Foto: Michael Fiegle in der Wikipedia auf DeutschCC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Vergangenheit ist niemals tot. Sie ist nicht einmal vergangen. (William Faulkner)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

A) Artikel und Kommentare Detlef Streich

  1. April 2021 Einführung
  2. NEU ab Juni 21 Wer war Friedrich Bischoff? Inszenierte Wirklichkeiten als konstitutives Merkmal der NAK  
  3. 16.4. 2021Anmerkungen zur NAK zu Zeiten des Kaiserreichs, des  Nationalsozialismus und in der DDR
  4. 6.5.2021 Offener Brief an den Stammapostel/ Kirchenpräsidenten der Neuapostolischen Kirche (NAK) Jean-Luc Schneider zur heutigen Haltung der NAK und ihrer Historie
  5. 27.5.21 Betrifft: Nachtrag vom 27.5.21 zum  Offenen Brief an Stap Schneider Exzerpt: Die NAK im Nationalsozialismus in 20 Punkten
  6. 1.5.2021 Über die Haltung [...] der Neuapostolischen Kirche der DDR zur neuen Verfassung (1968) Aus dem deutschen Bundesarchiv ein Bericht des MfS (Ministerium für Staatssicherheit)
  7. NEU 8.6.21 NAKI Stellungnahme vom 9.7.2004: Neuapostolische Kirche will seit 2000 seriös die  DDR-Zeit aufarbeiten,und tut seitdem nichts!

 

 

B) Artikel und Berichte Olaf Wieland

  1. 19.4.2021 Zur Person Olaf Wieland   NEU 20.5.21 Ergänzung mit weiteren Forderungen
  2. 16.4.2021 Hochrangige Vertreter der Neuapostolischen Kirche waren Spitzel Ein Interview mit Olaf Wieland  (2004)
  3. NEU 4.6.2021 Antrag auf Einrichtung einer AG zur seelsorgerischen Begleitung von Angehörigen neuapostolischer Amtsträger, die als Mitarbeiter für die Stasi tätig waren (April 2012)
  4. 19.4.2021 „Vom Segen gemeinsamer Arbeit“ Neuapostolische Kirche (NAK) und das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der damaligen DDR (2014) 
  5. 23.4.2021  Offener Brief an den Bezirksapostel i. R. Willy Adam NAK-Mecklenburg zu seiner IM-Tätigkeit für die Stasi (2004)
  6. NEU 20.5.21 Erste Anwerbung vom BÄ Willy Adam als IM des MfS (Stasibericht von 1960)
  7. 24.4.2021  BezAp Kurt Kortüm war Inoffizieller Mitarbeiter (IM Deckname „Kurt Sigmund) für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) - Ein Geheimer Bericht über seine Anwerbung  durch die DDR-Sicherheitsorgane (1971)
  8. 3.5.2021 Bezirksälteste  Pflugmacher (Mecklenburg) berichtete als IM "Jünger" von seiner Reise zu den Verwandten aus der BRD seinem Führungsoffizier berichtete (1983)
  9. 5.5.2021 BÄ Pflugmacher(IM "Jünger") bricht das Beichtgeheimnis und bittet um ein Eingreifen der DDR-Sicherheitsorgane in einer persönlichen Angelegenheit bei einer neuapostolischen Familie (1979)
  10. 6.5.21 BÄ Pflugmacher (IM Jünger)beteiligte sich an der Verfolgung der in der DDR verbotenen Glaubensgemeinschaft  "Zeugen Jehovas" mit besonderer Denunziationsbereitschaft (1981, 1985)
  11. 25.5.21 Bericht zur ersten Kontaktaufnahme der Stasi mit Apostel Köhler (18.11.1970)
  12. NEU 16.6.21 Unterlagen zum Bezirksältesten Gerhard Wolter, der als IM ´Gerhard` bis zum 03.09.1985 tätig war

 

Mache mit: Wer hier liest und selber Erlebnisse zum Thema NAK in der DDR hatte, darf gerne seinen Erfahrungsbericht, der absolut vertraulich behandelt wird, an mich schicken. In Absprache kann dies dann anonymisiert für andere Leser hier eingestellt werden.

 

Einführung:

Sie finden auf dieser Unterseite unter dem Motto ´Aufklärung statt Vertuschung` in den Artikeln eine Sammlung umfangreicher, historischer Quellen zum Verhalten der NAK-Führung besonders zur Zeit des Nationalsozialismus und in der DDR. Olaf Wielands Aufforderung, die entsprechenden Stasiakten der neuapostolischen IM´s in der DDR öffentlich einzustellen, kam die Neuapostolische Kirche International auch über 30 Jahre nach dem Zusammenbruch des SED-Regimes nicht nach. Deshalb sollen hier in einer umfassenden Offenlegung der von Wieland recherchierten Stasiberichte diese Informationen der interessierten Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht werden. Die teilweise imhaltliche Banalität der neuapostolischen Spitzel mag den Leser nicht veranlassen zu denken:"Na, was soll es, so schlimm war das doch nicht!" Es geht nicht um die Wichtigkeit der Inhalte, sondern um die Tatsache an sich, dass zahlreiche Seelsorger der NAK bis hin zu Bezirksaposteln in der DDR ihr Amt dazu missbraucht haben, in vertraulichen Gesprächen erworbenes Wissen an die Stasi weitergegeben zu haben und nicht staatstreue Mitglieder mit harten Sanktionen belegten. Die geheimen Treffen der IM´s  mit ihrem Führungsoffizier fanden in sogenannten "konspirativen Wohnungen" statt. Das ist eklatant und verdient  eine besondere Hervorhebung und Begriffserklärung für den heutigen Leser:

"Konspirative Wohnung: Wohnung (bzw. Zimmer), die dem MfS von einem IM zur Sicherung der Konspiration und des Verbindungswesens (IMK/KM) zur Verfügung gestellt wird. In der KW werden bei Gewährleistung des  Schutzes, der Konspiration und Sicherheit der IM Treffs durchgeführt.
Die festgelegten Maßnahmen zur Legendierung der Treffs in der KW sind unter Einbeziehung ihres Inhabers systematisch und gewissenhaft durchzusetzen. Insbesondere durch periodische Überprüfungen des Inhabers und dessen Familie sowie der Umgebung der KW sind die Voraussetzungen für ihre weitere Benutzbarkeit festzustellen und bei Hinweisen auf Dekonspiration oder Gefahren für die Konspiration Entscheidungen zur weiteren Nutzung zu treffen. Zur Gewährleistung der Konspiration ist weiterhin zu sichern, daß nur überprüfte und zuverlässige IM einer den objektiven Bedingungen entsprechenden und vertretbaren Anzahl in einer KW getroffen werden und darüber eine konkrete Dokumentation erfolgt."
(Quelle: Siegfried Suckut (Hg.): Das  Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen zur "politisch-operativen Arbeit", (Ch. Links Verlag 1996, wissenschaftliche Reihe des Bundesbeauftragten 5),  Berlin 1996, 217.)
 Weitere Info zumThema

Mit diesem durchorganisierten Denunziantentum bis hin zu den untersten Kirchenämtern waren sie also im Sinne des Staates politisch tätig und unterstützten das unterdrückende SED-Regime. Zudem konnten sie in keinem Fall wissen, welche Folgen für die Betroffenen aus den übermittelten Informationen entstanden und welcher Druck dadurch von den Staatsorganen auf sie ausgeübt werden konnte. Mit ihrem kirchlichen Amt und den damit verbundenen seelsorgerischen Aufgaben lässt sich dieses Spitzelverhalten jedenfalls in keinem Fall vereinbaren! Anzumerken ist zudem, dass jeder neuapostolische Priester angehalten war, von den Hausbesuchen bei Geschwistern dem jeweiligen Vorsteher Mitteilung zu machen, auch inhaltlich. Der wiederum hat diese Informtionen in der Hierarchie nach oben weitergeleitet. Das Beichtgeheimniss, was auch für die NAK gilt, wurde damit permanent verletzt, ohne dass die betroffenen Geschwister davon etwas wussten ...

 

 

Anmerkungen zur NAK zu Zeiten des Kaiserreichs, des  Nationalsozialismus und in der DDR  (6.5.2021)

Autor: Detlef Streich (ergänzte Fassung vom 26.5.2021)

Gliederung:

Abstract (Kurzzusammenfassung)

  1. Einführung
  2. Exkurs: Die NAK im Nationalsozialismus
  3. Einschub zur Bücherverbrennung
  4. Einschub zur Wirksamkeit ideologischer Systeme
  5. Amtsmissbrauch durch die Apostel der NAK
  6. Conclusio
  7. Offener Brief zum Thema an Stap Schneider

Matthäus 5, 23f "Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe."

Abstract (Wesentliche Kurzzusammenfassung des Artikels)

Anhand von Zitaten und Berichten wird im Artikel ausführlich dargestellt, wie sich die Kirchenführung der NAK zu Zeiten des Kaiserreichs, des  Nationalsozialismus und in der DDR zum bereitwilligen Handlanger des jeweiligen Staates und seiner Ziele gemacht und christliche Verhaltensweisen und seelsorgerische Verantwortung dabei über Bord geworfen hat.

Der 1908 eingeführte 10. Glaubensartikel ermöglichte es der NAK-Führung, die funktionale  Trennung zwischen Staat und Kirche aufzuheben und die jeweiligen politischen Ziele zu gleichrangigen Glaubensgrundsätzen zu erheben, denen die NAK-Mitglieder in absolutem Gehorsam folgen mussten. Dies konnte funktionieren, weil die Struktur diktatorischer und totalitärer Systeme auch den Struktur- und Wertevorstellungen der autoritären Kirchenführung entsprach.

Staatlich wie kirchlich wurden eigens ideologische Denkwelten konstruiert, die die vorhandene menschliche Wirklichkeit durch eine fiktive Parallelwelt ersetzten und in denen die aufgebaute Schein-Welt zur kollektiv geglaubten Wahrheit wurdeDamit stabilisierte und legitimierte die NAK durch die Übernahme der staatlichen Denk- und Verhaltensvorgaben automatisch ihre eigene Richtigkeit und Existenzberechtigung.

Keinesfalls ging es - wie offiziell bisher stets behauptet – um eine bloße Anbiederung oder erforderliche Anpassung als Überlebensstrategie an diese zeitbedingten politischen Systeme. Die Ursache der Annäherung liegt vielmehr in der Gleichartigkeit des Denkens: Das Ziel und Kernstück beider Systeme ist nicht das Wohl der an sie glaubenden Menschen, sondern die voraussetzungslose und absolut eingeforderte, unbedingte Nachfolge gegenüber den jeweils geistlichen Führern und der Erhalt ihres Machtapparates. Die Person als Einzelne galt nichts, sondern ihre uneingeschränkte Hingabe an die  Sache. Die vollständige Unterstützung der aufgebauten Institutionen und Strukturen waren kirchlich wie politisch der Gradmesser ihrer Treue zum System, auch und explizit zur Institution der NAK.

Alle daran mitarbeitenden Amtsträger der NAK im Nationalsozialismus und in der DDR machten und machen sich noch heute durch ihr Schweigen des Amts- und Machtmissbrauchs schuldig. Sie sind und waren nicht nur Mitläufer wie so manche anderen gesellschaftlichen Mitglieder, sondern müssen als Täter angesehen werden, die das System NAK bis auf den heutigen Tag um den Preis der Selbstaufgabe der Kirchenmitglieder stützen und erhalten.

 

Einführung

Die neue Unterseite "Die NAK in der DDR" dient dazu, Material zu diesem Thema, was bisher an verschiedenen Orten zugänglich war, nun hier zusammenzufassen und Interessierten Menschen zugänglich zu machen. Inhaltlich verantwortlich für alle Texte ist Olaf Wieland, der selbst in der DDR aufgewachsen ist und sich seit der Wende umfangreich diesem Thema als Forschungsarbeit gewidmet hat. Schon zu DDR-Zeiten war bekannt, dass die NAK-Führung der DDR intensive Kontakte zu Regierungsstellen, insbesondere auch zum Ministerium für Staatssicherheit (MfS, Akronym Stasi = Staatssicherheitsdienst u.a. als innenpolitische Geheimpolizei tätig) der DDR pflegte. Argumentiert wurde damals wie auch heute noch die Notwendigkeit zu dieser Zusammenarbeit, um in dem totalitären Staatssystem nicht unterzugehen. Olaf Wieland hat aber durch akribische Nachforschungen aufgedeckt, dass hinter dieser Beziehung und der kollaborativen Zusammenarbeit weit mehr steckte als notwendiger Opportunismus oder eine simple Anbiederung. 

Wie beim Forschungsbericht über die Botschaftszeit Stammapostel Bischoffs , der nie veröffentlicht wurde, weigert sich die Neuapostolische Kirche in Gestalt ihrer Bezirksapostel und des Stammapostels immer noch strikt,  heikle Themen ihrer Vergangenheit ungeschönt und ehrlich offenzulegen, obwohl z.B. die NAK-Berlin/Brandenburg sicher umfangreiches Material zum Thema DDR-Geschichte in ihren Archiven hat. Wie viel persönliches Leid und repressiver Druck unter den Kirchenmitgliedern, die nicht konform mit dem DDR-Staat und seinen politischen Forderungen und Maßnahmen waren, von der Kirchenleitung der NAK in der DDR erzeugt wurde und wie unglaublich eng die Zusammenarbeit mit der Stasi war, davon werden die nach und nach hier eingestellten Artikel von Olaf Wieland berichten. An Hand von Fakten wird offengelegt werden, wie sich die Kirchenführung der NAK in der DDR zum bereitwilligen Handlanger der Stasi gemacht und christliche Verhaltensweisen oder seelsorgerische Verantwortung dabei schlichtweg über Bord geworfen hat. Mit einem historischen Exkurs soll zudem aufgezeigt werden, dass dieses Verhalten der Zusammenarbeit der NAK mit totalitären Staatssystemen von Anfang an ein grundsätzlicher Teil ihrer Strategie war, gerade und besonders ausgeprägt in der Zeit des Nationalsozialismus.

Der markante und vielleicht provokante klingende Satz von Rupert Lay, dass Systemagenten  stets  Faschisten sind, weil ihnen die Interessen des Systems immer und ausnahmslos wichtiger sind als die in ihm befindlichen Menschen, ja dass grundlegende Menschenrechte beiseitegelegt und ignoriert werden, um das System Staat - oder bis auf den heutigen Tag auch das System NAK-Kirche - als Institution unter allen Umständen aufrecht zu erhalten, wird durch die hier zitierten Texte  und Zusammenhänge mehr als deutlich aufgedeckt. Das totalitäre System der DDR und das kirchlich strikt autoritäre System der NAK waren und sind Glaubenssysteme, in denen man unter polemischen Floskeln gemeinsam brüderlich geeint der Zukunft zugewandt dem Guten und dem Frieden diente und mit der Jugend - als dem neuen Geschlecht - dem neuen Leben zustrebte, wie es in der DDR-Hymne hieß. Die sprachlichen Parallelen zur NAK sind offensichtlich!

Und dass auch der Schutz des Systems NAK den Menschen in dieser Kirche vorgeordnet ist, gilt  offensichtlich und aktuell bis auf den heutigen Tag auch in politisch demokratisch ausgerichteten Strukturen. Ein sehr aktuelles Indoktrinationsbeispiel von Stap Schneider soll verdeutlichend aufzuzeigen, mit welchen manipulativen Mitteln innerhalb der Predigten Menschen demagogisch unterjocht und auf die Neuapostolische Kirche und ihre scheinchristlichen Notwendigkeiten eingeschworen werden. Völlig verwirrende Wiederholungen, nicht nachvollziehbare Paradoxien, Leerformeln, Einpeitschung von Schlüsselwörtern, scheinlogische Konstruktionen, Drohungen, ständig vereinnehmende Wir-Formulierungen und Vorgaben "wir wollen!", Forderungen, Vorwürfe, Unterwerfungsforderungen und anderes mehr sind beständige Kennzeichen ihrer Reden. Wirkliche und exegetische Predigten finden auf Grund mangelhafter theologischer Kenntnisse kaum statt. Eine ausführliche Darstellung der demagogischen Überzeugungstechniken findet man im Artikel: Glauben heißt vertrauen, das ist der Befehl des Tages – Christliche Predigt oder mentale Zwangsüberzeugung in der NAK? Absatz  5. Psychologische Überzeugungstechniken und (6.) ihre schädigenden Auswirkungen.  Wichtige Stellen, die im folgenden Predigtzitat unbedingt zu hinterfragen sind, sind fett gedruckt oder sogar zusätzlich unterstrichen.

3.1.2021, Winterthur, Neujahrsgottesdienst Stap Schneider (Auszüge aus der offiziellen Mitschrift):

"Der Christ läuft ein Rennen, „ein Wettkampf“, damit will der Geist Gottes zeigen, dass die Vorbereitung auf die Wiederkunft Jesu Christi kein Spaziergang ist und alles andere als komfortabel. Ein Wettkampf ist es, d.h. es kostet viel Mühe, es kostet viel Kraft! Man muss viel Eifer zeigen. Man muss viel Energie anwenden. Es reicht nicht, angemeldet zu sein, um teilzunehmen. Nein, man muss sich Mühe geben, um so zu werden, wie Gott es will. Und sich dem Willen Gottes anzupassen, das kostet Mühe und Arbeit. Das wird auch dieses Jahr der Fall sein. Da muss man ständig daran arbeiten, also bequem ist das mit Sicherheit nicht. Es kostet Mühe, es kostet viel Arbeit. Das wird natürlich nicht so gut aufgenommen heut. Es muss ja alles komfortabel sein. Aber die Vorbereitung auf das Kommen Jesu Christi ist nicht komfortabel. Es ist ein Kampf, ein Rennen. Wenn von „Wettkampf“ die Rede ist, heißt das auch, dass es eine Möglichkeit des „Scheiterns“ gibt. Bei einem Wettkampf gewinnen nicht alle, nur einer. Ein „Wettkampf“ heißt auch: „Es gibt die Möglichkeit des Scheiterns“! Um zu „gewinnen“, um die Krone des ewigen Lebens zu erhalten, muss man eben „bis ans Ende“ ausharren. Es reicht nicht, noch einmal: „angemeldet zu sein, teilzunehmen“, man muss bis ans Ende, was auch immer kommt, was auch immer vorkommt, muss man immer weiter kämpfen, arbeiten, schaffen, wirken bis ans Ende, - egal, was kommt. Wer vorher aufhört, verliert. Das Bild zeigt es, genauer kann man es gar nicht sagen. Das Bild eines Wettkampfes. Und wer nicht bis ans Ende ausharrt, der verliert. Paulus sagt dazu auch: Einen Wettkampf kann man nur gewinnen, wenn man die Regeln respektiert. Das ist ja klar, ob es jetzt olympische Spiele sind, irgendein Wettkampf: Wer sich nicht an die Regeln hält, der kann nicht gewinnen. Und die Regeln? Die bestimmen wir nicht. Die bestimmt Gott! Die bestimmt Jesus Christus. Die Regel für diesen Wettkampf heißt: Du musst dich an der Lehre der Apostel orientieren. Die verkündigen das Evangelium. Eine andere Regel ist: Du kannst nur selig werden in der Gemeinschaft der Gläubigen. Ein Einzelgänger kann das Ziel nicht erreichen. Ich belasse es dabei, bei diesen zwei Regeln: Lehre der Apostel, Gemeinschaft der Gläubigen. Ohne diese Regeln, wenn man diese Regeln nicht respektiert, kann man den Wettkampf nicht gewinnen […]

Wir wollen nicht auf die Schwierigkeiten schauen, wir wollen nicht auf unsere Leistung schauen, wir wollen auch nicht auf unsere Not schauen. Das ist so eine Tendenz manchmal bei den Menschen. Man beschäftigt sich sehr viel mit sich selbst und dann bedauert man sich und bemitleidet sich. „Ach, das ist ja so schlimm! Das ist doch alles so ungerecht. Das hab ich doch nicht verdient! Wieso ich, und ich, und immer ich? Und: „Früher war es doch viel besser! Heute ist es so schwer geworden, usw., usf. Dieses Jammern, dieses Sich Selbst Bemitleiden, Geschwister, ich sage es ganz klar, das ist eine Zeit- und Energieverschwendung. […]

Ach, wenn’s dann schwierig ist, in Krisensituationen, auf einmal merkt man, wie groß das „ICH“ noch ist. Wenn es dann schwierig ist, auf einmal merkt man: Ach, das „ICH“ ist aber noch sehr wichtig! Meine Person, meine Meinung, mein Wohlergehen, mein Interesse! Und bei manchen ist dann das Ich so groß, dass Jesus auf einmal ganz kleingeschrieben wird. Bei manchen wird das „Ich“ so groß, dass das „Wir“ total vergessen wird. Das wirkt sich auf ganz verschiedene Art und Weisen aus. Aber das gibt mir zu denken. […]

Jesus wurde gefragt: Ja, muss ich jetzt die Steuer zahlen an den Kaiser? Jesus hat gesagt: Gib dem Kaiser, was dem Kaiser ist und Gott was Gott ist. Den Hintergrund kennt ihr, sie wollten ihm eine Falle stellen. Die Antwort hat ihnen natürlich nicht gefallen. Sie hätten es gern gehabt, dass er sagt: Ne, ne, zahlt dem Kaiser die Steuer nicht. Das hätte ihnen gefallen. Jesus Christus wollte damit unter anderem zeigen: Wir bekennen uns, wie es im Katechismus heißt: Wir haben ein positives Verhältnis zu der Obrigkeit, zum Staat. Als neuapostolische Christen haben wir ein Glaubensbekenntnis und da ist ein 10. Artikel drin. Wir haben ein gutes Verhältnis zu der Obrigkeit, zum Staat und sind auch gehorsam. Der Rahmen sind die Gebote Gottes. Solange die Anordnungen und Vorschriften der Obrigkeit, der Behörde nicht gegen den Willen Gottes verstoßen, sind wir gehorsam. Es gibt Leute, die haben mich gefragt: Ja wieso tragt ihr eine Maske? Antwort: Weil ich neuapostolisch bin. Das ist eine Vorschrift der Behörde. Und um zu wissen, ob ich jetzt dieser Vorschrift Folge leisten soll oder nicht, gibt es eine Referenz: das Gebot Gottes. Und nicht meine Meinung. Nicht meine Auffassung. Ich empfehle die entsprechenden Kapitel des Katechismus wieder zu lesen. Wir orientieren uns an den Vorschriften der Regierung, wenn sie nicht gegen das Gesetz Gottes verstoßen. Maßgabe ist nicht meine Meinung, sondern das Gebot Gottes."

Die Schamlosigkeit, persönliche Meinungen und Gedanken-, Gefühls- und direkte Lebensvorgaben einschließlich indirekter oder direkter Drohungen bei Nichtbefolgung als göttlich verordnete Gebote darzustellen, die nach dieser Gehirnwäsche als "Apostellehre" unbedingt zu befolgen sind, ist damals wie heute gängige Predigtpraxis in der NAK! Man war und ist - ob als Amtsträger oder nur Mitglied - noch heute zum absolutem Gehorsam verpflichtet! Dass Jesus mit seiner Antwort  in der Perikope aus Mk 12,13-17 ein Bekenntnis zum Staat abgab ist mehr als zweifelhaft, eher trennte er mit seiner Antwort strikt Religion und Staat voneinander als zwei verschiedene Bezugssysteme.  Keinesfalls wollte er, wie Schneider interpretiert, damit ein positives Verhältnis zur Obrigkeit oder zum Staat ausdrücken oder gar einen den Menschen entwürdigenden Untertanengeist einfordern! Stap Schneiders Menschenbild sieht aber anders aus:

Stap Schneider 2018 in Berlin„ [...] das ist insofern ein schönes Bild für unsere Tätigkeit in unserem Amt, in unserem Dienst. Auch wenn wir Verantwortungsträger sind, auch wenn wir ein besonderes Amt haben, wir sind Knechte, wir sind Sklaven Christi, wie jedes Glied unserer Kirche. Wir sind völlig vom Herrn abhängig, wir haben keine Autonomie und wollen auch keine haben."

Gerade die Gehorsamspflicht auf Grund des 10. Glaubensartikels, den Stap Schneider hier erwähnte, hat eine lange, historische Tradition die belegt, dass die Führung der NAK besonders zu autoritären und diktatorischen Staatssystemen aktiv und freiwillig eine enge Verbindung suchte, die mit Anbiederung oder notwendigen Überlebensstrategien nicht hinreichend entschuldigt oder erklärt werden kann. Dazu jetzt ein historischer und ausführlicher Exkurs in die Zeit des Kaiserreichs und des Nationalsozialismus, in der sich in der NAK die Grundlagen des Verhaltens gegenüber nicht demokratischen Systemen und ihre offenkundige Nähe zu ihnen zeigten. Hier liegen auch die historischen Wurzeln zum späteren und daran nahtlos anknüpfenden Verhalten der NAK-Führung in der DDR.

 

Exkurs: Die NAK im Nationalsozialismus

Die ursprüngliche Formulierung des 10. GA lautete 1908:  „Ich glaube, dass die Obrigkeit Gottes Dienerin ist uns zugute, und wer der Obrigkeit widerstrebt, der widerstrebt Gottes Ordnung, weil sie von Gott verordnet ist. (Erst 1992 wurde der 10. GA wie folgt verändert:„ Ich glaube, dass ich der weltlichen Obrigkeit zum Gehorsam verpflichtet bin, soweit nicht göttliche Gesetze dem entgegenstehen.“)

Schon während der Kaiserzeit und vor allem im Dritten Reich hatte dieser Artikel für die Mitglieder der NAK eine besondere und durchaus auch politische Dimension, weil durch ihn eine strikte Trennung zwischen Staat und Kirche aufgelöst wurde. Die staatlichen Vorgaben und Ziele konnten dadurch - und dies besonders in der Zeit des NS-Terrors - in der NAK zu Glaubensgrundsätzen erhoben werden. In einem Aufruf ohne Datumsangabe (19??) von Stammapostel Niehaus Zur Reichstagswahl hieß es schon:

Vom Standpunkte des Glaubens sind wir bei jeder Wahl verpflichtet, die Regierung zu unterstützen, denn wir glauben, die Obrigkeit ist Gottes Dienerin*. Als Gottes Volk sind wir verpflichtet, die Dienerin Gottes, die Obrigkeit zu stützen, und zu schützen gegen die revolutionären Bestrebungen und Strömungen, ganz egal ob sie "rot" oder "schwarz" sind. [...] Wir fordern hierdurch unsere Mitglieder auf, ihr Wahlrecht und auch ihre Wahlpflicht auszuüben. Wir halten es für eine heilige Pflicht, nur solche Männer zu wählen, die die Kaiserliche Regierung stützen. Das ist unser Stellung und öffentliche Erklärung.    gez. H. Niehaus“

Und in den „Allgemeinen Hausregeln“ von Niehaus (1908) ist  - das Kaiserreich unterstützend - zu lesen:

 „Personen, welche Verächter der politischen und religiösen Einrichtungen des Staates und der bürgerlichen Gemeinde sind, welche umstürzlerischen, staatsfeindlichen Bestrebungen huldigen oder Verbindungen angehören, welche solche auf ihre Fahne geschrieben haben, können nicht Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde werden."

Im Buch ´Alte und Neue Wege` von 1913, Verf. Salus (=  Eberhard Emil Schmidt, Volksschullehrer und Mitglied der NAK) steht auf Seite 360:

„Die Apostel stehen nicht bloß nebeneinander, sondern ordnen sich willig der Führerschaft des Stammapostels unter, der als letzte und höchste Autorität gilt. Subordination ist kein beliebtes Wort in unserer Zeit, und doch gilt mit Recht die Disziplin, d.h. schlechthin unverbrüchliche, selbstverleugnende Gehorsam als die feste Grundlage eines jeden Gemeinwesens, sei es in Familie, Staat oder Kirche. Der Gehorsam des Glaubens ist auch bei den Neuapostolikern eine der wesentlichen Ursachen ihres Erfolges und eine sichere Bürgschaft für die Zukunft.“

Am 28. Juli 1914 brach dann der 1. Weltkrieg aus. Zu welchen wahnhaften Vorstellungen dies auch in der NAK über ihre eigene Bedeutsamkeit führte, zeigt besonders ein Artikel vom 20.9.1914 von Stammapostel  Niehaus in „Neuapostolische Rundschau“, S.206:

"Oft hört man die Frage, was ist der Grund zu dem gegenwärtigen Morden? Die Frage können nur solche beantworten, die dazu von Gott berufen sind, […]Unsere Feinde sind nur solche Völker, wo das Werk Gottes keinen Raum gefunden hat, während die Völker, wo das Werk Gottes Raum gefunden hat, unsere Freunde sind, was sehr auffällig ist.[...] England, Frankreich und Rußland haben die Boten Gottes nicht angenommen, und das alte apostolische Werk ist in England zu Schaum geworden, man achtet es nicht, aber fremde Götter wurden geehrt, und auf dem Wege der Ungerechtigkeit großgemacht in aller Welt.

O, England, o, England, wie wird es dir ergehen, wenn der Herr drein sehen wird, er wird deine junge Mannschaft mit dem Schwert erwürgen. Du hast unschuldig Blut vergossen und das gerechte Blut schreit von der Erde zum Himmel und die Stimme Gottes wird dich rufen: Kain, Kain, wo ist dein Bruder Abel?

O, Frankreich, o, Frankreich, wie wird es dir ergehen, Gott wird Strafe üben über deine Götter und Götzen, die in der Hand des Drachen sind.

O, Rußland, o, Rußland, wie wird es dir ergehen, du hast deine Götter über den Allmächtigen erhoben, du wirst mit deinen Göttern zur Erde geworfen werden und mit den Füßen der Armen zertreten werden."

Und Apostel C. Brückner  schrieb einen Monat zuvor in der „Neuapostolische Rundschau“  vom 30. 8. 1914 (Beilage) S.191:

"Durch den Krieg wird zweifellos auch viel Gutes mit ausgelöst. [...] Es war auch bald nicht mehr schön im lieben deutschen Vaterlande. Die Standesunterschiede wurden immer mehr und mehr unnatürlicherweise in die Höhe geschraubt. Man kannte sich im Stolze kaum mehr. Die Liebe erkaltete immer mehr zueinander unter den einzelnen Volksschichten. Aus den Menschen wurden langsam immer mehr Affen. (...) Glücklicherweise können wir wahrnehmen, daß auch in einem großen Teile des deutschen Volkes das Wecken, was Gott bewirkt hat durch den Krieg, nicht vergeblich ist. Besonders unter den Apostolischen ist das zu merken. Obwohl viele apostolische Männer in den Krieg gezogen sind, so sind unsere Lokale trotzdem mehr besetzt, als in Friedenszeiten. Es gibt keine Lauen und Trägen mehr. Selbst Verirrte kommen jetzt zurück, die verschlagen und im faulen Frieden eingeschlafen waren. (...) Gott steuert die Kriege auf Erden, aber solange wie es gut ist. (...) So wird auch das deutsche Volk siegen."

In der demokratisch geprägten Zeit der Weimarer Republik wurde der 10. GA interessanter Weise  in den Hausregeln (Satzung) vom 13.11.1922 vom Apostelkollegium nicht mehr aufgeführt und somit außer Kraft gesetzt, weil deren politische Ausrichtung und die nun gewählte Volksvertretung der Zustimmung offensichtlich nicht würdig war. Wie grundsätzlich mit Gedanken und Büchern  umzugehen ist, die nicht in das neuapostolische Weltbild passen,  zeigen die zwei folgenden Appelle an die Jugend aus den Jahren 1931/32 und die darauf gegebene Antwort:

Frage: „Was soll man mit Romanbüchern, Kunstschriften usw. aus nichtapostolischer Zeit tun, wenn man infolge des Besseren, was uns im Werke Gottes geboten wird, das Interesse daran verloren hat und noch befürchten muß, es könnte den eigenen Kindern zum Schaden gereichen, wenn diese aber dennoch materiellen Wert besitzen und sich dafür kein Käufer findet?“ (Quelle Jugendfreund 3. Jg. Nr. 9 vom 8. Mai 1931, Seite 72)

„Darum, liebe junge Mitgeschwister, lest keine schlechten Bücher, womit ihr Euer Glaubensleben vergiftet, sondern das, was Euch vom Stammapostel und den Aposteln angeboten wird. Wer noch schlechte Lektüre im Besitz hat, lese einmal Apostelgeschichte 19,19 und die Antwort auf eine diesbezügliche Frage im Jugendfreund Nr.9/1931, Seite 72. Wer danach handelt, wird es in seinem eigenen Interesse nie bereuen müssen. (Quelle Jugendfreund 4.Jg Nr. 7 vom 8. April 1932, Seite 54)

Die erschreckende Antwort der NAK mit dem Verweis auf Apostelgeschichte 19, 19 ff nimmt die später faktische Bücherverbrennung der Nazis zwischen dem 10. Mai und 21. Juni 1933 bereits gedanklich durch die NAK vorweg. Im angegebenen Zitat steht:

„18 Es kamen auch viele von denen, die gläubig geworden waren, und bekannten und verkündeten, was sie getan hatten. 19 Viele aber, die Zauberei getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich und berechneten, was sie wert waren, und kamen auf fünfzigtausend Silbergroschen. 20 So breitete sich das Wort aus durch die Kraft des Herrn und wurde mächtig.“

Aus Sicht der NAK ist eine Bücherverbrennung von Erzeugnissen aus "nichtapostolischer Zeit"  (sozusagen die gesamte Literatur!!)" also biblisch begründet und durchaus berechtigt, damit sich das Wort des Herrn, verkündet durch die neuapostolischen Leiter,  ausbreiten kann! Alles, was gegen die NAK und/oder gegen ihre im Folgenden noch aufzuzeigenden politisch vertretenden Überzeugungen spricht, sind vergiftende Glaubensüberzeugungen, die vernichtet werden dürfen. Diese Haltung legitimiert folglich auch die barbarische Bücherverbrennung der Nazis, die von der NAK vermutlich wohlwollend begleitet wurde! Der Herausgeber dieser Schriften war die Hauptleitung der Neuapostolischen Gemeinden. Der verantwortliche Redakteur Paul Weine wurde nach dem Krieg in den frühen 50er Jahren als Bischof im Raum Frankfurt eingesetzt!

(Vergleichsweise ähnlich martialisch und despektierlich äußerte sich auch der Kirchensprecher Bischof Johanning der NAK. Er stellte 2008  während einer ökumenischen Studientagung der evangelischen Kirche Hessen und Nassau zum bis dahin gültigen Lehrwerk der NAK sinngemäß fest,  „dass das Büchlein `Fragen und Antworten´ den Anforderungen an eine Zusammenfassung der Lehre nicht genügen könne – und „eigentlich auf den Scheiterhaufen“ gehöre.“ (Quelle) )

In den 1930er Jahren und mit dem aufkommenden Nationalsozialismus (die NSDAP erhielt bei der Wahl am 14.September 1930 18,3 Prozent der Stimmen und wurde zweitstärkste Fraktion) wurde der 10. GA vom Apostelkollegium wieder eingeführt und 1933 vom Stap Bischoff  auf das neue politische Herrschaftssystem  und konkret auf den Reichskanzler und Führer Adolf Hitler hin bestätigt:

Am Tag von Potsdam, 21 März 1933, hielt Bischoff einen Festgottesdienst und verkündigte unter Zugrundelegung von Sir.10,5, daß jetzt der von Gott gesandte Führer gekommen sei. Den Text der Ansprache ließ er samt vielen Unterlagen in die Reichskanzlei schicken.“ (Kurt Hutten,Seher Grübler Enthusiasten - 1982 - S.477)

"In einem Rundschreiben vom 21.3.1933 machte es der Hauptleiter allen Dienern und Mitgliedern der Neuapostolischen Gemeinden zur Pflicht, der von Gott gegebenen Obrigkeit untertan und gehorsam zu sein. Er forderte ferner auf, für die Obrigkeit zu beten und im Gemeinde- und Staatsleben die gegebenen Gesetze und Verordnungen gewissenhaft zu befolgen. Er wies auf eine Verfügung des Hauptleiters der Neuapostolischen Kirche aus dem Jahre 1908 hin, worin gesagt ist, daß die Neuapostolischen in Staat und Gemeinde sich so bewegen sollen, daß ihre Mitmenschen von ihnen lernen können und daß sie die Ersten in der Treue zur Obrigkeit und zum Vaterland sein sollen." (1933 Reichsstatthalter Epp, Aktenmaterial über die NAK, 1934-1935, Akt Reichs.st.h. 638/1, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München)

Die Mitglieder der NAK wurden in einem Rundschreiben vom 21.3.1933 von Stammapostel Bischoff wie folgt angewiesen:

[…] Um jede Unklarheit ueber die Stellung der Neuapostolischen in Staat und Gemeinde zu beseitigen, teile ich folgendes mit:[…]  Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt ueber ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun die Obrigkeit widersetzt, der widerstrebet Gottes Ordnung; die aber widerstreben, werden ueber sich ein Urteil empfangen. […]- Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem Koenige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als die von ihm gesandt sind […] Alle Diener und Mitglieder der Neuapostolischen Kirche haben also nach obigen Worten die Pflicht, der von Gott gegebenen Obrigkeit untertan und gehorsam zu sein.

[…] Der Hauptleiter der Neuapostolischen Kirche, Hermann Niehaus, schrieb im Jahre 1908 in dem Hilfsbuch fuer die Priester und Diener, dass die Apostolischen in Staat und Gemeinde sich so bewegen sollen, dass ihre Mitmenschen von ihnen lernen koennen, und dass sie die Ersten in der Treue zu Obrigkeit und zum Vaterlande sein sollen.

[…].   In meinem Rundschreiben vom 18.7.1932 habe ich, also zu einer Zeit, da wir noch keine nationale Regierung in Deutschland hatten, die Stellung und das Verhalten der Religionsdiener der Neuapostolischen Gemeinde zu der nationalen Bewegung erlaeutert. Besonders habe ich den Hinweis gegeben, uniformierte Nationalsozialisten in den Gottesdiensten genau so freundlich zu behandeln wie Personen in Zivilkleidung. […]

Noch deutlicher wurde Stap Bischoff dann in einem Schreiben der Hauptleitung der Neuapostolischen Kirche des In- und Auslandes am 2. 8. 1933 an das Preußische Kultusministerium, Berlin:

Die Neuapostolische Kirche steht in ihrer Lehre und ihrer Religionsauffassung auf dem Boden des Urchristentums, nicht aber auf dem des Judentums

Jeder Diener und jedes Mitglied der Neuapostolischen Gemeinde ist durch die planmäßige Beeinflussung seitens der Hauptleitung in nationalsozialistischem Sinn erzogen, so dass die meisten Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei angehören oder ihr nahe stehen.

Bei der Aufstellung aller Satzungen wurde von dem für die Autorität einer Kirche bestimmenden Gedanken des Führerprinzips ausgegangen, um dadurch die Möglichkeit zu einer straffen Organisation zu gelangen.

Wie wir im Staatsleben nur unter einer Führung, die den Erfordernissen des Volkes Rechnung trägt, ein glückliches Volk werden könnenwie wir nur dann Staatsbürger sein können, wenn wir uns dieser Führung restlos unterordnenso kann auch im religiösen Leben nur derjenige Mensch glücklich sein, der in einer innerlich gesunden Religionsauffassung stehend sich der Kirchenführung unterordnet und derselben den schuldigen Glaubensgehorsam entgegenbringt, die ihm die Gewähr zu einer seelischen Befriedigung bietet.

Eine große Zahl meiner Rundschreiben an die Leiter und Diener der Neuapostolischen Kirche Deutschlands liefert den klaren Beweis, dass sie uneingeschränkt und bedingungslos die nationalsozialistische Bewegung nicht nur anerkennt, sondern auch gefördert hat. 

Außerdem habe ich verschiedenen anderen nationalsozialistischen Formationen meine finanzielle Unterstützung zukommen lassen. ...

Heil Hitler, J. G. Bischoff“

(*Vergleiche hierzu auch Wahlbeeinflussung in der DDR)

Man beachte die absolut freiwillige Unterzeichnung mit "Heil Hitler" von Bischoff, die gerade aus christlicher Sicht problematisch ist: "Es ist in keinem anderen Heil ..." Apg 4,12Die finanzielle Unterstützung in Form geleisteter Spenden betrug laut Bischoffs eigenem Lebenslauf (datiert vom 2.8.1933) im Zeitraum von 1931 (!) bis September 1933 , also auch bereits deutlich vor der Machtübernahme Hitlers, insgesamt 137.541 RM, eine durchaus sehr beachtliche Summe! Der Durchschnittsverdienst in dieser Zeit betrug pro Monat ca. 165 RM. Ein Arbeiter hätte also für diese Spendensumme knapp 70  Jahre durcharbeiten müssen.

Im Dezember 1933 rief Bischoff dann in einem Rundschreiben an die Amtsträger (1.12.1933) dazu auf:

 „Das Jahr geht nun rasch zu Ende, aber nicht das, was es uns gebracht hat. Dankbaren Herzens sehen wir auf die Geschehnisse im Jahre 1933. Deutschland ist von der Zersplitterung befreit, Parteiwesen ist nicht mehr.  . . .

Aus diesem allem erkennt man aber, was ein Mann vermag, den die Liebe zu dem deutschen Volke trieb, alles neu zu gestalten. Wir Neuapostolischen wollen alles daran setzen, die vom Führer zum Wohl des Volkes getroffenen Anordnungen gewissenhaft zu befolgen, damit er mit uns keine Sorgen und Arbeit hat. Dadurch, dass jeder Einzelne an seinem Platze seine Stellung gewissenhaft ausfüllt, ist dem Führer und damit dem ganzen Volk am besten gedient.“

Ferner galt laut eines Schreibens von Apostel Landgraf (Auszug) seit dem 28. J u n i 1 9 3 3, dass in die Gemeinde aufzunehmende Personen zuvor folgende schriftliche Erklärung abgeben müssen:

Ich ersuche, ohne dazu von irgendeiner Seite veranlasst zu sein, um Aufnahme in die Neuapostolische Gemeinde und erkläre an Eides Statt, dass ich keiner staatsfeindlicher Organisation angehöre und auch keine staatsfeindliche Gesinnung habe.

Im gleichen Schreiben wurde noch weiter angeführt:

„Ausserdem sei noch auf die Tatsache hingewiesen, dass schon seit 1921 und 1923 Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde mit dem Führer Freud und Leid geteilt haben. Zwei ihrer Mitglieder haben dabei ihr Leben gelassen, über 60 wurden verwundet und einige infolge ihrer nationalsozialistischer Betätigung mit Gefängnis bestraft. Dies ist im Verhältnis zur Mitgliedschaft der Gemeinden ein hoher Prozentsatz. […] Diese Ausführungen dürften genügen, um eindeutig zu zeigen, dass die Neuapostolische Kirche sowohl v o r wie n a c h der Machtergreifung unseres Herrn Reichskanzlers Adolf Hitler alle Voraussetzungen erfüllt hat, die nach dem Programm der NSDAP unter Punkt 24 gegeben sind.“

Zudem wird noch berichtet, dass auch der Versuch von Stap Bischoff unternommen wurde, andere Bezirksapostel politisch zu beeinflussen:

Ap. Landgraf 1933:  "Der Hauptleiter hatte die überseeischen Vertreter der Neuapostolischen Kirche nach Deutschland eingeladen, damit sie sich neben der Besprechung kirchlicher Fragen von den tatsächlichen Verhältnissen in Deutschland durch eigene Anschauung überzeugen und im Auslande auch für das Deutschtum eintreten können. ... Auch ermahnte der Hauptleiter in einem Rundschreiben vom 1. A u g u s t 1 9 3 3 alle Amtsträger und Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde, sich gewissenhaft an die von ihm gegebenen Anordnungen zu halten, ferner alle abfälligen Äusserungen über andere Glaubensanschauungen, deren Einrichtungen und Diener zu unterlassen. Die peinlich-gewissenhafte Befolgung aller Anordnungen und Verfügungen des Hauptleiters, der seinen Sitz in Deutschland hat, ist Pflicht eines jeden Mitgliedes der Kirche; denn in ihr ist das Führerprinzip in religiöser Hinsicht in jeder Weise ausgeprägt.(Vollständige Fassung der Selbstdarstellung Landgrafs)

Dies bekam auch die obere Etage der Nationalsozialisten mit. Von der SS, genauer von ihrem Leiter Reichsführer-SS Heinrich Himmler bekam der Stammapostel  J.G. Bischoff in einem geheimen Leitheft des Sicherheitsdienstes vom Mai 1937 bestätigt:

„Die Neuapostolische Gemeinde betont in Punkt 10 ihres Glaubensbekennisses streng die weltliche Autorität. Seit der Machtübernahme betont sie in geradezu auffälliger Weise ihre nationalsozialistische Gesinnung (siehe Anlage 6). Die frühere Einstellung des Stammapostels Bischoff, der für die allgemeine politische Haltung verantwortlich ist, ist nicht bekannt, da er politisch nie hervorgetreten ist. Heute allerdings stellt er seine Sympathie mit dem Nationalsozialismus in den Vordergrund und verlangt von seinen Mitgliedern in zahlreichen Rundschreiben die gleiche positive Einstellung zum Staat, oft aber in einer reichlich plumpen Weise.“ Quelle: Reichsführer-SS, SD-Leitheft über die Neuapostolische Gemeinde e.V. Mai 1937, 44S., Akt R58/230, Bundesarchiv Koblenz/(hier zitiert auDie Neuapostolische Kirche in der NS-Zeit, Autor Dr. Michael KönigFeldafing 1993 als handkopierte Broschüre, 1. Auflage Mai 1993, S. 6 )

Ein Amtsblatt der NAK von 1937 , in dem von Stap Bischoff - zumindest als Herausgeber verantwortlich -dargestellt wurde, dass Jesus kein Jude war, spricht auch deutlich zur Sache:

"Jesus ist aber von keinem Juden gezeugt, sondern er ist das Wort von Ewigkeit her, und Gott, der ewige Geist, ist der Vater dieses Wortes. Dieses Wort, erfüllt vom Geiste des Ewigen, durch Verkündigung des Engels in den Schoß der Maria gegeben, hat sich als ein göttlicher, nicht jüdischer Same dem von Gott zur Ausreife im Mutterleibe gegebenen Gesetze entsprechend entwickelt." 

Auch Friedrich Bischoff (1909 - 1987), der Sohn des Stammapostels, war mit den Nationalsozialisten sehr verbunden. Am 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei, war Mitglied der Sturmabteilung (SA) und  beim SA-Fliegersturm. Sein Antrag auf eine Mitgliedschaft in der SS (Schutzstaffel) ist abgelehnt worden. Ab 1933 war Frierdrich Bischoff als politischer Beauftragter der NAK das Verbindungsglied zur NS-Führung. In einem Empfehlungsschreiben der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Propaganda und Volksaufklärung notierte Herr Müller-Scheld, ein Mitarbeiter und enger Vertrauter von Joseph Goebbels (Akt RKM 23418 Bundesarchiv Potsdam) über ihn (1936?):

Friedrich Bischoff ist Parteigenosse, mir seit Jahren bekannt und politisch und menschlich absolut zuverlässig.“

Stap Bischoff selbst gab in einem Schreiben an das Preußische Kultusministerium, Abteilung für Kirchenwesen, Berlin; August 1933 (Quelle Bundesarchiv  Vol. III vom Juni 1924-1941, Generalia 23418, Sekten, 25 III, Bl. 114-127: hier Blatt 126) die SA-Mitgliedschaft seines Sohnes an: 

„Der sogenannte Wagenpark meines Sohnes besteht den Geschäftsverhältnissen entsprechend aus einem Lieferwagen und einem Personenwagen. Das erwähnte Flugzeug gehört nicht zum Besitz meines Sohnes, sondern ist Eigentum des deutschen Buchverlages G.m.b.H., an dem mein Sohn beteiligt ist. Außer rein geschäftlichen Zwecken findet das Flugzeug im hiesigen SA-Fliegersturm I, dessen Mitglied mein Sohn als SA-Mann ist, Verwendung.“

Mir liegt eine Kopie der Mitgliedskarte von Friedrich Bischoff für die NSDAP vor mit dem Eintrittsdatum 1.3.1933. Folgende Daten sind - zum Teil handschriftlich in Sütterlinschrift - eingefügt:

Mitgliedsnummer 2246356  / Vor- und Zuname Bischoff  Friedrich

Geboren 31.3.09 / Ort  F.  

Beruf  Buchverleger / Ledig verheiratet verw.

Eingetreten  1.5.33  

Wohnung   F.   Sophienstr. 76  

Ortsgruppe  Frankfurt  aM Hess.Nass. Süd 

(Quelle: Filmbild 2358 der Bestandsignatur3200, Nummer des Aktenbandes B 0045)

In einem  Reisebericht aus ´Unsere Familie` schrieb 1940 der damalige Bez.Ev. Friedrich Bischoff:

5.4.: „Schwarze und Mischlinge steigen auf der sozialen Leiter immer höher, sie verdrängen mit ihrer billigen Arbeitskraft den besser bezahlten Weißen auch aus Stellungen, die dem Weißen allein zustehen sollten ... Das farbige Element ist zum Angriff übergegangen ... England hat den Buren Südafrika geraubt, uns hat es unsere Kolonien gestohlen, nicht um sie besser zu kolonisieren, nein, um sie auszubeuten, um die Besitzer davonzujagen und die Weißen samt ihrer Kultur an den Neger zu verraten. ...

Ein altes Negerweib stochert im Vorbeigehen einmal darin herum, kleine schwarze, nackte Kinder spielen im Dreck oder sehen uns erstaunt an. Ihre feisten, vorstehenden Bäuchlein scheinen fast zu platzen.“

20.4.: „Wohl hat sich der Weiße noch eine bestimmte Vorherrschaft erhalten können, sie ist aber stark ins Wanken geraten, und sie wird noch immer mehr ins Wanken kommen, je mehr der Jude Einfluß gewinnt, denn es ist sein Ziel, die Völker zu zersplittern, sie niederzuhalten und sie auszubeuten.

In einem Artikel aus Unsere Familie vom 20.3.1938 hieß es unter der Überschrift "Am 10. April dem Führer unser 'Ja'!im weiteren Text unmissverständlich als Gebet an Gott: "Beschütze den Führer und richte auch fernerhin durch ihn aus, was du dir vorgenommen hast, durch ihn zu tun."

In den Vorstellungen der NAK war Adolf Hitler in seinen Taten also ein Werkzeug in Gottes Hand! Auch Stap Bischoff wandte sich 1941 nochmals persönlich und eindeutig an die Mitglieder der NAK und schrieb:

Ztat aus Kalender "Unsere Familie" für das neuapostolische HeimArtikel "Dem Ziel entgegen" von Stammapostel  J.G. Bischoff, Seiten 4 und 5, 1941:

[…] Mit stählernem Griffel ist neue Geschichte geschrieben worden in diesem Jahre, und neben der stolzen Freude über die unvergleichlichen Waffentaten unserer Wehr­macht unter ihrem genialen Führer hat aber auch manch­mal bange Sorge um unsere Angehörigen im Felde ge­standen.

[…]Wir vernachlässigen dabei nicht unsere irdischen Pflichten, sondern wir wer­den uns im Gegenteil und wo es auch sein mag, mit allen Kräften bemühen, an unserem Platz in der Volks­gemeinschaft unseren Mann zu stehen. Auch hier haben wir ein Ziel, wir wollen auch hier Erstlinge sein, damit man uns nicht an unseren Worten, sondern an unseren Taten erkennt. Wir wollen auch im neuen Jahre, wie seither, alles tun, um zielbewußt an dem Aufbau unseres Vaterlandes mitzuhelfen in der festen Ueberzeugung, daß die Rechte des Herrn den Sieg behalt.  […] (Unterzeichnet handschriftlich: J.G. Bischoff)

Zitat aus dem Leitartikel von J.G.Bischoff in der kriegsbedingt letzten Ausgabe von ´Unsere Familie` vom 5.12.1941:

„Heute steht unser Volk im Abwehrkampf gegen seine Feinde, die es vernichten wollen. Viele unserer Brüder stehen an der Front, kämpfen um die Erreichung der Freiheit, um den Lebensraum und die Zukunft unseres Volkes, auch wir alle tragen dazu mit unseren Opfern willig und freudig bei. Dieser Kampf erfordert ein Anspannen aller Kräfte und kann nur dann zum Sieg führen, wenn wir bereit sind, auch das Letzte daranzugeben im gläubigen Vertrauen, daß der Herr den Kampf durch den Sieg segnet und die Opfer durch den Erfolg lohnt .

So ist im Bestreben, alle Kräfte zusammenzufassen und alle Mittel auf das eine Ziel, den Endsieg, auszurichten,[…]“ (Unterzeichnet handschriftlich: J.G. Bischoff)

Auf das  Auskunftsersuchen des Hessischen Staatsministeriums (Der Minister für politische Befreiung, Kammer Frankfurt am Main, Der öffentliche Kläger) vom 30. November 1947 schrieb Friedrich Bischoff am 09.12.1947 eine Stellungnahme. Auf Seite 3 seiner Stellungnahme erklärt Bischoff:

"Dann wurde unsere Einheit aufgelöst und ich kam über Sammellager und Ersatztruppenteile zu den Fallschirmjägern und machte mit dieser Truppe den Einsatz Ende 1944 in der Eifel und Luxemburg und 1945 den Rückzug bis zum Harz mit, wo ich im April in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet, aus der ich um Juli 1945 entlassen wurde. Ich war zuletzt Feldwebel." Quelle: HHStAW Abt. 630 Nr. 280.

Und noch einmal wurden Druckerzeugnisse verbrannt, nun aber die eigenen: Die Evangelische Informationsstelle Kirchen – Sekten – Religionen in der Schweiz zitiert eine weitere,natürlich kurzsichtige und völlig nutzlose  Bücherverbrennung nach Kriegsende, die zeigt, dass nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes sich die Kirchenleitung über die Brisanz ihres Verhaltens in dieser Zeit klar bewusst war. Relinfo schreibt unter der Überschrift „NAK in der NS-Zeit“:

„Als die Alliierten die Grenzen Deutschlands überschritten, geschah folgendes: „Das bedruckte Papier von vielen Tausenden von Zeitschriften ‚Unsere Familie‘ verbrannte. Der Amtskörper sammelte auf Anordnung von oben auch alles Schriftgut bei den Geschwistern ein, dessen er habhaft werden konnte.“ Quelle: Dr. M. König und Dr. J. Marschall, Die NAK in der N.S. – Zeit. Seite 41: zitiert aus:Der Geist weht, wo er will – Relinfo.ch

Und auch die Vertuschung und Verschleierung der propagandistischen Beeinflussung der Kirchenmitglieder durch die Amtsträger der NAK  wurde sofort betrieben:

„Am 23.Okrober 1945, einige Monate nach Kriegsende, richtete Bezirksapostel Schall, Stuttgart, ein Schreiben an die dortige Militärregierung […] Nach einer kurzen Beschreibung des Werdegangs des apostolischen Werkes, bei der die englische Herkunft aus dem 19. Jahrhundert großen Raum einnimmtund in den Vordergrund tritt, führte Bezirksapostel Schall aus: „Am geistlich Erhabenen sich zu erhöhen und innerlich unabhängig zu werden von den Schwankungen der irdischen Zustände, das ist das Ziel der Gläubigen dieser Gemeinschaft. Jede Erörterung über politische Fragen ist ausgeschaltet.“ Nach einer Erläuterung über die geografische und organisatorische Gliederung der Neuapostolischen Gemeinden in Deutschland folgt eine Liste von 15 Personen, darunter 1 Apostel und 10 Bezirksälteste […] Über diese Amtsträger gibt der Bezirksapostel Schall die folgende Erklärung ab: "Von den vorstehend aufgeführten gegen Besoldung Angestellten der Neuapostolischen Gemeinde war noch nie jemand weder in früheren noch in späteren Jahren Mitglied der NSDAP.“ Weiter schreibt er: „und meines Wissens auch nie auf irgend eine Weise aktiv tätig gewesen.“ […] Von den 10 oben erwähnten Bezirksältesten waren jedoch 7 bereits im Jahr 1934 Bezirksälteste und einer Gemeindevorsteher. Der erwähnte Apostel war 1934 im Bischofsamt. Dies geht aus einem Adressbuch der NAK aus dem Jahr 1934 hervor. Alle haben also sämtliche Rundschreiben und Anordnungen des Stammapostels weitergegeben. (Quelle: Die Neuapostolische Kirche in der NS-Zeit, Autor Dr. Michael König, Feldafing 1993 als handkopierte Broschüre, 1. Auflage Mai 1993, S. 33f)

Die Zusammenschau all dieser historischen Quellen zeigt überdeutlich, dass in diesem Zusammenhang absolut nicht - wie offiziell stets behauptet - nur von Anbiederung oder erforderlicher Anpassung als Überlebensstrategie gesprochen werden kann!  Aber weder dem Stap Bischoff noch seinem Sohn Friedrich (1951 Apostel, 1953 BezAp) wurde ihr offensichtliches Fehlverhalten jemals offiziell vorgehalten, ja es wurde nicht einmal hinterfragt!  Und so wie bisher weder der Forschungsbericht zu Stammapostel Bischoff und der Botschaftsära  noch die Verqickungen der NAK-Führung in der DDR mit dem politischen System und der Stasi seitens der NAK-Führung damaliger Zeit öffentlich und historisch korrekt offengelegt wurden, hat man auch die nun hier umfänglich dokumentierte Haltung der NAK zum NS-Regime trotz Kenntnis dieser Quellen stets beschönigt, verschleiert und bewusst verfälschend dargestellt:

Zitat aus "Offizielle Verlautbarung 1996" in Unsere Familie, 56. Jahrgang, Nr. 2, 20. Januar 1996: 

Gegenüber den Machthabern im Nationalsozialismus unterschied sich das Verhalten der Mitglieder unserer Kirche nicht von dem der übrigen Bevölkerung. Unsere Kirche stand unter den gleichen Zwängen wie viele andere Institutionen auch. So mussten beispielsweise in unserer Kirchenzeitschrift staatlich verordnete Pflichtartikel abgedruckt werden. Unbestritten hat die Kirchenleitung dem nationalsozialistischen Regime Zugeständnisse entgegengebracht, doch das war – wie Zeitzeugen wissen und Dokumente belegen – nötig, um dem drohenden Verbot zu entgehen.

(Zwischenbemerkung: Siehe auch meinen ausführlichen Artikel "Der Draveprozess" zum Infoabend  von Apostel Drave  am 4.12.07 zum Thema: Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955 -  Entwicklungen und Probleme. Ap. Volker Kühnle bezeichnete 2010 auf dem ökumenischen Kirchentag in München dieses Vortrag als "Betriebsunfall", was bereits wiederum eine Verschleierung darstellt: Ein Unfall ist ein zufälliges Geschehen, die Verfälschungen Draves hingegen waren absichtlich formuliert, um die Apostel Güttinger (Manifest)und Stammapostelhelfer Peter Kuhlen (private Aktenaufzeichnungen), Kirchenausschluss 1954 und 1955, in Misskredit zu bringen und den Stap Bischoff hingegen zu entlasten. Meine Anmerkungen zum Informationsabend mit Stammapostel i.R. Leber zur Versöhnung mit der Apostolischen Gemeinschaft vom Sept. 2015  sprechen zur Sache "Botschaftswahn," aber das ist ein sehr umfangreiches, anderes Thema, welches ich im Teil 3 hier aufgegriffen habe.)

Gleiches gilt dem Vortrag  „Alte und neue Zeit“ zur Entwicklungsgeschichte der NAK von 2003, in dem Peter Johanning bei einer Akademietagung mit dem Titel "„Rückkehr zur völkischen Religion? Glaube und Nation im Nationalsozialismus und heute“ die wirklich wesentlichen Fakten ignorierte, uminterpretierte und wider besseres Wissen schlichtweg behauptete:

S. 5 In diesen bewegten Zeiten, in denen es zeitweise Schließungen von Gemeinden oder die Verhaftung und Überwachung von Mitgliedern gab sowie die religiöse Betätigung insgesamt aufs Äußerste gefährdet war, hat sich Stammapostel Bischoff für den Weg der Anpassung, der ein Überlebensweg wurde, entschieden – aus lauteren Motiven. Nach eingehenden Recherchen kommen wir heute zu folgender Beurteilung: „Gegenüber den Machthabern im Nationalsozialismus unterschied sich das Verhalten der Mitglieder unserer Kirche nicht von dem der übrigen Bevölkerung. Unsere Kirche stand damals unter den gleichen Zwängen wie viele andere Institutionen auch.

S. 6 Indem die Kirche ihre Eigenständigkeit bewahren konnte, verschaffte sie ihren Mitgliedern die Möglichkeit, ungeachtet der totalitären staatlichen Beeinflussung ein nach christlichen Werten orientiertes Leben zu führen. [...] Weder Stammapostel Niehaus noch sein Nachfolger, Stammapostel Bischoff, waren politisch arbeitende Kirchenführer. Sie haben keinerlei Einfluss auf Staatsbelange genommen – und hätten einen solchen wie auch immer gearteten Versuch wegen der geringen Größe der Kirche wohl auch kaum unternehmen können –, sie waren weder Judenhasser noch Brandstifter, allerdings auch keine Widerstandskämpfer. Sie haben vor allem die theologische und seelsorgerische Betreuung der Gemeinden im Blickfeld gehabt. 

Dieses geschichtsverfälschende Gebaren ist für die NAK-Führung offensichtlich unabdingbar: Da sich die faktischen, historischen Ereignisse nicht mit ihrem heutigen Selbstbild vereinbaren lassen, werden sie entweder erst gar nicht untersucht oder in der Darstellung mit voller Absicht zielbewusst manipulierend solange verdreht, bis sie passen und /oder die erhobene Kritik belanglos oder überzogen erscheint! ! Konkret zum 10. GA versteigt sich Johanning am Schluss seiner Ausführungen noch zu folgenden Anmerkungen:

S.7   Was wäre, wenn ...? Geschichte wiederholt sich zuweilen, wie wir wissen. Daher zum Schluss die Frage: Was wäre, wenn heute ernsthafte staatliche Repressalien auf die Kirche zukämen? Der 10. Artikel in unserem Glaubensbekenntnis heißt: „Ich glaube, dass ich der weltlichen Obrigkeit zum Gehorsam verpflichtet bin, soweit nicht göttliche Gesetze dem entgegenstehen.“ [...] Die Jugend als die Zukunft der Kirche lässt sich nicht mit Äußerlichkeiten beeindrucken, sondern wünscht Tiefgang in der theologischen Auseinandersetzung. Immer noch nimmt die Neuapostolische Kirche keinen Einfluss auf Staatsmänner und Regierungen, nach wie vor ist Politik kein Gegenstand der Lehre.  

Nein, Einfluss auf Staaten übten sie nicht aus (das hat meines Wissens auch nie jemand behauptet, man beachte hier Johannings verwirrenden rhetorischen Kniff), wohl aber machten - und machen? -  sich  ihre geistlichen Führer zum Handlanger staatlicher Interessen und Vorgaben, wenn diese stabilisierend  in ihr Welt- und Kirchenbild passen. Die historisch äußerst bedeutsame politische Entwicklung ab den 70er Jahren - Haare, Mode, Bärte, Kleidung, Musik - gehörte definitiv nicht dazu und wurde folglich verteufelt! Was sagen heute wohl Menschen, die in der DDR-Jugend der NAK aufgewachsen sind und mit dem Staatssystem nicht einverstanden waren, zu diesem Schlusssatz von Johanning?

Auf meine Nachfragemail hat Kirchensprecher Johanning bezeichnender Weise nicht geantwortet:

Am 18.04.2021 um 18:00 schrieb Detlef Streich:

Sehr geehrter Herr Johanning,

anlässlich eines neuen Artikels habe ich mich an Ihre Ausführungen "Alte und neue Zeit" von 2003 erinnert und mich gefragt, ob Sie auf Grund der aktuellen Quellenlage, die im folgenden Textauszug zusammenfassend dargestellt wird, einige Ihrer damals bezogenen Positionierungen als nicht mehr haltbar möglicherweise korrigieren würden? Jedenfalls möchte ich Ihnen dazu die Gelegenheit bieten, da einige Ihrer Vortragsanmerkungen von mir kritisch zitiert wurden.

Über eine Antwort würde ich mich freuen.

Grüße

Detlef Streich

Quelle im Netz: NAK und DDR (beepworld.de)

Passend prägnant fasst R. Stiegelmeyr in seinem Artikel Die Parodie des ahistorischen Mitläufertums in den Diktaturen des 20. Jhs. - ein uraltes Alibi der NAK-Führung (Nachtrag Feb. 2020) die Problematik wie folgt zusammen:

PRIMÄR lagen die treibenden Kräfte der Anbiederung und Übernahme des jeweiligen zeitgeistig-politischen Denkens in der eben NICHT zufälligen Gleichartigkeit des Denkens - egal ob in der Nazi- oder der DDR-Diktatur. Diese Gleichartigkeit des Denkens, nachgewiesen in zahllosen Artikeln […], bestand im archaisch-patriarchalischen Gedankengut der NAK (und besteht dort drinnen noch heute - sic!!!), welches sich im diktatorischen Gedankengut der div. Machthaber wohl, bestätigt und sogar noch hofiert und legitimiert fühlte. Machen wir uns nichts vor: Die scheinbar göttlichen Ordnungsvorstellungen des Werkes Gottes waren (und sind) in vielen Bereichen deckungsgleich mit den Ordnungsvorstellungen der nationalsozialistischen Diktatur: autoritäre Herrschaft nach dem Motto „Führer befiel, wir folgen dir!“ Genau deshalb war es auch weder Zufall noch zeit- oder umständebedingte Anbiederung an ein Terrorregime, sondern ganz bewusst inszenierter und gewollter Gleichklang. […] Es geht nämlich NICHT (nur) darum, jener Aussage ins Auge zu sehen, dass die NAK-Führung (und viele ihrer Mitglieder) sich zum Nationalsozialismus in all seinen Schreckensarten bekannt hatte und durch die freiwillige Unterstützung einer verbrecherischen Organisation zu Mittätern wurden, sondern darum, dass sie den menschenverachtend-faschistischen Geist des Nationalsozialismus im Schafsgewand des Heiligen Geistes in sich selber trug, mit allen Mitteln nährte und zur göttlichen Glaubensdoktrin umfunktionierte!“ (siehe hierzu einen weiteren  Artikel von Stiegelmeyr: Glaubensgehorsam als Bindeglied zur staatlichen Diktatur)

 

Einschub zur Wirksamkeit ideologischer Systeme: 

Diese „ Gleichartigkeit des Denkens - egal ob in der Nazi- oder der DDR-Diktatur“ oder auch in religiösen Systemen ergibt sich aus dem Prinzip, dass es in ideologischen Denksystemen darum geht, die vorhandene menschliche Wirklichkeit durch eine eigens konstruierte, fiktive Parallelwelt  zu ersetzen, in denen der „Wahn“ der aufgebauten Schein-Welt zur kollektiv geglaubten Wahrheit wird.  Hannah Arendt drückt das wie folgt aus (alle folgenden Zitate aus Hannah Arendt oder Die Liebe zur Welt” von Alois Prinz, 10. Aufl. 2013 Insel, S. 138 und  S. 165 ff):

" Um zu zeigen, dass es möglich ist, die Welt nach den Geboten einer Ideologie zu verändern, mussten die Nazis eine fiktive Welt aufbauen, die abgeschottet war gegen jede störende Erfahrung. Ihr Unternehmen bestand also darin, die Realität durch ein Wahnsystem zu ersetzen.[…] Was sich von außen wie ein ‘Irrenhaus’ ausnahm, war für die Menschen in diesem System völlig vernünftig und stimmig.

Die daraus entstehende „Bewegung“ ist aber, so schlussfolgert Arendt,  eine Gemeinschaft isolierter Individuen, völlig unfähig zu wirklichem gemeinsamen Handeln.[…] Sobald diese fiktive Welt zusammenfällt, zerfällt auch die ‘Bewegung’, und übrig bleiben die Menschen, die nun wieder das sind, was sie vorher waren: vereinzelte, ‘heimatlose’ Individuen.“

In diesem Prozess der Vereinnahmung durch das System gibt aber der Einzelne nicht nur sich selbst auf, denn auch „jedes kritische Verhältnis zu sich selbst, wie es noch in der größten Einsamkeit möglich ist, wird zunichte gemacht.“ Diese „Verlassenheit“ , wie Arendt das beschriebene Phänomen bezeichnet, meint eben keine Einsamkeit, sondern bezeichnet eine Zerstörung der Bindungen des einzelnen Menschen hin zu anderen Menschen und zu sich selbst, er verliert sich selbst!

Und somit verschwindet das letzte Gegenüber, an dem man mit seinen Erfahrungen und Gedanken noch Widerstand finden könnte. In dieser Verlassenheit, die nicht dasselbe ist wie Einsamkeit, wird der Mensch anfällig dafür, sich in eine Gedankenwelt einzuspinnen, die zwar in sich logisch, aber fern jeder Wirklichkeit ist.“

Warum aber ist der Mensch anfällig dafür, sich eher in die logische Scheinwelt einspinnen zu lassen, als sich der realen Wahrheit oder Wirklichkeit zu stellen? Einerseits sicher deswegen, weil es Individualisten nicht nur in einer totalitären Welt schlichtweg schwerer haben als angepasste Mitläufer, sondern andererseits auch deswegen, weil die Wahrheit nach einem Sprichwort eben ein bitterer Trank ist,  den der Menge schwacher Magen nur verdünnt vertragen kann oder will!

Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen mißfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.” Gustave Le Bon (1841-1931)

Im Gegensatz zur – weitestgehend und wenigstens prinzipiell  - überprüfbaren Wirklichkeit, müssen sich Ideologien und/oder Verschwörungstheorien eben nicht an der Wahrheit messen lassen. Sie werden geglaubt und können schöngefärbt und durch die rosarote Brille bis zum letzten Atemzug als politisches oder religiöses Orientierungssystem beibehalten und eben „vergöttert“ werden. (siehe hierzu auch die Satire: Falsch verbunden – oder: Mit Gott in der Warteschleife und die Frage nach dem Humor!Es sei denn, die verschiedenen Wirkansätze in ihrem System werden mit der Zeit fragmentarisch und zielen destabilisierend in unterschiedliche Richtungen oder in den machtorientierten Größenwahn, der sich übernimmt, bzw. und z.B. aus Sicherheitsbestrebungen heraus in den totalitären, in sich unstimmigen und offensichtlich ungerechten  Überwachungsstaat mündet, der wiederum mit den postulierten Grundprinzipien unvereinbar ist. Der Leidensdruck muss allerdings sehr hoch werden, bevor  Menschen dazu bereit sind, diese Erkenntnisse anzunehmen und sich aus diesen Widersprüchlichkeiten herauswinden, um anschließend - als Person völlig bedeutungslos - wieder das zu sein, "was sie vorher waren: vereinzelte, ‘heimatlose’ Individuen!" 

 

Amtsmissbrauch durch die Apostel der NAK

Wen wundert es also bei diesem historischen Vorlauf, dass genau so oder so ähnlich auch in der ehemaligen DDR gepredigt und auch die absolute politische Nachfolge und Treue zum Staatssystem der DDR von der Kirchenleitung vollumfänglich eingefordert und bei Nichtbefolgung drastisch sanktioniert wurde.  Olaf Wieland bestätigt in seinem ersten publizierten Forschungsbericht im Jahrbuch für Freikirchenforschung 16/2007 diese Haltung der NAK mit einem Zitat aus einem Brief des Theologen und Sektenforschers Kurt Hutten an die Evangelische Kirche in Deutschland vom 21. 05. 1958: "Zum Verhältnis zwischen Sekten und staatlichen Stellen: Unter den Sekten, die erlaubt sind, scheinen die Neuapostolischen sich besonders um ein gutes Verhältnis zum Staat zu bemühen. Sie setzen damit im Grund nur die Linie fort, die sie schon in der nationalsozialistischen Zeit von Anfang an eingehalten haben. Die Neuapostolischen dürften auch zahlenmäßig die stärkste Sektengruppe in der DDR sein. " (Quelle: Olaf Wieland: Von einer" Sekte" zur "Freikirche"? Klärungsversuche innerhalb der Neuapostolischen Kirche am Beispiel der Diskussion zur DDR-Geschichte, in: Freikirchenforschung 16, Münster 2007, 251-259, hier 254., ISBN 978-3934109087)

Auch Schneiders Fortführung vom obigen Zitat hätte direkt zu den Staatszielen der DDR gepasst (fett markiert). So oder so ähnlich hätte man also in der DDR durchaus systemkonform mit einem realen, gesellschaftlichen Bezug predigen können:

"Wir sind keine Schwärmer, wir sind keine Träumer, und bis der Herr kommt bleiben wir Frauen und Männer der Tat. Wir machen auch Zukunftspläne für unsere Zukunft auf Erden. Ich weiß ja nicht, ob der Herr morgen kommt oder erst in 10 Jahren, in 20 Jahren, wir arbeiten bis er wiederkommt. Also planen wir auch unsere Zukunft auf dieser Erde vor. Auch da beziehen wir Jesus mit ein. Und bauen unsere Zukunftspläne, erarbeiten sie auf dem Fundament des Evangeliums, der Lehre Jesu Christi, sei es jetzt im Beruf, in der Ehe, in der Erziehung der Kinder, wir halten uns fest an der Lehre Jesu Christi, weil wir wollen ja seinem Willen entsprechen. Das gilt für unsere Beziehung zu dem irdischen Gut, zu dem Materiellen, da halten wir uns an das Gebot Jesu Christi. Das gilt für unsere Beziehung zum Nächsten, wir halten uns an die Regeln des Evangeliums. Das gehört auch dazu. Das ist unsere Zukunft, das ist unsere Wahl. Wir bereiten uns darauf vor, das kostet viel Mühe, wir harren aus bis ans Ende, die Kraft dafür schöpfen wir bei Jesus Christus. Wir schauen nur auf Ihn. Er ist der Anfänger, der Vollender unseres Glaubens, Er ist unser Vorbild, unsere Motivation, an Ihm orientieren wir uns. Das hat Auswirkung in unserer Gegenwart, und in die Zukunftspläne, die wir erarbeiten für unsere Zukunft auf dieser Erde."

Es sei hier erläuternd wiederholt, was ich schon zum Geschehen in der NAK Berlin Mariendorf schrieb:

 (Zitat Anfang) Hinter jeder Ideologie, wie sie auch die Glaubenssätze der NAK darstellen, liegen emotionale Bedürfnisse ihrer Anhänger. Werden sie nicht mehr umfänglich erfüllt, wird das ganze System fragwürdig. Aber je mehr das Ding wackelt, desto stärker werden die Bemühungen der Funktionäre, durch rücksichtslos rigide Maßnahmen das Einstürzen ihres Machtapparates zu verhindern. Diese Versuche der Stabilisierung der von ihnen selbst inszenierten Wirklichkeit wirken sich dabei aber kontraproduktiv aus und beschleunigen den Selbstzerstörungsprozess nur noch mehr! Das mit seinen bevormundenden Lehrsätzen und Gefühlsvorgaben in sich selbst erstarrte System ist fragmentarisch geworden und damit „mit sich selbst uneins.“

Unberührt aber von jeglicher Realität sägen dennoch die Systemagenten und ihre Funktionäre gewaltig an dem Ast weiter, auf dem sie selbst sitzen! Das Prinzip des „Ich habe Recht, was immer ich auch tue“ oder auch „I'm Right, You're Wrong, Go To Hell“ duldet keinerlei Kritik und ist völlig immun gegenüber sachdienlichen Vorschlägen, die sich an den Gegebenheiten der Wirklichkeit und in die Zukunft gerichteten Planungen orientieren. Der Einzelne und dessen Schicksal oder Leid spielt eben absolut keinerlei Rolle, weil das zu schützende System moralethisch über allem steht. Der Studien-Ko-Autor Alex Haslam des Milgramexperimentes von der australischen Universität Queensland glaubte,  „dass hinter jedem tyrannischen Verhalten eine Art der Identifikation steht, und damit eine Entscheidung." Und Stephen Reichert von der schottischen Universität St. Andrews meinte: "Wir argumentieren, dass die Menschen sich dessen bewusst sind, was sie tun, dass sie aber glauben, das Richtige zu tun. Das kommt von einer Identifizierung mit der Sache - und der Akzeptanz, dass die Autorität ein legitimierter Vertreter dieser Sache ist."

Dies gilt ganz sicher auch den narzisstischen Führungsverantwortlichen der NAK und ihren Vertretern bis hin zum letzten Glied im Diakon, die die vorgegebenen Normen der Kollektivmacht, mit denen sie sich identifizieren, zu vertreten haben. Ihre teilweise bösartigen Verhalten sehen sie selbst aber als vorbildlich loyal und ethisch notwendig an, denn ihre eigene menschliche Individualität haben sie längst an die Vorgaben des Systems abgegeben, die sie mittlerweile als persönliche Überzeugung verinnerlich haben. Gleiches gilt natürlich auch vielen Mitgliedern. Trotz aller Probleme bilden sie nach wie vor eine verschworene Schicksalsgemeinschaft, in der die NAK alternativlos scheint. Gerade aber untere Amtsstufen, die zum Leidwesen ihrer Glaubensgeschwister die völlig widersprüchlichen Anweisungen umzusetzen haben, werden  immer öfter ihre „Vorangänger“ (was für eine Wortschöpfung!) in Frage stellen müssen. Das Motto „Gehorsam ist besser denn Opfer“ zieht im Zeitalter der raschen Informationen nur noch bedingt. Und der „Vorangänger“, der seine „Mitbrüder“ alleine im Regen stehen lässt und mit Lügen und Halbwahrheiten sich rauszureden sucht, wird nicht mehr lange Druck ausüben können, der unwidersprochen bleibt. Wenn einst die „Identifizierung mit der Sache - und der Akzeptanz, dass die Autorität ein legitimierter Vertreter dieser Sache ist“ zur Entscheidung für die Annahme und Ausfüllung des Amtes führte, so braucht es eben eine geraume Zeit und starke, äußere Anstöße, eine neue Entscheidung nun genau gegen dieselbe Sache zu treffen.  Dass das aber aus verschiedenen Gründen für die handelnden Personen nicht einfach ist, wird auch in deBeschreibung zum Milgramexperiment deutlich gemacht: "Vermutlich müßten sie sich im Falle eines Abbruchs eingestehen, daß ihr vorheriges Verhalten falsch gewesen war. Allein dadurch, daß sie weitermacht, rechtfertigt sie ihre vorherige Handlungsweise. Somit ist dieser Wiederholungscharakter bereits ein Bindungsfaktor, der es der Versuchsperson erschwert, ungehorsam zu sein." (Zitat Ende)

Der für Berlin-Brandenburg noch immer amtierende BezAp Nadolny, Jg 1956, der in  der DDR bei Leipzig sozialisiert und 1977 als Diakon bzw. 1993 als Apostel ordiniert wurde,  formulierte am  29.6.2014 in der  Ansprache zur Amtseinsetzung eines neuen Priesters in Mariendorf (zitiert aus einer mir vorliegenden wörtlichen Abschrift einer Aufnahme des gesamten GD´s):

Ein Amtsträger ist wie der Stift in der Hand eines  Schreibers. Wenn man einen Kugelschreiber nimmt und er will und will nicht? Was macht man damit? In die Mülltonne, weg damit. So macht es Gott, wenn ich nicht mehr in seiner Hand tauge.“   (BezAp Nadolnys Kugelschreiberzitat in Mariendorf 2014 hier im Zusammenhang zu hören aus der Ordinationsansprache )

Deutlicher kann die Verachtung des Menschen im System NAK nicht ausgedrückt werden, denn

(Zitat Fortsetzung) so und nicht anders ist diese Aussage von BAP Nadolny zu verstehen: Einen Amtsträger, der nicht richtig will, schmeißt Gott in die Mülltonne. Das zuallererst einmal die Mine gewechselt werden könnte, fällt natürlich niemandem ein!  Aber wie schön souverän das im hier fehlenden Kontext der Ansprache  im verfeierlichten Ton scheinbarer Demut doch klingt! In Wirklichkeit macht sich diese dort angesprochene Hand Gottes aber nur durch seine systemtreuen Handlanger in Gestalt der Apostel so richtig bemerkbar.[...] Die folgende  Frage Nadolnys an den zukünftigen Priester beantwortet jedenfalls die Frage, wem man mehr zu gehorchen hat, Gott oder den Aposteln:

„Ich möchte Sie fragen, mein lieber Bruder, … ob Sie gewillt sind, im Glaubensgehorsam gegenüber den Aposteln zu dienen? Dann sagen Sie es bitte vor Gott und vor der Gemeinde mit einem herzlichen Ja.

Priester: „Ja.“

Der eingeforderte „Glaubensgehorsam gegenüber den Aposteln“ ist allem und jedem übergeordnet, Wohlmeinung, gute Gedanken etc. nützen allesamt nichts, wenn die Kirchenleitung anderer Auffassung ist. Man ist als Amtsträger der NAK nämlich kein „Stift“ in Gottes Hand, sondern verdingt sich zum willen- und gedankenlosen Untertan der sogenannten Apostel der Neuapostolischen Kirche.  Es gibt nämlich keinen souveränen Gotteswillen außerhalb der Apostelfestlegung und Verkündung.  (Zitat Ende)

Hiermit wurde und wird aktuell durch die führenden NAK-Apostel und weitere Amtsträger der christliche Glaube und Jesus Christus selbst instrumentalisiert für die Durchsetzung der systemeigenen Interessen. Zum neuapostolischen Christen ist laut Schneider konstitutiv:

"Ich belasse es dabei, bei diesen zwei Regeln: Lehre der Apostel, Gemeinschaft der Gläubigen. Ohne diese Regeln, wenn man diese Regeln nicht respektiert, kann man den Wettkampf nicht gewinnen." 

Es gilt damals wie heute: Ab in die Tonne mit all den Amtsträgern oder Mitgliedern, die anderer Meinung sind! Mit praktizierendem Christsein und Religion hat dieser den Einzelnen völlig assimilierende Ansatz und Grundsatz der NAK nichts zu tun, er offenbart hingegen ihren nach wie vor unverzichtbar unterdrückenden Sektencharakter. Nebenbei ist anzumerken, dass die inoffizielle Mitarbeit in Form der Bespitzelung durchaus auch im Westen der BRD innerhalb der NAK praktiziert wurde. Auch hier gab es Fälle, in denen der Apostel z.B. einem Diakon oder Priester den Auftrag gab, einen Bezirksältesten oder Vorsteher, der nicht vollständig die Meinung und Haltungen der NAK predigte, zu überwachen und den Apostel über solche Vorfälle dann schriftlich oder telefonisch Bericht zu erstatten. Nicht Seelenheil ist das wirkliche Ziel der Neuapostolischen Kirche, sondern der Selbsterhalt um jeden Preis! 

Olaf Wieland schreibt in seinem Offenen Brief an Stap Fehr von 2005:In Gesprächen mit Vertretern des öffentlichen Lebens und mit Opfern der DDR-Staatssicherheit kam es auch zur Thematisierung der Haltung der NAK. Ihr Schweigen als Stammapostel der NAK wird als weitere Mitschuld (zweite Schuld) gewertet.“ Dann zitiert Wieland Aussagen von Besuchern der Veranstaltung zum 15. Jahrestag der Besetzung der Stasi-Zentrale in Berlin wie folgt:

Die NAK lieferte die nötigen Kader zur Aufrechterhaltung des totalitären Systems, sie gehörte zu den Angepassten, den Mitläufern, den Wegsehern und Weghörern. Durch ihr Nichtstun wurde das Unrecht möglich und deshalb sind sie mitschuldig, Täter wie Mitläufer. Sie waren nicht nur Mitläufer, sie waren Unterstützer, wie beispielsweise der IM – Apostel Kurt Kortüm und der damalige IM -  Bischof Willy Adam. Die NAK hat kein Recht, sich im Nachhinein als Opfer zu inszenieren, denn wer jetzt zu seiner Mitschuld u. a. als Unterstützer des Herrschaftsapparates der SED durch IM – Tätigkeit schweigt, vollendet das Werk der Täter. Auch wenn jeder Fall differenziert betrachtet werden muß, so bleibt im Endeffekt schlicht festzustellen, dass die besagten neuapostolischen Apostel mit den Sicherheitsorganen gearbeitet hatten und nicht gegen sie.“

Noch am 8.2.1989, also kurze Zeit vor dem Mauerfall, schrieb die DDR-Zeitung „Die Union“:

„Zu einem freundschaftlichen Gespräch mit dem Staatssekretär für Kirchenfragen, Kurt Löffler, traf in Berlin der zu einem Besuch in der DDR weilende Kirchenpräsident Richard Fehr, erster Repräsentant der Neuapostolischen Kirche International, zusammen. [...] Kirchenpräsident Fehr sagte, bei seinen Besuchen in der DDR sei er jedes Mal ‘in ein sicheres und geordnetes Land gekommen’. Der Gast dankte dem Staatssekretär und den Staatsorganen für die den neuapostolischen Kirchen in der DDR gewährte Unterstützung.

Und im Oktober 89, als die Mauer schon offen war, hat die NAK als einzige Kirche der SED öffentlich eine Grußbotschaft zum 40jährigen Jubiläum geschickt.

Vier weitere Beispiele sollen die behauptete Unterstützung und gezielte, staatspolitische Beinflussung hier stellvertretend dokumentieren:

Aus einem geheimen Stasi-Bericht von 1968: „Neben Bischof Pusch trat auch besonders  Bezirksapostel Tiedt/Apostelbezirk Schwerin positiv auf. Im Verlaufe der Besprechung erklärte Pusch weiter, ihm seien seitens der Funktionäre der Neuapostolischen Kirche keine negativen Äußerungen zur Verfassung bekannt geworden und er schätze ein, dass die Mitglieder der Verfassung ihre Zustimmung geben. […] Während der Bezirksvorsteher-Besprechung wurde Einigung darüber erzielt, die am Mittwoch, 3.4.1968 stattfindenden obligatorischen Gottesdienste dazu zu nutzen, den Mitgliedern die zustimmende Haltung der Bezirksvorsteher zur Verfassung nahezulegen

Wahlbeteiligung kirchlicher Amtsträger - Jahrgänge - BStU (ddr-im-blick.de):"Während des Gottesdienstes der Neuapostolischen Kirche in Pirna wurde die Gemeinde durch den Prediger aufgefordert, sich vollzählig an den Wahlen zu beteiligen und die Kandidaten der Nationalen Front zu wählen."

Bezirksältester Werner Pflugmacher (IM "Jünger"): Auch in diesem Falle wird jeder Gottesdienst der Neuapostolischen Kirche der Obrigkeit in einem Gebet gedankt. Entsprechend ihrer Glaubenslehre sind sie Untertan der Obrigkeit und haben die Gesetze zu achten. Sie selbst würden es nicht dulden, daß ein Gläubiger ihrer Kirche die Obrigkeit verleumdet. Quelle: BV Nbg AKAG 215/88, Bl. 25

Apostel Kortüm (IM Kurt Sigmund) Zitat aus der Anwerbungsbericht der Stasi: "Kortüm versicherte, über Begegnungen dieser Art und dem dabei Besprochenen gegenüber Jedermann zu schweigen, da er sich immerhin bewußt sei, daß er ansonsten innerhalb seiner Kirche alles Vertrauen verlieren und sich unmöglich machen würde." QuelleMfS BV Leipzig 1753/85

Und noch immer wird geschwiegen: Anstatt sich zu gemachten Fehlern zu bekennen und sich bei Personen, die dadurch geschädigt wurden, zu entschuldigen, schweigen die NAK als Institution und ihre Apostel Jesu beharrlich zu historischen oder gegenwärtigen, eindeutigen Fehlern und Fehlverhalten! Stattdessen fordert man Stillschweigen, Nachfolge und Unterordnung vom Geschädigten ein. Und das ist eindeutig und nachweislich nicht nur Amtsmissbrauch aller beteiligten Amtsträger, vom Priester bis hin zum Bezirks- und Stammapostel und von damals bis heute, der bisher die Täter stets absolut folgenlos davonkommen ließ! Sondern es ist auch ein Machtmissbrauch, Emotionaler Missbrauch, Geistlicher Missbrauch und Seelischer Missbrauch. 

 

Conclusio

Stap Schneider forderte in seiner Predigt 2017 in Durban/Südafrika aber geradezu zum Täterschutz auf:

"Es ist nicht unsere Aufgabe auf die Narbe der Sünde zu zeigen, oder darauf zu drücken, dass der Sünder leidet. Sonst werden wir zu Sündern und nicht mehr der andere." 

Dem ist deutlich zu widersprechen, denn:

1.Jede Person, die von  Missbräuchen weiß und dazu schweigt, macht sich mit schuldig an den zum Teil generationsübergreifenden Schädigungen der davon betroffenen Menschen!

2. Und gerade die Neuapostolische Kirche als Institution sollte im eigenen Interesse endlich ihre Geschichtsaufarbeitung ohne Einschränkungen in Auftrag geben bzw. den bereits erstellten Bericht zur Ära Stap Bischoff sofort offenlegen. Ferner sollte sie Verantwortung übernehmen, ihre Schuld bereuen und bekennen und in aller Form und vor aller Öffentlichkeit auch und gerade bei den noch lebenden Opfern angemessen um Entschuldigung und Verzeihung zu bitten, denn

3. es gilt das Jesuwort auch für die NAK:  "Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe." (Matthäus 5, 23f)

4. Ein anderer Weg in die eigene und unter ökumenischen Aspekten auch gemeinsame Zukunft ist nicht denkbar, denn „die Vergangenheit ist niemals tot. Sie ist nicht einmal vergangen.“ (William Faulkner)

Siehe auch Links zum Thema:

Offener Brief an aktive Amtsträger der NAK: Zweifler an der Lehre berauben sich des göttlichen Segens (PDF als Druckfassung)

Glaubensgehorsam als Bindeglied zur staatlichen Diktatur, Copyright Rudolf J. Stiegelmeyr, 2021

 

Nachbemerkung: In loser Folge werden nun  zum Thema der Tätigkeit von Amtsträgern der NAK als Inoffizielle Mitabeiter des Staatssichertsministeriums der ehemaligen DDR in der kommenden Zeit immer wieder Texte von Olaf Wieland eingestellt werden. Die den Artikeln vorangestellten Daten bezeichnen jeweils das Einstellungsdatum.Olaf Wieland trat am 20. Juni 2017 aus der NAK offiziell aus. In einem umfangreichen Schreiben zum Austritt notierte er:

„Auch dem offensichtlichen Wunsch des Bezirksevangelisten (BE) und Öffentlichkeitsbeauftragten der NAK Berlin-Brandenburg, Karsten Hühn, im Büro des BAP Wolfgang Nadolny, welcher nach dem Lesen meines Aufsatzes „Vom Segen gemeinsamer Arbeit. Die NAK und das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der damaligen DDR“ in der Zeitschrift „Berliner Dialog“ 34 neuapostolisch-"taktvoll" äußerte: „Und so einer ist Mitglied unserer Kirche“, wird mit meiner Konversion entsprochen. Wie man daran unschwer erkennen kann, ist die individuelle Haltung bzw. Innenansicht neuapostolischer Mitglieder nach wie vor unerwünscht und passt nicht in den verordneten „Glaubensgehorsam“, der in Wahrheit ein Kadavergehorsam zu Amtsträgern ist.

Ich persönlich freue mich darüber, dass meine kritischen Informationen zur NAK durch diesen historischen Aspekt zur DDR-Vergangenheit erweitert und bereichert werden und hoffe, durch die Leseangebote und die damit zusammenhängenden Aspekte und Problematiken hier nun konzentriert und aufklärend einem breiteren Publikum unter dem Gedanken "Aufklärung statt Vertuschung" zugänglich machen zu können. nach oben

6.5.2021 Detlef Streich: Offener Brief an den Stammapostel/ Kirchenpräsidenten der Neuapostolischen Kirche (NAK) Jean-Luc Schneider (pdf  zum Offenen Brief)

 

Zur Kenntnis: BezAp Ehrich, BezAp Storck, BezAp Krause, BezAp Nadolny, BezAp Zbinden und weitere Verteiler

Betr.:  Staatskonformes Verhalten von Amtsträgern der Neuapostolischen Kirche (NAK) im deutschen Kaiserreich, im NS-Staat und in der DDR zum Schaden der ihnen anvertrauten Glaubensgeschwister

Sehr geehrter Kirchenpräsident und Stammapostel Schneider,

ich möchte den bevorstehenden 8. Mai als den Gedenktag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum Anlass nehmen, einen umfassenden Blick auf die Rolle der Neuapostolischen Kirche in dieser traurigen Zeit  zu richten. Das aufgeklärte Denken heutiger Zeit lässt es zu, sachlich und ohne Zurückhaltung sich dieser Thematik angemessen anzunähern. Auch unter dem Aspekt christlicher Nächstenliebe stellen sich Fragen, die bis heute gerade in der NAK noch nicht hinreichend genug bearbeitet und beantwortet wurden, ja denen man sich seitens der Kirchenleitung teilweise nicht einmal offen gestellt hat. Die christlichen Kirchen Deutschlands, die sich auch den Gegebenheiten der damaligen Zeitverhältnisse angepasst hatten, haben ihre in dieser Zeit auf sich geladene Schuld in verschiedenen Bekenntnissen zeitnah deutlich eingestanden und für ihr Fehlverhalten in aller Form öffentlich um Entschuldigung gebeten (z.B. EKD 1945 Stuttgarter Schulderklärung). Bei der NAK steht dieser Schritt noch aus. Aus vielen Gründen wäre es angemessen, das jahrelange Schweigen zu diesem traurigen Schandfleck deutscher Geschichte und speziell zur neuapostolischen Kirchengeschichte aufzugeben. Ähnliches gilt für die Zeit der NAK in der DDR und den heute aufgedeckten Spitzeltätigkeiten von Amtsträgern - unter Verletzung des Beichtgeheimnisses - als freiwillig Inoffizielle Mitarbeiter (IM) für die Staatssicherheit.

Ein wesentlicher Aspekt in der Betrachtung dieser Zeit ist der 10. Glaubensartikel der NAK. Sie selbst haben den 10. GA am 3.1.2021 in Winterthur zum Neujahrsgottesdienst – ich zitiere einen Auszug aus der offiziellen Mitschrift – in Ihrer Predigt erwähnt und dann ausgeführt:

"Solange die Anordnungen und Vorschriften der Obrigkeit, der Behörde nicht gegen den Willen Gottes verstoßen, sind wir gehorsam. Es gibt Leute, die haben mich gefragt: Ja wieso tragt ihr eine Maske? Antwort: Weil ich neuapostolisch bin. Das ist eine Vorschrift der Behörde. Und um zu wissen, ob ich jetzt dieser Vorschrift Folge leisten soll oder nicht, gibt es eine Referenz: das Gebot Gottes. Und nicht meine Meinung. Nicht meine Auffassung. Ich empfehle die entsprechenden Kapitel des Katechismus wieder zu lesen. Wir orientieren uns an den Vorschriften der Regierung, wenn sie nicht gegen das Gesetz Gottes verstoßen. Maßgabe ist nicht meine Meinung, sondern das Gebot Gottes."

Das Grundrecht der freien Meinung und Meinungsäußerung ist ein grundlegender Pfeiler unserer Demokratien. Politische Diskussionen und auch Gesetzesbildungen basieren auf diesem Prinzip der Akzeptanz der freien und auch diskursiven Meinung. Und Mitbürger sind aufgerufen, an diesen Prozessen aktiv teilzunehmen und sie mitzugestalten. Sie aber haben in Ihrer Predigt angeführt, dass der politische Wille von Regierungen auf Gottes Gebot und Willen basiert und somit die eigene Meinung nicht maßgeblich sei (Zitat: „Es gibt eine Referenz: das Gebot Gottes. Und nicht meine Meinung. Nicht meine Auffassung!“). Diese  kirchliche Anordnung von Ihnen unter Berufung auf den 10. Glaubensartikel (ab 1992 „ Ich glaube, dass ich der weltlichen Obrigkeit zum Gehorsam verpflichtet bin, soweit nicht göttliche Gesetze dem entgegenstehen.“) fordert aber in Ihrer Formulierung die Zuhörer – als mündige Staatsbürger! - zum blinden Befolgen staatlicher Maßgaben ohne jedes eigene Wollen oder Denken auf. Problematisch ist dabei besonders, dass Ihre Ausdeutung sinngemäß sehr an die veraltete und somit überholte Fassung von 1908 anknüpft („Ich glaube, dass die Obrigkeit Gottes Dienerin ist uns zugute, und wer der Obrigkeit widerstrebt, der widerstrebt Gottes Ordnung, weil sie von Gott verordnet ist.“). Aber genau diese von Ihnen aktuell eingeforderte Haltung hat eine lange Tradition, die in meinem Artikel  „ Anmerkungen zur NAK zu Zeiten des Kaiserreichs, des  Nationalsozialismus und in der DDR  ausführlich dargestellt und kritisiert wird. Meine Ausführungen in diesem Artikel, der Ihnen im Anhang dieses Anschreibens zur Verfügung steht, sind zentraler Bestandteil dieses Offenen Briefes, können aber auch online gelesen werden (siehe Links im Anhang).

Hier an dieser Stelle sollen im Offenen Brief an Sie aus meinem Artikel zunächst nur zusammenfassend die wesentlichen Kurzinformationen (Abstract) und die Conclusio eingefügt werden unter der Prämisse:

Matthäus 5, 23f "Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe." 

Anhand von Zitaten und Berichten wird in meinem vollständigen Artikel ausführlich dargestellt, wie sich die Kirchenführung der NAK zu Zeiten des Kaiserreichs, des  Nationalsozialismus und in der DDR zum bereitwilligen Handlanger des jeweiligen Staates und seiner Ziele gemacht und christliche Verhaltensweisen und seelsorgerische Verantwortung dabei über Bord geworfen hat.

Der 1908 eingeführte 10. Glaubensartikel  ermöglichte es der NAK-Führung, die funktionale  Trennung zwischen Staat und Kirche aufzuheben und die jeweiligen politischen Ziele zu gleichrangigen Glaubensgrundsätzen zu erheben, denen die NAK-Mitglieder in absolutem Gehorsam folgen mussten. Dies konnte funktionieren, weil die Struktur diktatorischer und totalitärer Systeme auch den Struktur- und Wertevorstellungen der autoritären Kirchenführung entsprach.

Staatlich wie kirchlich wurden eigens ideologische Denkwelten konstruiert, welche die vorhandene menschliche Wirklichkeit durch eine fiktive Parallelwelt ersetzten und in denen die aufgebaute Schein-Welt zur kollektiv geglaubten Wahrheit wurdeDamit stabilisierte und legitimierte die NAK durch die Übernahme der staatlichen Denk- und Verhaltensvorgaben automatisch ihre eigene Richtigkeit und Existenzberechtigung.

Keinesfalls ging es - wie offiziell bisher stets behauptet – um eine bloße Anbiederung oder erforderliche Anpassung als Überlebensstrategie an diese zeitbedingten politischen Systeme. Die Ursache der Annäherung liegt vielmehr in der Gleichartigkeit des Denkens: Das Ziel und Kernstück beider Systeme ist nicht das Wohl der an sie glaubenden Menschen, sondern die voraussetzungslose und absolut eingeforderte, unbedingte Nachfolge gegenüber den jeweils geistlichen Führern und der Erhalt ihres Machtapparates. Die Person als Einzelne galt nichts, sondern ihre uneingeschränkte Hingabe an die  Sache. Die vollständige Unterstützung der aufgebauten Institutionen und Strukturen waren kirchlich wie politisch der Gradmesser ihrer Treue zum System, auch und explizit zur Institution NAK.

Alle daran mitarbeitenden Amtsträger der NAK im Nationalsozialismus und in der DDR machten und machen sich noch heute durch ihr Schweigen des Amts- und Machtmissbrauchs schuldig. Sie sind und waren nicht nur Mitläufer wie so manche anderen gesellschaftlichen Mitglieder, sondern müssen als Täter angesehen werden, die das System NAK bis auf den heutigen Tag um den Preis der Selbstaufgabe der Kirchenmitglieder stützen und erhalten.

Und leider muss festgestellt werden: Anstatt sich zu den gemachten Fehlern offen zu bekennen und bei Personen, die dadurch geschädigt wurden, um Verzeihung zu bitten, schweigen die NAK als Institution, Sie als Stammapostel, die Bezirksapostel und Apostel beharrlich zu historischen oder gegenwärtigen und eindeutigen Fehlern und Fehlverhalten! Stattdessen fordert man zudem noch Stillschweigen, Nachfolge und Unterordnung von geschädigten Glaubensgeschwistern ein. Und das ist eindeutig und nachweislich Amtsmissbrauch aller beteiligten Amtsträger, vom Priester bis hin zum Bezirks- und Stammapostel, und von damals bis heute. Als Folge daraus sind die Täter stets absolut folgenlos davongekommen! Zudem ist dieses Verhalten auch ein Machtmissbrauch, Emotionaler Missbrauch, Geistlicher Missbrauch und Seelischer Missbrauch. 

Sie selbst,  Stammapostel Schneider, forderten als hauptverantwortlicher Leiter der NAK in Ihrer  Predigt 2017 in Durban/Südafrika geradezu zum Täterschutz auf:

"Es ist nicht unsere Aufgabe auf die Narbe der Sünde zu zeigen, oder darauf zu drücken, dass der Sünder leidet. Sonst werden wir zu Sündern und nicht mehr der andere." 

Dieser Forderung von Ihnen ist jedoch deutlich zu widersprechen, denn:

1. Jede Person, die von  Missbräuchen weiß und dazu schweigt, macht sich mit schuldig an den zum Teil generationsübergreifenden Schädigungen der davon betroffenen Menschen!

2. Und gerade die Neuapostolische Kirche als Institution sollte im eigenen Interesse endlich ihre Geschichtsaufarbeitung ohne Einschränkungen in Auftrag geben bzw. den bereits erstellten Bericht zur Ära Stap Bischoff sofort offenlegen. Ferner sollte sie Verantwortung übernehmen, ihre Schuld bereuen und bekennen und in aller Form und vor aller Öffentlichkeit auch und gerade bei den noch lebenden Opfern angemessen um Entschuldigung und Verzeihung zu bitten, denn

3. es gilt das Wort Jesu auch für die NAK:  "Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe." (Matthäus 5, 23f)

4. Ein anderer Weg in die eigene und unter ökumenischen Aspekten auch gemeinsame Zukunft ist nicht denkbar, denn „die Vergangenheit ist niemals tot. Sie ist nicht einmal vergangen.“ (William Faulkner)

Auch die weiteren Beiträge auf der Unterseite "Die NAK in der DDR" von Olaf Wieland sind von Ihnen als Belege für das missbräuchliche Handeln der Amtsträger der NAK in der DDR als Bestandteil dieses Offenen Briefes zur Kenntnis zu nehmen und bei Ihrer Antwort inhaltlich angemessen zu berücksichtigen:

1.5.2021 Aus dem deutschen Bundesarchiv ein Bericht des MfS (Ministerium für Staatssicherheit)Über die Haltung [...] der Neuapostolischen Kirche der DDR zur neuen Verfassung (1968)

16.4.2021 Hochrangige Vertreter der Neuapostolischen Kirche waren Spitzel Ein Interview mit Olaf Wieland 

19.4.2021 „Vom Segen gemeinsamer Arbeit“ Neuapostolische Kirche (NAK) und das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der damaligen DDR (2014) 

23.4.2021  Offener Brief an den Bezirksapostel i. R. Willy Adam Neuapostolische Kirche Mecklenburg zu seiner IM-Tätigkeit für die Stasi

24.4.2021  BezAp Kurt Kortüm war Inoffizieller Mitarbeiter (IM Deckname „Kurt Sigmund) für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) - Ein Geheimer Bericht über seine Anwerbung  durch die DDR-Sicherheitsorgane

3.5.2021 Bericht vom Bezirksältesten Werner Pflugmacher (Mecklenburg), der als IM "Jünger" von seiner Reise zu den Verwandten aus der BRD seinem Führungsoffizier berichtete (1983)

5.5.2021 Bezirksältester Werner Pflugmacher(IM "Jünger") bricht das Beichtgeheimnis und bittet um ein Eingreifen der DDR-Sicherheitsorgane in einer persönlichen Angelegenheit bei einer neuapostolischen Familie (1979)

6.5.21 Bezirksältester Pflugmacher (IM Jünger) beteiligte sich an der Verfolgung der in der DDR verbotenen Glaubensgemeinschaft  "Zeugen Jehovas" mit besonderer Denunziationsbereitschaft (1981, 1985)

So möchte ich Sie am Schluss deutlich auffordern, den bisher zurückgehaltenen Forschungsbericht zur Botschaftsära Stammapostel Bischoffs umgehend öffentlich zu machen und  die Zeit der NAK in der DDR und im Nationalsozialismus als eigene Geschichtsaufarbeitung grundlegend und zeitnah ohne jede Vorgabe extern aufarbeiten zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen für Sie und Ihre Amtstätigkeit

gez. Detlef Streich

P.S.: Ich weise  darauf hin, dass dieser Brief auch auf  Internetseiten veröffentlicht wird.

Anhang:

Von der Homepage: NAK- Austiegshilfen

Unterseite: Die NAK in der DDR

Artikel: Anmerkungen zur NAK zu Zeiten des Kaiserreichs, des Nationalsozialismus und in der DDR

Autor: Detlef Streich (Fassung vom 6. Mai 2021)

 

 

27.5.21 Betrifft: Nachtrag vom 27.5.21 zum  Offenen Brief an Stap Schneider speziell zur NAK im Nationalsozialismus in 20 Punkten

Sehr geehrter Stammapostel Schneider,

da bisher keinerlei Reaktion von Ihnen auf meinen Offenen Brief erfolgte muss ich wohl davon ausgehen, dass auch Sie als Kirchenpräsident fast 80 Jahre später stillschweigend und ignorant über diesen vielleicht dunkelsten und durchaus auch für die Allgemeinheit historisch bedeutsamen Punkt der NAK-Geschichte hinweggehen wollen. Damit reihen Sie sich leider ein in die unrühmliche Haltung aller Ihrer Amtsvorgänger, wie beispielsweise aus dem folgenden Text hervorgeht:

„Was weiß der heutige Stammapostel Fehr? Das meiste, wenn nicht noch mehr, denn er sitzt auf dem Kirchenarchiv der NAK, aber auch er schweigt und läßt geschichtsverdrehende und verfälschende Literatur zur NS-Geschichte drucken und unter die Geschwister bringen. Mehr noch: Ende April 1993 verweigerte Stammapostel Fehr sogar die Annahme von Kopien von Originalschreiben des Stammapostels Bischof! Ein Züricher Anwalt wurde beauftragt, dem Stammapostel hochbrisantes Material diskret zu übergeben und Richard Fehr verweigerte sich. Er will von diesen Dingen nichts wissen, weil er weiß, welche Konsequenzen das Bekanntwerden dieser Tatsachen für das Ansehen seines Amtes in den Augen der Geschwister hat. Massives Verdrängen ist das einzige Verhalten, daß der Stammapostel zeigt. Ihm wurden die Unterlagen dann per Telefax zugestellt, mit der Bitte, doch umgehend Kontakt zum Absender, dem Glaubensbruder Schleich aus Feldafing, aufzunehmen, um gemeinsam zu beraten, wie eine Aufarbeitung dieses Themas innerhalb der Neuapostolischen Kirche angegangen werden könnte. Der Stammapostel schweigt. Eingemauert. Dem Stammapostel wurde daraufhin mitgeteilt, daß nur noch der Weg in die Öffentlichkeit bleibt, um die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels neuapostolischer Kirchengeschichte einzuleiten, was mit der Veröffentlichung des vorliegenden Materials geschieht. Der Stammapostel schweigt und lässt drucken.“ Quelle: Die Neuapostolische Kirche in der NS-Zeit, Autor Dr. Michael König, Feldafing 1993 als handkopierte Broschüre, 1. Auflage Mai 1993, S.35f)

Sie selbst erwähnten in Ihrer Predigt am 16.05.2021 in Saarbrücken - also direkt nach dem Eingang meines Offenen Briefes - wohl in Anspielung an die NS-Zeit:

"Besonders für die Jugend, die junge Generation. Die möchten in den Gottesdienst gehen, die anderen gehen arbeiten. Ich meine, in der Geschichte Deutschlands hat es auch solche Perioden gegebenwo es nicht unbedingt von Vorteil war, ein Christ zu sein. Die Menschen der älteren Generation haben das noch miterlebt. Es war nicht unbedingt ein Vorteil, ein Christ zu sein. Da wurde man auch vernachlässigt und es gab viele Schwierigkeiten."

"Da wurde man vernachlässigt und es gab Schwierigkeiten" bezieht sich lediglich auf Unannehmlichkeiten der eigenen Kirchenmitglieder in dieser Zeit. Die rückhaltlose Unterstützung dieses totalitären Staatsapparates durch Stammapostel Bischoff aber, der alle Kirchenmitglieder ganz direkt auf dessen nationalsozialistische Lehren geradezu einschwor und sogar ihre Mitgliedschaft in der NAK davon abhängig machte, erwähnen Sie nicht!

Deshalb möchte ich Ihnen hier in einer Kurzfassung die historische Quellen zum Verhalten der NAK, von Stammapostel Bischoff und seines Sohnes im NS-Regime  in 20 Punkten zum geneigten Lesen anbieten. Die zitierten Quellen sind keine zwangsweise geschriebenen Propagandaartikel, sondern spiegeln klar die "nationalsozialistische Gesinnungder NAK (Zitat Reichsführer-SS Heinrich Himmler 1937) und ihrer Verfasser wider.

In der Hoffnung auf Ihre Bereitschaft, sich diesem Thema endlich verantwortungsvoll zu nähern, verbleibe ich mit guten Wünschen und

freundlichen Grüßen

Detlef Streich

 

Exzerpt zum Verhalten der NAK, von Stammapostel Bischoff und seinem Sohnes im NS-Regime in 20 Punkten aus:  Exkurs: Die NAK im Nationalsozialismus

1. In der demokratisch geprägten Zeit der Weimarer Republik wurde der 10. GA interessanter Weise  in den Hausregeln (Satzung) vom 13.11.1922 vom Apostelkollegium nicht mehr aufgeführt und somit außer Kraft gesetzt, weil deren politische Ausrichtung und die nun gewählte Volksvertretung der Zustimmung offensichtlich nicht würdig war Wie grundsätzlich mit Gedanken und Büchern  umzugehen ist, die nicht in das neuapostolische Weltbild passen,  zeigen die zwei folgenden Appelle an die Jugend aus den Jahren 1931/32 und die darauf gegebene Antwort:

Frage: „Was soll man mit Romanbüchern, Kunstschriften usw. aus nichtapostolischer Zeit tun, wenn man infolge des Besseren, was uns im Werke Gottes geboten wird, das Interesse daran verloren hat und noch befürchten muß, es könnte den eigenen Kindern zum Schaden gereichen, wenn diese aber dennoch materiellen Wert besitzen und sich dafür kein Käufer findet?“ (Quelle Jugendfreund 3. Jg. Nr. 9 vom 8. Mai 1931, Seite 72)

„Darum, liebe junge Mitgeschwister, lest keine schlechten Bücher, womit ihr Euer Glaubensleben vergiftet, sondern das, was Euch vom Stammapostel und den Aposteln angeboten wird. Wer noch schlechte Lektüre im Besitz hat, lese einmal Apostelgeschichte 19,19 und die Antwort auf eine diesbezügliche Frage im Jugendfreund Nr.9/1931, Seite 72. Wer danach handelt, wird es in seinem eigenen Interesse nie bereuen müssen. (Quelle Jugendfreund 4.Jg Nr. 7 vom 8. April 1932, Seite 54)

Die erschreckende Antwort der NAK mit dem Verweis auf Apostelgeschichte 19, 19 ff nimmt die später faktische Bücherverbrennung der Nazis zwischen dem 10. Mai und 21. Juni 1933 bereits gedanklich durch die NAK vorweg. Im angegebenen Zitat steht:

„18 Es kamen auch viele von denen, die gläubig geworden waren, und bekannten und verkündeten, was sie getan hatten. 19 Viele aber, die Zauberei getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich und berechneten, was sie wert waren, und kamen auf fünfzigtausend Silbergroschen. 20 So breitete sich das Wort aus durch die Kraft des Herrn und wurde mächtig.“

Aus Sicht der NAK ist eine Bücherverbrennung von Erzeugnissen aus "nichtapostolischer Zeit"  (sozusagen die gesamte Literatur!!)" also biblisch begründet und durchaus berechtigt, damit sich das Wort des Herrn, verkündet durch die neuapostolischen Leiter,  ausbreiten kann! Alles, was gegen die NAK und/oder gegen ihre im Folgenden noch aufzuzeigenden politisch vertretenden Überzeugungen spricht, sind vergiftende Glaubensüberzeugungen, die vernichtet werden dürfen. Diese Haltung legitimiert folglich auch die barbarische Bücherverbrennung der Nazis, die von der NAK vermutlich wohlwollend begleitet wurde! Der Herausgeber dieser Schriften war die Hauptleitung der Neuapostolischen Gemeinden. Der verantwortliche Redakteur Paul Weine wurde nach dem Krieg in den frühen 50er Jahren als Bischof im Raum Frankfurt eingesetzt!

2. In den 1930er Jahren und mit dem aufkommenden Nationalsozialismus (die NSDAP erhielt bei der Wahl am 14.September 1930 18,3 Prozent der Stimmen und wurde zweitstärkste Fraktion) wurde der 10. GA vom Apostelkollegium wieder eingeführt und 1933 vom Stap Bischoff  auf das neue politische Herrschaftssystem  und konkret auf den Reichskanzler und Führer Adolf Hitler hin bestätigt:

Am Tag von Potsdam, 21 März 1933, hielt Bischoff einen Festgottesdienst und verkündigte unter Zugrundelegung von Sir.10,5, daß jetzt der von Gott gesandte Führer gekommen sei. Den Text der Ansprache ließ er samt vielen Unterlagen in die Reichskanzlei schicken.“ (Kurt Hutten,Seher Grübler Enthusiasten - 1982 - S.477)

"In einem Rundschreiben vom 21.3.1933 machte es der Hauptleiter allen Dienern und Mitgliedern der Neuapostolischen Gemeinden zur Pflicht, der von Gott gegebenen Obrigkeit untertan und gehorsam zu sein. Er forderte ferner auf, für die Obrigkeit zu beten und im Gemeinde- und Staatsleben die gegebenen Gesetze und Verordnungen gewissenhaft zu befolgen. Er wies auf eine Verfügung des Hauptleiters der Neuapostolischen Kirche aus dem Jahre 1908 hin, worin gesagt ist, daß die Neuapostolischen in Staat und Gemeinde sich so bewegen sollen, daß ihre Mitmenschen von ihnen lernen können und daß sie die Ersten in der Treue zur Obrigkeit und zum Vaterland sein sollen." (1933 Reichsstatthalter Epp, Aktenmaterial über die NAK, 1934-1935, Akt Reichs.st.h. 638/1, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München)

3. Die Mitglieder der NAK wurden in einem Rundschreiben vom 21.3.1933 von Stammapostel Bischoff wie folgt angewiesen:

[…] Um jede Unklarheit ueber die Stellung der Neuapostolischen in Staat und Gemeinde zu beseitigen, teile ich folgendes mit:[…]  Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt ueber ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun die Obrigkeit widersetzt, der widerstrebet Gottes Ordnung; die aber widerstreben, werden ueber sich ein Urteil empfangen. […]- Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem Koenige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als die von ihm gesandt sind […] Alle Diener und Mitglieder der Neuapostolischen Kirche haben also nach obigen Worten die Pflicht, der von Gott gegebenen Obrigkeit untertan und gehorsam zu sein.

[…] Der Hauptleiter der Neuapostolischen Kirche, Hermann Niehaus, schrieb im Jahre 1908 in dem Hilfsbuch fuer die Priester und Diener, dass die Apostolischen in Staat und Gemeinde sich so bewegen sollen, dass ihre Mitmenschen von ihnen lernen koennen, und dass sie die Ersten in der Treue zu Obrigkeit und zum Vaterlande sein sollen.

[…].   In meinem Rundschreiben vom 18.7.1932 habe ich, also zu einer Zeit, da wir noch keine nationale Regierung in Deutschland hatten, die Stellung und das Verhalten der Religionsdiener der Neuapostolischen Gemeinde zu der nationalen Bewegung erlaeutert. Besonders habe ich den Hinweis gegeben, uniformierte Nationalsozialisten in den Gottesdiensten genau so freundlich zu behandeln wie Personen in Zivilkleidung. […]

4. Noch deutlicher wurde Stap Bischoff dann in einem Schreiben der Hauptleitung der Neuapostolischen Kirche des In- und Auslandes am 2. 8. 1933 an das Preußische Kultusministerium, Berlin:

Die Neuapostolische Kirche steht in ihrer Lehre und ihrer Religionsauffassung auf dem Boden des Urchristentums, nicht aber auf dem des Judentums

Jeder Diener und jedes Mitglied der Neuapostolischen Gemeinde ist durch die planmäßige Beeinflussung seitens der Hauptleitung in nationalsozialistischem Sinn erzogen, so dass die meisten Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei angehören oder ihr nahe stehen.* 

Bei der Aufstellung aller Satzungen wurde von dem für die Autorität einer Kirche bestimmenden Gedanken des Führerprinzips ausgegangen, um dadurch die Möglichkeit zu einer straffen Organisation zu gelangen.

Wie wir im Staatsleben nur unter einer Führung, die den Erfordernissen des Volkes Rechnung trägt, ein glückliches Volk werden könnenwie wir nur dann Staatsbürger sein können, wenn wir uns dieser Führung restlos unterordnenso kann auch im religiösen Leben nur derjenige Mensch glücklich sein, der in einer innerlich gesunden Religionsauffassung stehend sich der Kirchenführung unterordnet und derselben den schuldigen Glaubensgehorsam entgegenbringt, die ihm die Gewähr zu einer seelischen Befriedigung bietet.

Eine große Zahl meiner Rundschreiben an die Leiter und Diener der Neuapostolischen Kirche Deutschlands liefert den klaren Beweis, dass sie uneingeschränkt und bedingungslos die nationalsozialistische Bewegung nicht nur anerkennt, sondern auch gefördert hat. 

Außerdem habe ich verschiedenen anderen nationalsozialistischen Formationen meine finanzielle Unterstützung zukommen lassen. ...

Heil Hitler, J. G. Bischoff“

(*Vergleiche hierzu auch Wahlbeeinflussung in der DDR)

Man beachte die absolut freiwillige Unterzeichnung mit "Heil Hitler" von Bischoff, die gerade aus christlicher Sicht problematisch ist: "Es ist in keinem anderen Heil ...Apg 4,12Die finanzielle Unterstützung in Form geleisteter Spenden betrug laut Bischoffs eigenem Lebenslauf (datiert vom 2.8.1933) im Zeitraum von 1931 (!) bis September 1933 , also auch bereits deutlich vor der Machtübernahme Hitlers, insgesamt 137.541 RM, eine durchaus sehr beachtliche Summe! Der Durchschnittsverdienst in dieser Zeit betrug pro Monat ca. 165 RM. Ein Arbeiter hätte also für diese Spendensumme knapp 70  Jahre durcharbeiten müssen.

5. Im Dezember 1933 rief Bischoff dann in einem Rundschreiben an die Amtsträger (1.12.1933) dazu auf:

 „Das Jahr geht nun rasch zu Ende, aber nicht das, was es uns gebracht hat. Dankbaren Herzens sehen wir auf die Geschehnisse im Jahre 1933. Deutschland ist von der Zersplitterung befreit, Parteiwesen ist nicht mehr.  . . .

Aus diesem allem erkennt man aber, was ein Mann vermag, den die Liebe zu dem deutschen Volke trieb, alles neu zu gestalten. Wir Neuapostolischen wollen alles daran setzen, die vom Führer zum Wohl des Volkes getroffenen Anordnungen gewissenhaft zu befolgen, damit er mit uns keine Sorgen und Arbeit hat. Dadurch, dass jeder Einzelne an seinem Platze seine Stellung gewissenhaft ausfüllt, ist dem Führer und damit dem ganzen Volk am besten gedient.“

6. Ferner galt laut eines Schreibens von Apostel Landgraf (Auszug) seit dem 28. J u n i 1 9 3 3, dass in die Gemeinde aufzunehmende Personen zuvor folgende schriftliche Erklärung abgeben müssen:

Ich ersuche, ohne dazu von irgendeiner Seite veranlasst zu sein, um Aufnahme in die Neuapostolische Gemeinde und erkläre an Eides Statt, dass ich keiner staatsfeindlicher Organisation angehöre und auch keine staatsfeindliche Gesinnung habe.

Im gleichen Schreiben wurde noch weiter angeführt:

„Ausserdem sei noch auf die Tatsache hingewiesen, dass schon seit 1921 und 1923 Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde mit dem Führer Freud und Leid geteilt haben. Zwei ihrer Mitglieder haben dabei ihr Leben gelassen, über 60 wurden verwundet und einige infolge ihrer nationalsozialistischer Betätigung mit Gefängnis bestraft. Dies ist im Verhältnis zur Mitgliedschaft der Gemeinden ein hoher Prozentsatz. […] Diese Ausführungen dürften genügen, um eindeutig zu zeigen, dass die Neuapostolische Kirche sowohl v o r wie n a c h der Machtergreifung unseres Herrn Reichskanzlers Adolf Hitler alle Voraussetzungen erfüllt hat, die nach dem Programm der NSDAP unter Punkt 24 gegeben sind.“

Zudem wird noch berichtet, dass auch der Versuch von Stap Bischoff unternommen wurde, andere Bezirksapostel politisch zu beeinflussen:

Ap. Landgraf 1933:  "Der Hauptleiter hatte die überseeischen Vertreter der Neuapostolischen Kirche nach Deutschland eingeladen, damit sie sich neben der Besprechung kirchlicher Fragen von den tatsächlichen Verhältnissen in Deutschland durch eigene Anschauung überzeugen und im Auslande auch für das Deutschtum eintreten können. ... Auch ermahnte der Hauptleiter in einem Rundschreiben vom 1. A u g u s t 1 9 3 3 alle Amtsträger und Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde, sich gewissenhaft an die von ihm gegebenen Anordnungen zu halten, ferner alle abfälligen Äusserungen über andere Glaubensanschauungen, deren Einrichtungen und Diener zu unterlassen. Die peinlich-gewissenhafte Befolgung aller Anordnungen und Verfügungen des Hauptleiters, der seinen Sitz in Deutschland hat, ist Pflicht eines jeden Mitgliedes der Kirche; denn in ihr ist das Führerprinzip in religiöser Hinsicht in jeder Weise ausgeprägt.(Vollständige Fassung der Selbstdarstellung Landgrafs)

7. Dies bekam auch die obere Etage der Nationalsozialisten mit. Von der SS, genauer von ihrem Leiter Reichsführer-SS Heinrich Himmler bekam der Stammapostel  J.G. Bischoff in einem geheimen Leitheft des Sicherheitsdienstes vom Mai 1937 bestätigt:

„Die Neuapostolische Gemeinde betont in Punkt 10 ihres Glaubensbekennisses streng die weltliche Autorität. Seit der Machtübernahme betont sie in geradezu auffälliger Weise ihre nationalsozialistische Gesinnung (siehe Anlage 6). Die frühere Einstellung des Stammapostels Bischoff, der für die allgemeine politische Haltung verantwortlich ist, ist nicht bekannt, da er politisch nie hervorgetreten ist. Heute allerdings stellt er seine Sympathie mit dem Nationalsozialismus in den Vordergrund und verlangt von seinen Mitgliedern in zahlreichen Rundschreiben die gleiche positive Einstellung zum Staat, oft aber in einer reichlich plumpen Weise.“ Quelle: Reichsführer-SS, SD-Leitheft über die Neuapostolische Gemeinde e.V. Mai 1937, 44S., Akt R58/230, Bundesarchiv Koblenz/(hier zitiert aus Die Neuapostolische Kirche in der NS-Zeit, Autor Dr. Michael König, Feldafing 1993 als handkopierte Broschüre, 1. Auflage Mai 1993, S. 6 )

8. Ein Amtsblatt der NAK von 1937 , in dem von Stap Bischoff - zumindest als Herausgeber verantwortlich -dargestellt wurde, dass Jesus kein Jude war, spricht auch deutlich zur Sache:

"Jesus ist aber von keinem Juden gezeugt, sondern er ist das Wort von Ewigkeit her, und Gott, der ewige Geist, ist der Vater dieses Wortes. Dieses Wort, erfüllt vom Geiste des Ewigen, durch Verkündigung des Engels in den Schoß der Maria gegeben, hat sich als ein göttlicher, nicht jüdischer Same dem von Gott zur Ausreife im Mutterleibe gegebenen Gesetze entsprechend entwickelt." 

9. Auch Friedrich Bischoff (1909 - 1987), der Sohn des Stammapostels, war mit den Nationalsozialisten sehr verbunden. Am 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei, war Mitglied der Sturmabteilung (SA) und  beim SA-Fliegersturm. Sein Antrag auf eine Mitgliedschaft in der SS (Schutzstaffel) ist abgelehnt worden. Ab 1933 war Frierdrich Bischoff als politischer Beauftragter der NAK das Verbindungsglied zur NS-Führung. In einem Empfehlungsschreiben der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Propaganda und Volksaufklärung notierte Herr Müller-Scheld, ein Mitarbeiter und enger Vertrauter von Joseph Goebbels (Akt RKM 23418 Bundesarchiv Potsdam) über ihn (1936?):

Friedrich Bischoff ist Parteigenosse, mir seit Jahren bekannt und politisch und menschlich absolut zuverlässig.“

10. Stap Bischoff selbst gab in einem Schreiben an das Preußische Kultusministerium, Abteilung für Kirchenwesen, Berlin; August 1933 (Quelle Bundesarchiv  Vol. III vom Juni 1924-1941, Generalia 23418, Sekten, 25 III, Bl. 114-127: hier Blatt 126) die SA-Mitgliedschaft seines Sohnes an: 

„Der sogenannte Wagenpark meines Sohnes besteht den Geschäftsverhältnissen entsprechend aus einem Lieferwagen und einem Personenwagen. Das erwähnte Flugzeug gehört nicht zum Besitz meines Sohnes, sondern ist Eigentum des deutschen Buchverlages G.m.b.H., an dem mein Sohn beteiligt ist. Außer rein geschäftlichen Zwecken findet das Flugzeug im hiesigen SA-Fliegersturm I, dessen Mitglied mein Sohn als SA-Mann ist, Verwendung.“

11. Mir liegt eine Kopie der Mitgliedskarte von Friedrich Bischoff für die NSDAP vor mit dem Eintrittsdatum 1.3.1933. Folgende Daten sind - zum Teil handschriftlich in Sütterlinschrift - eingefügt:

Mitgliedsnummer 2246356  / Vor- und Zuname Bischoff  Friedrich

Geboren 31.3.09 / Ort  F.  

Beruf  Buchverleger / Ledig verheiratet verw.

Eingetreten  1.5.33  

Wohnung   F.   Sophienstr. 76  

Ortsgruppe  Frankfurt  aM Hess.Nass. Süd 

(Quelle: Filmbild 2358 der Bestandsignatur3200, Nummer des Aktenbandes B 0045)

12. In einem  Reisebericht aus ´Unsere Familie` schrieb 1940 der damalige Bez.Ev. Friedrich Bischoff:

5.4.: „Schwarze und Mischlinge steigen auf der sozialen Leiter immer höher, sie verdrängen mit ihrer billigen Arbeitskraft den besser bezahlten Weißen auch aus Stellungen, die dem Weißen allein zustehen sollten ... Das farbige Element ist zum Angriff übergegangen ... England hat den Buren Südafrika geraubt, uns hat es unsere Kolonien gestohlen, nicht um sie besser zu kolonisieren, nein, um sie auszubeuten, um die Besitzer davonzujagen und die Weißen samt ihrer Kultur an den Neger zu verraten. ...

Ein altes Negerweib stochert im Vorbeigehen einmal darin herum, kleine schwarze, nackte Kinder spielen im Dreck oder sehen uns erstaunt an. Ihre feisten, vorstehenden Bäuchlein scheinen fast zu platzen.“

20.4.: „Wohl hat sich der Weiße noch eine bestimmte Vorherrschaft erhalten können, sie ist aber stark ins Wanken geraten, und sie wird noch immer mehr ins Wanken kommen, je mehr der Jude Einfluß gewinnt, denn es ist sein Ziel, die Völker zu zersplittern, sie niederzuhalten und sie auszubeuten.

13. In einem Artikel aus Unsere Familie vom 20.3.1938 hieß es unter der Überschrift "Am 10. April dem Führer unser 'Ja'!im weiteren Text unmissverständlich als Gebet an Gott: "Beschütze den Führer und richte auch fernerhin durch ihn aus, was du dir vorgenommen hast, durch ihn zu tun."

In den Vorstellungen der NAK war Adolf Hitler in seinen Taten also ein Werkzeug in Gottes Hand! Auch Stap Bischoff wandte sich 1941 nochmals persönlich und eindeutig an die Mitglieder der NAK und schrieb:

14. Zitat aus Kalender "Unsere Familie" für das neuapostolische HeimArtikel "Dem Ziel entgegen" von Stammapostel  J.G. Bischoff, Seiten 4 und 5, 1941:

[…] Mit stählernem Griffel ist neue Geschichte geschrieben worden in diesem Jahre, und neben der stolzen Freude über die unvergleichlichen Waffentaten unserer Wehr­macht unter ihrem genialen Führer hat aber auch manch­mal bange Sorge um unsere Angehörigen im Felde ge­standen.

[…]Wir vernachlässigen dabei nicht unsere irdischen Pflichten, sondern wir wer­den uns im Gegenteil und wo es auch sein mag, mit allen Kräften bemühen, an unserem Platz in der Volks­gemeinschaft unseren Mann zu stehen. Auch hier haben wir ein Ziel, wir wollen auch hier Erstlinge sein, damit man uns nicht an unseren Worten, sondern an unseren Taten erkennt. Wir wollen auch im neuen Jahre, wie seither, alles tun, um zielbewußt an dem Aufbau unseres Vaterlandes mitzuhelfen in der festen Ueberzeugung, daß die Rechte des Herrn den Sieg behalt.  […] (Unterzeichnet handschriftlich: J.G. Bischoff)

15. Zitat aus dem Leitartikel von J.G.Bischoff in der kriegsbedingt letzten Ausgabe von ´Unsere Familie` vom 5.12.1941:

„Heute steht unser Volk im Abwehrkampf gegen seine Feinde, die es vernichten wollen. Viele unserer Brüder stehen an der Front, kämpfen um die Erreichung der Freiheit, um den Lebensraum und die Zukunft unseres Volkes, auch wir alle tragen dazu mit unseren Opfern willig und freudig bei. Dieser Kampf erfordert ein Anspannen aller Kräfte und kann nur dann zum Sieg führen, wenn wir bereit sind, auch das Letzte daranzugeben im gläubigen Vertrauen, daß der Herr den Kampf durch den Sieg segnet und die Opfer durch den Erfolg lohnt .

So ist im Bestreben, alle Kräfte zusammenzufassen und alle Mittel auf das eine Ziel, den Endsieg, auszurichten,[…]“ (Unterzeichnet handschriftlich: J.G. Bischoff)

16. Auf das  Auskunftsersuchen des Hessischen Staatsministeriums (Der Minister für politische Befreiung, Kammer Frankfurt am Main, Der öffentliche Kläger) vom 30. November 1947 schrieb Friedrich Bischoff am 09.12.1947 eine Stellungnahme. Auf Seite 3 seiner Stellungnahme erklärt Bischoff:

"Dann wurde unsere Einheit aufgelöst und ich kam über Sammellager und Ersatztruppenteile zu den Fallschirmjägern und machte mit dieser Truppe den Einsatz Ende 1944 in der Eifel und Luxemburg und 1945 den Rückzug bis zum Harz mit, wo ich im April in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet, aus der ich um Juli 1945 entlassen wurde. Ich war zuletzt Feldwebel." Quelle: HHStAW Abt. 630 Nr. 280.

17. Und noch einmal wurden Druckerzeugnisse verbrannt, nun aber die eigenen: Die Evangelische Informationsstelle Kirchen – Sekten – Religionen in der Schweiz zitiert eine weitere,natürlich kurzsichtige und völlig nutzlose  Bücherverbrennung nach Kriegsende, die zeigt, dass nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes sich die Kirchenleitung über die Brisanz ihres Verhaltens in dieser Zeit klar bewusst war. Relinfo schreibt unter der Überschrift „NAK in der NS-Zeit“:

„Als die Alliierten die Grenzen Deutschlands überschritten, geschah folgendes: „Das bedruckte Papier von vielen Tausenden von Zeitschriften ‚Unsere Familie‘ verbrannte. Der Amtskörper sammelte auf Anordnung von oben auch alles Schriftgut bei den Geschwistern ein, dessen er habhaft werden konnte.“ Quelle: Dr. M. König und Dr. J. Marschall, Die NAK in der N.S. – Zeit. Seite 41: zitiert aus:Der Geist weht, wo er will – Relinfo.ch

18. Und auch die Vertuschung und Verschleierung der propagandistischen Beeinflussung der Kirchenmitglieder durch die Amtsträger der NAK  wurde sofort betrieben:

„Am 23.Okrober 1945, einige Monate nach Kriegsende, richtete Bezirksapostel Schall, Stuttgart, ein Schreiben an die dortige Militärregierung […] Nach einer kurzen Beschreibung des Werdegangs des apostolischen Werkes, bei der die englische Herkunft aus dem 19. Jahrhundert großen Raum einnimmtund in den Vordergrund tritt, führte Bezirksapostel Schall aus: „Am geistlich Erhabenen sich zu erhöhen und innerlich unabhängig zu werden von den Schwankungen der irdischen Zustände, das ist das Ziel der Gläubigen dieser Gemeinschaft. Jede Erörterung über politische Fragen ist ausgeschaltet.“ Nach einer Erläuterung über die geografische und organisatorische Gliederung der Neuapostolischen Gemeinden in Deutschland folgt eine Liste von 15 Personen, darunter 1 Apostel und 10 Bezirksälteste […] Über diese Amtsträger gibt der Bezirksapostel Schall die folgende Erklärung ab: "Von den vorstehend aufgeführten gegen Besoldung Angestellten der Neuapostolischen Gemeinde war noch nie jemand weder in früheren noch in späteren Jahren Mitglied der NSDAP.“ Weiter schreibt er: „und meines Wissens auch nie auf irgend eine Weise aktiv tätig gewesen.“ […] Von den 10 oben erwähnten Bezirksältesten waren jedoch 7 bereits im Jahr 1934 Bezirksälteste und einer Gemeindevorsteher. Der erwähnte Apostel war 1934 im Bischofsamt. Dies geht aus einem Adressbuch der NAK aus dem Jahr 1934 hervor. Alle haben also sämtliche Rundschreiben und Anordnungen des Stammapostels weitergegeben. (QuelleDie Neuapostolische Kirche in der NS-Zeit, Autor Dr. Michael KönigFeldafing 1993 als handkopierte Broschüre, 1. Auflage Mai 1993, S. 33f)

19. Fazit: Die Zusammenschau all dieser historischen Quellen zeigt überdeutlich, dass in diesem Zusammenhang absolut nicht - wie offiziell stets behauptet - nur von Anbiederung oder erforderlicher Anpassung als Überlebensstrategie gesprochen werden kann!  Aber weder dem Stap Bischoff noch seinem Sohn Friedrich (1951 Apostel, 1953 BezAp) wurde ihr offensichtliches Fehlverhalten jemals offiziell vorgehalten, ja es wurde nicht einmal hinterfragt!  Und so wie bisher weder der Forschungsbericht zu Stammapostel Bischoff und der Botschaftsära  noch die Verqickungen der NAK-Führung in der DDR mit dem politischen System und der Stasi seitens der NAK-Führung damaliger Zeit öffentlich und historisch korrekt offengelegt wurden, hat man auch die nun hier umfänglich dokumentierte Haltung der NAK zum NS-Regime trotz Kenntnis dieser Quellen stets beschönigt, verschleiert und bewusst verfälschend dargestellt:

Zitat aus "Offizielle Verlautbarung 1996" in Unsere Familie, 56. Jahrgang, Nr. 2, 20. Januar 1996: 

Gegenüber den Machthabern im Nationalsozialismus unterschied sich das Verhalten der Mitglieder unserer Kirche nicht von dem der übrigen Bevölkerung. Unsere Kirche stand unter den gleichen Zwängen wie viele andere Institutionen auch. So mussten beispielsweise in unserer Kirchenzeitschrift staatlich verordnete Pflichtartikel abgedruckt werden. Unbestritten hat die Kirchenleitung dem nationalsozialistischen Regime Zugeständnisse entgegengebracht, doch das war – wie Zeitzeugen wissen und Dokumente belegen – nötig, um dem drohenden Verbot zu entgehen.

20. Gleiches gilt dem Vortrag  „Alte und neue Zeit“ zur Entwicklungsgeschichte der NAK von 2003, in dem Peter Johanning bei einer Akademietagung mit dem Titel "„Rückkehr zur völkischen Religion? Glaube und Nation im Nationalsozialismus und heute“ die wirklich wesentlichen Fakten ignorierte, uminterpretierte und wider besseres Wissen schlichtweg behauptete:

S. 5 In diesen bewegten Zeiten, in denen es zeitweise Schließungen von Gemeinden oder die Verhaftung und Überwachung von Mitgliedern gab sowie die religiöse Betätigung insgesamt aufs Äußerste gefährdet war, hat sich Stammapostel Bischoff für den Weg der Anpassung, der ein Überlebensweg wurde, entschieden – aus lauteren MotivenNach eingehenden Recherchen kommen wir heute zu folgender Beurteilung: „Gegenüber den Machthabern im Nationalsozialismus unterschied sich das Verhalten der Mitglieder unserer Kirche nicht von dem der übrigen Bevölkerung. Unsere Kirche stand damals unter den gleichen Zwängen wie viele andere Institutionen auch.

 

 

Hinweis zum folgenden Artikel: Die 6 Teile des nachstehenden Artikels werden nacheinander im ungefähren Abstand einer Woche eingestellt werden. Auch wenn die Folgeteile die Zeit des NS-Regimes verlassen wird gezeigt werden, dass in der NAK auch nach dem Krieg das diktatorische, ja tyrannische Führerprinzip vom NS-System übernommen und innerkirchlich absolut beibehalten wurde ...

Wer war Friedrich Bischoff? Inszenierte Wirklichkeiten als konstitutives Merkmal der NAK:  Autor D. Streich im Juni 2021

Dargestellt in Form einer chronologisch aufgebauten und durchgehenden Zeitleiste zur Biographie von Friedrich Bischoff, ergänzt durch erläuternde Kommentare und zahlreiche weitere Quellen

Geplante Gliederung

Wer war Friedrich Bischoff? - Vorbemerkungen

Teil 1 „Wer war Friedrich Bischoff?“ 1909 bis 1945Die Verlagsgründung mit ausführlichen Hinweisen zu einem kritischen Artikel der „Frankfurter Laterne“ von 1933, Exzerpt 1

Teil 2 „Wer war Friedrich Bischoff?“ 1948 bis 1951 - Finanzielle Machenschaften, intrigantes Verhalten und der Einfluss auf den StammapostelExzerpt 2

Teil 3 „Wer war Friedrich Bischoff“ 1951 bis 1960 Der inszenierte Botschaftswahn mit seiner exklusivistisch-endzeitlichen Parallelwelt der NAK als Basis der SpaltungExzerpt 3

Teil 4 „Wer war Friedrich Bischoff?“ 1960 bis 1961 – Der Fall und Rausschmiss von Dr. jur. Schreckenberger, Exzerpt 4

Teil 5 „Wer war Friedrich Bischoff?“ - Zusammenfassung der wesentlichsten Kritikpunkte

Teil 6 „Wer war Friedrich Bischoff?“ – Ein Kommentar im Nachhinein

 

Wer war Friedrich Bischoff? - Vorbemerkungen

Die oft – wie gezeigt und mit Quellen belegt werden wird – intriganten und skrupellosen Handlungen Friedrich Bischoffs lassen sich auf Grund ihrer zeitlich aufeinander bezogenen Abfolge mittels einer Zeitleiste übersichtlicher darstellen als in einem Fließtext. Die eingefügten Zitate erläutern und ergänzen die rein sachlichen Angaben. Von den ihn umgebenden Aposteln wurde Friedrich Bischoff hinter der Hand in späterer Zeit als „weltlicher“ Apostel bezeichnet, weil er sich z.B. in den 70er Jahren deutlich von den Mode- und Verhaltensvorschriften seiner Amtskollegen unterschied. Bei einem Gottesdienst-Besuch in Frankfurt erlebte ich zu meinem größten Erstaunen einen langhaarigen, vollbärtigen Diakon an der Eingangstür der Gemeinde. In Berlin durfte man noch nicht einmal einen kurzen Oberlippenbart haben. Auch war seine Einstellung zu Medien sehr offen. Ab den 50er Jahren gründete er die Musikabteilung Hermann Ober und produzierte Schallplatten mit den neuapostolischen Chorliedern, in den Augen mancher seiner Mitapostel „Teufelszeug!“ (so BezAp Knigge zu Hermann Ober) Ebenso plädierte er für einen möglichst sachkundigen Umgang mit Musik und befürwortete als einziger Stimmbildung im Chor. Seine Devise lautete: Mit einem Messer kann man Brot schneiden oder morden. Die Verantwortung dafür liegt nicht in der Sache, sondern beim Benutzer selbst! Verbote zum Tanzen oder anderes mehr - zu dieser Zeit in ganz West-Deutschland verbreitet, -sprach er nicht aus. Auch waren seine Predigtbeiträge stets inhaltlich außergewöhnlich und absolut druckreif! Er war Witzen nicht abgeneigt (nach einer Beinoperation: „Mein Holzbein macht schon wieder 180 km/h!“ Oder, als Hermann Ober ihn einmal in seinem Porsche kutschierte, schlief Bischoff. Ober fuhr mittleres Tempo, als ein BMW an ihnen vorbeirauschte. In dem Moment blinzelte der Apostel und meinte vorwurfsvoll zu Ober: „Von so einer lahmen Ente lassen Sie sich überholen!“), war ein guter Verlagschef für seine Angestellten und hatte Manieren und Niveau! Nach dem von mir beigewohnten Gottesdienst  anlässlich Bischoffs Geburtstag ließ der Dirigent sehr getragen und langsam „Heimgehen, herrlich werden“ singen, was das Geburtstagskind veranlasste, sofort und bei den ersten Tönen erbost den Raum zu verlassen. Heimgehen war noch längst nicht sein Ding!

Bei so viel Lob an dieser Stelle fragt sich der Leser sicherlich, warum also hier nun ein kritischer Abriss seines Lebens folgen wird! Antwort: Weil der späte und außergewöhnliche  Bezirksapostel bei weitem nicht derselbe war wie der frühere Amtsträger, im Gegenteil. Sein vollzogener Wandel aber vom nationalsozialistischen  NSDAP- und SA - Mitglied, der auch nach dem NS-Regime in den 50er Jahren weiter rücksichtslos  um den eigenen Vorteil bedacht seine Umgebung manipulierte, zum eben beschriebenen, sehr positiv wirkenden  Kirchenpräsidenten aber bleibt unerklärlich! Vielleicht liegt es daran, dass Bischoff nun nach dem Tod vom Stammapostel keine ernsthaften Konkurrenten  mehr hatte und seine Position absolut gefestigt war. Das Wasser reichen konnten ihm ohnehin nur sehr wenige seiner Amtskollegen und die es konnten, wie z.B. BezAp Rockenfelder, waren ihm wohlgesonnen. Ambitionen auf das Stammapostelamt hatte er selbst wohl nie!

 

Teil 1 „Wer war Friedrich Bischoff?“ 1909 bis 1945 -  Die Verlagsgründung mit ausführlichen Hinweisen zu einem kritischen Artikel der „Frankfurter Laterne“ von 1933  Exzerpt 1

1909 Am 31.3. 1909 wurde Friedrich Bischoff (in Folge FB) in Frankfurt a.M. geboren als Sohn des Stammapostelhelfers Johann Gottfried Bischoff. Der Vater J.G. Bischoff wurde 1871 geboren, verließ mit 14 Jahren die Volksschule und wurde Schuhmacher, Landwirt und besaß später einen kleinen Tabakladen. 1897 konvertierte Bischoff zur Apostolischen Gemeinde. 1905 wurde er mit 34 Jahren bereits zum Apostelhelfer, 1906 zum Apostel ordiniert.

1924 Am Liebiggymnasium machte FB mit 15 Jahren sein Abitur.

1926 Nach dem Abitur „verbrachte (er) seine Volontärzeit bei den ADLER-Werken, die damals Autos und Flugmotoren herstellten.[…] Anschließend erlernte er das Druckerhandwerk bei der „Buch und Kunstdruckerei Paul Giese“ in Offenbach am Main.“ (Quelle: Die Geschichte von Verlag und Druckerei Friedrich Bischoff 1932 bis 1992: Autor: Fritz Idler, zusammengestellt aus der Magisterarbeit „Buchdruckerei und Verlag F. Bischoff von 1932 bis 1987“ mit Genehmigung von Thorsten Rebohl  (Quelle) S. 10)

Nach diesem freiwilligen Volontariat begann FB seine Lehrlingszeit zum Drucker vom 1.4.1926 bis zum 31.3.1928. (Idler a.a.O. S. 15)

1927 FB wird 18jährig in die Planung und technische Durchführung der geplanten Gründung einer kircheneigenen Druckerei einbezogen. „Im Zuge der unter dem zweiten Stammapostel Hermann Niehaus durchgeführten Zentralisierung der Kirche und der mit ihr verbundenen einheitlichen Ausprägung der Lehre sollte das neuapostolische Schrifttum stärker auf die von der jeweiligen Hauptleitung vertretenen Inhalte ausgerichtet werden. […] Im Zusammenhang mit innerkirchlichen Spannungen erging der Auftrag des Stammapostels an seinen Stellvertreter Gottfried Bischoff, an dessen Wohnort in Frankfurt/Main eine eigene Hausdruckerei innerhalb der Kirchenverwaltung einzurichten.“ (Idler a.a.O. S. 13) Unter „Spannungen“ sind z.B. vermutlich die unterschiedlichen Lehrmeinungen von Apostel Carl August Brückner, Herausgeber der konkurrierenden Zeitschrift „Die Neuapostolische Rundschau“, und Stammapostel Niehaus gemeint. Niehaus hatte ihn bereits am 17.4.21 aus der NAK ausgeschlossen.

1927 Am 16.10.27 wird FB zum Diakon ordiniert. Diese wie auch alle folgenden Ordinationen wurden vom Stammapostel Bischoff selbst durchgeführt!

1928 Mit 19 Jahren bekam FB nach Abschluss der Vorbereitungen von Stammapostel  Hermann Niehaus trotz Kritik des Apostelkollegiums am 15.11. als Geschäftsführer „auf Lebenszeit“ (Idler a.a.O. S. 13) die Leitung der neuen Hausdruckerei der NAK in Frankfurt am Main übertragen. Mit dem kircheneigenen Verlag hatten der Stammapostel und sein Helfer nun alle Fäden in alleiniger Regie in der Hand, die Mitglieder vollumfänglich in ihrem Sinn zu beeinflussen. Alle weiteren Apostel wurden dazu weder befragt noch hatten sie Einfluss auf das Geschehen in der Folgezeit:

1929 Alle Zeitschriften und Formulare der NAK werden ab dem 1.1.29 unter der Leitung von FB von der Hausdruckerei publiziert. „Auf Drängen seines Vaters beendete Friedrich Bischoff seine Lehre  vorzeitig und stand der Kirche zur Verfügung. Hierin zeigte sich bereits ein wichtiger Zug im Leben Friedrich Bischoffs: Die Unterordnung persönlicher und zum Teil auch geschäftlicher Interessen unter das Gesamtinteresse der Kirche.“ (Idler a.a.O. S. 15) Diese Glorifizierung von FB ist völlig unangebracht und sachlich falsch! Ein Kundenstamm von mehreren 10tausend Abnehmern war FB damit garantiert. Idler jedoch behauptet: „Alle Drucksachen wurden im  Handsatz gefertigt. Die Maschinen wurden von Friedrich Bischoff selbst zum Druck eingerichtet, gewartet und auch repariert. Mit der Herstellung von insgesamt sechs verschiedenen Zeitschriftenausgaben pro Monat war Bischoff ziemlich ausgelastet, auch wenn jede einzelne Zeitschriftennummer nur etwa acht Oktav- Seiten Umfang besaß. Daneben mussten vor allein Formulare gedruckt werden, die für die interne Verwaltung der Kirche und der Gemeinden notwendig waren. Dabei muss immer bedacht werden, dass diese Hausdruckerei als Abteilung innerhalb der zentralen Kirchenverwaltung existierte, dass ihre Mitarbeiter von der Kirche bezahlt wurden und ihr Initiator, der über dem Geschäftsführer als Hauptleiter fungierende J. G. Bischoff, nicht an der Erwirtschaftung von Überschüssen und an einer Ausweitung der Produktionspalette interessiert war. Die Hausdruckerei brauchte sich wirtschaftlich nicht selbst zu tragen. Von einer kaufmännischen, also einer gewinnorientierten Abrechnung konnte daher keine Rede sein. Die „Abteilung Hausdruckerei“ war keine „lukrative Betriebseinheit.“  (Idler a.a.O. S.18)

1929 Am 1.4.29 wird FB zum Priester ordiniert.

1931 Am 30.8.31 wird FB mit 23 Jahren (!)  zum Bezirksevangelisten ordiniert.

1932 FB heiratet seine Frau Barbara. Seine zweite Tochter Barbara ist mit dem späteren Stammapostel Leber verheiratet.

1932Die Druckerei hatte eine bedeutende Zahl von Buchbindeaufträgen zu vergeben, und es entstand der Plan, eine eigene Buchbinderei zu eröffnen. Mit den ersparten Beträgen wurden die ersten Maschinen und Einrichtungsgegenstände erworben und in der Wohnung der Eltern des Albert Troll in der Kölner Straße 80, mit der Arbeit begonnen. Als die Räume nicht mehr ausreichend waren, fand eine Übersiedlung in einen Geschäftsraum in der Frankenallee statt. Das Unternehmen führte den Namen „Großbinderei Johann Troll“, da Albert Troll wie auch Friedrich Bischoff  nicht nach außen in Erscheinung treten mochten. In mehreren Besprechungen mit J. G. Bischoff entschloss sich Friedrich Bischoff, das Unternehmen zu erwerben. Die Bedingungen wurden festgelegt und Friedrich Bischoff übernahm die Hausdruckerei am 1.07.1932.“ (Idler a.a.O. S. 15) Albert Troll war zu dieser Zeit Buchhalter der Druckerei. 

1932 Stammapostel J.G. Bischoff gibt die bislang kircheneigene Druckerei ab. Friedrich Bischoff  erwarb auch diese aus Kirchengeldern finanzierten Einrichtungen und machte sich als Friedrich Bischoff Verlag  selbstständig. Der Vertrag zwischen dem Stammapostel und seinem Sohn sah eine Laufzeit bis 1940 vor. Eine automatische Verlängerung des Vertrages um jeweils 5 Jahre wurde ihm vom Vater garantiert. Vater und Sohn Bischoff hatten mit dieser zentralisierten Publikationsmöglichkeit nun eine uneingeschränkte Macht, die NAK so zu lenken, wie es ihrem Interesse entsprach. Woher die finanziellen Mittel zum Erwerb der Großbinderei und der Druckerei durch den eigentlich mittellosen 23jährigen FB stammten ist genauso unbekannt wie die Höhe der Zahlungen.

1933 Am 27.4.33 bringt die Wochenzeitschrift 'Frankfurter Laterne' einen kritischen Artikel von Wilhelm Neuer, einem ehemaligen Redaktionsgehilfen des Bischoff-Verlages, unter dem Titel: 'Skandalöse Eigenmächtigkeiten der Apostelfamilie Bischoff in der Neuapostolischen Gemeinde'. Zitat daraus:

"Wahr ist, dass der Stammapostel Bischoff und sein Sohn, der Grossbuchdruckereibesitzer und Charakter-Evangelist Fritz Bischoff, nicht nur in geschäftlicher, sondern auch in seelsorgerischer Beziehung in vielen Fällen recht rücksichtslos sind. Von Rücksichtslosigkeit zeugt auch das Benehmen des Buchdruckerei-Besitzers und Charakter-Evangelisten Fritz Bischoff, wenn er in der Gemeinde Eschersheim am 7. September die 'Frohe Botschaft' verkündigte: 'Unser Schwert ist geschärft, und da kann es mal um die Ohren gehen, wenn jemand den Stammapostel angreift!'  Ein weiterer Artikel mit dem Titel „Wohin kommt euer Zehnt, ihr Gläubigen?“ ist ebenfalls erschienen. (Quelle des Zitates: "Chronologie der Ära Johann Gottfried Bischoff mit Bezug zuEreignissen und Fehlentscheidungen in der Neuapostolischen Kirchevon Erwin Meier-Widmer)

1933 FB und sein nun ehemaliger Buchhalter und alter Jugendfreund Albert Troll - von 1929 bis 30.6.1932 in dieser Funktion tätig - beauftragten umgehend den Rechtsanwalt Waldemar Eberhardt, sie in dieser Sache juristisch zu vertreten. (Trolls Funktion 1933 ist unklar. Idler schreibt dazu: In das neue Unternehmen „Friedrich Bischoff‘ trat Albert Troll weder als Teilhaber noch als Angestellter ein. Eine Anstellung erfolgte nicht, Troll war freier Mitarbeiter. Er wählte damals die Bezeichnung „Wirtschaftsberater“ und war in jeder Hinsicht selbständig. Im Unternehmen Friedrich Bischoff hatte Troll lediglich die Aufgabe einer wirtschaftlichen Beratung und der Erledigung der buchhalterischen Arbeiten. Zu letzteren standen mit der späteren Ausdehnung des Geschäfts noch Angestellte zur Verfügung. Dieses Verhältnis endete mit Kriegsbeginn und dem Ende des Deutschen Buch Verlages.“ (Idler a.a.O. S. 15) )

Der beauftragte Rechtsanwalt Eberhard schrieb am 3.5.33 ein kurzes Schreiben an Herrn Neuer, in welchem er ihm u.a.  „sämtliche Schritte, zivil- und strafrechtliche“ ankündigte. Ferner schrieb er: „Meine Mandanten werden […] auch notfalls eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung derartiger beleidigender  Angriffe durch Sie mit nachfolgender Hauptklage erzwingen.“  (Quelle der Rechtsanwaltschreiben)

In einem zweiten Schreiben, ebenfalls vom 3.5.33, an den Herausgeber der Roten Laterne schreibt Eberhardt sehr ausführlich und fordert ihn auf, zum Artikel „Wohin kommt euer Zehnt, ihr Gläubigen?“ zahlreiche Berichtigungen aufzunehmen wie z.B.:

„2) Von den Mitgliedern der Neuapostolischen Gemeinde ist weder direkt noch indirekt ein Zehnt gefordert worden. Die eingehenden Opfergelder dienten ausschliesslich dem Zwecke des Aufbaues der Gemeinde, was durch die Bücher derselben, die durch beeidigte Bücherrevisoren geprüft worden sind, nachgewiesen werden wird.[…]

3) Bezugnehmend auf die Mitgliederversammlungen und den in denselben üblichen Gepflogenheiten der Vorlegung eines ausgearbeiteten Protokolls ist zu sagen, dass die widerspruchslose Annahme der Beschlüsse des Vorstandes durch die Mitgliederversammlungen den einheitlichen Geist und die Zufriedenheit der Mitglieder mit den Vorschlägen des Vorstandes zeigen. Eine auf Wahrheit beruhende Kritik wurde niemals zurückgewiesen oder als Sünde bezeichnet.

5) Die Überschüsse, die aus der auf Veranlassung des Herr J.G Bischoff errichteten Hausdruckerei der Vereinigten Neuapostolischen Gemeinden Süd- und Mitteldeutschland E.V. erzielt wurden, flossen restlos der Unterstützungskasse der Gemeinde zu. […] Herr J.G. Bischoff hat den gesamten Betrag aus den Zeitschriften der Unterstützungskasse der Neuapostolischen Gemeinde zur Verfügung gestellt. Später wurde die Hausdruckerei aufgelöst und die gesamte Einrichtung von Herrn Bischoff angekauft.

Ferner ging es im Weiteren um die Darstellung der sehr undurchsichtigen Finanzierung der von J.G. Bischoff gekauften Villa Albrecht in Altweilenau.

Danach schreibt  Eberhardt weiter:

6) Seit der Uebernahme der ehemaligen Hausdruckerei durch Herrn Friedrich Bischoff sind neben dem ursprünglich beschäftigten Personal weitere zehn Personen eingestellt worden. […]

9) Herr Bischoff jun. Hat sich im Kreise der Gemeinde nicht missliebig gemacht. Ausser dem Einsender wird sich wohl kaum jemand finden, der due Ansicht des Einsenders teilt.“

Welche Lügen hier aber tatsächlich dem Anwalt vorgelegt wurden, werden durch die folgenden, ausführlichen Beschreibungen von Dr. König mehr als deutlich:

„Wieviele Menschen aufgrund dieser Anordnungen des Stammapostels der Verfolgung durch das NS-Regime ausgesetzt waren oder Ihr zum Opfer gefallen sind, ist momentan noch nicht zu ermessen. Bekannt ist allerdings, daß Mitglieder der NAK, die beim Stammapostel in Ungnade gefallen waren und von ihm aus der NAK ausgeschlossen wurden, auch der Denunziation bei der NSDAP ausgesetzt wurden. Einige Fälle, in denen der Stummapostel Bischoff persönlich handele, sollen hier behandelt werden Ein Amısträgerder NAK namens Wilhelm Neuer, der mit seiner Familie Ende der zwanziger Jahre im Auftrag des damaligen Stammapostels Niehaus nach Nordamerika gesandt wurde, scheiterte wohl bei der ihm gestellten Aufgabe und kehrte nach kurzer Zeit nach Deutschland zurück. Er wurde zunächst nur seines Amtes enthoben, blieb jedoch Mitglied der NAK und erhielt eine Anstellung im   Hausverlag der Kirche in Frankfurt.

Dort wurde ihm während einer Krankheit, die er am 21.9.1932 meldete, unter dem bereits amtierenden Stammapostel Bischoff am 28.9.1932  gekündigt. Zwar wurde ihm auch nach seiner Kündigung noch eine schmale finanzielle Unterstützung gewährt, doch Wilhelm Neuer fühlte sich ungerechtfertigt schlecht behandelt. Nachdem er sich mit dem Stammapostel überworfen hatte, machte er im Juni 1933 durch einen Zeitungsartikel auf seine Schwierigkeiten mit der NAK und besondere mit dem Stammapostel aufmerksam. Daraufhin wurde er mit seiner ganzen Familie aus der NAK ausgeschlossen. Stammapostel Bischoff kommentierte den Ausschluß wegen der Zeitungsveröffentlichung in einem Schreiben mit den Worten (2) S. 119: Bezüglich des Ausschlusses der Familie Neuer ist zu sagen, daß Herr Neuer nicht, wie er angibt, auf Grund irgendeiner Kritik aus der Gemeinde ausgeschlossen wurde, sondern wegen seines undeutschen und unchristlichen Verhaltens. Es sei hier gleich festgestellt, daß Herr Neuer und seine Familie in der Neuapostolischen Kirche niemals mehr Aufnahme finden werden.“

Stammapostel Bischoff - der Herr über Leben und Tod, hatte die ewige Verdammnis über einen Glaubensbruder und seine Familie ausgesprochen. Warum auch die Frau und die Kinder des Herrn Neuer gleich mit ausgeschlossen wurden, ist weder aus christlicher noch aus irgendeiner anderen Sicht nachvollziehbar. Die Rachsucht des Stammapostels Bischoff war aber nach dem Ausschluß der Familie Neuer aus der NAK noch nicht gestillt. Denn er äußert sich im gleichen Schreiben weiter: „Zu bemerken ist noch, daß auf Grund dieser  welche die Familie Neuer aus der Gemeinde ausgeschlossen wurde, auch Schritte in die Wege geleitet sind, die voraussichtlich den Ausschluß des Herrn Neuer aus der N.S.D.A.P. zur Folge haben werden.“  

[…] Der Stammapostel Bischoff hat sich auch allgemein zur Kirchenpolitik in Sachen Ausschluß von Mitgliedern geäußert (2), S121:“Es ist unmöglich, Mitglieder einer Organisation zu positiver Mitarbeit zu erziehen, wenn dieselben den entsprechenden Veranstaltungen fernbleiben. Auch in der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei weiß man, daß nur eine gründliche Schulung den deutschen Menschen zur nationalsozialistischen Weltanschauung  erziehen kann. Unentschuldigtes Fernbleiben von den Schulungsabenden kann mit dem Ausschluß aus der Partei bestraft werden. So haben auch wir in der richtigen Erkenntnis dieser Tatsachen immer darauf gesehen, daß unsere Mitglieder die zu bestimmten Zeiten angesetzten regelmäßigen Gottesdienste regelmäßig besuchten, weil wir derAnsicht sind, daß eine Mitgliedschaft ohne positive Mitarbeit für uns wertlos ist.“

So ist es in der NS-Zeit und noch Jahrzehnte später in der NAK üblich gewesen, säumige Geschwister auszuschließen oder zumindest nicht mehr zu den Segnungen, insbesondere dem Abendmahl, zuzulassen. Allerdings gab es auch Ausnahmen. Zwar sind ja bekanntlich vor Gott alle Menschen gleich, aber in der NAK sind manche Menschen gleicher als andere. Dies folgt aus einer‚ Anordnung des Stammapostels Bischoff an die Gemeindeleiter (1), S.14:“Jedem Nationalsozialisten, auch wenn er längere Zeit die Gottesdienste nicht besucht hat, die Segnungen zu spenden.“ Quelle: Die Neuapostolische Kirche in der NS-Zeit, Autor Dr. Michael König, Feldafing 1993 als handkopierte Broschüre, 1. Auflage Mai 1993, S. 28f:dort zitiert aus (1) Reichsführer-SS, SD-Leitheft über die Neuapostolische Gemeinde e.V. Mai 1937, 445.,Akt R58/230, Bundesarchiv Koblenz / (2) dort zitiert aus Reichskirchenministerium, Die Neuapostolische Religionsgemeinschaft, 1922-1941, 326 S., Akt RKM 23418, Bundesarchiv Potsdam S. 119       

Zusätzliche Anmerkung: Diese zwei Dokumente des Rechtsanwaltes sind von der PG-Geschichte am 22.5. 2005 unter der Überschrift Argumente im Zeitungsartikel sind in allen Punkten zu widerlegen!“ völlig unreflektiert und ohne irgendeine Erläuterung als Gegenbeweis eingestellt worden mit den Anmerkungen: 

„ Die Zeitung "Frankfurter Laterne" war eine kritisch-satirische Wochenzeitung mit Sitz in Frankfurt. Bereits im Mai 1933 wurde sie verboten. In der Ausgabe vom 27. April 1933 erschien ein Artikel über angebliche "Eigenmächtigkeiten der Apostelfamilie Bischoff". Wenige Tage später lag dem Verleger ein anwaltliches Schreiben und eine Expertise dazu vor. Im Auftrag der Kirchenleitung hat sich die innerkirchliche Projektgruppe Geschichte ausführlich mit den im Zeitungsartikel aufgeführten Anschuldigungen gegen die Familie Bischoff beschäftigt. Das Ergebnis ist eindeutig: die ausgewerteten Originalunterlagen belegen, dass die in der genannten Zeitung vorgenommenen Vorwürfe nicht haltbar sind. […] Diese Dokumente sind geeignet, die in der genannten Zeitung vorgenommenen Vorwürfe in allen Punkten zu widerlegen.“ (QuellePG Geschichte (nak.org))

Dieser Versuch der PG-Geschichte ist mehr als erbärmlich! In Wirklichkeit lassen die Ausführungen des Anwaltes keinerlei Einblick in das Geschehen um Herrn Neuer und seine erhobenen Vorwürfe zu, da lediglich Behauptungen angeführt werden, die zudem hauptsächlich auf einen anderen Artikel von ihm bezogen sind!

Und die Fragen um die finanziellen Machenschaften vom Stammapostel Bischoff und seinem Sohn bleiben: Woher – wenn nicht aus abgezweigten Opfergeldern -  hatte der 23jährige eben noch Lehrling Friedrich Bischoff 1932 das Geld, die Firmen zu kaufen, die zuvor - wie schon erwähnt – vom Stammapostel im Widerspruch zu den Angaben des Anwaltes doch mit Kirchengeldern finanziert worden sind? Hinzu kommt die Widersprüchlichkeit aus Idlers Bemerkung „Die Hausdruckerei brauchte sich wirtschaftlich nicht selbst zu tragen. Von einer kaufmännischen, also einer gewinnorientierten Abrechnung konnte daher keine Rede sein. Die „Abteilung Hausdruckerei“ war keine „lukrative Betriebseinheit.“ .“  (Idler a.a.O. S.18) zu der Angabe des Rechtsanwaltes im zweiten Schreiben: „Herr J.G. Bischoff hatte bis zum 1.7.1932 keinen Pfennig aus seinen Zeitschriften[…], danach aber „verzichtete (er) auf sein Gehalt als Kirchenoberhaupt und lebte von seinen schriftstellerischen Tantiemen der kircheneigenen Publikationen.“ (Quelle) Wenn J.G. Bischoff von nun an von den Tantiemen leben konnte, wie gut ging es da wohl finanziell dem Besitzer FB?

1933 FB tritt mit 24 Jahren am 1.5.33 in die NSDAP ein. Vater und Sohn Bischoff kollaborieren sehr stark mit dem NS-Regime und zwingen ihre Kirchenmitglieder zur Treue und vollständigen Anerkennung Hitlers und seiner Ziele. (siehe Exkurs: Die NAK im Nationalsozialismus)

1937 FB lässt sich ein großes Zweifamilienhaus in Frankfurt-Bockenheim bauen.

1939 "Unsere Familie, der Kalender für das Neuapostolische Heim". Anonymer Artikel von Friedrich Bischoff mit Verherrlichung seines Vaters, des Stammapostels J.G. Bischoff: "Es ist nur ein Gott, ein Werk und auch nur einer, der gesandt ist, den Willen des Herrn kundzutun, der alle Glieder und ihre Funktionen leitet und als Haupt alles ordnet und lenkt zum Segen des Gemeinschaftskörpers". Treue und Anhänglichkeit seien das Fundament der Einheit und somit ein unschätzbares Verdienst des Stammapostelamtes. Auswirkung: Glorifizierung des Stammapostels Bischoff. Ausschaltung der Apostel als mitbestimmendes, leitendes Kollegium und Relativierung ihres Sendungauftrages als Mitverkündiger des göttlichen Willens. Folge: wachsendes Unbehagen im Kreise der Apostel. Quelle: "Chronologie der Aera Johann Gottfried Bischoff mit Bezug zu Ereignissen und Fehlentscheidungen in der NAK" Erwin Meier-Widmer (1998)

1940 FB schreibt in einem rassistischen Reisebericht in „Unsere Familie“ am 5.4.40: „Schwarze und Mischlinge steigen auf der sozialen Leiter immer höher, sie verdrängen mit ihrer billigen Arbeitskraft den besser bezahlten Weißen auch aus Stellungen, die dem Weißen allein zustehen sollten [...] Das farbige Element ist zum Angriff übergegangen [...] England hat den Buren Südafrika geraubt, uns hat es unsere Kolonien gestohlen, nicht um sie besser zu kolonisieren, nein, um sie auszubeuten, um die Besitzer davonzujagen und die Weißen samt ihrer Kultur an den Neger zu verraten.“ 20.4.: „Wohl hat sich der Weiße noch eine bestimmte Vorherrschaft erhalten können, sie ist aber stark ins Wanken geraten, und sie wird noch immer mehr ins Wanken kommen, je mehr der Jude Einfluß gewinnt, denn es ist sein Ziel, die Völker zu zersplittern, sie niederzuhalten und sie auszubeuten.

1942  Der Verlag stellt seine Produktionen kriegsbedingt ein.

1945 FB wird als Feldwebel - scheinbar ohne Entnazifizierung - aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft entlassen.

Exzerpt: Was aus Teil 1 faktisch zusammenfassend festzuhalten ist:

Die erhobene Behauptung ist falsch, dass

1.      eingehende  Opfergelder ausschließlich dem Zwecke des Aufbaues der Gemeinde dienen, weil u.a. Druckerei und Großbinderei durch Kirchenmittel aufgebaut wurden

2.      die Druckerei und ihr Schrifttum nur der einheitlichen Ausprägung der Lehre und den von der jeweiligen Hauptleitung vertretenen Inhalten dienen sollten, denn das eigentliche Anliegen formulierte FB 1939 in UF als anonymisierter Autor selbst wie folgt: "Es ist […] nur einer, der gesandt ist, den Willen des Herrn kundzutun, der alle Glieder und ihre Funktionen leitet und als Haupt alles ordnet und lenkt zum Segen des Gemeinschaftskörpers". Ziel war und blieb vielmehr, die Mitwirkung des Apostelkollegiums durch solche gezielten Publikationen zunehmend auszuschalten, um Vater und Sohn die alleinige Führerschaft zu garantieren.  Das eigentliche und ursprüngliche „Haupt“ Jesus Christus wurde mit dem Stammapostel zunächst umgewandelt zum Haupt der Apostel, nun aber sind alle anderen, auch die Apostel, nur noch Glieder, die sich dem neuen und alleinigen Haupt des Stammapostels unterzuordnen haben

3.      FB seine Lehre vorzeitig beendete unter Unterordnung persönlicher und zum Teil auch geschäftlicher Interessen, um dem Gesamtinteresse der Kirche zur Verfügung zu stehen, weil überhaupt nicht das Interesse der Kirche, sondern in erster Linie die Durchsetzung eigener Machtvorstellungen und finanzielle Vorteile angestrebt wurden. Der Bau des großen Zweifamilienhauses in Frankfurt-Bockenheim, den FB bereits 1937 in Auftrag gab, zeigt den Erfolg seiner finanziellen Zielstrebigkeit

4.      die widerspruchslose Annahme der Beschlüsse des Vorstandes, also des Stammapostels,  durch die Mitgliederversammlungen den einheitlichen Geist und die Zufriedenheit der Mitglieder mit den Vorschlägen des Vorstandes zeigt, weil alle vorgefassten Beschlüsse von JGB offensichtlich nicht diskutierbar waren, was alleine der ignorierte Widerspruch gegen die Leitungsübernahme des Verlages durch FB zeigt

5.      Überschüsse, die aus der auf Veranlassung des Herr J.G Bischoff errichteten Hausdruckerei erzielt wurden, restlos der Unterstützungskasse der Gemeinde zugeflossen sind, weil einerseits immer wieder Gelder abgezweigt wurden zur Finanzierung von Druckerei, Binderei und anderen dubiosen Projekten. Andererseits war FB seit 1932 privater Unternehmer, der mit seinen Einnahmen natürlich machen konnte, was er wollte

6.      Herr J.G. Bischoff den gesamten Betrag aus den Zeitschriften der Unterstützungskasse der Neuapostolischen Gemeinde zur Verfügung gestellt und er daran keinen Pfennig verdient hat, weil die Buchbinderei und ebenso der sehr undurchsichtige Kauf der Villa Albrecht von JGB (siehe Anwaltsschreiben original) ziemlich sicher mit kirchlichen Opfer-Mitteln finanziert wurde

7.      die Hausdruckerei aufgelöst und die gesamte Einrichtung von Herrn Bischoff angekauft wurde, weil FB für beides keinesfalls die notwendigen finanziellen Mittel hätte aufbringen können. Denn entweder hat JGB die Unternehmen weit unter Wert tatsächlich an JB verkauft, oder er hat ihm das Geld für den Kauf gegeben. In beiden Fällen wurden also Kircheneigentum bzw. Kirchengelder  in Privateigentum umgewandelt

8.      von einer gewinnorientierten Orientierung der Druckerei keine Rede sein konnte, weil sie  keine lukrative Betriebseinheit war (Idler), weil laut Rechtsanwalt neben dem ursprünglich beschäftigten Personal bereits 1932 weitere zehn Personen eingestellt worden sind und sich die Produktion und damit der Gewinn erhöhte. Außerdem konnte JGB ab 1932  laut Idler von den Tantiemen leben. Wie gut ging es da wohl finanziell bereits dem Besitzer FB?

9.   der Ausschluss der Familie Neuer nicht auf Grund irgendeiner Kritik vorgenommen wurde, sondern wegen seines undeutschen und unchristlichen Verhaltens (Stap Bischoff), da in den Schreiben des Rechtsanwaltes davon überhaupt keine Rede ist und für diesen Vorwurf auch keinerlei Beispiele gegeben werden. Zudem sind seine Frau und Kinder gleichfalls ausgeschlossen worden, die ohnehin an diesen behaupteten Handlungen und auch an seiner Kritik nicht beteiligt waren. Ohnehin sind auch die juristischen Argumentationen gegen den Artikel von Neuer aus heutiger Sicht zu widerlegen

Fazit 1: Völlig undurchsichtige Absprachen zwischen Vater und Sohn Bischoff bereiteten dem 23jährigen FB über die Veruntreuung von Opfergeldern mit seinem zielgerichtet auf den Weg gebrachten, privaten Verlag Friedrich Bischoff eine gesicherte und lukrative Zukunft. Die von Niehaus angestrebte „Zentralisierung“ der NAK gleitet missbräuchlich zeitgleich und sukzessive in eine diktatorische Monopolisierung der kirchenpolitischen Macht, die im Begriff ist, jede Einflussnahme und Kritik am Verhalten des Stammapostels und seines Sohnes durch das Apostelkollegium auszuschalten. Wer die herausgegebenen Kirchenschriften inhaltlich beherrscht, hat uneingeschränkte Möglichkeiten zur zielgerichteten Manipulation und Kontrolle aller Mitglieder und Führungsfunktionäre!

 

Teil 2 „Wer war Friedrich Bischoff?“ 1948 bis 1951 - Finanzielle Machenschaften, intrigantes Verhalten und sein Einfluss auf den Stammapostel    Exzerpt 2

1948 „In diesem Schriftsatz teilten mir die Apostel mit, daß sie den Apostel Kuhlen als meinen Nachfolger erwählt haben. Ich kann die Apostel in dieser Hinsicht verstehen; denn mit vollendetem 77. Lebensjahr ist man kein Jüngling mehr. In diesem Alter ist man dem Tag, an dem einem der Herr Feierabend machen heißt, näher, als wenn man 40 oder 50 Jahre alt ist.“ (Brief Stammapostel Bischoff vom 18. Februar 1948  an Apostel Schneider sen. (Schweiz). Quelle: aus „NAKI Offizielle Zusammenschau AG-Geschichte 2007“ Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, S. 22)

Wichtiger Hinweis: Diese Zusammenschau wurde wegen starker Kritik an ihrer sehr einseitigen Interpretation zu Gunsten des Stap Bischoff sehr bald wieder aus dem Netz genommen, aber das Netz vergisst nie: Infoabend_041207_Geschichte_Internetversion (samenapostolisch.nl). Dennoch finden sich darin eine Fülle sehr aussagekräftiger Zitate, die aber von der AG unter der Leitung von Apostel Drave (studierter Historiker!) nach seinem Verständnis subjektiv umgedeutet wurden. In diesem Artikel Teil 2 werden nun aus dieser Quelle viele dieser sozusagen „offiziell bestätigten Zitate“ verwendet und dem interessierten Leser zur Kenntnis gebracht. Die NAK hingegen löscht ihre Dateien, ignoriert die Fakten und schweigt – wie immer! Und wir Kritiker schreiben: Siehe auch meinen Artikel zum Thema: "Der Draveprozess" oder die kurze Zusammenfassung: Die NAK im Nationalsozialismus in 20 Punkten!

1948 BezAp Peter Kuhlen aus dem Rheinland und Westfalen wird am 21.5.48 ohne Mitwirkung des Stammapostels vom Apostelkollegium im 2. Wahlgang einstimmig zum Nachfolger gewählt. FB hatte noch kein Apostelamt und nahm folglich an der Abstimmung nicht teil. Kuhlen wird am 1.8.48 in Bielefeld „ins Stammapostelamt eingesetzt und sollte bis zur Amtsübernahme als Stammapostelhelfer wirken.“ (Quelle) In diesem Gottesdienst stellte der Stammapostel heraus:

Es wurde der Satzung entsprechend eine geheime Wahl vorgenommen, durch die einstimmig die Erwählung von Apostel Kuhlen als mein Nachfolger festgelegt wurde. Jetzt kam auch noch hinzu, dass am 28. Juli vor 100 Jahren Vater Niehaus geboren worden war, und da wollten wir doch an diesem Tage nicht vorbeigehen, ohne dessen zu gedenken, was Vater Niehaus in der Zeit seiner Tätigkeit im Werke gearbeitet hat. Auch alle überseeischen Apostel haben inzwischen zur Einsetzung des Apostels Kuhlen als meinen Nachfolger ihre Zustimmung gegeben. Und dieser Tag ist zur Aussonderung des Apostels Kuhlen als zukünftiger Stammapostel vorgesehen.

Solange ich noch da und arbeitsfähig hin, ist er mein Helfer. In dem Augenblick aber, wo ich infolge Krankheit oder sonstwie vom Herrn abberufen werde, tritt er ohne weiteres an meine Stelle. So will ich nun heute die Handlung vollziehen und ihm Amt und Auftrag übergeben, so daß dann die Sorge um die zukünftige Führung des Werkes von den Aposteln genommen ist.

Nun rechnen ja viele der Brüder und Geschwister damit, dass der Herr zu meiner Zeit kommen würde. Dazu bemerke ich: Ich habe noch nie gelehrt, daß der Herr das tun müßte. Zu glauben, daß der Herr zu unserer Zeit kommt, das kann uns niemand verbieten und wird auch nicht verboten, denn die, die ein Ziel vor Augen haben, bereiten sich auch entsprechend vor. Das Ganze aber hat mit dem Tag des Herrn absolut nichts zu tun.“ Quelle: "Brot des Lebens", Jahrgang 1948, Nr.19 + 20

Die drohende Amtsübernahme durch Kuhlen hätte aber sicher auch das Ende der Verlagskarriere von FB bedeutet und musste somit aus seiner Sicht unbedingt so lange wie möglich verhindert werden. Also wurde in hohen Maß rücksichtslos gegen Kuhlen polemisiert. Aus der bisherigen Naherwartung sollte in den kommenden Jahren zielgerichtet die konkrete „Botschaft“ der Wiederkunft Jesu zu Lebzeiten des Stap Bischoffs inszeniert werden, wodurch eine Stellvertretung durch Kühlen überflüssig gemacht würde. Außerdem wurde die Person und der Mensch Peter Kuhlen sukzessive und vollständig diskreditiert, so dass auch seine Arbeit als Bezirksapostel hinfällig werden musste. Wie das geschehen konnte, wird im Folgenden ausführlich aufgezeigt.

1949 Der Verlag wird nach dem Krieg und dem Zusammenbruch des NS-Regimes wieder Eigentum der NAK und nimmt, finanziell stark durch die Kirche unterstützt,  seine Produktionen erneut auf. Am 1.10.49 ließ der damals bereits 78jährige Stammapostel Bischoff als Herausgeber in der Wächterstimme drucken (Autor FB??):  „Wer sich dieses im Besitz des Stammapostels befindlichen Schlüssels bedienen will, muß das Herz jenes Mannes besitzen, der das völlige Vertrauen des Sohnes Gottes sein eigen nennen darf. Ihm nicht restlos zu vertrauen und seinem Worte nur in Gedanken widerstehen zu wollen heißt, sich wider den Sohn Gottes zu versündigen. Wem der Vater so sein Vertrauen schenkt, wie dem gegenwärtigen Stammapostel, dem sollten wir armen schwachen Menschen doch erst recht restlos vertrauen. Aber gerade darin liegt oft die Tragik einer von Gott besonders gesegneten Schar, daß sie das edelste, was sie besitzt, nicht zu schätzen weiß.“ (Quelle)

1950 Stammapostel Bischoff (79) übergibt die Verlagsleitung wieder an FB und verlängert die Laufzeit des Vertrages um 25 Jahre bis 1975. „Das Apostelkollegium wurde nachträglich davon in Kenntnis gesetzt. Dies führte zu Unstimmigkeiten im Apostelkreis.“  (Quelle)

1950 Am 5.2.50 wird FB zum Bezirksältesten ordiniert.

1950 21.05.50 BezAp Walter Schmidt wurde kürzlich von der Hauptverwaltung Frankfurt angefragt, ob er leihweise DM 30.000 für den Ausbau der zerstörten  Kirche Sophienstraße Frankfurt aM zur Verfügung stellen könnte. Am 21.5.1950 wollte er via Friedrich Bischoff anlässlich eines gemeinsamen Gottesdienst in Düsseldorf ausrichten lassen, er wäre bereit, etwa DM 30.000 bereitzuhalten. Am Mittag dieses Tages fragte Friedrich Bischoff, ob er nicht die angebotenen DM 30.000 als Darlehen für seinen Privatbetrieb haben könne anstatt für die Kirchenbau. Es kam, wie es kommen musste: Schmidt zahlte DM 60.000, wovon DM 30.000 via Hauptverwaltung an Friedrich Bischoff gingen (diese Information stammt von Walter Schmidt, der bestürzt den Aposteln Kuhlen und Dehmel gleichen Tags berichtet hat).
Anm.: Dass noch weitere Opferstockgelder aus anderen Bezirken durch die Aktionen Friedrich Bischoffs in seinen Druckereibetrieb flossen, muss angenommen werden. Zudem wird er 1953 Bezirksapostel und damit autorisierter Verteiler der Opfergelder aus 'seinem' Bezirk. Hierzu gäbe es viele Fragen. Sicher ist, dass die Bischoffs (Vater und Sohn) große Limousinen fuhren, vergleichbar der amerikanischen Präsidenten, und nur in den renommiertesten Hotels abstiegen.“
Quelle des Zitates:
"Chronologie der Ära Johann Gottfried Bischoff mit Bezug zuEreignissen und Fehlentscheidungen in der Neuapostolischen Kirchevon Erwin Meier-Widmer)

Mir liegt ein originaler Bericht mit dem Titel „Diverses hinsichtlich Einfluss Fritz Bischoff in der Leitung“ von ca. 1950 vor, aus dem oben teilweise ohne Kennzeichnung zitiert wurde. Es handelt sich dabei um die Fotokopie eines mit Schreibmaschine geschriebenen Textes über die finanziellen Machenschaften vom Stammapostel Bischoff und seinem Sohn Friedrich.  Das Schreiben ist zwar nicht unterzeichnet, aber zuständig für den im Text zentralen Raum Düsseldorf war Apostel Kuhlen. Auch die Anmerkung seiner Ordination im Jahr 1935 stimmt überein. Somit steht außer Zweifel, dass Kuhlen der Verfasser des sehr authentischen  Berichtes ist. Die Transkription des mit Maschine geschriebenen Textes habe ich am 4.6.2021 vorgenommen. Aus diesem Bericht finden sich vereinzelt kurze Zitate im Internet oder in Aufsätzen, in seiner Gesamtheit wird er hier jedoch zum ersten Mal öffentlich gemacht. Da der Schreibstil von Kuhlen und somit die Darstellung der Fakten teils sehr umständlich formuliert ist, sollen die wesentlichen Informationen des Textes hier zunächst in Kurzform berichtet werden, Alle kursiv gesetzten Stellen sind originale Zitate aus dem Schreiben. Der ganze Bericht steht am Ende als Download zur Verfügung.

Zusammenfassung der inhaltlichen Fakten aus dem Bericht von Apostel Kuhlen (Hervorhebungen nicht im Original):

  1. Das Privatdarlehn über 30.000 DM an Apostel Friedrich Bischoff

Am 21. Mai 1950 berichtet Apostel Schmidt (der spätere Stammapostel) den Aposteln Dehmel und Kuhlen, dass er zu FB gesagt hat: "Wenn sie wieder nach Frankfurt kommen, dann können sie dem Ältesten Weine sagen, ich wäre gerne bereit, leihweise dem Apostelbezirk Frankfurt etwa DM 30.000  zur Verfügung zu stellen, wenn es dadurch möglich wird, die zerstörte Kirche auf der Sofienstrasse in Frankfurt schneller wiederherzustellen." Am Mittag des Tages sei dann Fritz Bischoff zu ihm gekommen und habe gesagt, ob er nicht die angebotenen DN 30.000,-- als Darlehn für seinen Privatbetrieb haben könne anstatt für den Kirchenbau.  Apostel Schmidt sagte zwar, „dass er ein solches Ansinnen furchtbar fände und dass er doch für Privatzwecke keine solchen Geldsummen verleihen könne“, zahlt aber dennoch, denn „Wenn einer es mit Fritz verdirbt, der fällt in Ungnade"  und " der verdirbt es mit dem Chef."

Apostel Schmidt leiht also etwas später dem Frankfurter Apostelbezirk zum Wiederaufbau der Kirche in Frankfurt DM 30.000 und Fritz Bischoff selbst außerdem die gewünschten  DM 30.000. Die Zahlung an FB  ging aber nicht direkt an ihn selbst, sondern formell auch an die Neuapostolische Gemeinde des Apostelbezirks Frankfurt.  Der Apostelbezirk Frankfurt hat dann von den insgesamt erhaltenen DM 60.000 den Teil von DM 30.000  an Fritz Bischoff ausgeliehen. Da  FB aber am 12.7.53 zum Bezirksapostel der neu gegründeten Gebietskirche Rheinland-Pfalz einschließlich Frankfurt  ordiniert wurde, und er damit die Finanzen selbst verwaltete, ist mit ziemlicher Sicherheit davon auszugehen, dass dieses nun interne Privatdarlehn von FB nie an den Apostelbezirk Frankfurt zurückgezahlt wurde. Es sei darauf hingewiesen, dass 30.000 DM in den 50er Jahren eine ungeheure Geldsumme darstellten.

(Anmerkung DS: Ein durchschnittliches Monatseinkommen eines Arbeiters betrug 1950 ca. 250 DM, ein VW-Käfer kostete 4.800 DM, ein Mercedes 300 SL 28,900 DM!)

  1. Die erzwungene Gesangbuchspende

Am 6. 12. 1949 erhielt Kuhlen vom Stammapostel einen Brief mit der Bitte um Unterstützung der „Ostzone“ (DDR) zur Beschaffung von Gesangbüchern. Der Bezirk Düsseldorf  sollte 3.500,  Stuttgart 3.500  und der Bezirk Dortmund 3.000 Gesangbücher kaufen und nach Berlin zur Verteilung an die Ost-Bezirke schicken. Die zuständigen West-Apostel sollten dem Stammapostel mitteilen, ob sie diesen Vorschlag annehmen würden.

Am gleichen Tage hatte Kuhlen dem Stammapostel in einem Brief geschrieben und mitgeteilt, dass er von Apostel Landgraf (Berlin Ost und West) ein Dankesschreiben für eine großzügige Spende an Gesangbüchern erhalten hat, Kuhlen jedoch von einer solchen Spende nichts wusste. Kuhlen betonte die eigene Not an Büchern und machte deutlich, dass er nicht spenden wollte, wohl aber einem Tausch von im Osten hergestellten Harmonien gegen Gesangbücher zustimmen würde.

„Beide Briefe hatten sich gekreuzt.“ Den Ost-Aposteln war also bereits vor einer Einwilligung eine Unterstützung von 30.000 DM durch die ahnungslosen West-Apostel zugesagt. FB selbst hatte einige Zeit zuvor eine Anfrage an die Apostel Rockstroh und Landgraf  (Osten)  gerichtet mit der Frage, wie viele Bücher sie benötigen, woraus sich die genannte Summe erklärt. Kuhlen wollte nun die Angelegenheit und den Tausch Gesangbücher gegen Harmonien mit dem Stammapostel Bischoff  in einem persönlichen Gespräch klären, bekam stattdessen aber lediglich ein Rechnung von Fritz Bischoff vom 12.12.1949 mit dem Hinweis: "Wir versandten laut Vereinbarung mit dem Stammapostel an Apostel Landgraf 3500 Stück Gesangbücher a DM 3, = DM 10,500,--."  Ohne dass Kuhlen etwas bestellt hatte, verfügte (FB) also über die Kasse eines Apostelbezirks nach seinem Gutdünken.“

Am 20. 12. 1949 meinte der Stammapostel lediglich, Kuhlen sollte sich „betr. Gegenlieferung etc. mit den Aposteln in der Ostzone in Verbindung setzen und über die Sache mit Fritz unterkalten!“ Im Gespräch mit FB betonte er nochmals den Wunsch nach einem Tausch gegen Harmonien, FB antwortete: „Ja aber, es ist doch nicht so, als ob es mir mit der Gesangbuchlieferung so eilig wäre, vielmehr haben doch die Apostel Landgraf und Rockstroh von sich aus nach hier geschrieben, ob wir ihnen nicht Gesangbücher liefern könnten.“

Kuhlen kommentierte in seinem Bericht: „ Nach den uns vorliegenden Briefen von den Aposteln Landgraf und Rockstroh wussten wir, dass dies eine glatte Unwahrheit war, denn der Anstoss war nicht von den Aposteln, sondern von Fritz Bischoff ausgegangen, der sogar eine Schenkung seitens Dritter versprochen hatte, ohne mit denen, die das Schenken besorgen sollten, vorher zu sprechen.“  Ferner schlug Kuhlen für den Fall einer Schenkung vor, alle sieben Westbezirke prozentual daran zu beteiligen. Antwort von FB; „Nun ja, die Bücher sind ja noch nicht versandt, man kann das ja noch ändern. Wieviel Gesangbücher würden dann bei solcher Verteilung von Ihrem Bezirk gespendet werden können?"  Hier ist festzuhalten, dass FB also gelogen hatte, als er, wie oben zitiert, in seiner Rechnung über 10.500 DM behauptete, dass die Bücher bereits versandt worden seien!  Kuhlen antwortete: „Ich sagte, dass in diesen Falle unser Anteil etwa DM 5.400,- - wäre. Und dann meinte Fritz Bischoff, dass er sofort an seine Versandabteilung Nachricht geben wolle, auf Rechnung Düsseldorf-Bezirk sollten nicht 3.500 Stück, sondern nur 1.800 Stück Gesangbücher nach Berlin geschickt werden. Unser Besprechung, wonach er seiner  Versandabteilung Anweisung gab, nur 1.800 Stück Gesangbücher zum Versandt zu bringen, fand am 20. 12, 1949 statt, während wir bereits am 12. 12.1949 Rechnung bekommen hatten, wonach die Gesangbücher bereits versandt worden seien. Wiederum lag hier ein Widerspruch vor.  Da Apostel Schall bereits DM 10,500,-- und Apostel Schmidt DM 10.000,-- als Gesangbuchspende an den Osten zugesagt hatte, weil sie die Zusammenhänge nicht durchschaut hatten, so kamen mit unserer Lieferung für DM 5.400,-- zusammen nur für DM 25,900,-- zum Versand, Dafür sollten dann später Gegenlieferungen stattfinden, die aber niemals zustande kamen, Die Beträge wurden später auf Bitten der Apostel aus der Ostzone ausgebucht.  Die drei Bezirke Düsseldorf, Stuttgart und Dortmund waren damit einfach durch Fritz Bischoff gezwungen worden, zu bezahlen.“ Quelle: Vollständigen Transkription der Originalkopie: Diverses hinsichtlich Einfluss Fritz Bischoff in der Leitung – Bericht von Apostel Kuhlen, ca. 1950

Derartige von Kuhlen aufgedeckte Widersprüche konnten natürlich nicht folgenlos bleiben. FB suchte Verbündete und griff zur Feder. Die Arbeitsgruppe Geschichte, bis 2012 unter der Leitung von Apostel Drave, stellt fest: Das Verhältnis zwischen Friedrich Bischoff und Kuhlen kann als Konkurrenzverhältnis mit feindlichen Zügen charakterisiert werden. […] Im Verlauf des Jahres 1950 erschienen in der neuapostolischen Presse einige Artikel, die als Angriff auf die Position und Legitimation des Helfers Kuhlen verstanden werden können. Initiatoren waren im Wesentlichen Apostel Rockenfelder und Friedrich Bischoff. Die Intention war die Stärkung der Stellung des Stammapostels, und es spricht etliches dafür, dass dieses Vorgehen eine Strategie war.[…] Reaktionen des Stammapostels und aus dem Kreis der Apostel und des Verlags führten dazu, dass er zunehmend mehr isoliert wurde. (Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 29f)

Und Apostel Kuhlen selbst schreibt zum Thema FB 1950: „Apostel Landgraf hat oft berichtet über seine Tätigkeit und Erfahrungen in Frankfurt a. M., dass er vieles mit dem Stammapostel besprochen habe und mit ihm über mancherlei übereingekommen sei. Aber stets, wenn etwas zwischen ihm und dem Stammapostel für gut gefunden war und durchgeführt werden sollte, wurde eine solche Übereinkunft dann nicht eingehalten, wenn sie Fritz Bischoff nicht passte. Unzählige Male hat Apostel Landgraf es dann erlebt, dass der Stammapostel ihm tags nach der Vereinbarung eröffnete, dass das Besprochene nicht so gemacht werden könne. Jede Besprechung des Stammapostels mit Apostel Landgraf wurde dann torpediert, wenn deren Inhalt Fritz Bischoff nicht zusagte. So regierte schon zu Zeiten, da Apostel Landgraf in Frankfurt wohnte, in Wirklichkeit Fritz Bischoff.

Es ist auch mit vielen in Apostelversammlungen gefassten Beschlüssen so gegangen; dass, wenn der Stammapostel aus solchen heimgekehrt war, kurz danach mit irgend einer Begründung diese Beschlüsse zu Fall gebracht wurden. Fritz Bischoff war immer ein strikter Vertreter der Theorie, dass der Stammapostel allein entscheide und die Apostelversammlung nicht gehört werden brauche.

Schon in der Zeit, als ich in den Apostelkreis kam, (1935) sagte mir Apostel Rockstroh, dass die Apostelversammlung einem Marionetten-Theater gleiche, wo einer die Köpfe aller andern an der Strippe halte, und wenn dann dieser eine an der Strippe ziehe, denn nickten alle andern "Ja". Es war im Apostelkreise kaum noch Mut, irgendwie zu Themen Stellung zu nehmen, vor allen Dingen denn nicht, wenn man fühlte, der Stammapostel dachte zu einer Sache anders als die andern Apostel. Apostel Schall sagte mir 1950: "Wenn einer es mit Fritz verdirbt, der fällt in Ungnade." Und Apostel Weinmann sagte 1950: "Wer es mit Fritz verdirbt, der verdirbt es mit dem Chef." Apostel Schmidt wusste, dass Fritz mir nicht gut gesonnen war und dass solches beim Stammapostel hinsichtlich seines Verhaltens mir gegenüber deutlich in Erscheinung trat.“ Quelle: Diverses hinsichtlich Einfluss Fritz Bischoff in der Leitung – Bericht von Apostel Kuhlen, ca. 1950, S. 1

Auch Apostel Weinmann, 1948 noch ein Unterstützer Kuhlens, schwenkte um. Kuhlen wagte es nämlich, seine Nichtraucher-Kampagne in Frage zu stellen. Folglich polemisierte Weinmann in übelster Weise gegen die Person Kuhlens auch gegenüber dem Stammapostel:

„Nach dem Abendbrot im Atlantik-Hotel […] wurden vom Aeltesten Schmohl [er diente unter Kuhlen im Bezirk Düsseldorf] Zigarren angeboten, jedoch rauchte keiner von uns. Schnell kam nun das beliebte Thema der Polemisierung unserer (...) Nichtraucher-Aktion in Gang [mit dieser Aktion wollte der Apostel Weinmann in der Nachkriegszeit u.a. den Wiederaufbau der zerstörten Kirchen finanzieren]. Es wurde vom „Helfer“ Kuhlen und Aeltesten Schmohl alles höchst lächerlich hingestellt. (...) Es war ein furchtbarer Abend. (...) Ich persönlich wurde von den beiden Herren auf das schändlichste diffamiert, alles was ich sagte, wurde mit brüllendem Hohngelächter beantwortet, (...) man hat mich regelrecht zwei Stunden lang intensiv gereizt (...).“ […] „(...) ich selbst wurde vor den Geschwistern so lächerlich gemacht (...), dass man vermuten konnte, (...) ich verkündigte eine tote und fade Lehre. Nach einer Stunde Klingenkreuzens mit dem sauberen `Helfer` Kuhlen und dessen noch saubereren Helfer Schmohl (...) stand ich auf und sagte zu den Anwesenden: `Ihr lieben Geschwister, alles, was hier vom Helfer und von Schmohl gesagt wurde, ist nicht (...) nach dem Willen unseres Stammapostels (...)`. Ich zitterte vor Erregung, denn auf solche Weise das Gastrecht zu missbrauchen, das würde keinem Wilden einfallen (...). Für mich war der Mann fortan kein `Helfer` mehr, sondern ich bewertete ihn als (...) einen schlimmen Fuchs im Weinberg, der denselben verdirbt (...) Ich habe den Stammapostel gebeten, mir den Mann niemals mehr in den Bezirk zu schicken. (...) Endlich war nun der Bann gebrochen und ich konnte nun ohne Scheu über diese heiklen Dinge zum Stammapostel sprechen.“ Bezirksapostel Weinmann Bericht: „Wie Kuhlen Stammapostelhelfer wurde“. 1952  Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 27

Eine weitere Ungeheuerlichkeit fand 1950 statt. Stammapostelhelfer Kuhlen hatte im Auftrag der Apostelversammlung die Statuten der NAK neu verfasst und gänzlich überarbeitet. Sie waren bereits am 1. Januar 1950 in Kraft getreten. Sowohl der Stammapostel als auch alle Apostel weltweit hatten dieser Erarbeitung per Unterschrift zugestimmt. Wegen ihrer absoluten Außergewöhnlichkeit und weil sie weitestgehend unbekannt blieben sollen sie hier detailliert vorgestellt werden:

„Während es bisher das Stammapostelamt war, das die Kirche  leitete, sollte nun nach dem Kollegialitätsprinzip die Summe aller Apostel in den Apostelversammlungen die Geschicke der Kirche leiten. Zwar wurde der Stammapostel „als Haupt der Kirche“ noch immer als „Hauptleiter“ bezeichnet (§ 3), doch lassen wesentliche Änderungen und Ergänzungen der neuen Statuten ein neues Bild von Kirchenleitung erkennen:

• Der Stammapostel wird nicht mehr auf Lebenszeit sein Amt ausführen und ist wiejedes Mitglied abrufbar (§ 4).

• Das Vorschlagsrecht für Apostelberufungen steht nun jedem Mitglied des Apostelkollegiums zu (§ 3).

• Das Gelöbnis eines neuordinierten Apostels musste „vor Gott, dem Stammapostel und dem Apostelkollegium“ abgelegt werden und er hatte seinen Dienst gemäß den Bestimmungen dieser neuen Statuten auszuführen, womit eine Anbindung an das Apostelkollegium und nicht direkt an das Stammapostelamt verbunden war (§ 3).

• Apostelversammlungen musste der Stammapostel künftig bereits auch dann einberufen, wenn wenigstens 50% -und nicht wie bisher 75% -der Apostel dies wünschten. Eine Beschlussfähigkeit konnte jetzt ebenfalls mit einer geringeren Prozentzahl als vorher hergestellt werden.

• Der Stammapostel wird nicht mehr von seinem Vorgänger bestimmt, sondern von den Aposteln gewählt.

• Das Vorschlagsrecht für die Wahl eines Stammapostelnachfolgers und –helfers liegt nun nicht mehr allein beim Stammapostel, sondern bei allen Aposteln (§ 6).

• Ein zu Lebzeiten eines Stammapostels einmal gewählter Stammapostelnachfolger tritt ohne weitere Wahl – wie dies jedoch in der Satzung von 1922 noch vorgesehen war – das Amt des Stammapostels an (§ 6). […]

• Abänderungen oder Ergänzungen der neuen Statuten bedurften der Zustimmung des Apostelkollegiums und nicht allein des Stammapostels (§ 11).

• Bei Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung der Statuten entscheidet die Apostelversammlung und nicht der Stammapostel allein (§ 12).“

Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 25

Diese Fassung entsprach natürlich nicht den theokratischen Vorstellungen von FB und einigen anderen Aposteln. Die Umsetzung dieser Neufassung hätte die NAK zukünftig revolutioniert, die kommende Spaltung wäre nicht passiert und ihr Sektencharakter hätte sich aufgelöst! Vermutlich aber wurde der Stammapostel von FB und den ihn unterstützenden Aposteln konsequent sehr stark unter Druck gesetzt, diese Regelungen rückgängig zu machen, was eigentlich, da sie bereits beschlossen und gültig waren, per Order nicht mehr möglich war. Dennoch erhielt FB nach ihrer Präsentation am 3.7.50, also sieben Monate nach ihrer Inkrafttretung (!!)  in der Apostelversammlung von seinem Vater den Auftrag, sie als rangniederer Amtsträger (Bezirksevangelist) eigenständig und ohne Rücksprache mit dem Apostelkollegium  zu überarbeiten. (Quelle)  Und keiner der Apostel – aus  Angst vor FB und dem Stammapostel - stand auf und widersprach!

Kuhlen war zudem beauftragt worden, die Glaubensbekenntnisse und das Büchlein ´Fragen und Antworten` zu überarbeiten, beide Aufträge wurden aber vom Stammapostel zurückgezogen und FB übertragen! (Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 29)

Hier setzt sich also fort, was schon in den Anfangsjahren die klare Absicht war: Die völlige, theologische Kontrolle der Lehre und Statuten der NAK durch den Stammapostel und mittels der Verlagspublikationen, die inhaltlich nur von FB und seinem Vater bestimmt wurden. Jede Kritik daran musste aus der Sicht von FB und seiner Unterstützer  im Keim erstickt und verhindert werden, um die eigene Machtposition nicht zu verlieren! Dass FB in seiner Einwirkung und Beeinflussung seines Vaters, der anfänglich mit der Wahl Kuhlens völlig einverstanden war, äußerst erfolgreich agierte, zeigen die zwei folgende Zitate: „Die Wahl des Apostels Kuhlen zum Helfer geschah ohne Gottes Willen. Dafür gibt es kein Gegenstück im Werke Gottes. Ich mußte vorübergehend stille sein. Alle Apostel in Europa waren gegen mich. (...) Das Recht, einen Stammapostelhelfer zu bestimmen, stand mir alleine zu“. Stammapostel Bischoff, in: Besprechung zwischen dem Stammapostel und Apostel O. Güttinger am Freitag. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 22

An anderer Stelle schreibt der Stammapostel: „Alle von mir vorgebrachten Bedenken wurden im Unglauben und Ungehorsam abgewiesen und ignoriert.“ […]  „Trotz meiner (...) wiederholten Einsprüche haben mich die Apostel (...) gezwungen, eine Wahl vorzunehmen (...) Das Schlimmste dabei war aber, dass die Apostel auch den lieben Gott beiseite setzten (...)“ (Stammapostel Bischoff: Bericht ‚Wie Kuhlen Stammapostelhelfer wurde’, o.D., o.O., S.2)“ Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 21

Offensichtlich wurde dem Stammapostel eine Art Verschwörung eingeredet, an der alle Apostel beteiligt waren, um Kuhlen (ohne Gottes Willen) ins Helferamt zu ordinieren. Nur er selbst, so die weitere Einflüsterung, hätte ein Recht dazu gehabt! Es sei an dieser Stelle nochmals wiederholt, was der Stammapostel im Ordinierungsgottesdienst 1948 selbst dazu gesagt hatte: „Es wurde der Satzung entsprechend eine geheime Wahl vorgenommen, durch die einstimmig die Erwählung von Apostel Kuhlen als mein Nachfolger festgelegt wurde. […] Auch alle überseeischen Apostel haben inzwischen zur Einsetzung des Apostels Kuhlen als meinen Nachfolger ihre Zustimmung gegeben. Und dieser Tag ist zur Aussonderung des Apostels Kuhlen als zukünftiger Stammapostel vorgesehen.[…]So will ich nun heute die Handlung vollziehen und ihm Amt und Auftrag übergeben, so daß dann die Sorge um die zukünftige Führung des Werkes von den Aposteln genommen ist.“

Was für eine Veränderung der Sicht innerhalb von drei Jahren! Zusammenfassend schreibt der Stammapostel dann in einem Brief vom 14.7. 1951, also ein Jahr nach der niedergeschmetterten Präsentation der neuen Statuten:

Die in den letzten Jahren durchlebten unguten Verhältnisse im Werke Gottes haben mich anhand vielseitiger Erfahrungen erkennen lassen, dass die Ursache zu all dem vielen Leid darin liegt, dass man im Kreis der Apostel die Grundsätze der Theokratie (Gottesherrschaft) verlassen hat und die kirchliche Führung nach demokratischen Grundsätzen ausgeübt wissen wollte.

Damit unliebsame Vorkommnisse wie in der Vergangenheit künftighin vermieden werden, ergab sich die Notwendigkeit, die Statuten des Apostelkollegiums vom 1. Januar 1950 grundlegend zu ändern. Ein neuer Entwurf der Statuten geht Ihnen hiermit zu mit der Bitte, denselben genau durchzusehen und evtl. Änderungsvorschläge oder Ergänzungen mir bis spätestens 23. Juli zukommen zu lassen“. Brief Stammapostels Bischoff an die Apostel vom 14. Juli 1951. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 25

Dieser neue Entwurf war nun alleiniges Produkt von FB! Ein weiteres Zitat aus einem Brief des Apostels Gottfried Rockenfelder, der FB absolut unterstützte, zeigt, wie vehement auf dem Schreibmonopol von FB beharrt wurde: „Man hat dort [in Zürich, gemeint sind Ernst und Otto Güttinger] nach Rücksprache mit K. [Kuhlen] vor allen Dingen eines ausgeheckt. Die neuapostolische Presse soll in andere Hände, damit der Stammapostel nicht mehr so absolut sein Gedankengut in das Volk Gottes hinein bringen kann, und das große Ziel, das man erstrebt, ist letzten Endes die Ausschaltung des Stammapostels selbst.“ (Brief des Apostels Gottfried Rockenfelder an Bezirksapostel Weinmann vom 12. Februar 1951. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 10)

Apostel Güttinger hatte also seit den Kriegszeiten die Frechheit besessen, in der Schweiz (!) eigene Schriften herauszugeben! Was für ein frevelhafter Affront! Bereits 1938 hatte dieser Konflikt offenbar begonnen. Die Geschichts-AG zitiert FB: „Damit das Apostelkollegium sich nicht passiv verhalte, spitzt Friedrich Bischoff mit Blick auf den Ungehorsam Ernst Güttingers gegenüber dem Stammapostel die Sachlage noch einmal zu: Die Selbstständigkeitsbestrebungen Güttingers beschränktensich nicht nur auf das sachliche Gebiet der Zeitschriftenfragen (...). Vielmehr sind hier ernste Anzeichen einer tiefgehenden Spaltung zu erblicken, die dem Apostelkollegium nicht gleichgültig sein dürfte“. Zitat aus einem Brief Friedrich Bischoffs an das Apostelkollegium vom 14. Dezember 1939. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 11

Und der Stammapostel antwortete Jahre später 1951 in einem Brief an Güttinger mit üblen Unterstellungen: „Beim Lesen Ihres Briefes vom 1.2.51 wurde ich an ein Sprichwort erinnert: `Auf den Sack wird geklopft, aber der Esel ist gemeint!` Mir ist der Sinn Ihres Antrages an das Apostelkollegium nicht verborgen geblieben. Sie wissen ganz gut, daß die meisten im Verlag meines Sohnes erscheinenden Veröffentlichungen von mir stammen; denn ich bin ja der Herausgeber (...) Überdies sind in der Zeitschrift `Unsere Familie` Berichte von meinen Reisen und an den verschiedenen Orten von mir gehaltenen Gottesdiensten. Wenn Sie nun die Arbeit des Verlages aufteilen und zersplittern wollen, dann liegen die Folgen so auf der Hand, daß man schon sagen kann, sie sind beabsichtigt. (...) Sie klopfen auf den Verlag und meinen den Stammapostel. (...) und diese Absicht deckt sich mit Ihrem vorjährigen Antrag, mit dem Sie mich als Stammapostel beseitigen wollten. Konnten Sie damals Ihre Absicht nicht verwirklichen, so suchen Sie heute auf einem Umweg zu erreichen, was Ihnen im Vorjahr versagt blieb, nämlich die Stellung des Stammapostels zu untergraben.[…]“ Brief des Stammapostels Bischoff an Ernst Güttinger vom 15. Februar 1951. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 10

Eine Infragestellung oder gar Veränderung der bisherigen Verlagsarbeit kam also einem Angriff auf den Stammapostel selbst gleich. Ebenso waren Güttingers Bemühungen um eine demokratisch ausgerichtete Führungsstruktur, die von großen Teilen des Apostelkollegiums durchaus wohlwollend unterstützt wurden, dem autoritären Führungsduo mehr als ein Dorn im Auge, da ihre uneingeschränkte Herrschaft dadurch grundsätzlich in Frage gestellt wurde.

Ernst Güttinger kritisierte in einer Ämterversammlung mit Frauen am 30. Dezember 1945 deutlich: „Das Himmelreich ist keine Diktatur, sondern eine Demokratie. Wir wissen, wo Diktatur hinführt. (...) Die Apostel kamen einst in Jerusalem zusammen und haben beraten und beschlossen. So wird es auch heute gemacht. Vor dem Krieg kamen alle Apostel von Zeit zu Zeit zusammen, um zu beraten und zu beschließen. Der Stammapostel befiehlt nichts – sondern er führt als Präsident aus, was die Apostelversammlung beschließt; er ist das Haupt; die höchste Autorität aber ist die Apostelversammlung, wie in der Schweiz die Bundesversammlung“. Bericht über die Aemterversammlung mit Frauen gehalten von Bezirksapostel Ernst Güttinger am 30. Dezember 1945 in Zürich-Hottingen. In: Ernst Güttinger (Hrsg.): Goldkörner. Zürich 1946, 24. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 17

Das konnte natürlich nicht unwidersprochen hingenommen werden. So schrieb der Stammapostel an den Sohn Otto Güttinger 1948: „Was nun die Ansichten Ihres Vaters betrifft, so hat er in seinem Vornehmen den Kampf gegen den Herrn aufgenommen, indem er dem Stammapostel einen anderen Platz anzuweisen sucht, als dies der Herr getan hat (...)“(Brief Stammapostels Bischoff an Otto Güttinger vom 20. September 1948. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 49)

Die Kritik Güttingers - der sogar für das Stammapostelamt ein Rotationsprinzip vorschlug (!) - am Stammapostel als alleine kirchenleitendes Amt kam also für Vater und Sohn Bischoff einer Gotteslästerung gleich, denn „die Apostel sind nicht der Stamm. Sie sind nach Jesu Worten die Reben, die aus dem Stamm hervorgehen. Die Apostel sind aus dem Stammapostel geboren.“ (Stammapostel Bischoff in einem Brief an die Apostel vom 13. Juni 1950: Quellen beider Zitate:  NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 18)

Auch weitere Ansätze, Güttingers Bemühungen als Irrlehre zu verunglimpfen und seinen Geisteszustand grundsätzlich in Frage zu stellen, blieben nicht aus. Güttinger deutet dies in einem Brief 1949 bereits an: „Nun wundere ich mich allerdings sehr, wie Sie oder jemand anders auf den Gedanken oder zu der Annahme kommen konnte, es stimme bei mir etwas nicht und es bestände die Gefahr, ich würde abschwenken (...) wer kann mich einer Irrlehre zeihen? Sie sagten, meine Frau sei im Traume erschienen und hätte gesagt die Trennung sei beschlossen, oder bereitet. Lieber Stammapostel, von so etwas weiss meine Seele nichts, es ist für mich unfassbar, woher solche Lügen, Verdrehungen und Verleumdungen kommen.“ (Brief Ernst Güttingers an Stammapostel Bischoff vom 25. Mai 1949. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 20)

1950 Peter Kuhlen erklärt am 25.11.50  seinen Rücktritt vom Amt des Stammapostelhelfers und designierten Stammapostels,  wirkte aber weiter für die NAK als Bezirksapostel für das Rheinland.

Nach all diesen Auseinandersetzungen war 1951 die Zeit angekommen, allen Kritikern endgültig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Beim Stammapostelgottesdienst in Gießen am 24.12.1951 predigte Stap Bischoff - der sich kurz vor seinem 80. Geburtstag damit selbst das Geschenk der eigenen Unsterblichkeit macht – erstmalig, dass Jesus zu seinen Lebzeiten wiederkommen würde:

So hat auch das Volk Gottes die lebendige Hoffnung, dass nach der Mitternachtsstunde für das Volk des Herrn ein neuer Tag anbricht, der durch keine Nacht mehr abgelöst wird.
Nun erhebt sich die Frage: 'Wann wird das geschehen?' Tag und Stunde, meine Lieben, weiß niemand. Wenn aber der Sohn Gottes unserer Zeit geschildert hat und wenn wir heute die Erfüllung dieser Verheißungen durchleben, dann dürfen wir auch glauben, dass die Zeit da ist. Ich bin persönlich überzeugt, dass die Zubereitung des königlichen Priestertums in der Zeit erfolgt, in der ich noch vorhanden bin, und dass die Reichsgottesarbeit im Weinberg des Herrn mit mir ihr Ende erreicht, dass also der Feierabend kommt, an dem die Lohnauszahlung stattfindet. Es steht hierzu nicht mehr viel Zeit zur Verfügung, die Zeitspanne, die der Herr Jesus als elfte Stunde bezeichnet, ist bald vorüber. Wir wollen, wenn der Herr kommt, nicht zu der Schar zählen, die wie die Jünger einst der Himmelfahrt Jesu nachsehen, wir wollen dabei sein. […] Als die Zeit gekommen war, in der Vater Niehaus dienstunfähig wurde, musste ich die Führung übernehmen, aber nicht mehr, um noch viele Jahrzehnte in der Zubereitung des königlichen Priestertums zu wirken oder einen Fortgang dieser Arbeit für die nächsten Jahrhunderte vorzubereiten, das ist ausgeschlossen. Ich bin der Letzte. Der Herr wird zu meiner Zeit kommen, die Seinen mit sich zu nehmen. Es ist mir persönlich eine große Freude und Genugtuung, dass wir dahin gelangt sind, eine so deutliche Sprache des Geistes Christi zu hören. Wer sich auf irgendeine Weise noch umzustellen hat, der tue es so schnell wie möglich, damit es nicht zu spät für ihn wird. Es hängt unendlich viel für uns davon ab, wie wir uns zum Wort des Herrn einstellen. Die Mahnung des Herrn: 'Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt', steht nicht umsonst in der Schrift. Was der Geist heute der Gemeinde sagt, ist für uns zeitgemäßes Brot, hervorgegangen aus dem Geiste der ewigen Liebe unseres Gottes.“
Quelle: Bericht in ´Unsere Familie` (Nr. 5/ 1952), S. 100-103)  

Apostel Rockenfelder setzte danach in seiner Co-Predigt hinzu: „Es fällt mir nicht schwer, zu glauben, was der Stammapostel sagte. Ich konnte es glauben schon als Kind. Ich erinnere mich einer Stunde, da ich mit meinem Vater spazieren ging. Damals war ich ein Junge von 10 Jahren. Mein Vater setzte sich auf eine Bank und ich stand zwischen seinen Knien. Da sagte mir mein Vater: 'Mein Junge, unser Apostel (der heutige Stammapostel) wird einmal Stammapostel werden. Und wenn er Stammapostel ist, dann ist er es, der Gottes Werk zu Ende führt.' Ich fragte: 'Vater, woher willst du das wissen, wer hat dir  das gesagt?' Er gab zu Antwort: 'Der Herr hat es mir geoffenbart.' Das war im Jahr 1914, als noch niemand von uns an eine solche Entwicklung dachte.“ (Quelle)

Die „Botschaftszeit“ war damit angebrochen! Der Artikel, in dem diese Aussagen wiedergegeben werden, erschien jedoch erst 1952, die Botschaft aber schon in persönlichen Gesprächen kundgetan. Aus der bisherigen Naherwartung wurde nun die konkrete „Botschaft“ der Wiederkunft Jesu zu Lebzeiten des bereits 79jährigen Stammapostel Bischoffs.

 

Exzerpt: Was aus Teil 2 faktisch zusammenfassend festzuhalten ist:

Der Verlag wird nach dem Krieg und dem Zusammenbruch des NS-Regimes 1945 wieder Eigentum der NAK und nimmt, finanziell durch die Kirche unterstützt,  seine Produktionen erneut auf. Ohne Gegenleistung oder Absprache wird FB 1950 wieder die Verlagsleitung übergeben. Die Laufzeit des Vertrages wird nun vom Stammapostel anstelle der vormals verabredeten 5 Jahre auf 25 Jahre zugesichert und gilt bis 1975. Das Apostelkollegium wurde dazu nicht befragt – obwohl es sich um Kircheneigentum handelte! - , sondern nur nachträglich davon in Kenntnis gesetzt. Dies führte zu Unstimmigkeiten im Apostelkreis. Um die Produktion anzukurbeln fragt FB 1949 die ostdeutschen Apostel nach ihrem Bedarf an Gesangsbüchern, Kosten: 30.000 DM! Stap Bischoff verspricht, von FB auf den Weg gebracht und zu dessen Nutzen durchgesetzt,  dem Osten ohne vorherige Einverständniserklärung der betroffenen ´Spender`, dass diese Summe von westdeutschen Apostelbezirken übernommen wird. Apostel Kuhlen bekommt eine Rechnung über 10.500 DM  für bereits versandte, aber nie von ihm bestellte Gesangsbücher. Kurz darauf stellt sich heraus, dass auch das eine Lüge war, da überhaupt noch keine Bücher in Berlin angekommen waren. Ebenfalls gelogen war die Behauptung von FB, dass die Initiative dazu von den Ost-Aposteln ausging, denn FB selbst hatte die ganze Geschichte angekurbelt sogar mit dem Versprechen, dass es sich um eine Schenkung handeln würde. 25.500 DM war der generierte Umsatz für den Verlag Friedrich Bischoff aus diesen üblen Machenschaften seines Leiters, den die West-Apostel ohne Gegenleistung zu zahlen hatten und gezwungener Maßen auch zahlten, denn „wenn einer es mit Fritz verdirbt, der fällt in Ungnade"  und " der verdirbt es mit dem Chef." Bleiben noch die mit ziemlicher Sicherheit nie zurückgezahlten 30.000 DM Privatkredit aus den Kirchengeldern zum Verlagsaufbau, dessen Gewinne hingegen stets in die Taschen seines Chefs FB flossen. Zudem bestimmten der Stammapostel und FB - wie schon vor dem Krieg -  weiterhin in absoluter Weise durch die Verlagsschriften, was von den Kirchenmitgliedern zu glauben war. Jeder Widerspruch wurde schnellstens eliminiert und als Handeln wider Gottes Willen polemisiert. Hinter all diesen Manipulationen und Lügen steht u.a. FB als Strippenzieher mit seinem intriganten und rücksichtslosen Verhalten als treibende Kraft für seine eigenen, finanziellen und machtpolitischen Interessen! Aber das schlimmste Vergehen in dieser Zeit für die NAK an sich war wohl, dass der neue Statutenentwurf trotz der zustimmenden Unterzeichnung aller Apostel und des Stammapostels auf Betreiben machtorientierter Manipulierer satzungswidrig kurzerhand für nichtig erklärt wurde. Die weitere Entwicklung der NAK hätte sich bei der Umsetzung der neuen Statuten  -und damit weg von der theologisch völlig falschen Stammapostelzentrierung mit ihrem Gehorsamsdogma - zu einer freikirchlichen und offenen Kirche mit einer demokratisch orientierten Kirchenleitung hin entwickeln können. Zur sich 1955 vollziehenden Spaltung wäre es nicht gekommen und das damit verbundene Leid der betroffenen Geschwister hätte nicht erlebt werden müssen. Ebenso nicht das Leid und die Trauer der verbliebenen neuapostolischen Mitglieder über die mit dem Tod von Stammapostel Bischoff verbundene Enttäuschung darüber, dass sich seine zum Dogma erhobene Botschaft der Wiederkunft Jesu nicht erfüllt hatte. Und das alles wurde verhindert bzw. ausgelöst, durch die Machtgier und finanzielle Bestrebungen einiger weniger Funktionäre, die den greisen Stammapostel hartnäckig in ihrem Sinn beeinflussten und manipulierten, allen voran Friedrich Bischoff!

Fazit 2: FB, mittlerweile 39 Jahre alt, und sein Vater (79) arbeiten mit allen Mitteln daran, ihren kontrollierten Machtapparat mittels Intrigen und demagogischen Artikeln in den verschiedenen Zeitschriften zu festigen und  damit den Stammapostel, der ein Garant für die Position von FB war,  unverrückbar in eine absolut zentrale Position zu stellen. Als Mittel dazu gehörten  - neben der Ausschaltung nicht verlagskontrollierter Schriften - unbedingt auch der Wiederaufbau der Verlagstätigkeit und soweit nötig dessen finanzielle kirchliche Unterstützung plus skrupelloser Finanzmanipulationen von FB. Theologisch wird angebahnt, die Naherwartung der Wiederkunft Jesu zeitlich auf die Lebenszeit des Stammapostels hin zu konkretisieren (1951), um damit den Stammapostelhelfer Kuhlen auszuschalten. Dies war aber nur möglich, wenn und weil die neuen, bereits gültigen Statuten vollständig und widerrechtlich widerrufen wurden.

Die von Kuhlen angestrebte und durchaus von einigen Aposteln unterstützte, zukünftig positive und demokratisierende Entwicklung der NAK ist dadurch vollständig verhindert worden. Als einer der maßgeblichsten Drahtzieher dieser Verhinderung und dadurch bedingt Verursacher aller weiteren negativen Entwicklungen müssen Friedrich Bischoff  und u.a. seine Mitstreiter Rockenfelder, Hahn und Weinmann  angesehen werden, die aus niederen Motiven die neuapostolische Glaubenswelt vollends ins kommende Chaos stürzten. Man überlege, was ohne diese menschenverachtenden, intriganten Beeinflussungen in Zukunft aus der NAK  hätte werden können und wie viel produziertes und tief greifendes Leid dadurch den betroffenen Menschen erspart geblieben wäre! Gleiches gilt den Kindern, die vielleicht 15 Jahre, also 1940, vor der Botschaft in diese Sekte hineingeboren wurden und zur Zeit der Verkündigung 10 Jahre alt waren oder denen, die kurz vor oder nach1960 in dieser Zeit heranwuchsen und noch heute noch mit den Folgen ihrer dort erfahrenen Erziehung leben müssen!

 

Teil 3 „Wer war Friedrich Bischoff“ 1951 bis 1960 – Der inszenierte Botschaftswahn mit seiner exklusivistisch-endzeitlichen Parallelwelt der NAK als Basis der Spaltung, Exzerpt 3

wird am 18.6.21 eingestellt

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1.5.2021 Aus dem deutschen Bundesarchiv: Bericht des MfS (Ministerium für Staatssicherheit) 1968

Vorbemerkung DS: Zitat aus der Verfassung der DDR (Quelle)

ARTIKEL 41

(2) Einrichtungen von Religionsgemeinschaften, religiöse Handlungen und der Religionsunterricht dürfen nicht für verfassungswidrige oder parteipolitische Zwecke mißbraucht werden. [...]

Zitat aus dem nachfolgenden Bericht: "Während der Bezirksvorsteher-Besprechung wurde Einigung darüber erzielt, die am Mittwoch, 3.4.1968 stattfindenden obligatorischen Gottesdienste dazu zu nutzenden Mitgliedern die zustimmende Haltung der Bezirksvorsteher zur Verfassung nahezulegen. In der Hauptstadt der DDR wurden die Gemeindeleiter von Berlin bereits in einer Besprechung vor den Gottesdiensten von diesem Standpunkt durch Bischof Pusch unterrichtet."

Demnach war das parteipolitische Verhalten von Bischof Pusch, den Berliner Bezirksvorstehern und Gemeindevorstehen in der DDR bereits 1968 missbräuchlich und somit nach DDR-Recht bereits verfassungswidrig!

Gleiches gilt für diese Beeinflussung vom 17. Oktober 1976:

Wahlbeteiligung kirchlicher Amtsträger - Jahrgänge - BStU (ddr-im-blick.de):

"Während des Gottesdienstes der Neuapostolischen Kirche in Pirna wurde die Gemeinde durch den Prediger aufgefordert, sich vollzählig an den Wahlen zu beteiligen und die Kandidaten der Nationalen Front zu wählen."

 

25.5.21 Bericht zur ersten Kontaktaufnahme der Stasi mit Apostel Köhler (18.11.1970)

Vorbemerkung: Dass eine politische Beeinflussung und Erziehung im Sinne des DDR-Regimes in der NAK angestrebt und erreicht wurde, zeigt auch der folgende, von Olaf Wieland beigesteuerte Bericht. Apostel Artur Köhler (1910-1995) führt in einem Gespräch mit den Sicherheitsorganen der DDR am 16.11.1970 u.a. aus, dass die NAK-Gemeinden wegen ihrer Haltung zum DDR-Staat "von den anderen Kirchen auch oft als Kommunisten bezeichnet werden." Bemerkenswert ist:  "Artur Köhler verzog noch zu DDR-Zeiten in die BRD, dies unter Mitwirken der Neuapostolischen Kirche International, welche bei der DDR den Ausreiseantrag unterstützte. Die Ausreise wurde laut Zeitzeugen notwendig, da sich der ehemalige Bezirksapostel auch nach seiner Inruhesetzung 1985 in die Arbeit des neuen Bezirksapostels Fritz Nehrkorn einbrachte. Dies führte zu Spannungen zwischen den Bezirksaposteln und Amtsbrüdern, so dass Stammapostel Hans Urwyler eine Ausreise in die BRD befürwortete. Die genauen Umstände, die zur Genehmigung der Ausreise von Seiten der DDR-Regierung führten, sind nicht bekannt.Zitat APWiki 

(Hervorhebungen nicht im Original)

Bericht

Er lehnt insgesamt ein offenes Auftreten von Neuapostolischen in der Öffentlichkeit ab und ist selbst bestrebt es zu vermeiden. Er sagt dazu: "Unsere Christen bewähren sich im täglichen Leben, im stillen Dienst sowie als Mitglieder von Parteien, so z. B. in der CDU und wie sie sicher wissen in der SED."

Dabei vertritt er jedoch die Auffassung, daß die Mitgliedschaft in der SED nicht richtig sei, weil es nur ein Entweder oder Oder gäbe.

Er gibt an, daß eine Beeinflussung der Gemeinden in der DDR durch Westdeutschland nicht gegeben ist. Der Stammapostel habe zwar seinen Sitz in Westdeutschland, von dort aus jedoch für die ganze Welt verantwortlicher Mann, dem die Apostel Westdeutschland genau so unterstehen, wie alle anderen.

Eine Beeinflussung gibt es nicht nur nicht, sondern die wird auch abgelehnt.

Frage: Damit ist die staatsbürgerliche Erziehung in unserem Sinne innerhalb der Gemeinden unter den Mitgliedern wohl möglich?

Antwort: Ja unbedingt, dies wird auch praktiziert, weshalb wir von anderen Kirchen auch oft als Kommunisten bezeichnet werden. Beispiel: In Eibenstock/Aue, wo ich lange Zeit tätig war, gab es viele Nichtwähler unter der Bevölkerung.Die Mitglieder der NAK gingen jedoch alle zur Wahl; ich selbst gehe grundsätzlich vor den Gottesdiensten.

Quelle: Bericht zur ersten Kontaktaufnahme, Kriminalpolizei Leipzig, 18.11.70, KI, BVfS Leipzig, Abt. XX 02166, Bl. 21.

 

Baptisten und Neuapostolische Kirche der DDR zur neuen Verfassung

Quelle: Baptisten und Neuapostolische Kirche der DDR zur neuen Verfassung - Jahrgänge - BStU (ddr-im-blick.de) (Anmerkung: Fettdruck nicht im Original)​

3. April 1968
Einzelinformation Nr. 375/68 über die Haltung der Religionsgemeinschaft der Baptisten und der Neuapostolischen Kirche der DDR zur neuen Verfassung und zum Volksentscheid

Dem MfS wurde bekannt, dass […]

Eine allgemein positive Haltung der leitenden Persönlichkeiten der Neuapostolischen Kirche zum 1. Entwurf der Verfassung zeichnete sich bereits Anfang des Jahres ab, besonders auch während eines Gesprächs, das im Rahmen der Verfassungsdiskussion auf Initiative der Nationalen Front mit kirchlichen Würdenträgern in Dresden stattfand. Daran hatten seitens der Neuapostolischen Kirche Bischof Pusch/Apostelbezirk Berlin und Bezirksapostel Kortüm/Apostelbezirk Leipzig teilgenommen. (Von den vier Bischöfen der Neuapostolischen Kirche in der DDR ist Bischof Pusch der Beauftragte der Kirche, der die Verbindung zum Staatsapparat unterhält.)

Bischof Pusch brachte während dieses Gesprächs eine positive Meinung zur neuen sozialistischen Verfassung zum Ausdruck. Dabei äußerte er, die DDR müsse als vorbildlich bezeichnet werden, wenn sie sich mit der neuen Verfassung verpflichte, keine Aggression gegen einen anderen Staat zu unternehmen. Zum Artikel 38 (jetzt 39) meinte er, man dürfe ihn nicht isoliert betrachten, wie dies durch einige kirchliche Persönlichkeiten erfolgt sei. Die Formulierung des Artikels 38 entspreche den Interessen der Neuapostolischen Kirche, die bestrebt sei, ein gutes Verhältnis zum Staat zu entwickeln.

Durch Bischof Pusch wurde das im Rahmen der Nationalen Front geführte Gespräch Mitte Februar 1968 in einer Bezirksvorsteher-Besprechung des Apostelbezirks Berlin ausgewertet. Nachdem Pusch seine zustimmende Meinung zur Verfassung wiederholt hatte, stimmten die anwesenden Bezirksvorsteher dieser Haltung zu und kamen überein, diesen Standpunkt in Gottesdiensten und Gesprächen mit den Mitgliedern ihrer Kirche aufrechtzuerhalten.

Neben Bischof Pusch trat auch besonders Bezirksapostel Tiedt/Apostelbezirk Schwerin positiv auf. Im Verlaufe der Besprechung erklärte Pusch weiter, ihm seien seitens der Funktionäre der Neuapostolischen Kirche keine negativen Äußerungen zur Verfassung bekannt geworden und er schätze ein, dass die Mitglieder der Verfassung ihre Zustimmung geben. […]

Während der Bezirksvorsteher-Besprechung wurde Einigung darüber erzielt, die am Mittwoch, 3.4.1968 stattfindenden obligatorischen Gottesdienste dazu zu nutzen, den Mitgliedern die zustimmende Haltung der Bezirksvorsteher zur Verfassung nahezulegen.

In der Hauptstadt der DDR wurden die Gemeindeleiter von Berlin bereits in einer Besprechung vor den Gottesdiensten von diesem Standpunkt durch Bischof Pusch unterrichtet.

Die Information ist nicht öffentlich auswertbar.

 

8.6.21 NAKI Stellungnahme vom 9.7.2004: Neuapostolische Kirche will seit 2000 seriös die  DDR-Zeit aufarbeiten und tut seitdem nichts

Hinweis: Die  folgende, originale NAKI-Bekanntmachung  ist inzwischen gelöscht! Diese Stellungnahme und ihre Löschung ist ein Musterbeispiel an Gleichgültigkeit und Ignoranz gegenüber den Opfern des DDR-Systems und den Tätern aus den eigenen Reihen!

Hervorhebungen nicht im Original!

NAK International

Stellungnahme der Kirchenleitung: Aufarbeitung der DDR-Zeit geschieht seriös!

09.07.2004 Zürich

Die Neuapostolische Kirche will weder etwas vertuschen noch reagiert sie übersensibel - eine Aufarbeitung der Kirchen eigenen Geschichte geschieht seriös und umsichtig. Dies ist die klare Stellungnahme der Kirchenleitung zu einigen "aufgeregten Internetdiskussionen" der letzten Zeit zum Thema Neuapostolische Kirche in der DDR.

Konkret teilt die Neuapostolische Kirche mit, dass bereits am 19.12.2000 ein offizieller Antrag auf Akteneinsicht durch die Arbeitsgruppe Geschichte der Neuapostolischen Kirche bei der Gauck/Birthler-Behörde eingereicht wurde. Diese teilte im März 2001 mit, dass man sich melden würde, sobald die sachliche Bearbeitung des Antrags beginne. Erfahrungsgemäß braucht es einige Jahre, bis ein entsprechender Antrag zu Ende bearbeitet ist und Unterlagen zur Verfügung gestellt werden können.

Seit dem 04.06.2004 liegen nun einige der bestellten Unterlagen vor.

Es gehörte von Anfang an zum offiziellen Auftrag der von Stammapostel Richard Fehr installierten AG Geschichte der Neuapostolischen Kirche, die DDR-Vergangenheit vorrangig zu erforschen. Die interne Akteneinsicht in kirchliche Archive trug wenig zur Aufhellung dieser Gesamtproblematik bei. Zwar hat es offizielle Schreiben an die DDR-Regierung gegeben, doch lässt sich daraus weder ein "Anbiedern" der damaligen Kirchenleitung im Osten noch Vergünstigungen für unsere Kirche durch das DDR-Regime ableiten.

Die Neuapostolische Kirche hält zu diesem Zeitpunkt fest:

  • Die Kirchenleitung der Neuapostolischen Kirche hat bereits vor Jahren begonnen, Schritte zur Aufarbeitung der DDR-Zeit zu unternehmen.
  • Eine ausgewogene Darstellung der Ereignisse muss nach unserem Dafürhalten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.
  • Diese Art der Darstellung kostet Zeit. Wir haben bislang noch keine veröffentlichungsreifen Ergebnisse.
  • Sobald veröffentlichungsreife Erkenntnisse vorliegen, werden diese auch veröffentlicht.

 Es ist aus unserer Sicht falsch, mit Teilwahrheiten oder Zwischenergebnissen zu arbeiten. Eine "Puzzletaktik", d.h. die Veröffentlichung vieler kleiner Artikel zu verschiedenen Themenkreisen, wird einer anspruchsvollen Aufklärung nicht gerecht. Wir bezeichnen eine solche Vorgehensweise als unwissenschaftlich und unseriös.

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Foto: Bundesarchiv, Bild 173-1282 / Helmut J. Wolf / CC-BY-SA 3.0

Artikel von Olaf Wieland:

Zu meiner Person:

Ich bin in einem neuapostolischen Elternhaus in Friedland/Mecklenburg aufgewachsen.
Durch den damaligen Gesprächskreis "Kirche sind auch WIR!" Hamburg wurde ich ermuntert und bestärkt, im Sinne der Aufklärung gegen Vertuschung die Rolle der NAK in der DDR zu erforschen.  In diesem Zusammenhang erschien dann am 14. 07. 2004 in der evangelischen Wochenzeitung "Die Kirche" das Interview mit der Überschrift "IM Apostel. Hochrangige Vertreter der Neuapostolischen Kirche waren Spitzel" sowie im evangelischen Wochenmagazin "IdeaSpektrum" 30/2004 ein weiterführender Artikel "Kritiker in Kirchenzeitung: Sekte unterstützte sowohl Nationalsozialisten als auch das SED-Regime. Vorwurf: Führende "Neuapostolen" waren Stasi-IM."
 
Die Mitglieder des Gesprächskreises "Kirche sind auch WIR!" Hamburg unter Leitung des damaligen Gemeindeevangelisten Thomas Andrich erklärten sich bereit, ebenfalls über Interviews ihre Erfahrungen mit dem System NAK mitzuteilen.  Diese Erfahrungsberichte sind in einer Diplomarbeit der Universität Hamburg, Institut für Soziologie, zusammengefasst dokumentiert worden:
Brigitte Flade: Engagement und Distanzierung in freiwilligen Vereinigungen. Dargestellt am Beispiel der Neuapostolischen Kirche, Universität Hamburg, Institut für Soziologie, Hamburg 04. 12. 1996

Als einfaches Mitglied der Neuapostolischen Kirche (am 20. Juni 2017 aus der NAK offiziell ausgetreten) beschäftige ich mich seit Jahren mit der jüngeren Geschichte unserer Kirche und veröffentlichte meine Forschungsergebnisse in diversen Aufsätzen und Forschungsberichten. Im ökumenischen Geiste trat ich im März 2006 dem Verein für Freikirchenforschung e.V.16 mit Sitz in Münster / Westfalen bei und wurde dort von den im Verein für Freikirchenforschung (VFF) vertretenen Mitgliedern aus  verschiedenen Denominationen herzlich empfangen und in meiner Arbeit unterstützt. Der Geschäftsführer des VFF Pastor Reimer Dietze teilte mir nach meinem Beitritt am 23.03.2006 in einem Schreiben mit:

Über Ihren Beitritt zu unserem Verein freuen wir uns sehr und heißen Sie in unseren Reihen herzlich willkommen. Es ist das erstemal, daß jemand aus der Neuapostolischen Kirche Interesse an der Mitarbeit in unserem Verein bekundet. Das schätzen wir ganz besonders.“[…]

 
Ziele meiner Aufklärungs- und Forschungsarbeit sind:
 
"1. Öffentliches Schuldbekenntnis der NAK für ihr Verhalten in der NS-Zeit und in der DDR-Zeit, denn "moralische, politische und juristische Schuld muss benannt, bekannt und gesühnt werden, solange die Menschen sich nicht selbst die letzte Urteilsfähigkeit Gottes anmaßen können und dürfen." 
 
(Dazu könnte als ein Zeichen der Wiedergutmachungsabsicht die Einzahlung einer Spende z.B. für die mir persönlich positiv bekannte "Aktion Würde und Versöhnung" gehören. Das ist ein deutsch-israelisches spendenbasiertes Aktionsbündnis. Die "Aktion" leistet in Deutschland einen Beitrag dazu, dass Bewusstsein für die Situation bedürftiger Holocaustüberlebender in Israel zu verstärken sowie praktische und finanzielle Hilfeleistung von Deutschland aus zu ermöglichen).
 
2. Freigabe und Veröffentlichung der von der NAKI e. V. in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Forschungsarbeit über die Vergangenheit der NAK, durchgeführt von Dr. Almut Leh, Spezialistin für Oral History (= Befragung von Zeitzeugen) am Institut für biographische Forschung e. V. und dem renommierten Historiker Dr. Alexander von Plato, die bisher unter Verschluss steht.
 
3. Veröffentlichung der vom vormaligen NAK-Leiter International (`Stammapostel`) Dr. Wilhelm Leber versprochenen offiziellen Stellungnahmen der NAK für die Zeit des Nationalsozialismus und des Real-Sozialismus in der DDR."
 
(Quelle: Olaf Wieland: Neuapostolische Kirche in der DDR. Anpassung, Kooperation und Kollaboration in zwei Systemen, Berliner Dialog. Informationen und Standpunkte zur religiösen Begegnung, BD 32, Januar 2021, ISSN 0948-0390. Diese aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Berliner Dialog" kann über den Herausgeber der Zeitschrift "Berliner Dialog" Pfarrer i. R. Dr. h. c. Thomas Gandow unter folgender Mailadresse bestellt werden: pfarrer.gandow@berlin.de)
 

Weitere Forderungen aus meinem offenem Pfingstbrief 2015 u.a. an Stap Schneider:  (Quelle naktalk)

4. Hinsichtlich der verschleppten Aufarbeitung der Zusammenarbeit neuapostolischer Amtsträger mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der damaligen DDR plädiere ich stellvertretend für die zahlreichen neuapostolischen inoffiziellen Mitarbeiter des MfS für eine Veröffentlichung der gesamten Stasiakte des Bezirksapostels Kurt Kortüm (IM „Kurt Sigmund“) aus Leipzig sowie der umfangreicheren Stasiakte des Bezirksältesten Gerhard Wolter (IM „Gerhard“) aus Stralsund auf der Homepage der NAK.

5. Aufklärungsbedarf besteht auch hinsichtlich der opportunistischen Haltung der westdeutschen neuapostolischen Kirchenleitung zum DDR-Staat. Nach Aussagen eines neuapostolischen Priesters, welcher über Jahrzehnte als inoffizieller Mitarbeiter (IM) für das MfS arbeitete und Informationen aus Ämterversammlungen der NAK an die Stasi weiterleitete, wäre die DDR in der unkritischen Beurteilung der westdeutschen Kirchenleitung anscheinend aus damaliger Sicht immer „ein sicheres und geordnetes Land“ gewesen. […] Nach einem Spitzelbericht des neuapostolischen Priesters Hermann Webel aus Stahmeln/Leipzig mit dem Decknamen "Paul Hermann", der als IM über 20 Jahre im Dienste des MfS stand, „beneidete“ beispielsweise der Stammapostel Walter Schmidt aus der BRD die Amtsträger in der DDR, „weil sie in der DDR ein besseres und leichteres Arbeiten hätten und bessere Beziehungen zum Staate hätten, als es in Westdeutschland der Fall wäre.“( Zitiert aus Unterlagen der BStU) Politisch verfolgte Menschen in der DDR konnten in den Augen der autoritären westdeutschen neuapostolischen Kirchenleitung nur „Kriminelle“ sein (siehe zu Sanktionen an Systemfeinden in der DDR auch Wieland im BERLINER DIALOG 2014/ 31):

Während ich überlebte und 1971 von der deutschen Regierung freigekauft wurde, beleidigte mich der damalige `Bezirksapostel´ Arno Steinweg, stellvertretend für alle in politischer Haft in der DDR befindlichen Opfer der Gewaltherrschaft, als `Krimineller`, ohne sich dafür je entschuldigt zu haben.“ (vergleiche Stasibericht zu IM Willy Adam)

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Interview aus der evangelischen Wochenzeitung „Die Kirche“, 14.07.2004:

IM Apostel (IM= Inoffizieller Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes/Stasi)

Hochrangige Vertreter der Neuapostolischen Kirche waren Spitzel

"Die Neuapostolische Kirche (NAK) ist eine sehr extreme und strenge christliche Sekte", urteilt Pfarrer Thomas Gandow, Sektenbeauftragter der EKBO. In der Öffentlichkeit gilt die NAK als harmlose Freikirche, doch Aussteiger erheben schwere Vorwürfe: Die Sekte treibe ihre Mitglieder in die Isolation, setze sie psychisch unter Druck und überwache das Privatleben der Gläubigen bis ins Kleinste. Den sogenannten Aposteln an ihrer Spitze sind alle Kirchenmitglieder  zu absolutem Gehorsam verpflichtet. Aktives Mitglied war der 38-jährige Olaf Wieland aus Hamburg. Heute steht er der viertgrößten Religionsgemeinschaft mit 380.000 Mitgliedern in Deutschland kritisch gegenüber. Mehrere Jahre erforschte er im Bundesarchiv und bei der Konrad-Adenauer-Stiftung die Vergangenheit der NAK. Ergebnis: Die Neuapostolische Kirche arbeitete mit der DDR-Staatssicherheit zusammen.

Mit Olaf Wieland sprach Sibylle Sterzik

Wie stehen Sie zur Neuapostolischen Kirche (NAK)?

Ich bin in diese Kirche hineingeboren. Mein Vater war Priester. Schon als Jugendlicher stellte ich kritische Fragen zur kirchlichen Vergangenheit. Aber wenn man Kritik übt, wird man ausgegrenzt. Mit mir wurde nicht mehr gesprochen. Anfangs ging ich trotzdem noch zur Kirche, seit zehn Jahren nicht mehr. Aber ich musste sehr mit mir kämpfen, weil der psychische Druck, den diese Kirche ausübt, sehr hoch ist. Wenn man gegen die Maßstäbe der NAK verstößt, entsteht sofort die Angst, "verloren" zu sein. Uns wurde eingehämmert, Jesus würde nur diejenigen retten, die nach den Geboten der Neuapostolen leben.

Sie haben eine Selbsthilfegruppe für NAK-Kritiker gefunden.

Mich verfolgte die Angst: Wenn ich mich von der Kirche entferne, bin ich verloren. Einigen aus der Gruppe, mir auch, bescheinigte das Versorgungsamt Lübeck eine seelische Behinderung aufgrund der rigiden Erziehungsmethoden der NAK.

Was hat Sie bewogen, die Verwicklungen der NAK mit den Staatssicherheitsorganen des DDR-Regimes zu erforschen und was wollen Sie erreichen?

Die Forschungsarbeit begann ich mit zwei Mitgliedern der Selbsthilfegruppe, die wie ich aus der DDR kommen. Wir wollen die Kirche anprangern wegen ihrer Verfehlungen in der Vergangenheit. Im guten Sinn, damit sie umkehrt, Reue übt und Buße tut. Sie soll ein Mitschuldbekenntnis ablegen im Blick auf ihre Vergangenheit im NS-Staat und die massive Unterstützung des Unrechtsregimes in der DDR. Die NAK, die sehr reich ist, weil alle Mitglieder den Zehnten vom Bruttogehalt abgeben, soll in einen Opferfond für ehemalige politische Häftlinge einzahlen, wie das die Evangelische Kirche für die Zwangsarbeiter getan hat.

Worin sehen Sie Mitschuld an den Verbrechen des NS-Staates?

Die NAK hat das System auf allen Gebieten unterstützt und gefördert. 13 Apostel waren in der NSDAP. Dabei gelten die Apostel als die einzigen, die das Erlösungswerk Christi auf Erden weiterführen. Nur durch sie kann man sich "versiegeln" lassen und "ein Gotteskind" werden. Die kircheninterne Zeitschrift "Unsere Familie" druckte nationalsozialistische und Kriegspropaganda. Der Sohn des Stammapostels Johann Bischoff war in der SA. "Jeder sei untertan der Obrigkeit" (Römer 13) wurde undifferenziert angewendet. Offiziell gab es keinen Widerstandskämpfer. Mein Großvater war trotzdem einer. Er versteckte Juden. In der NAK und meiner Familie war er deswegen nicht gut angesehen. Ich bin stolz auf ihn!

Was haben Sie über die Verstrickung mit dem DDR-Staatsapparat herausgefunden?

Mir liegen von der Gauck-Behörde zwei Anwerbeprotokolle vor, die den Apostel Kurt K. als IM "Kurt Sigmund" und Willy A., früherer Bischof der NAK, als IM "Willy" "auf freiwilliger Grundlage angeworben" ausweisen. Per Handschlag versprach K. mitzuarbeiten. Ich habe 131 Seiten Berichte von Apostel-Treffen, die sie der Staatssicherheit lieferten. Die Evangelische Kirche bezeichnete K. übrigens in einem Bericht als eine, die "die Lehre und Linie von Christus schon längst verlassen hat" und "lieber abtreten sollte". Kurt K. traf sich konspirativ mit dem Oberstleutnant Manfred Seltmann, einem dem MfS treu ergebenen Offizier im besonderen Einsatz (OibE). Ein oberster Würdenträger, der allein das Recht hat, Menschen zu verstoßen oder zu versiegeln, ließ sich freiwillig mit den DDR-Sicherheitsorganen ein. Im Bericht von Unterleutnant der Kriminalpolizei Leubner heißt es: "Auf die konkrete Frage, ob er einer Zusammenarbeit mit mir zustimmt, sagte er, dass er keine Gründe hätte, diese abzulehnen." Die Abteilung K1 der Kriminalpolizei arbeitete eng mit der Staatssicherheit zusammen. 

Wurde jemandem geschadet?

Mit ihren Berichten gaben der Apostel und der Bischof zielgerichtet Hinweise auf Leute, die dem Gottesdienst länger fern blieben. Mangelhafter Gottesdienstbesuch wurde dann gleichgesetzt mit einem zwielichtigen Umgang und asozialem Lebenswandel. Das war denunzierend! Dadurch gerieten betreffende Personen ins Visier der Sicherheitsorgane. Eine Frau wurde wegen angebeblicher Vorbereitung zur Republikflucht von ihrem Gemeindevorsteher angezeigt. Auch Zeugen Jehovas, wenn sie zu uns in den Gottesdienst kamen, wurden bei der Polizei denunziert. Sie waren seit 1950 in der DDR verboten. Eine Kirchengemeinschaft lieferte die andere ans Messer.

Der Apostel ist gestorben, der Bischof lebt noch.

Wir wollen nicht anklagen, sondern wissen, wieso er beziehungsweise die NAK da mitgemacht hat, obwohl andere sich aus ihrer christlichen Grundeinstellung verweigert haben. Man hätte ohne Nachteile auch ablehnen können. Den Bischof und Bezirksapostel im Ruhestand werden wir in einem Brief bitten, zu seiner IM-Tätigkeit Stellung zu nehmen. Das passt einfach nicht zusammen, so ein hohes Amt und die freiwillige Zusammenarbeit mit den Sicherheitsorganen einer Diktatur. Am meisten kritisieren wir die Unfähigkeit der NAK ihr Fehlverhalten zuzugeben.

Die NAK befindet sich aber zurzeit in einem – wenn auch zögerlichen – ÖffnungsprozessDie Medien sind aufmerksam geworden. Nun steht die NAK unter Druck und gibt sich liberal.

Das ist Taktik, mehr nicht. Es zielt zum einen auf öffentliche Image-Pflege angesichts einer kritischen Öffentlichkeit und zum anderen darauf, Kritik von innen zu unterdrücken. Es geht nur darum, Mitglieder zu halten. Tausende sind in Deutschland schon ausgetreten.

Rechnen Sie mit Schwierigkeiten, wenn Sie ihre Forschungsergebnisse veröffentlichen?

Die NAK ist bestrebt alles zu ignorieren. Diffamierungen sind die einzigen Rückmeldungen auf solche Artikel. Wir lassen uns davon nicht beeinflussen.

Quelle: Die Kirche, Evangelische Wochenzeitung für Berlin, Brandenburg und die schlesische

Oberlausitz, 14.07.2004. Übernahme mit freundlicher Genehmigung der Autorin.  nach oben

 

4.6.2021 Antrag auf Einrichtung einer AG zur seelsorgerischen Begleitung von Angehörigen neuapostolischer Amtsträger, die als Mitarbeiter für die Stasi tätig waren (vom April 2012)

Vorbemerkung: Mit großer Enttäuschung wurde vom Gesprächskreis "Toleranz im Glauben" Hamburg die Ablehnung des Antrages auf Einrichtung einer AG durch die NAK zur seelsorgerischen Begleitung von Angehörigen neuapostolischer Amtsträger aufgenommen, die sich zur Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR bereit erklärten:

"Lieber Bischof Johanning,

Im Rahmen der konsequenten Weiterführung der Recherchen zum Forschungsprojekt "Neuapostolische Kirche in der DDR" wurde mir nun weiteres umfangreiches Material von der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) zugesandt.

Da in den Unterlagen weitere neuapostolische Amtsträger als inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der ehemaligen DDR aktenkundig sind, schlage ich zusammen mit den Mitgliedern des Gesprächskreises "Toleranz im Glauben" Hamburg im Vorfeld der Veröffentlichungen die Einrichtung eines Arbeitskreises zur seelsorgerischen Aufarbeitung der Zusammenarbeit und Verstrickung von neuapostolischen Amtsträgern, welche damals in der DDR in der Verantwortung standen, vor. Wir möchten damit den Familienangehörigen der Betroffenen, welche als IM des MfS über die Herausgabe der entsprechenden Unterlagen durch die BStU bekanntgeworden sind, die Möglichkeit schaffen, mit ihren Sorgen und Ängsten angenommen zu werden, da uns beispielsweise mitgeteilt wurde, dass die Söhne des damaligen Bezirksapostels Kurt Kortüm (IM "Kurt Siegmund") seelisch sehr darunter leiden, dass ihr Vater als IM des DDR-Geheimdienstes tätig war.

Ich stelle hiermit einen Antrag auf Einrichtung eines Arbeitskreises zur obig erwähnten Problematik. Über meine Kontakte zur Freien Evangelischen Gemeinde, welche schon vor Jahren verantwortungsvoll und umsichtig einen solchen Arbeitskreis einrichteten, würde ich gerne vermittelnd tätig werden, damit unsere Kirche von den Erfahrungen profitieren kann.

Ich bitte meinem Antrag stattzugeben und verbleibe mit herzlichen Grüßen.

Olaf Wieland

Leiter Gesprächskreis "Toleranz im Glauben" Hamburg"

Antwort von Apostel Walter Drave am 18. Mai 2012:

"Lieber Bruder Wieland,

ich möchte Ihnen auf Ihre Nachricht mit folgenden Gedanken und Hinweisen antworten:

Nach sorgfältiger Beschäftigung mit ihrem Anliegen bin ich in Abstimmung innerhalb der AG "Geschichte der NAK" zu der Erkenntnis gekommen, dass Sie eine Art von Selbsterfahrungsgruppe ins Leben rufen wollen. Zwar sind Sie vom Stammapostel an die AG GNK verwiesen worden, aber Seelsorge für Angehörige von (wirklichen oder vermeintlichen) IMs ist nicht die Aufgabe der AG "Geschichte der NAK".

In der Sache möchte ich Ihnen mitteilen, dass die AG grundsätzlich ihre Einschätzung, die 2004 bekannt gemacht wurde, nicht geändert hat. Ich sehe auch vor dem Hintergrund der uns bisher von der Behörde des Bundesbeauftragten überlassenen Materialien nicht zu einer Änderung veranlasst.

Ich möchte meinerseits die Bitte äußern, mir genauere Angaben - insbesondere Aktennummer etc. - über das Ihnen überlassene Material zu machen, damit die AG bei der Behörde die Herausgabe des Materials an uns beantragen kann, denn eine direkte Weitergabe von Kopien ist bekanntlich nicht zulässig.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Walter Drave"

Nachbemerkung:

Ende Juli 2018 erfolgte auf Betreiben und Druck des Gesprächskreises "Toleranz im Glauben" Berlin/Hamburg die Entfernung der unsachgemäßen Stellungnahme zur "Aufarbeitung der DDR-Zeit" auf der Homepage der Neuapostolischen Kirche International vom 09. Juli 2004, in der behauptet wurde, dass "es weder ein Anbiedern der damaligen Kirchenleitung im Osten noch Vergünstigungen der NAK durch das DDR-Regime gegeben habe."

Schon am 20.07.2010 wurde über einen Offenen Brief des Gesprächskreises "Toleranz im Glauben" Hamburg an den damaligen Stammapostel Dr. Wilhelm Leber diese Stellungnahme der Neuapostolischen Kirche International kritisiert und um Entfernung gebeten.

Offener Brief vom Juli 2010 an Stap Leber online im Internet: https://qv-nak.lima-city.de/leber1x.pdf, Zitat daraus:

Veröffentlichung der Forschungsarbeit über die Neuapostolische Kirche in der DDR „Sozialistische Staatsbürger neuapostolischen Glaubens"

“ Lieber Stammapostel Leber,

die Ablehnung des Apostel Drave gegenüber unseren Forschungsaktivitäten in seiner Mitteilung vom 29. 03. 2010 und die Antwort des Apostel Böttcher vom 30. 06. 2010 auf den Brief des Gesprächskreises „Toleranz im Glauben“ Hamburg vom 01. 06. 2010 erfordert eine klärende Stellungnahme Ihrerseits.

1. Warum steht der Apostel Drave i. R. für die von uns „angeschnittenen Fragen“ zur DDR Vergangenheit nicht zur Verfügung, obwohl er als Vorsitzender der AG „Geschichte der NAK“ weiter für Fragen zur Geschichte der NAK verantwortlich sein sollte? Wie wollen Sie als Stammapostel dieser Verantwortungslosigkeit begegnen?

2. Um nach Veröffentlichung meiner beiden Forschungsberichte im Jahrbuch für Freikirchenforschung 20073 und 2009 die dritte zusammenfassende Forschungsarbeit „Sozialistische Staatsbürger neuapostolischen Glaubens“ als Monographie zu publizieren, erbat ich mir nach der ablehnenden Antwort von Apostel Drave i. R. Unterstützung von Apostel Böttcher, welcher aber folgende Fragen aus unserem Brief einfach nicht beantwortete ohne Angabe eines Grundes:

„1. Welchen Beitrag haben Sie im Kontext mit der Geschichtsaufarbeitung zur Thematik „NAK in der DDR“ geleistet und in welchem Umfang können Sie mich mit Ihrem Wissen als Zeitzeuge oder mit Unterlagen aus kirchlichen Archiven in meiner abschließenden zusammenfassenden Forschungsarbeit unterstützen?

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Arbeit des Gesprächskreises „Toleranz im Glauben“ von Apostel Drave am 18. 07. 2005 während des Treffens in der Kirchenverwaltung Hamburg-Eppendorf zur Thematik „NAK in der DDR“ gewürdigt und gelobt wurde.

2. Wie bewerten Sie eine Tätigkeit als inoffizieller Mitarbeiter der Sicherheitsorgane der ehemaligen DDR durch kirchliche Amtsträger in glaubensbezogener, ethischer Hinsicht “

Auch die Frage nach Einrichtung eines Fonds für neuapostolische Kirchenmitglieder, welche mit ihrer Forschung publizistisch tätig sind, wurde von Apostel Böttcher ignoriert [...]

3. Da nun die Materialien von der Birthler-Behörde vorliegen, ist die Frage berechtigt, wann und wie (als dritter Informationsabend, in der neuapostolische Hauszeitschrift „Unsere Familie“ oder auf der Website NAKI ? ) eine offizielle Stellungnahme der neuapostolischen Kirchenleitung zur IM-Tätigkeit des Bezirksapostels Kurt Kortüm ( IM „Kurt Sigmund“ ) und des Bezirksapostels i. R. Willy Adam ( IM „Willy“ ) und allgemein zur Rolle der NAK in der DDR erfolgt, damit ich mich dieses Jahr 2010 für meine abschließende Forschungsarbeit darauf beziehen kann. Am 04. 12. 2007 haben Sie zum Ende des Informationsabends explizit darauf verwiesen, dass eine offizielle Stellungnahme zur „Situation der Kirche in der ehemaligen DDR“ sowie auch zur „Geschichte der NAK in der Zeit des Nationalsozialismus“ erfolgen soll.

4. Die Stellungnahme der Kirchenleitung zur „Aufarbeitung der DDR-Zeit“ vom 09. 07. 20049 ist unbefriedigend, weil nur ausgedrückt wird, dass man sich seit zwanzig Jahren nach dem Fall der Mauer im Stadium der Bemühungen befindet. Auffällig bzw. widersprüchlich ist der Hinweis, dass sich >>weder ein “Anbiedern“ der damaligen Kirchenleitung im Osten noch Vergünstigungen durch das DDR-Regime ableiten<< lasse.

Die NAK stellt sich damit quasi bewusst oder unbewusst selbst eine Unbedenklichkeitsbescheinigung aus, obwohl – wie sie selbst behauptet – die Recherchen noch nicht abgeschlossen seien. weiterlesen

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„Vom Segen gemeinsamer Arbeit“1 Neuapostolische Kirche (NAK) und das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der damaligen DDR von Olaf Wieland

Quelle: BERLINER DIALOG • Schein und Sein • BD 31 • Allerheiligen 2014 • ISSN 0948-0390

Link: bd31_s03.pdf (religio.de)

Foto: Archiv Gesprächskreis "Toleranz im Glauben" Berlin/Hamburg

Dr. KLaus Gysi, der Vater von Gregor Gysi, bei einem Treffen mit führenden Vertretern der NAK am 11. April 1988 im Rosen-Salon des Palasthotels in Ostberlin. Von links: BezAp. Fritz Schröder (Ostberlin), Günter Behnke (Abteilungsleiter beim Staatssekretär für Kirchenfragen Dr. Gysi), BezAp. Fritz Nehrkorn (Sachsen/Thüringen), Stap. Richard Fehr (Schweiz), BezAp. Arno Steinweg (Niedersachsen/Westberlin),  Dr. KLaus Gysi (Staatssekretär für Kirchenfragen der DDR),  Ap. Wilfried Klingler (Niedersachsen), Ap. Paul Hepp ( Baden-Württemberg, Bayern), BezAp. Wilhelm Pusch (Berlin-Brandenburg, Verbindungsmann zur DDR-Regierung), BezAp. Siegfried Karnick (Sachsen-Anhalt), BezAp Hermann Engelauf (Nordrhein-Westfalen), BezAp Willy Adam und IM "Willy" des MfS (Mecklenburg-Vorpommern), Bezirksältester Werner Simon (Ostberlin), Bischof Rüdiger Schönleiter (Ostberlin) 

Von den Freikirchen sind verschiedene publizierte Selbstreflexionen über ihre Existenzbedingungen in der ehemaligen DDR bekannt.2Auch zur „Geschichte der Zeugen Jehovas“ in der DDR-Zeit sind inzwischen zahlreiche Arbeiten erschienen.3 Im Vergleich dazu ist die Neuapostolische Kirche mit ihren „über 120.000 Mitgliedern in ca. 1000 Gemeinden“4 und damit zahlenmäßig größte im Spektrum der kleinen Religionsgemeinschaften in der ehemaligen DDR5 „bis jetzt noch nicht genügend ins Blickfeld der Forschung gekommen.“ 6

Diese Tatsache wird damit begründet, dass die Neuapostolische Kirche „neben dem Verzicht auf massive öffentliche Kirchenkritik, auch durch ihre bewusste Ghettoexistenz und dem Vermeiden von allem, was auf besondere Weise auf sie aufmerksam machen könnte, kaum ins Bewusstsein der Öffentlichkeit getreten“ sei.7 Aufgrund der zahlenmäßigen Stärke der NAK, ihrem „rapiden Mitgliederanstieg in der DDR“8 und „vermöge der Tatsache, dass ihre Mitgliederschaft zu einem großen Teil aus der Arbeiterschaft kam, dass dadurch eine nicht ganz kleine Anzahl Mitglieder in der SED waren“, war sie „für die Behörden ebenso interessant wie suspekt.“ 9 Neben der Parteizugehörigkeit neuapostolischer Mitglieder zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) mit ihrem Bekenntnis zum Marxismus/Leninismus war beispielsweise „das politische Engagement eines neuapostolischen Gemeindeevangelisten als SED-Parteisekretär 10 oder die Funktion als Offizier bei der Militärstaatsanwaltschaft in Straußberg für die neuapostolische Kirchenführung kein Widerspruch in sich: „Nach einem von mir gehaltenen Vortrag vor Offizieren 1986 bekannte sich in einem persönlichen Gespräch über kirchenpolitische Entwicklungen in der DDR ein hoher Offizier sehr offen und selbstbewusst zu seinem neuapostolischen Glauben und erzählte, dass er gerne an seine Erlebnisse in der Kinder- und Jugendzeit innerhalb der NAK zurückdenke.“ 11

Blick zurück nicht notwendig?

Zwangsläufig wurde die Neuapostolische Kirche in der DDR mit dem Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) konfrontiert. Interessant ist die Frage, wie verhielt sich die „wiederaufgerichtete Kirche Christi nach dem Vorbild des ersten Christentums“ mit ihrer „entschiedenen Ablehnung anderer religiöser Lehrinhalte und des vertretenen Anspruchs, die einzig wahre Kirche zu sein“ 12 gegenüber dem repressiven Überwachungsorgan der DDR? Nach Aussage des damaligen Leiters der AG „Geschichte der Neuapostolischen Kirche“, Apostel Walter Drave aus Hamburg, wurde dieser Frage bisher nicht nachgegangen, da man sich als neuapostolische „Glaubensbrüder mit dem Wiederkommen des Herrn beschäftigte und ein Zurückblicken auf historische Tatsachen nicht notwendig“ 13wäre. Im Kontrast zu dieser Aussage sah es die neuapostolische Kirchenleitung dann doch als notwendig an, am 19.12.2000 einen verspäteten Antrag auf Akteneinsicht beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Ministeriums für Staatsicherheit der ehemaligen DDR (BStU) 14 zu stellen. Der damalige Stammapostel Dr. Wilhelm Leber bekräftigte dieses Vorgehen der AG „Geschichte der Neuapostolischen Kirche (GNK)“ zwischenzeitlich auf einem Informationsabend der NAK im Jahr 2007, indem er die Aufarbeitung der Geschichte der NAK im Nationalsozialismus – welche bisher auch erfolgreich verdrängt wurde – sowie „der Situation unserer Kirche in der ehemaligen DDR“ 15 in Aussicht stellte. Seit diesen Ankündigungen, Anträgen und Absichtserklärungen der neuapostolischen Kirchenleitung wird die Geschichtsaufarbeitung verschleppt und einer moralischen Einordnung der Ereignisse konsequent ausgewichen,16 denn das Ausmaß der „historisch belegbaren Kollaboration der NAK mit dem menschenverachtenden NSRegime“ 17 und der „unbegrenzte Opportunismus“ 18 der NAK in der DDR wird durch das Engagement unabhängiger Forscher 19 und deren Veröffentlichungen immer offensichtlicher. Das weiterhin elitäre Selbstbild der NAK im Sinne der Strukturen einer klassischen Sekte und ihr Auserwähltheitsanspruch 20 verhindert bisher eine Auseinandersetzung mit Schuld und dem konkreten eigenem Versagen.21 In der Neuapostolischen Kirche konnten die Staatsfunktionäre der DDR „ihren Traum von einer staatsbraven Kultkirche, die ihre Mitglieder zum Gebet und zum Gehorsam gegenüber dem Staat ermahnte“ 22 als verwirklicht ansehen. Der Staatssekretär für Kirchenfragen Dr. Klaus Gysi äußerte bei Treffen mit hochrangigen Vertretern der NAK 23, dass, „wenn er nicht schon weltanschaulich gebunden wäre“, für eine Mitgliedschaft seinerseits in einer religiösen Gemeinschaft „nur die Neuapostolische Kirche in Frage käme.“24

Apostel als „Inoffizielle Mitarbeiter“

Das Zusammenwirken neuapostolischer höherer Amtsträger mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der ehemaligen DDR gestaltete sich harmonisch. Während beispielsweise von den zahlreichen neuapostolischen inoffiziellen Mitarbeitern (IMs) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), die auf freiwilliger Grundlage „nach Aktenlage und Verpflichtungserklärungen als Spitzel und geistliche Agenten der Geheimpolizei zuarbeiteten und Kircheninterna verrieten25, der inoffizielle Mitarbeiter der Sicherheitsorgane Bezirksapostel Kurt Kortüm (IM „Kurt Sigmund“) aus Leipzig sich zur Informationsübermittlung – bei der er ausführlich antisemitische Klischees benutzte, Anklagen gegen die evangelische Kirche vorbrachte sowie den Grundwehrdienst in der DDR ohne Waffe als Bausoldat in der DDR abwertete – mit seinem Führungsoffizier in einer konspirativen Wohnung traf 26 , erfolgten die „Zusammenkünfte“ mit dem Bezirksältesten Gerhard Wolter aus Stralsund (IKMO 27 „Gerhard“) „immer im Dienstzimmer des IKMO bzw. in dessen Privatwohnung.“ 28

Der Bezirksapostel Willy Adam (IM „Willy“) sah sich verpflichtet, sogenannte „Hetzbriefe“29 sofort an die Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit zur Auswertung weiterzuleiten.30 Ein neuapostolischer Vorsteher (Gemeindeleiter) unter dem Decknamen IKMO „Hirte“ - eine Decknamenentschlüsselung wurde beantragt und eingeleitet – sprach sich im Gespräch mit seinem Führungsoffizier in unsolidarischer und unchristlicher Art und Weise für eine konsequente Verfolgung der in der DDR seit 1950 verbotenen Zeugen Jehovas aus. Infolge Anweisungen durch die neuapostolische Kirchenleitung kam es vor, dass Zeugen Jehovas, welche Gottesdienste der Neuapostolischen Kirche besuchten, „bei der Polizei denunziert wurden.“ 31 Die im Sinne der DDR-Staatsführung vorbildliche Neuapostolische Kirche diente im DDR-Strafvollzug „oft als Argument für Belehrungen von Strafgefangenen, wie man sich als sozialistische Staatsbürger zu verhalten hätte: 32 „Während meiner Haftzeit beim MfS (1984/85, § 220) kam unterschwellig von Seiten des Vernehmers zum Ausdruck, dass gerade die ‘kleinen Kirchen’ und, Sie entschuldigen bitte den Ausdruck die ‘Sekten’, doch vielmehr zu dem DDR-Staat standen als die evangelische Kirche. So z.B. wurde mir gesagt, dass es innerhalb der NAK keine Leute gab, die den Wehrdienst total verweigerten. Außerdem, so erfuhr ich in der Stasi-Untersuchungshaft in Frankfurt, ‘hätten neuapostolische Christen doch wenigstens die Jugendweihe erhalten’.33

Bezirksapostel Wilhelm Pusch als ein „im Auftrag des MfS“ 34 reisender Begünstigter des Ministeriums für Staatssicherheit und ehemaliger Angehöriger der Deutschen Volkspolizei, welcher „gelegentlich auch Kontakte zu dem langjährigen Leiter des Ministeriums für Staatssicherheit Erich Mielke unterhielt“ 35, hatte das Privileg, ohne Kontrolle die Grenzübergänge in Berlin zu passieren, beispielsweise für die Einfuhr von „Ersatzteilen für seinen Mercedes“. Nach Aussage des ehemaligen Leiters der Evangelischen Allianz Berlin 36 ist die Mitgliedschaft von Heinz Mielke, dem Bruder des Ministers für Staatssicherheit der DDR Erich Mielke, zum neuapostolischen Glauben belegt. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die neuapostolischen Gemeindemitglieder ihre Missionsarbeit vorwiegend im Bekannten- und Familienkreis praktizieren. Der Apostel Q. aus Sachsen galt als „sozialistischer Leiter“. Lob bekam er für seine „Funktion als Kommandeur einer ZV-Führungsgruppe“, welcher er „voll gerecht (Stärke: 10 Mann)“ 37 wurde. Im Jahr „1988 erklärte er sich noch gegenüber dem Ministerium für Staatssicherheit bereit, Kirchenmitglieder von etwaigen Plänen zur Republikflucht abzubringen.“ 38 Die Verbindung zur Staatssicherheit nutzte man aber auch zielgerichtet, um persönliche Vorteile und Vergünstigungen für sich oder die Gemeinde zu erlangen, wie Reisen in die BRD und Beschaffung von PKWs westlicher Fabrikation. Viele neuapostolische Amtsträger ließen sich vereinnahmen, indem sie regelmäßige Angebote für „dreiwöchige Erholungsaufenthalte“ in den Gästehäusern des Staatssekretärs für Kirchenfragen in Anspruch nahmen. Mit diesen Erholungsaufenthalten sollte die Arbeit der „fortschrittlichen und loyalen Geistlichen“ 39 in der DDR gewürdigt werden. Der Bezirksälteste Gerhard Wolter als inoffizieller kriminalpolizeilicher Mitarbeiter für operative Aufgaben (IKMO „Gerhard“) wurde jährlich mit einer Urlaubsreise in ein Gästehaus des Staatssekretärs für Kirchenfragen ausgezeichnet. Auf der Grundlage dieser Zusammenarbeit konnte sich die NAK über ihren Verbindungsmann zur DDR-Regierung Bezirksapostel Wilhelm Pusch mit folgenden Worten selbst empfehlen: „Unsere Regierung hatte nie Schwierigkeiten mit der Neuapostolischen Kirche, sondern gerade in heutiger Zeit eine nötige Ruhe- und Friedensbasis.“ 40

 

Stasi baut Kirche für die NAK

Foto: Archiv Gesprächskreis "Toleranz im Glauben" Berlin/Hamburg

Auch der Bau einer repräsentativen neuen Kirche (Kapazität: 2500 Plätze) 1978/79 mit Hilfe des Wachregiments „Feliks Dzierzynski“ 41 in der Münsterlandstraße / Ecke Wönnichstraße 42 unter Ausstattung mit modernster westlicher Ton- und Übertragungstechnik (Einfuhr genehmigt von der DDR-Regierung) kann in diesem Zusammenhang gesehen werden, „so dass Bezirksapostel (seit 1976) Pusch in einem Schreiben anlässlich des 30. Jahrestages der DDR am 2.10.1979 die Großzügigkeit des Baues rühmen und als ‘Zeichen des Verständnisses unserer Regierung für die Belange kirchlicher Einrichtungen’ werten konnte.“ 43 Die Errichtung dieses neuen Kirchengebäudes wurde notwendig, weil sich die NAK in der Normannenstraße 20 ca. 10 Meter neben dem Dienstgebäude des Ministeriums für Staatssicherheit befand, so dass eine übersichtliche Einsichtnahme durch die Neuapostolische Kirche in das MfS-Dienstgebäude und den Eingängen jederzeit möglich war. „Aus Sicherheitsgründen“ strebte das MfS darum eine Verlagerung der NAK an, welche dann „durch größtmöglichstes Entgegenkommen der DDR-Regierung“44 mit dem Ersatzbau einer Neuapostolischen Kirche in der Münsterlandstraße / Ecke Wönnichstraße realisiert wurde.45 In internen Schreiben der leitenden Verantwortlichen des MfS und Vertretern der DDR-Regierung wurde angewiesen, das die Verlagerung der NAK bei Nachfragen mit dem Argument „aus Bebauungsgründen“ und nicht „aus Sicherheitsgründen“ 46 erklärt werden sollte. Schon vor dem Bau der Mauer am 13.8.1961 waren dem Ministerium für Staatssicherheit die regelmäßigen Zusammenkünfte der neuapostolischen Gemeindemitglieder in der Normannenstraße, welche zum größten Teil aus Westberlin mit ihren modernen PKWs monatlich im Wechsel zum sogenannten Schulchorsingen 47 anreisten, ein ständiger Störfaktor. Die in der Umgebung der Normannenstraße wohnende Berliner Bevölkerung vermutete hinter diesen Zusammenkünften die Tätigkeit einer „amerikanischen Sekte“.

Foto: Archiv Gesprächskreis "Toleranz im Glauben" Berlin/Hamburg

Betroffene NAK-Mitglieder

Trotz der perfekt anmutenden Anpassungsleistung der Neuapostolischen Kirche in der DDR bleibt ein starkes Unbehagen, denn selbst neuapostolische Glaubensgeschwister, welche mit dem damaligen DDR-Staat in Konflikt kamen, konnten auf kein Verständnis von ihrer Kirche hoffen: „Aufgrund von Aussagen vom Hörensagen darf wohl davon ausgegangen werden, dass neuapostolische Christen von dem Ministerium für Staatssicherheit für eine Bespitzelung von Glaubensgeschwistern in den Gemeinden gewonnen wurden, darunter auch ehrenamtlich arbeitende Seelsorger. Glaubensgeschwister, die von den Behörden aufgrund eines durch Bespitzelung ermittelten Fehlverhaltens nach dortigem Recht (z.B. Fluchtversuch) zur Rechenschaft gezogen und mit Freiheitsstrafe belegt wurden, haben in der Haft schlimmste psychische und sexuelle Gewalt aushalten müssen.

Doch die Sanktionen durch die Gemeindeleitung nach Entlassung aus dem Gefängnis haben die Betroffenen als wesentlich gravierender, belastender, traumatisierender erlebt. So wurden Betroffene beispielsweise von der Abendmahlfeier ausgeschlossen und per Anordnung dazu gezwungen, erst nach Gottesdienstbeginn entweder auf der Empore oder in einem abgeteilten Raum den Gottesdienst zu erleben und vor dem Ende das Kirchengebäude zu verlassen. Und das über Monate! Als kaum aushaltbar wurde das Schweigen, das Ausgegrenztwerden, das Nichtbeachtetwerden beschrieben. 48 Ein von diesen Sanktionen und von Diskriminierung durch die neuapostolische Kirchenleitung Betroffener wandte sich mit einem Schreiben an den heutigen Stammapostel Jean-Luc Schneider u.a. mit folgenden Ausführungen: „Während ich zur Willkür des DDRMachtapparates nicht schwieg und als Christ widerständig handelte, verrieten Amtsträger der NAK die eigenen Geschwister.“

Während ich überlebte und 1971 von der deutschen Regierung freigekauft wurde, beleidigte mich der damalige ‘Bezirksapostel’ Arno Steinweg, stellvertretend für alle in politischer Haft in der DDR befindlichen Opfer der Gewaltherrschaft, als ‘Krimineller’, ohne sich dafür je entschuldigt zu haben.“ 49

Warten auf Antworten

Der Stammapostel der Neuapostolischen Kirche Jean-Luc Schneider reagierte nach längerer Zeit auf dieses Schreiben, indem er den Fragen auswich, den Sachverhalt verharmloste und darauf verwies, man befände sich noch im Stadium der Bemühungen in der Aufarbeitung der eigenen Geschichte. Ein nachfolgender Offener Brief des Gesprächskreises „Toleranz im Glauben“ Berlin/Hamburg mit erneuter Forderung nach einer konkreten Beantwortung von Fragen zur Thematik „NAK in der DDR“ vom 20.9.2013 blieb unbeantwortet.50 Entgegen der Verharmlosung führte die 1960 in Stralsund geborene Kerstin Kaiser 51 über ihre Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst aus:

 „Ich kann sagen: Ich wollte niemanden denunzieren. Nie. Und ich muss aus heutiger Sicht sagen: In dem Moment, da man sich bereiterklärt, Gespräche mit einem Geheimdienst zu führen, nutzt dieses Wollen nichts mehr. Es liegt nicht mehr in der eigenen Hand, ob man jemanden denunziert oder nicht. Einfach deshalb nicht, weil es nicht in der eigenen Hand liegt, was mit den gegebenen Informationen getan wird. Die beste Absicht kann die schlimmsten Folgen haben, denn die Folgen bestimmt der Geheimdienst, nicht die Informantin.“ 52

Der derzeit amtierende und durch ein Anschreiben vom 10.2.2014 53 mit der Problematik konfrontierte Kirchenpräsident /Bezirksapostel der Gebietskirche BerlinBrandenburg K.d.ö.R. (Körperschaft des öffentlichen Rechts) Wolfgang Nadolny verweigerte in seinem Antwortschreiben vom 24.2.2014 eine Stellungnahme zur Tätigkeit hochrangiger Vertreter der Neuapostolischen Kirche als inoffizielle Mitarbeiter (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der ehemaligen DDR. Auf die Neuapostolische Kirche in der DDR mit ihrem praktizierten vorauseilendem Gehorsam und „unbegrenzten Opportunismus54 treffen die Ausführungen der Schriftstellerin Salomea Genin im besonderem Maße zu: „Einst hatte ich hauptsächlich vor brutalen Nazis Angst. In der DDR lernte ich, dass die weit gefährlicheren Menschen Opportunisten und Anpasser sind, die das Funktionieren von Diktaturen erst ermöglichen und dann hinterher sich oft zu ihren Opfern erklären.“ 55

Aufgabe

Die Neuapostolische Kirche als K.d.ö.R56 ist aufgerufen, die zentralen Themen des christlichen Glaubens der Auseinandersetzung mit Schuld und Versagen aus dem Geist der Versöhnung heraus in den öffentlichen Diskurs einzubringen und 25 Jahre nach dem Fall der Mauer ihren lange schon fälligen Beitrag zur gesellschaftlichen Verantwortung der Theologie zu leisten sowie selbstkritisch in diesem Kontext zu bekennen, dass sie „aus pragmatischen Erwägungen und in weltabgewandter Frömmigkeit der Versuchung zur Anpassung oft erlegen war.“ 57

Quellenangaben zum Artikel  „Vom Segen gemeinsamerArbeit“

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Offener Brief an den Bezirksapostel i. R. Willy Adam Neuapostolische Kirche Mecklenburg 20. August 2004

(Quelle im Netz Adam-Unterstuetzung-des-Herrschaftsapparates-der-SED-als-inoffizieller-Mitarbeiter-IM.pdf (nak-info.de) )

Von: Gesprächskreis „Toleranz im Glauben“ Kritiker und Aussteiger der Neuapostolischen Kirche, KISS Hamburg Wandsbeker Chaussee 8, 22089 Hamburg

Betr.: Unterstützung des Herrschaftsapparates der SED als inoffizieller Mitarbeiter ( IM )

[…] Der seit seiner Amtseinsetzung am 31. Dezember 1958 amtierende Apostel Kurt Kortüm hat den Sicherheitsorganen des SED – Herrschaftsapparates über eine freiwillige Verpflichtungserklärung jahrelang und intensiv als IM „Kurt Sigmund“ zugearbeitet und dabei Interna der NAK preisgegeben. Er traf sich konspirativ mit einem Offizier des Ministeriums für Staatssicherheit und nahm dabei wissentlich durch das MfS vermittelte persönliche Vergünstigungen an. Regelmäßige Treffen mit den Sicherheitsorganen in konspirativen Wohnungen ( TQ ) wurden durch den IM Apostel „Kurt Sigmund“ ausdrücklich als eine sehr gute Lösung angesehen. Diese Einstellung kann man nicht als kritisch distanzierte Staatsloyalität unter Bewahrung christlicher Identität bezeichnen noch mit dem Obrigkeitskapitel aus der Bibel legitimieren.[…]

Im Zusammenhang mit der belohnten Spitzeltätigkeit hoher neuapostolischer Amtsträger für eine weltliche Diktatur wurden Sie parallel zum IM „Kurt Sigmund“ der Öffentlichkeit als IM „Willy“ bekannt, der für sein positives d. h. erfolgreiches Zutragen von Informationen als damaliger Bischof – dem Mutteramt der NAK – in regelmäßigen Abständen mit Sach- und Geldprämien motiviert wurde, die Sie ausnahmslos annahmen. Entsprechende Quittungen für finanzielle Zuwendungen für den IM „Willy“ >>in Würdigung seiner gezeigten Leistungen<

An den Bezirksapostel Tiedt der NAK Mecklenburg gerichtete kritische Briefe übersandten Sie sofort den Sicherheitsorganen , die dann bei der Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit in Schwerin, Demmlerplatz beim Genossen Köhn ausgewertet wurden ( s. Schreiben vom 28. 04. 1969 ). Hier bleibt zu überprüfen, in welchem Ausmaß die Personen durch Ihr denunzierendes Verhalten der Verfolgung ausgesetzt wurden und Schaden erlitten haben.

Ihr überdurchschnittliches konkludentes Verhalten, ihre Servilität und der vorauseilende Gehorsam unter Mißachtung von Apg. 5, 29 gegenüber den Machthabern der DDR - nicht in kritischer und distanzierter Haltung unter Bewahrung christlicher Identität, sondern als inoffizieller Mitarbeiter der Sicherheitsorgane und Diener zweier Herren - ist in Stasiunterlagen dokumentiert. Als Prinzip der Sicherheitsorgane bei der Arbeit mit ihren inoffiziellen Mitarbeitern, den sogenannten „Hauptkräften im Kampf gegen den Feind“, galt: Der IM bestimmt den Zeitpunkt des Treffs selbst.

Sie erfüllten die Erwartungen der Sicherheitsorgane peinlichst genau auf freiwilliger Grundlage. Das belegt folgender Brief an den Leutnant Schultze vom 29. 01. 1969 sowie ein Treffbericht vom 30. 05. 1969:

>Lieber Herr Schulze! Anliegend überreiche ich einen Antrag für Herrn ....... mit der Bitte um Genehmigung. Gleichzeitig möchte ich zurückkommend auf unser kürzliches gehabtes Gespräch anfragen, ob es Ihnen gelegen ist, wenn wir uns am Freitag den 7. Februar 1969 nachmittags gegen 14.00 Uhr über das angeschnittene Thema unterhalten können. Dieses ist selbstverständlich nur ein Vorschlag von mir. Falls es Ihnen zu einem anderen Zeitpunkt besser passen sollte, werde ich bemüht sein, mich danach zu richten. Im übrigen hoffe ich, daß es Ihnen gut geht und verbleibe in der Erwartung Ihrer Nachricht Mit freundlichen Grüßen Ihr W. Adam

>>Treffbericht Am 30. 05. 69 um 14.30 Uhr erfolgte durch den Unterzeichner der geplante Treff mit dem IM - „Willy“ in dessen Diensträume in Schwerin Bäckerstr. 07. Der IM war auf diesen Treff vorbereitet. Sein Verhalten war ruhig und ausgeglichen. (.... ) Abschließend brachte der IM dann noch zum Ausdruck, daß er, wenn er in Schwerin zu tun hat, und das wird des öfteren sein, beim Unterzeichner vorsprechen wird um so die Kontakte weiter aufrecht zu erhalten. Hiermit wurde der Treff beendet.<<

Verwerflich und entgegen jeder christlichen Ethik gaben Sie in einem Gespräch mit den Sicherheitsorganen der DDR in den Diensträumen der Neuapostolischen Kirche Schwerin Bäckerstraße 07 am 30. 05. 1969 ( im Treffbericht dokumentiert ) negative Hinweise und Auskünfte über eine Glaubensschwester und ihr Privatleben , ohne dazu befragt worden zu sein und machten sich damit einer vorsätzlichen Denunziation schuldig . Die negativen Ausführungen waren derart gestaltet, das die Glaubensschwester in die Nähe eines asozialen Verhaltens gerückt wurde, was in der Ulbricht – Ära harte Bestrafung nach sich zog. Motiv der Denunziation war Ihre Verärgerung über einen unregelmäßigen Gottesdienstbesuch der Glaubensschwester, was als schwere Sünde und heute immer noch im Katechismus der NAK als Sünde angeprangert wird.

Auch hier bleibt zu überprüfen, in welchem Maß die betroffene Glaubensschwester durch Ihr unchristliches Verhalten Schaden ( soziale Ausgrenzung, Demütigung, Verhöre , Haft ) erlitten hat. Für eine eventuelle Rehabilitierung wäre dann die NAK zuständig. Die Mitgliedschaft von Amtsträgern der NAK in der SED mit ihrem Bekenntnis zum Atheismus war eigenartigerweise kein Widerspruch für Sie. Die Mitglieder des Gesprächskreises „Toleranz im Glauben“ Hamburg fragen :

Gehörten Sie als IM „Willy“ und späterer Bezirksapostel der NAK Mecklenburg der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands an, ähnlich Ihrem Vorgänger Bezirksapostel Tiedt, der bereits unter einer anderen Diktatur am 01. Mai 1937 durch seinen Eintritt in die NSDAP Parteigenosse wurde ? Im NS - Staat brachten Sie es bis zum Dienstgrad eines Feldwebels. War damit eine Mitgliedschaft in der NSDAP zwangsläufig ?

Der Gesprächskreis „Toleranz im Glauben“ fordert Sie auf, Stellung zu nehmen auf diesen offenen Brief. […] Wir geben zu bedenken, daß bei Ihrer Stellungnahme undifferenzierte Rechtfertigungen uns, den Opfern der DDR – Staatsgewalt und hauptsächlich der NAK in ihrem Öffnungsprozess nicht weiterhelfen. Selbstgerechtes Schweigen ist auch keine Lösung. Im Gegenteil. Mit jedem Tag Ihres Schweigens sinkt die Glaubwürdigkeit der NAK. Die Aufarbeitung und die damit verbundenen Auseinandersetzungen sind notwendig und unvermeidlich. […] 

Gesprächskreis „Toleranz im Glauben“ Hamburg

Für das Forscherteam  Olaf Wieland / Sergio Cuscito

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Anmerkungen 2021

NAK-Mecklenburg

  • Willy Adam :03. April 1960 Bischof; 20. März 1977 Apostel; 07. September 1980 Bezirksapostel; 16. Januar 1994 Ruhestand
  • Herbert Tiedt:  03. Juni 1951 Apostel; 01. Januar 1957 Bezirksapostel ; 07. September 1980 Ruhesetzung 

 

24.4.2021  BezAp Kurt Kortüm war Inoffizieller Mitarbeiter (IM Deckname „Kurt Sigmund) für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) -  Ein Geheimer Bericht über seine Anwerbung  durch die DDR-Sicherheitsorgane

Kortüm (* 25.05.1912 in Berlin; † 16.11.1979)  war von 1967 bis 1974 Bezirksapostel für die Neuapostolische Kirche Sachsen/Thüringen, angeworben mit 59 Jahren vom MfS im Jahr 1971

Zitat : "Kortüm versicherte, über Begegnungen dieser Art und dem dabei Besprochenen gegenüber Jedermann zu schweigen, da er sich immerhin bewußt sei, daß er ansonsten innerhalb seiner Kirche alles Vertrauen verlieren und sich unmöglich machen würde."

Abschrift: Geheimer Bericht des MfS (Hervorhebungen nicht im Original):

- Kriminalpolizei -                                                                                             Leipzig, den 07.09.71

                                                                                               K/I

Bericht

über die durchgeführte Werbung

Entsprechend meines Werbevorschlages vom 10.06.71 kam es am 07.09.71 in der Zeit von 10.00 bis 11.50 Uhr zu einer weiteren Zusammenkunft mit dem Kandidaten im Besucherzimmer. Er berichtete auf der Grundlage des bestehenden Kontaktes über eine am 05.08.71 in Berlin, Dunkerstraße (Gemeinde der NAK) stattgefundene, nicht gemeldete Veranstaltung mit der Teilnahme des Apostel (xxx) aus Kanada. Er hob hervor, daß diese Veranstaltung nicht nach außen bekannt werden sollte, weshalb er um besondere Diskretion dieser Angelegenheit bat, die ihm auch zugesichert wurde.

Auf Grund der geschaffenen Vertrauensbasis wurde mit der Werbung begonnen und an den Kandidaten die Frage gestellt, ob er sich bereit erklärt, in einer ständigen Zusammenarbeit mit mir solche Dinge zu besprechen und auszuwerten. Es  wurde ihm erklärt, daß es dabei grundsätzlich darauf ankommt, in einem Vertrauensverhältnis, das nur uns beide einbezieht solche Absprachen zu führen, die einem Informationsaustausch dienen, die im staatlichen Interesse sind und letztendlich auch der Kirche dienen. Dabei wurde bemerkt, daß die Mitglieder seiner Kirche Staatsbürger der DDR sind und letztendlich in dieser Richtung wirken.

Der Kandidat stellte darauf die Frage, wieso und warum ich ausgerechnet auf ihn gestoßen bin und ich mir für eine solche Zusammenarbeit nicht einen anderen Amtsträger gesucht habe.

Ihm wurde hierauf erklärt, daß er in seiner Funktion als Apostel über den gesamten Bereich des Apostelbezirkes Entscheidungsbefugnisse hat, er an zentralen Treffen teilnimmt, womit er über alle Vorkommnisse und Geschehen einmal innerhalb des ihm unterstehenden Territoriums informiert ist und andererseits er auch als erster über Beschlüsse und Weisungen informiert ist, die ihm von der Kirchenführung in Westdeutschland zukommen.Er selbst auch habe dann noch Möglichkeiten, in einer Zusammenarbeit mit mir darüber zu beraten, wie diese am besten, zum Wohle des Staates und seiner Kirche durchgesetzt werden können. Um also einen effektiven Austausch von Informationen zu gewährleisten, sei nur er in seiner Person und Funktion in der Lage.

Diese Offenheit beeindruckte ihn und er war in gewisser Beziehung darüber erfreut, daß ihm so viel Offenheit und Ehrlichkeit entgegengebracht wurde, worin er auch Vertrauen sieht.

Er führte dazu aus, daß Vertrauen zwischen Menschen sehr viel ausmachen kann, er in seiner Funktion jedoch hin und wieder erleben muß, wie das Vertrauen mißbraucht wird. So berichtete er darüber, daß in der letzten Zeit in Erscheinung trat, daß Mitglieder, die relativ kurze Zeit in der Gemeinde seiner Kirche als Mitglieder wirken, straffällig wurden. Erst in den letzten Tagen ist ihm wieder ein solches Beispiel aus der Gemeinde Plagwitz bekannt geworden, wo sich ein junger Mann, der erst durch Eheschließung mit einer Neuapostolischen in die Gemeinde aufgenommen wurde, sich sexuell an einer Jugendlichen vergangen hat.

Um dem Kandidaten zu beweisen, daß die Zusammenarbeit im staatlichen sowie auch im Interesse seiner Kirche zum tragen kommen soll, bot ich ihm an, Überprüfungen solcher Personen übernehmen zu wollen, die Antrag auf Aufnahme in seine Kirche stellen, damit er künftig keine Vorbestraften oder anderweitig labile bzw. negative Leute in die Gemeinden bekommt, die einen negativen Einfluß ausüben können. Der Kandidat bedankte sich dafür und gab an, daß er im entscheidenden Moment auf dieses Angebot von mir eingehen würde.

Ich selbst würde dadurch erreichen, Zugänge zur NAK in den einzelnen Gemeinden unter Kontrolle zu bekommen und wenn erforderlich, für uns geeignete Personen an der unteren Ebene so einzuschleusen, daß sie Vertrauen gewinnen und innerhalb der Kirche Entwicklungsmöglichkeiten haben.

Im Werbegespräch zeigte sich, daß der Kandidat einer Zusammenarbeit mit mir positiv gegenübersteht, zumal über solche Begegnungen keine Veröffentlichungen erfolgen und sie nur unter vier Augen erfolgen. Er bekräftigte dabei wiederholt, daß er Begegnungen beim Staatsapparat nicht so sehr wünscht.

Auf die konkrete Frage, ob er einer Zusammenarbeit mit mir zustimmt, sagte er, daß er keine Gründe hätte diese abzulehnen. Er erklärte, daß er sieht in mir einen sachlichen Partner zu haben und er sich gern in sachlichen Gesprächen mir anvertraut, auch wenn es dabei um Sachen geht, die innerhalb seiner Kirche internen Charakter tragen.

Die Vertraulichkeit der Zusammenarbeit, die bei der ersten Begegnung mit ihm bereits herausgearbeitet wurde, wurde nochmals bewußt und deutlich an den Kandidaten herangetragen.

Er versicherte, über Begegnungen dieser Art und dem dabei Besprochenen gegenüber Jedermann zu schweigen, da er sich immerhin bewußt sei, daß er ansonsten innerhalb seiner Kirche alles Vertrauen verlieren und sich unmöglich machen würde.

Mehr als Frage bedacht, bezeichnete er es wohl als eine Seltenheit, daß sich ein Funktionär der NAK in seinem Amte zu einer solchen Zusammenarbeit bereiterklärt. Ich sagte ihm daraufhin, daß diese Feststellung von ihm sicher zutrifft und ich das auch zu würdigen weiß und alles dazu beitragen will, das bestehende Verhältnis zwischen uns zu wahren, indem ich auch ihm bei der Klärung von für ihn schwierige Prozesse, behilflich sein will.

Festzustellen war, daß es der Kandidat wie einen Mißtrauensantrag aufnahm, als ich ihn fragte, ob er  auch schriftlich bereit sei zu geloben, nicht über die Zusammenarbeit mit mir als einen Vertreter der Sicherheitsorgane, gegenüber anderen Personen zu sprechen.

So stellte er die Frage, ob mir sein Wort als ein so hoher Amtsträger nicht genüge, zumal er in seiner Stellung wirklich zu keiner schriftlichen Erklärung bereit sei – jedenfalls zur Zeit nicht. Er erklärte mündlich, daß er dazu bereit ist, alle mich interessierenden Fragen mit mir zu besprechen und sich über solche Dinge ehrlich zu informieren, die ich für erforderlich erachte.

Über Zusammentreffen mit Amtsträgern im Territorium der DDR sowie über Begegnungen mit dem Stammapostel oder anderen Aposteln des  Auslandes, ist er bereit zu berichten.

Da ich das bestehende Vertrauensverhältnis nicht beeinträchtigen wollte, erfolgte eine Verpflichtung mit Händedruck, wobei er mir in die Hand versprach, immer offen und ehrlich über mich interessierende Probleme zu sprechen und zu berichten. Daß er über diese Zusammenarbeit mit niemanden spricht, wurde in diesem Händedruck einbezogen.

Der IM wird von mir unter den Decknamen „Kurt Sigmund“ geführt. Beim nächsten Treff erfolgt seine Einführung in das Treffquartier „Roß“. Im Gespräch wurde herausgearbeitet, daß dieser Einführung nichts im Wege steht, weil in der unmittelbaren Umgebung keine Mitglieder seiner Kirche wohnhaft sind. Bei der gesamten Werbung verhielt sich der IM ruhig und sachlich. Das zeigt seinen ausgewogenen und gefestigten Charakter; er steht zu dem Wort, was er sagt.

Mit dieser Werbung wurde erreicht, daß Informationen aus dem gesamten Bereich des Apostelbezirkes (Leipzig, Karl-Marx-Stadt, Dresden, Erfurt, Gera, Suhl und zum Teil Halle) erarbeitet werden können und solche aus zentralen Tagungen u.a. Zusammenkünften erreichbar sind.

Der nächste Treff mit „Kurt Sigmund“ kann erst im Oktober erfolgen, da er verschiedene Gemeinde des Apostelbezirkes bereist und Ende September/Anfang Oktober ein Treffen der Apostel der DDR bei Apostel Oberländer (Apostelbezirk Halberstadt/Quedlinburg) stattfindet. Darüber wird er beim nächsten Treff berichten.

Auf Grund der Stellung des IM wurde auf die Fertigung eines Lebenslaufes verzichtet. Zur Person diesbezügliche Aussagen ergeben sich aus den Ermittlungsprotokollen und den Vorschlag über die Anwerbung.

Leubner

Ultn.d.K.

(Quelle: MfS BV Leipzig 1753/85)

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3.5.2021 Bericht vom Bezirksältesten Werner Pflugmacher (Mecklenburg), der als IM "Jünger" von seiner Reise zu den Verwandten aus der BRD seinem Führungsoffizier berichtete. (1983)

Zur Person: "Pflugmacher stammt aus einer Arbeiterfamilie und wurde im Sinne der Neuapostolischen Kirche erzogen (...). Er ist als Bezirksältester nur dem Bezirksapostel und seinem Stellvertreter unterstellt. Er selbst betreut in den Kreisen Neubrandenburg und Neustrelitz 8 NAK Gemeinden, wobei von ihm eine Zahl von ca. 1000 Gläubigen angegeben wird.(zitiert aus: Hptm. d. K. Dirner / Hptm. d. K. Meyrich: Vorschlag zur Werbung eines IM, BDVP Neubrandenburg, Abt. K, Dezernat I, Neubrandenburg, den 25.05.1978, in: BV Nbg AKAG 215/88, Bl. 27.

Anmerkung DS: An diesem Bericht sind zwei Dinge bemerkenswert: Erstens der unglaublich schlechte Schreibstil (der auf ein mehr als einfaches Gemüt schließen lässt) und zweitens die simplifizierende und äußerst banale und dichotome Darstellung der politischen Lebensverhältnisse im „imperialistischen“ und "dekadenten" Westen. Fraglich ist, wem solche Darstellungen etwas nützten. Vermutlich dienten sie der Selbstbestätigung, im Systemvergleich BRD-DDR die Errungenschaften des real existierenden Sozialismus als bedeutend besser zu bewerten. Finanzielle Not litt allerdings in der DDR niemand, Wohnraum, der staatlich zugewiesen wurde, war aber auch knapp.  Man mag sich nicht vorstellen, was dieser neuapostolische Bezirksälteste seinen 1000 Gläubigen so predigte, und auch, welche Informationen er missbräuchlich weitergab (siehe nächster Bericht), die er in eigentlich absolut vertraulichen Familienbesuchen gehört  oder in Gesprächen mit Amtsträgern auch einfach nur mitbekommen hatte…

Pflugmacher starb 2012 im Alter von 96 Jahren.

Nbg. den 25. 04. 83

Bericht

(mündlich)

Im April 1983 führ ich zur Goldenen Hochzeit meiner Verwandten in die BRD. Es war die erste Reise nach dort. Insgesamt konnte dabei festgestellt werden, daß dort von den Verwandten ein bedeutend härterer Existenzkampf geführt werden muß und man mit vielen Sachen konfrontiert wird, die man hier nicht kennt.

Gleich bei der Ankunft in Niederkirchen (BRD) wurden bereits im und am Bahnhof einzelne jüngere Personen bemerkt, die durch ihren unnatürlichen Haarschnitt und -farbe sowie Kleidung auffielen. Von den Verwandten wurden sie „Punker“ genannt. Es wäre gut mit diesen keine nähere Bekanntschaft zu machen, da sie sehr rauflustig wären.

Die Anmeldung erfolgte bei einer städtischen Behörde. Auf einen Quittungsblock wurden meine Personalien vermerkt und durch meine Unterschrift darauf erhielt ich 30, DM in Gutschein ausgehändigt, die dann in der Sparkasse in Bargeld umgetauscht wurden.

Innerhalb der Verwandtschaft, die ja zum ersten Mal besucht wurden, mußten viele Fragen beantwortet werden. Es mußte dabei die Feststellung getroffen werden, daß sie eine falsche Meinung über die Situation in der DDR und vor allen von den „Russen“ hatten. Sie fühlen sich durch die Russen bedroht, was in den Massenmedien auch in vielseitiger Form zum Ausdruck kommt. Da alle Verwandten Neuapostolisch sind, wurden viele Fragen zur Durchführung des Gottesdienstes gestellt, die alle wahrheitsgemäß beantwortet wurden.

In Bezug des Lebensstandards in der BRD ist zu sagen, daß man alles kaufen kann, aber auch alles sehr teuer ist. So ist es üblich erst in der Zeitung sich über die Preise zu informieren, um dann dort zu kaufen wo es am billigsten ist. Es ist zu verzeichnen, daß sie trotz guter Gehälter sich nicht alles kaufen können, was sie gern hätten. Ein Verwandter ist sogar aus seiner alten Wohnung ausgezogen, da die Miete immer höher geschraubt wurde und zuletzt bei 800,-DM angelangt war. In der jetzigen Wohnung, ohne besonderen Komfort muß er 450,-DM bezahlen.

Ein anderer Verwandter hat für 150.000,-DM eine Wohnung auf Lebzeiten gekauft, die sich aber in einem Wohnhaus befindet und praktisch als Mieter lebt. Er muß aber in monatlichen Raten den Bankkredit und den Anteil der Zinsen zurückzahlen, was ca. 200,-DM ausmacht. Es  wurde kaum geglaubt, daß ich für eine 4 Raum Wohnung (Altbau, Ofenheizung) nur 60,-Mark Miete bezahlen muß. Die Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sind sehr teuer. Von einem zum anderen Ende der Stadt muß man 5,-DM bezahlen, was bei uns 25 Pfennig kostet.

In den Zeitungen steht oftmals über „Fluchthelfer.“ Dort wird mit sensationeller Aufmachung geschildert, wie Menschen aus der DDR in die BRD, „westliche Freiheit“ genannt, gekommen sind.

Besonders ist in der BRD ein gewisses Geltungsbedürfnis vorhanden, was auch bei den Verwandten festgestellt werden konnte. So hat ein Verwandter nur wegen den Nachbarsleuten 2 PKW. Er fährt einen Citroen und seine Frau einen Peugeot. Beide gönnen sich kaum größere Reisen, nur, daß sie sich 2 Wagen leisten können.

Viel wurde über die Arbeitslosigkeit und Lehrstellen für die Jugend diskutiert. Kranksein kann man sich nicht leisten, da der Betreffende um seinen Job fürchtet. Eine Verwandte wurde nur in das  Krankenhaus aufgenommen, weil die Kirche die Bezahlung übernahm. Sie selbst konnte die Krankenhauskosten nicht bezahlen. Eine Tochter des Verwandten hat nur durch gute Beziehung eine Lehrstelle als Sprechstundenhilfe bei einer Ärztin bekommen. Aber sie muß bereits noch in der Schulzeit jeden Freitagnachmittag dorthin, um sich einzuarbeiten und vor allen wissen, daß sie geeignet ist. Zu politischen Problemen wurde kaum etwas gesagt. Die Mehrzahl der Verwandten sind Neuapostolisch. Aber dort geht man nicht zur Kirche, sondern man fährt zum Gottesdienst. Es werden überall dementsprechende Parkplätze geschaffen.

Es war aber die Meinung vorherrschend, daß die neue Regierung Kohl die Schrauben noch sträffer anziehen wird und noch mehr Steuern bezahlt werden müssen. Ein einheitliches Deutschland nach ihrem Muster ist wieder neu belebt worden. Über die Grünen kann man sich kein richtiges Bild machen. Ihr Verhalten im Bundestag wurde von den BRD Bürgern nicht gebilligt.

gez. Jünger

Quelle: BV Nbg AKAG 215/88, Bl. 110, 111.

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5.5.2021 Bezirksältester Werner Pflugmacher(IM "Jünger") bricht das Beichtgeheimnis und wünscht ein Eingreifen der DDR-Sicherheitsorgane in einer persönlichen Angelegenheit bei einer neuapostolischen Familie (1979)

(Hervorhebungen nicht im Original)

Neustrelitz, den 25.09.79

Bericht

(mündlich)

Innerhalb der Neuapostolischen Kirche wird kein Erntedankgottesdienst gefeiert, wie es in den anderen Kirchen der Fall ist. Sie danken jeden Tag den Herrn Jesus in den Tischgebeten für seine Gaben und halten deswegen es nicht für notwendig einen gesonderten Gottesdienst durchzuführen. In der Vergangenheit hat es auch in der Neuapostolischen Kirche Erntedankgottesdienste gegeben, aber dieses ist schon Jahrzehnte her.

Zum 30. Jahrestag der DDR wird kein gesonderter Gottesdienst durchgeführt. Es ist auch von Bezirksapostel Tiedt aus Schwerin keine Anregung dazu eingegangen. Auch in diesem Falle wird jeder Gottesdienst der Neuapostolischen Kirche der Obrigkeit in einem Gebet gedankt. Entsprechend ihrer Glaubenslehre sind sie Untertan der Obrigkeit und haben die Gesetze zu achten. Sie selbst würden es nicht dulden, daß ein Gläubiger ihrer Kirche die Obrigkeit verleumdet.

Er berichtete von einer persönlichen Angelegenheit, die jedoch nur eine Familie seiner Glaubensgemeinschaft betraf. In einer neuapostolischen Familie ist es zwischen den Eltern und deren 15jährigen Sohn zu ernsthaften Auseinandersetzungen gekommen, die in der Form geendet haben, daß der Sohn seine Mutter geschlagen hat. Die Ursachen liegen darin begründet, daß die Eltern nicht duldeten, daß ihr Sohn bereits in der Schulzeit intime Beziehungen zu Mädchen aufnimmt. In ihrer Not sind die Eltern zu ihm gekommen und haben ihren Kummer erzählt. Sie hofften, daß durch ein seelsorgerisches Gespräch zwischen ihm und den Sohn eine Änderung in dessen Verhalten erreicht werden könnte. Es zeigte sich aber, daß der Sohn nicht davon ablassen wird und in dieser Hinsicht sich von seinen Eltern nichts mehr sagen läßt.

Es wurde in diesem Zusammenhang die Frage gestellt, ob man nicht staatlicherseits eingreifen könnte, was verneint wurde. Es stellte sich auch noch heraus, daß der Sohn seiner Freundin nicht erzählt hat, das er Neuapostolisch ist. Sie jedenfalls gehört keiner Glaubensgemeinschaft an. Die Eltern der Freundin haben keine Einwände, daß ihre Tochter einen Freund hat.

Mitgeteilt: Jünger                                                                                                Meyrich, Hptm. d. K

Quelle: BV Nbg AKAG 215/88, Bl. 25.     

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6.5.21 Bezirksältester Werner Pflugmacher (IM "Jünger") beteiligte sich an der Verfolgung der in der DDR verbotenen Glaubensgemeinschaft  "Zeugen Jehovas" mit besonderer Denunziationsbereitschaft (1981, 1985)

(Hervorhebungen nicht im Original)

"In verschiedenen Polizeiberichten (in Sachsen-Anhalt) wird mitgeteilt, dass erkannte ehemalige Zeugen Jehovas aus den gottesdienstlichen Räumen verwiesen wurden und Mitteilungen an die Polizei erfolgten sowie, dass der zuständige Apostel Oberländer entsprechende Anweisungen erlassen hätte.Quelle: Hubert Kirchner: Die Freikirchen und Religionsgemeinschaften in der DDR in ihrer Zusammenarbeit in der AGCK und in ihrem Verhältnis zum SED-Statt (Materialien der Enquete-Kommission "Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland" [12. Wahlperiode des  Deutschen Bundestages], hg. vom Deutschen Bundestag: Band VI/2: Rolle und Selbstverständnis der Kirchen in den verschiedenen Phasen  der SED-Diktatur), Baden-Baden / Frankfurt a.M. 1995, 991.

(Hervorhebungen nicht im Original)

BDVP Neubrandenburg                                                                        Neubrandenburg, den 25.02.81

Abt. K Dezernat I

B e r i c h t

Am 24.01.81 war der Stammapostel der Neuapostolischen Kirche U r w y l e r (Schweiz) in Eisenach und hat dort einen Apostelgottesdienst durchgeführt. Die Evangelische Kirche hat zu diesem Zwecke ihre Kirche zur Verfügung gestellt. Die Gläubigen sind zu einem Teil aus den Gemeinden Meinigen, Gotha und Erfurt gekommen. Insgesamt gibt es auf dem Gebiet der DDR ca. 90 000 Gläubige. Im Apostelbezirk Mecklenburg beträgt die Zahl der Gläubigen ca. 10 000 Glieder. Die Zahl konnte über Jahre konstant gehalten werden.

Im Februar wurde beim Aposteldienst in Neustrelitz ein Mitglied vom Apostel versiegelt. Es handelt sich um eine Frau im Rentenalter. Diese Person hat Verwandte in Hamburg zu wohnen, die sie im vergangenen Jahr besucht hat. Nach ihren Angaben gehören diese Verwandten den „Zeugen Jehova“ an.

Von der 83jährigen Frau R e i ß m a n n (Mitglied der NAK) wurde bei kürzlich durchgeführten Besuchen festgestellt, daß sie darüber klagte, daß sie nachts nicht schlafen konnte. Als Ursache ihres gestörten Nachtschlafes wurde festgestellt, daß sie einige Broschüren von Zeugen Jehova gelesen hatte, die die Rentnerin von ihren Verwandten aus der BRD mitgebracht hatte. Der Inhalt dieser Broschüren hat sie so erregt, daß sie keinen Schlaf gefunden hatte. In den persönlichen Gespräch wurde erreicht, daß diese ältere Dame (Name wurde nicht genannt) diese Broschüren verbrannt hat.

Im Januar 1981 hat der Bezirksälteste (xxx) sein für die Gemeindearbeit bestelltes Auto erhalten. Die gesamten Kosten für den Skoda werden von der Leitung in Schwerin getragen. Den Bezirksältesten, die alle ebenfalls einen Wagen fahren, der von der Kirche bezahlt wurde, haben persönlich keine Kosten zu tragen. Es ist ihnen frei gestellt, auch für private Zwecke zu nutzen.

F.d.R.                                                 gez. Jünger

Meyrich

Hptm.d.K.

Quelle: BV Nbg AKAG 215/88, Bl. 51.

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Dezernat I Neubrandenburg                                                                                                      20.11.85

Treffbericht

Deckname: Jünger

Reg.-Nr. 0056/77

Datum: 20.11.85 von 14.00  bis 15.30

Treffort: Wohnung des IM

Nächster Treff: Mitte Dez. nach telef. Vereinbarung

Zielstellung des Treffs: Situation innerhalb der NAK in Erfahrung bringen

Treffverlauf / -ergebnisse / Realisierung der Auftragserteilung:

Er teilte mit, daß sie wieder den Stammapostel erwarten. Weiterhin schilderte er ausführlich seine Begegnung mit „Zeugen Jehova“ die er zufällig bei seinen Urlaubsbesuch bei einem Glaubensbruder erlebte. Er hat sie auf das Verbotene ihres Tuns hingewiesen, aber wie er sagte ohne Erfolg. Sie erkennen den Staat nicht als Obrigkeit an. Schockierend war für ihm, daß die Tochter der ZJlerin noch fanatischer war als die Frau selbst. Sie legen die Bibel nach ihren Ansichten aus und nehmen das heraus, was sie für ihren Glauben benötigen.

Maßnahmen: BV zu Kenntnis geben

Auftragserteilung / Instruierung / Verhaltenslinie: keine

Einschätzung des Treffs / Verhaltensweise IM:

Am Verhalten keine Veränderung. Er hatte in der vergangenen Woche Geburtstag gehabt und zeigte mir die Blumen, welche ihm der Bezirksapostel geschenkt hat.

Maßnahmen der Erziehung / Schulung:

keine

Quelle: BV Nbg AKAG 215/88, Bl. 202, 203.

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20.5.21 Erste Anwerbung vom BÄ Willy Adam als IM des MfS (Stasibericht von 1960)

Vorbemerkung:

Willy Adam (1921-2010) Ordinationen: 1948 Diakon, 1950 Priester, 1952 Evangelist, 1957 Bezirksältester, 1960 Bischof, 1977 Apostel, 1980 Bezirksapostel

Der Bezirksapostel Willy Adam war bis zum Ende der DDR als IM des MfS unter dem Decknamen IM "Willy" und später noch unter anderen Decknamen tätig. 

Am 08. Januar 2006 wurde der Bezirksapostel i. R. Willy Adam von Stammapostel Wilhelm Leber in einem Gottesdienst in der Marienkirche in Neubrandenburg anlässlich der Vollendung seines 85. Lebensjahres als "Ein Vorbild in der Demut" geehrt (s. Zeitschrift "Unsere Familie, Reportage: Zum 85. Geburtstag von Bezirksapostel i. R. Willy Adam, 20. April 2006, 66. Jahrgang, Nr.8).

An diesem Gottesdienst nahmen außer Bezirksapostel Karlheinz Schumacher und den Aposteln aus der Gebietskirche Norddeutschland auch Stammapostel i. R. Richard Fehr sowie die im Ruhestand lebenden Bezirksapostel und Apostel aus dem Osten Deutschlands teil".

(Hervorhebungen nicht im Original)

 

- Abteilung V/4 -                                                                                         Neustrelitz, d. 22.04.1960

B e r i c h t

Am 28.3. 1960 wurde mit dem Bezirksältesten der Neuapostolischen Kirche, Adam, wohnhaft in Boock gesprochen, mit dem Ziel, ihn als GI zu werben. In der Vergangenheit bestand ein guter Kontakt zu Adam. Im Laufe des Gesprächs kamen wir auf die Brände und die damit im Zusammenhang stehende Inhaftierung des (xxx) aus Boock zu sprechen. (xxx) ist Angehöriger der Neuapostolischen Kirche. Adam erklärte mir, dass er sich nicht vorstellen könne, dass (xxx) an der Brandstiftung beteiligt sei, da er ihn schon seit längerer Zeit kennt und ihn als einen ruhigen und anständigen Menschen schätze.

Auch trotz meiner Argumente liess sich Adam nicht von der Schuld des (xxx) überzeugen und brachte zum Ausdruck, dass man auch in der Gemeinde Boock im allgemeinen so denkt. (Boock ist überwiegend neuapostolisch) Ich sagte dem Adam, dass man nach der Durchführung des Prozesses gegen (xxx) diesen wahrscheinlich in der Gemeinde in einer öffentlichen Versammlung auswerten wird.

A. brachte zum Ausdruck, dass er sich nicht vorstellen kann, dass man aus politischen Motiven Verbrechen begehen kann. Wenn jemand gegen unsere Gesellschaftsordnung etwas unternimmt, dann seiner Meinung nach nicht nur, weil man ihr ablehnend gegenübersteht, sondern in erster Linie, weil er ein „Verbrechertyp“ ist.

Aufgrund dieser Einstellung des A. wird von einer Werbung des A. noch Abstand genommen und weiterhin Kontakt zu ihm gehalten.

Dabei ist mit der KD Pasewalk die Sache mit der Garage in Löcknitz zu klären.

(Kühn)

Ultn

Quelle: MfS BV Nbg. AIM 564/62, Bl. 22.

Abt. K    Komm. I/E

 

16.6.21 Unterlagen zum Bezirksältesten und Leiter der Verwaltung (Mecklenburg) der NAK Gerhard Wolter, der als IM ´Gerhard` bis zum 3.09.1985 tätig war

Volkspolizei – Kreisamt                                                                                  Schwerin, den 26. 10. 72

    S c h w e r i n

B e r i c h t

 

über die durchgeführte Werbung des Kandidaten W o l t e r, Gerhard als IM.Am 25. 10. 72 wurde durch den Unterzeichner Gen. Ltn. Der K Schultze im Dienstzimmer des Kandidaten W o l t e r die, lt. Plan und Vorschlag, vorgesehene Werbung des Kandidaten W o l t e r durchgeführt.

Der Unterzeichner erschien pünktlich zur vereinbarten Zeit im Dienstzimmer des Kandidaten in Schwerin (xxx), wo dieser anwesend war. Das Verhalten des Kandidaten war ruhig und ausgeglichen. Vorkommnisse traten während des Gespräches nicht auf.

Nach der Begrüßung folgte zunächst ein kurzes Gespräch über allgemein interessierende Fragen. Im weiteren Gespräch ging der Unterzeichner dann auf Probleme der Neuapostolischen Kirche ein, die für den Unterzeichner von besonderem Interesse sind. Durch den Kandidaten wurden alle Fragen ohne zögern beantwortet. Im Ergebnis dieses Gespräches übergab der Kandidat dem Unterzeichner ein Verzeichnis der leitenden Funktionäre im Apostelbezirk Mecklenburg, welches durch ihm persönlich überarbeitet worden ist. Die Überarbeitung erstreckte sich auf alle in den letzten 2 Jahren, eingetretenen Veränderungen. Es wurde hierzu vereinbart, daß dem Unterzeichner auch in Zukunft alle Veränderungen rechtzeitig zur Kenntnis gelangen bzw. daß dem Unterzeichner durch den Kandidaten eine neue Liste übergeben wird.

Nach Abschluß dieses Problems ging der Unterzeichner dann auf die Genehmigung zur Einfuhr von Gesangbüchern aus Westdeutschland ein. Hierzu sagte der Kandidat, daß die Gesangbücher inzwischen eingegangen sind. Der Kandidat legte dem Unterzeichner je ein Exemplar der verschiedenen Ausführungen vor. In diesem Zusammenhang wurde durch den Unterzeichner die Frage gestellt, ob die Möglichkeit besteht, daß der Unterzeichner ein Exemplar zum persönlichen Gebrauch erhalten könnte. Der Kandidat bejahte diese Frage ohne zögern mit ja. Die Übergabe eines solchen Buches wurde dann für einen späteren Zeitpunkt vereinbart.

Im weiteren Gespräch kam der Unterzeichner dann nochmals auf die Vorkommnisse in Wittenberge mit der Familie (xxx) und in Schwerin mit dem Herrn (xxx) zu sprechen. Durch den Unterzeichner wurde empfohlen, auch in Zukunft solche Probleme gemeinsam zu beraten und Wege zu ihrer Lösung zu suchen. In diesem Zusammenhang wurde durch den Unterzeichner jedoch darauf hingewiesen, daß solche Probleme und deren Behandlung einen vertraulichen Charakter tragen müssen und das dieser Charakter von beiden Seiten gewahrt werden muß. Der Kandidat erklärte hierzu, daß er mit der vertraulichen Behandlung vollkommen einverstanden ist und seinerseits alles tun wird diesen Charakter zu wahren. Durch den Unterzeichner wurde das ebenfalls bestätigt.

Da durch den Kandidaten zu erwarten war, daß er einer schriftlichen Verpflichtung ablehnend gegenüber stehen wird wurde der Hinweis auf den vertraulichen Charakter der Gespräche dazu benutzt durch Handschlag die vertrauliche Behandlung der folgenden Gespräche und Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Der Kandidat ging ohne zögern auf diese Form ein und bekräftigte durch Handschlag seine bereits dargelegte Meinung über die vertrauliche Behandlung der besprochenen und noch zu besprechenden Fragen.

Nach dem Austausch des Handschlages ging der Kandidat dann dazu über dem Unterzeichner ausführlich über den Stand der gegenwärtig laufenden Baumaßnahmen zu berichten. Anschließend folgte dann eine Besichtigung des bisherigen Baugeschehens im Objekt (xxx).

Das Gespräch klang dann mit einigen allgemeinen Fragen und Problemen aus.

Abschließend wurde dann noch vereinbart, daß weitere Gespräche in der Regel alle 4 Wochen zu einem festgelegten Zeitpunkt stattfinden wo angefallene Probleme beraten werden. Besondere Probleme, die einer schnellen Lösung bedürfen, werden nach vorheriger telefonischer Vereinbarung kurzfristig behandelt.

Sachbearbeiter                                                                                        ( S c h u l t z e )

Ltn.d.K.

Volkspolizei – Kreisamt                                                                                  Schwerin, den 01. 08. 74

    S c h w e r i n

Abt. K    Komm. I/E

A u s k u n f t s b e r i c h t

über den IM - „Gerhard“ Reg. Nr. 200 / 72

Personalien: W o l t e r                                    Gerhard

                     geb. am:                                      16.05.1925 in Stettin

                     wohnhaft in:                                Schwerin, (xxx)

                     Beruf:                                          Kaufmann

                     Besch. als:                                   Verwaltungsleiter u. Bezirksleiter

                     Besch. bei:                                   Neuapostolische Kirche Mecklenburg

                     Vorstrafen:                                    keine

                     Pol. Org.                                       nein

Einschätzung:

Die Verbindungsaufnahme mit dem IM - „Gerhard“ erfolgte im Monat September 1969. Im Monat Juli 1970 wurde der IM dann zunächst als IKK gewonnen. Auf Grund der positiven Zusammenarbeit erfolgte dann im Juli 1972 eine Werbung als IM auf der Grundlage einer mündlichen Verpflichtung. Von einer schriftlichen Verpflichtung wurde vorerst Abstand genommen da eingeschätzt werden mußte, daß er eine schriftliche Verpflichtung vorerst noch nicht eingehen würde.

Die Verbindungsaufnahme mit dem IM - „Gerhard“ erfolgte mit der Zielstellung, ihn zur Aufklärung der Religionsgemeinschaft „Neuapostolische Kirche“ Schwerin zu gewinnen. Auf Grund seiner Funktion ist der IM hierzu besonders geeignet.

Im Verlaufe der Zusammenarbeit festigte sich das notwendige Vertrauensverhältnis. Es kann gegenwärtig als gut eingeschätzt werden. Der IM gab auf alle gestellten Fragen bereitwillig Auskunft. Vorerst wurden besonders Fragen seiner persönlichen Entwicklung sowie die seiner Familie und Kinder behandelt.

Im weiteren Verlaufe der Zusammenarbeit wurden dann auch Fragen der Entwicklung der Religionsgemeinschaft besprochen. Auch hier gab der IM auf alle gestellten Fragen entsprechende Auskünfte. Der IM stellte hierzu auch schriftliches Material zur Einsichtnahme zur Verfügung. Ebenso übergab der IM eine Aufstellung über alle Funktionäre und deren Anschriften aus dem Apostelbezirk Mecklenburg.

Um die Ehrlichkeit des IM zu prüfen wurden zu bestimmten Fragen, die mit dem IM besprochen worden sind, eigene Ermittlungen getätigt. Hierbei konnte festgestellt werden, daß sich keine Widersprüche ergaben.

Trotz der positiven Haltung des IM wurde bisher von einer schriftlichen Abstand genommen. Es bestehen noch Bedenken darüber, ob nicht eine Forderung nach einer schriftlichen Verpflichtung die weitere Zusammenarbeit stören könnte.

Der IM hat insgesamt eine positive Einstellung zu unserem Staat. Auch mit den staatlichen Organen pflegt er eine gute Zusammenarbeit. Aus Unterhaltungen über politische Tagesfragen konnte geschlußfolgert werden, daß er sich mit diesen beschäftigt. In Gesprächen lehnt er die Behandlung solcher Fragen nicht ab.

Der IM hat keine direkten Verbindungen zur zentralen Leitung in Westdeutschland. Über seinen Apostel wird er jedoch über alle wichtigen Probleme innerhalb der Gemeinschaft informiert. In seiner Funktion als Verwaltungsleiter kommt er jedoch mit allen Funktionären innerhalb des Apostelbezirkes Mecklenburg zusammen. In bestimmten Fragen ist er sogar weisungsbefugt. Er hat auch Zugang zu vielen schriftlichen Materialien.

In der Vergangenheit erhielt der IM bei besonderen Anläßen Geschenke in Form von Sachprämien. Bisher hat der IM diese Geschenke noch in keinem Fall abgelehnt.

Anlässlich seiner Silberhochzeit wurde dem IM ein Geschenk im Werte von 100,- Mark überreicht. Bei der Überreichung konnte festgestellt werden, daß er darüber sichtlich erfreut gewesen ist.

Eine Dekonspiration ist in der bisherigen Zusammenarbeit noch nicht aufgetreten.

Sachbearbeiter                                                                                                        ( S c h u l t z e )

Ltn.d.K.

 

Quelle: BV Schwerin AOG 1052/85 Teil I, Bl. 53-56.

 

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