Der Mensch kann nicht wissen, was Gott ist. Etwas weiss er wohl: was Gott nicht ist! (Meister Eckhart)
Immer wieder wird stereotyp von neuapostolischen Amtsträgern betont, sie verkünden das Wort Gottes als einen Strom des lebendigen Wassers! Und Stap. Fehr meinte einmal beim Gang in die Halle zum GD lässig: „Die anderen haben doch nichts!“ Wer diese Aussage prüfen möchte, kann hier in einer buntgemischten Sammlung die Qualität „anderer“ Predigten feststellen. Natürlich handelt es sich um ausgesuchte Quellen, die ich im Laufe der Jahre so zusammengefunden habe. Vieles davon ist auch heute nicht mehr im Netz. Aber eines ist auch aus meiner eigenen Erfahrung der gehörten Predigten in der evangelischen Dorfkirche in Berlin-Rudow klar: Mehr als einmal sprudelte es dort wirklich (hier ein Beispiel), während gleichzeitig die Reden der NAK in den Gemeinden meist nichts als einlullende Allgemeinplätze waren und sind. Wer einmal lesen möchte, was aktuell vor Ort z.B. Jugendlichen der NAK gepredigt wird, kann das auf der Homepage der Jugend von Göppingen gerne tun.
Durch das Anklicken der nun folgenden Überschriften gelangen Sie zur vollständigen Predigt. Sollte ich durch die Einstellung der Texte persönliche Rechte verletzt haben, bitte ich um Zuschrift. Ich werde diese Texte dann umgehend entfernen.
Predigten und Traktate von Meister Eckhart:
Immer noch nachdenkenswert sind diese 700 Jahre alten Texte. Und, gemessen an den neuapostolischen Simplifizierungen, was an theologischem Denken und spirituellen Erfahrungen ist jedem NAK-Mitglied dadurch in seinem Leben vorenthalten worden und versagt geblieben?
Seine kühnen Formulierungen trugen Meister Eckhart schwere Vorwürfe ein. 1326 wurde er von der Inquisition angeklagt. 1329, ein Jahr nach seinem Tod, verurteilte Papst Johannes XXII. Sätze des Meisters als "irrig", als "verwegen" und als "verdächtig". Fortan wurden Eckharts Werke anonym verbreitet.Einige von Meister Eckharts 1329 u.a. als ketzerisch verurteilten Sätzen (Quelle):
Ich habe neulich darüber nachgedacht, ob ich wohl von Gott etwas annehmen oder begehren wollte: Ich möchte mir das gar sehr überlegen, weil ich da, wo ich der von Gott Empfangende wäre, unter ihm oder unterhalb seiner stünde, wie ein Diener oder Knecht; er selbst aber ein Herr wäre durch sein Geben; und so soll es mit uns nicht stehen im ewigen Leben.
Gott ist weder gut noch besser noch vollkommen; wenn ich Gott gut nenne, so sage ich etwas ebenso Verkehrtes, als wenn ich das Weiße schwarz nennen würde.
Gebt nun acht! Gott ist namenlos, denn von ihm kann niemand etwas aussagen oder erkennen. Darum sagt ein heidnischer Meister: Was wir von der ersten Ursache erkennen oder aussagen, das sind wir mehr selber, als dass es die erste Ursache wäre; denn sie ist über alles Aussagen und Verstehen erhaben. Sage ich demnach: Gott ist gut - es ist nicht wahr; ich (vielmehr) bin gut, Gott aber ist nicht gut! Ja, ich möchte darüber hinaus sagen: Ich bin besser als Gott! Denn, was gut ist, das kann besser werden; was besser werden kann, das kann zum Allerbesten werden. Nun aber ist Gott nicht gut; darum kann er nicht besser werden. Weil er denn nicht besser werden kann, so kann er (auch) nicht das Allerbeste werden; denn fern ab von Gott sind sie alle drei: »gut«, »besser« und »allerbest«, denn er ist über alles erhaben. Sage ich weiterhin: Gott ist weise - es ist nicht wahr; ich bin weiser als er! Sage ich ferner: Gott ist ein Sein - es ist nicht wahr; er ist (vielmehr) ein überseiendes Sein und eine überseiende Nichtheit! (... und hier noch mehr Predigten, Traktate und Sprüche von Meister Eckhart)
Vom Zauber eines neuen Anfangs
Es stirbt die alte Gestalt der Kirche, die neue ist im Kommen. Sieben Provokationen im Geiste von Pfingsten.
Glasseelenpredigt: Es gab, so wird erzählt, eine lange Ratssitzung im Himmel: Im
Mittelpunkt stand die Frage: Ob die Menschen eine sichtbare oder eine unsichtbare Seele bekommen sollten. "Eine unsichtbare Seele", sprach Gott. "Eine Seele, die den Menschen ganz erfüllt, die er in jedem Teil seines Körpers trägt und spürt." Der Erzengel Gabriel schüttelte voller Bedenken sein weises Haupt: "Die Menschen wollen etwas Handhabbares,
etwas zum Anfassen. Eine unsichtbare Seele... ich fürchte, sie werden bald vergessen, dass sie eine Seele haben, wenn sie sie nicht ständig anschauen können."
Risiken und Nebenwirkungen "Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen sie bitte die Packungsbeilage und fragen sie ihren Arzt oder Apotheker." Sie kennen diesen Satz, der bei der Werbung für die meisten wirksamen Medikamente genannt werden muß. Der Verbraucher wird hierdurch davon in Kenntnis gesetzt, daß ein solches Medikament bei falschem Gebrauch nicht mehr der Heilung dient, sondern zu einer Art Gift werden kann. Manchmal gibt es Worte im Raum der Religion, die ähnliche Nebenwirkungen haben, die wie Gift mein Verhältnis zu Gott und den Menschen beeinträchtigen können.
Dunkel … es gibt Zeiten, da ist das Leben selbstverständlich. Da gibt es keinen Zweifel, dass nach dem heutigen Sonntag der Montag kommt. Da gibt es Pläne, Ziele, Zukunft. Da freut man sich – still oder auch einmal lautstark – dass man am Leben ist. Aber manchmal kommt diese Selbstverständlichkeit abhanden. Da staunt man, dass man es überhaupt bis hierher geschafft hat. Da lebt man nicht mehr, sondern funktioniert nur noch.
Effata ... hatte früher das Kirchenvolk Ängste, so kommen diese jetzt vor allem von der Hierarchie. Angst vor der Entwicklung, Angst vor den Tatsachen, fehlender Mut sich der Wirklichkeit zu stellen und Rückzug hinter scheinbar feste Mauern. Dies aber führt in die Einsamkeit und es ist schade, wenn die Kirche gleichsam sprachlos vor den Menschen steht, wenn sie nicht mehr auf der gleichen Wellenlänge sendet, wenn sie die Probleme der Menschen nicht mehr vernehmen kann, weil sie sich eingeigelt und abgekapselt hat. Taube - stumme Kirche. Und da helfen auch großartig aufgezogene Papstreisen nicht weiter …
Ich Jesus hatte unmittelbaren Kontakt zu Gott. "Vater" hat er zu ihm gesagt. Und diesen unmittelbaren Kontakt hat er für jeden Menschen geöffnet: "Wenn ihr betet, so sagt: Unser Vater ..." Da braucht es keine Vermittler mehr, keine Priester, keinen Tempel. Jeder Mensch hat unmittelbaren Zugang zu Gott. Natürlich ist es gut, wenn man auch in Gemeinschaft betet, wenn man sich trifft, Gottesdienste feiert, sich gegenseitig stützt und trägt. Aber im Kern unseres Glaubens stehen wir höchstpersönlich in intimster Verbindung mit dem, der uns geschaffen hat.
Ökumene ... Und evangelische Christen würden erkennen, daß die katholischen Gemeinden durchaus selbstbewußte Filialen der katholischen Weltkirche sind und nicht am kurzen Bändel geführte Marionetten des Papstes. Sie würden entdecken, daß wir nicht den Schnupfen bekommen, nur weil der Papst mal hustet, sondern daß wir ihm die Empfehlung geben, sich wärmer anzuziehen. Sie würden weiter entdecken, in welcher Fülle die Bibel im Gottesdienst zur Sprache kommt, auf welche volksverbundene Art wir das Abendmahl feiern zu dem alle eingeladen sind unabhängig von der Konfession, und wie um die Wahrheit gerungen wird, ohne dauern Dogmen zu zitieren. Ja, das wäre wirklich Ökumene.
Und katholischen Christen könnten bei einem solchen Mitfeiern entdecken, daß die evangelischen Christen nicht die ärmeren Brüder und Schwestern sind, welche eben nicht die ganze Wahrheit haben, sie würden spüren, mit welchem Ernst die Bibel ausgelegt wird und sie würden die evangelischen Traditionen ernster nehmen und nicht unterstellen, die sei Christentum auf Sparflamme.
Petrus Es gibt Zeiten in unserem Leben, da werden wir in Frage gestellt. Da wird einem alles, was sicher schien und auf das man sich verlassen konnte, zur Unsicherheit. Es sind Zeiten, da fragen wir uns, warum wir eigentlich leben und was unsere Motive sind, aus denen wir handeln, und es geschieht, daß Lebensplanungen und -wege sich ändern.
In Frage gestellt zu sein, ist eine zutiefst religiöse Erfahrung, denn jede Religion will in die Tiefe der menschlichen Seele dringen, an den Ort, wo ich nur auf mich geworfen bin und sich für mich und einen jeden klären muß, warum ich bin.
Der verlorene Sohn Ein junger Mann hat in seinem Elternhaus die Nase voll und will nur noch eines: einfach weg! Man kann das verstehen, wenn ein Junge heranwächst in einer Umgebung, die so makellos und wohlbestellt ist, so fehlerfrei, so tugendhaft, in den Augen des Jugendlichen einfach unerträglich langweilig. All das schnürt ihm die Luft ab. Raus, nur raus! So denkt er! Raus, nur raus! So handelt er! In das wirkliche Leben; so meint er!
Das Jungfrauengleichnis … gefällt Ihnen dieses Gleichnis? Finden Sie es gerecht, was der Bräutigam mit den Frauen macht? Viele haben Mühe mit diesen Worten Jesu und sie wecken in ihnen Widerstand - wohl auch deswegen, weil in den Augen vieler Menschen die fünf klugen Jungfrauen immer als tugendhafte Vorbilder und die fünf törichten als bedauernswerte Versager erscheinen. Das Gleichnis, so möchte man meinen, bietet sich förmlich an mit drohend erhobenem Finger erzählt zu werden und ohne es konkret belegen zu können, wird es sicherlich in dieser Form auch geschehen sein: "Passt nur auf", so hört man in sich Prediger rufen, "dass ihr genug Öl im Krug habt - sonst geht es euch schlecht! Ohne Leistung, ohne gute Werke, ohne Tugend ... kommt niemand in den Himmel!"
Kommt alle zu mir Ganz selbstverständlich gehen wir davon aus, daß die Christusgläubigen in besonderer Weise Gott nahe sind, allerdings dies in unterschiedlicher Abstufung:
- Wenn sie katholisch sind, dann dürfen sie hier sein;
- sollten sie evangelisch sein, dann dürfen sie sich mehr am Rande aufhalten;
- sind es Muslime, dann gehören sie überhaupt nicht hierher;
- sind es Hindus, dann haben sie uns als Heiden zu gelten.
Ganz anders Jesus - GANZ ANDERS Jesus. Er meinte, daß es doch möglich sein muß, allein darauf zu achten, daß alle Menschen Gottes Kinder sind und das Gott nichts anders will als ihr Glück. Heilen will er alles Leid der Menschen, denn Leid ist überall auf der Welt das gleiche und kennt keine Grenzen. …
“Kommt alle zu mir, ihr Mühseligen und Beladenen, ich will euch Ruhegeben - mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht“
Warum sollten wir dann nicht Phantastisches wagen? Wen er einlädt, haben wir zu empfangen. Wo er keine Einlaßbedingungen einforderte, müssen wir keine aufzustellen, und wo er die Türen zu Gott weit öffnete, brauchen wir sie nicht ängstlich wieder enger machen.
Turmbau Ab und an gibt es Augenblicke im eigenen Leben, da fragt man sich, was eigentlich in den letzten Wochen, Monaten und Jahren geschehen und wo die Zeit geblieben ist. Es sind Augenblicke, die nach den eigenen Wurzeln fragen. Solch ein Zeitpunkt ist auch in diesen Tagen für mich: Seit 10 Jahren Priester und seit knapp 3 Jahren hier in Bielefeld als Pastor der kath. Gemeinde St. Kunigunde. Grund zu fragen, wo die Wurzeln liegen, und wo es hin gehen könnte …
Halbe Heilung ... Jetzt sieht er alles, Menschen, Häuser, Laufen, Rennen, sieht Tränen und Lust, sieht Lachen und Tanzen, sieht was ein Abgrund ist und sieht das Erschrecken, da laufen Menschen Arm in Arm und ein Strahlen liegt in ihren Gesichtern, Kinder schauen ihm in die Augen, und er fühlt ihren freien Blick, zum ersten Mal. Doch da ist kein Zusammenhang zwischen allem was er sieht. Da kann man mit beiden Augen sehen und doch nichts will sich so zueinander fügen, dass es passt.
„Wer erklärt es mir, dass Bettler ihre Hände nach einem Geldstück ausstrecken und andere mit erhobenen Blick an ihnen vorbeigehen?
Wie gehört es zusammen, das Lachen der Kinder und der zahnlose Mund der Alten?“
Er presst die Augen zusammen, die Bilder will er vertreiben. Da ist dann wieder das Spiel der Stimmen und Geräusche der Takt der Straße „ohne alles zu sehen lebt es sich besser“. „Ach wäre ich doch nicht sehend geworden!“ will sein Verstand denken und den Schmerz des Gesehenen aus dem Kopf vertreiben.
"Nein und Halleluja", statt "Ja und Amen" Freude sei mit Euch und Freundlichkeit und Freundschaft - und die Tugend der Höflichkeit, den Anderen wahrzunehmen und zu grüßen, und zu sehen, daß Gott uns wieder einmal zusammengeführt, um seinem Worte zu begegnen - und auch, um uns einzugestehen, daß wir auch weiterhin nur Stückwerk sind und bleiben, wenn nicht sein Wort ein Licht auf unseren Wegen wäre, die wir für lang und endlos halten, die aber nur ein kleines Stück voll von Schein und Trug sind, und als Ergebnis stellt sich doch oft ein lächerliches Bild heraus - ein falsches Photo, auf dem der Anfang und das Ende fehlen, abgeschnitten, einfach abgeschnitten sind.
"Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort" - und so auch wir: am Anfang kamen und kommen wir von Gott, und am Ende gingen und gehen wir zu Gott. Wie oft sind wir aber schon nicht mehr in der Lage, meine Freunde und Freundinnen, diesen großen Bogen, diesen wunderbaren Zusammenhang, diesen Zusammenhalt ganz "ohne wenn und aber" zu erkennen, geschweige denn anzuerkennen und dadurch kreativ zu werden in Gottes Namen, mit seinem Wort!
Reich Gottes „Reich Gottes" - das war praktisch das Lieblingswort Jesu. Immer wieder sprach er davon, in Gleichnissen und Geschichten. Immer wieder umkreiste er dieses Thema, und eines Tages reichte es den Pharisäern, den Profitheologen von damals. Sie nahmen, was sie sonst nie taten, dieses Wort Jesu selbst in den Mund und fragten ihn ganz direkt: „Wann kommt denn dieses Reich Gottes?" - Was Jesus ihnen darauf antwortete, das enthält in wenigen Worten den tiefsten Kern unseres christlichen Glaubens.
Jesus sagte:
Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man's beobachten kann. Man wird nicht sagen: Schaut, hier ist es! Oder: Da ist es! Denn, seht her: Das Reich Gottes ist mitten in euch. (Lukas 17, 20 - 22)
Vielleicht haben Sie den letzten Satz anders im Ohr, liebe Hörerinnen und Hörer. In der älteren Lutherübersetzung heißt es „Das Reich Gottes ist inwendig in euch." In der neueren Fassung lautet die Stelle nun „Das Reich Gottes ist mitten unter euch." Dahinter steckt ein theologischer Streit, und der ist (wie viele geistliche Streitigkeiten) höchst interessant und höchst überflüssig zugleich. Denn es ist beides richtig.
Gedanken zum Tauftag von D. W. R., Mai 1944 von D. Bonhoeffer ... Unsere Kirche, die in diesen Jahren nur um ihre Selbsterhaltung gekämpft hat, als wäre sie ein Selbstzweck, ist unfähig, Träger des versöhnenden und erlösenden Wortes für die Menschen und für die Welt zu sein. Darum müssen die früheren Worte kraftlos werden und verstummen …
Gott braucht keine Opfer … Ein Lamm, ein Opferlamm wurde dort dargebracht, um die Gottheit zufrieden zu stellen. Es galt, sich Vergebung oder gutes Wetter oder Gesundheit zu erbitten - der Preis: das Opfertier. Im Christentum nun ist Jesus dieses Lamm, das sich selbst als Opfer dargebracht hatte auf dem Altar des Kreuzes, um alle Sünde der Welt zu tilgen - er ist Priester und Opfer zugleich.
Ich frage Sie: ist das unsere selbstverständliche Antwort?
Sieht so eine der zentralen Aussagen des Christentums aus?
Wenn das so wäre, dann hätten wir nichts anderes getan, als mit großer Selbstverständlichkeit die martialischen Vorstellungen der Götzenkulte auf Christus und Gott zu übertragen, natürlich geziert mit blumigen Worten. Eine große Gefahr liegt hier verborgen. Eine Gefahr die deutlich wird, wenn wir die Auswüchse dieses Denkens betrachten, die sich im Mittelalter herausgebildet hatten. Wie selbstverständlich ging man davon aus, daß auch der christliche Gott seinen Preis für die Erlösung und die Vergebung hätte. Dieser Preis sei der Sohn Gottes selbst. Es entwickelte sich die Vorstellung, die Welt und die Menschen seien so verdorben und so schlecht, daß allein göttliches Blut in der Lage sei, dies alles wieder rein zu waschen.
Ich sage Ihnen: an einen solchen Gott glaube ich nicht!
Nächstenliebe Wenn wir die Evangelien lesen, dann spüren wir auf Schritt und Tritt den Konflikt, in welchem Jesus mit den Vertretern der amtlichen Religion stand. Da erkundigt man sich - wie wir eben hörten - nach einem Gotteswort, nach einem Gebot nach einer Weisung, aber nicht um wirklich zu wissen, was den anderen innerlich bewegt, sondern vielmehr um eine Handhabe gegen ihn zu haben. So geschieht es immer wieder in der Umgebung Jesu. Ja, man gewinnt den Eindruck, daß dieser Konflikt ein jedes Mal vorprogrammiert ist. Denn Jesus geht mit der Religion und dem Wort Gottes anders um, als seine Gegenspieler. Diese nämlich scheinen zu meinen, das Wort Gottes sei zu vergleichen mit herkömmlichen Gesetzten der menschlichen Ordnung. Deswegen gehen sie wie selbstverständlich davon aus, daß das Leben und das Glauben dieses Gotteswortes etwas "Auswendigzulernendes" sei.
Ich weiß - leicht sind auch wir versucht, in dieser Weise mit Gottes Wort umzugehen.
Des Geistes neue Kleider … Wir Christen reden ohne Unterlaß von ihm (…dem Heiligen Geist), im Gottesdienst, in der Predigt, im Religionsunterricht, in bischöflichen Hirtenbriefen und päpstlichen Ansprachen und wir wagen nicht zuzugeben, daß er eigentlich keine Rolle bei uns spielt, daß wir als Christen ganz gut ohne ihn zurande kommen.
Wo ist das kleine Mädchen, das uns zuruft: Ihr habt ja gar nichts an, Ihr kommt ja in Unterhosen daher? Hat uns noch niemand die Augen geöffnet? Oder wollen wir es nicht wahrhaben, genauso wenig wie der Kaiser und all die Vornehmen im Märchen?
Doch auch im Märchen haben alle gemerkt, was Sache ist, bloß zugeben konnten und wollten sie es nicht. Niemand hatte den Mut dazu.
Wer hat heute in unserer Kirche und Gemeinde den Mut, laut auszurufen, daß wir alle in unseren heidnischen Unterhosen daherkommen und daß von der Kraft des Gottesgeistes nichts zu spüren ist. …