Michelangelo "Die Erschaffungs Adams" (Ausschnitt)

Der Mensch kann nicht wissen, was Gott ist. Etwas weiß er wohl: was Gott nicht  ist! (Meister Eckhart)

Einleitung zu den nachfolgenden Texten:

Immer wieder wird stereotyp von neuapostolischen Amtsträgern betont, sie verkünden das Wort Gottes als einen Strom des lebendigen Wassers! Und Stap. Fehr meinte einmal beim Gang in die Halle zum GD lässig: „Die anderen haben doch nichts!“ Wer diese Aussage prüfen möchte, kann hier in einer buntgemischten Sammlung die Qualität „anderer“ Predigten feststellen. Natürlich handelt es sich um ausgesuchte Quellen, die ich im Laufe der Jahre so zusammengefunden habe. Vieles davon ist auch heute nicht mehr im Netz. Aber eines ist auch aus meiner eigenen Erfahrung der gehörten Predigten in der evangelischen Dorfkirche in Berlin-Rudow klar: Mehr als einmal sprudelte dort eine lebendige und anrührende Predigt (hier ein Beispiel), während gleichzeitig die Reden der NAK in den Gemeinden weitestgehend nichts als einlullende Allgemeinplätze waren und sind. 

Hinweis: Durch das Anklicken der folgenden Überschriften gelangen Sie zum vollständigen Text. Die eingefügten Textproben sind immer nur Auszüge. Sollte ich durch die Einstellung der Texte persönliche Rechte verletzt haben, bitte ich um Zuschrift. Ich werde diese Texte dann umgehend entfernen.

 

25.3.2016 Toleranz – Glaube – Liebe? Ein Text von K.H. Stockhausen

Auch wenn das folgende Großzitat offensichtlich nichts mit Religion zu tun hat, handelt es sich bei der Zielgruppe doch um musikinteressierte Menschen, die für die ungewöhnlichen Klänge der damals noch neuen, elektronischen Musik aufgeschlossen werden sollten, sind mir diese Gedanken seit dem ersten Lesen nicht mehr aus dem Kopf gegangen, obwohl ich Stockhausens Musik nach wie vor mehr als merkwürdig finde. Im Internet ist dieser Text bisher nicht zu finden, also habe ich ihn hier eingestellt. Möge jeder Leser zunächst selbst entdecken, ob ihm dieser Text etwas sagt und was er vielleicht doch mit Religion zu tun haben könnte ...

K.H. Stockhausen: Aus: An Stelle eines Vorworts, in: K. Stockhausen: Texte zur elektronischen  und  instrumentalen  Musik,  a.a.O.  S.  11—13)   

Ich denke, jeder hat seine persönlichen Fähigkeiten und Talente und wird immer den Versuch machen, diese zu entdecken und zu entfalten. Was einer hervorbringt, ist allen anderen ein Zeichen für die in ihm wohnende Kraft — sie ist nicht sein Verdienst, sondern ein ihm gegebenes Geschenk, das er behüten, aus dem er etwas machen soll, damit die anderen teilnehmen können. (…) Es wird — selten zwar, doch immer öfter — das Wort ´Toleranz' im Zusammenhang mit neuen Erfindungen im Bereich der Kunst erwähnt: wenn man auch nicht mit ihnen einverstanden sei, so müsse man sie doch tolerieren. Ich habe mich oft gefragt, ob ich die Arbeit der Forscher und Erfinder auf Gebieten, die wir nicht der Kunst zurechnen, auch toleriere, oder ob ich sie nicht vielmehr mit Interesse und Liebe verfolge, ihnen Glück bei der Arbeit wünsche und mich jedes Mal freue, wenn sie wieder Neues entdeckt, erfunden haben.

Die Toleranz ist die erste Stufe: den anderen und die Vielfalt der Gedanken und Werke gelten lassen. Aber die Toleranz bleibt noch draußen, sie geht nicht in den anderen hinein und lässt ihn nicht zu nahe kommen; sie nimmt nicht teil. Die zweite Stufe ist der Glaube: Er nimmt teil am anderen, setzt sich für ihn ein, vertraut seiner Arbeit. Die dritte Stufe ist die Liebe: sie ist erfüllt von der Gewissheit, dass die Menschheit in aller Vielfalt an dem einen Werk der Selbstvervollkommnung arbeitet und dass jede Erfindung, jede schöpferische Arbeit dazu beiträgt, sofern sie aus Liebe hervorgeht und mit der Behutsamkeit von Liebenden getan wird — seien sie nun Naturforscher oder Mathematiker oder Ärzte oder Künstler oder Menschen, deren Tätigkeit ohne Berufsnamen im Stillen sich vollzieht.             

Kurze Gedankenanstöße zum Text:  Der Begriff der "Religion" ist und wird immer subjektiv orientiert und interpretiert werden - das ist seine genuine Basis. Und "Glaube-Liebe -Hoffnung" sind gerne und allzuoft christliche Grundbegriffe, die besonders in Sekten völlig sinnentleert Verwendung finden oder gar deutlich zur Indoktrination missbraucht werden. Gerade über den Bibeltext hinaus könnte man aber aus diesen Gedanken Stockhausens eine ethische Grundlage ableiten, die als (utopisches) Prinzip das allgemein menschliche Sein und Miteinandersein formuliert. Die Grundhaltung dieses Textes  missioniert den Anderen nicht, zwingt ihm nicht etwas auf, was er nicht will und geht auch nicht davon aus, dass die eigene (subjektive) Positionierung mehr Wert hat als die des Anderen. Die Taten/ Werke etc. des "Anderen" brauchen aber eine Voraussetzung, um in diesem Rahmen akzeptiert werden zu können (sonst könnte Z.B. die NAK, jeder glatzköpfige Neonazi oder jeder gewalttätige Vater diesen Text und die daraus folgende Akzeptanz auch für sich einfordern), sie müssen "aus Liebe hervorgehen und mit der Behutsamkeit von Liebenden getan werden ..." , und nicht  einer dumpfen Schwarz-Weißsicht oder der typischen, fundamentalistischen Grundhaltung: "I´am right, you are wrong - go to hell!" entspringen.   Es wäre viel erreicht, wenn ein solches Verständnis von Toleranz, Akzeptanz und Liebe auch wirklich tief  die mitunter nur oberflächlich christlich orientierten Lebensstrukturen  bzw. gepredigten Maximen durchdringen und das alltägliche Leben in jeglicher Richtung (Kultur, Politik, Pädagogik, Umgang, Religion ...)  prägen würde.       

 

Predigten

DIE REISE OHNE GEPÄCK (Helmuth Thielicke)  ... Aber nun tut er den Mund auf. Warum geht er zum Reden über, wo das Elend nach Taten schreit? jetzt kommt wohl die Theorie und die Lehre, denken die Menschen, von der man nicht satt und gesund wird, die einem den wärmenden Ofen nicht ersetzt, den toten Sohn nicht wiedergibt und die bange Leere der Zukunft nicht ausfüllt.

ja, noch mehr: jetzt macht er einen durch seine Worte vielleicht nur noch kränker. - Hat man das nicht immer wieder feststellen wollen? Die Werke der praktischen Nächstenliebe in Ehren! Aber hat die »Lehre«, hat das »Dogma« des Christentums nicht Elend über Elend gebracht? Hat es nicht in einem fort Scheidungen und Gräben zwischen die Menschen gelegt? Hat es nicht Gemeinschaften auseinandergebrochen, Kriege entfesselt, die Gewissen beunruhigt und den Frieden von der Seele genommen?

So denken die Menschen auch jetzt: Was wird der schon zu sagen haben?

Wahrscheinlich das, was doch bereits alle wissen: daß sich in dem Jammer und in dem Leid, das da vor ihm versammelt ist, ein Gericht zeigt; daß die Schöpfung verdorben ist und so weiter. O, wir kennen dies alte Lied der Prediger! ...

Die Menschen, die um Jesus versammelt sind, wissen es oder meinen es doch zu wissen, was nun kommen muß, als Jesus den Mund auftut: die Kriegserklärung Gottes an die Menschen und die Anprangerung der Schuld, die peinvolle und peinliche Durchleuchtung der innersten Gedanken, an denen Gott keine Freude haben kann. ...

Und so tut denn Jesus seinen Mund auf, und es geschieht etwas völlig Unerwartetes, das die Menschen zu einer an Entsetzen grenzenden Verwunderung treibt und sie auch nach vollendeter Rede noch lange im Banne hält und nicht zur Ruhe kommen läßt. Jesus sagt nämlich ein vielfaches »Selig seid ihr« zu denen, die da in Leid und Jammer und Schuld um ihn versammelt sind.

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Predigten und Traktate von Meister Eckhart:
Immer noch nachdenkenswert sind diese 700 Jahre alten Texte. Und, gemessen an den neuapostolischen Simplifizierungen, was an theologischem Denken und spirituellen Erfahrungen ist jedem NAK-Mitglied dadurch in seinem Leben vorenthalten worden und versagt geblieben?
Seine kühnen Formulierungen trugen Meister Eckhart schwere Vorwürfe ein. 1326 wurde er von der Inquisition angeklagt. 1329, ein Jahr nach seinem Tod, verurteilte Papst Johannes XXII. Sätze des Meisters als "irrig", als "verwegen" und als "verdächtig". Fortan wurden Eckharts Werke anonym verbreitet.Einige von Meister Eckharts 1329 u.a. als ketzerisch verurteilten Sätzen
(Quelle):


Ich habe neulich darüber nachgedacht, ob ich wohl von Gott etwas annehmen oder begehren wollte: Ich möchte mir das gar sehr überlegen, weil ich da, wo ich der von Gott Empfangende wäre, unter ihm oder unterhalb seiner stünde, wie ein Diener oder Knecht; er selbst aber ein Herr wäre durch sein Geben; und so soll es mit uns nicht stehen im ewigen Leben.

Gott ist weder gut noch besser noch vollkommen; wenn ich Gott gut nenne, so sage ich etwas ebenso Verkehrtes, als wenn ich das Weiße schwarz nennen würde.

Gebt nun acht! Gott ist namenlos, denn von ihm kann niemand etwas aussagen oder erkennen. Darum sagt ein heidnischer Meister: Was wir von der ersten Ursache erkennen oder aussagen, das sind wir mehr selber, als dass es die erste Ursache wäre; denn sie ist über alles Aussagen und Verstehen erhaben. Sage ich demnach: Gott ist gut - es ist nicht wahr; ich (vielmehr) bin gut, Gott aber ist nicht gut! Ja, ich möchte darüber hinaus sagen: Ich bin besser als Gott! Denn, was gut ist, das kann besser werden; was besser werden kann, das kann zum Allerbesten werden. Nun aber ist Gott nicht gut; darum kann er nicht besser werden. Weil er denn nicht besser werden kann, so kann er (auch) nicht das Allerbeste werden; denn fern ab von Gott sind sie alle drei: »gut«, »besser« und »allerbest«, denn er ist über alles erhaben. Sage ich weiterhin: Gott ist weise - es ist nicht wahr; ich bin weiser als er! Sage ich ferner: Gott ist ein Sein - es ist nicht wahr; er ist (vielmehr) ein überseiendes Sein und eine überseiende Nichtheit! (... und hier noch mehr Predigten, Traktate und Sprüche von Meister Eckhart)

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Des Geistes neue Kleider (Pfarrer Klaus Braden) … Wir Christen reden ohne Unterlaß von ihm (…dem Heiligen Geist), im Gottesdienst, in der Predigt, im Religionsunterricht, in bischöflichen Hirtenbriefen und päpstlichen Ansprachen und wir wagen nicht zuzugeben, daß er eigentlich keine Rolle bei uns spielt, daß wir als Christen ganz gut ohne ihn zurande kommen.

Wo ist das kleine Mädchen, das uns zuruft: Ihr habt ja gar nichts an, Ihr kommt ja in Unterhosen daher? Hat uns noch niemand die Augen geöffnet? Oder wollen wir es nicht wahrhaben, genauso wenig wie der Kaiser und all die Vornehmen im Märchen?

Doch auch im Märchen haben alle gemerkt, was Sache ist, bloß zugeben konnten und wollten sie es nicht. Niemand hatte den Mut dazu.

Wer hat heute in unserer Kirche und Gemeinde den Mut, laut auszurufen, daß wir alle in unseren heidnischen Unterhosen daherkommen und daß von der Kraft des Gottesgeistes nichts zu spüren ist.

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Effata (Pfarrer Klaus Braden) ... hatte früher das Kirchenvolk Ängste, so kommen diese jetzt vor allem von der Hierarchie. Angst vor der Entwicklung, Angst vor den Tatsachen, fehlender Mut sich der Wirklichkeit zu stellen und Rückzug hinter scheinbar feste Mauern. Dies aber führt in die Einsamkeit und es ist schade, wenn die Kirche gleichsam sprachlos vor den Menschen steht, wenn sie nicht mehr auf der gleichen Wellenlänge sendet, wenn sie die Probleme der Menschen nicht mehr vernehmen kann, weil sie sich eingeigelt und abgekapselt hat. Taube - stumme Kirche. Und da helfen auch großartig aufgezogene Papstreisen nicht weiter …

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Ökumene (Pfarrer Klaus Braden) ... Und evangelische Christen würden erkennen, daß die katholischen Gemeinden durchaus selbstbewußte Filialen der katholischen Weltkirche sind und nicht am kurzen Bändel geführte Marionetten des Papstes. Sie würden entdecken, daß wir nicht den Schnupfen bekommen, nur weil der Papst mal hustet, sondern daß wir ihm die Empfehlung geben, sich wärmer anzuziehen. Sie würden weiter entdecken, in welcher Fülle die Bibel im Gottesdienst zur Sprache kommt, auf welche volksverbundene Art wir das Abendmahl feiern zu dem alle eingeladen sind unabhängig von der Konfession, und wie um die Wahrheit gerungen wird, ohne dauern Dogmen zu zitieren. Ja, das wäre wirklich Ökumene.

Und katholischen Christen könnten bei einem solchen Mitfeiern entdecken, daß die evangelischen Christen nicht die ärmeren Brüder und Schwestern sind, welche eben nicht die ganze Wahrheit haben, sie würden spüren, mit welchem Ernst die Bibel ausgelegt wird und sie würden die evangelischen Traditionen ernster nehmen und nicht unterstellen, die sei Christentum auf Sparflamme.

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Risiken und Nebenwirkungen (Pfarrer Köhler) "Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen sie bitte die Packungsbeilage und fragen sie ihren Arzt oder Apotheker." Sie kennen diesen Satz, der bei der Werbung für die meisten wirksamen Medikamente genannt werden muß. Der Verbraucher wird hierdurch davon in Kenntnis gesetzt, daß ein solches Medikament bei falschem Gebrauch nicht mehr der Heilung dient, sondern zu einer Art Gift werden kann.  Manchmal gibt es Worte im Raum der Religion, die ähnliche Nebenwirkungen haben, die wie Gift mein Verhältnis zu Gott und den Menschen beeinträchtigen können.

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Dunkel (Pfarrer Werner Küstenmacher) … es gibt Zeiten, da ist das Leben selbstverständlich. Da gibt es keinen Zweifel, dass nach dem heutigen Sonntag der Montag kommt. Da gibt es Pläne, Ziele, Zukunft. Da freut man sich – still oder auch einmal lautstark – dass man am Leben ist. Aber manchmal kommt diese Selbstverständlichkeit abhanden. Da staunt man, dass man es überhaupt bis hierher geschafft hat. Da lebt man nicht mehr, sondern funktioniert nur noch.

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Ich (Pfarrer Werner Küstenmacher) Jesus hatte unmittelbaren Kontakt zu Gott. "Vater" hat er zu ihm gesagt. Und diesen unmittelbaren Kontakt hat er für jeden Menschen geöffnet: "Wenn ihr betet, so sagt: Unser Vater ..." Da braucht es keine Vermittler mehr, keine Priester, keinen Tempel. Jeder Mensch hat unmittelbaren Zugang zu Gott. Natürlich ist es gut, wenn man auch in Gemeinschaft betet, wenn man sich trifft, Gottesdienste feiert, sich gegenseitig stützt und trägt. Aber im Kern unseres Glaubens stehen wir höchstpersönlich in intimster Verbindung mit dem, der uns geschaffen hat.

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Petrus (Pfarrer Köhler) Es gibt Zeiten in unserem Leben, da werden wir in Frage gestellt. Da wird einem alles, was sicher schien und auf das man sich verlassen konnte, zur Unsicherheit. Es sind Zeiten, da fragen wir uns, warum wir eigentlich leben und was unsere Motive sind, aus denen wir handeln, und es geschieht, daß Lebensplanungen und -wege sich ändern.

In Frage gestellt zu sein, ist eine zutiefst religiöse Erfahrung, denn jede Religion will in die Tiefe der menschlichen Seele dringen, an den Ort, wo ich nur auf mich geworfen bin und sich für mich und einen jeden klären muß, warum ich bin. 

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Der verlorene Sohn (Pfarrer Köhler) Ein junger Mann hat in seinem Elternhaus die Nase voll und will nur noch eines: einfach weg! Man kann das verstehen, wenn ein Junge heranwächst in einer Umgebung, die so makellos und wohlbestellt ist, so fehlerfrei, so tugendhaft, in den Augen des Jugendlichen einfach unerträglich langweilig. All das schnürt ihm die Luft ab. Raus, nur raus! So denkt er! Raus, nur raus! So handelt er! In das wirkliche Leben; so meint er! 

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Das Jungfrauengleichnis (Pfarrer Köhler) … gefällt Ihnen dieses Gleichnis? Finden Sie es gerecht, was der Bräutigam mit den Frauen macht? Viele haben Mühe mit diesen Worten Jesu und sie wecken in ihnen Widerstand - wohl auch deswegen, weil in den Augen vieler Menschen die fünf klugen Jungfrauen immer als tugendhafte Vorbilder und die fünf törichten als bedauernswerte Versager erscheinen. Das Gleichnis, so möchte man meinen, bietet sich förmlich an mit drohend erhobenem Finger erzählt zu werden und ohne es konkret belegen zu können, wird es sicherlich in dieser Form auch geschehen sein: "Passt nur auf", so hört man in sich Prediger rufen, "dass ihr genug Öl im Krug habt - sonst geht es euch schlecht! Ohne Leistung, ohne gute Werke, ohne Tugend ... kommt niemand in den Himmel!"

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Kommt alle zu mir (Pfarrer Köhler)  Ganz selbstverständlich gehen wir davon aus, daß die Christusgläubigen in besonderer Weise Gott nahe sind, allerdings dies in unterschiedlicher Abstufung:

  • Wenn sie katholisch sind, dann dürfen sie hier sein; 
  • sollten sie evangelisch sein, dann dürfen sie sich mehr am Rande aufhalten;
  • sind es Muslime, dann gehören sie überhaupt nicht hierher;
  • sind es Hindus, dann haben sie uns als Heiden zu gelten.

Ganz anders Jesus - GANZ ANDERS Jesus. Er meinte, daß es doch möglich sein muß, allein darauf zu achten,  daß alle Menschen Gottes Kinder sind und das Gott nichts anders will als ihr Glück. Heilen will er alles Leid der Menschen, denn Leid ist überall auf der Welt das gleiche und kennt keine Grenzen. …

“Kommt alle zu mir, ihr Mühseligen und Beladenen, ich will euch Ruhegeben - mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht“

Warum sollten wir dann nicht Phantastisches wagen? Wen er einlädt, haben wir zu empfangen. Wo er keine Einlaßbedingungen einforderte, müssen wir keine aufzustellen, und wo er die Türen zu Gott weit öffnete, brauchen wir sie nicht ängstlich wieder enger machen.

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Turmbau (Pfarrer Köhler) Ab und an gibt es Augenblicke im eigenen Leben, da fragt man sich, was eigentlich in den letzten Wochen, Monaten und Jahren geschehen und wo die Zeit geblieben ist. Es sind Augenblicke, die nach den eigenen Wurzeln fragen. Solch ein Zeitpunkt ist auch in diesen Tagen für mich: Seit 10 Jahren Priester und seit knapp 3 Jahren hier in Bielefeld als Pastor der kath. Gemeinde St. Kunigunde. Grund zu fragen, wo die Wurzeln liegen, und wo es hin gehen könnte …

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Halbe Heilung  (Pastor Henning Kiene) ... Jetzt sieht er alles, Menschen, Häuser, Laufen, Rennen, sieht Tränen und Lust, sieht Lachen und Tanzen, sieht was ein Abgrund ist und sieht das Erschrecken, da laufen Menschen Arm in Arm und ein Strahlen liegt in ihren Gesichtern, Kinder schauen ihm in die Augen, und er fühlt ihren freien Blick, zum ersten Mal.  Doch da ist kein Zusammenhang zwischen allem was er sieht. Da kann man mit beiden Augen sehen und doch nichts will sich so zueinander fügen, dass es passt.

„Wer erklärt es mir, dass Bettler ihre Hände nach einem Geldstück ausstrecken und andere mit erhobenen Blick an ihnen vorbeigehen?

Wie gehört es zusammen, das Lachen der Kinder und der zahnlose Mund der Alten?“

Er presst die Augen zusammen, die Bilder will er vertreiben. Da ist dann wieder das Spiel der Stimmen und Geräusche der Takt der Straße „ohne alles zu sehen lebt es sich besser“.  „Ach wäre ich doch nicht sehend geworden!“ will sein Verstand denken und den Schmerz des Gesehenen aus dem Kopf vertreiben. 

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"Nein und Halleluja", statt "Ja und Amen" (Hans Dieter Hüsch) Freude sei mit Euch und Freundlichkeit und Freundschaft - und die Tugend der Höflichkeit, den Anderen wahrzunehmen und zu grüßen, und zu sehen, daß Gott uns wieder einmal zusammengeführt, um seinem Worte zu begegnen - und auch, um uns einzugestehen, daß wir auch weiterhin nur Stückwerk sind und bleiben, wenn nicht sein Wort ein Licht auf unseren Wegen wäre, die wir für lang und endlos halten, die aber nur ein kleines Stück voll von Schein und Trug sind, und als Ergebnis stellt sich doch oft ein lächerliches Bild heraus - ein falsches Photo, auf dem der Anfang und das Ende fehlen, abgeschnitten, einfach abgeschnitten sind.

"Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort" - und so auch wir: am Anfang kamen und kommen wir von Gott, und am Ende gingen und gehen wir zu Gott. Wie oft sind wir aber schon nicht mehr in der Lage, meine Freunde und Freundinnen, diesen großen Bogen, diesen wunderbaren Zusammenhang, diesen Zusammenhalt ganz "ohne wenn und aber" zu erkennen, geschweige denn anzuerkennen und dadurch kreativ zu werden in Gottes Namen, mit seinem Wort! 

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Reich Gottes (Pfarrer Werner Küstenmacher) „Reich Gottes" - das war praktisch das Lieblingswort Jesu. Immer wieder sprach er davon, in Gleichnissen und Geschichten. Immer wieder umkreiste er dieses Thema, und eines Tages reichte es den Pharisäern, den Profitheologen von damals. Sie nahmen, was sie sonst nie taten, dieses Wort Jesu selbst in den Mund und fragten ihn ganz direkt: „Wann kommt denn dieses Reich Gottes?" - Was Jesus ihnen darauf antwortete, das enthält in wenigen Worten den tiefsten Kern unseres christlichen Glaubens.

Jesus sagte:

Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man's beobachten kann. Man wird nicht sagen: Schaut, hier ist es! Oder: Da ist es! Denn, seht her: Das Reich Gottes ist mitten in euch. (Lukas 17, 20 - 22)

Vielleicht haben Sie den letzten Satz anders im Ohr, liebe Hörerinnen und Hörer. In der älteren Lutherübersetzung heißt es „Das Reich Gottes ist inwendig in euch." In der neueren Fassung lautet die Stelle nun „Das Reich Gottes ist mitten unter euch." Dahinter steckt ein theologischer Streit, und der ist (wie viele geistliche Streitigkeiten) höchst interessant und höchst überflüssig zugleich. Denn es ist beides richtig.

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Gedanken zum Tauftag von D. W. R., Mai 1944  D.Bonhoeffer ... Unsere Kirche, die in diesen Jahren nur um ihre Selbsterhaltung gekämpft hat, als wäre sie ein Selbstzweck, ist unfähig, Träger des versöhnenden und erlösenden Wortes für die Menschen und für die Welt zu sein. Darum müssen die früheren Worte kraftlos werden und verstummen …

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Gott braucht keine Opfer (Pfarrer Köhler) … Ein Lamm, ein Opferlamm wurde dort dargebracht, um die Gottheit zufrieden zu stellen. Es galt, sich Vergebung oder gutes Wetter oder Gesundheit zu erbitten - der Preis: das Opfertier. Im Christentum nun ist Jesus dieses Lamm, das sich selbst als Opfer dargebracht hatte auf dem Altar des Kreuzes, um alle Sünde der Welt zu tilgen - er ist Priester und Opfer zugleich.

Ich frage Sie: ist das unsere selbstverständliche Antwort?
Sieht so eine der zentralen Aussagen des Christentums aus?

Wenn das so wäre, dann hätten wir nichts anderes getan, als mit großer Selbstverständlichkeit die martialischen Vorstellungen der Götzenkulte auf Christus und Gott zu übertragen, natürlich geziert mit blumigen Worten. Eine große Gefahr liegt hier verborgen. Eine Gefahr die deutlich wird, wenn wir die Auswüchse dieses Denkens betrachten, die sich im Mittelalter herausgebildet hatten. Wie selbstverständlich ging man davon aus, daß auch der christliche Gott seinen Preis für die Erlösung und die Vergebung hätte. Dieser Preis sei der Sohn Gottes selbst. Es entwickelte sich die Vorstellung, die Welt und die Menschen seien so verdorben und so schlecht, daß allein göttliches Blut in der Lage sei, dies alles wieder rein zu waschen.

Ich sage Ihnen: an einen solchen Gott glaube ich nicht! 

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Nächstenliebe (Pfarrer Köhler) Wenn wir die Evangelien lesen, dann spüren wir auf Schritt und Tritt den Konflikt, in welchem Jesus mit den Vertretern der amtlichen Religion stand. Da erkundigt man sich - wie wir eben hörten - nach einem Gotteswort, nach einem Gebot nach einer Weisung, aber nicht um wirklich zu wissen, was den anderen innerlich bewegt, sondern vielmehr um eine Handhabe gegen ihn zu haben. So geschieht es immer wieder in der Umgebung Jesu. Ja, man gewinnt den Eindruck, daß dieser Konflikt ein jedes Mal vorprogrammiert ist. Denn Jesus geht mit der Religion und dem Wort Gottes anders um, als seine Gegenspieler. Diese nämlich scheinen zu meinen, das Wort Gottes sei zu vergleichen mit herkömmlichen Gesetzten der menschlichen Ordnung. Deswegen gehen sie wie selbstverständlich davon aus, daß das Leben und das Glauben dieses Gotteswortes etwas "Auswendigzulernendes" sei.

Ich weiß - leicht sind auch wir versucht, in dieser Weise mit Gottes Wort umzugehen.

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Vom Zauber eines neuen Anfangs (Gotthard Fuchs)
Es stirbt die alte Gestalt der Kirche, die neue ist im Kommen. Sieben Provokationen im Geiste von Pfingsten.

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Glasseelenpredigt (Autor unbekannt) Es gab, so wird erzählt, eine lange Ratssitzung im Himmel: Im Mittelpunkt stand die Frage: Ob die Menschen eine sichtbare oder eine unsichtbare Seele bekommen sollten. "Eine unsichtbare Seele", sprach Gott. "Eine Seele, die den Menschen ganz erfüllt, die er in jedem Teil seines Körpers trägt und spürt." Der Erzengel Gabriel schüttelte voller Bedenken sein weises Haupt: "Die Menschen wollen etwas Handhabbares, etwas zum Anfassen. Eine unsichtbare Seele... ich fürchte, sie werden bald vergessen, dass sie eine Seele haben, wenn sie sie nicht ständig anschauen können."

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Einmal etwas andere Weihnachtsgedanken......(von Eugen Drewermann, aus „Wenn der Himmel die Erde berührt; Weihnachten 2006

"Wer eigentlich hat wem auf Erden auch nur irgendeinen Vorwurf zu machen? Und wie sähe die Geschichte von uns Menschen aus, wenn jeder erzählen dürfte, wie er ist und was ihm geschah und was er versucht hat, daraus zu machen? Ließe man nur jeden sprechen, statt ihm voller Angst das Wort vom Munde abzuschneiden, es hätte jeder seine Tragödien, jeder seine tausend ungeklärten Fragen, und ich möchte hoffen, dass es irgendwo Ohren gibt, die zuhören. Von Gott jedenfalls sollte man denken, er verstehe am Jüngsten Tag einen jeden von uns besser als jeder sich selber, ist er doch nicht die Gerechtigkeit, nicht die Strenge, sondern die unendliche Liebe, die keinen Schatten und keine Dunkelheit kennt. (...)

Aber so wir Menschen sind, liebt Gott uns für unsere Ohnmacht, für unsere Hilflosigkeit, für unser Suchen, für unser Bemühen auf tausend Wegen, und schließlich gibt es doch eine Heilsgeschichte. Denn immer wieder gibt es Menschen, die in der Verzweiflung mutig sind, die ihren Stolz besitzen, die sogar zerbrechen können, was sie fesselt. Und weil es immer wieder diese Menschen gibt, geht es am Ende weiter. Das Leben selber weitet sich. Und wie nun, wenn das die wahre Berufung wäre in den Königssaal unseres Königs? Er würde kommen, unser König, und alle nicht nur eingeladen haben, sondern sie ausstatten mit der Schönheit, die sie verdienen, und am meisten diejenigen, die nie haben glauben können, dass sie dessen würdig wären. Gott weiß, was wir wert sind: unendlich viel. Und gäb's  auf dieser Welt nur einen einzigen für einen jeden Menschen, der uns bestätigt in unserem Wert, in unserer Schönheit und uns lehrt, an uns selber zu glauben, so wird, was Christus wollte, weitergehen.“

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Steinewerfer: Scheinwerfer an: Alle Augen sind auf sie gerichtet: Die Frau in der Mitte. Alle Augen ruhen auf ihr, alle Finger zeigen auf sie. Die Schriftgelehrten und Pharisäer sind da, Jesus, aber auch das aufgewühlte Volk umringt sie. Eine Frau, viele Männer um sie herum. In flagranti erwischt, jetzt heißt es kurzer Prozess, die Steinewerfer stehen bereit: Zugleich fehlen zwei in der Szene: ihr Ehemann und der, mit dem sie Ehebruch beging.

Alle Finger zeigen auf sie, angeklagt in der Mitte….

Ein Schuldiger und viele Ankläger, viele Steinewerfer.

Steinewerfer: Die Pharisäer und Schriftgelehrten.

Steinewerfer: Max und Leon im Bus

(Anmerkung: Diese eingestellte Predigt "Steinewerfer" ist z.B. nur eine ganz "normale" Predigt einer evangelischen Pfarrerin und Religionskollegin von mir, Vorbereitungzeit 3 Stunden Minimum, und ein gutes Beispiel für eine Predigt aus dem Leben ins Leben, ohne moralischen Zeigefinger, ohne komplizierte Theologie! Interessant auch die dahinter liegende Idee der Aneinanderreihung von verschiedenen (Film-)Szenen, die am Schluss zusammengeführt werden.)

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PS. zu den Predigten:

(Martin Buber) Ein Schüler fragte den Baalschem:

"Wie geht das zu, dass einer, der an Gott hangt und sich ihm nah weiß, zuweilen eine Unterbrechung und Entfernung erfährt?"

Der Baalschem erklärte:

"Wenn ein Vater seinen kleinen Sohn will gehen lernen, stellt er ihn erst vor sich hin und hält die eignen Hände zu beiden Seiten ihm nah, dass er nicht falle, und so geht der Knabe zwischen den Vaterhänden auf den Vater zu. Sowie er aber zum Vater herankommt, rückt der um ein weniges ab und hält die Hände weiter auseinander, und so fort, dass das Kind gehen lerne."

 

Die folgende deutsche Übersetzung aus dem Französischen stammt von Olaf Schmidt-Wischhöfer, 2010.

Mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens.
Wo Hass herrscht, lass mich Liebe entfachen.
Wo Beleidigung herrscht, lass mich Vergebung entfachen.
Wo Zerstrittenheit herrscht, lass mich Einigkeit entfachen.
Wo Irrtum herrscht, lass mich Wahrheit entfachen.
Wo Zweifel herrscht, lass mich Glauben entfachen.
Wo Verzweiflung herrscht, lass mich Hoffnung entfachen.
Wo Finsternis herrscht, lass mich Dein Licht entfachen.
Wo Kummer herrscht, lass mich Freude entfachen.

O Herr, lass mich trachten:
nicht nur, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste,
nicht nur, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe,
nicht nur, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe,
denn wer gibt, der empfängt,
wer sich selbst vergisst, der findet,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

 

Informationen zum Text:

Zitat: Das Friedensgebet stammt aus Frankreich. Der älteste Beleg ist die Zeitschrift „La Clochette“ (Nr. 12, Dezember 1912, S. 285). Der Herausgeber, Esther Bouquerel, gab keinen Autor an und überschrieb es mit „Belle prière à faire pendant la messe“ („Ein schönes Gebet für die Messe“). Das Gebet erreichte schnell eine große Beliebtheit. Es enthält eine deutliche Gegenposition zu der Kriegsbegeisterung, die Europa wenige Monate später erfasste.

Seit 1927 wird als Autor des Gebets oft Franz von Assisi genannt, aber es gibt keine historischen Quellen für diese populär gewordene Zuschreibung. Eine lateinische oder mittelalterliche italienische Version des Gebets ist nicht bekannt.

 


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