Kritische Bemerkungen zur Lehre der Neuapostolischen Kirche

(Abb.: Gottesanbetung / von Siné (1928 - ). -- 1971 Quelle)

Anmerkung: Die Anmerkungen auf dieser Seite haben eher historischen Charakter, da sich durch die Führungswechsel und den neuen Katechismus die gesamte Situation der NAK verändert hat. Aktuell sind vor allem die Predigtanalysen zu Stap Schneider und die Aufsätze zum Katechismus von Bedeutung. Wer ein wenig in der Historie lesen möchte, kann auch umfangreiche Anmerkungen zu Stap Leber und Fehr finden.

Sie finden auf dieser Unterseite:

  • Einleitung: Nak = Fortsetzung der Urkirche? (DS)
  • Eigene Gedanken und Ausführungen zu "Gott und Kirche" (DS)
  • Zitate von Will Andrich
  • Stap. R. Fehr, Pfingsten 2001: Die Drohbotschaft!
  • Kommentar von Will Andrich zu "Keine Halbheiten"- Fehr 2001
  • Ausarbeitungen von Will Andrich zur falschen Lehre der NAK
  • Zitate aus einer Dissertation der damaligen DDR "Zur Wirksamkeit religiöser Ideologien am Beispiel der NAK"

Diese Seite ist mit Dankbarkeit dem Gedenken dem Bezirksältesten i.R. Will Andrich gewidmet. Ohne den sachlich-kritischen und seelsorgerischen Dialog mit ihm wäre ich nicht unbeschadet aus dem Gedankennetz der NAK herausgekommen. Ich verzichte in diesen Ausführungen auf eine systematische Untersuchung und Widerlegung der NAK-Dogmen, dies ist andernorts zur Genüge geschehen, und möchte vielmehr aus der damaligen Sicht meinen Freund Will Andrich nochmals selbst zu Wort kommen lassen in seinen Ausarbeitungen, mit denen er mir und so manchen Amtsträger auf seinem Weg zur Eigenständigkeit die Augen öffnete ( Der Segen der Dürre ist, dass man die Quelle sucht!).

Theologische Ausarbeitungen von Will Andrich zur NAK:

 

Die blinden Schüler 

Der Schüler und Apostel, welcher für die Schwäche der Lehre, der Religion und so weiter, kein Auge hat, geblendet durch das Ansehen des Meisters und durch seine Pietät gegen ihn, hat gewöhnlich mehr Macht, als der Meister. Ohne die blinden Schüler ist noch nie der Einfluss eines Mannes und seines Werkes groß geworden. Einer Erkenntnis zum Siege verhelfen heißt oft nur: sie so mit der Dummheit verschwistern, dass das Schwergewicht der letzteren auch den Sieg für die erstere erzwingt.

 (Friedrich Nietzsche Menschliches, Allzumenschliches I III. Das religiöse Leben )

 

 

Artikel

NAK= gefährliche Sekte? 2003 sagte Bezirksapostel Hagen Wend, damals Vorsitzender der kircheninternen Projektgruppe Glaubensfragen, in einem Interview:

Wir werden da und dort als gefährliche Sekte bezeichnet, wobei mich das wirklich ärgert, weil die Leute, die das von unserer Kirche behaupten, letztlich keine Ahnung haben. Die haben die Vorstellung - und das habe ich auch in einer Internet-Diskussion mal jemandem geschrieben - unsere Kirche sei so wie vor 50 Jahren. Aber die ist nicht mehr so wie vor 50 Jahren, genau wie andere Kirchen sich auch verändert haben. Auch unsere Gesellschaft ist nicht mehr so wie vor 50 Jahren. (...) Was Aussteiger an unserer Kirche monieren, sind fast immer Verhaltensmuster aus früheren Zeiten...." (Quelle)

Interessanterweise gibt Wend trotz seines Widerspruchs in diesen Sätzen dennoch indirekt zu, dass die Einordnung der NAK zu Zeiten bis 1960 als „gefährliche Sekte“ als zutreffend anzusehen ist: "Was Aussteiger an unserer Kirche monieren, sind fast immer Verhaltensmuster aus früheren Zeiten ..."

 

Einleitung: Nak = Fortsetzung der Urkirche?

Die NAK behauptet in ihrem Selbstverständnis, die Fortsetzung der ersten christlichen Gemeinde (Urkirche) zu sein. Diese Behauptung ist schlichtweg falsch, wie sich leicht durch einen Vergleich mit einem historischen Text feststellen lässt. Diese "Lehre der zwölf Apostel" (auch als Didache oder "Doctrina apostolorum") ist die älteste überlieferte christliche Gemeindeordnung. Im Bibellexikon wird angegeben, dass sie in  etwa im Jahr 100 n. Chr.  zusammengestellt worden ist, sie basiert aber auf deutlich älteren Quellen. Eine kleine Auswahl soll zeigen, wie die historischen Lehren deutlich der Ordnung der NAK widersprechen:

Die Lehre des Herrn durch die zwölf Apostel für die Heiden.

7,1. Betreffs der Taufe aber: Tauft so: Nachdem ihr dies alles zuvor gesagt habt, tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes mit lebendigem Wasser.

Von einer "Geistestaufe durch Apostel" ist nirgends die Rede!

11, 3. Aber hinsichtlich der Apostel und Propheten verfahrt nach der Weisung des Evangeliums so:    

6. Wenn aber der Apostel weggeht, soll er nichts mitnehmen außer Brot, bis er übernachtet; wenn er aber um Geld bittet, ist er ein Pseudoprophet.

8. Nicht jeder, der im Geist redet, ist ein Prophet; sondern wenn er die dem Herrn entsprechenden Verhaltensweisen hat. An den Verhaltensweisen also werden der Pseudoprophet und der Prophet erkannt werden.

10. Jeder Prophet aber, der die Wahrheit lehrt, ist, wenn er nicht tut, was er lehrt, ein Pseudoprophet.

12. Wer aber im Geist sagt: "Gib mir Geld oder irgendetwas anderes", auf den sollt ihr nicht hören; wenn er aber sagt, man soll für andere Bedürftige geben, so soll niemand ihn richten.

13,1. Jeder wahrhaftige Prophet aber, der sich bei euch niederlassen will, ist seiner Nahrung wert.

2. Ebenso ein wahrer Lehrer: Auch der ist, wie der Arbeiter, seiner Nahrung wert.

Im krassen Gegensatz zur NAK wurden also die Lehrer und Propheten in der Gemeinde auch von der Gemeinde unterstützt, die Apostel hingegen nicht!

12,1. Jeder aber, der kommt im Namen des Herrn, soll aufgenommen werden; dann aber werdet ihr (ihn) durch kritische Beurteilung erkennen; denn ihr habt Einsicht nach rechts und nach links (= richtig und falsch).

in der NAK wird jede Kritik geradezu verteufelt, diese Gemeindeordnung fordert ausdrücklich dazu auf, die gesprochene Lehre zu prüfen!

15,1. Wählt euch nun Bischöfe und Diakone, würdig des Herrn, Männer, mild und ohne Geldgier und wahrhaftig und erprobt;

Das autoritäre Amtsbestimmungsprinzip durch die Bezirksapostel steht im Widerspruch zu dieser ersten Ordnung der Wahl durch die Gemeinde!

Damals wie heute aber predigte z.B. zum Thema "Gottes Werke" der Kirchenpräsident und Stammapostel Fehr typisch nak-zentriert in Mannheim am 18.3.2001, ausgehend von einem Zitat aus Johannes 6, 29 "Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat", Folgendes:


"Es mag mancher Mensch behaupten - und dabei hat er sicherlich auch bis zu einem gewissen Grad recht -, dass er Gottes Werke tut, aber wenn der Glaube an die Sendung fehlt, mögen solche zusehen, wohin sie mit ihrem Lebensschifflein fahren."
Die Sendung habe "mit der Herabkunft des göttlichen Wesens ins irdische Sein begonnen. Nach der Himmelfahrt Jesu wurden der Heilige Geist und die Apostel gesandt. Nur wenn auch der Glaube an diese Sendung "bis in die letzte Konsequenz hinein, nämlich, dass Apostel gesandt sind auch in unseren Tagen, und die wiederum die Amtsträger senden" vorhanden sei, könnten Gottes Werke gewirkt werden, so der Stammapostel. (Quelle Glaubenskultur)

Entsetzt über diesen Unsinn schrieb ich dazu einen biblisch begründeten Artikel, warum diese Rede des obersten, geistlichen Führers der NAK aus theologischer Sicht inhaltlich völlig unhaltbar ist:  ...dass ihr an den glaubet, den Er gesandt hat . Und später, etwas ironischer, zum gleichen Thema nochmals im Artikel "Lehre konta Leere - Warum Jesus nicht helfen durfte".

Aber bis auf den heutigen Tag wurde durch die NAK die Notwendigkeit des Glaubens "an die Sendung der Apostel " nicht nur aufrecht erhalten, sondern hochgradig verschärft, wie die Erläuterungen auf der Einführungsseite zeigen. Vergleiche z.B. Stap. Leber zum gleichen Thema „Apostel“ im Wort zum Monat Februar 2006) !

Interessant ist auch, was die Naki laut ihrer neuen Statuten vom 29. September 2010 zum Thema "Apostel" selbst definiert. Jeder neu zu ordinierende Apostel hat vor dem Stammapostel u.a. folgendes zu bekennen:

 " Ich anerkenne den Stammapostel als obersten Geistlichen und sichere ihm meine volle Unterstützung zu. Ich bekenne mich zur Einheit mit dem Stammapostel und den mit ihm verbundenen Bezirksaposteln und Aposteln der Neuapostolischen Kirche, deren höchste Pflicht der Glaubensgehorsam, deren höchste Ehre die Treue zu Gottes Werk, ... ist. Als leitendes Amt der Neuapostolischen Kirche will ich … entsprechend dem Evangelium als Apostel der Neuapostolischen Kirche leben."

Also sind die Apostel der NAK keine Apostel Jesu, sondern auch nach eigenen Angaben Apostel der "Neuapostolischen Kirche"!

 

Zitate von Will Andrich (zu dieser Zeit bereits Bezirksältester im Ruhestand)

Als im Jahr 2001 innerhalb der NAK meine aktive Ausstiegsphase begann, suchte ich einen geistlichen Ansprechpartner (ein befreundeter Bez.Evangelist antwortete mir - ich musste ihn massiv unterbrechen, um überhaupt zu Wort zu kommen! - auf meine Fragen lediglich: Detlef, tu mir einen Gefallen: Bleib am Werk des Herrn!) Ich fand ihn im Bezirksältesten Will Andrich i.R., den ich einige Zeit zuvor privat kennengelernt hatte. Es ergab sich ein sehr umfangreicher Mailkontakt, ohne dessen Zuspruch ich mich von der NAK kaum hätte lösen können. Diesem väterlichen Freund habe ich in einem persönlichen Nachruf gedacht ( Der Segen der Dürre ist, dass man die Quelle sucht!),

Zunächst eine sehr kleine Zitatauswahl (im Artikel finden sich umfangreich weitere Zitate) aus seinen Mailgedanken an mich:


Gott kann uns auf allen Straßen begegnen!
*
Gottes Wege kommen auf einen zu!
*
Wie glauben wir, geheiligt und lauter für die Opfer und Täter der christlichen Pogrome an Andersgläubigen und -denkenden (ca. 80 Millionen sind von Christen - auch im Namen der Rechtgläubigkeit! - gefoltert, gequält und ermordet) eintreten und beten zu können, wenn wir durch Lehre und Praxis nach wie vor Andersgläubige und -denkende ausgrenzen, nicht nur gesellschaftlich, sondern auch - das jedoch glücklicherweise nur in der Vorstellung der Kirchenleitung - im Hinblick auf das ewige Leben.
Die NAK meint, entgegen Mt 20,21-23 die Plätze im Jenseits zuteilen zu können.
. ... das Sitzen zu meiner Rechten und Linken zu geben, steht mir nicht zu. Das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist von meinem Vater.
*

Die [ganze!] Wahrheit ist und war und wird sein,
dass Gott auch die Unvollkommenen, die Sünder wie den Gerechten liebt
und unabhängig von der unterschiedlichen Leistung des einzelnen jedem das gleiche Vollmaß seiner Liebe schenkt, jedem die ganze Teilhabe an seiner Herrlichkeit.
Hier wird „höchstes Unrecht“ zum „höchsten Recht“.
Fasse es, wer’s fassen kann – göttliche Liebe bleibt für immer unfassbar!
*
Die Menschen werden (in der NAK) auf sich und ihre - stets unzulänglichen - Leistungen statt auf Gottes Erbarmen [Römer 9, 15.16] und seine Verheißungen geworfen.
Statt die Seelen mit dem Hinweis auf die "erste Liebe" zu erquicken
wird mit den "falschen Kausalitäten (wenn ..., dann)",
die Liebe Gottes und seine Souveränität außer acht lassend–
jedenfalls nicht bewusst machend!!! -, Leistungsdruck erzeugt.
So wird aus dem Evangelium schnell eine Gesetzesreligion.
*
Gott ist Liebe.
Liebe ist ökumenisch.
ER ist es, der alle Menschen „ökumenisch“ liebt:
2. Korinther 3, 19; Johannes 3, 16 und a. m.
*

 

Einige Gedanken und Ausführungen zu "Gott und Kirche" DS

Angestoßen durch die Korrespondenz mit Will und seinem grundsätzlichen Bekenntnis zur Mystik (nicht Gott da "oben", sondern neben dir!), also zu einer eigenen, inneren, ja dialogischen Beziehung zu Gott, schrieb ich damals frühmorgens in einem Schwung folgende Gedanken auf dem Weg der Loslösung von der NAK (2001):

Gottes Wille (an uns, den Menschen mit der häufig gestellten Frage: Wie kann er das  ... zulassen?) ist keine moralische, ethische oder irgendwie sonst bezogene, gegründete oder zu begründende Instanz oder Größe mit menschlich denkbaren Maßstäben oder Mustern.
Gottes Wille am Menschen ist bereits der Heilsplan Gottes für die Menschen!
Gottes Wille (an uns, dem Menschen mit der häufig gestellten Frage: Wie kannst du das zulassen?) und seine Wege sind auch keine Wechselwirkung zwischen unserem Verhalten und seiner darauf und dafür erfolgenden Strafe oder Belohnung.
Gottes Wille am einzelnen Menschen ist gegründet in Seiner ALL-Sicht. An den Weichenstellen unseres Lebens sieht er bereits vollzogen, wohin die sich auftuenden und möglichen Wege führen und welches Ziel der Einzelne mit welchem Weg erreicht. Selbst eigenes Fehlverhalten kann uns zu seinem Heil führen. Gott reagiert nicht, er sieht vorher die Wege und das Ziel der Wege, und er gibt uns die Möglichkeit, einen Weg zu gehen, der uns Ihm näher bringt.

Deshalb:

Suche Gott nicht außerhalb von dir. Die Bibel ist letztlich nur ein Buch,
Binde dich nicht wieder an Menschen!
Geh deinen Weg mit ihm! Ohne notwendige Bestätigung und Hinweise durch Menschen!
Er will und wird dich führen!
Spüre in dich hinein, Er ist schon da!
Du brauchst nur zu ihm vordringen ...
Du hast den gewünschten Frieden in dir, du brauchst ihn nur zulassen ...
Vertraue ihm, denn es ist DEIN Leben und geh deinen Weg.
Alle Festlegung in der Religion als institutionärer Bezugs- und Orientierungspunkt ist nicht wichtig, sondern das eigene, innere Verhältnis zu Gott.
Frage nicht, ob Kirche oder die NAK an sich etwas bedeutet, sondern frage dich selbst,
ob DIR Kirche oder die NAK etwas bedeutet.
Und meine auch nicht, dass „Apostel“ an sich etwas bedeutet! Das Sein der Person entscheidet, nicht die Bezeichnung oder der Titel! So wie Gott nicht außerhalb von dir zu finden ist, sondern in dir, so liegt auch hier die gefühlte Bestätigung in dir! Der „Gesandte“ ist niemals größer als der Sender!
Gottes Liebe ist vollkommen! Und unteilbar!
Sie ist nicht an irgendeine Kirche, Gemeinschaften oder Menschen gebunden.
Daher gilt sie jedem Menschen in gleicher und voller Weise.
Wärst du der einzige Mensch auf der Welt,
wäre SEINE Liebe zu dir nicht größer!
Bist du einer unter Milliarden,
wird sie nicht kleiner!
Gottes Liebe ist nicht teilbar und sie muss dir nicht „mitgeteilt“ werden!
Er ist für dich da!
"Sei sicher, und geh deinen Weg!"

Diese völlig andere "Gottesbild" und die neue Sicht auf das Verhältnis "Mensch-Gott" findet sich auch in den Lehren von Meister Eckhart , dem großen deutschen Mystiker und Vertreter der " negativen Theologie". „Der Mensch kann nicht wissen, was Gott ist. Etwas weiß er wohl: was Gott nicht ist." Der Weisheitslehrer Sirach drückte es so aus:

 Sirach 43, 27 ff
Durch sein Wort besteht alles.
Wenn wir gleich viel sagen, so können wir's doch nicht erreichen;
kurz: Er ist alles.

Wenn wir gleich alles hoch rühmen, was ist das?
Er ist doch noch viel höher als alle seine Werke. ...
Wer hat ihn gesehen, daß er von ihm sagen könnte?
Wer kann ihn so hoch preisen, wie er ist?

 

Heute möchte ich ergänzend hinzusetzen:

Gott ist im oben geschriebenen Text weder Objekt des Erkennens noch Partner des Handelns. D.h.: Gott kann weder begriffen werden noch erkannt, geschweige denn definiert werden. Ebenso wenig kann er manipuliert werden, also zum Handeln veranlasst, weder durch „gute Handlungen“ noch Gebete etc.
Gott kann auch nicht ein Selbst genannt werden, denn der Begriff des Selbst enthält Trennung von und Gegensatz zu allem, was nicht Selbst ist. D.h.: Gott ist mit NICHTS zu bezeichnen, schon gar nicht menschlich vergleichbar im Sinne „ER will/ ER Denkt/ ER ist traurig/zornig/lieb etc. Nicht einmal  kann er als ein eigenes „Selbst“ bezeichnet werden, denn unser menschliches Selbst ist in der Tatsache bergründet, dass wir eine ICH-Erkenntnis haben, durch die unsere Umwelt sich als das „Andere“ darstellt. Dieses kann für Gott nicht gelten, denn Gott ist weder von uns getrennt noch Gegensatz zu uns oder irgendetwas: Er ist, laut Tillich, das Sein-Selbst, also Urgrund von Allem. Auch Paulus drückt das im 1. Kor. 12,6 so aus: "
Es ist ein Gott, der da wirket alles in allem!" (Luther, 1912)
Dieser „Gott“ ist aber nicht der definierbare Christen- oder Religionsgott, sondern der Gott hinter allen theistischen Vorstellungen. Das bringt ihn zunächst gänzliche in die Ferne und Unvorstellbarkeit (was für einen Gott ja wohl das Mindeste ist!), rückt ihn aber wieder näher durch die Grundannahme, dass er der Grund alles Seienden (Sein-Selbst) ist. Dies ist gewissermaßen ein Paradoxon, denn er ist gleichzeitig unerreichbar, trotzdem aber von NICHTS entfernt. Und wenn nach Tillich Glaube das ist, was „uns höchst persönlich unbedingt angeht“, dann ist ER wiederum in all diesen, uns angehenden Dingen. Eine Trennung von Gott ist nach dieser Vorstellung nicht möglich, sondern, eine menschliche Illusion.

Der Mut zum Sein gründet in dem Gott, der erscheint, wenn Gott in der Angst des Zweifels untergegangen ist“ (Tillich aus „Mut zum Sein“) D.h.: Der vordergründige Gott ist der religionsdefinierte, z.B. christliche Gott, der schon von Nietzsche totgesagt und beerdigt wurde. Aus diesem entwächst kein Mut zum Sein, sondern Angst vor der Hölle, Geländerglauben, wenig bis kein Glauben an Selbstwirksamkeit, Sündhaftigkeit von Geburt an etc. All diese Seins- und Selbstzweifel können und sollten gemeinsam mit dieser Gottesvorstellung begraben werden. Dann aber ist der Mensch wiederum nur auf sich geworfen (bei Feuerbach "Homo homini deus“), was prinzipiell nichts ausmacht und für Tillich auch keinen Unterschied bildet zu denen, die dann doch den „GOTT“ hinter dem theistischen Gott denken. Diesem „GOTT“ ist es mit Einschränkung egal, ob der Mensch „JA-NEIN“ zu IHM sagt, es spielt keine Rolle. ER ist im Neinsagenden und seiner Umwelt genauso wie im zu ihm Jasagenden. Hier schließt sich nochmals der Denkbogen zu Eckhart: „Gott ist namenlos, denn von ihm kann niemand etwas aussagen oder erkennen.“

 

Etwas Kurioses am Rande:
Eine heute bereits historische Dissertation aus der damaligen DDR "Zur Wirksamkeit religiöser Ideologien am Beispiel der NAK" von Erhard Ludwig aus dem Jahr 1969 regt zum Teil sehr zum Schmunzeln an, da hier eine Ideologie gegen die andere argumentiert, dennoch sind die sachlichen Ausführungen zur NAK in Kapitel 1 und 2 weitestgehend korrekt und in ihrer gesellschaftlichen Kritik zum Teil beachtlich und lesenswert.  Hier also einige Zitate aus der marxistisch philosophischen Sicht:  

 

„Die gesamte Lehre baut auf der Endzeiterwartung auf. Sie ist Ausdruck der Ausweglosigkeit ... .  Sie verdammt den Menschen zur Untertänigkeit und zur Ergebenheit in ein unabwendbares Schicksal. Besonders in der Propagierung der Endzeit in der Gegenwart kommt der finsterste Aberglaube zum Ausdruck. ... In der Praxis werden in der N(A)K unter Berufung auf Matthäus 24 Kriege, Erdbeben, das materielle Streben der Menschen, die vom Geist Gottes nichts mehr wissen wollen, als Zeichen der Endzeit gedeutet. ... (S. 16)


Die Lehre der N(A)K ist eine Theorie der Weltentfremdung. Sie bringt die allgemeine Krise und die Ausweglosigkeit der bürgerlichen Ideologie zum Ausdruck. Die N(A)K schildert die gegenwärtigen Zustände und Ereignisse in der Welt undifferenziert in den düstersten Farben. Die Welt wird allgemein als etwas Verdammungswürdiges, dem menschlichen Wesen in seinem Drang und seinem Sehnen nach einem himmlischen Glück Abträgliches deklariert. ... (S.17)


Der religiöse Konservatismus ist eine Existenzfrage für die N(A)K. Mit ihr steht und fällt ihr gesamtes mystisches Lehrgebäude. Jede Anpassung an die modernen Erkenntnisse der Wissenschaft würde ihre sektiererische Stellung aufheben, ihre Originalität im System der christlichen Anschauungen beseitigen, die auf bestimmte Menschen in der Gegenwart, bedingt durch ihre soziale Lage, ihren physischen Zustand (Krankheit etc,), ihre Psyche (Schicksalsschläge, Tod und dgl.) eine Anziehungskraft ausübt. (S.18)

Unter Erfüllung entsprechender Bedingungen im dieseitigen Leben wird einer ausgewählten Gruppe eine Heilsgewissheit zuteil, sie wird unsterblich. Das „Erdendasein“ wird ausschließlich auf das Jenseits orientiert und damit unwichtig und zweitrangig. Es wird zu einem „Jammertal“, das durchwandert werden muss (...) .
Der Aspekt der Auswahl stimuliert die Elitetheorie. Den Mitgliedern der N(A)K wird ständig deutlich gemacht, dass sie die Auserwählten sind, denen das Heil zuteil werden wird, das verpflichtet und erhebt sie zugleich.“
(S.19)

 

 

Stap. R. Fehr, Pfingsten 2001: Die Drohbotschaft! (vollständige Predigtabschrift)

Zunächst mal einige sehr verkürzte Zitate aus der Predigt:

 

"Ich komme heute mal ganz spezifisch auf Bürgerpflichten zu reden der Bürger des Himmelreiches, unter den Titel: Keine Halbheiten! …"

Und dann ging es los:

"Wenn wir nur ...

  • mit halbem Herz dabei wären bei der Sache, bewiesen wir damit, dass wir nur eine halbe Liebe haben zu Gott und seinem Werk.
  • das halbe Herz schenken, haben wir nur halbe Liebe,
  • einen halben Glauben hätten - zum Teil glauben wir, aber zum Teil zweifeln wir zum Teil hinterfragen wir - keine Halbheiten, möchte ich sagen, liebe Geschwister. Keinen halben Glauben! Ein halber Glaube ist Kleinglaube, und ein halber Glaube und ein Kleinglaube macht auch keine Glaubenserlebnisse und sammelt keine Glaubenserfahrungen. Keine Halbheiten, ein ganzer Glaube!
  • eine halbe Hoffnung hätte, was beweist der denn damit? Dass er ein schwaches Vertrauen hat. Werft Euer Vertrauen aber nicht weg, sagt der alte Apostel, welches eine große Belohnung hat. Geschwister, keine Halbheiten! Nicht eine halbe Hoffnung haben! Einmal hoffen wir auf den Tag des Herrn, und am anderen Tag steht das wieder zur Diskussion, ob er überhaupt kommt ...
  • eine halbe Freude hätten, es ist doch oft festzustellen, dass nur halbe Freude vorhanden ist. Aber ich sage auch hier: Keine Halbheiten. Wer nur halb sich freuen kann, für den wird manches zu viel im Hause Gottes...
  • Ein halber Eifer, wenn wir den hätten, ein halber Eifer, würde das beweisen, dass wir oft müde sind. Wer oft müde ist, hat nur noch halben Eifer. Unsere Bürgerpflicht aber ist: Keine Halbheiten."

Und schließlich das Ende dieser Halbheitensequenz:

"Also rufe ich Gottes Volk zu, am Pfingsten dieses Jahres: Bitte, bitte, keine Halbheiten! Machen wir ganze Sache"

Absolut unerträglich war diese furchtbare "Keine Halbheiten"-Predigt von Fehr, die letzte NAK-Predigt, die ich selbst noch als letzten GD in der NAK gehört habe. Wills erste Reaktion damals (die Hervorhebungen sind von Will selbst):

Lieber Detlef,
Pfingsten 2001: ...leider ... und schade ...
Mein erster Kommentar nach der heutigen "Veranstaltung der Peinlichkeiten" war:

Zu heute - meine Empfindungen:
Ich habe lange warten müssen, bis es im Herzen warm wurde. Kurz vor dem Mahl für die Entschlafenen: die wenigen Worte von BA Nehrkorn und dann der Liedervers:"Jesus Christ, du nur bist uns'rer Hoffnung Licht ..." - Alles andere hatte m. E. wenig [oder richtiger: nichts!] mit einer frohen Botschaft, mit dem Evangelium zu tun ...
Die drohende Botschaft: Keine Halbheiten! verletzte meine Seele zutiefst in der Art, wie sie uns, den Verlangenden, als Leistung abverlangt wurde. Was sollen z. B. nur die an Depression erkrankten Geschwister, die Freude tanken wollen, zu dem "Vorwurf der halben Freude" denken und empfinden. Vergißt der Stap. Fehr, dass Jesus Christus nicht gekommen ist, die Perfekten zu segnen, sondern die Sünder? - Ich werde zornig - wenn's denn christlich wäre! - , wenn ich an diese Veranstaltung denke, wo das Mitdienen der Bezirksapostel als ein "Geburtstaggeschenk" oder als "Beseitigen von Ungerechtigkeiten" bezeichnet wird. Das ist m. E. Blasphemie! - Und dann im Namen des dreieinigen Gottes [siehe Eingangsgebet] unverhohlen Werbung für das Magazin "Unsere Familie" machen. Das ist m. E. Gotteslästerung! und ... und ... und ... Wo war da die gepredigte Gottesfurcht?
Die Arbeit des Hl.Geistes dagegen, wie sie in Joh. 16, 13.14 beschrieben ist, konnte ich heute wieder einmal nicht erleben.
Ich konnte dann auch bald nicht mehr in die Gesichter der Männer sehen, die angeblich Botschafter an Christi Statt sein wollen, aber ihren Herrn und Meister nicht zu kennen scheinen. ...Wer von ihnen hat ihn denn verklärt?

Schade, aber es geht weiter ... Der alte Gott regieret noch!
Ich will vielmehr auf Jesu Wort Mt. 15, 13 vertrauen:
"Jede Pflanze, die mein Vater nicht gepflanzt hat, wird ausgerissen ..." -
Und auf Psalm 2:
"... der im Himmel wohnt, lachet ihrer, und der Herr spottet ihrer.
Einst wird er mit ihnen reden in seinem Zorn,
und mit seinem Grimm wird er sie schrecken: ..."


Lieber Detlef, ich bin noch zu erregt, als dass ich objektiv weiterschreiben könnte ...

Im sachlichen Ton schrieb Will dann  im Juli oder August 2001 in einem Brief u.a. eine umfangreiche  Kritik zur Fehr´schen Predigt an Apostel Drave, ohne darauf eine Antwort zu erhalten.

 

 

Nachbemerkung:

Peter Johanning,seines Zeichens Kirchensprecher, Bezirksältester und Medienreferent der NAK,  stellte bereits 2008 auf einer Studientagung in Frankfurt zum bis dahin gültigen Katechismus der NAK fest,  „dass das Büchlein `Fragen und Antworten´ den Anforderungen an eine Zusammenfassung der Lehre nicht genügen könne – und „eigentlich auf den Scheiterhaufen“ gehöre…“ Damit disqualifizierte er selbst offiziell einen großen Teil der neuapostolischen Lehre zu Recht als falsch ...

  • Buchhinweis: Die Lehre der Neuapostolischen Kirche im Licht der Heiligen Schrift von Tobias Mai. Diese akribische Untersuchung wird auch als kostenloser download angeboten.
  • Die Glaubensartikel (der NAK)
    Ein Link zu einem Vergleich und Kommentar von Dieter Heussner (NAK-Süddeutschland) und Gunter Bloszies (NAK-Mitteldeutschland);

Einen weiteren guter Kommentar von Thomas Gandow, dem Sektenbeauftragten der evangelischen Kirche Berlin, finden Sie hier: Isoliert auf der Insel der Erstlinge

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