mit psychologischer Unkenntnis führt zu einem Drucksystem. Von manchen wird das bewusst gesteuert, aber in vielen Gruppen erkennen die Anführer diese Muster selber nicht.“

Im NAK-Originalton hörte sich das von Stap. Leber 2008 in Herne z.B. so an (nur eine kleine Auswahl):

  • Es ist wichtig, dass wir miteinander verbunden sind
  • Wir haben einen Auftrag in dieser Welt
  • Wir wollen bauen mit kindlichen Glauben und mit tiefen Glauben.
  • Wollen wir doch immer wieder mit dem Glauben da heran gehen
  • Glaube kann Berge versetzen! Glauben wir es doch!
  • Setzen wir den Glauben ein, damit wollen wir bauen
  • Wir klammern uns an den Herrn. Das ist Glaube!
  • Die Hirtenliebe, die wollen wir alle in uns tragen, die möge uns formen, damit wollen wir bauen.
  • Arbeiten wir mit der Liebe
  • Mit dem Hochmut dieser Zeit, da kommen wir nicht weit
  • Lasst uns in der Geduld ausharren. Geduld im Warten, Geduld auch in den einzelnen Verhältnissen.
  • Wir bitten dich, du mögest alle Seelenschäden beseitigen

Und, um ein Beispiel zu geben für vergiftete Glaubenssätze, ein aktuelles Wort zum Monat Mai 2012:

Stap. Leber: "„Was schaut ihr gen Himmel? Dieser Jesus wird wiederkommen.“ Damit war der Weg in die Zukunft gewiesen. So wollen auch wir es halten: Wir bleiben nicht stehen bei dem Geschehen von damals. Vielmehr ist dies ein Hinweis auf unsere triumphale Zukunft."

Man weiß nicht, was schlimmer ist: Diese versuchte Scheinkausalität oder der Verweis auf "unsere triumphale Zukunft"?

Oder sind es die im weiteren Text völlig falschen Bezüge: "Was bedeutet es aber hier, wenn der Sohn Gottes gesagt hat: „Ich verlasse die Welt wieder“? Er meinte damit sicherlich den irdischen Bereich; er hat die irdische Welt verlassen und ist wieder zurückgegangen zum Vater. Ich möchte das auch für uns als ein Motto sehen: Wir wollen die Welt verlassen." Erklärend setzt Leber hinzu: "In diesem Sinn wollen wir die Welt verlassen: Wir wollen das ungöttliche Wesen verlassen."

Was bislang noch mehr oder weniger als banales Geschwafel zu bezeichnen wäre, wird im Folgenden aber zur Manipulation und damit zum GM: "Jetzt stellt sich die Frage: Was ist das ungöttliche Wesen? „Welt“, ungöttliches Wesen ist zunächst einmal, wenn man Götzen neben den Herrn stellt. ...  Was sind das für Götzen? Auch in unserem Leben gibt es Dinge, die den ersten Platz einnehmen wollen und zum Lebensinhalt werden können: mancherlei Interessen, mancherlei Neigungen, mancherlei Dinge, die man im Herzen trägt, die einem wichtig sind. Das wollen wir vermeiden, ..."

Der Hörer, man mache sich das bewusst, wird dazu aufgefordert, Dinge, die ihm absolut wichtig sind, die zu seinem Leben dazu gehören, als "Götze" zu betrachten und diese Lebensinhalte tunlichst zu "vermeiden"! Im Wortlaut: "Verlassen wir die Welt, indem wir Abstand von diesen Götzen halten!"

Auch bei der sich anschließenden Aussage kann man nur verwundert den Kopf schütteln: "Wir wollen immer sehen, dass wir uns nicht überheben und meinen, wir seien groß in den Augen Gottes. Wir verlassen die Welt, wenn wir solchem Hochmut keine Chance lassen." Was hier assoziierend aneinandergereiht wird, sind deutlich die  oben benannten "Charakteristika einer Missbrauchsumgebung", zeigt es doch klar den Mangel an Bibelkompetenz, nichtssagende Sentenzen, Willkür der Auslegung und psychologische Ahnungslosigkeit, die zu einem starken, inneren Druck führt: Eigene, lebenswichtige Interessen kontra Nachfolge dieser Aufforderungen!

Die krönende Schlusszusammenfassung heißt dann: "Das sind weltliche Wesenszüge: dass man Götter hat neben dem Herrn, dass man sich dem Hochmut hingibt und meint, den Herrn nicht nötig zu haben, dass man nur auf die eigene Kraft baut und das Vertrauen in den Herrn aufgibt. Daraus wollen wir heraus."

Mit solchen Sätzen wird nicht nur dysfunktional gegen das Leben selbst gepredigt, sondern es wird zudem das verfassungsmäßig garantierte Recht auf Selbstbestimmtheit verletzt! In der NAK wird der Verzicht auf die Selbstbestimmtheit als "Nachfolge" bezeichnet und immer wieder konkret und vollständig eingefordert. Hier nur einige wenige und spezifische NAK-Beispiele vergiftender Glaubenssätze, die immer wieder in den Predigten vorkommen:

  • Wir haben ein so schönes Miteinander, das kann man nicht erklären – komm einfach mal
  • Die anderen können das nicht verstehen, wir aber …
  • Bei uns ist vieles ganz anders als ...
  • Wir haben uns das nicht selbst ausgedacht, es ist „Sein“ Wille
  • Wir sind Werkzeuge einer höheren Macht
  • Wir können „Seinen“ Willen nicht immer verstehen, aber wenn wir „Seinem“ Wort folgen, werden wir erleben, wie sich alles zum Guten entwickelt
  • Du musst deinen eigenen Willen überwinden und unter Seinen Willen stellen
  • ER sieht und bemerkt alles
  • ER kennt jeden deiner Gedanken und weiß, was gut für dich ist
  • Draußen in der Welt ist nur das Böse, dass dich vom Weg und Ziel abbringen möchte
  • Du musst lernen, alles mit den Augen des Geistes zu sehen, wenn du ...
  • Du musst deine Gedanken und Gefühle kontrollieren, sonst ...
  • Wir haben das höchste Ziel, was ein Mensch erreichen kann. Das wollen wir nicht aufs Spiel setzen
  • Alles Denken der anderen ist Torheit und zeigt ihr Unvermögen, unsere gute Sache zu begreifen
  • Die anderen sehen nur sich selbst, wir aber folgen ...
  • Mag es denen da draußen auch scheinbar gut gehen, letztlich wird sich doch zeigen, dass ...
  • Manches können wir jetzt mit unserem begrenzten, natürlichen Verstand nicht verstehen, aber wenn ...
  • Nur wer sein eigenes Wollen der Sache unterordnet, wird am Ende das wundervolle Ziel erreichen

 

Im Original klingen diese Sätze unter anderem wie folgt (kleine Auswahl):

Der Verstand muss ausgeschaltet werden!" (2002 Bezirksapostel Studer am16.06. in Halle/Saale; Originalmitschrift GK)

 "Wir wollen das Wort vom Altar nicht nur mit dem Verstand aufnehmen, sondern in die Seele dringen lassen." (Stap. Leber im Wort zum Monat 08/2009)

Das Wichtigste ist auch heute: denen zu glauben, die Gott sendet. Wenn man das tut, kann man den Segen Gottes auf sich ziehenEs geht also auch heute darum, die Apostel des Herrn aufzunehmen und ihrem Wort zu glauben. Wer das tut, erlebt Nähe und Gnade Gottes; wer das tut, den führt der Herr in die Herrlichkeit. Glauben wir denen, die der Herr heute sendet, seinen Aposteln – das ist Gottes Werk.“ (Wort zum Monat Februar 2006)

Hier am Altar unseres Himmlischen Vaters wird die absolute Wahrheit verkündet. Nirgendwo sonst, weder im Himmel noch auf Erden noch sonst wo ist dieser Altar aufgerichtet, wo uns die absolute göttliche Wahrheit verkündet wird. Wenn wir diese göttliche Wahrheit akzeptieren, wird sie uns frei machen." ( Co-Predigt beim Stap.GD; 2002 Bezirksapostel Latorcai am 11.12 in New York   (Originalmitschrift, Übersetzung R.S.)

Wer am Altar des Herrn vorbeigeht, vielleicht sogar eigene Wege sucht, um selig zu werden, wird früher oder später bemerken, dass er innerlich vereinsamt und sogar in die Irre geht ..." (Stap.  Fehr : "Leitgedanken   (Predigtanweisungen)   zum Gottesdienst"  am  26.1.2003)

Wer das Schiff verlässt, ertrinkt! Wer an Bord bleibt, kommt in den Hafen des ewigen Vaterlandes. Das edle Schiff, die Kirche von Jesus Christus, wird sein Ziel erreichen, denn Gott sorgt dafür.“( Stap. Fehr : "Leitgedanken (Predigtanweisungen) zum Gottesdienst"  am  18.7. 2004)

„Und da es in dieser Zeit so viele "natürliche Menschen" gibt, weil so viele sich ganz und gar weltlich ausrichten, wird es in manchen Breiten dieser Erde immer schwieriger, Menschen für das Werk Gottes zu gewinnen. Das Wirken des Heiligen Geistes können wir dem natürlichen Menschen, der hierfür verschlossen ist, nicht plausibel machen. ... In der Zeit der Entscheidung und Bewährung hilft es uns aber, alles, was an uns herankommt, geistlich zu beurteilen.
Ich nehme diesen Satz als eine Mahnung an uns: Alles geistlich beurteilen – nicht natürlich! Dann erschließt sich uns viel Gutes.
“ (Stap.Leber Wort zum Monat 11/2005)

Als Beispiele vergifteter Glaubenssätze mögen die wenigen Zitate genügen, viele weitere finden sich auch hier auf der HP immer wieder zwischen den Artikeln eingestreit!

Wer aber immer noch nicht genug hat, findet eitere Textquellen zum Thema hier:

Unter diesem Link finden Sie eine Fülle älterer NAK-Predigtbeispiele zum Thema. Aktuelle Beiträge der Stammapostel sind in dieser Sammlung der Worte zum Monat. Ganze Gottesdienstberichte sind als Link auf der Unterseite zur Predigt in der NAK und Aktuelles.

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