Sie finden auf dieser Seite Texte und Artikel zur Geschichte der Neuapostolischen Kirche rund um den Botschaftswahn

 

Inhalte dieser Unterseite:

  • Link auf einen offenen Brief von Dieter Kastl an Stammapostel Schneider - Gedanken zu Düsseldorf 2015 im Nachklang. Zitat daraus (gleichzeitig Vorbemerkung zu meinem Bericht über den Informationsabend von Stap i.R. Leber)
  • September 2015 Anmerkungen zum Informationsabend mit Stammapostel i.R. Leber zur Versöhnung mit der Apostolischen Gemeinschaft

Gliederung

Teil 1: Kuhlen hatte mit seiner Kritik Recht

Teil 2: Stap Schneider verhindert die Veröffentlichung des NAK Forschungsberichtes von Frau Dr. Leh

Teil 3: Einmalige historische Chance zur Versöhnung genutzt - Ein Kommentar

Anhang:

Weitere Quellentexte zum Thema

  • "Die NAK in der Zeit von 1938 -1955. Entwicklungen und Probleme" Lesen Sie als kritischen Kommentar zum Geschichtspapier die zwar umfangreiche, aber erhellende Drave-Untersuchung! Sie ist in Form einer Gerichtsszene gestaltet, in der ein Staatsanwalt Drave verhört, kommentiert und hinterfragt. Die Antworten Draves sind originale Zitate aus dem offiziellen Papier.

 

Die Botschaft im Originaltondokument ab 1.44 Min zu hören

Dieter Kastl an Stammapostel Schneider - Gedanken zu Düsseldorf 2015 im Nachklang. Zitat daraus (gleichzeitig Vorbemerkung zu meinem Bericht über den Informationsabend von Stap i.R. Leber)

"Stap Schneider: „Ich möchte mich hier in meinem Namen und im Namen aller Apostel entschuldigen und bitten: Bitte, vergebt uns. Vergebt uns, wenn wir irgendjemanden verletzt haben, wenn wir irgendjemanden enttäuscht haben. Wir versprechen euch: Wir geben uns immer wieder Mühe, noch besser unser Apostolat auszuführen. "

Gedanken dazu von Dieter Kastl aus dem offenen Brief:

Hätten Sie das nur am 29. November 2014 persönlich in Düsseldorf gemacht! Das wäre deutlich glaubhafter gewesen als jetzt. Dabei halten Sie immer noch den Forschungsbericht unter Verschluss! Wie glaubwürdig können solche „mea culpas" für aufmerksame Menschen sein?

Mit Sicherheit haben die verantwortlichen Apostel jemanden verletzt oder enttäuscht". Und zwar nicht nur „oder", sondern garantiert „verletzt und enttäuscht! Und die verantwortlichen Apostel wissen auch ganz genau wen.

Ich habe mich kürzlich wieder mit einem Zeitzeugen unterhalten, welcher seinen selbstlosen Bei­trag zum NAK-Forschungsbericht geleistet hat. Die Verletzung und Enttäuschung über das Ver­heimlichen dieses Forschungsberichts ist immer noch riesengroß! Dieser frustrierte Zeitzeuge be­richtete mir, dass er damals Frau Dr. Leh einen weiteren Zeitzeugen nannte, welcher wertvolle Erin­nerungen weitergeben konnte. Dieser hatte sich ebenso bereitwillig erklärt, an dieser Forschungsarbeit zur weiteren Erhellung der damaligen Schicksale mitzuwirken, obwohl auch er in der Vergan­genheit viele Verletzungen und Enttäuschungen seitens der Neuapostolischen Kirche erlebt hat. Er hatte trotz allem noch einmal der neuapostolischen Kirchenleitung Vertrauen geschenkt!

Dieses Vertrauen wurde leider unglaublich missbraucht. Beide Zeitzeugen sind auf das tiefste von den Trägern dieses Apostelamts enttäuscht. Sie wollen mit der Neuapostolischen Kirche nun ganz einfach nichts mehr zu tun haben. Das ist unheimlich traurig und ein Armutszeugnis ohne gleichen für dieses Apostelamt. Soviel nur kurz zu den Fakten. Ich frage mich ganz offen, was das ganze „bitte vergebt uns" usw. soll, wenn auf der anderen Seite keine Anstalten gemacht werden, diese sehr, sehr peinliche Entwürdigung von Zeitzeugen der Botschaftszeit endlich zu bereinigen. Bitten Sie und die Apostel nicht um Vergebung für irgend etwas nebulöses, sondern schreiten Sie zur Tat (!) und geben Sie den NAK-Forschungsbericht zur Veröffentlichung frei. Ansonsten sind alle Worte wie „wir sind so klein, wir schaffen das nicht, vergebt uns, wir wollen das besser machen" nichts anderes als Schall und Rauch. Und Nebelkerzen wurden schon genug gezündet."

 

September 2015 Anmerkungen zum Informationsabend mit Stammapostel i.R. Leber zur Versöhnung mit der Apostolischen Gemeinschaft (DS)

Druckfassung vom 30.9.2015

Zur Einstimmung: Kalender „Unsere Familie", 1954, Seite 160  (Quelle)

Verlorene Seelen

Kennt ihr die Blinden, verloren, verlassen,
völlig umdunkelt in geistiger Nacht?
Ärmste der Armen unter den Massen,
die um ihr ewiges Erbteil gebracht!

Planlos und ziellos in all' ihrem Streben
finden sie nirgendwo Ruhe und Glück.
Längst schon gestorben...
doch leidend zu leben,
zwingt sie ein eigen verschuldet' Geschick

Ehmals erhoben zu göttlichem Lichte,
Träger des heiligen Geistes aus Gott.
Einstens verdammt vor dem jüngsten Gerichte,
enden sie schmählich auf Satans Schafott

Die sind es, welche die Kundschaft mißachtet,
und sie geopfert für irdisches Glück.
Völlig erblindet und geistig umnachtet,
führt sie kein Weg mehr zur Gnade zurück.

Die, die den heiligen Geist nun geschmähet,
und das Apostelamt schimpflich beschmutzt,
die den verleumdenden Samen gesäet,
wider den Geist und die Wahrheit getrutzt.

Ewig geächtet und zweimal gestorben,
endigt der Tod nie die ewige Qual.
Zweimal gestorben, entwurzelt, verdorben,
gleich einem Kain — mit seinem Mal.

H. Wigman (1904 - 1983; Kaufmännischer Angestellter, Chorleiter und Priester in der NAK; Lieder: Aus Gnaden erwählt, Ich hab dich je und je geliebt, Jauchzet und singet, Sei still mein Herz, Zieht hinaus Quelle: Liederdichter und Komponisten der NAK, Hrg. H. Ober 1999)

 

Gliederung

Teil 1: Kuhlen hatte mit seiner Kritik Recht

Teil 2: Stap Schneider verhindert die Veröffentlichung des NAK Forschungsberichtes von Frau Dr. Leh

Teil 3: Einmalige historische Chance zur Versöhnung genutzt - Ein Kommentar

 

Teil 1: Kuhlen hatte mit seiner Kritik Recht

“Das ist doch vernünftig geschrieben muss ich sagen. Da kann man gegen dieses schriftliche Zeugnis keine Einwendung erheben.” (Zitat Stap i.R. Leber zum Brief von Apostel Kuhlen an Stammapostel Bischoff:)


Wie die NAK-Norddeutschland berichtete fand am Dienstag, den 9. Juni 2015, zur gemeinsamen Erklärung der Versöhnung zwischen der NAK und der Apostolischen Gemeinschaft (AG) in der Gemeinde Hamburg-Sinstorf ein Infoabend statt, bei dem Stammapostel i.R. Leber wegen aufgekommener Fragen in einem Vortrag mit anschließender Fragerunde nähere Erläuterungen und Hintergrundinformationen gab. 87 Teilnehmer waren anwesend.  In der Erklärung zur Versöhnung hieß es u.a.: „Die Kirchenleitung der Neuapostolischen Kirche entschuldigt sich ausdrücklich bei den Amts-trägern, die wegen dieser Vorgänge aus der Kirche ausgeschlossen sowie bei allen, die dadurch in Mitleidenschaft gezogen wurden.” Außerdem wurde die Erhebung der Botschaft zum Dogma klar kritisiert. Am Vortrag Lebers ist bemerkenswert eine deutlich klarer die NAK kritisierende Haltung sowie eine völlige Rehabilitierung Kuhlens.

In stichpunktartigen Ausschnitten aus dem Vortrag sollen wesentliche Bemerkungen Lebers hier nachzulesen sein. Das ganze Protokoll stammt dankenswerter Weise aus der Hp von Dieter Kastl, der auch eine interessante Zeitleiste zur Botschaft zusammengetragen hat, und steht unter “Download” mit dem Titel “Abschrift Informationsabend in Hamburg-Sinstorf am 9.6.15. Thema: Versöhnung mit der Apostolischen Gemeinschaft. Durchführung: Stammapostel i. R. Wilhelm Leber” zur Verfügung. Alle weiteren Zitate stammen daraus.

Aber kommen wir einleitend zunächst zur Beschreibung Lebers, wie es in der Apostelversammlung zur „Abstimmung“ über das Versöhnungspapier zuging. Sie ist in Bezug auf die Apostelversammlung inhaltlich bemerkenswert, der Sprachstil gewohnt auf unterstem Niveau:

„Darf ich noch etwas hinzusetzen, so ein bisschen Internes. Aber das fand ich doch sehr bezeichnet. Deswegen möchte ich das auch erwähnen. Es gab dann ja ein Papier, was auch veröffentlicht worden ist. Eine gemeinsame Erklärung. Und der Stammapostel, Stammapostel Schneider hatte dann die Bezirksapostel Europa gebeten zu diesem Entwurf der Versöhnung etwas zu sagen – Stellung zu nehmen. Und ich war selbst auch mit bei, bei dieser Sitzung. Na ja, und – da waren schon unterschiedliche Meinungen da. Ist ja auch nicht verblüffend. Da sagte der eine, aber dieser Satz, der gefällt mir nicht so. Kann man das nicht noch ein bisschen anders ausdrücken? Und der Nächste sagte: Ja, aber dieser Absatz, das passt doch gar nicht dazu. Und sie hätten lieber von vorne nach hinten gehabt und hinten nach vorne, oder irgendwas. Jeder hat so heute seinen Meinung. Und dann hat Stammapostel Schneider selbst Stellung genommen. Da hat er folgendes gesagt: Ihr könnt sagen was Ihr wollt. Aber ich will die Versöhnung! Und dann hat jeder – eigentlich – kein Argument mehr gehabt. Da war Ende der Fahnenstange. Und dann war das eben auch nicht mehr so, dass man dann mit Formulierungen dann noch rumgezackert hätte, aber das wäre so ein bisschen besser und hier noch ein bisschen und so was. Das ist alles nicht tragbar wenn man wirklich den Wunsch hat zur Versöhnung zu kommen.“

Ebenso noch zum Thema Apostelversammlungen ein Beitrag aus dem „Nähkästchen“ über Stap Fehr:

Darf ich ein noch – das reizt mich zum Schluss noch zu sagen: Es spielt ja auch ‘ne gewisse Rolle, das klang ja auch so an, früher war die Haltung so: Wenn ein Apostel was sagt, das ist ein Gesetz, das ist dann unumstößlich. Wisst Ihr wer der erste war, der dagegen was gesagt hat? Das war Stammapostel Fehr. Der ist richtig wild geworden in einer Apostelversammlung, hat er das mal gesagt. Denn da war ihm zu Ohren gekommen, da hat irgendjemand natürlich mal behauptet – das war natürlich auch sehr, sehr speziell: Die Decke da oben, die ist weiß. Dann jemand gesagt: Wenn mein Apostel sagt die Decke ist schwarz, dann ist sie für mich schwarz. Wisst Ihr was der Stammapostel Fehr dazu gesagt hat? Einen größeren Blödsinn habe ich noch nie gehört. Totaler Quatsch. Da kann der Apostel sagen was er will. Wenn die Decke weiß ist dann ist sie weiß! Aber das waren natürlich manchmal so – darf ich das sagen – so Übersteigerungen, die aber nicht sinnvoll sind. Auch ein Apostel kann sich irren. Auch ein Apostel ist ein Mensch. Und das ist eigentlich erst im Laufe der Zeit so ein bisschen durchgekommen. Das wäre das was eben noch vielleicht so zu vermitteln wäre im Zusammenhang mit solchen die mit dieser Entwicklungen doch ihre Mühe haben.“

Als Begründung, warum das Bestreben nach Versöhnung notwendig war, gibt Leber folgende Erklärung ab:

Warum macht der Stammapostel denn so etwas, jetzt noch einmal dieses ganze Thema aufwärmen. Hätte man das nicht ruhen lassen können? Und da muss ich aber ganz eindeutig sagen, da habe ich eine ganz klare Meinung dazu. Nein, das kann man eben nicht ruhen lassen! Nein, das geht nicht! Denn, wo Feindschaft besteht, wo Gegeneinander ist, wenn man dann die Chance sieht das man doch zueinander kommen kann, da sind wir immer berufen zur Versöhnung.  Das geht doch nicht anders! Das Apostelamt ist das Amt der Versöhnung! Und dann einfach etwas zu lassen wie es bestand? Wenn man andere Möglichkeiten sieht - das immer vorausgesetzt, dann musste das sein. Ich bin heute noch felsenfest davon überzeugt, dass das richtig war. Egal wie das im einzelnen aussehen mag. Aber das der Weg beschritten wurde zur Versöhnung, das ist wichtig. Egal ob das 60 Jahre her war oder 50 - völlig wurscht.“

Die zweite Begründung der Notwendigkeit zur Versöhnung gegen Widerstände aus den eigenen Reihen lautet:

Abgesehen davon – darf ich auch noch mal hinzufügen: Ich hab im Laufe der Zeit viele Gespräche ja auch geführt. Auch mit Geschwistern aus unseren Reihen die ihre Mühe hatten mit dieser Situation. Und ich habe einen Bruder – sogar einen Amtsträger – vor Augen, der mir einmal sagte: So lange dieses Thema offen ist, nicht geregelt ist, kann der Herr doch gar nicht kommen. War so seine persönliche Meinung. Aber so ein bisschen was ist dran. Kann denn ein Zustand der Unversöhnlichkeit – ich hab Recht, wir haben Recht – kann der so Bestand haben? Muss man den nicht auflösen? Ich bin schon der Meinung, auch aus diesem Blickwinkel heraus, dass es nötig war.“

Und noch ein Drittes wird benannt:

Es ist ja auch so, solange dieses Thema nicht erledigt war – ja – wir waren immer angreifbar. Wie viele Briefe habe ich bekommen wo es manchmal um ganz andere Dinge ging, wo aber dann stand, ihr seid doch diese Gemeinschaft – diese, ja Sekte, wurde man früher noch geschimpft – die da eben die Anderen herausgeworfen hat aus der Kirche und die diese Botschaft verbreitet hat, der Stammapostel würde nicht sterben. Nachher ist er doch gestorben. Was sagt Ihr denn nun dazu? Da einfach darauf zu beharren und zu sagen wir sagen nichts oder so was, ist in unserer Zeit nicht mehr möglich. Sondern man muss Stellung beziehen, kann Argumente sagen dieser oder jener Art, aber es ist schon so, dass man da auch Stellung beziehen muss. Und deswegen finde ich es richtig, wenn jeder auch so ein bisschen Argumente sammelt wie man eben mit diesen Dingen umgehen kann.“

Zur Bewertung der Botschaft äußert sich Leber dann wie folgt:

Nun, das Problem war – ich schreib‘ mal hier als Stichwort dran „Dogma“ – Dogma, es wurde zu einem Dogma erhoben. Da könnte man sicherlich vieles drüber sagen. Ich will das jetzt nur ganz kurz machen, ich bin keine Geschichtler. Aber darin liegt eigentlich die ganze Brisanz dieser Angelegenheit. Das die Botschaft nicht nur als eine persönliche Überzeugung verkündigt wurde – der Herr kommt zu meiner Lebzeit wieder – sondern dass das sogar verknüpft wurde mit dem Amt und auch mit der Heiligen Versiegelung. Es wurde, so sagte es Stammapostel Bischoff dann selbst: Ich setze niemanden mehr ins Amt der nicht an die Botschaft glaubt. Und er hatte auch den Wunsch – das wurde nicht zu einem offiziellen Beschluss – aber er hatte auch den Wunsch, dass die Versiegelung an diese Voraussetzung gebunden wird und da wird es sicherlich – das muss man in aller Deutlichkeit sagen – problematisch. Denn damit wurde die Botschaft eigentlich, ja fast in den Rang von Sakramenten erhoben. Wenn jemand heute neuapostolisch werden will oder so was, der muss glauben natürlich an den Herrn, an die Wiederkunft des Herrn, an das was zentral ist in unserer Kirche, aber doch nicht das der Herr zur Lebzeit von irgend jemanden wiederkommt. Also das ist genau das Problem hier, dass das hochstilisiert wurde zu einem, ja fast Dogma könnte man sagen, dass eben in die Ebene von Sakramenten gekommen ist und da – das kann man drehen und wenden wie man will – ich glaube man kommt um die Erkenntnis nicht herum, da gehört es eigentlich nicht hin.

… durch diese Dogmatisierung, dadurch das es ebenso einen besonderen Rang bekommen hat, dadurch ist das alles in eine – ja – schiefe Bahn gekommen. Jedenfalls ob Stammapostel Bischoff das so wollte, weiß ich gar nicht so sehr. Es gibt sogar Hinweise – ich kann das aber auch nicht beweisen – dass auch so einige Apostel das in diese Richtung gedrückt haben. Na ja – damals hatten die Apostel auch eine hohe Stellung. Apostel Rockenfelder, Apostel Bischoff, Apostel Hahn und andere, die aber das doch sehr stark in den Vordergrund rückten.“

Zu Apostel Kuhlen merkte Leber an:

Ob ich das so richtig sehe, weiß ich nicht. Ich kann mich nur auf die schriftlichen Unterlagen da verlassen und die sind eigentlich – so muss ich aus heutiger Sicht sagen – doch ganz moderat und die kann man eigentlich nachvollziehen. Es ist ein bisschen schwer verständlich, dass man den Apostel Kuhlen so Knall auf Fall aus der Kirche ausgeschlossen hat. Vielleicht haben da auch noch andere Dinge im Hintergrund gespielt. Das weiß ich nicht. Aber in der, in dem Brief den er geschrieben hat, da wurden, war eigentlich alles sehr nachvollziehbar geäußert, seine Kritik und es hätte auch durchaus ne, die Möglichkeit bestanden das in einem Gespräch vielleicht mal auszutragen. Ich lese euch mal vor, was in dem Brief steht, den Apostel Kuhlen damals an den Stammapostel gerichtet hat. Er schreibt:

„Zur Zeit ist es so, dass gelehrt wird, dass Ihre Botschaft zu glauben das Wichtigste, ja das allein Maßgebende in unserem Glaubensleben sei. Es wird gelehrt, dass die Verkündigung Ihrer Botschaft Hauptinhalt aller Predigt sein müsse und das Amtsbrüder die solches nicht tun, obgleich sie im heiligen Ernst eine gewisse Zubereitung, eine gewissenhafte Zubereitung der eigenen Seele und der anvertrauten Brautseelen vornehmen, ungetreue Knechte seien die in dem Herzen denken, mein Herr kommt noch lange nicht. Wir können von uns nur sagen, dass uns ein solcher Vorwurf und eine solche Verdächtigung nicht trifft. Denn derartige Gedanken tragen wir einfach nicht in uns, da es unsere feste Überzeugung ist, dass des Herrn Kommen sehr nahe ist und das wir Jesus zu jeder Stunde erwarten können. Lediglich behaupten wir nicht, dass Jesus noch zu Ihrer und unserer Lebenszeit ganz sicher wiederkommt.“

Das ist doch vernünftig geschrieben muss ich sagen. Da kann man gegen dieses schriftliche Zeugnis keine Einwendung erheben. Es geht hier noch weiter.

„Vor einiger Zeit wurde in einem Gottesdienst gesagt, schon der Gedanke, wenn er aber doch stirbt! Was dann? Der ist teuflisch. Das ist unseres Erachtens nicht zutreffend. Denn wenn jemand in ernster Sorge um die Zukunft es Erlösungswerkes Christi einmal solche Gedanken in sich getragen oder auch sorgenvoll zu jemand geäußert hat, dann ist solche Besorgnis doch wahrhaftig nichts Böses und ist sicher kein Widerstreben gegen den Stammapostel. (36:15) Wir sind sogar überzeugt, dass auch unter denen, welche Ihre Botschaft mit allem Nachdruck predigen manche sind, die in stiller Stunde ernsten Nachdenkens schon mal den Gedanken hatten, was soll wohl werden wenn der Stammapostel dennoch heimgehen würde. Ein solcher Gedanke kann unseres Erachtens sogar nur bei Gewissenhaften, sich ernstlich um das eigene und um das Seelenheil anderer sorgenden vorkommen. Während bei Lauen, Trägen, solche sorgenvollen Gedanken wohl nicht aufkommen, da diesen alles gleichgültig ist.“

Ja, ist doch gar nicht verkehrt, nicht? Also was hier als schriftliches Zeugnis überliefert ist, das ist durchaus so, dass, dass man da nichts finden kann, was einen Ausschluss rechtfertigt.

… Und da ist hier ganz eindeutig eine klare, nachvollziehbare Haltung von Apostel Kuhlen und anderen an den Tag gelegt. Dieser Brief ist auch unterschrieben von Peter Kuhlen, Ernst Dunkmann und so weiter und eigentlich ist es – ja, ich möchte schon sagen – bitter, auch traurig, dass es nicht zu einem Austausch, Gespräch darüber gekommen ist, sondern das man dort eben diesen Brief zum Anlass genommen hat, dann gleich eben eine Trennung zu vollziehen.

(siehe Brief von Apostel Kuhlen zur Botschaft und auch die privaten Aufzeichnungen des Apostels Kuhlen = Akte Peter Kuhlen)

Und so fragwürdig sieht Leber die NAK dieser Zeit:

„Ja, wenn hier der Eindruck entsteht, ich verteidige doch sehr hier Apostel Kuhlen. Ich muss das einfach so sagen, das ist aus den schriftlichen Zeugnissen her doch eine Sache die man so sehen muss und es entspricht der Wahrheit, dass man hier dann sagen muss, zumindest ist die Haltung oder die Reaktion von Seiten der Neuapostolischen Kirche fraglich – fragwürdig.

… Immerhin kann man sagen, so wie sie verkündigt wurde hat sich die Botschaft nicht erfüllt. Das liegt den Schluss nahe – ich kann es nicht beweisen, ich weiß es nicht – aber immerhin ist es naheliegend zu sagen, dann war das keine göttliche Verheißung. Entschuldigung. Wenn eine göttliche Verheißung kommt, die muss sich erfüllen! Geht nicht anders. Eine göttliche Verheißung erfüllt sich immer. Und wenn das nicht der Fall ist – wir überschauen nicht alle Dinge – aber soweit wir das eben bewerten muss man doch sagen, dann war das wohl keine göttliche Verheißung. Fragezeichen hinten dran. Mit diesem Fragezeichen müssen wir alle dann leben.“

Noch einige Auszüge aus gestellten Fragen des Publikums und Antworten von Leber sollen unkommentiert den Schluss bilden:

Fragender:

… Wenn das so ist und es keine göttliche Botschaft war, ist dann die neue Religionsgemeinschaft von dem Apostel Kuhlen die einzig richtige? (...)

Leber:

die Frage: Ist das nun die richtige Kirche? Da würde ich mich jetzt völlig heraushalten. Würde ich sagen, soll jeder doch eben prüfen, was das Richtige ist. Ich kann eins sagen: Die Apostolische Gemeinschaft hat sich eigentlich von den Grundlagen von, von der apostolischen, neuapostolischen Haltung doch entfernt. Hat eine sehr allgemein-christliche, evangelikale – ja evangelikale vielleicht nicht – aber, aber evangelische Haltung angenommen. Das Apostelamt spielt da jetzt auch nicht mehr so die Rolle. Auch der Heilige Geist – die Spendung des Heiligen Geistes  – spielt keine Rolle. Wer sich davon angezogen fühlt oder das prüfen möchte, das ist jedem unbenommen in der Weise. Aber das ist dann eine andere Grundlage muss man sagen, also insofern – darf ich das mal so sagen – ich bin froh neuapostolisch zu sein.

Fragender:

Da gibt es eine Frage die mich sehr beschäftigt. Und mit der Versöhnung bin ich nicht betroffen. Ich bin erst 1969 vom damaligen Bezirksapostel Streckeisen versiegelt worden. Was mich interessiert, die Frage des Heiligen Geistes. Wir hören ja in letzter Zeit, Pfingsten jetzt vor allem erst, das er überall wirken kann. Frage ist nur, sind wir denn auch die Träger des Heilligen Geistes? Wenn mir jetzt ein Apostel gegenüber tritt von der Apostolischen Gemeinde, also ich hab Schwierigkeiten dem zu sagen, grüß Gott lieber Apostel. (...) sind die Träger, oder sind wir die unabhängig ob wir allein selig machend, sind wir die einzigen Träger des Heiligen Geistes vermittelt durch das Apostelamt?

Leber:

Also, die Träger des Heiligen Geistes sind wir durch das Apostelamt. Ich würde mich jetzt hüten davor zu werten, wie das jetzt mit Apostel Kuhlen und den Männern aussieht. Inwieweit wie der liebe Gott das bewertet. Ich weiß es nicht. Aber wer hier unter der Wirksamkeit des Heiligen Geistes sich bemüht seines Glaubens zu leben und die Sakramente in Empfang nimmt und dabei bleibt, treu bleibt, der hat die Gewähr am Tag des Herrn – nach unserem Glauben – dabei sein zu können. Alles andere, das ist für uns außerhalb unserer Beurteilung und deswegen sollten wir uns da ganz, ganz, ganz vorsichtig verhalten, denn es waren ja auch ganze Jahrhunderte lang gar kein Apostelamt wirksam. …

Fragender:

ich finde es wird viel zu wenig den Glauben positiv hinterfragt. Es gibt zu wenig Gespräche, es gibt zu wenig Austausch und ich glaube da liegt auch ‘ne ganze Menge ‘drinne, das merkt man hier ja auch schon, jetzt auch bei den Fragen. Zum Beispiel gibt es ja die Gesprächskreise zum Katechismus. Bei uns zu mindestens ist es jetzt das dritte Mal. Und da muss ich ganz ehrlich sagen, ich finde das etwas schade. Die werden zum Beispiel nur ganz dürftig wahrgenommen. Und sind ja gerade solche Sachen, wo man seinen eigenen Glauben noch mal austauschen kann und auch positiv hinterfragen kann. Also ich mein‘ nicht, dass man nur mit Vorwürfen ‘ran geht an viele Dinge, sondern das man einfach mal diesen Austausch hätten, das auch positiv hinterfragt. … Und deswegen der Wunsch wäre, dass das noch mehr angestoßen wird, dass es mehr gibt, das Gespräch dazu.

Leber:

Also da rennen Sie bei mir offene Türen ein und ich bin der Meinung tatsächlich, dass es gut ist viel über den Glauben zu sprechen.

Fragender:

… Die Frage ist damals wie heute die gleiche. Wenn mein Priester, mein Vorsteher, mein Ältester oder auch mein Stammapostel, heute hinter‘m Altar steht. Wie gehe ich mit diesem Wort was gepredigt wird um?

Leber:

Die Frage hab‘ ich mir auch notiert, hier. Darauf könnte ich auch etwas sagen. Kann man auch heute noch vorbehaltlos das Wort vom Altar aufnehmen? … Aussagen die unklar sind, ich hab‘ mal gesagt unklar, oder die vielleicht sogar falsch sind, dürfen hinterfragt werden. Das kann auch mal sein das am Altar irgendwas ist was zumindest unklar ist. Das ist kein Zeichen mangelnden Glaubens. Kein Zeichen. Wenn jemand – das hab‘ ich auch schon erlebt – zu mir kommt und sagt, was Sie da gesagt haben, diesen einen Satz, der, der war mir nicht ganz klar oder vielleicht ist er auch bisschen falsch rübergekommen. Können wir darüber noch mal sprechen. Und dann redet man darüber und kann die Dinge dann klären. Und da muss man vielleicht auch manchmal zugestehen, dass man etwas selbst falsch gesagt hat, falsch ausgedrückt hat. Also jeder hat heute auch – hatte auch damals – aber hat heute natürlich auch das Recht zu hinterfragen und auch für Klarheiten soweit zu sorgen.

… das man das fragt, hinterfragt ist eigentlich – ja – auch notwendig und sinnvoll und ich geb‘ Ihnen Recht das wir da Gelegenheiten suchen wollen – müssen – das noch zu intensivieren. …

Ich bin Stap Leber - zum ersten Mal, seitdem ich über ihn schreibe und seine verbalen Predigtentgleisungen untersuche - dankbar, für diese doch informativen Infos über die Hintergründe der Apostelversammlungen und sein deutliches Statement zum Brief von Apostel Kuhlen sowie seine Haltung gegenüber der NAK in der damaligen Zeit.

Mehr davon wäre willkommen, trotz der sprachlichen Stümpereien!

Und nimmt man nun nur einmal für einen kurzen Moment an, dass die NAK vor der Spaltung wirklich "Gottes Erlösungswerk" gewesen wäre und wie heute bekannt, die Botschaft aus menschlichen Ursachen heraus entstand, dann wäre die aus diesem Grund zwangsweise durch die Spaltung enstandene Gemeinschaft unter Kuhlen die göttlich rechtmäßige und einzig legitime Weiterführung der Kirche, denn Kuhlen und und auch alle weitere Nachfolger hatten damals wie heute Recht und wurden absolut zu Unrecht ihres Amtes enthoben! Selbst Stap Bischoff sah das so ähnlich, als er im September 1954 bei einem Gottesdienst in Stuttgart predigte:

"Ich bin mir doch bewusst, wenn ich sterben würde – was nicht der Fall sein wird -, dann wäre Gottes Werk vernichtet. ... Falls ich tatsächlich heimgehen würde, was nicht geschehen wird, dann wäre das Erlösungswerk erledigt."

Aber wirklich Recht hatte er damit nicht, denn für diesen Fall wäre die Fortsetzung des "Erlösungswerkes" automatisch und sofort bei denen, die sich richtig verhielten. Und das war nach den Worten Lebers eindeutig Apostel Kuhlen:

"in dem Brief den er geschrieben hat, da wurden, war eigentlich alles sehr nachvollziehbar geäußert, seine Kritik und es hätte auch durchaus ne, die Möglichkeit bestanden das in einem Gespräch vielleicht mal auszutragen. ... Das ist doch vernünftig geschrieben muss ich sagen. Da kann man gegen dieses schriftliche Zeugnis keine Einwendung erheben. Es geht hier noch weiter. Ja, ist doch gar nicht verkehrt, nicht? Also was hier als schriftliches Zeugnis überliefert ist, das ist durchaus so, dass, dass man da nichts finden kann, was einen Ausschluss rechtfertigt."

Zu Bischoffs Zeiten sah man das deutlich anders. In einem anonymen Beitrag im schon zitierten Amtsblatt  29. Jahrgang  Nummer  17 heißt es überdeutlich:

"Uns, dem Volke Gottes der Endzeit, ist der Stammapostel vom Herrn gegeben, damit er uns zum Ziele führe, und wir müssen erst einmal durch Gehorsam und Treue dem Mann Gottes gegenüber, vor Gott beweisen. daß wir überhaupt wert sind, geführt zu werden. Niemand wird zur Nachfolge gezwungen: der Gehorsam ist ein freiwilliger. Jeder einzelne im Volke Gottes entscheidet aber durch sein Verhalten zur göttlichen Führung über sein eigenes Los jetzt und in Ewigkeit. Es ist unmöglich, daß in den Reihen der Getreuen die Ungetreuen bleiben können, und daß in der Schar derer, die kindlich gläubig dem Stammapostel folgen, noch Platz wäre für die Un­gläubigen und Widerstreber (Psalm 1, 5.6). Die Zeit ist da, von welcher Petrus schreibt: „Denn es ist Zeit, daß anfange das Gericht an dem Hause Gottes" (1. Petri 4, 17). Niemand sollte im Angesichte der notwendigen Reinigung von Lieblosigkeit reden, denn wer das Arge duldet, der liebt es und ist selbst im Argen. Solche, die da meinen, das, was sie im Bereich des Fürsten dieser Welt gelernt und angenommen haben, in dem Himmel der Gemeinschaft fortsetzen zu können, werden erleben müssen, daß ihnen der liebe Gott zu solchen Bestrebungen keine Entfaltungsmöglichkeit läßt. Durch das Licht der Wahrheit wird der  Geist der Lüge entblößt. Wo der Felsen des unerschütterlichen Glaubens im Stammapostel steht, müssen alle Widersacher, Besserwisser, Zweifler und Ungläubige zu Fall kommen."

Interne NAK-Zitate rund um die Botschaft von Stammapostel Bischoff direkt nach dem Rauswurf von Apostel Kuhlen sowie ergänzende Materialien, die den religiösen Wahn, die Lügen und ständigen Widersprüche der Aussagen rund um die Botschaft auch nach dem Tot von Stap Bischoff mehr als deutlich zeigen (Einstellung und Formatierung: Detlef Streich 2015)

Bis soweit!

Teil 2: Stap Schneider verhindert die Veröffentlichung des NAK Forschungsberichtes von Frau Dr. Leh

Im Dezember 2007 beauftragte die NAK ein unabhängiges Institut mit einer wissenschaftlichen Befragung von Zeitzeugen aus der AG, VAC und NAK. Der Forschungsbericht wurde Ende Juni 2014 an die NAKI übergeben und seitdem unter Verschluss gehalten. Stap i.R. Leber äußerte sich dazu auf der Informationsveranstaltung vom Dienstag, den 9. Juni 2015, zur gemeinsamen Erklärung der Versöhnung zwischen der NAK und der Apostolischen Gemeinschaft (AG) in der Gemeinde Hamburg-Sinstorf (siehe nachfolgenden Bericht). Er erklärte, dass die bisherigen Darstellungen der NAK und ihrer Geschichte zum Thema „Botschaft“ zu starken Irritationen geführt hatten.Wörtlich sagte Leber laut des Protokolls von Dieter Kastl (unter“Download” mit dem Titel “Abschrift Informationsabend in Hamburg-Sinstorf am 9.6.15. ):

Also es ging darum um die Aufarbeitung der Geschichte. Hintergrund war, wir hatten damals - das war eigentlich der Ausgangspunkt für alle diese Entwicklungen - damals mal einen Informationsabend im Dezember, wann war das, 2007 oder sowas, an dem Apostel Drave etwas über die Entwicklung dann gesagt hat. Und da kam doch ziemlich viel – ja Gegenwind auf. Insofern als der Eindruck so entstand, dass Stammapostel Bischoff sehr in Schutz genommen werden sollte. Ich will das so mal stehen lassen. Aber jedenfalls daraufhin wurde die ganze Sache doch, ja wurde doch einmal auch der Konflikt mit der Apostolischen Gemeinde noch etwas verschärft. Die haben dann auch natürlich Stellung genommen. Haben sich sehr negativ dazu geäußert. Gut. Und da war eigentlich dann der Punkt, da hab‘ ich in der Verantwortung und auch den Wunsch doch eben diese, diese Wogen zu glätten und eine Brücke zu finden, dieses Institut beauftragt, oder die AG Geschichte hat das gemacht, jedenfalls in meinem Auftrag. Und dann wurde das also bearbeitet und wurde zu einem Ergebnis nun, ist zu einem Ergebnis gekommen mit Zeitzeugenbefragung.“

Wenn man Leber nun weiter liest, so lässt sich entnehmen, dass er selbst diesen Bericht wohl veröffentlichen würde:

Aus meiner Sicht ist eigentlich – ja, darf ich das mal so sagen – die Luft ein bisschen raus dadurch, dass die Versöhnung erreicht worden ist. Wenn die nicht erreicht worden ist, dann hätte ich diese, dieses Ergebnis von der Frau Dr. Leh irgendwie versucht zu nehmen um eine objektive Meinung dazu gewinnen. Aber, ähm, insofern ist das nicht mehr so ganz brandaktuell aus meiner Sicht.“

Das wäre durchaus wünschenswert, eine objektive Meinungsfindung durch unabhängig befragte Zeitzeugen herbeizuführen. Offensichtlich ist daran Stap Schneider aber nichts gelegen. Leber weiter:

Ähm, ich weiß da aber Einzelheiten nicht weiter muss ich gestehen. Weil das jetzt schon die Amtszeit von Stammapostel Schneider ist. Stammapostel Schneider hat sich aber so geäußert, das kann ich nur so wiedergeben, dass, ähm, diese Zeugenbefragung eigentlich nichts Neues bringt und daraufhin eben er befürchtete, dass das wohl neue Fragen aufwirft oder, oder irgendwie äh, kontroverse Diskussionen bringt. Man kann sicherlich da unterschiedliche Meinung dazu haben. Ich bin aber eigentlich ein bisschen überfragt. Ich kann da jetzt nicht dazu Stellung nehmen.“

Das heißt im Klartext: Schneider hält den Deckel über dem Forschungsbericht fest zu, weil er ihn offensichtlich gelesen hat und gerade im Gegenteil befürchten muss, dass die dort aufgezeigten Informationen nochmals brisant für die NAK heute sein können.  Solcher brisanten Informationen veröffentlichte das aufgelöste Internetmagazin Christ im Dialog  bereits 2007 in Form eines Interview mit Zeitzeugen der „Botschafts“-Ära. Dort wurde u.a. die gnadenlose Veranstaltung, Frankfurter Tribunal genannt,  vom Zeitzeugen Herbert Kloss, 85, (Bischof i.R, von Kind an neuapostolisch, seit Juni 1953 bis zur Spaltung Bezirksältester im Bezirk Essen II und hauptamtlicher Mitarbeiter der Verwaltung) nochmals deutlich beschrieben. Bischof Kloss ist einer von zwei noch lebenden Zeitzeugen jener Zusammenkunft vom 23. Januar 1955 in Frankfurt/Main, in dem die Apostel Kuhlen, Dunkmann und Dehmel sowie alle Bischöfe und Ältesten des Bezirks Düsseldorf ihrer Ämter enthoben und aus der NAK ausgeschlossen wurden.

Herbert Kloss:
„Stammapostel Bischoff eröffnete um 14.00 Uhr die Versammlung mit Gebet.  Apostel Dehmel, Dunkmann und Kuhlen, sowie die Bischöfe und Bezirksältesten des Bezirks Düsseldorf bekamen einen Platz angewiesen, die anderen eingeladenen Apostel zogen an uns verlegen vorbei. Teilweise auch ohne Begrüßung oder mit abgewandten Gesicht. An einem quergestellten Tisch saß dann der Stammapostel Bischoff, sein Sohn Friedrich Bischoff, sowie sein Sekretär Bischof Weine. Die Aufteilung der Sitzordnung und das Stellen von Tischen und Stühlen erinnerte von vornherein weniger an ein Besprechung, als an eine Gerichtsverhandlung. Das muss man wirklich so sagen.
Stammapostel Bischoff nahm seine Mappe und klagte Apostel Kuhlen wegen „Groben Ungehorsams“ an. Grober Ungehorsam gegen den Stammapostel, vorsätzliche Unterminierung seiner Lehre und Illoyalität gegenüber seinem Treueversprechen. Besonders betont wurde, dass die Botschaft im Bezirk Düsseldorf nicht freudig aufgenommen worden sei, dadurch hätte Apostel Kuhlen zu erheblicher  Unruhe und Verwirrung in seinen Bezirk beigetragen. Dann wurde ich mit den anderen Bischöfen und Ältesten gebeten, das Zimmer zu verlassen. Wir wurden in ein Büro gebracht und obwohl es ja Mittag war und hell, wurden die Fensterläden geschlossen und Licht angemacht. Wir fühlten uns da alle nicht mehr wie Seelsorger in der Neuapostolischen Kirche, sondern wie Untersuchungsgefangene. Eine halbe Stunde später wurden dann die Apostel zu uns in den Raum geleitet. Wir schwiegen zwar, aber schrien zu Gott im stillen Gebet, denn die Anklagen hatten nichts mit den Tatsachen zu tun. Wir warteten dann circa eine Stunde schweigend in diesem Raum bis unsere Apostel dann in einen anderen Raum gebeten wurden.

Der Stammapostel sagte, er wolle uns ein paar Worte der Orientierung geben, ehe wir zu einem Entschluss kämen. Er sprach über die Wahl von Apostel Kuhlen zum Nachfolger für Bischoff, verdrehte aber dabei einige Tatsachen. Ich fragte mich, was die Botschaft mit der Wahl zu tun haben sollte, denn bei den Vorwürfen ging es ja um die Botschaft. Bischoff hatte unterdessen Apostel Walter Schmidt die Leitung des Bezirks Düsseldorf  anvertraut. Bischoff wäre wohl bereit gewesen, uns als die Bezirksämter, eigentlich zu behalten, wenn wir mit Apostel Walter Schmidt weiterarbeiten wollten. Das wollte ich aber nicht. Bischoff verlangte jetzt nach dem Protokoll, es waren aber im voraus wohl zwei unterschiedliche Protokolle angefertigt worden und auf die Frage: „Welches, das erste oder das letzte?“, antwortete er: „Das Letzte“.

Dann verlas Apostel Hahn mit harter und lauter Stimme: „Apostel Kuhlen ist als Vorsitzender des Landesvorstandes der Neuapostolischen Kirche des Landes Nordrhein-Westfalen abberufen. Apostel Kuhlen ist seines Amtes als Bezirksapostel enthoben und die Apostel Dehmel und Dunkmann sind ihres Amtes als Apostel enthoben, womit ihre Mitgliedschaft im Apostelkollegium erloschen ist. Die Apostel Kuhlen, Dehmel und Dunkmann sind aus der Neuapostolischen Kirche ausgeschlossen. Die Bischöfe und Bezirksältesten des Apostelbezirks Düsseldorf werden vom Amte suspendiert. Schmidt kann mit Zustimmung des Apostolats über die Möglichkeit ihrer Wiederverwendung bestimmen.“ 
Noch im Wartesaal des Frankfurter Bahnhofs schrieben wir, die Bischöfe und Bezirksältesten, einen Brief an den Stammapostel, in dem wir es ablehnten, unter der Hand von Apostel Schmidt zu dienen und wir uns weiter zu unseren Aposteln Kuhlen, Dehmel und Dunkmann bekennen würden.

Wir, die zwölf Brüder aus dem Bezirk Düsseldorf, nämlich zwei Bischöfe und zehn Älteste, standen dann alle auf und waren nur noch erschüttert. Also mit „Gnadenstuhl“ hatte das alles wenig zu tun, mit „Richterstuhl“ schon eher. Manche sprachen auch von einem „Frankfurter Tribunal“.

Es war mittlerweile späterer Nachmittag und wir gingen dann auf die Straße, wo unsere Apostel bereits auf uns warteten. Um es kurz zu sagen: Unsere Apostel Kuhlen, Dunkmann und Dehmel wussten nichts von ihrer Amtsenthebung und dem Kirchenausschluss. Das hat Bischoff ihnen noch nicht einmal selbst in dem Konferenzraum gesagt. Das erfuhren sie dann erst durch uns, durch die Bischöfe und Ältesten. Stammapostel Bischoff hatte den Aposteln im Konferenzraum lediglich den „freiwilligen Rücktritt“ aus ihrem Amt empfohlen.

[Stockt]  ...Ja, es hat eigentlich nur bewegt und erschüttert, und dem Leben eine ganz andere Richtung gegeben. Es lehrte uns auf der einen Seite neue Festigkeit, Ausrichtung zur Wahrheit und zum Evangelium und auf der anderen Seite Menschlichkeit im kirchlichen Geschehen. Ich war nach dem 23. Januar noch einmal mit einer Reihe von Geschwistern zusammen, da gab es natürlich Tränen und man wollte mich beknien, doch bei ihnen und beim Stammapostel zu bleiben. Das fiel mir selbstverständlich nicht leicht, da immer wieder standhaft zu bleiben und ihnen „Nein“ sagen zu müssen. In der apostolischen Gemeinschaft bin ich später als Bischof eingesetzt worden und ich kann nur immer wieder betonen, dass es mein großes Anliegen war und auch immer noch ist, Gemeinschaft, Verbindung zu schaffen und Brücken zu schlagen, wo immer es möglich ist.
Am 24. Januar 1955 fand die Übergabe des Apostelbezirks zwischen Kuhlen und Schmidt statt. Bei dieser Gelegenheit machte Apostel Kuhlen darauf aufmerksam, dass wir ohne alles dastanden, und bat Schmidt darum sich dazu zu verwenden, dass uns wenigstens eine Kirche überlassen wird. Schmidt versprach, das weiterzugeben, aber es gab keine Reaktion darauf“.


Alleine zwei bereits vor der Veranstaltung fertig geschriebene Protokolle sind bezeichnend für die Machenschaften und Lügen dieser "Gottesmänner"!!

Herr Petzold setzte noch hinzu: „Obwohl  wir ja all die Jahre zuvor kräftig geopfert haben. Wir hatten nichts, noch nicht mal Abendmahlskelche. Nicht ein Stuhl ist uns geblieben.“Rausgeschmissen und total enteignet!

Allein diese kurzen Informationen gehen weit über alles hinaus, was die Mitglieder der NAK jemals offiziell über diese Zeit erfahren haben. Nur übers Internet können solche Informationen  eingeholt werden.

Im Interview äußert sich auch der Sohn Werner Kuhlen, 82, Evangelist i.R., seit Geburt neuapostolisch, bis zur Spaltung Priester in der Gemeinde Düsseldorf-Derendorf) von Ap Kuhlen über seinen Vater und den Rausschmiss aus der NAK wie folgt:

Werner Kuhlen:

"Er kam ja aus ganz armen Verhältnissen – bitterarm.  Die Kirche war faktisch alles für ihn. Und diese Hinterhältigkeiten, die meinem Vater fremd waren, die haben ihn praktisch umgehauen. Ich kann nur eines sagen, wie ich meinen Vater erlebt habe, da war der Canossagang bestimmt nicht schlimmer als das, was er dort durchmachen musste. Das wirkte sich ja auch innerhalb der Familie aus, es war ein ständiges Thema, es gab viele Gespräche mit Brüdern die zu uns nach Hause kamen, ich kannte ja auch alle Apostel persönlich. Allerdings: Worte von Hass oder Vergeltung, das hat es bei uns zu Hause nie gegeben. Mein Vater hat niemals über die anderen Apostel hässlich gesprochen, auch über Bischoff nicht, sondern sie immer in Schutz genommen. Bis zum Schluss. Das kann ich eindeutig bezeugen. Es wurde mit viel Beten um brüderliche Verbindung gerungen. Auch das war für mich Vorbild. Und ich habe Gebete mit ihm erlebt, da sind sehr, sehr viele Tränen geflossen. Ich hatte einen todtraurigen Vater.

Nachher kam ja dann auch eine gewisse Befreiung, so muss man das sehen, und mein Vater war ein unheimlich aktiver Mensch. Er hat seine ganze Zeit von A – Z in die Kirche hinein gegeben. Die Kirche war sein ganzes Leben. Die Exkommunikation war eigentlich, das möchte ich noch einmal betonen, nicht dergestalt allein, dass er aus dem Amt gehoben wurde, sondern soweit, dass er die Kirche nicht mehr betreten durfte. Das war finsteres Mittelalter! Damals war das unter dem Wort „Bannbulle“ üblich. Die Exkommunikation war eine totale.

Das muss man sich einmal vorstellen, eine Kirche, die den Zugang zum Heil, das sie in Händen hält, unmöglich macht. Das ist schon ein starkes Stück. Eine Sache ist mir dabei noch ganz wichtig: Anlässlich der Exkommunikation in Frankfurt soll anschließend das Abendmahl gefeiert worden sein. Man muss sich das einmal vorstellen, was das im Sinne des Abendmahls bedeutet! Da werden vorher welche exkommuniziert, die Ältesten waren ja praktisch auch raus, und dann hat man miteinander das Abendmahl gefeiert. Ich finde das auch heute noch so ungeheuerlich, dieser Missbrauch der Vergebung. Ich denke an das Wort: Dann isst und trinkst Du Dir das Gericht, wenn Du Dich vorher nicht versöhnt hast mit deinem Bruder."

(Quelle: Schade, dass es so gekommen ist! Interview mit Zeitzeugen der „Botschafts“-Ära)

Offensichtlich hat Stap Schneider schlicht Angst vor der wahrhaften Schilderung dieser Zeit. Dieser Bericht wird also wohl nie den interessierten Lesern zugänglich gemacht werden. Dennoch gibt es in den bereits veröffentlichten Quellen genügend Sprengstoff, die hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit zusammengefasst sind. Aber die folgenden Zitate sind im Zusammenhang  aufs Schrecklichste nachzulesen im NAK-Amtsblatt 1955 Nr. 16-18 Ämtergottesdienst STAP. Bischoff vom 27.2.55 in Köln nach der Exkommunizierung (23.2.) von Apostel Kuhlen.

"Wenn der Herr sagt, daß er an dem Tag, den er machen will, den Unterschied zeigen wird zwischen denen, die ihm dienen und jenen, die ihm nicht dienen, dann geht doch daraus hervor, daß auch solche da sind, die noch glauben, dem Herrn zu dienen: in Wirklichkeit gehören sie aber zu den Uebeltätern.Der Herr hat mir die Zusage gegeben, daß ich nicht mehr sterben, sondern ihm am Tag der Ersten Auferstehung die bereiteten Brautseelen entgegenführen werde. ...  Das ist gewiß eine Verheißung, die noch keinem Menschen auf Erden gegeben wurde. ... Unter den sechshundert Millionen Christen, ja, unter den zweieinhalb Milliarden lebender Menschen, hat mir der Herr Jesus allein die Verheißung gegeben, daß er zu meiner Lebenszeit kommt. Wer will dem Herrn darin Vorschriften machen? Das ist doch seine Sache! ... Damals habe ich Kuhlen Amt und Wirkungskreis gelassen. Nun aber hat er sein Amt verloren; denn ein ungehorsamer Apostel — und daß er ungehorsam war, ist in diesem Falle einwandfrei bewiesen! — und alle übrigen, die mit ihm sind, konnten nichts anderes erwarten. Ein Schaf Christi ist mir wertvoller als ein ungehorsamer Apostel. ... Ob mir einer nach­folgen will oder nicht, das muß ich ihm überlassen. Aber soviel sage ich euch: Ein Mann, dem das Apostelamt genommen wurde, hat mit allen an­deren, die ihres Amtes enthoben sind, niemals das Recht oder die Möglich­keit, Sünden zu vergeben und den Heiligen Geist zu spenden! Das ist unmög­lich. ... Man bedenke die Dreistigkeit jener Leute, die, obwohl sie ihres Amtes ent­hoben sind, sich dennoch nach dem alten Namen nennen. Wer ihnen nach­folgen will, mag es tun. Wir suchen zu retten und zu helfen: aber wir können nur dort helfen, wo man die Hilfe sucht. ... Barmherzigkeit gegen die Wölfe ist Grausamkeit gegen die Schafe und ein Schaf Christi ist mir lieber denn viele ungetreue Knechte."

Sein Sohn, Apostel Friedrich Bischoff ergänzte:

"Wie sind die Seifenblasen ge­platzt, mit denen man diese und jene Behauptungen aufgestellt und ver­breitet hat, die sich mit dem Gesundheitszustand des Stammapostels be­schäftigten! Ich will auf Einzelheiten nicht eingehen: denn das zu wieder­holen, was andere an Lüge hervorgebracht haben, dazu ist hier nicht der Platz. Wenn wir darüber hinaus sehen, wie nun der Betrug an den irrege­leiteten Seelen fortgesetzt wird, und wie aus dem Abfall weiterhin nur das hervorgeht, was aus dem Geiste der Lüge kommt, dann werden wir auch er­kennen, daß auf dem Denkzettel, der vor dem Herrn geschrieben ist, nicht nur Gutes steht und daß darin nicht nur die verzeichnet sind, die ihm dienten, sondern auch die, die ihm nicht dienten."

Wenn das kein Sprengstoff ist!

 

Teil 3 Einmalige historische Chance zur Versöhnung genutzt - Ein Kommentar

Eine wirkliche „Aufarbeitung“ und „Versöhnung“ zwischen der Neuapostolischen Kirche und ihren ausgestoßenen apostolischen Brüdern und Schwestern scheint im Zusammenhang mit der „Botschaft“ und aller daraus entstandenen Folgen letztlich unmöglich zu sein. Und doch lag in erstaunlicher Weise gerade in einem bestimmten Teil der Problemvernetzung in der Person des Stammapostels i.R. Leber selbst eine einmalige, nicht wiederholbare historische Möglichkeit zur Versöhnung. Zunächst aber zur Begriffsklärung:

  • Versöhnung ist nicht Wiedergutmachung, weil dies in jeder Weise bei jedem begangenen Unrecht unmöglich ist.
  • Versöhnung ist auch keine Entschuldigung, weil nicht der Täter sich selbst Ent-Schulden kann, sondern das Opfer dem Verursacher die entstandene Schuld und das Leid verzeihen muss.
  • Versöhnung ist nicht anerkannte Schuldzuweisung mit sich anschließender devoter Reue.
  • Versöhnung wird nicht über Strafe erreicht.
  • Versöhnung stellt sich nicht ein durch die hohle Leerformel der „versöhnten Verschiedenheit“

So muss also geklärt werden, was unter dem Begriff  der „Versöhnung“ hinsichtlich NAK und apostolischer Gemeinschaft zu verstehen ist. Versöhnung gilt politisch und psychologisch als ein Akt der Vergangenheitsbewältigung. Unter systemischen Aspekt kann sie verstanden werden als ein aufrichtiges und ehrliches Aufeinanderzugehen beider Parteien, in dem die schwarz-weiß gedachten Zuschreibungen „Sieger – Verlierer“, „Täter – Opfer“, „Schuld – Vergebung“ überwunden werden. Über das gemeinsame Bedauern des entstandenen und erzeugten Leides entsteht ein Weg der Kraft,  auf dem sich beide Parteien aus den historischen Faktizitäten zu einer neuen Sicht und nun ohne Bindung an die Vergangenheit befreien können. Aber auch in der jesuanischen Lehre drückt sich das „Aufeinanderzugehen“ in der Bergpredigt in Mt 5, 23f wie folgt aus:

Darum: wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder und dann komm und opfere deine Gabe. Vertrage dich mit deinem Gegner sogleich, solange du noch mit ihm auf dem Weg bist, ...

Bei Nichtbeachtung des Gebotes ist die Gefangenschaft die Folge und „du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast“.

Versöhnung ist demnach also unausweichlich und verlangt hier neben dem üblichen Sühne- und Vergebungsaspekt nach einem systemischen Verständnis, sich aus den Verstrickungen und damit bis heute vorhandenen Bindungen, die aus der Geschichte in die Gegenwart hineinreichen, zu befreien. Reue, Schuldeingeständnis und Vergebung führen alleine noch nicht zu einer wirklichen Befreiung von den weiteren Folgen aus dem Verhalten in der Vergangenheit, auch nicht vor dem eigenen „inneren Richter“. In der miteinander sich vollziehenden Versöhnung begleiten Reue, Schuldeingeständnis und Vergebung aber den Weg beider „Partner“ in eine neue Zukunft, die dann zwar durchaus getrennte Wege sein können, aber befreit sind von den alten Festhaltungen der inneren Gefangenschaft.

Versöhnung kann notwendig sein zwischen Nationen, ethnischen Gruppen, religiösen Gruppen, Tätern und Opfern im juristischen Sinn, Familienangehörigen und überall dort, wo aus dem Verhalten des einen ein Schaden beim anderen eingetreten ist. Und wie in Nationen enden die daraus folgenden Verstrickungen und Bindungen nicht mit dem individuellen Tot. Es sei hier nur verwiesen auf die uralten Konflikte zwischen Serben und Kroaten, Juden und Palästinensern, Christen und Muslimen etc., die immer wieder ausbrechen werden solange, bis die eigentliche Ursache versöhnt ist. Aber auch in Familien sind diese „Weitergaben“ an die nächste Generation zu beobachten und vielfach zu beklagen. Obwohl auch hier die eigentliche Ursache vielleicht längst verdeckt ist, wirkt sie weiter. Hier verbindet sich nun in besonderer Weise in der Person Lebers seine familiäre und kirchliche Verbindung zu Stap Bischoff und dessen Handlungen. Kirchlich stand Leber im gleichen Kirchenamt, familiär ist einerseits Apostel Fritz Bischoff (Sohn von Stap Bischoff) sein Schwiegervater gewesen, der ebenfalls stark als Ränkeschmied in die Botschaftsproblematik verstrickt war.  So schrieb z.B. in Amerika Priester Conzelmann an Apostel Fendt am 21. Juli 1955 (Quelle  - bei naktalk.de eingestellt):

"So empörend Sie dies auch finden mögen, aber ich komme von dem Gedanken nicht los, daß sich hinter all dem, was sich heute offenbart, ein in Lehre und Technik geschulter Geist eines Diktators steht. Der sorgfältig durchdachte Weg, der hinsichtlich der Prophezeiung des Stammapostels aufgebaut wurde — schlau und langsam, aber sicher —, hat in der neuen Geschichte zu viele Parallelen."

Und Apostel Kuhlen schrieb an Priester Concelmann im April 1955 (Quelle):

(Abschrift aus DER HEROLD 15.10.1955)

„Es ist überaus bedauerlich, daß seitens des Stammapostels und der Apostel, die in jüngster Zeit Macht gewonnen haben, alles getan worden ist, um jene, die nicht in blindem Gehorsam zu allem Irrtum ja und amen sagen, zu entfernen, daß aber gar nichts, aber auch absolut nichts getan wurde, um eine Brücke zu schlagen zwischen den zweierlei Meinungen und trotz dieser Meinungs­verschiedenheit im Geiste der Versöhnlichkeit und des Brudersinns zusammenzuarbeiten. Nie und nimmer ist das ein Handeln im Sinne Christi.

Gewiß, seitens der Machthaber, die das alles in Szene gesetzt haben, wird jetzt das Märchen
verbreitet, es ginge ja gar nicht um die «Botschaft», sondern es handle sich um Machtkämpfe; Kuhlen sei beleidigt, daß er nicht Stammapostel geworden sei usw. usw.

Dazu kann ich nur sagen, daß ich Ende 1950 gerade deshalb als Nachfolger des Stamm­apostels zurückgetreten bin, um jenen Elementen, denen ich unbequem war, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Nur aus Liebe zum Werke Gottes habe ich den Schritt getan, um eine Riesen­katastrophe und eine Spaltung mitten durchs Werk zu verhindern. Um deswillen habe ich das Opfer gerne gebracht, so daß ich wohl mit Fug und Recht sagen kann, daß ich die Sache vor die Person gestellt habe, denn mir ist es niemals um die Führung gegangen. Es ist ja so, daß das Stamm­apostelamt in seiner heutigen Weise durch gewisse Leute zu etwas ganz anderem gemacht worden ist als was es nach Jesu Willen sein sollte. …. Welche Kräfte in den letzten Jahren am Werke waren, um es dahin zu bringen und welche Motive dazu Anlaß waren, das möchte ich jetzt unerwähnt lassen. Es ließe sich darüber so unendlich viel sagen; aber ich möchte wahrlich nicht mehr sagen, als das, was zwingend nötig ist, weil sonst viele, viele jeden Glauben verlieren würden. Nie würden meine Mitapostel Dehmel und Dunkmann und dann unsere Bischöfe und Bezirks­ältesten aus bloßer Liebe zu mir mit mir einig gehen, sondern gerade auf deren Drängen hin ist endlich nach allen hingenommenen Schmähungen durch Rebellen, die den Brüdern Herzeleid und Sorgen bereitet haben, unser gemeinsamer Brief an den Stammapostel geschrieben worden.“

In diesem Sinn bekannte auch Stap. Leber i.R. am Informationsabend:

"Jedenfalls ob Stammapostel Bischoff das so wollte, weiß ich gar nicht so sehr. Es gibt sogar Hinweise – ich kann das aber auch nicht beweisen – dass auch so einige Apostel das in diese Richtung gedrückt haben. Na ja – damals hatten die Apostel auch eine hohe Stellung. Apostel Rockenfelder, Apostel Bischoff, Apostel Hahn und andere, die aber das doch sehr stark in den Vordergrund rückten.“

Und der Autor Rudolf Stiegelmeyr  schreibt dazu schon 2011 in seinem unbedingt lesenswerten Buch „Das tragische Erbe des J.G. Bischoff - Die Botschaft wird 60“ im

Kap. 3.4 Wie die Indizien beweiskräftig werden:

"Nicht die Botschaft an sich und der Glaube an sie – wie unbiblisch und unchristlich sie auch gewesen sein mag – waren also die wahre Ursache für das Kirchenschisma, sondern ihre Gehorsam einfordernde, dogmatisierende Handhabung sowohl in der Anordnung ihres ständigen Predigens als auch in der Bereitschaft, sie als bedingungsloses und letztlich ebenso unchristliches wie unmenschliches Glaubensbekenntnis zu akzeptieren – Forderungen, die weder biblisch noch theologisch, geschweige denn kirchlich begründbar waren, dafür aber umso mehr kirchenpolitisch notwendig schienen. Und dafür sind, wie gesehen, in erster Linie jene verantwortlich zu machen, welche an den Schalthebeln der Macht, nämlich im Zentrum ihrer Verbreitung saßen: Fritz Bischoff und Gottfried Rockenfelder.

Auch alle sonstigen Indizien – von den konservativen Menschen- und Gottesbildern, die sie mit dem Stammapostel voll teilten, über eine nachweisbare Machtgier und weiter über ihre finanziellen Interessen bis hin zum Lackmustest aller Ursachen, nämlich der Leichtigkeit, mit der das Unheil abzuwenden gewesen wäre – weisen deutlich darauf hin, dass es ihr Plan war, durch die Dogmatisierung der Botschaft zum alles entscheidenden Glaubensbekenntnis Feindbilder aufzubauen und damit Spaltungstendenzen im Apostelkollegium zu schüren und so die Gegenwehr der wahrheitsliebenden, christlich orientierten Apostel zu provozieren – ein geschickt eingefädeltes Ansinnen, das vor dem Hintergrund der Unterschiedlichkeit des zugrunde liegenden Kirchenverständnisses schließlich ganz programmgemäß zur Trennung führen musste. Der greise Stammapostel war durch seine psychische wie physische Disposition (Eitelkeit, Altersstarrsinn, Amtsverblendung, besessener Endzeitglaube etc.) dazu ganz offensichtlich nur ein williges Werkzeug.

(…) Wer die Gehässigkeit, Unversöhnlichkeit und rechthaberische Intoleranz betrachtet, die sich in den Briefen, Gesprächen und Protokollen der neuapostolischen Führung wie ein roter Faden hindurchzieht, der wird – ob er will oder nicht – ebenso schnell wie unweigerlich innewerden, wes Geistes Kind die neuapostolische Kirchenführung in Wirklichkeit war. … Während Gehorsams-, Autoritäts- und Hörigkeitsideale die funktionale Komponente der Botschaft bildeten, war die Vorstellung und Ausbildung einer religiösen Naherwartung ihre inhaltliche Seite. Auf sie konnte nicht verzichtet werden, denn ohne sie wäre die Botschaft im Sinne eines die Massen manipulierenden Druckmittels nicht möglich gewesen, darüber gibt es keinen Zweifel. Die inhaltliche Naherwartungskomponente und die funktionale Gehorsamskomponente der Botschaft gehören vom Prinzip her zusammen wie Tatwaffe und Täter. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar.

(…) Im Sinne eines zusätzlichen Machtinstruments zur Disziplinierung, Sanktionierung und notfalls Exkommunizierung unliebsamer Mitglieder der Kirchenleitung hingegen war sie das Werk des nachweislich machtgierigen Fritz Bischoff und seiner Helfer. Dies verdeutlicht gleichzeitig, dass die Botschaft als Kind neuapostolischen Denkens nur aufseiten der Gläubigen mit Naherwartung und Endzeitkult zu tun hatte. Aufseiten der Kirchenleitung war sie sowohl in ihrer Entwicklung hin zum Kirchenschisma als auch danach, ja im Prinzip sogar noch nach dem Tod des Stammapostels, keine Endzeitpanne verstanden als fehlgelaufener, missverstandener oder irrtümlicher Naherwartungsglauben, sondern primär Auswuchs kirchen- und machtpolitischer Interessen, welche die Naherwartung hauptsächlich als Mittel zum Zweck benutzten für kirchenpolitische Planspiele und Machtgier."

Neben dem kirchenpolitischen Versöhnungsaspekt ist Leber zudem andererseits mit J.G. Bischoff auch noch direkt familiär verbunden. Er ist gleichzeitig auch der Enkel von Johann Gottfried Bischoff, der insgesamt drei Frauen hatte. Die Schwester seiner ersten Frau war verstorben. Deren Mann war schon länger tot. Ihre beiden Töchter hat J.G. Bischoff adoptiert. Eine davon ist die Mutter von Stammapostel Leber. Damit ist er also doppelt mit Bischoff verwandt.

In der Person Herrn Lebers laufen also unter einem systemischen Versöhnungsgedanken unwiederholbar wesentliche Bedingungen  einer umfassend möglichen Versöhnung zusammen:

  • Herr Leber trägt das gleiche Kirchenamt wie Herr J.G. Bischoff und repräsentierte damit aus systemischer Sicht in gleicher Weise wie er damals die NAK.
  • Familiär ist Herr Leber einerseits mit der genetischen Enkelin von J.G. Bischoff verheiratet, wodurch F. Bischoff sein Schwiegervater wurde und er ist zudem selbst der Adoptivenkel von J.G. Bischoff.
  • In seiner Eigenschaft als Enkel trägt Herr Leber das Stammapostelamt der NAK nicht nur als deren oberster Kirchenrepräsentant, sondern aus systemischer Sicht trägt er damit gleichzeitig Verantwortung für die familiär-personale Verstrickung J.G. - und Friedrich Bischoffs gegenüber den ungeheuren Verunglimpfungen und Diskreditierungen des damaligen Stammapostelhelfers Kuhlen und seiner Mitapostel. Der Stammapostel Leber konnte sich also hier in zweierlei Weise erstens aus seinem Amt heraus mit dem Amtsträger Stammapostelhelfer Kuhlen und zweitens als familiärer Enkel und Schwiegersohn Bischoffs für die persönliche menschliche Tragik der Ereignisse mit dem lebenden Sohn des Apostel Kuhlen und der Apostolischen Gemenschaft versöhnen.

Stap i.R. Leber hatte seit Jahren die Entscheidung in der Hand, ob er weiterhin beharrlich den eigenen kirchen- und/oder familiensystemischen Vorgaben folgt, oder ob er die sich abzeichnende Möglichkeit wahrnimmt, die Neuapostolische Kirche und damit auch sich selbst und seine Familie auf einen insgesamt neuen Weg der Versöhnung zu bringen. Unter diesen Überlegungen ist Lebers Entscheidung, nochmals einen Informationsabend zum Thema „Kuhlen und Ausschluss“ durchzuführen und sich dabei so deutlich wie noch nie in aller Klarheit rehabilitierend zu Apostel Kuhlen zu äußern, ein äußerst bedeutsamer Akt auf dem Weg zu einer eindeutigen Versöhnung.

Eine Veränderung im System aber ändert stets das ganze System, dies ist ein kybernetischer Grundsatz. Man wird sehen, ob dieser Abend jedoch überhaupt in der NAK selbst und speziell beim amtierenden Stap. Schneider ankommt oder nicht, und ob dadurch dann in Folge wirklich weitere Schritte und Erkenntnisse folgen.

 

1.12.2014 Offizielle Erklärung zur Versöhnung  zwischen der Apostolischen Gemeinschaft und der Neuapostolischen Kirche

Zitatauszüge daraus:

Stammapostel Bischoff hat nie öffentlich darüber gesprochen, auf welche Weise er die Botschaft empfangen und welchen genauen Wortlaut sie hatte. Man kann davon ausgehen, dass er sie persönlich als göttliche Offenbarung empfand.

Im Vordergrund steht heute die Bewertung der Botschaft. Aus theologischer Sicht muss sich jede Botschaft Gottes grundsätzlich erfüllen. Da sich die Botschaft nicht erfüllt hat – Stammapostel Bischoff starb 1960 – lässt sich die Bewertung ableiten, dass sie keine göttliche Offenbarung war. Sie hätte in dieser Form keinen Einzug in die Lehre und Verkündigung finden dürfen.

Die Apostolische Gemeinschaft und die Neuapostolische Kirche anerkennen und wertschätzen sich als selbstständige Kirchen mit jeweils eigenständigem Profil.

Die Kirchenleitung der Neuapostolischen Kirche entschuldigt sich ausdrücklich bei den Amtsträgern, die wegen dieser Vorgänge aus der Kirche ausgeschlossen sowie bei allen, die dadurch in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Die gesamte Erklärung im Wortlaut

Audiomitschnitt des Versöhnungstreffen

Videomitschnitt bei You Tube

Siehe auch den  Artikel UF online; Zitat: "Die in den letzten Jahren auf lokaler Ebene entstandenen freundschaftlichen Kontakte mit dem Ziel des ökumenischen Miteinanders werden ausdrücklich begrüßt. „Diese positiven Entwicklungen werden auch in der Zukunft befürwortet und unterstützt.“

 

7.12. 2014 Kommentar DS (Überarbeitung vom 9.12.):

Nach nunmehr runden 60 Jahren der Spaltung haben sich also aufgrund lokaler Bewegungen auch die NAK-Führung in Gestalt des Stap. Schneider als Kirchenpräsident und BezAP Klingler als Vorsitzender des Gremiums für besondere Angelegenheiten der NAK-International dazu entschlossen, im Namen der NAK die oben zitierten Aussagen zu unterzeichnen und den darin befindlichen Aussagen damit zugestimmt und sie so auch zu Positionen der NAK erhoben. Ein großer Schritt für die betroffenen Menschen der AG vor Ort, aber annähernd bedeutungslos für die NAK an sich, denn weitere, interne Auswirkungen wird das mehr oder weniger stillschweigend unterzeichnete Papier in Zukunft kaum haben. Die "Abgefallenen" und "Ausgestoßenen" Geschwister und Amtsträger von damals können dennoch heute sagen: Wir hatten Recht, die gnadenlose Haltung der NAK-Führung war  eindeutig falsch und theologisch blanker Unsinn, wie z.B. die in der Wächterstimme Nr. 8, vom 15.04.1955 „Der Stammapostel hat seine Offenbarung „nicht durch einen Traum empfangen, sondern bei einer Begegnung mit dem Sohn Gottes selbst. Der Sohn Gottes stand dem Stammapostel gegenüber, wie er auch dem Saulus damals gegenüberstand; nur mit dem Unterschied, dass der Stammapostel, der größte und treueste Knecht Gottes in unserer Zeit, nicht nur seine Stimme hörte, sondern auch seine Gestalt sah.“

Bischoff selbst predigte z.B. laut Jugendfreund vom 1. Februar 1959 noch wie folgt: "Liebe Jugend! Gegenwärtig werden wir von Seiten unserer Gegner wieder aufs heftigste bekämpft. Es ist, als hätten sich alle gegen uns verschworen. Aber ihr Kampf ist aussichtslos; denn wer gegen uns kämpft, führt den Kampf gegen den Herrn. Wir setzten trotz aller Anfeindungen unsere Pilgerreise in gottgewollter Weise fort; denn das, worüber unsere Gegner sich ärgern und über uns schimpfen, ist uns Ursache zur größten Freude, nämlich, daß der Herr mir geoffenbart hat, daß er zu meiner Lebenszeit kommt!"  (Weitere Zitate zum Thema ...)

Na ja, das war dann ja nicht mehr allzu lange, denn im Juli 1960 starb Stammapostel Bischoff schließlich und Schluss war mit solchen verführerischen Sektensprüchen wie diesem hier aus dem Kalender von 1960:

Spätestens mit dem Tod von Bischoff hätte man ganz laut mea culpa, mea maxima culpa schreien müssen,  sich bei den Verstoßenen und Entehrten auf  Knien entschuldigen müssen und den Enteigneten ihre gestohlenen Kirchengebäude zurückgeben müssen! Aber dazu war und ist die NAK nicht in der Lage. Dann ändert halt eher ein Gott aus „unerforschlichen Gründen seinen Willen “ und seinen Erlösungsplan, damit  „alle Gläubigen heilsam aufschrecken und ihnen noch eine Gnadenfrist für ihre Vorbereitung auf die Wiederkunft Jesu Christi “ gewährt wird,  als dass die NAK hätte falsch liegen können! (siehe hier). Im Gegenteil predigte der neue Stap Schmidt u.a. sogleich wie folgt:

"Ich werde mir keine unproduktive Arbeit auf den Schreibtisch laden, indem ich mich als Reibflache den Spöttern, den Feinden und Gegnern zur Verfügung stelle, damit der Teufel überall sein Feuer anzünden kann. Ich werde, getreu den Worten des Stammapostels, zu allen Anwürfen, die nun von außen her kommen, schweigen. Diese unheimliche Waffe, die der Stammapostel Jahrzehnte bei sich trug, hat alle mundtot gemacht. Sie haben mal gerufen; dann aber haben sie geschwiegen, weil der Stammapostel schwieg. So werden auch wir Apostel bei allem, was nun kommen wird, schweigen. Das letzte Wort spricht der Herr. So hat es der Stammapostel gemacht. Er war uns in vielen, vielen Dingen ein Vorbild. Er war nicht nur mit menschlicher Weisheit ausgerüstet, sondern auch mit göttlicher. Er hat es vermieden, sich unnütze Arbeit zu machen und sich mit den Feinden herumzustreiten. Er hat auch niemals schlafende Hunde geweckt, er hat sie schlafen lassen. So werden wir es auch machen." (Wächterstimme, 15.08.1960, Seiten 130-136)

Deswegen scheint es doch eher eine "Gnade" zu sein, aktuell zu erleben, wie dieses selbsternannte "Werk des Herrn" zielgerichtet und absehbar seiner Auflösung entgegen geht und seine Funktionäre entlarvt werden als das, was sie sind: lebensfeindliche Sekten(ver)führer, die nur dem Erhalt des Systems dienen, nicht aber den Menschen, die ihre Mitglieder sind! Die kircheneigene Darstellung der damaligen Prozesse von 2007 "Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955 - Entwicklungen und Probleme" entpuppte sich sehr schnell als verlogen und geschichtsfälschend.   Sie wurde offiziell auch rasch aus dem Netz genommen (siehe z.B.  Quellenkommentar oder Zeitzeugen.) Ein Zitat daraus:

"(S.36) Kuhlen sprach sich als einziger Apostel gegen den Wunsch aus, Gläubige nur dann zu versiegeln, wenn diese zuvor auch ihre Botschaftsgläubigkeit bekannten; der Stammapostel und viele Apostel waren jedoch dafür.

(S.38) Kuhlen wusste also ganz genau, worauf er sich einließ, als er es wagte, öffentlich zum Stammapostel eine andere Lehre zu verkündigen und gegen dessen ausdrückliche Mahnung den Brief doch an alle neuapostolischen Haushalte verteilte. Kuhlen nahm bewusst eine Spaltung und – um seine Terminologie zu benutzen – den „Nieder- und Untergang des Werkes Gottes“ in Düsseldorf in Kauf; er stürzte somit einige tausend Gotteskinder in einen Glaubenskampf und –zweifel, obwohl diese über seine Botschaftsungläubigkeit gar nichts wissen wollten. Kuhlen hätte den ihm Anvertrauten alles Leid und Elend ersparen können, wenn er zurückgetreten wäre. Da er jedoch eine andere Lösung präferierte, muss er sich gefallen lassen, als Verführer gekennzeichnet zu werden."

BezAp Kuhlen wurde also 2007 noch als Verführer bezeichnete, dem allein die Schuld zuzuweisen ist. Besagter Brief   von Kuhlen wurde in dieser Arbeit jedoch als Quelle nicht einbezogen, bzw. absichtlich herausgelassen! Die oben genannten Aspekte sind jeweils Halbwahrheiten oder Lügen und inhaltlich falsch. Eine vertiefende Analyse der Geschichtsklitterung durch die NAK finden sie auch in der Ausarbeitung  Die Drave-Untersuchung - Kritische Anmerkung in Gestalt einer Gerichtsszene zur Aufarbeitung der NAK-Geschichte. Heute wird das nun alles unter den Tisch gekehrt, Kuhlen und alle anderen sind reingewaschen! In der gemeinsamen Erklärung wird aber nicht nur der Stap Bischoff als Verantwortlicher genannt. Wörtlich heißt es zu recht:

"Die Botschaft erhielt nach 1951 zunehmendes Gewicht in der Wortverkündigung. Sie erlangte schließlich den Rang eines Dogmas. Die Verantwortung dafür, dass der Botschaft ein so hoher Rang eingeräumt wurde, lag nicht nur beim Stammapostel, sondern auch bei vielen Aposteln, die den Botschaftsglauben bedingungslos unterstützten."

Man hat beim Lesen der Erklärung ein wenig den Eindruck, die AG´ler hätten den Text diktiert und die NAK in Gestalt von zwei Personen hat achselzuckend unterschrieben. Schwamm drüber!

Aber die Verlogenheit der NAK und ihrer Wortverkünder war, wie vielfach dargelegt, schon immer ein grundlegend konstitutiver Bestandteil und das hat sich bis heute nicht wirklich geändert. Die aktuellen Untersuchungen zu Stap Schneider belegen das nachdrücklich, wie z.B. auch der gleich nachstehende Artikel. Das "System NAK" kann nicht reformiert werden, weil es dadurch seine Gestalt verlieren und sich selbst untreu werden würde. Jeder Reformationsgedanke ist also systemischer Selbstmord, und der kommt bekanntlich nicht in Frage, denn, so der Chor der Apostel:

"I'm Right, You're Wrong, Go To Hell"  Basta! -

Oder auch "Amen", wie im kirchlichen Sprachgebrauch in der NAK nach jeder Predigt die Predigtaussagen von allen Zuhörern bestätigt werden. Da steht keiner auf und sagt "Nein!" Wem was nicht passt, der soll halt den Mund halten und gehen, nicht aber die heiligen Kreise stören!

Übrigens war Stap. Schneider bei der gemeinsamen Veranstaltung am Samstag, den 9. November 2014 nicht anwesend! So viel zur Wertschätzung der Erklärung!

Bis soweit also!

Siehe auch den KommentarEin (neu-)apostolischer Nichtangriffspakt?“ vom 2.12. 2014 von Rudolf Stiegelmayr

und die weiterführende Hp Versöhnung - Jetzt!

Anhang:

Weitere Quellentexte zum Thema:

Privaten Aktenaufzeichnungen des Apostels Kuhlen  über die Gründe seines am 25. November 1950 erfolgten Rücktrittsals Stammapostelhelfer und Nachfolger im Stammapostelamte von 1950

Peter Kuhlen: Denkschrift für die Mitglieder der ,Apostolischen Gemeinde" und für deren Freunde vom 29. Januar 1955

Brief von Apostel Kuhlen zur Botschaft vom 8.3. 1955

Zeitzeugen widersprechen den Darstellungen der NAK-AG Geschichte "Gespräche mit Zeitzeugen" Hrg. NAK-NRW (2008)

Ereignisse in der Neuapostolischen Kirche die zur Gründung der Apostolischen Gemeinde geführt haben  Verschiedene historische Texte (55MB)

Vom Weltkrieg zur Botschaft von Mathias Eberle, 18. April 2013. Vortrag

Nachdenkliches zur Botschaft  Link

Dokumentation (Sammlung Steurich, von DS stark gekürzt): DER  BOTSCHAFTS – WAHN

Karl-Eugen Siegel; DIE BOTSCHAFT DES J G. BISCHOFF - Eine kritische Auseinandersetzung mit einer der Endzeitbotschaften

Magazin Spiegel  "Artikel mit dem Titel "Neuapostoliker"

Sammlung einer Vielzahl historischer Quellen zeitlich geordnet (1920 - 2014) unter naktalk.de von D. Kastl eingestellt

Weitere historische Quellen:

 

 

"Die NAK in der Zeit von 1938 -1955. Entwicklungen und Probleme"

"Die kircheninterne Arbeitsgruppe „Geschichte“ der Neuapostolischen Kirche hat Ergebnisse zum Themenbereich „Abspaltungen“ in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts zusammen getragen. Unter dem Titel "Die NAK in der Zeit von 1938 -1955. Entwicklungen und Probleme" trug Apostel Walter Drave, Leiter der Arbeitsgruppe, eine Zusammenschau vor. Rund 3.000 ausschließlich schriftliche historische Dokumente wurden ausgewertet; auf die Befragung von Zeitzeugen hat die Arbeitsgruppe vorerst verzichtet."

Als ein  „weiteres Zeichen der Versöhnung“ wurde allerdings mittlerweile das Geschichtspapier laut Leber am 14.06.2010 als „Zankapfel“ zwischen NAK und VAG  von der NAK selbst vollständig  aus dem Internet entfernt, es ist "HIER" aber noch original nachzulesen.

Lesen Sie als kritischen Kommentar zum Geschichtspapier die zwar umfangreiche, aber erhellende Drave-Untersuchung! Sie ist in Form einer Gerichtsszene gestaltet, in der ein Staatsanwalt Drave verhört, kommentiert und hinterfragt. Die Antworten Draves sind originale Zitate aus dem offiziellen Papier.


Einführung:
Walter Drave, Apostel und studierter Historiker, hat in seinem Vortrag am 4. Dez. 07 zur Geschichte der NAK durch eine geschickte Konstruktion und Verbindung von Halbwahrheiten, Unterstellungen und scheinargumentativen Quellentexten, die sämtlich aber auf den nur subjektiven Wahrnehmungen ihrer Urheber beruhen, ein geschichtsfälschendes Bild der NAK entwickelt, dass unredlich ist und im Sinne der lebenden Zeitzeugen und Betroffenen sowie einiger Hinterbliebener der dabei verunglimpften Personen gegen die Menschlichkeit verstößt.

Als Historiker verstößt er damit gleichzeitig auch gegen seine Berufsethik und bedient sich Mittel, die nicht den Anforderungen wissenschaftlichen Arbeitens entsprechen, obgleich er genau dies in seinen einführenden Worten explizit beteuert:

Die abgelieferten Untersuchungen basieren unter Beachtung und Anwendung geschichtswissenschaftlicher Verfahrensweisen auf Quellenbefunden; die vorgestellten Ergebnisse und Thesen sind somit sorgfältig und quellenkritisch belegt und resultieren nicht aus „Geschichte vom Hörensagen“ oder vorgefassten Urteilen.

Entgegen seines beteuerten Vorgehens vermengt Drave in seinen Ausführung jedoch permanent historische Fakten mit subjektiven Meinungszitaten, Unterstellungen, Interpretationen, ohne dies deutlich voneinander abzugrenzen - mit dem Ergebnis, dass Stammapostel Bischoffs Unantastbarkeit bestätigt und seine damaligen Kritiker verleumderisch verteufelt und menschlich in den Schmutz getreten werden. Ein Verfahren, dass in der NAK eine lange Tradition hat und für diese Kirche durchaus symptomatisch ist.

Dennoch tauchen in seinen Ausführungen Zugeständnisse und Informationen auf, die , wenn man sie faktisch isoliert, ein zwar unfreiwillig erzeugtes, aber dennoch bezeichnendes Bild dieser Kirche zeichnen. Diese Fakten deutlich herauszuarbeiten ist die Absicht dieser als Dialog gestalteten Arbeit in Form einer fiktiven Gerichtsszene, in der Drave als Angeklagter von einem Staatsanwalt im Zeugenstand befragt wird.

Alle Antworten von Drave sind direkte Zitate aus dem offiziellen Papier der NAK, lediglich geringfügige grammatisch bedingte Umstellungen wurden zum Teil vorgenommen. Die Fragen des Staatsanwaltes hingegen kommentieren und beleuchten die schriftlichen Aussagen gerade dadurch, dass sie den ursprünglich rhetorisch beabsichtigten Sinnzusammenhang durchbrechen um zu verdeutlichen, was in und hinter den Ausführungen Draves eigentlich steht und durchaus als tatsächlich historischer Fakt in Hinsicht auf die NAK anzusehen ist.

In den Zitaten aus dem Grundlagenpapier von Drave wird hier der besseren Lesbarkeit darauf verzichtet, die Seitenangabe der zitierten Passsagen anzugeben. Die Reihenfolge der Zitate entspricht aber weitestgehend der Chronologie des im Netz offiziell nicht mehr verfügbaren Originals . Hier ein kurzer Auszug aus der Draveuntersuchung:

Staatsanwalt:  Worauf stützen sie ihre Behauptung, Stap. Bischof sei theologisch-christologisch grundiert in seiner Amtsauffassung?  

Drave: Die Quellenauswertung ergab, dass die Ereignisse Ende der 1940er/Anfang der 1950er Jahre nicht als Glaubenskonflikte zu betrachten sind, sondern Ausdruck eines Strukturproblems waren, das das kirchenleitende Amt betraf. Resümierend über die zurückliegende Zeit schreibt der Stammapostel den Aposteln am 14. Juli 1951:

 „Die in den letzten Jahren durchlebten unguten Verhältnisse im Werke Gottes haben mich anhand vielseitiger Erfahrungen erkennen lassen, dass die Ursache zu all dem vielen Leid darin liegt, dass man im Kreis der Apostel die Grundsätze der Theokratie (Gottesherrschaft) verlassen hat und die kirchliche Führung nach demokratischen Grundsätzen ausgeübt wissen wollte.“

Staatsanwalt: Aber das ist doch eine völlig subjektive Sicht des Kirchenleiters ohne Beweiskraft! Gab es so etwas schon früher?

Drave: Zu einer solchen inhaltlichen Feststellung über das Apostelkollegium sah sich der Stammapostel in dem in dieser Arbeit vorgestellten Zeitraum nicht nur einmal veranlasst. Knapp zwei Jahre zuvor (21. November 1950) z.B. schrieb er den Aposteln:

 „(...) dass der derzeitige Zustand innerhalb des Apostelkollegiums nicht der Lehre Christi und seinem heiligen Willen entspricht. Euch, meine lieben Mitapostel, auf diese Tatsache hinzuweisen, halte ich für das Gebot der Stunde.“

Staatsanwalt: Auch das ist eine bloße Behauptung und diskreditiert einen großen Teil der Kirchenführer, von denen doch ihrer Auffassung nach jeder einzelne ein Botschafter Jesu war. Wie konnten sie da die „Lehre“ verlassen? Oder waren es etwa gar keine theologischen Gründe, die den Zwist hervorriefen?

Drave: Der Versuch einiger Männer aus dem Apostelkreis, das Stammapostelamt zu relativieren, ist bereits für die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg anhand einiger Aktionen nachweisbar. Grundsätzlich gab es gemäß Satzung des Apostelkollegiums von 1922 keine Dienstaltersbegrenzung für Apostel (und andere Amtsträger), wobei in der Satzung ausdrücklich nur für den Inhaber des Stammapostelamtes die Formulierung „in der Regel auf Lebenszeit“ benutzt wurde.

Staatsanwalt:  ... und?

Drave: Am 4. April 1938 beschließen Stammapostel Bischoff und die Apostel auf einer Apostelversammlung in Hamburg gemäß Punkt 4 des Protokolls: „Die Dienstaltersgrenze für sämtliche Amtsträger wird auf 65 Jahre festgesetzt. Bis 31. Dezember 1939 ist dies durchzuführen. Die Beschlussfassung erfolgte einstimmig.“ Der Stammapostel und 16 Apostel haben das Protokoll genehmigt und unterschrieben. Danach hätte Stammapostel Bischoff, der zu jener Zeit 67 Jahre alt war, gut 1½ Jahre später sein Amt niederlegen müssen.

Staatsanwalt: Was durchaus eine vernünftige, gemeinsame Lösung ist! Was ist dagegen einzuwenden?

Drave: Es ist aufgrund der für diesen Themenbereich spärlichen Quellenlage nicht eindeutig erkennbar, welche Motive und Absichten diesem Beschluss zugrunde lagen. So bleibt lediglich festzustellen, dass die Apostel (incl. dem Stammapostel) mit ihrer freiwillig verordneten Dienstaltersbegrenzung ihre persönlichen Handlungsspielräume für die Zukunft erheblich einschränkten und dass es zukünftig in viel stärkerem Maße als bisher auf die jüngeren Kräfte im Apostolat ankommen musste. Die Entscheidung begünstigte also die jüngeren Apostel, während die älteren ihrem baldigen Amtsende entgegenzusehen hatten.

Staatsanwalt: Auch das erscheint doch vernünftig, zumal es ein gemeinsam getroffener Beschluss war. Oder hatte Bischoff bei der Abstimmung noch nicht ganz klar realisiert, dass er so seine Machtposition bald verlieren würde? 

Drave: Nachdem Stammapostel Bischoff das Ausmaß dieses Beschlusses so richtig bewusst geworden war, wendet er sich schon einige Tage später an die Apostel. Ohne eine Apostelversammlung einberufen zu haben, treffen sich der Stammapostel und die Apostel am Montagvormittag, dem 25. April 1938, in Berlin, um über die Dienstaltersbegrenzungsthematik zu sprechen.  

Staatsanwalt: Ein eigentlich völlig überflüssiges Unternehmen, da eine Entscheidung definitiv getroffen war. Gab es dennoch etwas Neues?

Drave: Die Besprechung verläuft ergebnislos, es konnte „keine Einigkeit erzielt werden“, so der Stammapostel. Etliche Apostel ließen den Stammapostel bereits erleben, dass sie zu einem Sinneswandel bei dieser Thematik nicht bereit sind. Und Stap Bischoff schrieb:  „Am Montagnachmittag und auch am Dienstagvormittag habe ich aus dem Kreis der Apostel erfahren, dass der weitaus größte Teil sagt, für sie bleibe der Beschluß vom 4. April bestehen. Die Apostel haben also, ohne mein Schreiben abzuwarten, bereits ihr Urteil gefällt. Demzufolge würde sich eigentlich mein Schreiben in dieser Sache erübrigen.“

Staatsanwalt: Nun, der einzige, der wohl nicht einig war, war doch Herr Bischoff selbst. Er stellte den gemeinsam getroffen Beschluss als einziger nachträglich wieder in Frage. Was schlug er weiter vor?                                                      weiterlesen

 

 

Reaktion auf den Dravevortrag

!!! Offener Brief vom ehemaligen Apostel Sepers, direkte Antwort Stap. Leber mit vielen kritischen Kommentaren

Stap. Leber erhielt  außerdem von Matthias Knauth (VAG) am 4. Januar 2008 ein Offenes Schreiben mit deutlicher Kritik an den Ausführungen Draves, das Leber ebenfalls in einem Offenen Brief beantwortete.  Dieses Schreiben von Stap. Lebers ist sogleich ein weiteres und klares  Zeugnis pseudoargumentativer  Scheinrhetorik. Folgende Aussagen wurden von Dr. Leber in seinem Antwortschreiben gemacht:

 

  • Die von Apostel Drave vorgetragenen Ergebnisse sind allesamt belegbar.
  • Sie beklagen, dass die Präsentation "voll von Wertungen, Unterstellungen und Behauptungen" sei. Wie gesagt, sind die Aussagen allesamt belegbar.
  • Eine lückenlose Beweisführung im Internet würde jeden Rahmen sprengen.
  • Aber ich gebe zu, dass die Art der Darstellung als Wertung empfunden werden kann.
  • Vielleicht gibt es auch die Vorstellung, dass die Aktenlage auch andere Schlussfolgerungen ermöglicht.
  • Letztlich stellt sich die Frage, ob die Aktenlage überhaupt ein ausreichendes Bild der seinerzeitigen Vorgänge  ermöglicht.
  • Insgesamt ist festzustellen, dass die vorgestellte Präsentation nur ein erster Versuch zur Darstellung dieses Zeitabschnittes darstellt.
  • Ich versichere Ihnen, dass es uns tatsächlich darum geht, die Wahrheit, soweit überhaupt möglich, herauszufinden und uns ihr zu stellen.

Um die Unhaltbarkeit dieser Äußerungen zu beweisen muss man aber weder, wie von Leber angedeutet, zu weiteren Gesprächen zusammenkommen noch fremde Quellen zurate ziehen, weil seine eigenen Aussagen sich bereits selbst widersprechen:

Analyse (DS) der Aussagen Lebers zum Arbeitspapier:
1.
      Letztlich stellt sich die Frage, ob die Aktenlage überhaupt ein ausreichendes Bild der seinerzeitigen Vorgänge ermöglicht.

Steht im Widerspruch zur Behauptung:

      Die von Apostel Drave vorgetragenen Ergebnisse sind allesamt belegbar. 

2.
      Eine lückenlose Beweisführung im Internet würde jeden Rahmen sprengen.

Dies impliziert nun, dass es aber jederzeit möglich wäre und widerspricht damit der obigen Aussage sowie der eingrenzenden Versicherung, dass es tatsächlich darum geht, die Wahrheit, soweit überhaupt möglich, herauszufinden und sich ihr zu stellen. 

3.
      Sie beklagen, dass die Präsentation "voll von Wertungen, Unterstellungen und  Behauptungen" sei. Wie gesagt,  sind die Aussagen allesamt belegbar.

Widerspricht der im folgenden plötzlich eingrenzenden Sicht auf die eigene Darstellung und bestätigt eher die Richtigkeit der vorigen Klage:

      Insgesamt ist festzustellen, dass die vorgestellte Präsentation nur ein erster Versuch zur Darstellung dieses Zeitabschnittes darstellt.

4.
     Vielleicht gibt es auch die Vorstellung, dass die Aktenlage auch andere Schlussfolgerungen ermöglicht.       

Widerspricht den eigenen nun sogar selbst in Frage gestellten  Aussagen:

       Letztlich stellt sich die Frage, ob die Aktenlage überhaupt ein ausreichendes Bild der seinerzeitigen Vorgänge  ermöglicht  nur ein erster Versuch zur Darstellung 

5.
        ... soweit überhaupt möglich, herauszufinden ...

Widerspricht der Eingangsbehauptung:

      Die von Apostel Drave vorgetragenen Ergebnisse sind allesamt belegbar. 

6.
Die abschließende Formulierung:

       Eine Verweigerungshaltung hilft jetzt, wie ich meine, nicht weiter.

ist allein sprachlich durch die Vokabel „Verweigerungshaltung“ wie ein Vorwurf an ein trotziges Kind zu verstehen und schon deswegen und wegen der hier in Kürze dargestellten Widersprüchlichkeiten eine zweite schallende Ohrfeige an die VAG und im weiteren an alle denkenden Menschen!

7.

Aber mehr noch: Durch die Zugeständnisse ...

  •       Letztlich stellt sich die Frage, ob die Aktenlage überhaupt ein ausreichendes Bild der seinerzeitigen Vorgänge ermöglicht
     
  •       nur ein erster Versuch zur Darstellung
     
  •       ... soweit überhaupt möglich, herauszufinden ...
     
  •       ich gebe zu, dass die Art der Darstellung als Wertung empfunden werden kann

... erweist sich sogar durch Leber selbst die Draveschilderung letztlich als nur vorläufige, einseitige und subjektive Darstellung und widerlegt damit nochmals Lebers Behauptung:

      Die von Apostel Drave vorgetragenen Ergebnisse sind allesamt belegbar. 

 

Mittlerweile ist Drave am 9.5.2010 von Stap.Leber zur Ruhe gesetzt worden. Er habe, so Leber in seiner Ansprache, "großartiges Sendungsbewußtsein" ! Hervorzuheben sei seine "einfühlsame, sensible und schöne Seelsorge". Sein Verdienst sei hoch zu würdigen, denn er habe "manches in Bewegung gebracht".  Zusammenfassend sagte Stammapostel Leber wörtlich:  "Du bist und warst der Edelste von uns". Über seinen Ruhestand hinaus behält Drave laut GK die Leitung der Projektgruppe "NAK-Geschichtsaufarbeitung"!!

Private Aufzeichnungen des Apostels Kuhlen  zeigen ein durchaus anderes Bild. Und wie stark sich die alte Problematik gerade durch die stark verfälschende Sicht unter strikter Ausklammerung der "Botschaft" von Stap. Bischoff (dass Gott seinen Sohn noch zu dessen Lebzeiten senden würde, um die würdigen NAK-Mitglieder zu sich zu holen) auf Apostel Kuhlen heute immer noch auswirkt, zeigt ein  Offener Brief an Ap. Drave und ein Interviewvom August 2007, in dem sich der Sohn Werner Kuhlen, damals 82 Jahre alt, wie folgt über seinen Vater äußert:

 

"Werner Kuhlen: Er kam ja aus ganz armen Verhältnissen – bitterarm.  Die Kirche war faktisch alles für ihn. Und diese Hinterhältigkeiten, die meinem Vater fremd waren, die haben ihn praktisch umgehauen. Ich kann nur eines sagen, wie ich meinen Vater erlebt habe, da war der Canossagang bestimmt nicht schlimmer als das, was er dort durchmachen musste. Das wirkte sich ja auch innerhalb der Familie aus, es war ein ständiges Thema, es gab viele Gespräche mit Brüdern die zu uns nach Hause kamen, ich kannte ja auch alle Apostel persönlich. Allerdings: Worte von Hass oder Vergeltung, das hat es bei uns zu Hause nie gegeben. Mein Vater hat niemals über die anderen Apostel hässlich gesprochen, auch über Bischoff nicht, sondern sie immer in Schutz genommen. Bis zum Schluss. Das kann ich eindeutig bezeugen. Es wurde mit viel Beten um brüderliche Verbindung gerungen. Auch das war für mich Vorbild. Und ich habe Gebete mit ihm erlebt, da sind sehr, sehr viele Tränen geflossen. Ich hatte einen todtraurigen Vater. ... Die Kirche war sein ganzes Leben. Die Exkommunikation war eigentlich, das möchte ich noch einmal betonen, nicht dergestalt allein, dass er aus dem Amt gehoben wurde, sondern soweit, dass er die Kirche nicht mehr betreten durfte. Das war finsteres Mittelalter! Damals war das unter dem Wort „Bannbulle“ üblich. Die Exkommunikation war eine totale."

 

Weiteres Material:      

In meiner Arbeit "Konstitutive Merkmale der NAK" (DS) habe ich umfangreich historisches und sehr schwer zugängliches Quellenmaterial von den Anfängen der NAK bis in die heutige Zeit zusammengestellt und in einer kritischen Analyse kommentiert.

Das Manifest "Über die Zustände und Tendenzen in der Neuapostolischen Gemeinde" von Otto Güttinger (1954)

Das tragische Erbe des J.G. Bischoff - Die Botschaft wird 60 von Rudolf Stiegelmeyr (Neuerscheinung Dez. 2011)