Das System NAK

Christian Morgenstern: 

Vergebt, wenn manchen manches hart hier trifft,
mein Pfeil soll treffen, doch er birgt kein Gift!

 

Sie finden auf dieser Seite neben vielen Links und einer allgemeinen Einführung alle Downloads der Arbeiten von mir und meiner Frau Ulrike Bär-Streich, die als Heilpraktikerin für Psychotherapie auch in der Ausstiegsberatung tätig ist. Ich selbst, Jahrgang 1956, war von Geburt an bis zum Jahr 2000 ein sehr aktiv tätiges Mitglied in der NAK. Dennoch sind die vorliegenden Texte keine 'Abrechnung`, sondern der Versuch, sachlich objektivierbare Untersuchungen und Analysen vor einem speziell soziopsychologischen Hintergrund vorzulegen.

Vorbemerkung: Die Texte dieser Seite wurden am 7. Mai 2006 freundlicherweise von Herrn Friedrich Griess ins Netz gestellt und bis April 2010 mehr als 3600mal angeklickt. Nun habe ich mich entschlossen, die Arbeiten selbst einzustellen und zur Ergänzung noch einige im Netz verstreute Ausarbeitungen hinzuzufügen. Die theologisch orientierten Texte auf den Unterseiten spiegeln zwar nicht mehr meine aktuelle Haltung, sind aber als Wegpunkte der Entwicklung vielleicht für den einen oder anderen Leser ebenso eine Hilfe, wie damals für mich. Eine Überarbeitung der Arbeiten werde ich nicht vornehmen, da für mich das Kapitel der Verarbeitung seit 2008 abgeschlossen ist.  Viel Zeit möchte ich also nun nicht mehr in die Beschäftigung mit der NAK investieren, wohl aber die Ergebnisse des eigenen, mühsamen Lösungsprozesses anderen zur Verfügung stellen, die sich ebenfalls auf dem Weg heraus befinden, und dabei Unterstützung suchen. Wer diese Seite, die ich selber finanziere, durch Spenden  unterstützen möchte, weil er aus den kostenlos zur Verfügung gestellten Ausarbeitungen persönlichen Nutzen gezogen hat, kann sich gerne an mich wenden oder den Button unter Impressum nutzen (jetzt spenden). Die Spenden kämen dann in erster Linie über meine Frau unterstützend den Menschen zu Gute, die sich in ihrer Ausstiegsnot oft Hilfe suchend an sie wenden, aber durch ihre meist verfahrene Situation kaum die Mittel haben, ein Honorar dafür aufzubringen.

Einführung: Die Neuapostolische Kirche, als drittgrößte Gemeinschaft in der Bundesrepublik hinter den Landeskirchen, ist von außen gesehen eine eher unscheinbare Gruppierung, die von vielen Menschen eher den Freikirchen zugezählt wird. Besucht man einen ihrer Gottesdienste, wird man in vielen Fällen angetan sein von einer gewissen Herzlichkeit und familiären Atmosphäre. Aber dieser Schein trügt. Leider aber unterliegen z.T. auch aktuell die Beauftragten der Landeskirchen für Sondergemeinschaften oder Politiker, wie jüngst der OB Horst Frank von Konstanz, diesem Schein. So antwortete mir z.B.  Dr. Fincke auf die Zusendung meiner "Konstitutiven Merkmale" in einer Mail vom 6.6.03:

".. Da wir oft lange Manuskripte erhalten, ist es für uns schwierig, diese im Einzelnen durchzusehen. Dennoch habe ich Ihre Arbeit mit Interesse gelesen und bewundere die Akribie, mit der Sie versteckte Zitate und Aussagen gefunden haben. Grundsätzlich ist jedoch die Frage, ob man die Neuapostolische Kirche derart kritisch betrachten muss, wie Sie es anstreben. Es gibt - wie Sie wissen - durchaus ernstzunehmende Bemühungen in der NAK zu neuen theologischen Positionierungen zu finden. Ich denke man sollte die weitere Entwicklung der NAK mit Interesse abwarten.

Ich verbleibe mit  freundlichen Grüßen

Ihr Andreas Fincke"

 

Diese Entwicklung von 2003 bis heute ist Unter "Aktuelle Tendenzen" hinreichend dokumentiert. Seine Hoffnung also auf "ernstzunehmende Bemühungen in der NAK zu neuen theologischen Positionierungen" muss man gerade wegen der zuletzt vorgenommenen Verschärfungen der Dogmen in der Sondernummer der Leitgedanken 2011 als klar gescheitert ansehen. Dennoch bleibt Fincke mit einer verhaltenen Kritik  an der NAK auch 2011 dabei, auf einen Wandlungs- und Umdenkprozess zu setzen.  Der Berliner Pfarrer Thomas Gandow vom Pfarramt für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche formulierte hingegen in dem Grundlagenpapier Kriterien zum Gespräch  u.a. unter Vorbemerkung (Stand: 6.12.2009)  sehr deutlich:

"Die „Neuapostolische Kirche“ („NAK“) ist eine christliche Sekte, deren Führung „ökumenische Kontakte“ sucht, ohne sich tatsächlich und inhaltlich der Ökumene anzunähern. Denn dabei geht es bisher von Seiten der „NAK“-Leitung nicht um die Bemühung um eine Ökumene der inhaltlichen Übereinstimmungen etwa auf der Grundlage der „Basiserklärung“ des Ökumenischen Rates der Kirchen, sondern eher um eine „Anerkennungsökumene“ auf der „Basis gegenseitigen Respekts“."

Wer selbst einen kritischen, vielseitigen Blick hinter die Kulissen werfen möchte, kann dies hier von der Historie bis in die jüngste Gegenwart in dem soziopsychologischen Aufsatz "Konstitutive Merkmale der NAK" tun. Umfangreich recherchiertes und sehr schwer zugängliches internes Schriftmaterial leitet, um zunächst einen eigenen Einblick gewinnen zu können, die Ausführungen ein und bereitet die später vertiefenden Ausführungen u.a. zur Problematik der Bewusstseinsmanipulation in dieser Kirche vor. Tilmann Moser schrieb mir dazu: 

    Lieber Herr Streich,
ich habe lange gelesen und geblättert in Ihrem Manuskript, zum Teil erschüttert, zum Teil auch, als weit außenstehender, amüsiert, obwohl alles so tief ernst ist. Ich gratuliere Ihnen zu der Arbeit, auch zu Ihrem Ausstieg. Gerne würde man vielleicht mehr lesen über Ihren inneren Weg heraus, aber vielleicht wollten Sie mehr Objektivität. Ich hoffe, dass Ihr Wunsch Wirklichkeit wird, dass Ihre Arbeit vielen Betroffenen nutzt bei der Befreiung.
Mit freundlichen Grüßen Ti Moser (2.4.06)

Noch einen Schritt weiter-, oder besser tiefergehend beschäftigt sich die Arbeit zur "Psychodynamik religiös fundamenalistischer Bewegungen" tiefenpsychologisch orientiert mit den Folgen bei Menschen, die in eine solch enge Gemeinschaft hineingeboren wurden und unter großen Mühen um den Ausstieg bemüht sind. Woher kommt diese ungeheure und durchaus auch noch nachträgliche Bindungskraft dieser Sekten, was sind eigentlich die innersten Beweggründe zum Bleiben, welche Spätfolgen leiten sich aus der Bewusstseinsmanipulation ab? Diese und weitere Fragen werden aufgegriffen und in einem Modell auf der Basis der psychodynamischen Prozesse durchschaubar gemacht. Da sich die Arbeit stark an Ausführungen des Psychiaters und Psychoanalytikers  Prof. Dr. Med. S.Mentzos orientiert, bat ich ihn um eine sachliche Begutachtung. Seine Antwort

    Sehr geehrter Herr Streich,

vielen Dank für die Übersendung Ihres Manuskripts, welches ich mit großem Interesse - wenn auch durch meine Sehstörung nur auszugsweise - gelesen habe.
Ich kann nur sagen, dass Ihr Bericht erschütternd und Ihre Analyse im Ganzen mir richtig und überzeugend erscheint.
Diese oft verhängnisvolle Verknüpfung von natürlichen psychischen Bedürfnissen des Einzelnen und den bewussten und halbbewussten Zielsetzungen von Institutionen hat mich intensiv seit den 70er Jahren beschäftigt - ich weiß nicht, ob Ihnen zwei weitere Bücher von mir, die dieses Konzept konsequent bearbeiten, bekannt sind. "Es geht um die "Interpersonelle und institutionalisierte Abwehr", Suhrkamp, 2. Auflage 1988) und "Der Krieg und seine psychosozialen Funktionen" (Vandenhoeck & Ruprecht, 2. Auflage, 2002). Dort versuche ich zu zeigen, wie verbreitet solche schrecklichen Prozesse sind.

Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihr weiteres Leben.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. S. Mentzos (25.4.06)

Beide Arbeiten wenden sich als gewünschte Hilfe an Psychotherapeuten, aber auch – trotz der komplexen Problematik - an interessierte Laien, wie Seelsorger, begleitende Lebenspartner, Freunde, Verwandte, Mitglieder anderer Sekten und nicht zuletzt an die Betroffenen selbst, weil die Ratlosigkeit vor der Befindlichkeit und das Befremden über die von außen kaum nachvollziehbaren Reaktionen den Aussteiger oft noch einsamer machen, als er es ohnehin schon ist.

In den vergangenen Jahren und besonders nach dem durchaus kritisch zu bewertenden Bericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zum Thema "Sogenannte Sekten und Psychogruppen" 1998 (hier ein Kommentar zum Thema)  ist die Diskussion üer die Frage, ob speziell die Neuapostolische Kirche (NAK) oder auch die eine oder andere christlich orientierte Gemeinschaft eine Sekte ist oder eher als Freikirche oder Christliche Sondergemeinschaft einzuordnen sei, erneut aufgekommen und von verschiedenen Seiten sehr unterschiedlich beantwortet worden.
Die schwer zu entscheidende Frage, welchen der beiden Gruppen die NAK zuzuordnen ist, wird in der Arbeit
"NAK- Christliche Sondergemeinschaft oder Sekte?"  eingehend untersucht und aus einer psychologischen Sicht heraus auch sachlich begründet beantwortet. Eine stark gekürzte, ergebnisorientierte Zusammenfassung der Arbeit findet sich bei Readers Edition.

In der Arbeit "Spachliche Mittel zur mentalen Zwangsüberzeugung in der NAK - Eine rhetorische Stilmittelanalyse"   wird konkret untersucht und erstmalig aufgedeckt, wie in der NAK durch die Predigten der höheren Amtsträger am Beispiel einer konkreten Predigt und weiterer Schriften des Kirchenpräsidenten der NAK, Herrn Dr. Leber, die Hörer durch spezifisch verwendete Sprachmittel in einen leichten Trancezustand versetzt werden und anschließend durch suggestive Schlüsselwörter (Trigger) so im Unterbewusstsein beeinflusst werden, dass sie sich dieser mentalen Zwangsmanipulation auch nach dem Verlassen der Veranstaltung, ja selbst nach einem erfolgten Kirchenaustritt nicht entziehen können. Siehe dazu auch das von mir angefertigte Predigt-Musterbeispiel! Eine Anfrage bei Dr. H.U. Gresch ergab folgende Antwort:

    Sehr geehrter Herr Streich,

leider ist es mir nicht möglich, ein 24-seitiges Dokument kostenlos auf fachliche Stimmigkeit zu überprüfen. Mein Stundensatz beträgt € 40,00 plus 19 % MwSt. Bitte melden Sie sich, falls Sie an einem kostenpflichtigen Gutachten interessiert sind.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Hans Ulrich Gresch , 19.10.2008


PS: Aus meiner Sicht gilt uneingeschränkt: Religion ist - jede Form von Religion ist mentale Programmierung. Was sonst? Das ist ihre soziologische Funktion. Die Kirchen, Sekten und Kulte beginnen mit der Gehirnwäsche bereits in frühester Kindheit und sie lassen die Menschen bis zum Grabe nicht mehr los - es sei denn, sie könnten sich von diesem Bann befreien. 


( Dazu ein eingeschobenes Zitat von Sigmund Freud: Die Zukunft einer Illusion (1927)

 "... Für die Illusion bleibt charakteristisch die Ableitung aus menschlichen Wünschen, sie nähert
sich in dieser Hinsicht der psychiatrischen Wahnidee, aber sie scheidet sich, abgesehen von dem komplizierteren Aufbau der Wahnidee, auch von  dieser. An der Wahnidee heben wir als wesentlich den Widerspruch gegen die Wirklichkeit hervor, die Illusion muß nicht notwendig falsch, d. h. unrealisierbar oder im Widerspruch mit der Realität sein.

Ein Bürgermädchen kann sich z. B. die Illusion machen, daß ein Prinz kommen wird, um sie heimzuholen. Es ist möglich, einige Fälle dieser Art haben sich ereignet. Daß der Messias kommen und ein Goldenes Zeitalter begründen wird, ist weit weniger wahrscheinlich; je nach der persönlichen Einstellung des Urteilenden wird er diesen Glauben als Illusion oder als Analogie einer Wahnidee klassifizieren. ..." )


Aufmerksam machen möchte ich noch auf die wichtigen Arbeiten meiner Frau Ulrike Bär-Streich, Heilpraktikerin für Psychotherapie , die auch telefonisch oder per Email in der Ausstiegsbegleitung und Beratung tätig ist:

Risiken für die Selbstbildung durch Erziehung und Sozialisation in fundamentalistisch religiösen Gemeinschaften. Ausarbeitung zur Individuation von Kindern und Jugendlichen unter institutionsmanipulierender Beeinflussung am Beispiel der ‘Neuapostolischen Kirche’.

Heraus aber wie? Psychologische Beratung oder Therapie? Überlegungen zur spezifischen Problematik von Geburt an religiös-fundamentalistisch geprägter Menschen. Eine multifaktorielle Untersuchung zur Begleitung des Ausstiegs und dessen Folgeerscheinungen in Beratung und Therapie.

 Jeder, der es möchte, kann sich nun mit Hilfe der eingestellten Arbeiten und Texte sein  eigenes Bild von der NAK und ihren Sonderlehren (Link zu einem Artikel von Thomas Gandow 2009) machen, von ihrer Geschichte bis in die Gegenwart, und selbst prüfen, ob die argumentativ aufgezeigten Kritikpunkte für damals und heute stimmig sind oder nicht ...

Mit guten Wünschen nun für jeden Menschen auf seinem Weg, den Ausstieg aus der NAK als den eigentlichen Einstieg ins Leben  zu begreifen!

Über einen  Eintrag ins Gästebuch, besonders über Erfahrungen mit den eingestellten Texten, würde ich mich sehr freuen, ebenso auch über private Zuschriften (siehe Impressum oder Kontakt ...) und Berichte.

Detlef Streich