Büste von Stammapostel J.G. Bischoff (Quelle des Fotos: 100 Jahre Bilder- und Personenkult in der Neuapostolischen Kirche S.8)

Bezirksapostel Friedrich (Fritz) Bischoff (Quelle des Fotos: NAK-Zentralarchiv)

 

 

Vorbemerkungen 11.10. 2021:  Sie finden auf dieser Unterseite zwei ausführliche Forschungsarbeiten - die, das wäre wünschenswert, nicht nur von historisch interessierten Personen gelesen werden - zur Geschichte der NAK unter Fokussierung der Ära Bischoff, in denen im Besonderen quellenbasiert die Taten von Stammapostel Johann Gottfried Bischoff und seinem Sohn Friedrich (Fritz) aufgezeigt werden. Die geschilderten Vorgänge sind keinesfalls nur von geschichtlichem Interesse, sondern sie haben ihre Auswirkungen bis in die heutige Situation der NAK.

Da beide Arbeiten immer wieder überarbeitet wurden ist anzumerken, dass nur die aktuellen Fassungen Gültigkeit haben. Die früheren Versionen und dabei besonders die jeweils gestrichenen Schlusskapitel sind somit im historischen Kontext nicht mehr relevant.

Hinweis zu den Quellen: Die blaue Farbe markiert Quellen, die meines Wissens nach entweder von mir gänzlich neu erschlossen oder teilweise neu formatiert wurden, damit besser auf sie zugegriffen werden kann!  Einige der historischen Texte (dunkelblau und fett) sind teilweise nicht nur für meine Ausarbeitungen von Bedeutung, sondern können als Sammlung für weitere Untersuchungen und Recherchen betrachtet und gerne unter sachgerechter Zitatangabe weiter verwendet werden.

Quellenverzeichnis verwendeter Quellen, die online abgerufen werden können

 

(I) Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff? Inszenierte Wirklichkeiten als konstitutives Merkmal der NAK-Führung  

Abstract zu (I): Dieser bei vielen Menschen in seinen frühen Jahren vom Apostelkollegium sehr gefürchtete und Angst erzeugende Amtsträger und  in seinen späten Jahren in seinem Apostelbezirk sehr beliebte und erfolgreiche Bezirksapostel FB zeigte sein Leben lang ein ununterbrochenes Streben nach Ruhm und Macht. Äußerlich eitel und mit maßgeschneiderten Anzügen gekleidet war FB stets eine  korrekte Erscheinung. Und trotz teuerster Sportwagen gab er sich gerne auch betont bescheiden.  Er, der nie eine Schwäche zeigte, stellte von Anfang an selbst die geltenden Regeln auf und manipulierte strategisch zielgerichtet seinen Vater und das Apostelkollegium, um die gesamte Kontrolle zu behalten. Wer ihm kritisch begegnete, den verfolgte er als Feind rachsüchtig und unerbittlich mit dreisten Lügen. Und wenn gar die Realität als persönliche Bedrohung empfunden wurde,  bestand die Tendenz, die Bedeutung der Realität zu verändern und die ihn umgebende neuapostolische Wirklichkeit mit allen Mitteln inszenierend und langfristig geplant in seinem Sinn zu umzugestalten. Dazu gehörte mit Sicherheit auch die selbstgefällige Inszenierung der eigenen Person einschließlich vorgetäuschter Bescheidenheit, die im Widerspruch zu seinem ansonsten luxuriösen Leben steht. Von Beginn an war er der hauptsächlich verantwortliche Mann hinter den aufgebauten Kulissen und blieb es bis zum Tode seines Vaters. Zu diesem Zeitpunkt waren aber die Pfründe bereits gesichert!

(II) Stammapostel Bischoff und sein Sohn Fritz auf dem Weg zur absoluten Macht - Enthüllungen über kirchenpolitische Strategien im Zusammenhang mit der beginnenden NS-Zeit und der Einfluss von Fritz auf seinen Vater in der Nachkriegszeit 

Abstrakt zu (II):  Die geschilderten Ereignisse, Manipulationen, Lügen und Verunglimpfungen der sogenannten Feinde und Zweifler an den Verkündigungen von Vater und Sohn Bischoff und die gleichzeitig betriebenen finanziellen Schiebereien zeigen, dass  es Vater und Sohn Bischoff niemals um religiöse Wege zum Heil, sondern ausschließlich um die aus den herbeigeführten Ereignissen zu erreichenden eigenen Vorteile der ausgebauten Macht und dem damit verbundenen finanziellen Vorteil ging. Der Deckmantel des Glaubens hinsichtlich des eingeforderten Stammapostelglaubens, der „Treue“ und des Gehorsams zu ihm war eine bewusste und absichtliche Täuschung der Mitglieder der NAK zur eigenen Machtabsicherung. Und bis auf den heutigen Tag bleibt diese damals konstruierte zentrale Bedeutung des Stammapostel- und Apostelamtes das Kennzeichen, was die NAK noch immer konstitutiv ausmacht. Ihre Kirchenführer inszenieren sich selbst und noch immer folgen ihnen – wie damals – die Mitglieder dieser theologisch haltlosen Indoktrinationen nach und spenden zuverlässig  monatlich 10% ihres Einkommens. Christlich ist diese „Kirche“ bestenfalls in zweiter Hinsicht. Die erste Forderung an die Mitglieder ist die Anerkennung des Apostelsamtes, alles andere ist nachgeordnet. Dies ist ihr exklusivistisches Markenzeichen und wird es auch bleiben. 

(26.8.21 In PlanungIII. Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff? Die späten Jahre: "Jeder Eingriff in die persönlichen Verhältnisse ist Amtsanmaßung und Amtsmissbrauch" (Zitat FB an Stap Urwyler) Gerne nehme ich zu diesem Thema Quellenzuschriften mit auf!)

 

In beiden Arbeiten wird als Grundlage der Analysen und daraus gezogener Schlüsse eine breit gefächerte Fülle von Zeitzeugenquellen eingebracht, die einen vielschichtigen Blick auf die historischen Ereignisse ermöglichen. Oft wird in kritisch orientierten Artikeln pauschalisierend von der "NAK" gesprochen und dabei außer Acht gelassen, dass hinter den kirchenpolitischen Ereignissen Personen stehen, die dafür verantwortlich sind. Erst eine möglichst vielfältige Breite zuverlässiger Quellen ermöglicht aber einen  Blick auf die oft hinter den Kulissen herbeigeführten Entwicklungen. Besonders Friedrich Bischoff (FB)  ist in den bisherigen Darstellungen zur Geschichte der NAK bestenfalls nur gestreift worden. Hier nun wird er erstmalig als wesentlich verantwortlicher Akteur aus dem unscharfen Hintergrund in den Mittelpunkt der Ereignisse gerückt.

Die zweite Ausarbeitung ist notwendig geworden, da mir nach der ersten Arbeit neues Quellenmaterial zugänglich gemacht wurde, das unbedingt einer näheren Betrachtung und kritischen Analyse unterzogen werden sollte.  Beide Arbeiten zusammen geben somit ein gutes Bild ab über die Ereignisse in der Zeit von 1922 bis ca.1962. Besonders FB war es, der hinter den strategisch aufgebauten Glaubenskulissen - von den Mitgliedern der NAK völlig unbemerkt - solange die Strippen gezogen hat, bis die Hebel der Macht ausschließlich in seinen Händen lagen. Dabei manipulierte er  nicht nur das Apostelkollegium, sondern schon in sehr jungen Jahren zielgerichtet auch seinen Vater, den Stammapostel. Und: Es wird schlüssig dargestellt werden, dass Friedrich Bischoff u.a. verantwortlich gewesen ist für die Konflikte mit Apostel Güttinger, für die Inszenierung der Botschaft und den in Folge vollzogenen Ausschluss von Apostel Kuhlen und seinen Mitstreitern. Somit  war er hauptverantwortlich für die Spaltung von 1955 und aller sich daraus ergebenden Entwicklungen! 

Selbst Stammapostelhelfer R. Fehr attestierte FB anlässlich der Trauerfeier 1987 zu Recht: „Friedrich Bischoff hat um die Macht des gedruckten Wortes gewußt, mit dem man die Meinung ganzer Völker beeinflussen und Ideen fortpflanzen kann. Er hat aber auch um die Macht des Lebenswortes gewußt, das aus der Sendung Jesu vom Altar Gotteskraft der Wirksamkeit des Heiligen Geistes offenbar wird. Sie verändert nicht unbedingt diese Welt, aber sie schafft eine neue Welt.“ Quelle: Download: Kurzbiographie von F. Bischoff  

Um genau diese Fähigkeit zur gezielten Beeinflussung und sogar strategisch inszenierten Schaffung einer neuen Welt wird es in diesen Ausführungen u.a. gehen. Das Wort ist eine Waffe, und FB konnte geschickt mit ihr umgehen.

Es versteht sich von selbst, dass alle Recherchen nach bestem Wissen und Gewissen durchgeführt wurden, um eine subjektiv gefärbte Darstellung zu vermeiden. Sollten mir dabei trotzdem Fehler unterlaufen sein bitte ich um die Zusendung entsprechend aussagekräftigen Materials. Möglich wäre auch, dass ich positive Aspekte seines Handeln in der Zeit nach 1960 aus Unkenntnis ausgelassen habe. Auch diesbezüglich bitte ich um quellenbestätigte Zuschriften, wenn sie zu einem vollständigeren Bild der Person Friedrich Bischoff beitragen können.

Detlef Streich, den 5. August 2021

Zum Vergrößern Bild anklicken (Foto DS, Beilage UF 1934)

 

 

(I) Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff? Inszenierte Wirklichkeiten als konstitutives Merkmal der NAK-Führung  

Dargestellt in Form einer chronologischen Zeitleiste zur Biographie von Friedrich Bischoff, ergänzt durch erläuternde Kommentare und zahlreiche weitere Quellen von Zeitzeugen

Autor: Detlef Streich, 2. Juli 2021, ergänzte Fassung vom 30.9.21

Pdf-Fassung der Ausarbeitung (77 Seiten) zur besseren Lesbarkeit und als Druckvorlage

„Niemandem fällt es leicht, sich die Schrecken der Vergangenheit in Erinnerung zu rufen, natürlich nicht. Aber verdrängte Erinnerung, nicht eingestandene Schuld wird niemals leichter, im Gegenteil, sie wird zu einer immer schwereren Last.“ Frank Walter Steinmeier 2021 in seiner Rede „80 Jahre Überfall auf die Sowjetunion

 

Gliederung

          „Wer war Friedrich (Fritz)  Bischoff?“ – Vorbemerkungen 

Teil 1 „Wer war Friedrich (Fritz)  Bischoff?“ 1909 bis 1945 -  Die Verlagsgründung mit ausführlichen Hinweisen zu einem kritischen Artikel der „Frankfurter Laterne“ von 1933  Exzerpt 1

Teil 2 „Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff?“ 1948 bis 1951 - Finanzielle Machenschaften, intrigantes Verhalten und der Einfluss auf den Stammapostel  Exzerpt 2

Teil 3 „Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff“ 1951 bis 1960 – Der inszenierte Botschaftswahn mit seiner exklusivistisch-endzeitlichen Parallelwelt der NAK als Basis der beabsichtigen Spaltung

Exkurs vom 21.9.21 (Fassung vom 30.9.21): Die bislang unbekannte, erste (?) Verkündigung der Botschaft von STAP Bischoff am 19.8.51 in Karlsruhe::„ weil der Sohn Gottes mir die Offenbarung gab, daß es nicht mehr lange währt bis er kommt!“    

Teil 3 Fortsetzung,    Exzerpt 3

Teil 4 „Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff?“ 1960 bis 1989 – Die postbotschaftliche Inszenierungswende und der Fall und Rausschmiss von Dr. jur. Schreckenberger  Exzerpt 4

Teil 5 „Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff“ –  Anmerkungen zur Predigt von Bezirksapostel Friedrich Bischoff Karfreitag 1961 

Teil 6 „Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff?“ - Zusammenfassung der wesentlichsten Kritikpunkte;  

Teil 7 „Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff“ –  Nachbetrachtung und Konklusion 

Quellenverzeichnis wichtiger, verwendeter Quellen, die online abgerufen werden können

 

„Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff?“ - Vorbemerkungen

Bezirksapostel Friedrich Bischoff, im Folgenden gekürzt FB, und Sohn des früheren Stammapostels Bischoff, den älteren Mitgliedern der NAK gut bekannt und sicher in bleibender Erinnerung, den jüngeren hingegen bestenfalls als Namensgeber für den kircheneigenen Verlag geläufig. Von den ihn damals  umgebenden Aposteln wurde Friedrich Bischoff hinter der Hand in späterer Zeit als „weltlicher“ Apostel bezeichnet, weil er sich z.B. in den 80er Jahren deutlich von den Verhaltensvorschriften seiner Amtskollegen unterschied. Bei einem Gottesdienst-Besuch in Frankfurt erlebte ich zu meinem größten Erstaunen einen langhaarigen, vollbärtigen Diakon an der Eingangstür der Gemeinde. In Berlin durfte man noch nicht einmal einen kurzen Oberlippenbart haben. Auch war seine Einstellung zu Medien sehr offen. Ab den 50er Jahren integrierte FB den Musikverlag Hermann Ober als eigene Abteilung in seinen Verlag und produzierte Schallplatten mit den neuapostolischen Chorliedern, in den Augen mancher seiner Mitapostel „Teufelszeug!“, so BezAp Knigge zu Hermann Ober. Ebenso plädierte er für einen möglichst sachkundigen Umgang mit Musik und befürwortete Stimmbildung im Chor, damals sehr außergewöhnlich. Seine Devise lautete: Mit einem Messer kann man Brot schneiden oder morden. Die Verantwortung dafür liegt nicht in der Sache, sondern beim Benutzer selbst! Verbote zum Tanzen, Kino, Fernsehen, Romane lesen oder anderes mehr - zu dieser Zeit in ganz West-Deutschland verbreitet, -sprach er nicht aus. Auch waren seine Predigtbeiträge inhaltlich oft außergewöhnlich und meist druckreif! Er war Witzen nicht abgeneigt, wie z.B. nach einer Beinoperation: „Mein Holzbein macht schon wieder 180 km/h!“ Oder, als Hermann Ober ihn einmal in FB`s  Porsche auf der Autobahn kutschierte, schlief Bischoff. Ober fuhr mittleres Tempo, als ein BMW an ihnen vorbeirauschte. In dem Moment blinzelte der Apostel und meinte vorwurfsvoll zu Ober: „Bruder Ober, von so einer lahmen Ente lassen Sie sich überholen!“ 

Friedrich Bischoff war offenbar auch ein guter Verlagschef für seine Angestellten und hatte Manieren und Niveau! Ich selbst war damals Vizedirigent des Berliner Schallplattenchores. Diese kleinen, intimen Details wurden von Hermann Ober bei den regelmäßigen Treffen im kleinen Kreis oft schmunzelnd berichtet. Nach dem von mir in Frankfurt beigewohnten Gottesdienst anlässlich Bischoffs Geburtstag ließ der Dirigent zum Schluss sehr getragen und langsam „Heimgehen, herrlich werden“ singen, was das Geburtstagskind veranlasste,  bei den ersten Tönen sofort und sichtlich erbost den Raum zu verlassen. Heimgehen war noch längst nicht sein Ding! Bei so viel Lob an dieser Stelle fragt sich der Leser sicherlich, warum also hier nun von einem NAK-Kritiker ein Abriss seines Lebens folgen wird! Antwort: Weil der späte und außergewöhnlich wirkende Bezirksapostel dem Anschein nach bei weitem nicht derselbe gewesen zu sein schien wie der frühere Amtsträger. Die oft – wie gezeigt und mit Quellen belegt werden wird – intriganten und skrupellosen Handlungen Friedrich Bischoffs sind weitestgehend unbekannt. Sie sollen in dieser sehr aufwändig recherchierten und durchweg um sachliche Richtigkeit bemühten Aufarbeitung in ihrer chronologischen Abfolge mittels einer Zeitleiste übersichtlich dargestellt und kommentiert werden. Die eingefügten Zitate von Zeitzeugen erläutern und ergänzen das entstehende Bild. Sein später scheinbar vollzogener Wandel vom nationalsozialistischen  NSDAP- und SA - Mitglied, der auch nach dem NS-Regime in den 50er Jahren weiter rücksichtslos seine Umgebung manipulierte, zum eben beschriebenen, sehr positiv wirkenden  Kirchenpräsidenten wirft zahlreiche Fragen auf.  Erstmalig soll in den folgenden Betrachtungen sehr fokussiert Friedrich Bischoff in seiner Einflussnahme in den Mittelpunkt der  Betrachtungen gerückt und seine Rolle vor allem in der Botschaftszeit aufgezeigt und analysiert werden. Nach eingehender Darstellung der quellenbasierten Fakten wird dann im Teil 7 versucht werden, der aufgestellten Frage, wer war dieser schillernde Apostel Friedrich (Fritz) Bischoff,  klärend nachzugehen und sachlich begründete Antworten zu finden.

 

 Teil 1 „Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff?“ 1909 bis 1945 -  Die Verlagsgründung mit ausführlichen Hinweisen zu einem kritischen Artikel der „Frankfurter Laterne“ von 1933 

1909 Am 31.3. 1909 wurde Friedrich Bischoff (in Folge FB) in Frankfurt a.M. geboren als Sohn des Stammapostelhelfers Johann Gottfried Bischoff. Der Vater J.G. Bischoff wurde 1871 geboren, verließ mit 14 Jahren die Volksschule und wurde Schuhmacher, Landwirt und besaß später einen kleinen Tabakladen. 1897 konvertierte Bischoff zur Apostolischen Gemeinde. 1905 wurde er mit 34 Jahren bereits zum Apostelhelfer, 1906 zum Apostel ordiniert.

1924 „Am Liebiggymnasium machte FB mit 15 Jahren sein Abitur.“ (Quelle: Die Geschichte von Verlag und Druckerei Friedrich Bischoff 1932 bis 1992: Autor: Fritz Idler, zusammengestellt aus der Magisterarbeit „Buchdruckerei und Verlag F. Bischoff von 1932 bis 1987“ (Quelle) S. 10) Schon diese Angabe von Idler, dass FB 15jährig sein Abitur machte - altsprachlich mit Übersetzungen lateinischer und griechischer Texte! - , dürfte mit Sicherheit falsch sein, da dies zeitlich nicht zu bewältigen gewesen wäre (13 Schuljahre). Zudem wäre das Abitur für die danach begonnene Lehre völlig unsinnig gewesen. Dies scheint also eine der ersten inszenierten Wirklichkeiten im Leben von FB zu sein. Im Vorwort beschreibt Idler seine Absicht: „Es dient vielleicht dazu manche Vorurteile zu beseitigen oder Missverständnisse aufzuklären.“ Es mag sein, dass FB das Gymnasium besuchte, abgeschlossen hat er es aber mit Sicherheit nicht.

1926 Nach seiner Schulzeit, die also mit 15 Jahren (vorzeitig??) endete, „verbrachte (er) seine Volontärzeit bei den ADLER-Werken, die damals Autos und Flugmotoren herstellten.[…] Anschließend erlernte er das Druckerhandwerk bei der „Buch und Kunstdruckerei Paul Giese“ in Offenbach am Main.“ .„Nach diesem freiwilligen Volontariat begann FB seine Lehrlingszeit zum Drucker vom 1.4.1926 bis zum 31.3.1928.“ (Idler a.a.O. S. 15) Die Volontärzeit bei den ADLER-Werken lässt den Schluss zu, dass FB sich damals für technische Dinge, speziell wohl Flugzeuge (siehe seine spätere SA-Zeit) interessierte. Warum er aber nach seinem Volontariat nicht übernommen wurde - was für die 1920er Jahre eher selten war – bleibt offen, auch warum er danach mit dem Buchdruckergewerbe  in ein völlig anderes  Berufsfeld wechselte, ist unklar. Dass ihm aber sein Volontariat wichtig war, zeigt Idlers Anmerkung: „Ein von ihm erstelltes Werkstück aus dieser Zeit stand bis zuletzt auf seinem Schreibtisch.“ (Idler a.a.O. S. 8)  Möglicherweise waren entweder sein schulischer Abschluss und/oder sein Verhalten nicht so, wie man sich das gewünscht hätte. Dies würde auch erklären, warum er angeblich „auf Drängen seines Vaters“ (Idler a.a.O. S. 15) auch die Buchdruckerlehre abbrach und dann 1927 von ihm in dessen Verlagspläne einbezogen wurde. Dass FB´s bis dahin erworbenes Druckerwissen dafür ausschlaggebend war, kann wohl ausgeschlossen werden. Vermutlich ging es eher um die absolute Loyalität des 17jährigen gegenüber seinem Vater, der sich von nun an 100prozentig auf FB und sein Einverständnis für alle weiteren Schritte verlassen konnte. Die sich wenige Jahre später (1929 wird FB Geschäftsführer) vollziehenden, konspirativen Veränderungen wären mit einer fremden Person sicher so nicht machbar gewesen. Zudem hatte FB damit schon sehr früh in Abhängigkeit von seinem Vater aus Kirchengeldern finanziert über die Maßen stabile finanzielle Verhältnisse, was ihm auch dessen Dankbarkeit und Abhängigkeit sicherte. Dieses 1927 begonnene und vielleicht symbiotische Verhältnis zwischen Vater und Sohn sollte bis zum Tod des Stammapostels 1960 unverbrüchlich erhalten bleiben. Idlers Absicht, über Vorurteile und Missverständnisse aufzuklären, muss hier also schon heftig widersprochen werden. Eher beschönigt er die Biografie von FB und verschleiert die wahren Motive und Mauscheleien von Vater und Sohn. Der Grundstein für die in Zukunft das Wort beherrschenden Tätigkeiten von beiden war jedenfalls gelegt. Die Inszenierung der weiteren, noch zu schaffenden neuapostolischen Wirklichkeit im Sinne der Bischoffs konnte damit zügig voranschreiten.

1927 FB wird 18jährig in die Planung und technische Durchführung der geplanten Gründung einer kircheneigenen Druckerei einbezogen. „Im Zuge der unter dem zweiten Stammapostel Hermann Niehaus durchgeführten Zentralisierung der Kirche und der mit ihr verbundenen einheitlichen Ausprägung der Lehre sollte das neuapostolische Schrifttum stärker auf die von der jeweiligen Hauptleitung vertretenen Inhalte ausgerichtet werden. […] Im Zusammenhang mit innerkirchlichen Spannungen erging der Auftrag des Stammapostels an seinen Stellvertreter Gottfried Bischoff, an dessen Wohnort in Frankfurt/Main eine eigene Hausdruckerei innerhalb der Kirchenverwaltung einzurichten.“ (Idler a.a.O. S. 13) Unter „Spannungen“ sind z.B. vermutlich die unterschiedlichen Lehrmeinungen von Apostel Carl August Brückner, Herausgeber der konkurrierenden Zeitschrift „Die Neuapostolische Rundschau“, und Stammapostel Niehaus gemeint. Niehaus hatte ihn bereits am 17.4.21 aus der NAK ausgeschlossen.

1927 Am 16.10.27 wird FB zum Diakon ordiniert. Diese wie auch alle folgenden Ordinationen wurden vom Stammapostel Bischoff selbst durchgeführt!

1928 Mit 19 Jahren bekam FB nach Abschluss der Vorbereitungen von Stammapostel Hermann Niehaus trotz Kritik des Apostelkollegiums am 15.11. als Geschäftsführer „auf Lebenszeit“ (Idler a.a.O. S. 13) die Leitung der neuen Hausdruckerei der NAK in Frankfurt am Main übertragen. Idlers glorreiche Inszenierung der Person FB geht - die spätere Zeit einbeziehend - so weiter: „Sein ganzes Leben war von einem felsenfesten Glauben geprägt. Seine Person stand immer im Dienst der Neuapostolischen Kirche. Seine Firmen hat er als Verbreiter des geschriebenen und gedruckten neuapostolischen Glaubensgutes gesehen, um trotz des verhältnismäßig kleinen Abnehmerkreises so kostengünstig wie möglich bei reeller tariflicher Bezahlung seiner Mitarbeiter zu bedienen. Er hat für sich ein branchenübliches Gehalt bezogen. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er in seinem Büro, um das neuapostolische Schriftgut zu lesen und zu korrigieren. Er machte kaum Urlaub, war ein guter Koch und Kenner einer guten Flasche Rotwein.“ (Idler a.a.O. S. 8f) Im Gegensatz zu Idlers vertuschender Idealisierung gilt vielmehr: Mit dem kircheneigenen Verlag hatten der Stammapostel und sein Helfer nun alle Fäden in alleiniger Regie in der Hand, die Mitglieder vollumfänglich in ihrem Sinn zu beeinflussen. Alle weiteren Apostel wurden dazu weder befragt noch hatten sie Einfluss auf das Geschehen in der Folgezeit.

1929 FB ist in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise Geschäftsführer der Hausdruckerei der Vereinten Neuapostolischen Gemeinden“ mit einem branchenüblichen Gehalt", mit dem der 20jährige dann 1932 den Kauf der Druckerei und des Verlages finanzierte und sich 1937 ein Zweifamilienhaus bauen lassen kann? Alle Zeitschriften und Formulare der NAK werden ab dem 1.1.29 unter der Leitung von FB von der Hausdruckerei publiziert. „Auf Drängen seines Vaters beendete Friedrich Bischoff seine Lehre  vorzeitig und stand der Kirche zur Verfügung. Hierin zeigte sich bereits ein wichtiger Zug im Leben Friedrich Bischoffs: Die Unterordnung persönlicher und zum Teil auch geschäftlicher Interessen unter das Gesamtinteresse der Kirche.“ (Idler a.a.O. S. 15) Auch diese Glorifizierung von FB ist völlig unangebracht und sachlich falsch! Ein Kundenstamm von mehreren 10tausend Abnehmern war FB damit garantiert. Idler jedoch behauptet: „Alle Drucksachen wurden im  Handsatz gefertigt. Die Maschinen wurden von Friedrich Bischoff selbst zum Druck eingerichtet, gewartet und auch repariert. Mit der Herstellung von insgesamt sechs verschiedenen Zeitschriftenausgaben pro Monat war Bischoff ziemlich ausgelastet, auch wenn jede einzelne Zeitschriftennummer nur etwa acht Oktav- Seiten Umfang besaß. Daneben mussten vor allein Formulare gedruckt werden, die für die interne Verwaltung der Kirche und der Gemeinden notwendig waren. Dabei muss immer bedacht werden, dass diese Hausdruckerei als Abteilung innerhalb der zentralen Kirchenverwaltung existierte, dass ihre Mitarbeiter von der Kirche bezahlt wurden und ihr Initiator, der über dem Geschäftsführer als Hauptleiter fungierende J. G. Bischoff, nicht an der Erwirtschaftung von Überschüssen und an einer Ausweitung der Produktionspalette interessiert war. Die Hausdruckerei brauchte sich wirtschaftlich nicht selbst zu tragen. Von einer kaufmännischen, also einer gewinnorientierten Abrechnung konnte daher keine Rede sein. Die „Abteilung Hausdruckerei“ war keine „lukrative Betriebseinheit.“  (Idler a.a.O. S.18)

1929 Wohin die Richtung der Mitgliederbeeinflussung geht, zeigt bereits dieser Auszug aus der Wächterstimme vom 1.1.: „Das Fundament, an dem die wühlenden Geister zu nagen suchen, ist die Erkenntnis, daß der Stammapostel für uns der verkörperte Weg der Wahrheit und des Lebens ist. Er ist der Weg, weil wir ihm folgen  und unseren Fuß in seine Fußtapfen setzen, von ihm hören wir die Wahrheit, weil der Geist, der in alle Wahrheit leitet, aus ihm redet, er vermittelt uns das geistliche Leben, weil er der Träger des geistlichen Lebens ist. Quelle: Wächterstimme aus Zion, 1. Januar 1929, Seite 4-5. Gefunden von Naktalk.de

1929 Am 1.4.29 wird FB zum Priester ordiniert.

1931 Am 30.8.31 wird FB mit 23 Jahren (!)  zum Bezirksevangelisten ordiniert.

1932 FB heiratet seine Frau Barbara. Seine zweite Tochter Barbara ist mit dem späteren Stammapostel Leber verheiratet.

1932 „Die Druckerei hatte eine bedeutende Zahl von Buchbindeaufträgen zu vergeben, und es entstand der Plan, eine eigene Buchbinderei zu eröffnen. Mit den ersparten Beträgen wurden die ersten Maschinen und Einrichtungsgegenstände erworben und in der Wohnung der Eltern des Albert Troll in der Kölner Straße 80, mit der Arbeit begonnen. Als die Räume nicht mehr ausreichend waren, fand eine Übersiedlung in einen Geschäftsraum in der Frankenallee statt. Das Unternehmen führte den Namen „Großbinderei Johann Troll“, da Albert Troll wie auch Friedrich Bischoff  nicht nach außen in Erscheinung treten mochten. In mehreren Besprechungen mit J. G. Bischoff entschloss sich Friedrich Bischoff, das Unternehmen zu erwerben. Die Bedingungen wurden festgelegt und Friedrich Bischoff übernahm die Hausdruckerei am 1.07.1932.“ (Idler a.a.O. S. 15) Albert Troll war zu dieser Zeit Buchhalter der Druckerei. 

1932 Stammapostel J.G. Bischoff gibt die bislang kircheneigene Druckerei ab. Friedrich Bischoff  erwarb auch diese aus Kirchengeldern finanzierten Einrichtungen und machte sich als Friedrich Bischoff Verlag  selbstständig. Der Vertrag zwischen dem Stammapostel und seinem Sohn sah eine Laufzeit bis 1940 vor. Eine automatische Verlängerung des Vertrages um jeweils 5 Jahre wurde ihm vom Vater garantiert. Vater und Sohn Bischoff hatten mit dieser zentralisierten Publikationsmöglichkeit nun eine uneingeschränkte Macht, die NAK so zu lenken, wie es ihrem Interesse entsprach. Woher die finanziellen Mittel zum Erwerb der Großbinderei und der Druckerei durch den eigentlich mittellosen 23jährigen FB stammten ist genauso unbekannt wie die Höhe der Zahlungen.Woher die finanziellen Mittel zum Erwerb der Großbinderei und der Druckerei durch den eigentlich mittellosen 23jährigen FB stammten ist genauso unbekannt wie die Höhe der Zahlungen. Stammapostel Bischoff verzichtete ab 1.7. 1932 auf sein Kirchengehalt, „da er sich selbst aus schriftstellerischer Tätigkeit ernährt.“ Quelle: Schreiben des Rechtsanwaltes Eberhardt, S. 8

1933 Adolf Hitler gewinnt mit der NSDAP am 5. März die Wahl

1933 In der mir vorliegenden Verfassung der NAK-Preußen von 1933 wird ausdrücklich bestätigt, dass alleine der Stammapostel als höchste Autorität  dazu befugt ist, neu zu ordinierende Apostel zu bestimmen, sie  „in ihr Amt einzuweisen“ und  bei Verstößen „gegen die Lehre“ die Befugnis hat, sie und jeden anderen Amtsträger „abzuberufen!“ In den Statuten von 1922 ist zudem festgehalten, dass der Stammapostel „bei auftretenden Meinungsverschiedenheiten die entscheidende Stimme  hat.“  (Quelle ebd. S.18) Über neue Aposteleinsetzungen wurde 1922 noch - im Gegensatz zu den neuen Bestimmungen von 1933 - von der Apostelversammlung mit einer „dreiviertel Stimmenmehrheit“ entschieden. (Quelle ebd. S. 11)

Im Artikel 11 der preußischen Statuten ist zu lesen (Hervorhebungen nicht im Original):

Der Hauptleiter (Stammapostel).

Der Hauptleiter wird von der Bezirksleiterversammlung der Neuapostolischen Kirchen Deutschlands bestellt. Er muss Reichsdeutscher sein und in Deutschland wohnen. In Sachen  des Glaubens und der Lehre ist er oberste Autorität, sodass er befugt ist,  solchen Beschlüssen der Landesversammlung und  des  Landesvorstandes, die gegen die Lehre der Kirche verstossen, die Genehmigung zu  versagen. Alle Beschlüsse bedürfen zu ihrer  Gültigkeit der schriftlichen Zustimmung  des Hauptleiters.

Es gehört zu seinem speziellen Aufgabenkreis, die Bezirksleiter und deren Vertreter zu ernennen und in ihr Amt einzuweisen. Er hat ferner die Befugnis, die benannten sowie alle übrigen Religionsdiener nötigenfalls abzuberufen.  Im Fall ein Bezirksleiter durch Krankheit oder zu hohes Alter seine Amtspflichten  nicht mehr erfüllen kann oder sich durch sein Verhalten mit der Lehre der Neuapostolischen Kirche in Widerspruch setzt, hat der Hauptleiter für eine geeignete Vertretung oder für die Bestellung  eines anderen Bezirksleiters zu sorgen.

Vorstehende Verfassung ist sämtlichen Neuapostolischen Kirchengemeinden in Preussen zur Beschlussfassung vorgelegt und nach erfolgter Zustimmung der Landesversammlung der Neuapostolischen Kirche in Preussen beschlossen worden.

Frankfurt a/Main, den 25. April 1933.

Neuapostolische Kirche in Preussen

Der Hauptleiter:

gez. J.G.Bischoff.

Quelle: Verfassung der NAK-Preußen von 1933 S. 6, 7 und 13

(Abschrift und Formatierung D. Streich Juli 2021)

1933 Am 27.4.33 bringt die Wochenzeitschrift 'Frankfurter Laterne' einen kritischen Artikel von Wilhelm Neuer, einem ehemaligen Redaktionsgehilfen des Bischoff-Verlages, unter dem Titel: 'Skandalöse Eigenmächtigkeiten der Apostelfamilie Bischoff in der Neuapostolischen Gemeinde'Zitat daraus:

"Wahr ist, dass der Stammapostel Bischoff und sein Sohn, der Grossbuchdruckereibesitzer und Charakter-Evangelist Fritz Bischoff, nicht nur in geschäftlicher, sondern auch in seelsorgerischer Beziehung in vielen Fällen recht rücksichtslos sind. Von Rücksichtslosigkeit zeugt auch das Benehmen des Buchdruckerei-Besitzers und Charakter-Evangelisten Fritz Bischoff, wenn er in der Gemeinde Eschersheim am 7. September die 'Frohe Botschaft' verkündigte: 'Unser Schwert ist geschärft, und da kann es mal um die Ohren gehen, wenn jemand den Stammapostel angreift!'  Ein weiterer Artikel mit dem Titel „Wohin kommt euer Zehnt, ihr Gläubigen?“ ist ebenfalls erschienen. (Quelle des Zitates: "Chronologie der Ära Johann Gottfried Bischoff mit Bezug zuEreignissen und Fehlentscheidungen in der Neuapostolischen Kirchevon Erwin Meier-Widmer)

1933 FB und sein nun ehemaliger Buchhalter und alter Jugendfreund Albert Troll - von 1929 bis 30.6.1932 in dieser Funktion tätig - beauftragten umgehend den Rechtsanwalt Waldemar Eberhardt, sie in dieser Sache juristisch zu vertreten. (Trolls Funktion 1933 ist unklar. Idler schreibt dazu: „In das neue Unternehmen „Friedrich Bischoff‘ trat Albert Troll weder als Teilhaber noch als Angestellter ein. Eine Anstellung erfolgte nicht, Troll war freier Mitarbeiter. Er wählte damals die Bezeichnung „Wirtschaftsberater“ und war in jeder Hinsicht selbständig. Im Unternehmen Friedrich Bischoff hatte Troll lediglich die Aufgabe einer wirtschaftlichen Beratung und der Erledigung der buchhalterischen Arbeiten. Zu letzteren standen mit der späteren Ausdehnung des Geschäfts noch Angestellte zur Verfügung. Dieses Verhältnis endete mit Kriegsbeginn und dem Ende des Deutschen Buch Verlages.“ (Idler a.a.O. S. 15) )

Rechtsanwalt Eberhard schrieb am 3.5.33 ein kurzes Schreiben an Herrn Neuer, in welchem er ihm u.a.  „sämtliche Schritte, zivil- und strafrechtliche“ ankündigte. Ferner schrieb er: „Meine Mandanten werden […] auch notfalls eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung derartiger beleidigender  Angriffe durch Sie mit nachfolgender Hauptklage erzwingen.“  (Quelle der Rechtsanwaltschreiben)

In einem zweiten Schreiben, ebenfalls vom 3.5.33, an den Herausgeber der Roten Laterne schreibt Eberhardt sehr ausführlich und fordert ihn auf, zum Artikel „Wohin kommt euer Zehnt, ihr Gläubigen?“ zahlreiche Berichtigungen aufzunehmen wie z.B.:

„2) Von den Mitgliedern der Neuapostolischen Gemeinde ist weder direkt noch indirekt ein Zehnt gefordert worden. Die eingehenden Opfergelder dienten ausschliesslich dem Zwecke des Aufbaues der Gemeinde, was durch die Bücher derselben, die durch beeidigte Bücherrevisoren geprüft worden sind, nachgewiesen werden wird.[…]

3) Bezugnehmend auf die Mitgliederversammlungen und den in denselben üblichen Gepflogenheiten der Vorlegung eines ausgearbeiteten Protokolls ist zu sagen, dass die widerspruchslose Annahme der Beschlüsse des Vorstandes durch die Mitgliederversammlungen den einheitlichen Geist und die Zufriedenheit der Mitglieder mit den Vorschlägen des Vorstandes zeigen. Eine auf Wahrheit beruhende Kritik wurde niemals zurückgewiesen oder als Sünde bezeichnet.

5) Die Überschüsse, die aus der auf Veranlassung des Herr J.G Bischoff errichteten Hausdruckerei der Vereinigten Neuapostolischen Gemeinden Süd- und Mitteldeutschland E.V. erzielt wurden, flossen restlos der Unterstützungskasse der Gemeinde zu. […] Herr J.G. Bischoff hat den gesamten Betrag aus den Zeitschriften der Unterstützungskasse der Neuapostolischen Gemeinde zur Verfügung gestellt. Später wurde die Hausdruckerei aufgelöst und die gesamte Einrichtung von Herrn Bischoff angekauft.

Ferner ging es im Weiteren um die Darstellung der sehr undurchsichtigen Finanzierung der von J.G. Bischoff gekauften Villa Albrecht in Altweilenau.

Danach schreibt  Eberhardt weiter:

6) Seit der Uebernahme der ehemaligen Hausdruckerei durch Herrn Friedrich Bischoff sind neben dem ursprünglich beschäftigten Personal weitere zehn Personen eingestellt worden. […]

9) Herr Bischoff jun. Hat sich im Kreise der Gemeinde nicht missliebig gemacht. Ausser dem Einsender wird sich wohl kaum jemand finden, der due Ansicht des Einsenders teilt.“

Welche Lügen hier aber tatsächlich dem Anwalt vorgelegt wurden, werden durch die folgenden, ausführlichen Beschreibungen von Dr. König mehr als deutlich:

„Wieviele Menschen aufgrund dieser Anordnungen des Stammapostels der Verfolgung durch das NS-Regime ausgesetzt waren oder Ihr zum Opfer gefallen sind, ist momentan noch nicht zu ermessen. Bekannt ist allerdings, daß Mitglieder der NAK, die beim Stammapostel in Ungnade gefallen waren und von ihm aus der NAK ausgeschlossen wurden, auch der Denunziation bei der NSDAP ausgesetzt wurden. Einige Fälle, in denen der Stummapostel Bischoff persönlich handele, sollen hier behandelt werden Ein Amtsträger der NAK namens Wilhelm Neuer, der mit seiner Familie Ende der zwanziger Jahre im Auftrag des damaligen Stammapostels Niehaus nach Nordamerika gesandt wurde, scheiterte wohl bei der ihm gestellten Aufgabe und kehrte nach kurzer Zeit nach Deutschland zurück. Er wurde zunächst nur seines Amtes enthoben, blieb jedoch Mitglied der NAK und erhielt eine Anstellung im   Hausverlag der Kirche in Frankfurt.

Dort wurde ihm während einer Krankheit, die er am 21.9.1932 meldete, unter dem bereits amtierenden Stammapostel Bischoff am 28.9.1932  gekündigt. Zwar wurde ihm auch nach seiner Kündigung noch eine schmale finanzielle Unterstützung gewährt, doch Wilhelm Neuer fühlte sich ungerechtfertigt schlecht behandelt. Nachdem er sich mit dem Stammapostel überworfen hatte, machte er im Juni 1933 durch einen Zeitungsartikel auf seine Schwierigkeiten mit der NAK und besondere mit dem Stammapostel aufmerksam. Daraufhin wurde er mit seiner ganzen Familie aus der NAK ausgeschlossen. Stammapostel Bischoff kommentierte den Ausschluß wegen der Zeitungsveröffentlichung in einem Schreiben mit den Worten (2) S. 119: Bezüglich des Ausschlusses der Familie Neuer ist zu sagen, daß Herr Neuer nicht, wie er angibt, auf Grund irgendeiner Kritik aus der Gemeinde ausgeschlossen wurde, sondern wegen seines undeutschen und unchristlichen Verhaltens. Es sei hier gleich festgestellt, daß Herr Neuer und seine Familie in der Neuapostolischen Kirche niemals mehr Aufnahme finden werden.“

Stammapostel Bischoff - der Herr über Leben und Tod, hatte die ewige Verdammnis über einen Glaubensbruder und seine Familie ausgesprochen. Warum auch die Frau und die Kinder des Herrn Neuer gleich mit ausgeschlossen wurden, ist weder aus christlicher noch aus irgendeiner anderen Sicht nachvollziehbar. Die Rachsucht des Stammapostels Bischoff war aber nach dem Ausschluß der Familie Neuer aus der NAK noch nicht gestillt. Denn er äußert sich im gleichen Schreiben weiter: „Zu bemerken ist noch, daß auf Grund dieser  welche die Familie Neuer aus der Gemeinde ausgeschlossen wurde, auch Schritte in die Wege geleitet sind, die voraussichtlich den Ausschluß des Herrn Neuer aus der N.S.D.A.P. zur Folge haben werden.“  

[…] Der Stammapostel Bischoff hat sich auch allgemein zur Kirchenpolitik in Sachen Ausschluß von Mitgliedern geäußert (2), S121: “Es ist unmöglich, Mitglieder einer Organisation zu positiver Mitarbeit zu erziehen, wenn dieselben den entsprechenden Veranstaltungen fernbleiben. Auch in der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei weiß man, daß nur eine gründliche Schulung den deutschen Menschen zur nationalsozialistischen Weltanschauung  erziehen kann. Unentschuldigtes Fernbleiben von den Schulungsabenden kann mit dem Ausschluß aus der Partei bestraft werden. So haben auch wir in der richtigen Erkenntnis dieser Tatsachen immer darauf gesehen, daß unsere Mitglieder die zu bestimmten Zeiten angesetzten regelmäßigen Gottesdienste regelmäßig besuchten, weil wir derAnsicht sind, daß eine Mitgliedschaft ohne positive Mitarbeit für uns wertlos ist.“

So ist es in der NS-Zeit und noch Jahrzehnte später in der NAK üblich gewesen, säumige Geschwister auszuschließen oder zumindest nicht mehr zu den Segnungen, insbesondere dem Abendmahl, zuzulassen. Allerdings gab es auch Ausnahmen. Zwar sind ja bekanntlich vor Gott alle Menschen gleich, aber in der NAK sind manche Menschen gleicher als andere. Dies folgt aus einer‚ Anordnung des Stammapostels Bischoff an die Gemeindeleiter (1), S.14:“Jedem Nationalsozialisten, auch wenn er längere Zeit die Gottesdienste nicht besucht hat, die Segnungen zu spenden.“  Quelle: Die Neuapostolische Kirche in der NS-Zeit, Autor Dr. Michael König, Feldafing 1993 als handkopierte Broschüre, 1. Auflage Mai 1993, S. 28f:dort zitiert aus (1) Reichsführer-SS, SD-Leitheft über die Neuapostolische Gemeinde e.V. Mai 1937, 445.,Akt R58/230, Bundesarchiv Koblenz / (2) dort zitiert aus Reichskirchenministerium, Die Neuapostolische Religionsgemeinschaft, 1922-1941, 326 S., Akt RKM 23418, Bundesarchiv Potsdam S. 119       

Zusätzliche Anmerkung: Die  zwei Dokumente des Rechtsanwaltes sind von der PG-Geschichte am 22.5. 2005 unter der Überschrift „Argumente im Zeitungsartikel sind in allen Punkten zu widerlegen!“ völlig unreflektiert und ohne irgendeine Erläuterung als Gegenbeweis eingestellt worden mit den Anmerkungen: 

„ Die Zeitung "Frankfurter Laterne" war eine kritisch-satirische Wochenzeitung mit Sitz in Frankfurt. Bereits im Mai 1933 wurde sie verboten. In der Ausgabe vom 27. April 1933 erschien ein Artikel über angebliche "Eigenmächtigkeiten der Apostelfamilie Bischoff". Wenige Tage später lag dem Verleger ein anwaltliches Schreiben und eine Expertise dazu vor. Im Auftrag der Kirchenleitung hat sich die innerkirchliche Projektgruppe Geschichte ausführlich mit den im Zeitungsartikel aufgeführten Anschuldigungen gegen die Familie Bischoff beschäftigt. Das Ergebnis ist eindeutig: die ausgewerteten Originalunterlagen belegen, dass die in der genannten Zeitung vorgenommenen Vorwürfe nicht haltbar sind. […] Diese Dokumente sind geeignet, die in der genannten Zeitung vorgenommenen Vorwürfe in allen Punkten zu widerlegen.“ (Quelle: PG Geschichte (nak.org))

Dieser Versuch der PG-Geschichte ist mehr als erbärmlich! In Wirklichkeit lassen die Ausführungen des Anwaltes keinerlei Einblick in das Geschehen um Herrn Neuer und seine erhobenen Vorwürfe zu, da lediglich Behauptungen angeführt werden, die zudem hauptsächlich auf einen anderen Artikel von ihm bezogen sind!

Und die Fragen um die finanziellen Machenschaften vom Stammapostel Bischoff und seinem Sohn bleiben: Woher – wenn nicht aus abgezweigten Opfergeldern -  hatte der 23jährige eben noch Lehrling Friedrich Bischoff 1932 das Geld, die Firmen zu kaufen, die zuvor - wie schon erwähnt – vom Stammapostel im Widerspruch zu den Angaben des Anwaltes doch mit Kirchengeldern finanziert worden sind? Hinzu kommt die Widersprüchlichkeit aus Idlers Bemerkung „Die Hausdruckerei brauchte sich wirtschaftlich nicht selbst zu tragen. Von einer kaufmännischen, also einer gewinnorientierten Abrechnung konnte daher keine Rede sein. Die „Abteilung Hausdruckerei“ war keine „lukrative Betriebseinheit.“ .“  (Idler a.a.O. S.18) zu der Angabe des Rechtsanwaltes im zweiten Schreiben: „Herr J.G. Bischoff hatte bis zum 1.7.1932 keinen Pfennig aus seinen Zeitschriften[…], danach aber „verzichtete (er) auf sein Gehalt als Kirchenoberhaupt und lebte von seinen schriftstellerischen Tantiemen der kircheneigenen Publikationen.“ (Quelle) Wenn J.G. Bischoff von nun an von den Tantiemen leben konnte, wie gut ging es da wohl finanziell dem Besitzer FB?

1933 FB tritt mit 24 Jahren am 1.5.33 in die NSDAP ein. Vater und Sohn Bischoff kollaborieren sehr stark mit dem NS-Regime und zwingen ihre Kirchenmitglieder zur Treue und vollständigen Anerkennung Hitlers und seiner Ziele. (siehe Exkurs: Die NAK im Nationalsozialismus)

1937 FB lässt sich ein großes Zweifamilienhaus im Nobelbezirk Frankfurt-Bockenheim bauen.

1939 "Unsere Familie, der Kalender für das Neuapostolische Heim". Anonymer Artikel von Friedrich Bischoff mit Verherrlichung seines Vaters, des Stammapostels J.G. Bischoff: "Es ist nur ein Gott, ein Werk und auch nur einer, der gesandt ist, den Willen des Herrn kundzutun, der alle Glieder und ihre Funktionen leitet und als Haupt alles ordnet und lenkt zum Segen des Gemeinschaftskörpers". Treue und Anhänglichkeit seien das Fundament der Einheit und somit ein unschätzbares Verdienst des Stammapostelamtes. Auswirkung: Glorifizierung des Stammapostels Bischoff. Ausschaltung der Apostel als mitbestimmendes, leitendes Kollegium und Relativierung ihres Sendungauftrages als Mitverkündiger des göttlichen Willens. Folge: wachsendes Unbehagen im Kreise der Apostel. Quelle: "Chronologie der Aera Johann Gottfried Bischoff mit Bezug zu Ereignissen und Fehlentscheidungen in der NAK" Erwin Meier-Widmer (1998)

1940 FB schreibt in einem rassistischen Reisebericht in „Unsere Familie“ am 5.4.40: „Schwarze und Mischlinge steigen auf der sozialen Leiter immer höher, sie verdrängen mit ihrer billigen Arbeitskraft den besser bezahlten Weißen auch aus Stellungen, die dem Weißen allein zustehen sollten [...] Das farbige Element ist zum Angriff übergegangen [...] England hat den Buren Südafrika geraubt, uns hat es unsere Kolonien gestohlen, nicht um sie besser zu kolonisieren, nein, um sie auszubeuten, um die Besitzer davonzujagen und die Weißen samt ihrer Kultur an den Neger zu verraten.“ 20.4.: „Wohl hat sich der Weiße noch eine bestimmte Vorherrschaft erhalten können, sie ist aber stark ins Wanken geraten, und sie wird noch immer mehr ins Wanken kommen, je mehr der Jude Einfluß gewinnt, denn es ist sein Ziel, die Völker zu zersplittern, sie niederzuhalten und sie auszubeuten.

1942  Der Verlag stellt seine Produktionen kriegsbedingt ein.

1945 FB wird als Feldwebel aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft entlassen.

    

Exzerpt: Was aus Teil 1 faktisch zusammenfassend festzuhalten ist:

Die erhobene Behauptung ist falsch, dass

1.      eingehende  Opfergelder ausschließlich dem Zwecke des Aufbaues der Gemeinde dienen, weil u.a. Druckerei und Großbinderei durch Kirchenmittel aufgebaut wurden,

2.      die Druckerei und ihr Schrifttum nur der einheitlichen Ausprägung der Lehre und den von der jeweiligen Hauptleitung vertretenen Inhalten dienen sollten, denn das eigentliche Anliegen formulierte FB 1939 in UF als anonymisierter Autor selbst wie folgt: "Es ist […] nur einer, der gesandt ist, den Willen des Herrn kundzutun, der alle Glieder und ihre Funktionen leitet und als Haupt alles ordnet und lenkt zum Segen des Gemeinschaftskörpers". Ziel war und blieb vielmehr, die Mitwirkung des Apostelkollegiums durch solche gezielten Publikationen zunehmend auszuschalten, um Vater und Sohn die alleinige Führerschaft zu garantieren.  Das eigentliche und ursprüngliche „Haupt“ Jesus Christus wurde mit dem Stammapostel zunächst umgewandelt zum Haupt der Apostel, nun aber sind alle anderen, auch die Apostel, nur noch Glieder, die sich dem neuen und alleinigen Haupt des Stammapostels unterzuordnen haben,

3.      FB seine Lehre vorzeitig beendete unter Unterordnung persönlicher und zum Teil auch geschäftlicher Interessen, um dem Gesamtinteresse der Kirche zur Verfügung zu stehen, weil überhaupt nicht das Interesse der Kirche, sondern in erster Linie die Durchsetzung eigener Machtvorstellungen und finanzielle Vorteile angestrebt wurden. Der Bau des großen Zweifamilienhauses in Frankfurt-Bockenheim, den FB bereits 1937 in Auftrag gab, zeigt den Erfolg seiner finanziellen Zielstrebigkeit,

4.      die widerspruchslose Annahme der Beschlüsse des Vorstandes, also des Stammapostels,  durch die Mitgliederversammlungen den einheitlichen Geist und die Zufriedenheit der Mitglieder mit den Vorschlägen des Vorstandes zeigt, weil alle vorgefassten Beschlüsse von JGB offensichtlich nicht diskutierbar waren, was alleine der ignorierte Widerspruch gegen die Leitungsübernahme des Verlages durch FB beweist,

5.      Überschüsse, die aus der auf Veranlassung des Herr J.G Bischoff errichteten Hausdruckerei erzielt wurden, restlos der Unterstützungskasse der Gemeinde zugeflossen sind, weil einerseits immer wieder Gelder abgezweigt wurden zur Finanzierung von Druckerei, Binderei und anderen dubiosen Projekten. Andererseits war FB seit 1932 privater Unternehmer, der mit seinen Einnahmen natürlich machen konnte, was er wollte,

6.      Herr J.G. Bischoff den gesamten Betrag aus den Zeitschriften der Unterstützungskasse der Neuapostolischen Gemeinde zur Verfügung gestellt und er daran keinen Pfennig verdient hat, weil die Buchbinderei und ebenso der sehr undurchsichtige Kauf der Villa Albrecht von JGB (siehe Anwaltsschreiben original) ziemlich sicher mit kirchlichen Opfer-Mitteln finanziert wurde,

7.      die Hausdruckerei aufgelöst und die gesamte Einrichtung von Herrn Bischoff angekauft wurde, weil FB für beides keinesfalls die notwendigen finanziellen Mittel hätte aufbringen können. Denn entweder hat JGB die Unternehmen weit unter Wert tatsächlich an JB verkauft, oder er hat ihm das Geld für den Kauf gegeben. In beiden Fällen wurden also Kircheneigentum bzw. Kirchengelder  in Privateigentum umgewandelt,

8.      von einer gewinnorientierten Orientierung der Druckerei keine Rede sein konnte, weil sie  keine lukrative Betriebseinheit war (Idler), weil laut Rechtsanwalt neben dem ursprünglich beschäftigten Personal bereits 1932 weitere zehn Personen eingestellt worden sind und sich die Produktion und damit der Gewinn erhöhte. Außerdem konnte JGB ab 1932  laut Idler von den Tantiemen leben. Wie gut ging es da wohl finanziell bereits dem Besitzer FB?

9.   der Ausschluss der Familie Neuer nicht auf Grund irgendeiner Kritik vorgenommen wurde, sondern wegen seines undeutschen und unchristlichen Verhaltens (Stap Bischoff), da in den Schreiben des Rechtsanwaltes davon überhaupt keine Rede ist und für diesen Vorwurf auch keinerlei Beispiele gegeben werden. Zudem sind seine Frau und Kinder gleichfalls ausgeschlossen worden, die ohnehin an diesen behaupteten Handlungen und auch an seiner Kritik nicht beteiligt waren. Ohnehin sind auch die juristischen Argumentationen gegen den Artikel von Neuer aus heutiger Sicht zu widerlegen.

Fazit 1: Völlig undurchsichtige Absprachen zwischen Vater und Sohn Bischoff bereiteten dem 23jährigen FB über die Veruntreuung von Opfergeldern mit seinem zielgerichtet auf den Weg gebrachten, privaten Verlag Friedrich Bischoff eine gesicherte und lukrative Zukunft. Die von Niehaus angestrebte „Zentralisierung“ der NAK gleitet missbräuchlich zeitgleich und sukzessive in eine diktatorische Monopolisierung der kirchenpolitischen Macht, die im Begriff ist, jede Einflussnahme und Kritik am Verhalten des Stammapostels und seines Sohnes durch das Apostelkollegium auszuschalten. Wer die herausgegebenen Kirchenschriften inhaltlich beherrscht, hat uneingeschränkte Möglichkeiten zur zielgerichteten Manipulation und Kontrolle aller Mitglieder und Führungsfunktionäre!

 

 

Teil 2 „Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff?“ 1948 bis 1951 - Finanzielle Machenschaften, intrigantes Verhalten und sein Einfluss auf den Stammapostel   

1945 Auf das  Auskunftsersuchen des Hessischen Staatsministeriums (Der Minister für politische Befreiung, Kammer Frankfurt am Main, Der öffentliche Kläger) vom 30. November 1947 schrieb Friedrich Bischoff am 09.12.1947 eine Stellungnahme. Auf Seite 3 seiner Stellungnahme erklärt Bischoff"Dann wurde unsere Einheit aufgelöst und ich kam über Sammellager und Ersatztruppenteile zu den Fallschirmjägern und machte mit dieser Truppe den Einsatz Ende 1944 in der Eifel und Luxemburg und 1945 den Rückzug bis zum Harz mit, wo ich im April in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet, aus der ich um Juli 1945 entlassen wurde. Ich war zuletzt Feldwebel." Quelle: HHStAW Abt. 630 Nr. 280.

1948 FB wurde in einem Verfahren zur Entnazifizierung von der Spruchkammer Frankfurt als Mitläufer zu 2000 Reichsmark Sühneleistung verurteilt (Quelle: 2011 Vortrag vom Redakteur Andreas Rother zur Geschichte des VFB) 

1948 „In diesem Schriftsatz teilten mir die Apostel mit, daß sie den Apostel Kuhlen als meinen Nachfolger erwählt haben. Ich kann die Apostel in dieser Hinsicht verstehen; denn mit vollendetem 77. Lebensjahr ist man kein Jüngling mehr. In diesem Alter ist man dem Tag, an dem einem der Herr Feierabend machen heißt, näher, als wenn man 40 oder 50 Jahre alt ist.“ (Brief Stammapostel Bischoff vom 18. Februar 1948  an Apostel Schneider sen. (Schweiz). Quelle: aus „NAKI Offizielle Zusammenschau AG-Geschichte 2007“ Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, S. 22)

Wichtiger Hinweis: Diese Zusammenschau wurde wegen starker Kritik an ihrer sehr einseitigen Interpretation zu Gunsten des Stap Bischoff sehr bald wieder aus dem Netz genommen, aber das Netz vergisst nie: Infoabend_041207_Geschichte_Internetversion (samenapostolisch.nl). Dennoch finden sich darin eine Fülle sehr aussagekräftiger Zitate, die aber von der AG unter der Leitung von Apostel Drave (studierter Historiker!) nach seinem Verständnis subjektiv umgedeutet wurden. In diesem Artikel Teil 2 werden nun aus dieser Quelle viele dieser sozusagen „offiziell bestätigten Zitate“ verwendet und dem interessierten Leser zur Kenntnis gebracht. Die NAK hingegen löscht ihre Dateien, ignoriert die Fakten und schweigt – wie immer! Und wir Kritiker schreiben: Siehe auch meinen Artikel zum Thema: "Der Draveprozess" oder die kurze Zusammenfassung: Die NAK im Nationalsozialismus in 20 Punkten!

1948 BezAp Peter Kuhlen aus dem Rheinland und Westfalen wird am 21.5.48 ohne Mitwirkung des Stammapostels vom Apostelkollegium im 2. Wahlgang einstimmig zum Nachfolger gewählt. FB hatte noch kein Apostelamt und nahm folglich an der Abstimmung nicht teil. Kuhlen wird am 1.8.48 in Bielefeld „ins Stammapostelamt eingesetzt und sollte bis zur Amtsübernahme als Stammapostelhelfer wirken.“ (Quelle) In diesem Gottesdienst stellte der Stammapostel heraus:

Es wurde der Satzung entsprechend eine geheime Wahl vorgenommen, durch die einstimmig die Erwählung von Apostel Kuhlen als mein Nachfolger festgelegt wurde. Jetzt kam auch noch hinzu, dass am 28. Juli vor 100 Jahren Vater Niehaus geboren worden war, und da wollten wir doch an diesem Tage nicht vorbeigehen, ohne dessen zu gedenken, was Vater Niehaus in der Zeit seiner Tätigkeit im Werke gearbeitet hat. Auch alle überseeischen Apostel haben inzwischen zur Einsetzung des Apostels Kuhlen als meinen Nachfolger ihre Zustimmung gegeben. Und dieser Tag ist zur Aussonderung des Apostels Kuhlen als zukünftiger Stammapostel vorgesehen.

Solange ich noch da und arbeitsfähig hin, ist er mein Helfer. In dem Augenblick aber, wo ich infolge Krankheit oder sonstwie vom Herrn abberufen werde, tritt er ohne weiteres an meine Stelle. So will ich nun heute die Handlung vollziehen und ihm Amt und Auftrag übergeben, so daß dann die Sorge um die zukünftige Führung des Werkes von den Aposteln genommen ist.

Nun rechnen ja viele der Brüder und Geschwister damit, dass der Herr zu meiner Zeit kommen würde. Dazu bemerke ich: Ich habe noch nie gelehrt, daß der Herr das tun müßte. Zu glauben, daß der Herr zu unserer Zeit kommt, das kann uns niemand verbieten und wird auch nicht verboten, denn die, die ein Ziel vor Augen haben, bereiten sich auch entsprechend vor. Das Ganze aber hat mit dem Tag des Herrn absolut nichts zu tun.“ Quelle: "Brot des Lebens", Jahrgang 1948, Nr.19 + 20

Erwin Meier-Widmer ergänzt und kommentiert: „Gemaess Gottesdienstbericht in "Brot des Lebens 1948", Seite 154/155, sagte J.G. Bischoff (wie Sie das erwaehnen): "Im Namen und Auftrag des Apostelkollegiums nimm hin das Stammapostelamt". Weiter sagte er aber dann: "Der Geist des Herrn, der dir zu diesem Amte gegeben ist, bewahre dich auf dem Wege, auf den der Herr dich gestellt hat..". Diese Aussage bei der Einsegnung ist von grosser Bedeutung. Was uns an den Ausfuehrungen J.G. Bischoffs aber stoert, ist die unsaubere Aussage: "Es wurde der Satzung entsprechend eine geheime Wahl vorgenommen, durch die einstimmig die Erwaehlung von Apostel Kuhlen als mein Nachfolger festgelegt wurde". Dabei ist verbuergt, dass sich J.G. Bischoff sehr ausfallend gegen den Wunsch der Apostel um einen Nachfolger gewehrt hat und dass er selber sich bei der Wahl der Stimme enthalten hat. Die Einstimmigkeit bezieht sich also auf saemtliche Apostel der Erde, aber mit Ausnahme von Stammapostel J.G. Bischoff. Wenn es mir die Zeit erlauben sollte, werde ich spaeter auch auf die Entstehungsgeschichte dieses Wunsches saemtlicher Apostel eingehen, selbstverstaendlich wiederum belegt mittels schriftlich festgehaltener Aussagen und Dokumente. Nicht grundlos hat Bezirksapostel Peter Kuhlen die Funktion eines "Motors" uebernommen und hat die Regelung der Nachfolge angeregt.“ (Quelle Brief (25.8.1997) von Erwin Meier-Widmer an einen hohen Amtsträger)

Die drohende Amtsübernahme durch Kuhlen hätte aber sicher auch das Ende der Verlagskarriere von FB bedeutet und musste somit aus seiner Sicht unbedingt so lange wie möglich verhindert werden. Also wurde in hohen Maß rücksichtslos gegen Kuhlen polemisiert. Aus der bisherigen Naherwartung sollte in den kommenden Jahren zielgerichtet die konkrete „Botschaft“ der Wiederkunft Jesu zu Lebzeiten des Stap Bischoffs inszeniert werden, wodurch eine Stellvertretung durch Kühlen überflüssig gemacht würde. Außerdem wurde die Person und der Mensch Peter Kuhlen sukzessive und vollständig diskreditiert, so dass auch seine Arbeit als Bezirksapostel hinfällig werden musste. Wie das geschehen konnte, wird im Folgenden ausführlich aufgezeigt.

1949 Der Verlag wird nach dem Krieg und dem Zusammenbruch des NS-Regimes wieder Eigentum der NAK und nimmt, finanziell stark durch die Kirche unterstützt,  seine Produktionen erneut auf. Am 1.10.49 ließ der damals bereits 78jährige Stammapostel Bischoff als Herausgeber in der Wächterstimme drucken (Autor FB??):  „Wer sich dieses im Besitz des Stammapostels befindlichen Schlüssels bedienen will, muß das Herz jenes Mannes besitzen, der das völlige Vertrauen des Sohnes Gottes sein eigen nennen darf. Ihm nicht restlos zu vertrauen und seinem Worte nur in Gedanken widerstehen zu wollen heißt, sich wider den Sohn Gottes zu versündigen. Wem der Vater so sein Vertrauen schenkt, wie dem gegenwärtigen Stammapostel, dem sollten wir armen schwachen Menschen doch erst recht restlos vertrauen. Aber gerade darin liegt oft die Tragik einer von Gott besonders gesegneten Schar, daß sie das edelste, was sie besitzt, nicht zu schätzen weiß.“ (Quelle)

1950 Stammapostel Bischoff (79) übergibt ohne finanzielle Forderungen die Verlagsleitung wieder an FB und verlängert die Laufzeit des Vertrages um 25 Jahre bis 1975. „Das Apostelkollegium wurde nachträglich davon in Kenntnis gesetzt. Dies führte zu Unstimmigkeiten im Apostelkreis.“  (Quelle)

1950 Am 5.2.50 wird FB zum Bezirksältesten ordiniert.

1950 „21.05.50 BezAp Walter Schmidt wurde kürzlich von der Hauptverwaltung Frankfurt angefragt, ob er leihweise DM 30.000 für den Ausbau der zerstörten  Kirche Sophienstraße Frankfurt aM zur Verfügung stellen könnte. Am 21.5.1950 wollte er via Friedrich Bischoff anlässlich eines gemeinsamen Gottesdienst in Düsseldorf ausrichten lassen, er wäre bereit, etwa DM 30.000 bereitzuhalten. Am Mittag dieses Tages fragte Friedrich Bischoff, ob er nicht die angebotenen DM 30.000 als Darlehen für seinen Privatbetrieb haben könne anstatt für die Kirchenbau. Es kam, wie es kommen musste: Schmidt zahlte DM 60.000, wovon DM 30.000 via Hauptverwaltung an Friedrich Bischoff gingen (diese Information stammt von Walter Schmidt, der bestürzt den Aposteln Kuhlen und Dehmel gleichen Tags berichtet hat).
Anm.: Dass noch weitere Opferstockgelder aus anderen Bezirken durch die Aktionen Friedrich Bischoffs in seinen Druckereibetrieb flossen, muss angenommen werden. Zudem wird er 1953 Bezirksapostel und damit autorisierter Verteiler der Opfergelder aus 'seinem' Bezirk. Hierzu gäbe es viele Fragen. Sicher ist, dass die Bischoffs (Vater und Sohn) große Limousinen fuhren, vergleichbar der amerikanischen Präsidenten, und nur in den renommiertesten Hotels abstiegen.“ Quelle des Zitates: "Chronologie der Ära Johann Gottfried Bischoff mit Bezug zuEreignissen und Fehlentscheidungen in der Neuapostolischen Kirchevon Erwin Meier-Widmer)

Mir liegt ein originaler Bericht mit dem Titel „Diverses hinsichtlich Einfluss Fritz Bischoff in der Leitung“ von ca. 1950 vor, aus dem oben teilweise ohne Kennzeichnung zitiert wurde. Es handelt sich dabei um die Fotokopie eines mit Schreibmaschine geschriebenen Textes über die finanziellen Machenschaften vom Stammapostel Bischoff und seinem Sohn Friedrich.  Das Schreiben ist zwar nicht unterzeichnet, aber zuständig für den im Text zentralen Raum Düsseldorf war Apostel Kuhlen. Auch die Anmerkung seiner Ordination im Jahr 1935 stimmt überein. Somit steht außer Zweifel, dass Kuhlen der Verfasser des sehr authentischen  Berichtes ist. Die Transkription des mit Maschine geschriebenen Textes habe ich am 4.6.2021 vorgenommen. Aus diesem Bericht finden sich vereinzelt kurze Zitate im Internet oder in Aufsätzen, in seiner Gesamtheit wird er hier jedoch zum ersten Mal öffentlich gemacht. Da der Schreibstil von Kuhlen und somit die Darstellung der Fakten teils sehr umständlich formuliert ist, sollen die wesentlichen Informationen des Textes hier zunächst in Kurzform berichtet werden, Alle kursiv gesetzten Stellen sind originale Zitate aus dem Schreiben. Der ganze Bericht steht am Ende als Download zur Verfügung.

Zusammenfassung der inhaltlichen Fakten aus dem Bericht von Apostel Kuhlen (Hervorhebungen nicht im Original):

Das Privatdarlehn über 30.000 DM an Apostel Friedrich Bischoff

Am 21. Mai 1950 berichtet Apostel Schmidt (der spätere Stammapostel) den Aposteln Dehmel und Kuhlen, dass er zu FB gesagt hat: "Wenn sie wieder nach Frankfurt kommen, dann können sie dem Ältesten Weine sagen, ich wäre gerne bereit, leihweise dem Apostelbezirk Frankfurt etwa DM 30.000  zur Verfügung zu stellen, wenn es dadurch möglich wird, die zerstörte Kirche auf der Sofienstrasse in Frankfurt schneller wiederherzustellen." Am Mittag des Tages sei dann Fritz Bischoff zu ihm gekommen und habe gesagt, ob er nicht die angebotenen DN 30.000,-- als Darlehn für seinen Privatbetrieb haben könne anstatt für den Kirchenbau.  Apostel Schmidt sagte zwar, „dass er ein solches Ansinnen furchtbar fände und dass er doch für Privatzwecke keine solchen Geldsummen verleihen könne“, zahlt aber dennoch, denn „Wenn einer es mit Fritz verdirbt, der fällt in Ungnade"  und " der verdirbt es mit dem Chef."

Apostel Schmidt leiht also etwas später dem Frankfurter Apostelbezirk zum Wiederaufbau der Kirche in Frankfurt DM 30.000 und Fritz Bischoff selbst außerdem die gewünschten  DM 30.000. Die Zahlung an FB  ging aber nicht direkt an ihn selbst, sondern formell auch an die Neuapostolische Gemeinde des Apostelbezirks Frankfurt.  Der Apostelbezirk Frankfurt hat dann von den insgesamt erhaltenen DM 60.000 den Teil von DM 30.000  an Fritz Bischoff ausgeliehen. Da  FB aber am 12.7.53 zum Bezirksapostel der neu gegründeten Gebietskirche Rheinland-Pfalz einschließlich Frankfurt  ordiniert wurde, und er damit die Finanzen selbst verwaltete, ist mit ziemlicher Sicherheit davon auszugehen, dass dieses nun interne Privatdarlehn von FB nie an den Apostelbezirk Frankfurt zurückgezahlt wurde. Es sei darauf hingewiesen, dass 30.000 DM in den 50er Jahren eine ungeheure Geldsumme darstellten.

(Anmerkung DS: Ein durchschnittliches Monatseinkommen eines Arbeiters betrug 1950 ca. 250 DM, ein VW-Käfer kostete 4.800 DM, ein Mercedes 300 SL 28,900 DM!)

Die erzwungene Gesangbuchspende

Am 6. 12. 1949 erhielt Kuhlen vom Stammapostel einen Brief mit der Bitte um Unterstützung der „Ostzone“ (DDR) zur Beschaffung von Gesangbüchern. Der Bezirk Düsseldorf  sollte 3.500,  Stuttgart 3.500  und der Bezirk Dortmund 3.000 Gesangbücher kaufen und nach Berlin zur Verteilung an die Ost-Bezirke schicken. Die zuständigen West-Apostel sollten dem Stammapostel mitteilen, ob sie diesen Vorschlag annehmen würden.

Am gleichen Tage hatte Kuhlen dem Stammapostel in einem Brief geschrieben und mitgeteilt, dass er von Apostel Landgraf (Berlin Ost und West) ein Dankesschreiben für eine großzügige Spende an Gesangbüchern erhalten hat, Kuhlen jedoch von einer solchen Spende nichts wusste. Kuhlen betonte die eigene Not an Büchern und machte deutlich, dass er nicht spenden wollte, wohl aber einem Tausch von im Osten hergestellten Harmonien gegen Gesangbücher zustimmen würde.

„Beide Briefe hatten sich gekreuzt.“ Den Ost-Aposteln war also bereits vor einer Einwilligung eine Unterstützung von 30.000 DM durch die ahnungslosen West-Apostel zugesagt. FB selbst hatte einige Zeit zuvor eine Anfrage an die Apostel Rockstroh und Landgraf  (Osten)  gerichtet mit der Frage, wie viele Bücher sie benötigen, woraus sich die genannte Summe erklärt. Kuhlen wollte nun die Angelegenheit und den Tausch Gesangbücher gegen Harmonien mit dem Stammapostel Bischoff  in einem persönlichen Gespräch klären, bekam stattdessen aber lediglich ein Rechnung von Fritz Bischoff vom 12.12.1949 mit dem Hinweis: "Wir versandten laut Vereinbarung mit dem Stammapostel an Apostel Landgraf 3500 Stück Gesangbücher a DM 3, = DM 10,500,--."  Ohne dass Kuhlen etwas bestellt hatte, verfügte (FB) also über die Kasse eines Apostelbezirks nach seinem Gutdünken.“

Am 20. 12. 1949 meinte der Stammapostel lediglich, Kuhlen sollte sich „betr. Gegenlieferung etc. mit den Aposteln in der Ostzone in Verbindung setzen und über die Sache mit Fritz unterkalten!“ Im Gespräch mit FB betonte er nochmals den Wunsch nach einem Tausch gegen Harmonien, FB antwortete: „Ja aber, es ist doch nicht so, als ob es mir mit der Gesangbuchlieferung so eilig wäre, vielmehr haben doch die Apostel Landgraf und Rockstroh von sich aus nach hier geschrieben, ob wir ihnen nicht Gesangbücher liefern könnten.“

Kuhlen kommentierte in seinem Bericht: „ Nach den uns vorliegenden Briefen von den Aposteln Landgraf und Rockstroh wussten wir, dass dies eine glatte Unwahrheit war, denn der Anstoss war nicht von den Aposteln, sondern von Fritz Bischoff ausgegangen, der sogar eine Schenkung seitens Dritter versprochen hatte, ohne mit denen, die das Schenken besorgen sollten, vorher zu sprechen.“  Ferner schlug Kuhlen für den Fall einer Schenkung vor, alle sieben Westbezirke prozentual daran zu beteiligen. Antwort von FB; „Nun ja, die Bücher sind ja noch nicht versandt, man kann das ja noch ändern. Wieviel Gesangbücher würden dann bei solcher Verteilung von Ihrem Bezirk gespendet werden können?"  Hier ist festzuhalten, dass FB also gelogen hatte, als er, wie oben zitiert, in seiner Rechnung über 10.500 DM behauptete, dass die Bücher bereits versandt worden seien!  Kuhlen antwortete: „Ich sagte, dass in diesen Falle unser Anteil etwa DM 5.400,- - wäre. Und dann meinte Fritz Bischoff, dass er sofort an seine Versandabteilung Nachricht geben wolle, auf Rechnung Düsseldorf-Bezirk sollten nicht 3.500 Stück, sondern nur 1.800 Stück Gesangbücher nach Berlin geschickt werden. Unser Besprechung, wonach er seiner  Versandabteilung Anweisung gab, nur 1.800 Stück Gesangbücher zum Versandt zu bringen, fand am 20. 12, 1949 statt, während wir bereits am 12. 12.1949 Rechnung bekommen hatten, wonach die Gesangbücher bereits versandt worden seien. Wiederum lag hier ein Widerspruch vor.  Da Apostel Schall bereits DM 10,500,-- und Apostel Schmidt DM 10.000,-- als Gesangbuchspende an den Osten zugesagt hatte, weil sie die Zusammenhänge nicht durchschaut hatten, so kamen mit unserer Lieferung für DM 5.400,-- zusammen nur für DM 25,900,-- zum Versand, Dafür sollten dann später Gegenlieferungen stattfinden, die aber niemals zustande kamen, Die Beträge wurden später auf Bitten der Apostel aus der Ostzone ausgebucht.  Die drei Bezirke Düsseldorf, Stuttgart und Dortmund waren damit einfach durch Fritz Bischoff gezwungen worden, zu bezahlen.“ Quelle: Vollständigen Transkription der Originalkopie: Diverses hinsichtlich Einfluss Fritz Bischoff in der Leitung – Bericht von Apostel Kuhlen, ca. 1950

Derartige von Kuhlen aufgedeckte Widersprüche konnten natürlich nicht folgenlos bleiben. FB suchte Verbündete und griff zur Feder. Die Arbeitsgruppe Geschichte, bis 2012 unter der Leitung von Apostel Drave, stellt fest: „Das Verhältnis zwischen Friedrich Bischoff und Kuhlen kann als Konkurrenzverhältnis mit feindlichen Zügen charakterisiert werden. […] Im Verlauf des Jahres 1950 erschienen in der neuapostolischen Presse einige Artikel, die als Angriff auf die Position und Legitimation des Helfers Kuhlen verstanden werden können. Initiatoren waren im Wesentlichen Apostel Rockenfelder und Friedrich Bischoff. Die Intention war die Stärkung der Stellung des Stammapostels, und es spricht etliches dafür, dass dieses Vorgehen eine Strategie war.[…] Reaktionen des Stammapostels und aus dem Kreis der Apostel und des Verlags führten dazu, dass er zunehmend mehr isoliert wurde.“ (Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 29f)

Und Apostel Kuhlen selbst schreibt zum Thema FB 1950: „Apostel Landgraf hat oft berichtet über seine Tätigkeit und Erfahrungen in Frankfurt a. M., dass er vieles mit dem Stammapostel besprochen habe und mit ihm über mancherlei übereingekommen sei. Aber stets, wenn etwas zwischen ihm und dem Stammapostel für gut gefunden war und durchgeführt werden sollte, wurde eine solche Übereinkunft dann nicht eingehalten, wenn sie Fritz Bischoff nicht passte. Unzählige Male hat Apostel Landgraf es dann erlebt, dass der Stammapostel ihm tags nach der Vereinbarung eröffnete, dass das Besprochene nicht so gemacht werden könne. Jede Besprechung des Stammapostels mit Apostel Landgraf wurde dann torpediert, wenn deren Inhalt Fritz Bischoff nicht zusagte. So regierte schon zu Zeiten, da Apostel Landgraf in Frankfurt wohnte, in Wirklichkeit Fritz Bischoff.

Es ist auch mit vielen in Apostelversammlungen gefassten Beschlüssen so gegangen; dass, wenn der Stammapostel aus solchen heimgekehrt war, kurz danach mit irgend einer Begründung diese Beschlüsse zu Fall gebracht wurden. Fritz Bischoff war immer ein strikter Vertreter der Theorie, dass der Stammapostel allein entscheide und die Apostelversammlung nicht gehört werden brauche.

Schon in der Zeit, als ich in den Apostelkreis kam, (1935) sagte mir Apostel Rockstroh, dass die Apostelversammlung einem Marionetten-Theater gleiche, wo einer die Köpfe aller andern an der Strippe halte, und wenn dann dieser eine an der Strippe ziehe, denn nickten alle andern "Ja". Es war im Apostelkreise kaum noch Mut, irgendwie zu Themen Stellung zu nehmenvor allen Dingen denn nicht, wenn man fühlte, der Stammapostel dachte zu einer Sache anders als die andern Apostel. Apostel Schall sagte mir 1950: "Wenn einer es mit Fritz verdirbt, der fällt in Ungnade." Und Apostel Weinmann sagte 1950: "Wer es mit Fritz verdirbt, der verdirbt es mit dem Chef." Apostel Schmidt wusste, dass Fritz mir nicht gut gesonnen war und dass solches beim Stammapostel hinsichtlich seines Verhaltens mir gegenüber deutlich in Erscheinung trat.“ Quelle: Diverses hinsichtlich Einfluss Fritz Bischoff in der Leitung – Bericht von Apostel Kuhlen, ca. 1950, S. 1

Auch Apostel Weinmann, 1948 noch ein Unterstützer Kuhlens, schwenkte um. Kuhlen wagte es nämlich, seine Nichtraucher-Kampagne in Frage zu stellen. Folglich polemisierte Weinmann in übelster Weise gegen die Person Kuhlens auch gegenüber dem Stammapostel:

„Nach dem Abendbrot im Atlantik-Hotel […] wurden vom Aeltesten Schmohl [er diente unter Kuhlen im Bezirk Düsseldorf] Zigarren angeboten, jedoch rauchte keiner von uns. Schnell kam nun das beliebte Thema der Polemisierung unserer (...) Nichtraucher-Aktion in Gang [mit dieser Aktion wollte der Apostel Weinmann in der Nachkriegszeit u.a. den Wiederaufbau der zerstörten Kirchen finanzieren]. Es wurde vom „Helfer“ Kuhlen und Aeltesten Schmohl alles höchst lächerlich hingestellt. (...) Es war ein furchtbarer Abend. (...) Ich persönlich wurde von den beiden Herren auf das schändlichste diffamiert, alles was ich sagte, wurde mit brüllendem Hohngelächter beantwortet, (...) man hat mich regelrecht zwei Stunden lang intensiv gereizt (...).“ […] „(...) ich selbst wurde vor den Geschwistern so lächerlich gemacht (...), dass man vermuten konnte, (...) ich verkündigte eine tote und fade Lehre. Nach einer Stunde Klingenkreuzens mit dem sauberen `Helfer` Kuhlen und dessen noch saubereren Helfer Schmohl (...) stand ich auf und sagte zu den Anwesenden: `Ihr lieben Geschwister, alles, was hier vom Helfer und von Schmohl gesagt wurde, ist nicht (...) nach dem Willen unseres Stammapostels (...)`. Ich zitterte vor Erregung, denn auf solche Weise das Gastrecht zu missbrauchen, das würde keinem Wilden einfallen (...). Für mich war der Mann fortan kein `Helfer` mehr, sondern ich bewertete ihn als (...) einen schlimmen Fuchs im Weinberg, der denselben verdirbt (...) Ich habe den Stammapostel gebeten, mir den Mann niemals mehr in den Bezirk zu schicken. (...) Endlich war nun der Bann gebrochen und ich konnte nun ohne Scheu über diese heiklen Dinge zum Stammapostel sprechen.“ Bezirksapostel Weinmann Bericht: „Wie Kuhlen Stammapostelhelfer wurde“. 1952  Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 27

Eine weitere Ungeheuerlichkeit fand 1950 statt. Stammapostelhelfer Kuhlen hatte im Auftrag der Apostelversammlung die Statuten der NAK neu verfasst und gänzlich überarbeitet. Sie waren bereits am 1. Januar 1950 in Kraft getretenSowohl der Stammapostel als auch alle Apostel weltweit hatten dieser Erarbeitung per Unterschrift zugestimmt. Wegen ihrer absoluten Außergewöhnlichkeit und weil sie weitestgehend unbekannt blieben sollen sie hier detailliert vorgestellt werden:

„Während es bisher das Stammapostelamt war, das die Kirche  leitete, sollte nun nach dem Kollegialitätsprinzip die Summe aller Apostel in den Apostelversammlungen die Geschicke der Kirche leiten. Zwar wurde der Stammapostel „als Haupt der Kirche“ noch immer als „Hauptleiter“ bezeichnet (§ 3), doch lassen wesentliche Änderungen und Ergänzungen der neuen Statuten ein neues Bild von Kirchenleitung erkennen:

• Der Stammapostel wird nicht mehr auf Lebenszeit sein Amt ausführen und ist wie jedes Mitglied abrufbar (§ 4).

• Das Vorschlagsrecht für Apostelberufungen steht nun jedem Mitglied des Apostelkollegiums zu (§ 3).

• Das Gelöbnis eines neuordinierten Apostels musste „vor Gott, dem Stammapostel und dem Apostelkollegium“ abgelegt werden und er hatte seinen Dienst gemäß den Bestimmungen dieser neuen Statuten auszuführen, womit eine Anbindung an das Apostelkollegium und nicht direkt an das Stammapostelamt verbunden war (§ 3).

• Apostelversammlungen musste der Stammapostel künftig bereits auch dann einberufen, wenn wenigstens 50% -und nicht wie bisher 75% -der Apostel dies wünschten. Eine Beschlussfähigkeit konnte jetzt ebenfalls mit einer geringeren Prozentzahl als vorher hergestellt werden.

• Der Stammapostel wird nicht mehr von seinem Vorgänger bestimmt, sondern von den Aposteln gewählt.

• Das Vorschlagsrecht für die Wahl eines Stammapostelnachfolgers und –helfers liegt nun nicht mehr allein beim Stammapostel, sondern bei allen Aposteln (§ 6).

• Ein zu Lebzeiten eines Stammapostels einmal gewählter Stammapostelnachfolger tritt ohne weitere Wahl – wie dies jedoch in der Satzung von 1922 noch vorgesehen war – das Amt des Stammapostels an (§ 6). […]

• Abänderungen oder Ergänzungen der neuen Statuten bedurften der Zustimmung des Apostelkollegiums und nicht allein des Stammapostels (§ 11).

• Bei Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung der Statuten entscheidet die Apostelversammlung und nicht der Stammapostel allein (§ 12).“

Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 25

Diese Fassung entsprach natürlich nicht den theokratischen Vorstellungen von FB und einigen anderen Aposteln. Die Umsetzung dieser Neufassung hätte die NAK zukünftig revolutioniert, die kommende Spaltung wäre nicht passiert und ihr Sektencharakter hätte sich aufgelöst! Vermutlich aber wurde der Stammapostel von FB und den ihn unterstützenden Aposteln konsequent sehr stark unter Druck gesetzt, diese Regelungen rückgängig zu machen, was eigentlich, da sie bereits beschlossen und gültig waren, per Order nicht mehr möglich war. Dennoch erhielt FB nach ihrer Präsentation am 3.7.50, also sieben Monate, nach ihrer Inkrafttretung  (!!)  in der Apostelversammlung von seinem Vater den Auftrag, sie als rangniederer Amtsträger (Bezirksevangelist) eigenständig und ohne Rücksprache mit dem Apostelkollegium  einer Überarbeitung  zu unterziehen. Quelle)  Und keiner der Apostel – aus  Angst vor FB und dem Stammapostel - stand auf und widersprach! Bei dieser Revision wurde u.a. festgeschrieben, dass das Sakrament der Wassertaufe nur ein „Bestandteil“ der Wiedergeburt sei.  Ferner wurde als Verstärkung des exklusivistischen Selbstanspruches der „vierte Artikel 1951 erstmals mit dem Zusatz ergänzt, dass die Taufe mit dem Heiligen Geist (d. h. die Heilige Versiegelung) explizit Teil des Sendungsauftrags der Apostel nach neuapostolischem Verständnis ist. Damit wurde das dritte Sakrament der NAK direkt mit der Wiederaufrichtung des Apostelamtes verknüpft.“ Quelle

Neben den Statuten, den  Glaubensbekenntnissen sollte FB anstelle von Kuhlen auch das Büchlein ´Fragen und Antworten` ganz in seinem Sinn ohne Kontrolle  überarbeiten. (Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 29) Hier setzt sich also fort, was schon in den Anfangsjahren die klare Absicht war: Die völlige, theologische Kontrolle der Lehre und Statuten der NAK durch den Stammapostel und mittels der Verlagspublikationen, die inhaltlich nur von FB und seinem Vater bestimmt wurden. Jede Kritik daran musste aus der Sicht von FB und seiner Unterstützer  im Keim erstickt und verhindert werden, um die eigene Machtposition nicht zu verlieren! Dass FB in seiner Einwirkung und Beeinflussung seines Vaters, der anfänglich mit der Wahl Kuhlens völlig einverstanden war, äußerst erfolgreich agierte, zeigen die zwei folgende Zitate: „Die Wahl des Apostels Kuhlen zum Helfer geschah ohne Gottes Willen. Dafür gibt es kein Gegenstück im Werke Gottes. Ich mußte vorübergehend stille sein. Alle Apostel in Europa waren gegen mich. (...) Das Recht, einen Stammapostelhelfer zu bestimmen, stand mir alleine zu“. Stammapostel Bischoff, in: Besprechung zwischen dem Stammapostel und Apostel O. Güttinger am Freitag. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 22

An anderer Stelle schreibt der Stammapostel: „Alle von mir vorgebrachten Bedenken wurden im Unglauben und Ungehorsam abgewiesen und ignoriert.“ […]  „Trotz meiner (...) wiederholten Einsprüche haben mich die Apostel (...) gezwungen, eine Wahl vorzunehmen (...) Das Schlimmste dabei war aber, dass die Apostel auch den lieben Gott beiseite setzten (...)“ (Stammapostel Bischoff: Bericht ‚Wie Kuhlen Stammapostelhelfer wurde’, o.D., o.O., S.2)“ Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 21

Offensichtlich wurde dem Stammapostel eine Art Verschwörung eingeredet, an der alle Apostel beteiligt waren, um Kuhlen (ohne Gottes Willen) ins Helferamt zu ordinieren. Nur er selbst, so die weitere Einflüsterung, hätte ein Recht dazu gehabt! Es sei an dieser Stelle nochmals wiederholt, was der Stammapostel im Ordinierungsgottesdienst 1948 selbst dazu gesagt hatte: „Es wurde der Satzung entsprechend eine geheime Wahl vorgenommen, durch die einstimmig die Erwählung von Apostel Kuhlen als mein Nachfolger festgelegt wurde. […] Auch alle überseeischen Apostel haben inzwischen zur Einsetzung des Apostels Kuhlen als meinen Nachfolger ihre Zustimmung gegeben. Und dieser Tag ist zur Aussonderung des Apostels Kuhlen als zukünftiger Stammapostel vorgesehen.[…]So will ich nun heute die Handlung vollziehen und ihm Amt und Auftrag übergeben, so daß dann die Sorge um die zukünftige Führung des Werkes von den Aposteln genommen ist.“

Was für eine Veränderung der Sicht innerhalb von drei Jahren! Zusammenfassend schreibt der Stammapostel dann in einem Brief vom 14.7. 1951, also ein Jahr nach der niedergeschmetterten Präsentation der neuen Statuten:

Die in den letzten Jahren durchlebten unguten Verhältnisse im Werke Gottes haben mich anhand vielseitiger Erfahrungen erkennen lassen, dass die Ursache zu all dem vielen Leid darin liegt, dass man im Kreis der Apostel die Grundsätze der Theokratie (Gottesherrschaft) verlassen hat und die kirchliche Führung nach demokratischen Grundsätzen ausgeübt wissen wollte.

Damit unliebsame Vorkommnisse wie in der Vergangenheit künftighin vermieden werden, ergab sich die Notwendigkeit, die Statuten des Apostelkollegiums vom 1. Januar 1950 grundlegend zu ändern. Ein neuer Entwurf der Statuten geht Ihnen hiermit zu mit der Bitte, denselben genau durchzusehen und evtl. Änderungsvorschläge oder Ergänzungen mir bis spätestens 23. Juli zukommen zu lassen“. Brief Stammapostels Bischoff an die Apostel vom 14. Juli 1951. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 25

Dieser neue Entwurf war nun alleiniges Produkt von FB! Ein weiteres Zitat aus einem Brief des Apostels Gottfried Rockenfelder, der FB absolut unterstützte, zeigt, wie vehement auf dem Schreibmonopol von FB beharrt wurde: „Man hat dort [in Zürich, gemeint sind Ernst und Otto Güttinger] nach Rücksprache mit K. [Kuhlen] vor allen Dingen eines ausgeheckt. Die neuapostolische Presse soll in andere Händedamit der Stammapostel nicht mehr so absolut sein Gedankengut in das Volk Gottes hinein bringen kann, und das große Ziel, das man erstrebt, ist letzten Endes die Ausschaltung des Stammapostels selbst.“ (Brief des Apostels Gottfried Rockenfelder an Bezirksapostel Weinmann vom 12. Februar 1951. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 10)

Apostel Güttinger hatte also seit den Kriegszeiten die Frechheit besessen, in der Schweiz (!) eigene Schriften herauszugeben! Was für ein frevelhafter Affront! Bereits 1938 hatte dieser Konflikt offenbar begonnen. Die Geschichts-AG zitiert FB: „Damit das Apostelkollegium sich nicht passiv verhalte, spitzt Friedrich Bischoff mit Blick auf den Ungehorsam Ernst Güttingers gegenüber dem Stammapostel die Sachlage noch einmal zu: Die Selbstständigkeitsbestrebungen Güttingers beschränkten „sich nicht nur auf das sachliche Gebiet der Zeitschriftenfragen (...). Vielmehr sind hier ernste Anzeichen einer tiefgehenden Spaltung zu erblicken, die dem Apostelkollegium nicht gleichgültig sein dürfte“. Zitat aus einem Brief Friedrich Bischoffs an das Apostelkollegium vom 14. Dezember 1939. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 11

Und der Stammapostel antwortete Jahre später 1951 in einem Brief an Güttinger mit üblen Unterstellungen: „Beim Lesen Ihres Briefes vom 1.2.51 wurde ich an ein Sprichwort erinnert: `Auf den Sack wird geklopft, aber der Esel ist gemeint!` Mir ist der Sinn Ihres Antrages an das Apostelkollegium nicht verborgen geblieben. Sie wissen ganz gut, daß die meisten im Verlag meines Sohnes erscheinenden Veröffentlichungen von mir stammen; denn ich bin ja der Herausgeber (...) Überdies sind in der Zeitschrift `Unsere Familie` Berichte von meinen Reisen und an den verschiedenen Orten von mir gehaltenen Gottesdiensten. Wenn Sie nun die Arbeit des Verlages aufteilen und zersplittern wollen, dann liegen die Folgen so auf der Hand, daß man schon sagen kann, sie sind beabsichtigt. (...) Sie klopfen auf den Verlag und meinen den Stammapostel. (...) und diese Absicht deckt sich mit Ihrem vorjährigen Antrag, mit dem Sie mich als Stammapostel beseitigen wollten. Konnten Sie damals Ihre Absicht nicht verwirklichen, so suchen Sie heute auf einem Umweg zu erreichen, was Ihnen im Vorjahr versagt blieb, nämlich die Stellung des Stammapostels zu untergraben.[…]“ Brief des Stammapostels Bischoff an Ernst Güttinger vom 15. Februar 1951. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 10

Eine Infragestellung oder gar Veränderung der bisherigen Verlagsarbeit kam also einem Angriff auf den Stammapostel selbst gleich. Ebenso waren Güttingers Bemühungen um eine demokratisch ausgerichtete Führungsstruktur, die von großen Teilen des Apostelkollegiums durchaus wohlwollend unterstützt wurden, dem autoritären Führungsduo mehr als ein Dorn im Auge, da ihre uneingeschränkte Herrschaft dadurch grundsätzlich in Frage gestellt wurde.

Ernst Güttinger kritisierte in einer Ämterversammlung mit Frauen am 30. Dezember 1945 deutlich: „Das Himmelreich ist keine Diktatur, sondern eine Demokratie. Wir wissen, wo Diktatur hinführt. (...) Die Apostel kamen einst in Jerusalem zusammen und haben beraten und beschlossen. So wird es auch heute gemacht. Vor dem Krieg kamen alle Apostel von Zeit zu Zeit zusammen, um zu beraten und zu beschließenDer Stammapostel befiehlt nichts – sondern er führt als Präsident aus, was die Apostelversammlung beschließt; er ist das Haupt; die höchste Autorität aber ist die Apostelversammlung, wie in der Schweiz die Bundesversammlung“. Bericht über die Ämterversammlung mit Frauen gehalten von Bezirksapostel Ernst Güttinger am 30. Dezember 1945 in Zürich-Hottingen. In: Ernst Güttinger (Hrsg.): Goldkörner. Zürich 1946, 24. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 17

Das konnte natürlich nicht unwidersprochen hingenommen werden. So schrieb der Stammapostel an den Sohn Otto Güttinger 1948: „Was nun die Ansichten Ihres Vaters betrifft, so hat er in seinem Vornehmen den Kampf gegen den Herrn aufgenommenindem er dem Stammapostel einen anderen Platz anzuweisen sucht, als dies der Herr getan hat (...)“(Brief Stammapostels Bischoff an Otto Güttinger vom 20. September 1948. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 49)

Die Kritik Güttingers - der sogar für das Stammapostelamt ein Rotationsprinzip vorschlug (!) - am Stammapostel als alleine kirchenleitendes Amt kam also für Vater und Sohn Bischoff einer Gotteslästerung gleich, denn „die Apostel sind nicht der Stamm. Sie sind nach Jesu Worten die Reben, die aus dem Stamm hervorgehen. Die Apostel sind aus dem Stammapostel geboren.“ (Stammapostel Bischoff in einem Brief an die Apostel vom 13. Juni 1950: Quellen beider Zitate:  NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 18)

Auch weitere Ansätze, Güttingers Bemühungen als Irrlehre zu verunglimpfen und seinen Geisteszustand grundsätzlich in Frage zu stellen, blieben nicht aus. Güttinger deutet dies in einem Brief 1949 bereits an: „Nun wundere ich mich allerdings sehr, wie Sie oder jemand anders auf den Gedanken oder zu der Annahme kommen konnte, es stimme bei mir etwas nicht und es bestände die Gefahr, ich würde abschwenken (...) wer kann mich einer Irrlehre zeihen? Sie sagten, meine Frau sei im Traume erschienen und hätte gesagt die Trennung sei beschlossen, oder bereitet. Lieber Stammapostel, von so etwas weiss meine Seele nichts, es ist für mich unfassbar, woher solche Lügen, Verdrehungen und Verleumdungen kommen.“ (Brief Ernst Güttingers an Stammapostel Bischoff vom 25. Mai 1949. Quelle: NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 20)

1950 Peter Kuhlen erklärt am 25.11.50  seinen Rücktritt vom Amt des Stammapostelhelfers und designierten Stammapostels,  wirkte aber weiter für die NAK als Bezirksapostel für das Rheinland.

1951 Nach all diesen Auseinandersetzungen war 1951 die Zeit angekommen, allen Kritikern endgültig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Beim Stammapostelgottesdienst in Gießen am 24.12.1951 predigte Stap Bischoff - der sich kurz vor seinem 80. Geburtstag damit selbst das Geschenk der eigenen Unsterblichkeit macht – erstmalig, dass Jesus zu seinen Lebzeiten wiederkommen würde:

So hat auch das Volk Gottes die lebendige Hoffnung, dass nach der Mitternachtsstunde für das Volk des Herrn ein neuer Tag anbricht, der durch keine Nacht mehr abgelöst wird.
Nun erhebt sich die Frage: 'Wann wird das geschehen?' Tag und Stunde, meine Lieben, weiß niemand. Wenn aber der Sohn Gottes unserer Zeit geschildert hat und wenn wir heute die Erfüllung dieser Verheißungen durchleben, dann dürfen wir auch glauben, dass die Zeit da ist. Ich bin persönlich überzeugt, dass die Zubereitung des königlichen Priestertums in der Zeit erfolgt, in der ich noch vorhanden bin, und dass die Reichsgottesarbeit im Weinberg des Herrn mit mir ihr Ende erreicht, dass also der Feierabend kommt, an dem die Lohnauszahlung stattfindet. Es steht hierzu nicht mehr viel Zeit zur Verfügung, die Zeitspanne, die der Herr Jesus als elfte Stunde bezeichnet, ist bald vorüber. Wir wollen, wenn der Herr kommt, nicht zu der Schar zählen, die wie die Jünger einst der Himmelfahrt Jesu nachsehen, wir wollen dabei sein. […] Als die Zeit gekommen war, in der Vater Niehaus dienstunfähig wurde, musste ich die Führung übernehmen, aber nicht mehr, um noch viele Jahrzehnte in der Zubereitung des königlichen Priestertums zu wirken oder einen Fortgang dieser Arbeit für die nächsten Jahrhunderte vorzubereiten, das ist ausgeschlossen. Ich bin der Letzte. Der Herr wird zu meiner Zeit kommen, die Seinen mit sich zu nehmen. Es ist mir persönlich eine große Freude und Genugtuung, dass wir dahin gelangt sind, eine so deutliche Sprache des Geistes Christi zu hören. Wer sich auf irgendeine Weise noch umzustellen hat, der tue es so schnell wie möglich, damit es nicht zu spät für ihn wird. Es hängt unendlich viel für uns davon ab, wie wir uns zum Wort des Herrn einstellen. Die Mahnung des Herrn: 'Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt', steht nicht umsonst in der Schrift. Was der Geist heute der Gemeinde sagt, ist für uns zeitgemäßes Brot, hervorgegangen aus dem Geiste der ewigen Liebe unseres Gottes.“ Quelle: Bericht in ´Unsere Familie` (Nr. 5/ 1952), S. 100-103)  

Apostel Rockenfelder setzte danach in seiner Co-Predigt hinzu: „Es fällt mir nicht schwer, zu glauben, was der Stammapostel sagte. Ich konnte es glauben schon als Kind. Ich erinnere mich einer Stunde, da ich mit meinem Vater spazieren ging. Damals war ich ein Junge von 10 Jahren. Mein Vater setzte sich auf eine Bank und ich stand zwischen seinen Knien. Da sagte mir mein Vater: 'Mein Junge, unser Apostel (der heutige Stammapostel) wird einmal Stammapostel werden. Und wenn er Stammapostel ist, dann ist er es, der Gottes Werk zu Ende führt.' Ich fragte: 'Vater, woher willst du das wissen, wer hat dir  das gesagt?' Er gab zu Antwort: 'Der Herr hat es mir geoffenbart.' Das war im Jahr 1914, als noch niemand von uns an eine solche Entwicklung dachte.“ (Quelle)

Die „Botschaftszeit“ war damit angebrochen! Der Artikel, in dem diese Aussagen wiedergegeben werden, erschien jedoch erst 1952, die Botschaft aber schon in persönlichen Gesprächen kundgetan. Aus der bisherigen Naherwartung wurde nun die konkrete „Botschaft“ der Wiederkunft Jesu zu Lebzeiten des bereits 79jährigen Stammapostel Bischoffs.

 

Exzerpt: Was aus Teil 2 faktisch zusammenfassend festzuhalten ist:

Der Verlag wird nach dem Krieg und dem Zusammenbruch des NS-Regimes 1945 wieder Eigentum der NAK und nimmt, finanziell durch die Kirche unterstützt,  seine Produktionen erneut auf. Ohne Gegenleistung oder Absprache wird FB 1950 wieder die Verlagsleitung übergeben. Die Laufzeit des Vertrages wird nun vom Stammapostel anstelle der vormals verabredeten 5 Jahre auf 25 Jahre zugesichert und gilt bis 1975. Das Apostelkollegium wurde dazu nicht befragt – obwohl es sich um Kircheneigentum handelte! - , sondern nur nachträglich davon in Kenntnis gesetzt. Dies führte zu Unstimmigkeiten im Apostelkreis. Um die Produktion anzukurbeln fragt FB 1949 die ostdeutschen Apostel nach ihrem Bedarf an Gesangsbüchern, Kosten: 30.000 DM! Stap Bischoff verspricht, von FB auf den Weg gebracht und zu dessen Nutzen durchgesetzt,  dem Osten ohne vorherige Einverständniserklärung der betroffenen ´Spender`, dass diese Summe von westdeutschen Apostelbezirken übernommen wird. Apostel Kuhlen bekommt eine Rechnung über 10.500 DM  für bereits versandte, aber nie von ihm bestellte Gesangsbücher. Kurz darauf stellt sich heraus, dass auch das eine Lüge war, da überhaupt noch keine Bücher in Berlin angekommen waren. Ebenfalls gelogen war die Behauptung von FB, dass die Initiative dazu von den Ost-Aposteln ausging, denn FB selbst hatte die ganze Geschichte angekurbelt sogar mit dem Versprechen, dass es sich um eine Schenkung handeln würde. 25.500 DM war der generierte Umsatz für den Verlag Friedrich Bischoff aus diesen üblen Machenschaften seines Leiters, den die West-Apostel ohne Gegenleistung zu zahlen hatten und gezwungener Maßen auch zahlten, denn „wenn einer es mit Fritz verdirbt, der fällt in Ungnade"  und " der verdirbt es mit dem Chef." Bleiben noch die mit ziemlicher Sicherheit nie zurückgezahlten 30.000 DM Privatkredit aus den Kirchengeldern zum Verlagsaufbau, dessen Gewinne hingegen stets in die Taschen seines Chefs FB flossen. Zudem bestimmten der Stammapostel und FB - wie schon vor dem Krieg -  weiterhin in absoluter Weise durch die Verlagsschriften, was von den Kirchenmitgliedern zu glauben war. Jeder Widerspruch wurde schnellstens eliminiert und als Handeln wider Gottes Willen polemisiert. Hinter all diesen Manipulationen und Lügen steht u.a. FB als Strippenzieher mit seinem intriganten und rücksichtslosen Verhalten als treibende Kraft für seine eigenen, finanziellen und machtpolitischen Interessen! Aber das schlimmste Vergehen in dieser Zeit für die NAK an sich war wohl, dass der neue Statutenentwurf trotz der zustimmenden Unterzeichnung aller Apostel und des Stammapostels auf Betreiben machtorientierter Manipulierer satzungswidrig kurzerhand für nichtig erklärt wurde. Die weitere Entwicklung der NAK hätte sich bei der Umsetzung der neuen Statuten  -und damit weg von der theologisch völlig falschen Stammapostelzentrierung mit ihrem Gehorsamsdogma - zu einer freikirchlichen und offenen Kirche mit einer demokratisch orientierten Kirchenleitung hin entwickeln können. Zur sich 1955 vollziehenden Spaltung wäre es nicht gekommen und das damit verbundene Leid der betroffenen Geschwister hätte nicht erlebt werden müssen. Ebenso nicht das Leid und die Trauer der verbliebenen neuapostolischen Mitglieder über die mit dem Tod von Stammapostel Bischoff verbundene Enttäuschung darüber, dass sich seine zum Dogma erhobene Botschaft der Wiederkunft Jesu nicht erfüllt hatte. Und das alles wurde verhindert bzw. ausgelöst, durch die Machtgier und finanzielle Bestrebungen einiger weniger Funktionäre, die den greisen Stammapostel hartnäckig in ihrem Sinn beeinflussten und manipulierten, allen voran Friedrich Bischoff,  der als nett klingender Onkel Fritz im "Guten Hirten" auch nicht davor zurückschreckte, in der kommenden Phase der Botschaftsinszenierung demagogisch manipulierend die Kinder in diesem Sinn zu beeinflussen! (mehr dazu in Teil 7)

Fazit 2: FB, mittlerweile 39 Jahre alt, und sein Vater (79) arbeiten mit allen Mitteln daran, ihren kontrollierten Machtapparat mittels Intrigen und demagogischen Artikeln in den verschiedenen Zeitschriften zu festigen und  damit den Stammapostel, der ein Garant für die Position von FB war,  unverrückbar in eine absolut zentrale Position zu stellen. Als Mittel dazu gehörten  - neben der Ausschaltung nicht verlagskontrollierter Schriften - unbedingt auch der Wiederaufbau der Verlagstätigkeit und soweit nötig dessen finanzielle kirchliche Unterstützung plus skrupelloser Finanzmanipulationen von FB. Selbst die PG-Geschichte stellte fest, dass „die nachweisbare Option Kuhlens, über den Verlag zu verfügen“, klar einen für FB mehr als bedrohlichen Konfliktstoff aus finanzieller und machtpolitischer Sicht  darstellte, der unbedingt aus der Welt geschafft werden musste. (Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 29) So wird theologisch angebahnt, die Naherwartung der Wiederkunft Jesu zeitlich auf die Lebenszeit des Stammapostels hin zu konkretisieren (1951), um damit den Stammapostelhelfer  und Nachfolger Kuhlen auszuschalten. Dies war aber nur möglich, wenn und weil die neuen, bereits gültigen Statuten vollständig und widerrechtlich widerrufen wurden.

Die von Kuhlen angestrebte und durchaus von einigen Aposteln unterstützte, zukünftig positive und demokratisierende Entwicklung der NAK ist dadurch vollständig verhindert worden. Als einer der maßgeblichsten Drahtzieher dieser Verhinderung und dadurch bedingt Verursacher aller weiteren negativen Entwicklungen müssen Friedrich Bischoff  und u.a. seine Mitstreiter Rockenfelder, Hahn und Weinmann  angesehen werden, die aus niederen Motiven die neuapostolische Glaubenswelt vollends ins kommende Chaos stürzten. Man überlege, was ohne diese menschenverachtenden, intriganten Beeinflussungen in Zukunft aus der NAK  hätte werden können und wie viel dadurch produziertes und tief greifendes Leid den betroffenen Menschen erspart geblieben wäre! Gleiches gilt den Kindern, die vielleicht 15 Jahre, also 1940, vor der Botschaft in diese Sekte hineingeboren wurden und zur Zeit der Verkündigung 10 Jahre alt waren oder denen, die kurz vor oder nach1960 in dieser Zeit heranwuchsen und noch heute mit den Folgen ihrer davon beeinflussten Erziehung leben müssen!

 

 

Teil 3 „Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff“ 1951 bis 1960 – Der inszenierte Botschaftswahn mit seiner exklusivistisch-endzeitlichen Parallelwelt der NAK als Basis der beabsichtigten Spaltung (mit zahlreichen Quellenzitaten von Zeitzeugen) 

Anmerkung: Viele der in Teil 3 zitierten Zeitzeugenquellen sind hier als sehr umfangreiche Zusammenschau unkommentiert eingestellt, da sie deutlich für sich selbst sprechen und keines Kommentars bedürfen.

(Zur Erinnerung:

1950 Apostel Kuhlen selbst schreibt zum Thema FB: „Apostel Landgraf hat oft berichtet über seine Tätigkeit und Erfahrungen in Frankfurt a. M., dass er vieles mit dem Stammapostel besprochen habe und mit ihm über mancherlei übereingekommen sei. Aber stets, wenn etwas zwischen ihm und dem Stammapostel für gut gefunden war und durchgeführt werden sollte, wurde eine solche Übereinkunft dann nicht eingehalten, wenn sie Fritz Bischoff nicht passte. Unzählige Male hat Apostel Landgraf es dann erlebt, dass der Stammapostel ihm tags nach der Vereinbarung eröffnete, dass das Besprochene nicht so gemacht werden könne. Jede Besprechung des Stammapostels mit Apostel Landgraf wurde dann torpediert, wenn deren Inhalt Fritz Bischoff nicht zusagte. So regierte schon zu Zeiten, da Apostel Landgraf in Frankfurt wohnte, in Wirklichkeit Fritz Bischoff.“ Quelle: Vollständige Transkription der Originalkopie: Diverses hinsichtlich Einfluss Fritz Bischoff in der Leitung – Bericht von Apostel Kuhlen, ca. 1950 )

1951: „Man hat dort [in Zürich, gemeint sind Ernst und Otto Güttinger] nach Rücksprache mit K. [Kuhlen] vor allen Dingen eines ausgeheckt. Die neuapostolische Presse soll in andere Händedamit der Stammapostel nicht mehr so absolut sein Gedankengut in das Volk Gottes hinein bringen kann, und das große Ziel, das man erstrebt, ist letzten Endes die Ausschaltung des Stammapostels selbst.“ (Brief des Apostels Gottfried Rockenfelder an Bezirksapostel Weinmann vom 12. Februar 1951. Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 10)

1951 Am 5.8.51 wird FB zum Apostel ordiniert.

1951 wird unter der Leitung von  Hermann Ober  im Verlag eine eigene Musikabteilung gegründet und eine erste Schallplatte  „Wachet auf ruft uns die Stimme“ aufgenommen. Der vollständige Text und besonders die erste Strophe  ist bezeichnend. Sie ist das konkrete Programm für die kommenden Jahre und war vermutlich von FB als Idee auf den Weg gebracht:

"Wachet auf"; ruft uns die Stimme
der Wächter sehr hoch auf der Zinne,
wach auf, du Stadt Jerusalem!
Mitternacht heißt diese Stunde;
sie rufen uns mit hellem Munde:
Wo seid ihr klugen Jungfrauen?
Wohlauf, der Bräut'gam kommt!
Steht auf, die Lampen nehmt!
Halleluja!
Macht euch bereit zu der Hochzeit;
ihr müsset ihm entgegen gehn!

 

Exkurs vom 21.9.2021 (Fassung vom 30.9.21): Die bislang unbekannte, erste (?) Verkündung der Botschaft durch STAP J.G. Bischoff am 19.8.1951 in Karlsruhe: „… weil der Sohn Gottes mir die Offenbarung gab, daß es nicht mehr lange währt bis er kommt!“

1951/52 Der Bericht vom Stammapostelgottesdienst in Gießen am 24.12.1951 wird 1952 in ´Unsere Familie` (Nr. 5/ 1952, S. 100-103) veröffentlicht. Er galt bislang – die weiteren Ausführungen werden eine Korrektur des Datums der Verkündigung nötig machen -  als Beginn der „Botschaftszeit“ JGB predigte in Gießen: „Ich bin persönlich überzeugt, dass die Zubereitung des königlichen Priestertums in der Zeit erfolgt, in der ich noch vorhanden bin, und dass die Reichsgottesarbeit im Weinberg des Herrn mit mir ihr Ende erreicht, […] Ich bin der Letzte. Der Herr wird zu meiner Zeit kommen, die Seinen mit sich zu nehmen. […] Das Wort von heute mag manchem als neu erscheinen, aber es ist lediglich eine Fortsetzung der bisher geleisteten Arbeit. Wenn man einen hohen Berg besteigt, dann muß man auch einen Schritt um den anderen tun, um endlich auf die Spitze desselben zu gelangen. (…) Aber mit jedem weiteren Schritt erweitert sich das Gesichtsfeld.“  

Und sein Sohn FB setzte hinzu: "Es kann dem Volke Gottes kein langes Warten, kein weites Sehen mehr zugemutet werden, sondern wir wissen alle, nun geht es der Erlösung entgegen.“ 

Dieser Bericht in der UF ist jedoch nicht korrekt. Alfred Krempf, Leiter des offiziellen NAK-Zentralarchivs Westdeutschland, hat 2019 in einem Vortrag angemerkt:

Die Ausführungen in der UF erwecken den Anschein, dass die seit Weihnachten 1951 als „Botschaft“ bezeichnete Offenbarung mit diesem Wortlaut erfolgt ist. […]

Die originale Formulierung lautet laut Krempf:

ich persönlich bin überzeugt, dass die Zubereitung des königlichen Priestertums in der Zeit erfolgt, in der ich noch vorhanden bin… Das ist eine Botschaft, die etwas anders klingt als ein Hinweis, daß Jesus einst geboren wurde…. Wenn aber der Geist des Herrn etwas in mir erweckt, so werde ich das nicht unterschlagen, sondern weitergeben, damit jedes der Kinder Gottes sehen kann, wieviel Uhr es an der göttlichen Uhr ist. Es ist mir persönlich eine große Freude und Genugtuung, allmählich dahin gelangt zu sein, dass der Geist des Herrn eine solch deutliche Sprache zu führen imstande ist … und die Kinder Gottes darauf aufmerksam gemacht werden, dass es höchste Zeit ist.“ Quelle Krempf mit weiteren Erläuterungen zur Botschaft

Krempf kommentiert den originalen Wortlaut in Gießen wie folgt:

 „Aus dem Weihnachtsgottesdienst ergibt sich:

  • Der Geist Gottes hat etwas erweckt (also eine göttliche Eingebung)
  • Der Stammapostel ist allmählich in diese Erkenntnis hineingewachsen –
  • Der Stammapostel ist am Ende davon völlig überzeugt

Fazit: in den Aussagen im Weihnachtsgottesdienst 1951 steht nichts Mystisches aber auch keine eindeutige Erklärung.“

Im Amtsblatt Nummer 5 vom  1. März 1952 steht aus einem undatierten Gottesdienstbericht von JGB auf der letzten Seiten im letzten Absatz auf Seite 40 wie beiläufig erwähnt: "Bei meiner Einsetzung als Stammapostel sagte Vater Niehaus u.a.: "Sei und bleibe die Krone des ganzen Gottesvolkes! Damit hat er angedeutet, daß ich bleiben werde, bis der Herr kommt. Diese Worte werden sich erfüllen, wie auch die übrigen Worte, die er bei meiner Einsetzung sprach, sich erfüllt haben. (Schluss folgt)" Alfred Krempf schrieb mir dazu:

„Die Schlussfolgerung von Stammapostel Bischoff  aus dem Satz bei der Einsetzung "Sei und bleibe die Krone des Werkes Gottes" abzuleiten, er würde bis zum Tag des Herrn bleiben,  ist aus meiner Sicht absurd. Jeder Historiker würde dieses Auslegung verwerfen, zumal die Einsetzung mit den Worten beginnt:  So nimm hin das Stammapostelamt und dazu die Amtsmacht und den Amtsgeist von Jesu, dem Lebendigen und Auferstandenen, damit du das Werk weiterführen kannst!  Da sagt er ausdrücklich nicht: … damit du das Werk vollenden kannst.

Wenn schon der Ursprung falsch ist, wie sollte dann das Ergebnis richtig sein?“

Weder vor diesem Zitat aus dem Amtsblatt noch in der Fortsetzung des Berichtes im Folgeamtsblatt wird diese definitive Aussage wiederholt oder vertiefend ausgeführt. In den Ausführungen zum Sonnenweib findet sich aber in der Fortsetzung des Berichtes diese, auch wie selbstverständlich formulierte Bemerkung: "Die zum Sonnenweib gehörenden sprechen auch ab und zu vom Kommen des Herrn und besuchen auch die Gottesdienste, aber sie haben auch allerlei Interesse an dem, was in diese Welt gehört. [...] Sie glauben wohl auch, daß der Herr kommt, aber jetzt noch nicht." (Quelle Amtsblatt Nr. 7 vom 1. April 1952)

Wenn solche zitierten, negativen Reaktionen bereits vorlagen, bräuchte das zumindest einen Vorlauf von mehreren Monaten. Die Frage ist also nicht mehr, ob die "Botschaft" doch bereits vor der Veröffentlichung in der UF Nr.5/1952 die Runde gemacht hatte und somit im Amtsblatt keiner weiteren Hervorhebung oder Erläuterung bedurfte, sondern wann sie tatsächlich erstmalig „verkündet“ wurde?  Ein Auszug aus dem Amtsblatt Nr. 15 vom 1. August 1951 bestätigt, dass das deutlich vor dem August 1951 geschehen sein musste. Dort ist unter der Überschrift „Auszug aus einem Ämterdienst“ auf Seite 117f zu lesen:

Wenn der Apostel den Stammapostel nicht braucht, kann er mit dem Weinstock Christi nicht verwachsen sein. Sieht ein Amtsbruder jedoch, daß seine Vorgänger nicht mehr in den Fußtapfen des Stammapostels wandelt und in seinen Predigten nicht mehr der Geist des Herrn lebt, dann ist es selbstverständlich, daß er seine und die ihm anvertrauten Seelen in Sicherheit bringt. Die Christen der Urkirche haben genau unterschieden zwischen falschen und echten Aposteln,  und so werden auch wir heute jederzeit zwischen getreuen und ungetreuen Brüdern unterscheiden. Der Herr Jesus hat klar und deutlich das Merkmal des ungetreuen Knechtes angegeben. Dieser wird in seinem Herzen sagen: Mein Herr kommt noch lange nicht! In dem Augenblick, als der Stammapostel lehrte: „Ich glaube, daß der Herr noch zu meiner Zeit kommt!“ hat sofort die Scheidung der Geister von oben herab bis zum letzten Glied eingesetzt. Es wurden die verschiedenen Meinungen hörbar: „Wie kann denn der Stammapostel so etwas sagen; das ist doch nur ein sterblicher Mensch; wenn sich dies Wort nicht erfüllen würde, so gäbe es eine Katastrophe für Gottes Werk; es könnte im schlimmsten Fall für manchen eine Enttäuschung werden. Eine Katastrophe wird aber für solche eintreten, die geglaubt haben: „Mein Herr kommt noch lange nicht; die Wiederkunft Christi kann noch viele Jahre ausbleiben.“ Wie furchtbar wird sie die Erkenntnis überfallen, daß der Tag des Herrn sie nicht bereit findet, und daß sie außerhalb stehen müssen. Das ist dann eine Katastrophe.

Natürlich gab es seit 1950  mehrfache Andeutungen in die Richtung, dass JGB davon "überzeugt" sei, Jesus würde zu seinen Lebzeiten wiederkommen.  Der „Herold“ spekulierte über eine mögliche Herkunft dieser Überzeugung und zitiert aus der Wächterstimme vom 1.11.1949:

„«Die in Nr. 1 (vom 1. 10. 1949) erschienene Abhandlung «Der Schlüssel des Himmelreichs» war gerade in der Redaktion fertiggestellt, als unser Stammapostel einen Brief erhielt, dessen Inhalt in gedrängter Kürze die Leitgedanken der erwähnten Abhandlung wiedergab. Den Wortlaut dieses Briefes lassen wir hier folgen.» - Dieser Brief war von dem damaligen Apostel Walter Schmidt an den derzeitigen Stammapostel Bischoff geschrieben worden, und es heißt darin unter mehr: «Der himmlische Vater hat gewußt, wem er seinen Geist anvertrauen konnte. Er hat Vater Krebs den Anfang, Vater Niehaus den Fortgang und Ihnen die Vollendung seines Werkes anvertraut.» Apostel Walter Schmidt hatte also bereits im September 1949 an Stammapostel Bischoff geschrieben, ihm sei die Vollendung des Werkes Gottes anvertraut.

Wenn Stammapostel Bischoff in nachfolgender Zeit oftmals sagte: «Der Herr hat mich wissen lassen, daß er zu meiner Lebzeit komme, hat er dann etwa das von Apostel Walter Schmidt ihm Geschriebene als vom Herrn kommendes Wissen aufgefaßt? Oder war das vielleicht für Stammapostel Bischoff eine göttliche Offenbarung?

Am 18. 6. 1950 erklärte nämlich Stammapostel Bischoff den Aposteln E. und O. Güttinger und R. Schneider aus der Schweiz im Hotelzimmer zu Eindhoven in Holland, daß der Herr ihm eine Offenbarung gegeben habe, daß er nicht mehr sterben würde.“ (Quelle: zitiert aus Herold-Sonderausgabe vom Januar 1983)

Die eigentlichen Anfänge lassen sich aber bereits früher nachweisen. Ein Schreiben von BA Hartmann von 1945 zeigt, dass die zeitnahe Wiederkunft Jesu bereits in diesen Jahren durchaus erwartet wurde. Günter Törner machte mich darauf aufmerksam, dass in einem Rundschreiben von Ap Buchner vom 1.7.1945 ein Schreiben mit dem gleichen Wortlaut abgedruckt wurde. Dort wurde der Text allerdings mit dem Verfasser JGB gekennzeichnet. Hartmann also bzw. JGB selbst schreibt am 12.5.1945:

Meine lieben Brüder, Bezirks- und Gemeindevorsteher!

Am 7. Mai 1945 (Anmerkung des Verfassers: Tag der Befreiung) hat für uns ein neuer Zeitabschnitt begonnen. Die von dem siebenten Engel ausgegossene Zornschale hatte ihren Zweck erfüllt. Der zentnerschwere Engel fällt seitdem nicht mehr auf uns herab (Offenbarung 16: 17-21).

Ich bin glücklich im Erkennen, dass wir nun in der Zeit angekommen sind, wie sie Jesus bezeichnete, dass sie bei seinem Kommen vorhanden sei. […] Während dem Bombenhagel glaubten viele, dass der Herr kommen würde. Seinem Kommen geht aber Sturm voraus und nicht das schöne Morgenrot. Der Bombenhagel, den wir durchlebten, war nichts anderes, als die Wirkung der Zornschale, die der siebente Engel in die Luft ausgegossen hatte. Diese Zeit hat nun der Zeit Platz machen müssen, in der wir uns jetzt befinden. […]

Wir befinden uns, ob das jemand glaubt oder nicht, in dem siebten Zeitabschnitt der christlichen Haushaltungsperiode, der durch den siebten Leuchter, das siebte Siegel, die siebte Zornschale und die siebte Posaune gekennzeichnet ist. […] Wenn der Engel sagte, dass hinfort keine Zeit mehr sein sollte, dann ist damit nicht gesagt, dass die Zeit als solche nicht mehr sein soll, denn das ist damit nicht gesagt; denn Zeit war, ist und wird auch fernerhin sein; sondern damit ist angedeutet, dass der Abschluss eines Zeitabschnittes im Erlösungswerk unseres Gottes nahe bevor steht. […]“ Quelle: Originales Rundschreiben zur Endzeit von BA Hartmann vom 12.5.1945 

Dominik Schmolz hat in seinem Vortrag vom 27.4.2019 im Archiv Brockhagen Die Entstehung der Botschaft J. G. Bischoffs in ihrem welt- und kirchenpolitischen Kontext (apostolische-geschichte.de) weitere Zitate von JGB zur allmählichen Entwicklung der Botschaft genannt:

22. Juni 1947, Dinslaken: „Ich sage euch nicht zu viel, wenn ich erwähne, daß wir verschiedene Geschwister, selbst Amtsträger haben, die bereits die Verheißung des Herrn empfingen, daß sie nicht mehr sterben, sondern verwandelt werden. Das sind doch auch göttliche Zusagen!

27. Juni 1948, Frankfurt-Südwest: „Daß die von Jesus geschilderte Zeit, die vor seinem Kommen und in der Zeit bei seinem Kommen in Erscheinung tritt, vorhanden ist, werden wir wohl zu sehen in der Lage sein.“ „(…); denn wenn ich da und dort gesagt habe: ,Jedes Gotteskind hat das Recht zu glauben, daß der Herr in der Zeit seiner Erdentage kommt`, dann hat man mir das verschiedentlich übel genommen und gesagt: Ja, wie kann denn der Stammapostel, wo er doch so alt ist, so etwas sagen, als ob der Herr zu seiner Zeit kommen würde! Ich habe nie behauptet: Der Herr muß zu meiner Zeit kommen! Sondern gesagt: Ich glaube und hoffe, daß er zu meiner Zeit kommt.“

Zitat: 8. Oktober 1950, Kirchheim/Teck: „Wir haben den ewigen Tod nicht mehr zu fürchten. Ja, wir haben auch sogar den leiblichen Tod nicht mehr zu fürchten, mit vielleicht einzelnen Ausnahmen. Wir sind in die Zeit gekommen, in der der Herr Jesus zu kommen verheißen hat.“

15. Oktober 1950, Bietigheim: „Ich habe wiederholt vor der Gemeinde bekannt, dass ich für meine Person glaube, dass der Sohn Gottes zu meiner Lebzeit kommt, um die Seinen zu sich zu nehmen. Ich habe aber nie gesagt, dass der Herr Jesus kommen muss.“  (Ende der Schmolz-Zitate)

Dominik Schmolz kommentiert nach Erwähnung der Botschaft in Gießen im Dezember 1951: „Bereits diese Worte machen klar, dass die „Botschaft“ nicht aufgrund einer direkten Offenbarung verkündet wurde. […] Aufs Ganze gesehen gab es wohl eine Vielzahl von Aspekten, welche die Entstehung der „Botschaft“ bedingt und ihre Dogmatisierung befördert haben. Neben der aus den welt-[1]und kirchenpolitischen Ereignissen abgeleiteten Überzeugung, unmittelbar vor der Wiederkunft Christi zu leben, gehörten dazu persönliche Sehnsüchte, Wünsche und Träume sowie eine stark hervortretende Angst und Abscheu vor dem natürlichen Tod. Die „Botschaft“ entstand darüber hinaus in permanenter Wechselwirkung mit Teilen der Kirchenbasis und des Apostelkollegiums, die Bischoff in seiner Haltung bestärkten. Ich interpretiere die „Botschaft“ in erster Linie als einen sich immer mehr konkretisierenden Wunsch, der schließlich zu einer subjektiven Gewissheit wurde. Nach allem, was wir heute wissen, war die „Botschaft“ eine aus Sehnsüchten und Träumen gezeugte Verheißung, von deren Wahrheitsgehalt Stammapostel Bischoff sicherlich überzeugt war.[]

Das trifft auch aus meiner Sicht zu, nicht allerdings die Feststellung von Schmolz, „dass die „Botschaft“ nicht aufgrund einer direkten Offenbarung verkündet wurde.“ Zumindest hat JGB diese Behauptung selber aufgestellt.

Mir liegt ein originaler Bericht eines Gottesdienstes vor, der als Umlaufschreiben mit der Schreibmaschine verfasst wurde und bereits vom August 1951 stammt. Diese gänzlich neue Quelle zeigt, dass JGB bereits ca. vier Monate vor dem bisher als "offizielle" Verkündigung der Botschaft angesehenen Gottesdienst in Gießen (24.12.1951) bereits am 19. August.1951 vor Jugendlichen in Karlsruhe in Anwesenheit der Apostel aus Afrika, den USA und Übersee (Stammapostelhelfer Schlaphoff und die Apostel HibyFendt, Rufenacht, Glessmann, Abicht, Malan und de Vries) sowie BA Hahn und Ap Wintermantel aus Deutschland eindeutig die „Botschaft“ predigte, dass ihm "der Sohn Gottes die Offenbarung" seiner zeitnahen Wiederkunft persönlich gegeben hätte. 

STAP Bischoff hatte für den August 1951 alle Apostel der Erde zu einem Treffen nach Deutschland zum gegenseitigen Kennenlernen eingeladen. Der große Festgottesdienst fand am 5. August 1951 in Frankfurt statt. Die Apostel aus Übersee reisten an den kommenden Sonntagen – mit oder ohne den STAP - in die einzelnen Apostelbezirke in Deutschland. Immer dabei waren die jeweils zuständigen deutschen Apostel, in Karlsruhe also auch BA Hahn und Ap Wintermantel. (siehe Reiseplan der Apostel 1951 Quelle Zentralarchiv NAK West; zum Aposteltreffen: Bericht, Bericht Fortsetzung 1, Bericht Fortsetzung 2)

Und am 19.8.51 predigte er dann am Nachmittag in Karlsruhe: 

Als vor etlicher Zeit der Geist des Herrn mich trieb – weil der Sohn Gottes mir die Offenbarung gab, daß es nicht mehr lange währt bis er kommt – und ich entsprechend hingewiesen habe, da sind auch nicht gleich alle frohen Geistes mitgegangen und in manchem Herzen kam der Gedanke: Wird es denn auch richtig sein, was der Stammapostel sagt, oder geht er vielleicht doch zu weit in seiner Rede? Und dergleichen mehr. Mit größter Vorsicht hat man meine Rede aufgenommen und man hat sich wohl nicht direkt gegen, aber auch nicht direkt für die Sache eingesetzt, man hat gesucht, den Mittelweg einzuschlagen, den es aber in Wirklichkeit im Reiche Gottes überhaupt nicht gibt. Man kann entschieden für eine Sache eintreten, man kann auch unentschieden sein. Die Treue wird aus der Liebe geboren, der Gehorsam des Glaubens aus dem Glauben und der Ungehorsam aus dem Geist des Unglaubens. Dadurch sind wir in der Lage, uns prüfen zu können, wie unsere Seele dem gegenüber steht, was wir zeitgemäß aus dem Munde der Boten Gottes empfangen.

Nun also spricht der Stammapostel in diesem Gottesdienst  im August  1951 nicht nur von einer allmählichen Entwicklung seiner persönlichen Überzeugung von der zeitnahen Parusie, sondern konkret und eindeutig von einer  Offenbarung vom Sohn Gottes und davon,  „daß es nicht mehr lange währt bis er kommt.“ Obgleich „zu meiner Lebenszeit“ nicht expressis verbis benannt wird, wird dies durch die  vorangestellte Einführung und die danach vertiefenden Konsequenzen dieser neuen „Gottesoffenbarung“ deutlich konnotiert. Im gleichen Atemzug droht JGB sogleich mit dem "Geist des Unglaubens", wenn man ihm in seiner apokalyptischen Prophezeiung nicht folgt. Gegen Ende des Gottesdienstes führte JGB - noch deutlicher - aus:

"Es fällt sicherlich nicht schwer, wenn wir heute in der Heiligen Schrift irgend eine Abhandlung oder ein Kapitel lesen, worin die früheren Gottesoffenbarungen beschrieben sind, hieran zu glauben, da ist ja kein Kampf damit verbunden. […] Es hat vielen Kampf für das eine oder andere gekostet, bis es im Glauben überwunden hatte und dann in der Lage war, das gehörte Wort in sich aufzunehmen und sein Leben darnach zu gestalten. Es hat sich bis heute erwiesen, daß jede neue Gottesoffenbarung einen Kampf auslöst. „Sollte es wohl so sein“, sagt der Böse auch heute noch. „Das ist ja unmöglich“, und führt dann allerlei an als Gegenbeweis. Der kindliche, einfältige Glaube weist all diese Versuchungen ab und kümmert sich nicht um das, was der Böse durch menschlichen Verstand als Gegenbeweis anführt. Wer den kindlichen Glauben ergreift, richtet sich darnach ein, der hat den Sieg; denn der Glaube ist der Sieg, der die Welt und alles, was unter dem Wort „Welt“ zu verstehen ist, überwindet."

Für diese Gottesneuoffenbarung fordert  JGB also die absolute Notwendigkeit der Nachfolge durch "kindlich-einfältigen Gauben" ein, ohne die der „Sieg“ nicht möglich ist. Gleichzeitig ist das der Gradmesser und eine Kontrollmöglichkeit zu prüfen, wer zu ihm steht und wer nicht. Helfer Schlaphoff merkte in seiner Co-Predigt an:

Haben wir hier verloren, indem wir uns gebunden haben an das Wort unseres Stammapostels? Jetzt sind die Zeugen vom Ausland noch da. Und wenn Jesus sagt: Die letzte Zeit wird sein wie die Zeit Noahs, dann sind in dieser großen Familie Gottes auch Söhne, die Noah glauben und nachfolgen. Aber seine Verwandten, die ihm nicht glauben, gehören nicht zur Familie. Sie können wohl zur Verwandtschaft gehören, aber sie sind nicht Kinder Gottes, Kinder der Errettung. Und wenn wir nun geleitet werden auf diesem Weg, dann folgen wir unserem Stammapostel. Das glauben wir einfach, dafür arbeiten wir und lassen uns nicht verführen von anderen Geistern, die einflüstern: Der Herr kommt, wir brauchen nicht mehr zum Gottesdienst gehen, sondern sitzen zu Haus und warten. Laßt euch nicht verführen, meine Lieben, denn wir sprechen von dem, was wir gesehen und gehört haben, und wir können auch sagen mit dem Apostel Johannes: Habt Gemeinschaft mit uns, denn unsere Gemeinschaft ist mit dem lieben Stammapostel und daher mit dem Vater und dem Sohn und das halten wir fest. Amen.“

Nachdem Helfer Schlaphoff gepredigt hatte, stellte der Stap heraus:

"Wir haben aus dem Gehörten wahrnehmen können, daß der Geist, der durch den lieben Helfer zu uns gesprochen hat, kein anderer ist als der, der auch durch mich zu euch sprach und es ist doch eine tröstliche Sache zu wissen, nicht durch menschlichen oder durch irgendeinen anderen Geist, sondern durch den Geist des Herrn bedient zu sein." Quelle der Zitate aus: Die erste Botschaftsverkündigung von Stammapostel  J.G. Bischof  im August 1951 in Karlsruhe (Predigtabschrift und Scan Detlef Streich 15.9.2021)

Kommentar: Ob sich JGB durch diese Botschaftsverkündung  im August 1951 gerade vor den ausländischen Aposteln ihrer Nachfolge versichern wollte- als deutsche Apostel waren zugegen nur BA Hahn und Ap Wintermantel - oder ob er das deutsche Apostelkollegium vor die vollendete Tatsache stellen wollte, dass die Botschaft nun um die ganze Welt geht und sie nicht ohne Gesichtsverlust hätten dagegen sein können - bleibt Spekulation. In welcher Intensität sie von den anwesenden Amtsträgern und Mitgliedern angenommen und ob sie zu diesem früheren Zeitpunkt auch verbreitet wurde, ist unklar. Fakt ist, dass BA Schlaphoff z.B. diese erste Verkündigung im Gegensatz zu seiner Predigtanmerkung jetzt und auch später nicht weitergab. Und was war mit den Aposteln Hahn und Wintermantel? Quellen dazu liegen mir nicht vor.

Warum JGB selbst aber auch noch weitere vier Monate zögerte, diese doch „göttliche Offenbarung“ der neuapostolischen Öffentlichkeit mitzuteilen, bleibt fraglich. Möglicherweise war es auch Zufall, dass JGB nach langem Vorlauf  in Karlsruhe die Botschaft vielleicht eher spontan als zielgerichtet in der Predigt erwähnte! Auch das muss an dieser Stelle offen bleiben. Die Stringenz allerdings, mit der er über die Begriffskette Jugendliche - Lehrer- wahre Lehrer – Wegentscheidung – Nachfolge/Treue – Glaubensgehorsam  usw. auf sie zusteuert bzw.  sie dadurch untermauert, spricht aus meiner Sicht aber eher für eine geplante Erwähnung.

"Als vor etlicher Zeit der Geist des Herrn mich trieb – weil der Sohn Gottes mir die Offenbarung gab, daß es nicht mehr lange währt bis er kommt " weist  auf die prozesshafte Entwicklung hin, die damit in Karlsruhe in dieser Form erstmalig als Offenbarung Jesu öffentlich bekannt gemacht wurde. Die Naherwartung - schon immer vorhanden – wurde nun zeitlich begrenzend konkretisiert ( JGB war immerhin bereits 80 Jahre alt) und in einer Weise theologisch untermauert (vom Sohn Gottes als Offenbarung gegeben), die keinen Zweifel mehr zuließ und menschliche Meinung und den damit verbundenen, potentiellen Irrtum ausschloss. Wenn besonders damals auch  jedes Wort vom Altar ohnehin als "geisterweckt" galt, verdient die besondere Deklarierung als konkrete Offenbarung von und durch Christus nun  besondere Aufmerksamkeit und Beachtung, denn „Treue wird aus der Liebe geboren, der Gehorsam des Glaubens aus dem Glauben und der Ungehorsam aus dem Geist des Unglaubens. Dadurch sind wir in der Lage, uns prüfen zu können, wie unsere Seele dem gegenüber steht, was wir zeitgemäß aus dem Munde der Boten Gottes empfangen.

JGB bezeichnet sich hier selbst als den "Boten Gottes" und fordert unmissverständlich  dazu auf, nicht ungehorsam zu sein und  eben nicht dem Geist des Unglaubens zu folgen, d.h. die konkretisierte Naherwartung nicht abzulehnen. Bereits bei dieser ersten Erwähnung der neuen "Gottesoffenbarung"  wird also der dogmatische Aspekt schon im August 1951 überdeutlich: Wer dieser, seiner Rede nicht folgt steht ab jetzt und zukünftig  im Unglauben. Dass das durchaus problematisch ist, scheint auch JGB zu wissen und ruft zum „kindlich, einfältigen Glauben“ auf:

„Es hat sich bis heute erwiesen, daß jede neue Gottesoffenbarung einen Kampf auslöst. „Sollte es wohl so sein“, sagt der Böse auch heute noch. „Das ist ja unmöglich“, und führt dann allerlei an als Gegenbeweis. Der kindliche, einfältige Glaube weist all diese Versuchungen ab und kümmert sich nicht um das, was der Böse durch menschlichen Verstand als Gegenbeweis anführt. Wer den kindlichen Glauben ergreift, richtet sich darnach ein, der hat den Sieg; denn der Glaube ist der Sieg, der die Welt und alles, was unter dem Wort „Welt“ zu verstehen ist, überwindet."

Damit wird der christliche Glaube in der NAK ab diesem Zeitpunkt wesentlich reduziert auf die geistliche Nachfolge sowie abhängig gemacht von der Akzeptanz einer einzigen Person innerhalb der nun nur noch sehr begrenzten Endzeit. Einwände des "menschlichen Verstandes" bzw. Zweifel daran werden von JGB als Versuchungen und Taten des Bösen bezeichnet. Nur der, der inhaltlich genauso spricht wie JGB, ist auf dem richtigen Weg. Das ist der Gradmesser für ihn, Amtsträger und Mitglieder zu bewerten und menschlich von göttlich inspiriert zu unterscheiden:

„Der Geist, der durch den lieben Helfer zu uns gesprochen hat, ist kein anderer als der, der auch durch mich zu euch sprach und es ist doch eine tröstliche Sache zu wissen, nicht durch menschlichen oder durch irgendeinen anderen Geist, sondern durch den Geist des Herrn bedient zu sein."

Eigentlich hätte diese Gottesoffenbarung doch wie eine Bombe einschlagen müssen! So wichtig schienen es aber auch die anwesenden Amtsträger (alle Vorsteher) und Hörer jedoch nicht aufgenommen zu haben. Auch wurde dieser Gottesdienst nicht  in der UF gedruckt! Vielleicht – so die Spekulation -  auf Grund einer durchaus vorhandenen Skepsis gegenüber dem greisen JGB. Dies würde auch die verzögerte Reaktion von FB erklären. Erst 8 Monate später wird er ab 1952 über die Verlagsschriften die langfristig inszenierte Intensivierung der Botschaft beginnen und sie absolut in den Fokus der Lehre als quasi 11. Glaubensartikel rücken als - so wird noch gezeigt werden - ein hoch wirksames, kirchenpolitisches Druckmittel gegen die sogenannten Feinde des Werkes Gottes!

Neuapostolische Historiker werden also die Geschichte der NAK umschreiben müssen und die zwei hier dargestellten Punkte des 1. früheren Termins ihrer Verkündigung und 2. den von JGB erhobene Anspruch, dass sie ihm von Jesus als Offenbarung gegeben wurde, in ihre Darstellungen einbeziehen müssen.

BA Hahn wird im Zusammenhang mit der Botschaft und als Folge daraus dann im Februar 1954, also ein Jahr vor der Exkommunizierung Kuhlens, von jenen „Auf-Ewig-Toten“ schreiben und weiter ausführen:

„So bleiben auch auf dem „Weg des Lebens“ jene „auf-ewig-toten“ liegen, die dem Wort des Herrn nicht folgen. […] Noch etwas sehr wichtiges: Auf dem Weg des allgemeinen apostolischen Glaubens bewegen sich manche, die zwar an den Stammapostel, an die Apostel glauben, aber die Botschaft, dass der Sohn Gottes zur Lebzeit unseres Stammapostels und damit in unserer Gegenwart kommt, ablehnen, mindestens aber bezweifeln. Sie haben zwar die Freiheit, mit diesem Unglauben im Herzen weiter den apostolischen Glaubensweg zu gehen. Sie werden von niemandem dieserhalb angegriffen, denn Glaube kann nicht befohlen werden. Erfüllt aber der Vater die uns durch den Stammapostel gegebene Zusage, dann stehen sie als die törichten Jungfrauen da und . . . ihr Weg ist zu Ende!

Liebe Jugend, beim Schreiben dieser Zeilen wird mit auf’s neue bewusst, wie dankbar wir unserem Vater sein dürfen, dass er uns durch die Botschaft unseres Stammapostels Ziel und Richtung gegeben hat. Damit hat uns der Stammapostel vor die Wahl gestellt: Entweder auf dem „allgemeinen“ Glauben stehen zu bleiben oder sich in die Bahn einzureihen, die ihm der Herr vorgezeichnet hat. Der Glaube unseres Stammapostels, dass, der Herr zu seiner Lebenszeit kommt, ist kein Weg mehr, auf dem man rechts oder links ausweichen kann. Er ist die Bahn, auf der es nur noch ein Vorwärts gibt, die Bahn, die zwar schmal, aber auch nur eine Richtung, ohne Abzweigung, kennt.

[…] Wer sich, wie es der Stammapostel wiederholt ausdrückte, dem Siegeszug des Sohnes Gottes entgegenstellt, wird überfahren. […] Somit gilt uns die Aufgabe, nunmehr von dem „Rechten Wege“ uns in die „richtige Bahn“ einzugliedern, in die Bahn, in der nur der eine Glaube ist, dass der Herr Jesus zur Lebzeit unseres Stammapostels und damit in unserer Gegenwart kommt. […] Wer heute noch in dem Glauben der „guten Werke“ steht, mag sich wohl auf dem apostolischen Lebensweg befinden, er ist aber ausserhalb der Bahn unseres Stammapostels.[…]“

Auch diese Beschreibung zweierlei „Wege neuapostolischen Glaubens“ ist in dieser absoluten Fokussierung auf die Botschaft hin aus heutiger Sicht schlichtweg ungeheuerlich!  Und in Bezug auf BA Kuhlen, ohne ihn direkt zu benennen, wird Hahn polemisieren:

So tauchen auch heute am geistigen Himmel jene Kometen auf, die die Botschaft des Stammapostels bezweifeln, die ihn und alle, die ihm glauben, bekämpfen. Sie glänzen für kurze Zeit dann aber sind sie mit ihrem Anhang in der Finsternis verschwunden. Möge kein Gotteskind einem solchen trügerisch aufkommenden Kometen sein Herz schenken, sondern mögen wir alle uns freudig in die Bahn unseres Stammapostels einordnen und uns von ihm dem Sohne Gottes entgegenführen lassen.“ Quelle:  Die „Auf-Ewig-Toten“ - Drei Schreiben von BA Hahn aus den Jahren 1954,1955 und 1960 zum Thema „Botschaft“ Auszüge aus den originalen Schreiben

Damit ist Hahn aber kein Sonderfall, JGB selbst hat es genauso verkündet. Am 11. 7. 1954 predigte er in einem Gottesdienst in Neumünster: „Wer am Tag des Herrn nicht in der Arche steht, der steht eben noch draußen und muß die Folgen seines Tuns tragen. Es muß also der letzte Schritt getan werden. Und worin besteht der? Der Herr hat uns wissen lassen, daß er zu meiner Lebzeit kommt und somit auch zu eurer Lebzeit. Und wenn ihr diesen Glauben nicht aufbringt, wenn ihr diesen Schritt nicht macht, dann bleibt ihr draußen. Es gibt nun einmal keine andere Möglichkeit als diese, Das ist die Pforte, durch die wir hindurchgehen müssen. $o ist es vom Herrn bestimmt und von ihm angeordnet. Und wer diesen Schritt nicht wagen zu können glaubt, oder denkt, er könne das nicht glauben, der muß, so hart es ist, eben mit den damit verbundenen Folgen rechnen.“ Quelle: zitiert aus Herold-Sonderausgabe vom Januar 1983

Welche aus heutiger Sicht unfassbar dramatischen Szenen sich als Folge der weiteren Botschaftsinszenierung und damit einhergehender, gezielt geschürter Spaltungsprozesse in den Gemeinden abspielten soll hier – der chronologischen Darstellung vorgreifend – kurz angerissen werden. Sehr umfassend (15 Seiten) hat ein Vorsteher seine erschütternden Erlebnisse von 1955 in einem Bericht dargestellt. Im abschließenden Teil III zu FB werde ich darauf noch näher eingehen. Hier also vorab schon ein Auszug daraus:

Quelle: Authentischer Zeitzeugenbericht eines Gemeindevorstehers aus dem Apostelbereich Kuhlen, vom 15. März 1955

[…] Später vernahm ich, dass vier junge Brüder aus der Gemeinde D-Mitte beim Stammapostel gewesen seien und Weisungen erhalten haben, genau aufzupassen und zu berichten, was in unserem Bezirk vorgeht. Der Stammapostel habe gesagt: Die rheinischen Apostel, diese "Burschen", sind aalglatt, man kann sie nie fassen; wenn man glaubt, sie am Hemd zu haben, dann heucheln und lügen sie und winden sich wieder los.----(S. 2)  […]Am 9. Januar 1955 lud Apostel Kuhlen alle Vorsteher nach Düsseldorf. Es waren auch die beiden Mitapostel, Bischöfe und Ältesten erschienen. Apostel Kuhlen entrollte ein erschreckendes Bild über die in letzter Zeit vielerorts im Rheinland vorgekommenen Fälle. In den letzten Monaten seien allerlei Gerüchte im Umlauf, die Verwirrung anrichten. Manchenorts sind leider hässliche Auseinandersetzungen über die Botschaft des Stammapostels ausgetragen worden. In einer Gemeinde ist es vorgekommen, dass Amtsbrüder den von ihrem Bezirksältesten angekündigten Gottesdienst einfach bei den Geschwistern abgesagt haben, weil nach ihrer Meinung der Bezirksälteste nicht die richtige Einstellung zur Botschaft des Stammapostels habe. In derselben Gemeinde wurde Apostel Dehmel sogar gehindert, einen Gottesdienst zu halten. Die verhetzten Geschwister sind in unflätiger Weise gegen ihn angegangen, haben ihm bedroht, ihn anzuspucken, nannten ihn Betrüger, Schwindler und Seelenmörder, er sei kein Apostel usw. Ja, man hat ihm sogar Schläge angeboten. Wäre er nicht sehr besonnen und ruhig geblieben, dann hätten an heiliger Stätte noch schlimmere Ereignisse eintreten können.- (S.3) Es waren aber auch schon viele "Eingeweihte" dabei, denn ich empfand, wie siegesbewusst sie an mir vorübergingen. Nachmittags war in D.-B. die Kirche besetzt wie selten. […]  Plötzlich rief ein Diakon von hinten durch den Kirchenraum: "Wir wollen jetzt nichts davon wissen, sondern etwas vom Stammapostel und der Botschaft hören". […]Man hatte nämlich in den Tagen zuvor böse Arbeit geleistet, so dass fast alle gegen mich eingestellt waren. Zum Beispiel ging der Hass so weit, dass sich ca. 30 Brüder an dem Wochendienst vor der Kirche angesammelt hatten, um den Dienst zu stören. Als ich kam, rief einer der Wüstlinge: "Wo ist die Maschinenpistole? Wir wollen denen hier mal die Bude ausräuchern!" […] Zum Schluss hiess es: "Wer zum Stammapostel steht, mag nun aufstehen und hinausgehen". Nach dieser eigenartigen Aufforderung war es verständlich, dass viele Unwissende und ein Grossteil Vorbereitete aufstanden. Alle Beteuerungen des Aeltesten, dass die Apostel sich nicht vom Stammapostel zu lösen gedenken, fanden kein Gehör und tauchten in dem Tumult der Aufgehetzten unter. Was nun folgte und geschrien wurde von solchen, die mehr der Lüge als der Wahrheit glaubten und die doch alle Geschwister sind und darüber hinaus 6 die Botschaft des Stammapostels angeblich 100%ig ergriffen haben wollten, das war menschenunwürdig. Es waren Gräuel und Verwüstung an heiliger Stätte. Als der Äelteste nochmals erklärte, dass unsere Apostel zum Stammapostel stehen, schrie ein Priester: "Ja, aber mit dem Dolche in der Hand". Man brüllte: "Ihr Lumpen, Verbrecher, Seelenmörder, Betrüger!" oder "Lange genug habt ihr uns belogen" oder "Die Kirche ist von unserem Geld erbaut!"  (S.4ff)

Am 6. Juli 1960 fiel dieses Lügengebäude durch den Tod des Stammapostels schließlich in sich zusammen. Dazu dann mehr im Teil III. Hahns eigene Reaktion auf den Tod von JGB war allerdings überraschend nüchtern. In einem Brief vom 24.August 1960 schrieb er: „So wie ich Stammapostel Bischoff bis zum letzten treu war, werde ich das auch unserem jetzigen Stammapostel gegenüber handhaben. Somit können die Brüder und Geschwister getrost nachfolgen.

Sorge bereitet mir die Weinbergsarbeit, besteht doch gar kein Grund, irgendwie zu resignieren. Im Gegenteil, so viel Propaganda wie in den vergangenen Wochen haben wir noch nie erlebt. Das sollte mit allem Eifer und Glauben ausgenutzt werden.“ Quelle:Scan Brief von Apostel Hahn vom 24.8.1960

Dass BA Hahn, der schneidende Botschaftsverkünder, nur wenige Wochen nach dem Tod von JGB meinte, die Geschwister könnten trotzdem weiterhin sogar „getrost“  nachfolgen und man sollte die dadurch entstandene „Propaganda“  zur Rekrutierung neuer Mitglieder nutzen, ist allerdings kaum nachvollziehbar.

Der Grund für alle noch folgenden (siehe die nächsten Kapitel), äußerst verstörenden geistlichen und menschlichen Verirrungen wurde im August 1951 (oder deutlich früher!) von Stammapostel Bischoff mit der hier beschriebenen Verkündigung der als „Gottesoffenbarung“ bezeichneten, unmittelbar bevorstehenden Parusie und dem sogleich daran geknüpften Glaubensgehorsam in Karlsruhe gelegt. Zu vermuten ist, dass an diesem Prozess der sich allmählich zuspitzenden Idee von JGB auch sein Sohn Fritz maßgeblich beteiligt war und den Vater in dieser Hinsicht aus finanziellen Interessen beeinflusste (Verlagsstabilität in seinen Händen). Die Verbreitung der Botschaft und ihre sukzessive Inszenierung, der Verkündigungszwang über das Amtsblatt bis hin zur theologischen Dogmatisierung und die zukünftig gezielt und parallel dazu aufgebaute Propaganda und Verteufelung des um Reformen bemühten Ap Kuhlens übernahmen fraglos und hauptsächlich sein Sohn Fritz, Gottfried Rockenfelder, BA Hahn  und weitere Apostel sowie die Redakteure des Verlages in allen herausgegebenen Zeitschriften.

Nebenbei sei als Fußnote noch erwähnt: Annähernd Gleiches spielte sich schon einmal sehr ähnlich 1921 ab, wie diese Quelle hier deutlich zeigt:  Brückners Reformbemühungen versus übertriebene Parusievorstellungen von Stap Niehaus als historischer Vorlauf zur Botschaft von Stammapostel Bischof und dem Ausschluss von Ap Kuhlen: Geschichte wiederholt sich doch! Auch weitere Parallelen zum Fall Kuhlen sind unübersehbar. Kein Abfall sondern Ausschluss (apostolische-geschichte.de)

 

Fortsetzung Teil 3

1952 Diese Botschaft wird ab jetzt von FB in den Publikationen systematisch und zielgerichtet verbreitet.  FB selber predigt erstmalig davon am 13.4.52  in seiner Co-Predigt nach dem Stammapostel: „Wenn nun so jemand die Botschaft hört: Jetzt ist die Zeit gekommen, in der der Herr erscheint! und er würde dann sagen: Das kann ich nicht recht fassen, das kann ich nicht glauben; wie kommt der Stammapostel dazu, so etwas zu verkündigen?, ist da der Glaubensgehorsam vollständig? Nein.“  (Quelle)

War die Botschaft nun, wie damals behauptet und von den Mitgliedern geglaubt wurde, eine göttliche Inspiration (Jesus begegnete dem Stammapostel persönlich, wie behauptet werden wird!) oder (nur) eine bewusst lancierte und  gezielte Inszenierung von FB aus machtstrategischen und persönlichen Gründen? Da sie sich nicht erfüllte, scheidet nachträglich Gott als Urheber aus. Zu dieser Erkenntnis kam die NAK auch offiziell, aber erst im Jahr 2012!

Sehr treffend und genau beschreibt Rudolf Stiegelmeyr unter der Überschrift 3.1 Zusammenhänge einer retrospektiven Indiziendiagnose zusammenfassend in seinem Buch „Das tragische Erbe des J.G. Bischoff - Die Botschaft wird 60“ ( S.71ff), welche Absichten aus seiner Sicht hinter der in den Folgejahren immer stärker verbreiteten und zur Problembewältigung instrumentalisierten Botschaft stehen konnten (Hervorhebungen DS):

 „ […] Im Fall der Botschaft wird erst rückblickend deutlich, mit welchem Risiko Bischoff & Co einerseits spielten und unter welchen Prämissen sie die Botschaft als unumgängliche Lösung für ihre jeweiligen Probleme erkannt haben mussten. Um diese Perspektive besser verstehen zu können, müssen wir uns die damaligen Probleme im Zusammenhang kurz vor Augen führen, womit wir uns gleichzeitig das hohe Motivationspotenzial bewusst machen, das in der Veröffentlichung und Akzeptanz einer solchen Botschaft lag. Blenden wir also stichpunktartig zurück in den unmittelbaren Botschaftsadvent der Jahre 1949-1951:

[…] Es ist weder Zufall noch zeitpolitischen Ursachen geschuldet, dass Bischoff und mögliche Hintermänner im Laufe des Jahres 1950 begannen, die Inhalte der späteren Botschaft zuerst in persönlichen Gesprächen durchsickern zu lassen, um sie dann schon im Herbst 1950 sowohl in Predigten als auch in den Arbeiten für den Jahreskalender 1951 öffentlich zu machen. Machen wir die Probe aufs Exempel. Was würde sich mit der Akzeptanz einer terminierten und an den Stammapostel gebundenen Heimholungsbotschaft, die als primäres Glaubensbekenntnis fungierte, verändern:

11. Der aus der Sicht des Stammapostels aufoktroyierte Ruhestand würde nicht stattfinden – ein vor dem Hintergrund seiner sprichwörtlichen Eitelkeit kaum zu überschätzendes Faktum. […]

14.Die Botschaft würde gleichzeitig ihn und sein Amt als unter ständiger Führung Gottes stehend vollends unanfechtbar machen – auch und gerade für den Teil der Apostel, die eine stammapostolozistisch zementierte Monopolstellung zunehmend infrage stellten. Dies war als Gegenposition dringend nötig, da auch die Wahl Kuhlens als von Gott legitimiert galt und somit dessen Ablehnung ohne entsprechende Gründe nichts gebracht hätte. Wollte man die Wahl Kuhlens als menschlichen Irrtum brandmarken, musste eine eindeutigere Legitimation gefunden werden als die einer wie auch immer gerechtfertigten Ablehnung. Mit dieser Stärkung des Stammapostolats würde gleichzeitig – und ganz im Sinne der Bischoff-Dynastie – das Apostelamt in seiner Bedeutung wieder eindeutig untergeordnet werden.

15. Gleichzeitig wäre mit der Botschaft sowohl die Nachfolgefrage als auch jene der Apostelstatuten und damit das Thema Erneuerung im Bischoffschen Sinne geregelt. Bischoff & Sohn könnten wieder alleine bestimmen, wer für welche Ämter – falls überhaupt – oder Aufgaben infrage käme. Dass die Wahl für solche Ämter nicht alleine vom Stammapostel kam, war schon damals kein Geheimnis.

16. Mit der Verhinderung des Einflusses von Kuhlen, Güttinger & Co in Fragen der internen Strukturen und der Lehre wären nicht zuletzt die Weichen gestellt, den konservativen und streng patriarchalisch orientierten Kräften innerhalb der Neuapostolischen Kirche ein für alle Mal das Heft in die Hand zu geben, was wohl nicht nur für den Stammapostel wichtig war, wie wir aus heutiger Sicht wissen.

17. Die Botschaft würde den Stammapostel vor allem bei den Aposteln und Gemeinden im Ausland rehabilitieren, bei denen er und sein Amt durch die Kriegsereignisse und sein Verhalten im Dritten Reich großen Schaden genommen hatten. Dies würde die Voraussetzung schaffen, um seinen Sohn langfristig im Kirchenverlag zu etablieren und somit das Machtzentrum im Hause Bischoff zu erhalten und zu erweitern.

18. Darüber hinaus könnte Bischoff seinen Sohn mit speziellen Sonderaufgaben betrauen (was dann ja auch passierte), sodass die Revision der Glaubensartikel, der Fragen und Antworten und vor allem der Apostelstatuten im Sinne des Stammapostels (und seines Sohnes) erfolgen konnte. […]

20. Schlussendlich würden durch die Dogmatisierung der Botschaft zu einem heilsverbindlichen Glaubensartikel die Aufrührer (aus der Sicht Bischoffs) entweder zurücktreten oder aus ihrer Deckung kommen, wodurch dann eindeutige Gegenmaßnahmen ergriffen werden könnten, um Ruhe und Ordnung im Sinne J.G. Bischoffs wieder herzustellen. Damit würde gleichzeitig Platz frei werden im Apostelkollegium für den ehrgeizigen Stammapostelsohn und ihm gewogene Apostel. Vor den Geschwistern und Gemeinden konnte Bischoff so ungeniert die Schuld auf andere schieben, ein taktisch geeignetes Manöver, um von den eigentlichen Ursachen und Motivatoren ablenken zu können.“

1953 Am 12.7.53 wird FB zum Bezirksapostel ordiniert und gleichzeitig Kirchenpräsident der neu gegründeten Gebietskirche Rheinland-Pfalz. Diese sehr kleine und extra für FB geschaffene Gebietskirche wurde dem bisher dafür zuständigen Bezirksapostel und 1948 als Stammapostelhelfer und Stammapostelnachfolger bereits ordinierten Peter Kuhlen entzogen. Kuhlen votierte zuvor deutlich gegen die 25jährige Verlängerung der Verlagsleitung von FB und gefährdete damit u.a. auch dessen sichere finanzielle Absicherung. (Quelle)

1954 Stap Bischoff in Stuttgart: „Ich bin mir doch bewusst, wenn ich sterben würde - was nicht der Fall sein wird -, dann wäre Gottes Werk vernichtet. [...] Falls ich tatsächlich heimgehen würde, was nicht geschehen wird, dann wäre das Erlösungswerk erledigt.“ Quelle: zitiert aus ad fontes (Folkmar Schiek)  ad -011.doc „Die Rechtfertigung der sogenannten „Botschaft“ durch Stap Bischoff“, S. 10

1954 Zu welcher verurteilenden Verblendung - als Folge der systematischen Indoktrination - es in der NAK gerade auf der unteren Ebene der Amtsträger führte, zeigt drastisch ein Beitrag im Kalender „Unsere Familie", Seite 160  mit dem Titel „Verlorene Seelen“ (Dichter: H.Wigman (1904 - 1983; Kaufmännischer Angestellter, Chorleiter und Priester in der NAK Quelle: Liederdichter und Komponisten der NAK, Hrg. H. Ober 1999):

 

Kennt ihr die Blinden, verloren, verlassen,
 völlig umdunkelt in geistiger Nacht?
 Ärmste der Armen unter den Massen,
 die um ihr ewiges Erbteil gebracht!

 Planlos und ziellos in all' ihrem Streben
 finden sie nirgendwo Ruhe und Glück.
 Längst schon gestorben...
 doch leidend zu leben,
 zwingt sie ein eigen verschuldet' Geschick

 Ehmals erhoben zu göttlichem Lichte,
 Träger des heiligen Geistes aus Gott.
 Einstens verdammt vor dem jüngsten Gerichte,
 enden sie schmählich auf Satans Schafott

Die sind es, welche die Kundschaft mißachtet,
 und sie geopfert für irdisches Glück.
 Völlig erblindet und geistig umnachtet,
 führt sie kein Weg mehr zur Gnade zurück.

 Die, die den heiligen Geist nun geschmähet,
 und das Apostelamt schimpflich beschmutzt,
 die den verleumdenden Samen gesäet,
 wider den Geist und die Wahrheit getrutzt.

 Ewig geächtet und zweimal gestorben,
 endigt der Tod nie die ewige Qual.
 Zweimal gestorben, entwurzelt, verdorben,
 gleich einem Kain — mit seinem Mal.

1955 Spätestens jetzt wird die Botschaft kurz vor dem Eklat mit BA Kuhlen auch durch BA Fendt verbreitetSchreiben von BA Fendt und Hiby vom 12.1.1955 zur Botschaft von Stap Bischoff an alle Mitglieder der NAK in den USA, Kanada und Großbritannien 

1955 BA Kuhlen wird am 23.1.55 aus der NAK ausgeschlossen (Frankfurter Tribunal)

1955 In der  „Wächterstimme“ publizierte am 15. April  FB, der Stammapostel habe diese Offenbarung „nicht durch einen Traum empfangen, sondern bei einer Begegnung mit dem Sohne Gottes selbst. Der Sohn Gottes stand dem Stammapostel gegenüber, wie er auch dem Saulus damals gegenüberstand; nur mit dem Unterschied, dass der Stammapostel, der größte und treueste Knecht Gottes in unserer Zeit, nicht nur seine Stimme hörte, sondern auch seine Gestalt sah.“ Ad fontes a.a.O. S. 11

1955 im Juni steht in der „Wächterstimme“: „Hätte Jesus von Nazareth versagt, so gäbe es keine Gnade und keine Erlösung. Die Augen der Gläubigen erkennen eine einmalige und einzigartige Parallele: Am Anfang der Gnadenzeit stand ein Mann - Jesus von Nazareth - an ihrem Ende steht ein Knecht, dem die Aufgabe geworden, die Braut heimzuführen [...] er ist durch keinen andern zu ersetzen.“ Ad fontes a.a.O. S. 11

1955 Unter wesentlicher Mitwirkung von FB und nach weiterem, gezielten Mobbing (dies zeigt sich z.B. an den vom Stammapostel völlig frei erfundenen Vorwürfen in seiner „Anklage“, die nachfolgend zitiert werden) wurde Kuhlen neben weiteren Amtsträgern am 23.1.55  vom mittlerweile 84jährigen  Stammapostel Bischoff  ausgeschlossen. (Quelle)  Das Internetmagazin Christ im Dialog führte  2007  ein Interview mit Zeitzeugen der „Botschafts“-Ära durch.  Dort wurde u.a. die gnadenlose Veranstaltung vom 23. Januar 1955 in Frankfurt/Main, auch Frankfurter Tribunal genannt, beschrieben,  in dem die Apostel Kuhlen, Dunkmann und Dehmel ihrer Ämter enthoben und aus der NAK ausgeschlossen wurden. Das angestrebte Ziel des Treffens stand offensichtlich im Vorfeld schon absolut fest, denn bereits vor Ende der Veranstaltung wurden zwei  unterschiedliche Protokolle angefertigt, die das feststehende Ergebnis vorwegnahmen: „Bischoff verlangte jetzt nach dem Protokoll, es waren aber im voraus wohl zwei unterschiedliche Protokolle angefertigt worden und auf die Frage: „Welches, das erste oder das letzte?“, antwortete er: „Das Letzte“.

Bischof Kloss ist einer von zwei noch lebenden Zeitzeugen jener Zusammenkunft vom 23. Januar 1955 in Frankfurt/Main, in dem die Apostel Kuhlen, Dunkmann und Dehmel sowie alle Bischöfe und Ältesten des Bezirks Düsseldorf ihrer Ämter enthoben und aus der NAK ausgeschlossen wurden. In Anbetracht der Tatsache, dass der Forschungsbericht von Frau Dr. Leh aus der Zeitzeugenbefragung von Stap Schneider immer noch zurückgehalten wird, sollen hier nun einige Zeitzeugen etwas umfangreicher zu Wort kommen dürfen. Im Dezember 2007 beauftragte die NAK ein unabhängiges Institut mit einer wissenschaftlichen Befragung von Zeitzeugen aus der AG, VAC und NAK. Der Forschungsbericht wurde Ende Juni 2014 an die NAKI übergeben und seitdem unter Verschluss gehalten!

Herbert Kloss (Bischof i.R, von Kind an neuapostolisch, seit Juni 1953 bis zur Spaltung Bezirksältester im Bezirk Essen II und hauptamtlicher Mitarbeiter der Verwaltung) ist einer der befragten Zeitzeugen, er berichtet:

„Stammapostel Bischoff eröffnete um 14.00 Uhr die Versammlung mit Gebet.  Apostel Dehmel, Dunkmann und Kuhlen, sowie die Bischöfe und Bezirksältesten des Bezirks Düsseldorf bekamen einen Platz angewiesen, die anderen eingeladenen Apostel zogen an uns verlegen vorbei. Teilweise auch ohne Begrüßung oder mit abgewandten Gesicht. An einem quergestellten Tisch saß dann der Stammapostel Bischoff, sein Sohn Friedrich Bischoff, sowie sein Sekretär Bischof Weine. Die Aufteilung der Sitzordnung und das Stellen von Tischen und Stühlen erinnerte von vornherein weniger an ein Besprechung, als an eine Gerichtsverhandlung. Das muss man wirklich so sagen.
Stammapostel Bischoff nahm seine Mappe und klagte Apostel Kuhlen wegen „Groben Ungehorsams“ an. Grober Ungehorsam gegen den Stammapostel, vorsätzliche Unterminierung seiner Lehre und Illoyalität gegenüber seinem Treueversprechen. Besonders betont wurde, dass die Botschaft im Bezirk Düsseldorf nicht freudig aufgenommen worden seidadurch hätte Apostel Kuhlen zu erheblicher  Unruhe und Verwirrung in seinen Bezirk beigetragen. Dann wurde ich mit den anderen Bischöfen und Ältesten gebeten, das Zimmer zu verlassen. Wir wurden in ein Büro gebracht und obwohl es ja Mittag war und hell, wurden die Fensterläden geschlossen und Licht angemacht. Wir fühlten uns da alle nicht mehr wie Seelsorger in der Neuapostolischen Kirche, sondern wie Untersuchungsgefangene. Eine halbe Stunde später wurden dann die Apostel zu uns in den Raum geleitet. Wir schwiegen zwar, aber schrien zu Gott im stillen Gebet, denn die Anklagen hatten nichts mit den Tatsachen zu tun. Wir warteten dann circa eine Stunde schweigend in diesem Raum bis unsere Apostel dann in einen anderen Raum gebeten wurden.

Der Stammapostel sagte, er wolle uns ein paar Worte der Orientierung geben, ehe wir zu einem Entschluss kämen. Er sprach über die Wahl von Apostel Kuhlen zum Nachfolger für Bischoff, verdrehte aber dabei einige Tatsachen. Ich fragte mich, was die Botschaft mit der Wahl zu tun haben sollte, denn bei den Vorwürfen ging es ja um die Botschaft. Bischoff hatte unterdessen Apostel Walter Schmidt die Leitung des Bezirks Düsseldorf  anvertraut. Bischoff wäre wohl bereit gewesen, uns als die Bezirksämter, eigentlich zu behalten, wenn wir mit Apostel Walter Schmidt weiterarbeiten wollten. Das wollte ich aber nicht. Bischoff verlangte jetzt nach dem Protokoll, es waren aber im voraus wohl zwei unterschiedliche Protokolle angefertigt worden und auf die Frage: „Welches, das erste oder das letzte?“, antwortete er: „Das Letzte“.

Dann verlas Apostel Hahn mit harter und lauter Stimme: „Apostel Kuhlen ist als Vorsitzender des Landesvorstandes der Neuapostolischen Kirche des Landes Nordrhein-Westfalen abberufen. Apostel Kuhlen ist seines Amtes als Bezirksapostel enthoben und die Apostel Dehmel und Dunkmann sind ihres Amtes als Apostel enthoben, womit ihre Mitgliedschaft im Apostelkollegium erloschen ist. Die Apostel Kuhlen, Dehmel und Dunkmann sind aus der Neuapostolischen Kirche ausgeschlossen. Die Bischöfe und Bezirksältesten des Apostelbezirks Düsseldorf werden vom Amte suspendiert. Schmidt kann mit Zustimmung des Apostolats über die Möglichkeit ihrer Wiederverwendung bestimmen. 
Noch im Wartesaal des Frankfurter Bahnhofs schrieben wir, die Bischöfe und Bezirksältesten, einen Brief an den Stammapostel, in dem wir es ablehnten, unter der Hand von Apostel Schmidt zu dienen und wir uns weiter zu unseren Aposteln Kuhlen, Dehmel und Dunkmann bekennen würden. […]Es war mittlerweile späterer Nachmittag und wir gingen dann auf die Straße, wo unsere Apostel bereits auf uns warteten. Um es kurz zu sagen: Unsere Apostel Kuhlen, Dunkmann und Dehmel wussten nichts von ihrer Amtsenthebung und dem Kirchenausschluss. Das hat Bischoff ihnen noch nicht einmal selbst in dem Konferenzraum gesagt. Das erfuhren sie dann erst durch uns, durch die Bischöfe und Ältesten. Stammapostel Bischoff hatte den Aposteln im Konferenzraum lediglich den „freiwilligen Rücktritt“ aus ihrem Amt empfohlen. […] 
Am 24. Januar 1955 fand die Übergabe des Apostelbezirks zwischen Kuhlen und Schmidt statt. Bei dieser Gelegenheit machte Apostel Kuhlen darauf aufmerksam, dass wir ohne alles dastanden, und bat Schmidt darum sich dazu zu verwenden, dass uns wenigstens eine Kirche überlassen wird. Schmidt versprach, das weiterzugeben, aber es gab keine Reaktion darauf“.

Werner Kuhlen, 82, Evangelist i.R. und Sohn von Peter Kuhlen, seit Geburt neuapostolisch, bis zur Spaltung Priester in der Gemeinde Düsseldorf-Derendorf)  berichtet über seinen Vater:

"Er kam ja aus ganz armen Verhältnissen – bitterarm.  Die Kirche war faktisch alles für ihn. Und diese Hinterhältigkeiten, die meinem Vater fremd waren, die haben ihn praktisch umgehauen. Ich kann nur eines sagen, wie ich meinen Vater erlebt habe, da war der Canossagang bestimmt nicht schlimmer als das, was er dort durchmachen musste. Das wirkte sich ja auch innerhalb der Familie aus, es war ein ständiges Thema, es gab viele Gespräche mit Brüdern die zu uns nach Hause kamen, ich kannte ja auch alle Apostel persönlich. Allerdings: Worte von Hass oder Vergeltung, das hat es bei uns zu Hause nie gegeben. Mein Vater hat niemals über die anderen Apostel hässlich gesprochen, auch über Bischoff nicht, sondern sie immer in Schutz genommen. Bis zum Schluss. Das kann ich eindeutig bezeugen. Es wurde mit viel Beten um brüderliche Verbindung gerungen. Auch das war für mich Vorbild. Und ich habe Gebete mit ihm erlebt, da sind sehr, sehr viele Tränen geflossen. Ich hatte einen todtraurigen Vater.

Nachher kam ja dann auch eine gewisse Befreiung, so muss man das sehen, und mein Vater war ein unheimlich aktiver Mensch. Er hat seine ganze Zeit von A – Z in die Kirche hinein gegeben. Die Kirche war sein ganzes Leben. Die Exkommunikation war eigentlich, das möchte ich noch einmal betonen, nicht dergestalt allein, dass er aus dem Amt gehoben wurde, sondern soweit, dass er die Kirche nicht mehr betreten durfte. Das war finsteres Mittelalter! Damals war das unter dem Wort „Bannbulle“ üblich. Die Exkommunikation war eine totale.

Das muss man sich einmal vorstellen, eine Kirche, die den Zugang zum Heil, das sie in Händen hält, unmöglich macht. Das ist schon ein starkes Stück. Eine Sache ist mir dabei noch ganz wichtig: Anlässlich der Exkommunikation in Frankfurt soll anschließend das Abendmahl gefeiert worden sein. Man muss sich das einmal vorstellen, was das im Sinne des Abendmahls bedeutet! Da werden vorher welche exkommuniziert, die Ältesten waren ja praktisch auch raus, und dann hat man miteinander das Abendmahl gefeiert. Ich finde das auch heute noch so ungeheuerlich, dieser Missbrauch der Vergebung. Ich denke an das Wort: Dann isst und trinkst Du Dir das Gericht, wenn Du Dich vorher nicht versöhnt hast mit deinem Bruder." (Quelle: Schade, dass es so gekommen ist! Interview mit Zeitzeugen der „Botschafts“-Ära)

Allein diese kurzen Informationen gehen weit über alles hinaus, was die Mitglieder der NAK jemals offiziell über diese Zeit erfahren haben. Nach wie vor können solche Informationen nur über das Internet eingeholt werden. Der wissenschaftliche Forschungsbericht bleibt Geheimsache!

1955 Am 24.1.55 gründete Peter Kuhlen die  Apostolische Gemeinschaft mit ca. 10.000 Mitgliedern. Ihnen wurden von der NAK die Kirchenräume und Chormappen und sämtliche Kirchenutensilien wie Abendmahlskelche enteignet, nichts ist ihnen geblieben!

Die Rechnung von FB ging also auf, denn nun war er durch seine konspirativen Machenschaften alle Widersacher und Kritiker an seiner Person los. Ein Brief von Priester August Conzelmann vom 15. Juli 1955 bezieht sich auf ihn:

„So empörend Sie dies auch finden mögen, aber ich komme von dem Gedanken nicht los, daß sich hinter all dem, was sich heute offenbart, ein in Lehre und Technik geschulter Geist eines Diktators stehtDer sorgfältig durchdachte Weg, der hinsichtlich der Prophezeiung des Stammapostels aufgebaut wurde - schlau und langsam, aber sicher -, hat in der neuen Geschichte zu viele Parallelen. Erziehung und Ausbildung (education) wird als ungöttlich hingestellt, über Glaubensangelegenheiten nachzudenken bedeutet, nach neuapostolischer Darlegung, daß man falschen Geistern Zutritt gewähre, und am vergangenen Sonntag wurde uns gesagt, das Lesen in der Bibel schade uns (!), weil unser Geist das nicht genau übersetzen könne, was wir lesen.“ (Quelle: Artikel von Dieter Kastl Pfingsten 2017: Ist das neuapostolisch? Von NAK betrogene Zeitzeugen gestorben

Apostel Kuhlen hatte zuvor – wie immer sachlich und ruhig – an Priester Conzelmann am 29.4.55 geschrieben (Auszüge):

„Es ist überaus bedauerlich, daß seitens des Stammapostels und der Apostel, die in jüngster Zeit Macht gewonnen haben, alles getan worden ist, um jene, die nicht in blindem Gehorsam zu allem Irrtum ja und amen sagen, zu entfernen, daß aber gar nichts, aber auch absolut nichts getan wurde, um eine Brücke zu schlagen zwischen den zweierlei Meinungen und trotz dieser Meinungs­verschiedenheit im Geiste der Versöhnlichkeit und des Brudersinns zusammenzuarbeiten. Nie und nimmer ist das ein Handeln im Sinne Christi.

Gewiß, seitens der Machthaber, die das alles in Szene gesetzt haben, wird jetzt das Märchen
verbreitet, es ginge ja gar nicht um die «Botschaft», sondern es handle sich um Machtkämpfe; Kuhlen sei beleidigt, daß er nicht Stammapostel geworden sei usw. usw.

Dazu kann ich nur sagen, daß ich Ende 1950 gerade deshalb als Nachfolger des Stammapostels zurückgetreten bin, um jenen Elementen, denen ich unbequem war, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Nur aus Liebe zum Werke Gottes habe ich den Schritt getan, um eine Riesen­katastrophe und eine Spaltung mitten durchs Werk zu verhindern. Um deswillen habe ich das Opfer gerne gebracht, so daß ich wohl mit Fug und Recht sagen kann, daß ich die Sache vor die Person gestellt habe, denn mir ist es niemals um die Führung gegangen. Es ist ja so, daß das Stamm­apostelamt in seiner heutigen Weise durch gewisse Leute zu etwas ganz anderem gemacht worden ist als was es nach Jesu Willen sein sollte. …. Welche Kräfte in den letzten Jahren am Werke waren, um es dahin zu bringen und welche Motive dazu Anlaß waren, das möchte ich jetzt unerwähnt lassen. Es ließe sich darüber so unendlich viel sagen; aber ich möchte wahrlich nicht mehr sagen, als das, was zwingend nötig ist, weil sonst viele, viele jeden Glauben verlieren würden. Nie würden meine Mitapostel Dehmel und Dunkmann und dann unsere Bischöfe und Bezirks­ältesten aus bloßer Liebe zu mir mit mir einig gehen, sondern gerade auf deren Drängen hin ist endlich nach allen hingenommenen Schmähungen durch Rebellen, die den Brüdern Herzeleid und Sorgen bereitet haben, unser gemeinsamer Brief an den Stammapostel geschrieben worden. […]

Man nennt uns Ketzer und Abgefallene, obwohl wir nichts anderes getan haben, als unsere vorgenannte Sorge dem Stammapostel zu unterbreiten. Man sagt fälschlich, wir hätten uns vom Stammapostel getrennt. Warum bleibt man seitens höchster Stellen der Neuapostolischen Kirche nicht bei der Wahrheit? Warum gibt man nicht zu, daß die Trennung nicht unsererseits erfolgte, sondern daß der Stammapostel und das Apostelkollegium unsern Ausschluß vollzogen haben? Nicht wir haben dem Stammapostel die Nachfolge versagt, sondern der Stammapostel hat uns weggejagt. Das ist die Wirklichkeit.

Es ist unserseits natürlich unmöglich, allen neuapostolischen Geschwistern in der ganzen Welt diese Tatsachen mitzuteilen, denn wir haben dazu nicht die Adressen aller Mitglieder und außerdem auch nicht die finanziellen Mittel, während umgekehrt die Leitung der Neuapostolischen Gemeinde über die stärksten Machtmittel verfügt, eine sehr mächtige Presse hat und über alle Amtsträger der Kirche die gröbsten Entstellungen über die Ereignisse in unserer Kirche darstellen lassen kann. […[

Man muß zudem wissen, daß die meisten der Geschwister aus lauter Angst, in die schlimmsten Höllenqualen in Ewigkeit verdammt zu werden, gar nicht wagen, den Stammapostel zu verlassen. Das Wort Stammapostel ist in den letzten Jahren immer mehr zu einem Idol (= Abgott) geworden, das den meisten ein viel höherer Begriff ist als das Wort Christus. Es wurde ja auch gelehrt, daß die geringste Versündigung gegen den Stammapostel weder in diesem noch in jenem Leben vergeben werden könne, wohingegen Jesus von sich sagte, daß, wer etwas gegen den Sohn Gottes rede, dem könne dennoch vergeben werden. Ein Wörtchen gegen den Stammapostel sagen, gilt also momentan als viel verhängnisvoller als irgendetwas gegen Jesum sagen. Welche Verdrehung der Dinge! Praktisch ist das doch den Stammapostel über Jesum gesetzt. […]

Man lese nur, was der Stammapostel in dieser Hinsicht für schauerliche Drohungen über uns ausgesprochen hat. Wie gut, daß unser Erlöser und Heiland doch immer noch ein gnädiger Retter und Helfer derer ist, die seine Barmherzigkeit suchen! Wahrlich, es ist gegenwärtig viel angenehmer, in die Hände des Allmächtigen, des ewigen Erbarmers, zu fallen, als irgendwie mit dem Stammapostel in Differenzen zu geraten, denn derselbe kennt gegenüber solchen, die auch nur ein wenig anderer Meinung sind denn er, kein Erbarmen und keine Rücksicht mehr. O wie traurig, dies sagen zu müssen! (Abschrift aus Der Herold 15.10.55Quelle)

1955 Nur einen Monat nach Gründung der Apostolischen Gemeinschaft gibt FB als Pressechef, der "über die Machtmittel verfügt, über alle Amtsträger die gröbsten Entstellungen darstellen zu lassen, wie Kuhlen sehr richtig schrieb, am 27.2.55 ein Amtsblatt mit einer Verteidigung der Botschaft und deutlichen Worten über die ausgestoßenen Amtsträger heraus. Wie anders und drohend mit selbstgefälliger Arroganz  klingen die Predigten der neuapostolischen Führung in diesem demagogisch einschwörenden Ämtergottesdienst gegenüber Kuhlens ruhigen Worten. Zur Veranschaulichung dieser grausamen Geisteshaltung finden sich deshalb hier nun sehr ausführliche Zitate:

Stap Bischoff: „Der Herr hat mir die Zusage gegeben, dass ich nicht mehr sterben werde, sondern ihm am Tag der Ersten Auferstehung die bereiteten Brautseelen zuführen werde. [...] Das ist gewiß eine Verheißung, die noch keinem Menschen auf Erden gegeben wurde. [...] Es ist also des Herren Sache, wenn er einem Menschen besonders entgegenkommen möchte. Unter den 600 Millionen Christen, ja, unter den zweieinhalb Milliarden lebender Menschen, hat mir der Herr Jesus allein die Verheißung gegeben, dass er zu meiner Lebenszeit kommt. Wer will dem Herrn darin Vorschriften machen? Das ist doch seine Sache! Ich freue mich, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde, dem Volk Gottes das mitzuteilen. [...] Man bedenke die Dreistigkeit jener Leute, die, obwohl sie ihres Amtes ent­hoben sind, sich dennoch nach dem alten Namen nennen. Wer ihnen nach­folgen will, mag es tun. Wir suchen zu retten und zu helfen: aber wir können nur dort helfen, wo man die Hilfe sucht. [...]  Barmherzigkeit gegen die Wölfe ist Grausamkeit gegen die Schafe und ein Schaf Christi ist mir lieber denn viele ungetreue Knechte."

Auch BezAp Friedrich Bischoff sprach direkt danach in seiner Co-Predigt:

"Wie sind die Seifenblasen ge­platzt, mit denen man diese und jene Behauptungen aufgestellt und ver­breitet hat, die sich mit dem Gesundheitszustand des Stammapostels be­schäftigten! Ich will auf Einzelheiten nicht eingehen: denn das zu wieder­holen, was andere an Lüge hervorgebracht haben, dazu ist hier nicht der Platz. Wenn wir darüber hinaus sehen, wie nun der Betrug an den irrege­leiteten Seelen fortgesetzt wird, und wie aus dem Abfall weiterhin nur das hervorgeht, was aus dem Geiste der Lüge kommt, dann werden wir auch er­kennen, daß auf dem Denkzettel, der vor dem Herrn geschrieben ist, nicht nur Gutes steht und daß darin nicht nur die verzeichnet sind, die ihm dienten, sondern auch die, die ihm nicht dienten. […]Ich habe wiederholt in der letzten Zeit erwähnt, wenn wir des Nachts in unseren Wohnungen das Licht ausdrehen, dann müssen wir nicht auch noch die Fenster einschlagen und die Türen eintreten, damit die Finsternis da ist. In dem Moment, wo das Licht erlosch, ist auch die Finsternis da! Wo Kinder Gottes ihre Glaubenslampen verlöschen lassen, sind sie in die Finsternis geraten, auch wenn man ihnen nicht nachsagen kann, daß sie in den Pfuhl der Sünde geraten sind. Die Tatsache allein, daß das Licht verlöscht, setzt sie in die Finsternis.[…] Wenn sich jemand vor eine Schar Leute stellt und ihnen vorspricht, daß ihnen die Sünden vergeben seien, und er weiß, daß ihm dazu die Macht und der Auftrag entzogen sind, dann kann er auch nicht mehr daran glauben: er handelt also gegen seinen eigenen Glauben. Dann bleibt doch das, was er sagt, wertlos."

Apostel Schmidt setzte ganz am Schluss noch hinzu: „Wenn ich an euch und den Bezirk Düsseldorf denke, dann möchte ich euch in Erinnerung rufen, daß wir eigentlich jetzt genau dasselbe erlebt haben wie einst Josua, als die Mauern Jerichos fielen. Alle Widerstände sind wunderbar überwunden worden! Wenn man noch einige Wochen zurückdenkt, so konnte man noch nicht ahnen, welche Entwicklung die Verhältnisse in diesem Bezirk nehmen würden. Doch die Gewißheit, daß der Herr mit uns war und der Stammapostel betend unter uns standgab uns die erforderliche Kraft.

Als ob das noch nicht reicht steht im Artikel, der auf diesen Bericht folgt, an Hochmut nicht zu übertreffen noch:

„Uns, dem Volke Gottes der Endzeit, ist der Stammapostel vom Herrn gegeben, damit er uns zum Ziele führe, und wir müssen erst einmal durch Gehorsam und Treue dem Mann Gottes gegenüber, vor Gott beweisen. dass wir überhaupt wert sind, geführt zu werden. Niemand wird zur Nachfolge gezwungen: der Gehorsam ist ein freiwilliger. Jeder einzelne im Volke Gottes entscheidet aber durch sein Verhalten zur göttlichen Führung über sein eigenes Los jetzt und in Ewigkeit. Es ist unmöglich, daß in den Reihen der Getreuen die Ungetreuen bleiben können, und daß in der Schar derer, die kindlich gläubig dem Stammapostel folgen, noch Platz wäre für die Ungläubigen und Widerstreber (Psalm 1, 5.6). Die Zeit ist da, von welcher Petrus schreibt: „Denn es ist Zeit, daß anfange das Gericht an dem Hause Gottes" (1. Petri 4, 17). Niemand sollte im Angesichte der notwendigen Reinigung von Lieblosigkeit reden, denn wer das Arge duldet, der liebt es und ist selbst im Argen. Solche, die da meinen, das, was sie im Bereich des Fürsten dieser Welt gelernt und angenommen haben, in dem Himmel der Gemeinschaft fortsetzen zu können, werden erleben müssen, daß ihnen der liebe Gott zu solchen Bestrebungen keine Entfaltungsmöglichkeit läßt. Durch das Licht der Wahrheit wird der Geist der Lüge entblößt. Wo der Felsen des unerschütterlichen Glaubens im Stammapostel steht, müssen alle Widersacher, Besserwisser, Zweifler und Ungläubige zu Fall kommen (Quelle:  NAK-Amtsblatt 1955 Nr. 16-18 Ämtergottesdienst STAP. Bischoff )

1959 FB publiziert  in „Unsere Familie“ am 15.9.1959 einen Bericht über den Auftritt des Stammapostels, in dem es pathetisch kaum zu überbieten heißt: „Der Stammapostel ist mit seiner Begleitung in die Halle getreten. Wir können ihn noch nicht sehen, aber wir spüren, dass jetzt ein Ereignis von überirdischer Bedeutung seinen Anfang genommen hat. Eine einzige Bewegung liegt über der versammelten Schar, Himmelskräfte haben sich gelöst und fluten durch den Raum.“ Und am 1. 12. 59 wird fortgesetzt: „Es gibt auf Erden keinen Menschen, durch den die Göttlichkeit uns so nahe kommt wie durch den Stammapostel.“ (Quelle)

1959 FB publiziert im Amtsblatt vom 15. November 1959, Seite 175:  „Die letzte Prüfung, die uns der Herr auferlegt hat, ist der Glaube an sein Kommen zur Lebenszeit des Stammapostels! Damit wird unser Glaube gekrönt, und wir können uns das Werk Gottes in unserer Zeit gar nicht mehr vorstellen ohne diese Botschaft.“ Die Botschaft war zu dieser Zeit längst zum anzuerkennenden und heilsnotwendigen Dogma mutiert!

1960 Bestätigung der „Botschaft im Amtsblatt: „Wenn der Herr darauf hinweist, dass wir an seiner Hand das Ziel erreichen werden, so steht hinter diesem Wort die nüchterne Erkenntnis, dass uns außer ihm keiner den Herrn entgegen führen kann.“ Ad fontes a.a.O. S. 11

1960 Am 6.7. 60 stirbt Stammapostel Bischoff mit 89 Jahren.

1960 Kurz darauf publiziert FB am 15.8.60 in der Wächterstimme einen Brief von Apostel Weinmann mit folgenden, haarsträubenden Scheinerklärungen, Gott hatte ja – so die erste Reaktion – seinen Plan geändert, und Weinmann rechtfertigt dies sogar wie folgt: „ […] Auch daß der Herr durch unsern alten Stammapostel die uns bekannte Botschaft verkündigen ließ, gehört zu seinem Plan. Auch daß dieselbe durch seinen Tod hinfällig wurde, war sicherlich vorgesehen. Der Tod unseres alten Stammapostels hat alle Treuen wie ein gewaltiger Donnerschlag erschreckt. Es sollte ein heilsames Erschrecken sein. Wir waren zu sicher geworden und wohl auch zu träge, um unser Hauptaugenmerk auf unsere eigene Vollendung zu richten. Wir haben nur auf das Ziel gestarrt und haben dabei viel Wichtiges vergessen zu überwinden. […] Durch das Ausscheiden aller Zweifler, Rechthaber und Eigenbrötler ist unter seiner Führung die völlige Einheit in allen Glaubensfragen, nicht nur im Kreis der Apostel, sondern auch in allen Gemeinden der Neuapostolischen Kirche auf der ganzen Erde hergestellt worden."

Man möge mir verzeihen, dass ich diese sowohl theologisch als auch menschlich wohl dunkelste Zeit der NAK-Verwirrung und Verirrung so ausführlich mit Zitaten unterlegt habe, aber dadurch zeigt sich nochmals deutlich, wie Friedrich Bischoff als Verlagsleiter und Herausgeber mittels seiner Druckerzeugnisse demagogisch die Leser auf das Schlimmste manipulierte, indem er die Scheinrealität der Wiederkunft Jesu zu Zeiten J.G. Bischoffs mit allen Kräften inszenierte, sozusagen bis zu dessen letztem Atemzug. Seine Einflussnahme als Publizist und Intrigant in diesem Zusammenhang konnte hinreichend genug aufgezeigt werden.

 

Exzerpt: Was aus Teil 3 faktisch zusammenfassend festzuhalten ist:

Der regulär als Stammapostelhelfer und Nachfolger ordinierte Apostel Peter Kuhlen wurde von Anfang an durch gezieltes Mobbing in seiner Person hinterhältig angegriffen und in Misskredit gebracht, weil er für FB eine wirtschaftliche Bedrohung darstellte. Kuhlen wollte die Verlagsstrukturen ändern und damit FB´s Einnahmequelle in Frage stellen. Ferner hatte Kuhlen Vorstellungen, die NAK von Grund auf zu reformieren, was die vorhandenen Machtstrukturen vernichtet hätte. Um ihn in seiner Funktion in Frage zu stellen, wurde ab 1952 die Botschaft inszeniert, dass Jesus zu Lebzeiten des über 80jährigen Stap Bischoff wiederkommen würde. Durch diese Neuoffenbarung war die Notwendigkeit einer Nachfolge Kuhlens nicht mehr von Bedeutung. FB sorgte mit seinen Artikeln und Intrigen sowie haltlosen Anschuldigungen gegen die Person weiterhin dafür, dass Kuhlens Ansehen beim Stammapostel vollends schwand und er ihn schließlich suspendierte und sogar aus der Kirche ausschloss. Mit ihm verloren 10.000 Mitglieder, die an seiner Seite blieben, ihre Kirchengebäude und ihren religiösen Halt. Gleiches galt Apostel Otto Güttinger, der schon 1954 aus der NAK ausgeschlossen wurde, weil auch er Kritik an der Botschaft des Stammapostels äußerte. Dies führte zur Abspaltung der Apostolischen Gemeinde, gegen deren Amtsträger von nun an äußerst heftig polemisiert wurde. Der Glaube an die Botschaft und auch an den Stammapostel selbst wurde zum Dogma erhoben, dem alle Mitglieder folgen mussten, wollten sie göttliches Heil erlangen. FB stabilisierte dadurch weiter seine kirchenpolitische Machtposition und seine Funktion als Leiter des Privatverlages und der Druckerei. Seine Zukunft war durch den Ausschluss seiner Kritiker fest gesichert. Erst Stap i.R. Leber rehabilitierte Peter Kuhlen vollständig am 9.6.2015 in Hamburg-Sinstorf in einem gemeinsamen Infoabend der NAK und Apostolischen Gemeinschaft. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde Kuhlen in der NAK totgeschwiegen. Leber, der Schwiegersohn von FB, sagte in Bezug auf Kuhlens Brief an den Stap Bischoff, der von ihm in sehr  übler Manier abfällig kommentiert wurde: „Es ist ein bisschen schwer verständlich, dass man den Apostel Kuhlen so Knall auf Fall aus der Kirche ausgeschlossen hat. Vielleicht haben da auch noch andere Dinge im Hintergrund gespielt. Das weiß ich nicht. Aber in dem Brief, den er geschrieben hat, da war eigentlich alles sehr nachvollziehbar geäußert […] Da kann man gegen dieses schriftliche Zeugnis keine Einwendung erheben. […]  Also was hier als schriftliches Zeugnis überliefert ist, das ist durchaus so, dass man da nichts finden kann, was einen Ausschluss rechtfertigt.[…].Dieser Brief ist auch unterschrieben von Peter Kuhlen, Ernst Dunkmann und so weiter und eigentlich ist es – ja, ich möchte schon sagen – bitter, auch traurig, dass es nicht zu einem Austausch, Gespräch darüber gekommen ist, sondern das man dort eben diesen Brief zum Anlass genommen hat, dann gleich eben eine Trennung zu vollziehen. […] Es entspricht der Wahrheit, dass man hier dann sagen muss, zumindest ist die Haltung oder die Reaktion von Seiten der Neuapostolischen Kirche fraglich – fragwürdig.“ (siehe Brief von Apostel Kuhlen zur Botschaft und auch die privaten Aufzeichnungen des Apostels Kuhlen )

Fazit 3:  Wie schon in den Zeiten zuvor setzte FB auch in dieser Phase des stärker aufkommenden Widerstandes von Kuhlen und Güttinger seine persönlichen Interessen machtpolitischer und finanzieller Art zielgerichtet, durchdacht und völlig skrupellos gegen jede Kritik mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln durch. Sehr strategisch inszenierte er druckvoll und in aller Konsequenz die „Botschaft.“ Dem angerichteten Schaden gegenüber - durch die entstandene Abspaltung - zeigte er sich völlig gleichgültig, ja er nahm, vermutlich wohl wissend um den nahen Tod seines Vaters oder ihn sogar kalkulierend, dessen Folgen zumindest billigend in Kauf. Zudem rechtfertigte er die scheinbare Notwendigkeit der Abspaltung durch die dadurch erfolgte Entfernung kritischer Amtsträger, denn „niemand sollte im Angesichte der notwendigen Reinigung von Lieblosigkeit reden, denn wer das Arge duldet, der liebt es und ist selbst im Argen“, so von ihm in maßloser Arroganz publiziert und mit demagogischer Schärfe vor den eigenen Mitgliedern mit Drohszenarien der ewigen Verdammnis predigend verkündet!

 

Teil 4 „Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff“ 1960 bis 1989 – Die postbotschaftliche Inszenierungswende und der Fall und Rausschmiss von Dr. jur. Schreckenberger

 Zur Erinnerung Zitate aus Teil 3:

1954 Stap Bischoff in Stuttgart: „Ich bin mir doch bewusst, wenn ich sterben würde - was nicht der Fall sein wird -, dann wäre Gottes Werk vernichtet. [...] Falls ich tatsächlich heimgehen würde, was nicht geschehen wird, dann wäre das Erlösungswerk erledigt.“ Quelle: zitiert aus ad fontes ad -011.doc „Die Rechtfertigung der sogenannten „Botschaft“ durch Stap J.G. Bischoff, S. 10

1956 „Wächterstimme“: „Hätte Jesus von Nazareth versagt, so gäbe es keine Gnade und keine Erlösung. Die Augen der Gläubigen erkennen eine einmalige und einzigartige Parallele: Am Anfang der Gnadenzeit stand ein Mann - Jesus von Nazareth - an ihrem Ende steht ein Knecht, dem die Aufgabe geworden, die Braut heimzuführen [...] er ist durch keinen andern zu ersetzen.“ Ad fontes a.a.O. S. 11

1960 Bestätigung der Botschaft im Amtsblatt: „Wenn der Herr darauf hinweist, dass wir an seiner Hand das Ziel erreichen werden, so steht hinter diesem Wort die nüchterne Erkenntnis, dass uns außer ihm keiner den Herrn entgegen führen kann.“ Ad fontes a.a.O. S. 11

Wer nun vermutet, dass nach dem Tod von Stammapostel Bischoff als Reaktion der NAK und besonders ihrer Führungsetage ein bescheidenes und um Entschuldigung bittendes mea culpa, mea maxima culpa folgte, der irrt sich gewaltig! Auch nach dem Tod von Stap Bischoff am 6.7.1960 folgten in der NAK-Führung weder Einsicht noch Scham über die falsche Prophezeiung oder gar Reue. Schon die erste Reaktion aller Apostel in einem Schreiben vom 7. Juli an alle Geschwister warnt:

„Die unterzeichneten Apostel gehen bewusst der Tatsache entgegen, dass unsere Gegner und Feinde meinen, durch den Tod des Stammapostels eine Begründung für die Behauptung zu besitzen, dass das Erlösungswerk Menschenwerk sei. Liebe Brüder und Geschwister, möge niemand in dieser Stunde den Glauben verlieren und dem Zweifelsgeist Raum geben. […] Darum bitten wir Euch in dieser ernsten Stunde, in bisheriger Weise treu zusammenzustehen und den Gegnern des Werkes Gottes keine Handhabe zu geben, unseren Glauben anzutasten.“ Quelle: Schreiben aller Apostel zum Tod von Stammapostel Bischoff vom 7. Juli 1960 an alle Brüder und Geschwister im In- und Ausland 

Bereits diese  Reaktion ist irreführend: Welchem „Zweifelsgeist“ sollte man noch Raum geben, wenn die tausendfach versprochene Botschaft, die als heilsnotwendig anzuerkennende Prophezeiung geglaubt werden musste, sich nicht erfüllt hat? Auch musste der Glaube daran von keinem „Gegner“ mehr angetastet werden, da sich die Sache durch Bischoffs Tod von selbst erledigt hatte! Diese Tatbestände aber wurden umgedeutet und uminterpretiert und Stap. Schmidt ist jetzt neben FB der Führer in der  neu angebrochenen und neu zu inszenierenden Wirklichkeits-Ära der NAK in ihrer postbotschaftlichen Phase. Er wird diese Aufgabe - von FB mit seinen Publikationen stark unterstützt - mit kaltem Herzen meistern!

1960 Wächterstimme vom 10.7.60 zum Heimgang von Stammapostel Bischoff (Originaler Nachdruck). Nachfolgend einige Auszüge aus der Predigt von Stap Schmidt, die die nach wie vor starrsinnige Verbohrtheit besonders deutlich machen. Stammapostel Bischoff hatte klar gesagt, dass, wenn er sterben würde, Gottes Erlösungswerk in Gestalt der NAK erledigt und vernichtet sein würde. Und im Amtsblatt wurde unmissverständlich und „nüchtern“ die Erkenntnis ausgedrückt, dass der Stap Bischoff „durch keinen anderen zu ersetzen ist, und das keiner außer ihm die Braut dem Herrn entgegen führen könne!“ Dieses von höchster Stelle prophezeite Ende der NAK wird aber nun vollständig beiseite gewischt und sogar als „Teufelswerk“ gebrandmarkt und der neue Brautführer ohne Widerspruch inthronisiert! Alleine die abgefallenen Spötter, Gegner und Feinde des Erlösungswerkes bleiben erhalten und geraten gerade jetzt aufs Schärfste erneut ins Visier, als ob sie Schuld daran hätten! Die sehr schnell neu inszenierte Wirklichkeit der NAK sieht – mit absurden Vergleichen mehr oder weniger geschickt indoktrinierend - wie folgt aus:

1960 Predigt Stap Schmidt vom 10.7.60: „Es wird auch unsere Umwelt jetzt fragen: Wo ist nun euer Gott? Wo ist nun der, der dem Stammapostel gesagt hat, er werde seinen Sohn zu seiner Lebenszeit senden? Wir werden hierbei an Abraham erinnert (1. Mose 22). Als er auf dem Höhepunkt seines Glaubens stand, kam der Herr zu ihm und sagte: „Opfere deinen Sohn!“ (1: Mose 22,2) Das hieß mit anderen Worten: Opfere die dir gegebene Verheißung! […] Unsere […] Geschwister, seien es die weißen, die braunen oder schwarzen, sie haben es (=die Botschaft) geglaubt. Das ist es ja gewesen, was uns glücklich machte: der Glaube an die Botschaft des Stammapostels! Er hat sich nicht geirrt, denn er hatte sie vom Herrn bekommen. Wie wunderbar ist der Stammapostel der Offenbarer unserer Zeit gewesen! […] Wenn heute die Spötter und Verächter, unsere Feinde und Gegner ihren Blick auf das Erlösungswerk unseres Gottes richten und sagen: Wo bleibt ihr nun mit eurer Verheißung?, dann werden wir klug genug sein und uns nicht mit ihnen in Diskussionen einlassen. Der Teufel ist einem Streichholz vergleichbar. Wenn man es in die Hand nimmt, sieht es harmlos aus, aber es birgt ein ungeheures Verderben in sich, sobald es mit der Reibfläche in Verbindung kommt. Mit einem Streichholz kann man eine Stadt einäschern oder einen Wald anzünden. Ich werde mich nicht dafür hergeben, für den Teufel eine Reibfläche zu sein. Ich werde mir keine unproduktive Arbeit auf den Schreibtisch laden, indem ich mich als Reibfläche den Spöttern, den Feinden und Gegnern zur Verfügung stelle, damit der Teufel überall sein Feuer anzünden kann. Ich werde, getreu den Worten des Stammapostels, zu allen Anwürfen, die nun von außen her kommen, schweigen. Diese unheimliche Waffe, die der Stammapostel Jahrzehnte bei sich trug, hat alle mundtot gemacht. Sie haben mal gerufen; dann aber haben sie geschwiegen, weil der Stammapostel schwieg. $o werden auch wir Apostel bei allem, was nun kommen wird, schweigen. […]Wenn er die Botschaft nicht verkündet hätte, wären vielleicht viele der Kinder Gottes dem Materialismus in die Arme gelaufen und für Gottes Werk verloren gewesen. Der Stammapostel hat das Volk des Herrn bis in die gegenwärtige Stunde mit sicherer Hand geführt. Nun liegt es an uns, sein Erbe zu hüten, und die Apostel geloben in dieser Stunde feierlich, ganz im Sinne des Stammapostels zu leben und zu wirken, als lebe er noch unter uns. Amen.“ Quelle: Predigt von Stammapostel Schmidt anlässlich des Todes von Stammapostel Bischoff (6. Juli 1960)  am 10. Juli 1960 in Frankfurt am Main-West mit der Co-Predigt von Bezirksapostel Friedrich Bischoff

Man beachte: Es kann nichts geopfert werden (die Verheißung), was sich in Luft aufgelöst hat! Und jemand, der eine Lüge verbreitet hat, ist ein „wunderbarer Offenbarer?“ Die schweigende Ignoranz vor dem Scheitern als „unheimliche Waffe“ zu bezeichnen bedeutet nichts anderes, als vor der wahren Realität die Augen zu verschließen und sich in der eigenen Parallelwelt zu verstecken.  BezAp Friedrich Bischoff sagte in seiner Co-Predigt:

„Seit 34 Jahren habe ich den Stammapostel Bischoff  auf seinen Reisen begleitet und habe so aus unmittelbarer Nähe und aus der direkten und ungetrübten Einwirkung seines Wortes unter dem ständigen Vorbild seines Lebens gelebt. Schon als junger Mensch bin ich nicht nur in seine Nähe geführt worden, sondern in seine Aufgaben mit hineingewachsen. Mein Leben hat namentlich in den letzten Jahren ständig im Dienste des Stammapostels gestanden, mit dem ich täglich zusammen war. Ich habe ihm dienen wollen und damit dem Volke Gottes. Dabei sind mir köstliche Schätze als ein heiliges Vermächtnis in die Hände gelegt worden, die in der täglichen Arbeit Ihren Niederschlag fanden, dort, wo festgehalten wird und wo gesucht wird, dem Volke Gottes die reine Apostellehre darzubringen, sie gegen Trübungen zu bewahren und vor Verfälschungen zu behüten.

[…] Ich weiß von meinen jungen Jahren an schon, daß nichts anderes das Ziel seines Glaubens war, als bereit zu sein am Tag des Herrn! Weil ich die Grundlage empfangen habe, daß nichts anderes unser Glaubensziel ist, als uns auf die Wiederkunft des Herrn vorzubereiten, ist es mir nicht schwergefallen, zu glauben, als er sagte: Dies wird in meiner Lebenszeit geschehen! - Es ist mir nicht schwer gewesen, dies in Wort und Schrift überall zu bekennen […]

All die Kräfte und Gaben, Mittel und Fähigkeiten, die ich nicht aus mir selber habe, die aus dem leiblichen Erbe durch meinen Vater auf mich gekommen sind, die aus dem geistlichen Erbe durch meinen Stammapostel in mein Herz gelegt wurden, will ich erneut mit dem ernsten Gelöbnis in den Dienst unseres Gottes stellen: Mit der Kraft meines Lebens, mit den Gaben des Geistes, mit den Kräften des Leibes will ich dem ergeben und treu dienen, den mir der Herr nun gesetzt hat, auf daß ich ihm nachfolge. Amen“. Quelle: Predigt von Stammapostel Schmidt anlässlich des Todes von Stammapostel Bischoff (6. Juli 1960)  am 10. Juli 1960 in Frankfurt am Main-West mit der Co-Predigt von Bezirksapostel Friedrich Bischoff

Welche konkreten, auch finanziellen Mittel und  köstlichen Schätze als ein heiliges Vermächtnis in die Hände von FB gelegt worden sind, ist in den vorigen Kapiteln hinreichend aufgezeigt worden. Ebenso ist erläutert worden, dass FB unter „reiner Apostellehre“ einen von ihm selbst inszenierten, absoluten Stammapostelzentrismus verstanden hatte, der in seinem Sinn vor Trübungen und Verfälschungen bewahrt bleiben musste und der, auch das wurde geschildert, durch den Privatverlag Friedrich Bischoff in Wort und Schrift überall unter Beseitigung aller Kritiker bekannt gemacht und auch zu FB´s eigenem Schutz verbreitet wurde. Das sind die Tatsachen!

Aber FB polemisiert als Herausgeber, Unterzeichner und vermutlich Mitautor dennoch Ende 1960 in der Publikation "Mitteilungen für die Amtsträger" weiter gegen Kuhlen und Co: „ Jetzt spricht man von Versöhnung und Wiedervereinigung. Aus welcher Veranlassung strebt man diese an? Hierzu muss eindeutig geantwortet werden, dass es sich im Erlösungswerk unseres Gottes nicht um Herrn Kuhlen und seine Anhänger handelt, die freiwillig von uns gegangen sind - denn sie konnten ja bleiben - sondern um alle, die als Neuapostolische Kirche den Tempel des Heiligen Geistes darstellen. Eine Versöhnung haben Stammapostel Bischoff und die Apostel bereits seit 1955 stets in ihren Gebeten erfleht, in dem sie den himmlischen Vater baten, dass er die irregeleiteten Seelen in den Schafstall Christi zurückführen möge.[...] Herr Kuhlen hat sich zu dem Irrtum verstiegen, dass jetzt alle neuapostolischen Geschwister einschließlich der Apostel zu ihm „zurückkehren“ müssten, zu ihm, der fälschlicherweise vorgibt, allein die reine Jesulehre zu verkündigen. Wir wollen an dieser Stelle die von ihm gemachten, den Stammapostel Bischoff und die Apostel diffamierenden Äußerungen nicht wiederholen, wodurch er glaubte, seinen „allein maßgeblichen“ Glaubensstandpunkt rechtfertigen zu können. Er hat sich dabei aller nur denkbaren Argumente, wodurch er hoffte, unsere Brüder und Geschwister nach und nach glaubensmäßig zu zermürben. Und das in der Absicht, die Neuapostolische Kirche zu kassieren, wenn der Stammapostel Bischoff die Augen schließen würde. Stammapostel Bischoff ist gestorben, aber die Hoffnung des Herrn Kuhlen und seines Anhanges ist zunichte geworden.[…] Unsere Geschwister wissen, dass Herr Kuhlen und die Herren Dunkmann und Dehmel weder Amt noch Auftrag haben und vor dem Herrn keine Apostel mehr sind. Sie sind Abgefallene und unsere Gegner geworden. [...] Das Ansinnen des Herrn Kuhlen nach Wiedervereinigung ist vergleichbar mit dem eines Ehemannes, der nach jahrelanger glücklicher Ehe eines Tages seine Frau und Kinder verlässt und seine Liebe einer anderen schenkt und mit ihr zusammenlebt. Nach einiger Zeit schreibt er dann an seine Frau, dass sie mit den Kindern jetzt wieder zu ihm kommen könne, weil er weiß, dass sie wirtschaftlich gut gestellt ist. Die Frau wird aber nicht daran denken, ihre wohlgeordneten Verhältnisse und ihren häuslichen Frieden aufzugeben, auch dann nicht, wenn der Mann zurückschreibt: „Wo bleibt denn da deine Liebe?““ Quelle: Neuapostolische Kirche 14 / 1960 2.11.60 Innerdienstliche Mitteilung für Amtsträger, „Das ist die Wahrheit“ , Zitat ab Seite 5f 

Die NAK aus wirtschaftlichen Überlegungen „kassieren zu wollen“ ist eine üble Unterstellung und das angesprochene Versöhnungsangebot blanker Hohn!  Und dass Kuhlen und seine Anhänger nicht freiwillig gegangen, sondern zumindest Kuhlen exkommuniziert wurde, ist schon dargestellt worden.

1960 FB publiziert am 15.8.60 in der Wächterstimme einen Brief von Apostel Weinmann mit einer haarsträubenden Umdeutung der Ereignisse: „[…] Auch daß der Herr durch unsern alten Stammapostel die uns bekannte Botschaft verkündigen ließ, gehört zu seinem Plan. Auch daß dieselbe durch seinen Tod hinfällig wurde, war sicherlich vorgesehen. Der Tod unseres alten Stammapostels hat alle Treuen wie ein gewaltiger Donnerschlag erschreckt. Es sollte ein heilsames Erschrecken sein. Wir waren zu sicher geworden und wohl auch zu träge, um unser Hauptaugenmerk auf unsere eigene Vollendung zu richten. Wir haben nur auf das Ziel gestarrt und haben dabei viel Wichtiges vergessen zu überwinden. […] Durch das Ausscheiden aller Zweifler, Rechthaber und Eigenbrötler ist unter seiner Führung die völlige Einheit in allen Glaubensfragen, nicht nur im Kreis der Apostel, sondern auch in allen Gemeinden der Neuapostolischen Kirche auf der ganzen Erde hergestellt worden."

Der eigentlich einzig legitime und ordinierte Nachfolger Apostel Kuhlen konnte also aus Sicht der Kirchenleitung keinesfalls als neuer Stammapostel eingesetzt werden, da er als Rechthaber, Lügner, Feind und Irrlehrer dargestellt wurde, der vor Gott in Ungnade gefallen und nun gar zu einem Werkzeug des Teufels geworden war. Zudem wäre damit klar eingestanden, dass man in der Führung der NAK mehrere Fehler gemacht hätte. Also tut man etwas, was in den Statuten überhaupt nicht vorgesehen und von ihnen auch nicht legitimiert war: Man wählte ohne Ordination per Abstimmung Walther Schmidt dann eben als faktisch illegitimen Nachfolger, ohne das dem Kirchenvolk groß bekannt zu machen. Und Schmidt hatte sofort nichts Besseres zu tun, als die alte Linie der arroganten Ignoranz weiter zu beschreiten. Nicht die NAK hatte sich geirrt, auch nicht der Stammapostel, sondern Gott selbst hatte seinen Willen geändert:

"Wir alle haben aus Überzeugung geglaubt und gehofft, daß der Herr die Seinen nach der dem Stammapostel gegebenen Verheißung noch zu seiner Lebenszeit zu sich nehmen würde. ... Wir stehen deshalb vor dem unerforschlichen Ratschluss unseres Gottes und fragen uns, warum er seinen Willen geändert hat. Der Stammapostel, der das Erlösungswerk des Herrn auf den höchsten Stand der Vollendung gebracht hat und dadurch die Kinder Gottes in einem unerschütterlichen Glauben an sein Wort fesselte, kann sich nicht geirrt haben, weil er immer das Wort des Herrn zur Richtschnur seines Handelns gemacht hat.“ (Quelle: Wächterstimme, 1. August 1960)

Weitere perfide Rechtfertigungsversuche schließen sich an:

"Wenn der Herr seinen Willen ändert, dann nehmen wir das hin und denken gar nicht an etwas anderes! […] Wir wollen mal die andere Seite besehen. Tausende von Seelen sind durch die Botschaft apostolisch geworden und stehen gegenwärtig fest im Glauben. Hat die Botschaft somit nicht auch Erfolg gehabt? Ist sie nicht zum Segen gewesen? Wenn die Botschaft nicht gewesen wäre - ich glaube, der Geist der Welt wäre auch mehr und mehr in die Herzen der Kinder Gottes gedrungen und sie hätten ihren Blick auch mal nach der Welt gerichtet […]“ Quelle: Stap Schmidt Ämterdienst vom 9.10.1960/Alsdorf, zitiert aus: Rudolf Stiegelmeyr "Die Verteidigung der Botschaft des J.G. Bischoff (Dezember 2007)"

Das blieb natürlich nicht von allen unwidersprochen! Neue „Feinde und Gegner“ der NAK taten sich auf, wie die folgenden, um Versöhnung mit den Apostolischen Gemeinden und ihren Aposteln bemühten Ansätze von Dr. jur. Schreckenberger zeigen. (Zur Person: Schreckenberger studierte Rechtswissenschaft, Geschichte und Philosophie an den Universitäten in Mainz und Heidelberg. Er bestand beide Staatsexamina, promovierte 1959 mit der Arbeit Legalität und Moralität zum Doctor iuris utriusque in Heidelberg und trat ein Jahr später in den öffentlichen Dienst ein.  Trotz seiner späteren „Abneigung gegen den Parteienbetrieb“ trat er später der CDU bei und machte dort eine sehr beachtliche Karriere als Politiker. (Quelle) )

1960 Auszüge aus einem Brief vom 21.7.60  von  Dr. jur. Schreckenberger an FB:

„Lieber Apostel Bischoff!

[…] Wenn wir zwar noch nicht völlig den Schock der letzten Tage überwunden haben, so scheint mir doch, dass nunmehr die Zeit der unerbittlichen Besinnung gekommen ist. Sie wird uns aber nur weiterhelfen und vor Gott bestehen lassen, wenn uns die Wahrheit mehr bedeutet als persönliche Bindungen und ängstliche Rücksichtnahme. […] Ich darf Ihnen nicht verschweigen, dass meine Freunde und mich die bisherigen Äußerungen der Apostel und der dienenden Brüder, soweit sie uns zugänglich waren, nicht befriedigen konnten. Sie haben die Sorge vermehrt, dass unsere Kirche die letzten Ereignisse noch immer nicht verstehen will. Der einfache Tatbestand, dass das, was unsere Kirche, und ich mit ihr, seit fast einem Jahrzehnt den Gläubigen und auch der Welt verkündet haben, nicht in Erfüllung gegangen ist, scheint nicht begriffen zu werden.

[…] Es ist unerbittliche Tatsache, dass sich Gott zu unserem Rufen und Schreien, zu unserem fanatischen Auferstehungsdrängen nicht bekannt hat. Es ist nicht zu übersehen, dass wir uns immer wieder zu Offenbarungen und Prophetien verstiegen haben, die nur schwerlich eine biblische Grundlage fanden. Sie erwiesen sich insoweit allesamt als Illusionen.

 […] Die Zeit der tiefen Erschütterung gibt uns die unaufschiebbare Gelegenheit, in gewaltigen inneren Anstrengungen den Bankrott unseres Botschaftsglaubens zu liquidieren. Nichts kann mehr schaden, als ängstliche Beschönigung, beschämende Negierung unserer Niederlage oder gar ratlose, unglaubwürdige Mutmaßungen.

[…] Unsere vornehmste Aufgabe in diesen Tagen muss weiterhin sein, die Vereinigung mit den Männern und Geschwistern herbeizuführen, die sich um der Botschaft willen von der Kirche trennen mussten. Ich muss Ihnen gestehen, dass mir und meinen Freunden das Wissen um diese Männer, die wachsamer und besonnener waren als wir, in den bittersten Tagen unseres Lebens Trost und Hoffnung war. Wir kommen nicht umhin, anzuerkennen, dass sie das wahre Erbe der Kirche  bewahrt und fortgepflegt haben.[…]Es ist für meine Freunde und mich eine selbstverständliche Forderung, dass die ausgestoßenen Apostel und Amtsträger wieder ihr Amt in der Kirche auszuüben haben.

Lieber Apostel,[…]. Möchte Gott Ihnen reichlich die Kraft schenken, der Wahrheit zum Sieg zu verhelfen! In der Hoffnung, dass Sie bald ein Wort der Entgegnung finden mögen, grüßt Sie in Christo gez. W. Schreckenberger“  (Der ganze Brief)

1960 Nachdem dieses Schreiben unbeantwortet blieb, folgen nun Auszüge aus einem  Brief vom 1.12.60  von Dr. jur. Schreckenberger an den Stap Schmidt und alle Apostel:

„Lieber Stammapostel, liebe Apostel!
Mit Brief vom 21. Juli 1960 habe ich mich an Apostel Bischoff gewandt. Dieser Brief ist bisher unbeantwortet geblieben. Angesichts der Dringlichkeit der hierin aufgeworfenen Fragen erlaube ich mir, Ihnen eine Abschrift dieses Briefes zu übersenden.
Die bisherige Entwicklung unserer Kirche seit dem Tode des Stammapostels Bischoff hat die in meinem Brief geäußerten Befürchtungen in einem erschreckenden Maße bestätigt.
Erlauben Sie mir ein offenes brüderliches Wort. Das bisherige Verhalten der Kirche zum Tod des Stammapostels erweckt den Eindruck der Ratlosigkeit, ja Verlegenheit und sogar der Unaufrichtigkeit. Man versucht zunehmend dieses Ereignis totzuschweigen oder über es mit widersprüchlichen und wenig glaubwürdigen Argumenten hinwegzutrösten. […]
Und wieviel hat die Kirche erneut aufzurichten und zu versöhnen! Wer mit offenen Augen an der kirchlichen Entwicklung der letzten Jahre teilhatte, dem konnte es nicht verborgen bleiben, dass unter dem Zeichen der Botschaft mancher Geist der Spaltung, der Intoleranz, der blinden Übersteigerung und oftmals ein seelenloser Dogmatismus eingekehrt waren.[…] Ein missverstandenes Führerprinzip kannte in vielen Bezirken keine wahre brüderliche Gemeinschaft mehr. Unbedingter Gehorsam und Menschenfurcht erschwerten oder vereitelten gar jede echte Aussprache. Wieviele Apostel und Geschwister mussten sich in dieser Zeit aus der Gemeinschaft lösen! Es ist tief erschütternd, dass bisher noch nicht das geringste Anzeichen einer Versöhnung mit diesen Aposteln und Geschwistern zu erkennen ist.“ (Der ganze Brief)

1961 Da auch hierauf keine Reaktion erfolgte, wandte sich Schreckenberger nun in einem weiteren Brief vom 1.2.61 an die Mitglieder seiner Heimatgemeinde:

„Liebe Glaubensgeschwister! Da ich Euch in großer Gefahr weiß, halte ich es für meine Pflicht, mich auf diesem Wege an Euch zu wenden. Wie Euch wohl bekannt ist, bin ich auf Geheiß von Apostel Bischoff aus der Kirche verwiesen worden. Es war dies die Antwort auf mein Bemühen um Wahrheit und echten inneren Frieden. […]Wer aber hoffte, dass die Apostel und führenden Männer der Kirche nach dem Zusammenbruch der Botschaft mit den Gemeinden in ein heißes, ehrliches Ringen um Wahrheit und Gnade vor Gott treten würden, der wurde schwer enttäuscht. Statt sich um die Wahrheit zu mühen, flüchtete man, aus Angst um das gefährdete Ansehen und den bedrohten inneren Halt, in neue Unwahrheiten: Nicht wir haben uns geirrt, sondern Gott hat <seinen Plan geändert>. Welch eine ungeheuerliche Verirrung!!“ (Der ganze Brief)

Auf diese wieder freundlichen, aber auch  klaren Worte folgten nun die bekannten Verhaltensmuster: FB reagierte wie gewohnt und jahrzehntelang erprobt und schloss kurzerhand ohne Rücksprache Schreckenberger und seine Eltern (Sippenhaft) aus der NAK aus! Dies beschreibt ein Eintrag von Dr. Erwin Meier-Widmer  , ein Priester und in den späten 90er Jahren um Reformen bemühtes Mitglied der NAK , im Gästebuch von Stephan Schürch unter Nummer 829 aus den späten 1990er Jahren (Quelle):

Wer ist Prof.Dr.jur. W. Schreckenberger?
Heute: Universitätsprofessor
Früher: Neuapostolischer Glaubensbruder in der Gemeinde Ludwigshafen. Nach dem Tod von J.G. Bischoff und seiner Botschaft erlaubte sich Br. Sch. beim Sohn Fritz Bischoff in einem sehr höflichen und fundierten Brief um eine Erklärung nachzufragen. Fritz antwortete nicht. Br. Sch. sandte nach Wochen den gleichen Brief an den neuen Stammapostel Walter Schmidt und alle übrigen Apostel. Wieder keine Antwort. Nach weiteren Wochen kam der Bezirksälteste des Bezirkes in die Gemeinde und exkommunizierte Br. Schreckenberger öffentlich (damals war er bereits Dr.iur.) Nach dem Gottesdienst fragte der BezAe nach der Adresse. Die Exkommunikation werde ihm noch  schriftlich und notariell beglaubigt zugestellt. Und weil Dr. Sch. damals noch bei den Eltern wohnte, gab er jene Adresse an. Daraufhin wurden seine Eltern ebenfalls gleich exkommuniziert
.“

Wie anders hingegen Apostel Kuhlen auf diesen Brief an FB reagierte, den er abschriftlich zur Kenntnis erhalten hatte, zeigt seine Antwort an Schreckenberger vom 23.6.1960. Man beachte die freundliche und sachlich bescheidene Art, die im klaren Widerspruch zum Verhalten und der Reaktion von  FB steht, der Schreckenberger nicht einmal antwortete, sonder ihn ungehört ausschloss (Hervorhebungen DS)!

„[…] Ich habe Ihre Ausführungen mehrmals sehr aufmerksam gelesen und versichere Ihnen, daß ich alles, was Sie zu der gegenwärtigen Situation inder Neuapostolischen Kirche sagen, von ganzem Herzen unterstreiche.

Sie dürfen überzeugt sein, daß es uns jetzt nicht darım geht, darauf zu pochen, daß wir recht behalten hätten; vielmehr stehen wir erschüttert vor der Tatsache, daß die leitenden Männer der neuapostolischen Kirche den tiefen Emst der Lage entweder nicht sehen oder ignorieren wollen; jedenfalls aber mit einer Oberflächlichkeit ohnegleichen darüber hinwegzutäuschen suchen.

Sicherlich verstehe ich gut, daß es vom menschlichen Standpunkte geschen ungeheuer

schwierig ist, vor der großen Menge einzugestehen, geirrt, ja die Unwahrheit verkündigt zu haben.Aber, lieber Bruder, dürfen hier diplomatische Überlegungen sprechen, wie man wohl am besten die Masse behält, oder geht es um die Wiederfindung der rechten Stellung zum Herrn? Seien Sie fest überzeugt, daß wir solche Entwicklung, wie solche jetzt in Erscheinung tritt, äußerst schmerzlich empfinden und von ganzem Herzen gerne dazu beigetragen hätten, daß solches verhütet worden wäre. Aber bereits bei seiner Antrittsansprache als neuer Hauptleiter der Neuapostolische Kirche hat dieser schroff jede Diskussion mit den Gegnern (so nennt man uns lieblos) abgelehnt. Und in nachfolgenden Tagen bis heute ist überall in neuapostolischen Gottesdiensten dieselbe Abweisung‚ ja Haßgesang zu hören. Wohin soll das wohl führen?

Am 10. Juli 1960 hatten wir hier in Düsseldorf nahezu 600 Amtsbrüder beisammen. Dort habe ich etwa folgendes erklärt: «Wir Apostel der Apostolischen Gemeinschaft sind zu einer Aussprache die eine Wiedervereinigung zum Ziele hat, bereit, vorausgesetzt, daß es möglich ist, in brüderlicher, aber offener Art über alles das zu sprechen, was zu einer gründlichen Bereinigung gewisser Dinge notwendig ist, und unter der Voraussetzung, daß die Lehre wieder auf den alten Grundwahrheiten basiert und auf biblische Wahrheiten zurückgeführt wird, sondern es muß dann zu einer wirklichen, vor Gott zu verantwortenden tiefinnerlichen, auf Gottesfurcht und Brüderlichkeit beruhenden Einigung kommen.»

Mit Erschrecken aber sehen wir, daß man zu einer solchen Annäherung absolut nicht willens ist, ja darüber direkt höhnt.

 […] Wer also lehrt, daß Gott seinen Plan geändert habe, wo in Wirklichkeit Gottes Plan niemals, gewesen ist, zur Lebzeit des Stammapostels Bischoff die Brautgemeinde Christi heimzuholen (denn sonst hätte er das sicher getan), der nimmt den Gläubigen das Fundament unter den Füßen weg, Dazu kann der Herr niemals Ja sagen.

Gerne bin ich bereit, baldigst mit Ihnen und mit andern Brüdern und Geschwistern, die mehr Gottesfurcht als Menschenfurcht haben, eine Aussprache zu haben. Schreiben Sie mir doch bitte, wie Sie dazu denken.“ Auszüge aus dem Brief von Apostel Kuhlen an Dr. Schreckenberger; abgedruckt in „Der Herold“ Nr.23/ Sechster Jg., 1.12. 1960  Quelle Dieter Kastl (nak-talk), Versöhnung jetzt

1975 Ende der versprochenen 25jährigen Verlagsleitung, FB bleibt aber - von niemandem hinterfragt -  weitere 12 Jahre (!!) auf seinem lukrativen Chefposten.

1984 Friedrich Bischoff wird als BezAp in den Ruhestand versetzt, führt aber den Verlag bis zu seinem Tod noch drei Jahre weiter.

1985 Stap Urwyler schrieb am 8.10. 83 an die Bezirksapostel Bischoff und Rockenfelder: „Meine herzlich lieben Bezirksapostel Fritz und Gottfried. Ich erhielt heute den obengenannten ’Herold’ an meine Ferienadresse zugestellt. (…) Der Inhalt der Seiten 121 – 126 handelt von unserer neuen Broschüre ’Göttliche Verheißungen und ihre Erfüllung’ und damit verquickt mit der Botschaft unseres Stammapostels J.G. Bischoff. Ihr, meine beiden Bezirksapostel, habt die Zeit vor etwa 30 Jahren in nächster Nähe des Stammapostels erlebt. Ihr habt auch alle mit dem damaligen Geschehen verbundene Dinge noch in Erinnerung. Ich bitte Euch um folgende Arbeit: Erstellen einer zusammenfassenden Erklärung aus unserer Sicht, die man den genannten Seiten im Herold entgegensetzen könnte. Ich sage ’könnte’! Ich möchte etwas in der Hand haben, das ich den Bezirksaposteln zu Händen von Geschwistern geben könnte, falls dies notwendig würde.“

Die Antwort von FB zwei Jahre später am 3.7.85:

„Mein lieber Stammapostel, Dein Telex vom 26. Juni 1985 beschämt mich. Nachdem Du Gottfried und mich am 8. Oktober 1983 gebeten hast, eine zusammenfassende Erklärung aus unserer Sicht über die Botschaft und den Heimgang von Stammapostel Bischoff zu geben, hat mich dieses Thema natürlich nicht losgelassen. Auf einen bestimmten Termin waren wir nicht festgelegt." [...]  weil wir immer getan haben, was uns gesagt wurde, haben wir nicht nach Argumenten gesucht, wie man das widerlegen könnte, was uns verkündigt wurde .[…] Auf die Frage der Brüder Kühnle, Fehr und Saur, ob ich etwas wisse, welcher Art die Botschaft gewesen sei – Traum, Erscheinung, Gesicht oder ähnliches Vorkommnis -, konnte ich nur erwidern, dass ich mich stets gescheut habe, die Frage danach an meinen Vater zu richten. Ich habe geglaubt, was er verkündet hat, ohne danach zu fragen, wie ist diese Verkündigung überhaupt zustande gekommen. Er hat mir auch nie gesagt, ihm sei der Herr Jesus erschienen, oder er habe eine Engelbotschaft erfahren, oder es sei auf sonst eine übersinnliche Weise ihm offenbart worden, dass der Herr Jesus zu seiner Lebenszeit wiederkommen werde. Die Formulierung ’Der Herr hat mich wissen lassen’ genügte mir." Quelle: Artikel auf Glaubenskultur von M. Koch, (nicht mehr verlinkt)

Das FB sich zwei Jahre mit dem Thema beschäftigt haben sollte, ist eine schlicht lächerliche Behauptung, denn worüber sollte er nachgedacht haben? Eher wollte er eine Antwort aussitzen und reagierte dann aber auf eine vermutlich erneute Nachfrage mit diesem zitierten Schreiben. Dass er stets nur das getan hatte, was vom Stammapostel gesagt wurde, ist in vielen Beispielen hier widerlegt worden und also eine Lüge!

Auch ist es entweder eine Lüge, dass sein Vater ihm nie gesagt hätte, dass der Herr Jesus ihm erschienen sei, denn am 15. April 1955 publizierte FB in der Wächterstimme, der Stammapostel habe diese Offenbarung „nicht durch einen Traum empfangen, sondern bei einer Begegnung mit dem Sohne Gottes selbst. Der Sohn Gottes stand dem Stammapostel gegenüber“, so dass er „nicht nur seine Stimme hörte, sondern auch seine Gestalt sah.“ Oder aber seine Aussage stimmt und sein Vater hat tatsächlich so etwas nie behauptet. Dann wäre die Darstellung in der Wächterstimme also eine ungeheuer manipulative Lüge, die FB unbedingt hätte zugeben müssen!

Wie man es auch dreht bleibt festzustellen, dass FB skrupellos den Stammapostel belogen hatte, um eigenes Fehlverhalten nicht zugeben zu müssen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Feststellung Stiegelmeyrs: "Besonders erwähnenswert und wichtig ist auch die Tatsache, dass sich J.G. Bischoff in seinem 1953 herausgegebenen Buch "Geschichte der Neuapostolischen Kirche" mit keinem Jota zu seiner Botschaft äußert. Dies ist umso bemerkenswerter, als der Stammapostel sich sehr bestürzt über das Zeitgeschehen äußert, aus welchem er die Tatsache entnimmt, dass die Wiederkunft des Herrn nun unmittelbar bevorstehen müsse, nicht zuletzt, weil das in Offenbarung 12,1-3 Gesagte nun buchstäblich erfüllt sei. Trotz dieser Einschätzung, und das hätte alle wachrütteln müssen, unterlässt es der Stammapostel, seine persönliche Offenbarung auch nur mit einem Sterbenswörtchen zu erwähnen." Quelle: Rudolf Stiegelmeyr „Das tragische Erbe des J.G. Bischoff - Die Botschaft wird 60“ ( S.40f)

Hatte der Stammapostel seine Botschaft tatsächlich nicht erwähnt oder erwähnen wollen? Dies ist kaum vorstellbar! Im Buch werden Endzeitszenarien ausgebreitet mit Vorstellungen, dass der Ausbruch eines drohenden Atombombenkrieges unmittelbar bevorstünde. Das letzte Kapitel hätte also geradezu danach geschrien, die Neuapostolische Kirchengeschichte und die Rettung der „Kinder Gottes“ vor dieser Katastrophe prophetisch zu Ende zu schreiben! Vermutlich hatte FB hier seinen redaktionellen Finger im Spiel und nahm das heraus. Die Absicht allerdings bleibt unklar und Spekulation. Jedenfalls ging die Geschichte der NAK  über den Tod vom Stammapostel hinaus, und vielleicht war sich FB dieser Tatsache durchaus bewusst und verzichtete somit auf diesen im Nachhinein peinlich werdenden Eintrag im literarischen Format „Buch“? In den kurzlebigen, indoktrinierenden Zeitschriften wimmelte es jedenfalls davon.

1987 Friedrich Bischoff verstarb am 9.12.87 im Alter von 78 Jahren.

1989 Nach dem Tod von FB gingen Verlag und Druckerei 1989 wieder in das Eigentum der Neuapostolischen Kirche über. Heute sieht der Verlag „Friedrich Bischoff“ seine Aufgabe darin, „christliche Werte über Konfessions-, Alters- und Ländergrenzen hinaus zu vermitteln“.

 

Exzerpt: Was aus Teil 4 faktisch zusammenfassend festzuhalten ist:

FB unterstützt tatkräftig die neu angekurbelte Hasskampagne gegen die ausgestoßenen Apostel der Apostolischen Gemeinschaft als unsere Feinde, Spötter, Verächter und Gegner und im Besonderen gegen Apostel Peter Kuhlen (er will die NAK kassieren!), die eigentlich durch den Tod des Stammapostels in ihrer Kritik vollständig bestätigt worden sind und hätten rehabilitiert werden müssen. Anstelle dessen  werden sie zu Handlangern des Teufels erklärt, die Gottes Erlösungswerk zerstören wollen. FB aber druckt und schreibt weiterhin polemische und  absolut unsinnige Rechtfertigungsversuche, die erklären sollten, wozu die Botschaft dennoch gut und warum sie auch absolut richtig und trotz Nichterfüllung göttlichen Ursprungs gewesen ist:

  1. Gott hat seinen Plan geändert
  2. Gott will, dass seine Kinder wie Abraham die Verheißung opfern
  3. Der Stammapostel konnte sich mit der Botschaft nicht geirrt haben, denn er hatte sie vom Herrn bekommen
  4. Gottes Plan war von Anfang an die Botschaft und der Tod vom Stammapostel
  5. Der Tod von Stap Bischoff war zu einem heilsamen Erschrecken von Gott vorgesehen, weil die Mitglieder träge geworden sind
  6. Der Geist der Welt hätte in die Herzen der Mitglieder einziehen und zu deren Abfall führen können
  7. Wenn die Botschaft nicht gewesen wäre, hätten die Kinder Gottes ihren Blick auch mal nach der Welt gerichtet
  8. Die Botschaft hat zu einer zahlenmäßigen Vergrößerung der Mitglieder geführt
  9. Durch das Ausscheiden aller Zweifler, Rechthaber und Eigenbrötler ist die völlige Einheit in allen Glaubensfragen […] auf der ganzen Erde hergestellt worden

Ferner wird den Mitgliedern der NAK vorgegaukelt, dass die Einsetzung des neuen Stammapostels völlig normal sei, obwohl sie nicht der Satzung entsprach und folglich ungültig sein musste. Ebenso will vergessen gemacht werden, dass der Verstorbene als unersetzbar dargestellt, der Glaube an ihn und seine göttliche Gesandtschaft zum heilsnotwendigen Dogma erhoben wurde  und er somit durch keinen anderen hätte ersetzt werden können. Anstatt also wirklich der Wahrheit zum Sieg zu verhelfen und die Ausgestoßenen zu rehabilitieren, wie Schreckenberger es dem Apostel Bischoff vorgeschlagen hatte, nutzt dieser seine Macht des schriftlichen Wortes dazu  aus, dass Geflecht der Lügen, Verdrehungen und absichtlichen Täuschungen vertiefend zu betreiben und den schon lange von ihm geschürten Hass gegen die Feinde des Werkes zudem noch anzufeuern.. Bei einer Übernahme durch Kuhlen wäre sein persönliches Verlagsgeschäft am Ende gewesen. Folglich exkommuniziert FB Dr. Schreckenberger kurzer Hand gnadenlos samt Familie ohne Anhörung oder Gespräch. Für den Geist der Versöhnung mit den verstoßenen Schwestern und Brüdern war kein Raum in der neu inszenierten Glaubenswirklichkeit der 60er Jahre vorgesehen, das hätte nämlich das bestehende Machtgefüge vollständig zerstört. Wie predigte FB noch anlässlich des Todes seines Vaters: „Mein Leben hat namentlich in den letzten Jahren ständig im Dienste des Stammapostels gestanden, mit dem ich täglich zusammen war. Ich habe ihm dienen wollen und damit dem Volke Gottes. Dabei sind mir köstliche Schätze als ein heiliges Vermächtnis in die Hände gelegt worden, die in der täglichen Arbeit Ihren Niederschlag fanden, dort, wo festgehalten wird und wo gesucht wird, dem Volke Gottes die reine Apostellehre darzubringen, sie gegen Trübungen zu bewahren und vor Verfälschungen zu behüten.“

Nur ein Jahr später aber liest sich FB´s eigenes theologisches Verständnis entgegen seiner vorher verbreiteten Lehren in seiner Predigt am Karfreitag 1961 nun ganz anders: Wir werden niemals selbst Heilande sein können, sondern immer nur Werkzeuge in seiner Hand. […] Er wird immer der erste und einzige sein. Sein Opfer ist unwiederholbar.  Und keine Hingabe eines anderen Lebens, und sei es des Eigenen, kann die erlösende Kraft des Opfers Jesu bewirken oder ersetzen. – Wir sind darin ganz und völlig auf ihn angewiesen, wie dies in so vielen Schriftworten immer wieder anklingt: „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“(1. Korinther 3, 11)  oder „... und ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin sie sollen selig werden.“ Apostelgeschichte 4, 12) Es gibt so viele andere Schriftstellen, die auf seine Einzigartigkeit in der Weise hindeuten, daß nur in Jesus allein Erlösung ist.“  Quelle: Karfreitag 1961 Gottesdienst Ap. Friedrich Bischoff in Frankfurt a. Main

An theologischer Erkenntnis hat es FB also nicht gemangelt, jedenfalls dann nicht, als die Botschaft und das von FB selbst versprochene Heil durch den Stammapostel vorüber war! Sie hatte aber über die Maßen längst ihren Zweck erfüllt …

Fazit 4: Die von FB zuvor inszenierte Wirklichkeit des Glaubens an die Wiederkunft Jesu zu Stammapostel Bischoffs Lebzeiten bricht mit dessen Tod nicht etwa als menschliche Erfindung zusammen, sondern wird  mit absurden, scheintheologischen Konstrukten umgedeutet, damit die alten Feindschaften nicht etwa in einen Versöhnungsprozess geraten und damit FB´s wirtschaftliche Situation ins Schwanken bringen. Die verbreiteten, dreisten Lügen festigen seine gesamte Situation und damit auch seine kirchliche Bedeutung in der neu inszenierten Wirklichkeit der NAK von nun ab unverrückbar. Gegenüber Stammapostel Urwyler verhält sich FB illoyal, indem er seine Fragen nach der Botschaftszeit zunächst ignoriert und später seine eigentliche Rolle verschleiernd mit Lügen beantwortet. Dennoch wird nie wieder irgendjemand aus dem Apostelkreis es wagen, offen gegen ihn Stellung zu beziehen.

 

 

Teil 5 „Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff“ –  Anmerkungen zur Predigt von Bezirksapostel Friedrich Bischoff Karfreitag 1961

Da FB als Amtsträger der NAK ohne das Thema „Predigt“ unvollständig beleuchtet wäre, soll im Folgenden das Augenmerk auf eine in verschiedener Hinsicht außergewöhnliche Predigt von ihm am Karfreitag 1961 betrachtet werden. An seiner Predigt ist auffällig, dass er in ihr weder die NAK, ihre Amtsträger und eine notwendige Nachfolge erwähnt, noch die üblichen, neuapostolischen Predigtfloskeln verwendet.  Das Kernstück seiner 12seitigen (!!) Rede  ist Jesus Christus und  die persönliche Beziehung zu ihm:  „Aber wenn er, der Herr aller Herren, der König aller Könige, der Fürst aller Fürsten, sein Reich aufrichtet, dann werden an seiner Seite die sein, die ihm ähnlich geworden sind. Und sie werden als ein königliches und priesterliches Geschlecht unter ihm dienen, zum Heil für viele. Sie werden, wie auch heute uns schon bewußt ist, niemals das Bewußtsein verlieren, daß „der Knecht nicht größer ist denn sein Herr, noch der Apostel größer denn der, der ihn gesandt hat.“  Nur ein Jahr zuvor waren zu  Stap Bischoffs Zeiten die Apostel noch vom Stammapostel gesandt, denn „die Apostel sind nicht der Stamm. Sie sind nach Jesu Worten die Reben, die aus dem Stamm hervorgehen. Die Apostel sind aus dem Stammapostel geboren.“ (Stap Bischoff in einem Brief an die Apostel vom 13. Juni 1950: Quelle:  NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 18)

Im Widerspruch dazu verkündet FB nun deutlich Jesus als den Sender der Apostel und Mittelpunkt des Glaubens und nicht den Stammapostel! Auch das „Heil“ und die „Erlösung“ sieht FB nicht in Abhängigkeit zur NAK, sondern begründet beides ausschließlich durch Jesus und sein Opfer: Wir werden niemals selbst Heilande sein können, sondern immer nur Werkzeuge in seiner Hand. […] Er wird immer der erste und einzige sein. Sein Opfer ist unwiederholbar.  […]  Wir sind darin ganz und völlig auf ihn angewiesen, wie dies in so vielen Schriftworten immer wieder anklingt: „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“[…]  Es gibt so viele andere Schriftstellen, die auf seine Einzigartigkeit in der Weise hindeuten, daß nur in Jesus allein Erlösung ist.“

Entweder sind diese theologischen Äußerungen tatsächlich FB´s neues persönliches Credo. Dann hat er bereits ein Jahr nach dem bislang heilsnotwendigen Stammapostolizismus zumindest eine große Distanz zu den Lehrmeinungen der NAK entwickelt. Oder sie waren schon lange Teil seiner theologischen Überzeugung. Dann wäre das ein deutlicher Hinweis dafür, dass sowohl der von FB in den absoluten Mittelpunkt gerückte Stammapostel, der durch keinen anderen zu ersetzen ist, als auch die Botschaft mitsamt ihren theologisch drumherum gestrickten Begründungen  rein machtpolitische Zwecke verfolgten.

Als Mann des Wortes war sich FB jeder gewählten Formulierung bewusst. Zum einen relativiert seine Aussage die im Rest der NAK noch bis heute beibehaltene Vergöttlichung der Ämter, vornehmlich ihrer Apostel. Zum anderen ist sein persönlicher Auftraggeber, Sender und Erlöser nun nicht mehr der Kirchenpräsident der NAK, sondern Jesus selbst! Seine eigene Haltung zur Kirchenleitung in Gestalt der übrigen Bezirksapostel, von denen er sich deutlich distanzierte, ist klar. Wie konkret letztlich seine Haltung zur NAK aber wirklich war, kann zwar hinterfragt werden, bleibt jedoch Spekulation. Das Apostelamt per se – zu dessen wichtigsten Aufgaben eben auch die von ihm in der Predigt erwähnte und stark gewichtete Versiegelung zählt – stellt er allerdings nicht in Frage, da er sich damit den eigenen Grund unter den Füßen weggezogen hätte. Und das, so viel ist wirklich sicher, war noch zu keiner Zeit seine Absicht!

Für neuapostolische Verhältnisse ist die theologisch weit gefächerte Grundierung und Begründung seiner Ausführungen geradezu außergewöhnlich und zumindest bei oberflächlicher Betrachtung inhaltlich wie sprachlich eindrucksvoll. Formal auffällig ist neben ihrer außerordentlichen Länge, dass FB am Ende, ohne zuvor einen Co-Prediger zu rufen – was hätte der auch noch hinzusetzen können - , und auch ohne einen Chorbeitrag nahtlos und beachtenswert geschickt direkt (ohne „Amen“) zum Abendmahl überleitet:

„Dieser ist wahrhaftig Gottes Sohn gewesen. Ihn zu ergreifen in der Fülle seiner Gnade und Barmherzigkeit, ist mehr als nur die Vergebung der Sünde hinzunehmen. Den Reichtum seiner Gnade auszuschöpfen, wird wohl keinem Menschen möglich sein, aber daß er uns ein volles Maß seines Heiles schenkt, darum wollen wir ihn auch nun bitten, indem wir gemeinsam vor ihn treten. „Unser Vater in dem Himmel ...“

Mit seiner Vorliebe zur Sprache brauchte FB auch hier offensichtlich nichts anderes als sich selbst und seine eigene Grandiosität. Schon mit dem Schlusssatz des Eingangsgebetes wurde die  Gemeinde zweifelsfrei einleitend darüber informiert, welche Autorität sogleich hinter seinen kommenden Worten stehen wird: „Öffne aber auch die Herzen deines Volkes, damit alle, die Hörer deines Wortes sind, auch deinen Willen begreifen und erfahren, was du ihnen zu sagen hast.“

Und an Gottes Wort  aus dem Mund von FB gibt es natürlich nichts zu kritisieren! Das alleine ist bemerkenswert und ließe weitere Rückschlüsse zu. Festzustellen ist: Wie auch immer in seinen von mir erinnerten Co-Predigten geht FB es selbstbewusst und markant ohne belanglose Floskeln oder Umschweife direkt an. Und: Er wusste zuvor genau, was er in den nächsten ca. 50 Minuten in freier Rede konkret sagen würde. Das zeigt sich, wenn man die gesamte Predigt mit ihrem weit gespannten Bogen, ihrer inneren Struktur  und den sehr konkreten inhaltlichen Aussagen liest! Das konnte unmöglich aus dem Bauch heraus bzw. vom Heiligen Geist inspiriert frei assoziiert werden!

Deswegen bedurfte es am Ende dieser Predigt, die nichts mit dem häufig stark indoktrinierenden Spontangeschwätz seiner Amtskollegen gemein hat,  auch keinerlei verwässernder Zugabe!  Die von der NAK für die Predigt stets behaupteten Einwirkungen des Heiligen Geistes hat er also offensichtlich vorab konkret als Redekonzept vorbereitet. Es bestätigt sich hier wieder die bereits mehrfach getroffene Feststellung: Der Amtsträger und Apostel FB überließ auch in seinen Predigten nichts dem Zufall. Zur Bestätigung der eben aufgestellten Behauptungen sei dem Leser unbedingt der gesamte Text als Lektüre empfohlen, zumal eine der Öffentlichkeit zugängliche, vollständig verschriftete  Predigt von FB eine Seltenheit darstellt. Im Folgenden nun ein inhaltlich ausgewählter Abschnitt aus seiner Predigt, in dem FB das Thema „Gewinn und Verlust“ erörtert.

Auszüge aus der Predigt von Bezirksapostel Friedrich Bischoff vom Karfreitag 1961 in Frankfurt

„Meine lieben Geschwister!

Wenn wir in unserer Arbeit und bei den uns gestellten Aufgaben vorwärts schreiten, dann sehen wir gewiß auch ein Ziel vor Augen, […]Und je eindrucksvoller unser Werk ist, je mehr wir unseren Wünschen und Voraussetzungen nahe gekommen sind, desto zufriedener sind wir mit dem Geschaffenen. Und wenn wir einem […] die Frage stellen, ob nicht zuweilen der Verlust erstrebenswerter erscheint als der Gewinn, dann wird er ein solches Ansinnen von sich weisen und wird sagen, daß das dem menschlichen Denken und allen gütigen Erfahrungen zuwiderlaufe.

Und doch steht in der Geschichte der Menschheit eine für uns alle bedeutende und überaus große Tat, […] in der der scheinbare Verlust zu einem unendlich großen Gewinn für viele geworden ist. Als der Herr Jesus von seinem Leiden und Sterben[…] sprach, […] hat Petrus ja dem Herrn geraten und vorher gesagt, er sollte dem Verluste ausweichen […] „Herr, schone dein selbst; das widerfahre dir nur nicht!“ Aber Jesu Antwort darauf war:  „Hebe dich, Satan, von mir! Du bist mir ärgerlich;  […]

Für uns ist sein Opfer in einer unaussprechlichen Größe und Macht wirksam geworden. Für uns lag der Gewinn in dem, was er verlor. […] Wir erinnern uns daran, daß der Stammapostel Bischoff nie unterlassen hat, bei der Segnung des Abendmahls zu sagen: „...Und ich lege auf das Dargebrachte das Opfer Jesu mit den Worten: ....“ […]Wenn im alten Bunde einer der Israeliten sich gegen das Gesetz vergangen und gefehlt hatte, so mußte er zu seiner Entsühnung ein Opfer bringen. Er brachte sich in diesem Opfer gleichsam selbst dar, das Opfertier stand stellvertretend für die Sünde des Menschen, […]. Es stammte aus seinem Besitz.“  Quelle: Karfreitag 1961 Gottesdienst Ap. Friedrich Bischoff in Frankfurt a. Main 

Seiner eigenen Aufforderung „Gewinn durch Verlust“ scheint FB persönlich aber eher nicht gefolgt zu sein. Die Zumutung eines tatsächlichen Verzichts an rechthaberischer Macht oder gar der materielle Verlust auf zu Unrecht erworbenes, finanzielles Eigentum in Bezug auf sich selbst kam ihm offensichtlich nicht in den Sinn. Es ist leicht und klingt überzeugend, vom notwendigen Verlust und Verzicht zu predigen. Eine wirkliche Entschuldung am Menschen und damit Entsühnung kann aber nur nach vorheriger Offenlegung aller begangenen Taten erfolgen und muss als Entschuldung von dem Geschädigten selbst ausgesprochen werden. Eine „Entsühnung“ ist, wie FB zu Recht anmerkte, kein automatisierter Selbstläufer einer kirchlich zugesprochenen Sündenvergebung!

Es gehört dazu, etwas von sich selbst zu geben – in Form eines Opfers oder einer rituellen Handlung - und tatsächlich die Wahrheit und Bußfertigkeit dem Geschädigten gegenüber selbst  darzubringen, wenn eine Versöhnung im Sinne eines Friedensschlusses stattfinden soll! Insofern könnte FB´s Haltung als arrogant und selbstgefällig angesehen werden, weil er seine Missetaten durch vorbehaltslose Eingeständnisse selbst gemachter Fehler nie offengelegt hat. Und seine Sühneleistung von  2000 Reichsmark (1948, siehe Teil 6) bei der Entnazifizierung wird er leicht verschmerzt haben. Was FB (vielleicht sogar absichtlich?) ausließ: Jesus forderte laut Matthäus 5,23f:  "Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe." Es gehört also zur Entsühnung unweigerlich die Versöhnung  mit dem Nächsten, an dem man schuldig geworden ist, dazu! Beides ist unabdingbar  miteinander verknüpft! Doch solche unbequemen Forderungen werden von FB nicht - und wie überhaupt auch in der NAK nur selten - erwähnt. Stap Schneider verkehrt sie sogar in ihr Gegenteil, wie das folgende Zitat zeigt:. „Jetzt kommt der liebe Gott und sagt: Nun verkauf du auch etwas für mich. Er verlangt nicht von uns, dass wir unser Leben geben; aber er sieht: Ach, du hast da einen Vorwurf gegen deinen Nächsten. Gib den Vorwurf auf, vergib deinem Nächsten und versöhne dich mit ihm. Da stellt sich die Frage: Sind wir frei? Oder sind wir gefangen von unserem Stolz und sagen: Nein, der soll sich zuerst entschuldigen, und dann soll er den Schaden gutmachen und dann kann ich ihm eventuell vergeben. Der Herr Jesus sagt uns: Nein, ich erwarte jetzt von dir, dass du diesen Vorwurf verkaufst und mir nachfolgst. (…) Lasst uns nicht Sklaven des Menschengeistes sein. Wir wollen von diesem Geist befreit werden und Sklaven Christi werden.“ Quelle: Stap Schneider am 21.02.2016 in Luanda, Angola; weitere Zitate dazu

 

 

Teil 6 „Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff?“ – Zusammenfassung der wesentlichen Kritikpunkte

Schon in der Anfangszeit bereiteten geheime finanzielle Absprachen zwischen Vater und Sohn Bischoff mittels der Veruntreuung von Opfergeldern dem 23jährigen den Weg für den zielgerichtet angestrebten und von FB erworbenen privaten „Verlag und Druckerei Friedrich Bischoff“ einschließlich der Buchbinderei. Damit war zum einen trotz der beginnenden Weltwirtschaftskrise seine eigene Zukunft gesichert, was ihm bereits 1937 den Bau seines Zweifamilienhauses in Frankfurt-Bockenheim ermöglichte (heutiger Kaufpreis im damals schon Nobelbezirk Bockenheim in etwa 5.490.000 € für 420 m² Wohnfläche.) Aber weder die Gewerbeanlagen noch das Haus hätte FB  mit eigenen und ehrlich erworbenen Mitteln finanzieren können.

Zum anderen gleitet die von Niehaus angestrebte „Zentralisierung“ der NAK nahezu unbemerkt in die  geplante diktatorische Monopolisierung der kirchenpolitischen Macht durch Vater und Sohn über. Das  versetzte sie in die Lage, jede Einflussnahme und Kritik am Verhalten des Stammapostels und seines Sohnes, die das Apostelkollegium in seinem Mitspracherecht an kirchlichen Entscheidungen gehabt hatte, zu torpedieren oder gar ganz auszuschalten. Wer sich von nun an gegen die beiden ausspricht, dem drohen verunglimpfende Artikel mit falschen Unterstellungen, juristische Strafverfolgung und bei anhaltender Uneinsichtigkeit der Kirchenausschluss (der Fall Neuer). Wer als Herausgeber die hauseigenen Schriften kontrolliert, hat uneingeschränkte Möglichkeiten zur zielgerichteten Manipulation und Kontrolle aller Mitglieder und Führungsfunktionäre!

FB´s zweifelsfrei nachgewiesenen nationalsozialistischen Tätigkeiten ab 1933 im NS-Regime und die vollständige, sowohl politische als auch finanzielle Unterstützung Hitlers schon vor seiner Machtergreifung wurden nie öffentlich gemacht, geschweige denn bereut oder hinterfragt. Dazu gehören auch FB´s hier nur gestreifte politische Aktivitäten in der NS-Zeit und seine demagogische Beeinflussung aller Kirchenmitglieder als Herausgeber und Verfasser von für den Verlag nicht überlebensnotwendiger Artikel, wie die folgenden Beispiele zeigen:

„Friedrich Bischoff (1909 - 1987), der Sohn des Stammapostels, war mit den Nationalsozialisten sehr verbunden. Am 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei, war Mitglied der Sturmabteilung (SA) und  beim SA-Fliegersturm. Sein Antrag auf eine Mitgliedschaft in der SS (Schutzstaffel) ist abgelehnt worden. Ab 1933 war Friedrich Bischoff als politischer Beauftragter der NAK das Verbindungsglied zur NS-Führung. In einem Empfehlungsschreiben der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Propaganda und Volksaufklärung notierte Herr Müller-Scheld, ein Mitarbeiter und enger Vertrauter von Joseph Goebbels (Akt RKM 23418 Bundesarchiv Potsdam) über ihn (1936?): „Friedrich Bischoff ist Parteigenosse, mir seit Jahren bekannt und politisch und menschlich absolut zuverlässig.“ […]

Und in ´Unsere Familie` schrieb 1940 der damalige Bez.Ev. Friedrich Bischoff:

„5.4.1940: „Schwarze und Mischlinge steigen auf der sozialen Leiter immer höher, sie verdrängen mit ihrer billigen Arbeitskraft den besser bezahlten Weißen auch aus Stellungen, die dem Weißen allein zustehen sollten ... Das farbige Element ist zum Angriff übergegangen ... England hat den Buren Südafrika geraubt, uns hat es unsere Kolonien gestohlen, nicht um sie besser zu kolonisieren, nein, um sie auszubeuten, um die Besitzer davonzujagen und die Weißen samt ihrer Kultur an den Neger zu verraten. ... Ein altes Negerweib stochert im Vorbeigehen einmal darin herum, kleine schwarze, nackte Kinder spielen im Dreck oder sehen uns erstaunt an. Ihre feisten, vorstehenden Bäuchlein scheinen fast zu platzen.“

20.4.: „Wohl hat sich der Weiße noch eine bestimmte Vorherrschaft erhalten können, sie ist aber stark ins Wanken geraten, und sie wird noch immer mehr ins Wanken kommen, je mehr der Jude Einfluß gewinnt, denn es ist sein Ziel, die Völker zu zersplittern, sie niederzuhalten und sie auszubeuten. Quelle: DS Exzerpt: Die NAK im Nationalsozialismus in 20 Punkten,  Punkt 9 und 12

In einem Verfahren zur Entnazifizierung wurde FB von der Spruchkammer Frankfurt als Mitläufer eingestuft und zu 2000 Reichsmark Sühneleistung verurteilt (Quelle: 2011 Vortrag von Redakteur Andreas Rother zur Geschichte des VFB) Anders als in Strafverfahren musste und konnte der Betroffene bei der Spruchkammer die Schuldvermutung durch die Vorlage von Beweismitteln entkräften. Mitläufer war, „wer nur als nomineller Parteigänger an der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft teilgenommen oder sie unterstützt hat“, insbesondere „wer als Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen lediglich Mitgliedsbeiträge bezahlt, an Versammlungen, deren Besuch obligatorisch war, teilgenommen oder unbedeutende oder laufende Obliegenheiten, wie sie allen Mitgliedern vorgeschrieben waren, wahrgenommen hat“ oder aber „wer als früherer Angehöriger der Wehrmacht auf Grund seiner Fähigkeiten die Ziele der Alliierten gefährden könnte.“ Quelle

Dass FB nur als Mitläufer eingestuft wurde, mutet durch seine diversen Aktivitäten in der NS-Zeit und in der Nachkriegszeit zu oberflächlich geschlossen an. Seine im Sommer 1933 gehaltene und sehr brisante Kyffhäuser-Rede, in der  sich FB überaus engagiert für den NS-Staat ausspricht, ist leider nicht öffentlich zugänglich und vermutlich tatsächlich nur als politische Anbiederung zu deuten. Rother hat in seinem Vortrag auf sie aufmerksam gemacht. Sie befindet sich im Archiv der NAK Nord- und Ostdeutschland, Hamburg 11-0001, Entnazifizierungsprotokolle 1, Hamburg, S. 160-169, "Rede des politischen Beauftragten der Neuapostolischen Kirche, Pg. Bischoff bei der nationalsozialistischen Kundgebung am 31. Juli 1933 in Frankfurt (Main), Hotel Kyffhäuser." (Quelle für diese Angabe: „Inszenierte Loyalitäten?“ von Karl-Peter Krauss auf Seite 123 unter Quelle 372) Zumindest ist eindeutig FB´s geistige Nähe zum autoritären Führungsstil und der rücksichtslose Umgang mit seinen „Feinden“ bis in die 60er Jahre eindeutig festzuhalten. Denn auch nach dem Krieg arbeiten FB (39 Jahre alt)  und sein Vater (79) mit allen Mitteln daran, ihren kontrollierenden Machtapparat mittels Intrigen und demagogischen Artikeln in den verschiedenen Zeitschriften auszubauen. Dazu wurde der Stammapostel, der nach wie vor ein notwendiger Garant für die wirtschaftliche Sicherheit von FB war,  in eine absolut zentrale Position gerückt. Die Mittel dazu waren neben der Ausschaltung nicht verlagskontrollierter Schriften (Güttinger)  unbedingt auch der Wiederaufbau der Verlagstätigkeit und soweit nötig dessen finanzielle kirchliche Unterstützung.  Wiederum erfolgte das durch  skrupellose Finanzmanipulationen und erneute Veruntreuungen von Kirchengeldern (Kredit über 30.000 DM und die Gesangbuchaffäre).

Die PG-Geschichte stellte deutlich fest, dass „die nachweisbare Option Kuhlens, über den Verlag zu verfügen“  einen für FB mehr als bedrohlichen Konfliktstoff hinsichtlich seiner finanziellen und machtpolitischen Interessen  darstellte, der unbedingt aus der Welt geschafft werden musste. Theologisch wird in den 50er Jahren deswegen angebahnt, die Naherwartung der Wiederkunft Jesu zeitlich auf die Lebenszeit des Stammapostels hin zu konkretisieren (1951), um damit den bereits ordinierten Stammapostelhelfer  und Nachfolger Kuhlen überflüssig zu machen. Dies war aber nur möglich, weil die neuen, bereits gültigen Statuten von 1950 vollständig und widerrechtlich widerrufen wurden. Ihre spätere Revision ist von FB in alleiniger Kontrolle und in seinem Sinn am Apostelkollegium vorbei erarbeitet worden.

Ende 1950 war Kuhlen dann aus Rücksichtnahme auf spalterische Tendenzen durch die gegen ihn geführte Kampagne von seinem Amt als Stammapostelhelfer zurückgetreten. Seine in dieser Zeit angestrebte und zunächst durchaus von einigen Aposteln unterstützte demokratisierende Entwicklung der NAK ist durch die vernichtenden,  polemischen Manipulationen von FB vollständig verhindert worden. Als die wichtigsten Drahtzieher dieser Verhinderung und dadurch bedingt auch Verursacher aller weiteren negativen Entwicklungen müssen neben FB u.a. seine Mitstreiter Rockenfelder, Hahn und Weinmann als maßgebliche Unterstützer angesehen werden, die aus niederen Motiven über die Manipulation des Stammapostels die neuapostolische Glaubenswelt vollends ins absehbar kommende Chaos stürzten. Das bestätigt auch deutlich die PG Geschichte:

„Im Verlauf des Jahres 1950 erschienen in der neuapostolischen Presse einige Artikel, die als Angriff auf die Position und Legitimation des Helfers Kuhlen verstanden werden können. Initiatoren waren im Wesentlichen Apostel Rockenfelder und Friedrich Bischoff. Die Intention war die Stärkung der Stellung des Stammapostels, und es spricht etliches dafür, dass dieses Vorgehen eine Strategie war.“ (Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 29f)

Von dieser strategisch geplanten Vorgehensweise durch FB gegen Kuhlen berichtet auch Kuhlen selbst. Drei Zitate aus seinen Notizen nach dem Rücktritt von 1950 können das zeigen. Es lohnt sehr, den gesamten Text zu lesen, um den durch FB´s Manipulationen erzeugten Wahnsinn dieser Zeit auch nur annähernd zu verstehen:

Seit längerer Zeit wurde in den neuapostolischen Zeitschriften eine absolute Alleinregierung des Stammapostels gelehrt und dass er als das Haupt die allein richtige Lehre verkündige. Immer mehr hieß es ganz klar, dass die Apostel im Werke Gottes überhaupt nichts zu beschließen hätten, sondern dies ausschließlich Sache des Stammapostels sei. Damit verfolgte man das Ziel, darauf aufmerksam zu machen, dass die Aussonderung des Stammapostelhelfers Kuhlen durch einen Beschluss der Apostel herbeigeführt worden sei und also wohl nicht anerkannt werden könne. In dem Artikel „Einssein - Vollkommenheit“ in Nr. 18 des Amtsblattes vom Jahre 1950 hieß es wörtlich: „Eine Reihe von Menschen kann durch Mehrheitsbeschluss eine Meinung äußern, ohne dabei eins zu sein. Die Apostel des Herrn aber wollen mit dem ihnen von Gott gegebenen Haupte eins sein, so wie der Sohn mit dem Vater eins war und ist. Für sie gibt es keinen Mehrheitsbeschluss, keine Wahl und kein Stimmenverhältnis. Auf solchen Voraussetzungen getroffene Entscheide hätten vor der Kraft des Glaubens keinen Bestand und müsste von allen Gläubigen und Getreuen verworfen werden.Dieser Artikel stammt der ganzen Schreibweise nach zu urteilen aus der Feder eines Mannes, dem an meiner Beseitigung gelegen war. Bemerken muss ich, dass ich trotz meiner Stellung als erster Mitarbeiter des Stammapostels auf die neuapostolische Presse keinerlei Einfluss hatte.“ Quelle: Akte Peter Kuhlen S. 10

„Es musste seit Monaten auffallen, dass in der Zeitschrift „Unsere Familie“ bei Berichten über Gottesdienste, die der Stammapostel gehalten und denen ich mitgedient hatte, meine Ausführung entweder nur zu einem ganz kleinen Teil, oder nur mit einem allgemeinen Satz, oder sogar absolut nicht erwähnt wurden, obwohl es bisher sogar immer der Fall war, wenn an einem Platze, wo der Stammapostel Gottesdienste gehalten, einer der Apostel mitgearbeitet, dann erschien in dem Bericht hierüber in „Unserer Familie“ wenigsten auch etwas über die Ausführungen des mitdienenden Apostels.“ A.a.O. S.14

Ich wusste dann bereits sonnenklar, dass die Arbeit meiner Beseitigung als Nachfolger des Stammapostels auf Hochtouren lief und dass man den Stammapostel mittlerweile gänzlich umgestimmt hatte, deshalb drang ich bittend in den Bez. Ält. Weine ein, er möge mir doch einen brüderlichen Rat geben, was ich tun solle. Aber er wollte nicht mehr mit der Sprache heraus, er war sehr eingeschüchtert und hatte direkt Angst, zu sprechen. Ich frug dann ganz eindringlich, was denn jetzt los sei, er möge mir das doch sagen, damit ich evtl. den Geistern zuvorkommen und von mir aus meinen Rücktritt erklären könnte. Dann hat Bruder Weine sich erweichen lassen, mir zu sagen, dass der Sohn des Stammapostels in dessen Auftrag mehrere Apostel nach Frankfurt bestellt habe zu einer Besprechung, die zum Ziele habe, die am 1. August 1948 als eine in menschlicher Gutmeinung vorgenommene Handlung rückgängig zu machen. Dann frug ich weiter, ob er denn glaube, dass die bestellten Apostel  „ja“  sagen würden. Darauf sagte er ganz kleinlaut: „Leider muss ich das als sicher annehmen.“ Außerdem sagte er mir, dass der Stammapostel inzwischen derart mit der Ansicht seines Sohnes übereinstimme, dass es für die Folge wohl unmöglich wäre, dass noch einmal ein ersprießliches Zusammenarbeiten zwischen dem Stammapostel und mir als Stammapostelhelfer stattfinden könnte.“ A.a.O. S. 20f

Wie weit die Manipulation des Stammapostels durch FB ging zeigt ein letztes Zitat, in dem völlig falsche Anschuldigungen bezüglich der Einsetzung Kuhlens als Stammapostelhelfer erhoben werden. Auch hier sollte man den Text zum besseren Verständnis im Zusammenhang lesen:

„[…] Sie verzeihen mir, wenn ich fragen möchte, was habe ich denn nun eigentlich getan? Weiter kam ich nicht; denn da der sprang Stammapostel erregt auf und sprach nicht mehr, sondern schrie und tobte: „Sie, was sie getan haben, sie haben sämtliche Apostel gegen mich aufgewiegelt. Sie sind hinter meinem Rücken zu den Aposteln gefahren und haben mich gezwungen, die Handlung damals vorzunehmen. Sie haben damals das Schreiben aufgesetzt, was die 15 Apostel unterschrieben haben. Sie und Apostel Lembke sind hinter meinem Rücken bei den Aposteln gewesen. Ich möchte in der Ewigkeit mal nicht in der Haut des Apostels Lembke stecken. Ihr habt damals den demokratischen Geist in die Apostel gelegt und seid damit von der Lehre abgewichen.“a.a.O. S. 24

Ein  Beispiel für  verunglimpfende Artikel nach der Abspaltung ist ein in UF konstruiertes Zwiegespräch von 1957:

Du erklärtest vorhin, man müsse auch die Gegenseite hören und meintest damit gewisse Leute, die gegen den Stammapostel und gegen das Werk Gottes Schriften verbreiten. Glaubst Du denn im Ernst, der Stammapostel und wir mit ihm würden gut daran tun, uns nach der andern Seite auszurichten? [...] Wirf Deine ,tolle Schrift’ am besten gleich in den Ofen. Aber brenne sie vorher an, denn der Ofen ist kalt.” „Mensch, was hast Du denn? Man muß doch auch die andere Seite hören! - Schließlich muß man der Opposition auch eine Chance geben. „O”, erwiderte Erwin, „wozu braucht man im Werk Gottes eine Opposition? Hat Jesus jemals auf die ,Opposition’ gehört? Ich glaube, das wäre dem Erlösungswerk schlecht bekommen!” […] „Weißt Du”, sagte Erwin nachdenklich, „das sind die gefährlichsten geistigen Drogen, wo die Lügen so kunstvoll mit Wahrem vermischt sind, daß man’s fast nicht merkt. Die versuche ich lieber gar nicht!” Karl griff in seine Brusttasche. Eine Sekunde später lag auf dem Ofenrost ein verglimmendes Häuflein Papierasche. […] Quelle: „Unsere Familie 1957, Seite 386-387, zitiert aus  Zur Erinnerung  bei naktalk

Solche Aufforderungen zur Schriftenverbrennung gab es schon in den 30er Jahren und haben insofern Tradition in der NAK (siehe hier) Auch damals war FB der Herausgeber! Und wenn die Bezeichnung „Schmähschrift“, die damals für die Äußerungen von Kuhlen und Co von der NAK  polemisierend verwendet wurde, überhaupt zutrifft, dann sicher auf diesen Artikel.

Ohne diese perfiden und verwerflichen Artikel und Ränkeschmiede hätte sich die NAK nicht aufgespalten, sondern  im Verlauf der kommenden Jahre absehbar in eine demokratischer orientierte und theologisch klarer auf die Bibel bezogene Freikirche gewandelt.

Ferner wäre der aus machtpolitischen Gründen beförderte  und heilsideologisierte Stammapostelzentrismus einschließlich der zum Dogma erhobenen Botschaft sukzessive abgeschafft worden. Die Rücknahme der von allen Aposteln bereits beschlossenen und damit gültigen Statuten war aus kirchenrechtlicher Sicht absolut unrechtmäßig. Dass damals dazu aus Angst schweigende Apostelkollegium steht also mit in der Schuld, es hätte diesem Treiben durch einen klaren Widerspruch ein Ende bereiten können. Wegen ihrer enormen Bedeutung seien diese Statuten von 1950 an dieser Stelle nochmals wiederholt:

• Der Stammapostel wird nicht mehr auf Lebenszeit sein Amt ausführen und ist wie jedes Mitglied abrufbar (§ 4).

• Das Vorschlagsrecht für Apostelberufungen steht nun jedem Mitglied des Apostelkollegiums zu (§ 3).

• Das Gelöbnis eines neuordinierten Apostels musste „vor Gott, dem Stammapostel und dem Apostelkollegium“ abgelegt werden und er hatte seinen Dienst gemäß den Bestimmungen dieser neuen Statuten auszuführen, womit eine Anbindung an das Apostelkollegium und nicht direkt an das Stammapostelamt verbunden war (§ 3).

• Apostelversammlungen musste der Stammapostel künftig bereits auch dann einberufen, wenn wenigstens 50% -und nicht wie bisher 75% -der Apostel dies wünschten. Eine Beschlussfähigkeit konnte jetzt ebenfalls mit einer geringeren Prozentzahl als vorher hergestellt werden.

• Der Stammapostel wird nicht mehr von seinem Vorgänger bestimmt, sondern von den Aposteln gewählt.

• Das Vorschlagsrecht für die Wahl eines Stammapostelnachfolgers und –helfers liegt nun nicht mehr allein beim Stammapostel, sondern bei allen Aposteln (§ 6).

• Ein zu Lebzeiten eines Stammapostels einmal gewählter Stammapostelnachfolger tritt ohne weitere Wahl – wie dies jedoch in der Satzung von 1922 noch vorgesehen war – das Amt des Stammapostels an (§ 6). […]

• Abänderungen oder Ergänzungen der neuen Statuten bedurften der Zustimmung des Apostelkollegiums und nicht allein des Stammapostels (§ 11).

• Bei Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung der Statuten entscheidet die Apostelversammlung und nicht der Stammapostel allein (§ 12).“

Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 25

Wie gewohnt setzte FB auch in dieser Phase des stärker aufkommenden Widerstandes von Kuhlen und Güttinger konsequent seine persönlichen Interessen weiterhin zielgerichtet und genau geplant durch. Skrupellos polemisierte er mehr oder weniger heimlich als Strippenzieher mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln erfolgreich gegen alle ihm gefährlich werdenden Kritiker, die ohne Rücksicht stigmatisiert werden. Und die Apostel dirigierte er als Marionetten nach Belieben in die gewünschte Richtung. Ferner instrumentalisierte und inszenierte er zur Umsetzung seiner Bestrebungen immer druckvoller und in aller Konsequenz die „Botschaft“ mit ihrer drohenden Endzeitwirklichkeit. Apostel Ernst Güttinger wurde am 5. August 1951 in den Ruhestand versetzt und sein Sohn, Apostel Otto Güttinger, am 10. Juni 1954 amtsenthoben und aus der NAK ausgeschlossen (siehe Manifest Otto Güttinger 1954). Am 15. Juli 1954 ist Otto Güttinger dann zum Apostel der Apostolischen Gemeinde ordiniert worden, sein Vater Ernst ebenfalls am 9.11.54.

Nach diesen erreichten Teilzielen ging FB´s Rechnung 1955 dann schließlich vollständig auf: Im Frankfurter Tribunal 1955 erfolgte endlich die angestrebte, vollständige Amtsenthebung nebst Kirchenausschluss der Apostel Kuhlen, Dunkmann und Dehmel sowie die Suspendierung aller Bischöfe und Ältesten des Bezirks Düsseldorf. Zwei Protokolle waren bereits im Vorfeld angefertigt worden. Hätte Kuhlen Einsicht gezeigt, sich entschuldigt usw. wäre die Sache vermutlich glimpflicher ausgegangen. Da dies aber nicht der Fall war, kam das Protokoll mit der Amtsenthebung und Exkommunikation zum Einsatz.  Dem Schaden gegenüber, der durch die sogleich folgende Abspaltung angerichtet wurde,  zeigte sich FB völlig gleichgültig. Auch die umfassenden, weiteren Folgen dieser Aktion nahm er billigend in Kauf. Mehr noch rechtfertigte er polemisierend sogar die Abspaltung als Notwendigkeit (Reinigung) durch die dadurch erreichte Entfernung kritischer Apostel und weiterer Amtsträger, die „dem Geist der Lüge“ folgten. Denn „niemand sollte im Angesichte der notwendigen Reinigung von Lieblosigkeit reden, denn wer das Arge duldet, der liebt es und ist selbst im Argen“, so vom Vater gesprochen und von FB nach der Abspaltung publiziert. Auch FB predigte mit demagogischer Schärfe und maßloser Arroganz den eigenen Mitgliedern mit Drohszenarien der ewigen Verdammnis: „Das zu wiederholen, was andere an Lüge hervorgebracht haben, dazu ist hier nicht der Platz. Wenn wir darüber hinaus sehen, wie nun der Betrug an den irrege­leiteten Seelen fortgesetzt wird, und wie aus dem Abfall weiterhin nur das hervorgeht, was aus dem Geiste der Lüge kommt, dann werden wir auch er­kennen, daß auf dem Denkzettel, der vor dem Herrn geschrieben ist, nicht nur Gutes steht.“

Als fünf Jahre später die neuapostolische Glaubenswirklichkeit mit dem Tod des Stammapostels schließlich zusammenbrach, wurde eilig eine neu angepasste  NAK-Wirklichkeit inszeniert: FB unterstützte  tatkräftig die erneut angekurbelte Hasskampagne und Propaganda gegen die ausgestoßenen Apostel der Apostolischen Gemeinschaft als unsere Feinde, Spötter, Verächter und Gegner und polemisierte weiterhin im Besonderen gegen Apostel Kuhlen (er will die NAK kassieren!). Kuhlen hätte eigentlich durch den Tod des Stammapostels wegen seiner nun als richtig bestätigten Kritik vollständig rehabilitiert werden müssen. Anstelle dessen wurden er und andere, die eine Versöhnung favorisierten, von FB entmenschlicht und zu Handlangern des Teufels erklärt, die Gottes exklusivistisches Erlösungswerk zerstören bzw. aus schnöden und finanziellen Gründen an sich reißen wollen. FB druckt und schreibt unsinnige Rechtfertigungsversuche, die erklären sollten, warum die weiterhin als göttlich inspiriert dargestellte Botschaft samt Tod des Stammapostels dennoch gut, fraglos richtig und sogar in Gottes Willen gelegen haben soll.

Die von FB zuvor inszenierte Wirklichkeit des Glaubens an die Wiederkunft Jesu zu Stammapostel Bischoffs Lebzeiten bricht mit dessen Tod also nicht etwa als das, was sie war, nämlich eine menschliche Erfindung,  zusammen, sondern sie wird  mit absurden, scheintheologischen und euphemistischen Konstrukten umgedeutet. Somit konnten die alten Feindschaften nicht etwa in einen unbedingt zu vermeidenden Versöhnungsprozess geraten, der FB´s wirtschaftliche Situation ins Schwanken gebracht hätte. Neue Abweichler, wie der Fall Schreckenberger zeigt, werden in gewohnter Manier rücksichtslos und kurzerhand aus der NAK ausgeschlossen. Die verbreiteten dreisten Lügen aber festigen nun FB´s gesamte Situation und damit auch seine kirchliche Bedeutung. In der neu inszenierten, nachbotschaftlichen Wirklichkeit der NAK hatte FB dadurch eine unantastbare Position erreicht, die bis an sein Lebensende stabil blieb und von niemandem im Apostelkollegium mehr in Frage gestellt wurde.

Selbst sein illoyales Verhalten gegenüber Stap Urwyler (Mailwechsel 1985) blieb folgenlos. Dessen Fragen nach der Botschaftszeit  ignorierte FB zunächst einfach und verschleierte in seiner späteren Antwort seine eigentliche Rolle in dieser Zeit mit Lügen und lapidar klingenden Halbwahrheiten. Obwohl er 1955 in der  „Wächterstimme“ publizierte hatte, dass der Stammapostel seine Offenbarung „nicht durch einen Traum empfangen, sondern bei einer Begegnung mit dem Sohne Gottes selbst“ erhalten hatte, bestritt FB Urwyler gegenüber schriftlich, davon keinerlei Kenntnis gehabt zu haben. Aber auch der Stammapostel gab sich mit dieser Ausrede zufrieden und hakte nicht weiter nach.

 

 

Teil 7 „Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff“ –  Nachbetrachtung und Konklusion

Was kann am Ende dieser aufgestellten, biografischen Chronologie nun auf die den Titel gebende Frage „Wer war Friedrich Bischoff “ als Antwort gegeben werden? Bleibt es bei der im Vorwort angedeuteten Ambivalenz um seine Person und dem letztlich positiv erinnerten Eindruck aus den 80er Jahren?

Das wäre wohl nach der in dieser breit gefächerten und um Objektivität bemühten Zusammenschau der quellenbasierten Fakten zu einfach. Die biografische Chronologie zeigt, dass einige Jahre nach dem Tod von Stammapostel Bischoff von FB bis auf den allerdings bezeichnenden Mailwechsel mit Stap Urwyler 1985 nichts mehr kritisch zu berichten war. Lässt sich daraus tatsächlich ein Wandel ableiten vom demagogischen Nazi-Saulus und hintertriebenen Manipulator der früheren Jahre hin zum weltoffenen Kirchen-Paulus der 80er Jahre, der nun die sektiererischen Lebensvorschriften und Verbote seiner Apostelkollegen ablehnte? Als FB nach Berlin zu einem Besuch des vom Verlag betreuten Schallplattenchores kommen wollte, hatte Hermann Ober ihm zuvor gesagt, dass er dort dann aber nicht predigen dürfe. Auf Nachfrage von FB setzte Ober erklärend hinzu, dass Bärte dort für Amtsträger und Dirigenten verboten sind. In Berlin durfte man damals noch nicht einmal einen kurzen Oberlippenbart haben. FB´s eigene Haltung zur Bartfrage ist bereits in den Vorbemerkungen dargestellt worden.

Ist also diese offene Haltung tatsächlich als ein Wandel zu interpretieren? Wohl nicht! Dazu stand  sich FB selbst viel zu nahe, als dass er ein treu nachfolgender Hitleranhänger hätte sein können. Krauss zeigt in seinem Buch schlüssig auf, dass FB kaum an eigentlich notwendigen Parteiveranstaltungen teilnahm und erfolglos ermahnt wurde, sie zu besuchen. Und der weltoffene Kirchen-Paulus als geläuteter Machtmensch ist wohl eine zu oberflächliche Einschätzung, die zu kurz greift! Nein, FB war kein Nachfolger, er war selbst ein Akteur, ein „Macher“, der die  Richtung bestimmte, wohin es gehen soll! Eher setzte FB also auch in den 80er Jahren nur die eigene Tradition fort, dass er - wie schon immer und ohne Nachfrage - allein und an erster Stelle entschied, was die richtige und was die falsche Lehre oder Entwicklungsrichtung ist? Ein tatsächlicher Wandel hätte zur Voraussetzung, dass er  sein früheres Verhalten in selbstkritischer Reflexion als falsch erkannt hätte! Das jedoch ist stark zu bezweifeln und wird bestätigt durch seine im Schreiben an Urwyler gezeigte unaufrichtige Haltung, sich zu seiner Tätigkeit innerhalb der Botschaftszeit nur lügend und ausflüchtig zu äußern. Das verständliche Anliegen des Stammapostels ignorierte er schlicht, um sich nicht selbst zu belasten..

Hier zur Erinnerung der Versuch einer sehr knappen Zusammenfassung der insgesamt in der Arbeit quellenbasiert kritisierten Sachverhalte zu Friedrich Bischoff:

Die Fakten sind

  1. seine Machtkämpfe um den Verlag, bei denen ihm jedes Mittel recht war, die eigenen Interessen durchzusetzen,
  2. seine politisch polemischen Aktivitäten als Mitglied der NSDAP einschließlich selbst geschriebener und als Herausgeber verbreiteter nationalsozialistischer Propaganda zur staatspolitischen Beeinflussung der NAK-Mitglieder,
  3. seine strategisch langfristig geplante und intrigante Art, Widersacher auf hinterlistige Art und Weise auszuschalten,
  4. seine innerkirchlich beißende Polemik gegen jeden Kritiker, der seine finanzielle und kirchenpolitische Machtsituation gefährden könnte,
  5. seine in den Artikeln des Verlages strategisch gezielt eingesetzte Propaganda zur Instrumentalisierung der Botschaft,
  6. seine Verweigerung, Co-Predigten von Apostel Kuhlen in Gottesdienstberichten zu drucken,
  7. seine Botschafts-Inszenierung als kirchenpolitisches Machtinstrument zur Ausschaltung von persönlichen Gegnern,
  8. seine verschleierten finanziellen Manipulationen und sogar strafrechtlich relevante Veruntreuungen von Kirchengeldern zur eigenen Bereicherung,
  9. seine Verhinderung der Modernisierung und Demokratisierung der NAK durch die vollständige Ablehnung der neuen Statuten,
  10. seine im Alleingang durchgeführte Neuformulierung und Revision der Statuten zugunsten der verschärften Bedeutung des Apostelamtes,
  11. seine Verantwortlichkeit als manipulierender Verursacher des Kirchenausschlusses von Kuhlen,
  12. seine gezielte Manipulation des Stammapostels zur Durchsetzung eigener Interessen und
  13. seine durch den Kirchenausschluss Kuhlens bedingte Verantwortlichkeit für die sich anschließenden Abspaltungen, Enteignungen und dadurch hervorgerufenen menschlichen Tragödien,
  14. seine vor- und  nachbotschaftlich grauenhaften Verteufelungen der von ihm selbst als solche erst fälschlich aufgebauten, sogenannten Gegner und Feinde des Werkes Gottes, die faktisch aber nur Feinde seines eigenen Machtstrebens waren,
  15. seine nach dem Todes des Vaters auf sich geladene Schuld durch die wissentlich falschen Uminterpretationen der Botschaft, die als Rechtfertigungen den Kirchenmitgliedern die nach wie vor aufrecht erhaltene Göttlichkeit der Botschaft vorgaukeln sollten,
  16. seine illoyale Haltung gegenüber Stap Urwyler, den er  belogen und mit Halbwahrheiten abgespeist hat, um sich nicht selbst zu belasten.

Karl-Peter Krauss kommt in seinem 2020 publizierten Buch "Inszenierte Loyalitäten" zu  Charakterisierungen, die klar in eine ähnliche Richtung deuten. Die folgenden Kurzzitate stammen  aus meiner Ausarbeitung Stammapostel Bischoff auf dem Weg zur absoluten Macht – Vertiefende Ausführungen zur NAK im NS-Regime und können dort im Zusammenhang mit Quellenbelegen nachgelesen werden (klick hier)

Krauss attestiert FB in Stichworten:

umstrittene Persönlichkeit; ausgeprägtes Repräsentationsbedürfnis; mit harten Bandagen kämpfen; Brief an das Apostelkollegium: Diktion und Duktus  zeigen seine kompromisslose Haltung;  machtbewusst sowie überheblich; Konflikte zusätzlich anzuheizen; er drohte  sogar dem Apostelkollegium; überschritt seine Kompetenzen ganz erheblich; Mann der Widersprüche; multiple Loyalitätsmuster; setzt seine Interessen durch“ (ausführlich nachzulesen im Artikel: Stap Bischof und sein Sohn Fritz auf dem Weg zur absoluten Macht, Kap. 6 Fatale Schlüsse? )

Zudem kommentiert Krauss FB´s "flammende" Kyffhäuserrede, in der er vor den zuhörenden Nazigrößen die volle Übereinstimmung der NAK mit den politischen Zielen des NS-Regimes bekundete und - dabei sicher übertreibend - die schon lange praktizierte Unterstützung hervorhob, mit dem Kommentar, "dass Friedrich Bischoff tatsächlich [...] potemkinsche Dörfer malte." Quelle Krauss a.a.O. Seite 127 

FB beendet seine Rede mit den Worten: „Und darauf kann der Führer auf uns rechnen bis zum letzten Mann, Sieg Heil!“ Quelle Krauss a.a.O. Seite 125

Hier lässt sich eine Parallele zur Botschaft ziehen, die die aufgeworfene These, dass sie nur aus strategischen Gründengezielt aufgebaut wurde, unterstützt. Wenn FB schon vor den NS-Vertretern stark übertrieb - bei einer genaueren Überprüfung seiner Aussagen hätte dieser Schuss gewaltig nach hinten losgehen können -, dann liegt der Vergleich nahe, dass auch die Botschaft vor vorneherein nur ein gezielt hochgezogenes potemkinsches Dorf war, um seine  kirchenpolitischen und finanziellen Machtbestrebungen durchzusetzen. Ferner unterstützt die Krauss´sche Zuschreibung der "multiplen Loyalitätsmuster" die in Zweifel gezogene Loyalität FB´s gegenüber dem Stammapostel oder sogar gegenüber der NAK an sich.

Was in den bisherigen Ausführungen auf Grund mangelhafter Quellenlage nicht dargestellt werden konnte, hier nun aber wenigstens noch angedeutet werden soll, sind die bei Kindern in der Botschaftszeit geschürten, tief sitzenden Ängste. Die Intensivierung des Endzeitszenarios und das zur Begründung der kurz bevorstehenden Wiederkunft Jesu auch gepredigte Drohszenario eines kurz bevorstehenden Atomkrieges, führte zu heute kaum mehr vorstellbaren psychischen Belastungen. Die lebenslang anhaftenden Folgen bei Kindern und Jugendlichen, die in dieser Zeit heranwuchsen, wären ein lohnenswertes Gebiet zu weiteren Nachforschungen. FB publizierte in „Der gute Hirte“ mit der Aufforderung „Wir schreiben dem Onkel Fritz“ konkrete Indoktrinationen, die in der Botschaftszeit speziell an die Kinder gerichtet waren und zur Drohbotschaft wurden. Einige Beispiele sollen das aufzeigen:

Wir wollen ja vom Kommen des Herrn nicht überrascht werden, sondern in rechter Weise dafür würdig sein. Darum scharen sich alle Getreuen um die Boten des Friedens und hören auf ihr Wort. Und auch Euch ist gesagt, daß Ihr lieb und brav sein müßt, denn der Herr Jesus kann keine unartigen Kinder zu sich ins Vaterhaus nehmen. Er beobachtet uns alle, auch wenn wir meinen, wir wären ganz allein, und weiß genau, ob wir ihn so lieb haben, daß wir die Kraft aufbringen, den Versuchungen des Bösen aus dem Wege zu gehen.“ Quelle: Der gute Hirte, 15. April 1956, Seite 30

„Der liebe Gott will uns ja in diesen wenigen Stunden, die wir vor dem Kommen seines lieben Sohnes noch in seinem Hause verbringen dürfen, alles schenken, was wir zu unserer Vollendung nötig haben. Wie furchtbar wäre es, wenn uns gerade da die Schlafgeister gefangennehmen könnten“ Quelle: Der gute Hirte, 15. August 1956, Seite 63

„Ein Gotteskind, das in dieser Erwartung steht, verhält sich so, daß es dem Herrn und seinem Werke keine Schande macht, sondern jeden erkennen läßt, daß in ihm der Heilige Geist wohnt.“ Quelle: Der gute Hirte, 15. Februar 1956, Seite 16

Ihr wißt ja alle, daß der Sohn Gottes unserem Stammapostel offenbart hat, er werde in der Zeit seines Lebens wiederkommen und ihn und alle, die eins mit ihm sind, für immer zu sich nehmen ins Vaterhaus.[…]? Wer von uns freut sich nicht von Herzen auf den Tag, da er mit dem Stammapostel, den Aposteln und all den Getreuen, die sich um sie sammeln, diese Erde verlassen darf“ Quelle: Der gute Hirte, 15. Dezember 1956, Seite 90-91

Ich glaube an diese Verheißung und sehe aus den Zeichen der Zeit, daß die Wiederkunft Jesu nicht mehr ferne ist. Deshalb können mich die Zustände der augenblicklichen und der kommenden Zeit nicht ängstigen. Ich hoffe und wünsche, daß mich Jesus bei seiner Wiederkunft würdig findet und ich so von den in der Offenbarung des Johannes beschriebenen Schrecken verschont bleibe“. Quelle: Der gute Hirte, 15. Mai 1956, Seite 35-36 Alle zitiert aus: Zeugnisse NAK – Der gute Hirte – Botschaft J. G. Bischoff (naktalk.de)

Die eigentliche Funktion und Aufgabe christlich ausgerichteter Kirchen, die frohe Botschaft des Evangeliums zu verkünden, ist in der NAK verkommen zu einer für persönliche Zwecke missbrauchten Institution, die vornehmlich der  Durchsetzung menschlicher, machtpolitischer und finanzieller Interessen weniger Personen dienten. Friedrich Bischoff ist einer von ihnen, die diese Entwicklung – auch vor Kindern nicht Halt machend - rücksichtslos in die Wege leiteten und den Hauptnutzen daraus zogen.

Ein letzter Zeitzeuge soll in diesem Zusammenhang in Auszügen aus einem Leserbrief, der mich am 29.6.21 erreichte, noch eindrücklich und stellvertretend für viele zu Wort kommen. Ihre Stimmen wurden bislang nur selten gehört. Der Autor wurde in eine neuapostolische Familie hineingeboren und „musste sich damals als Jugendlicher mit dem Fiasko der ‚Botschaft‘ auseinandersetzen“. Von der NAK werden Äußerungen wie die folgenden als Einzelschicksale arrogant beiseite gewischt. Eine Anerkennung als „Opfer“ bleibt ihnen verwehrt. Es sollte ihnen aber wenigstens Gehör geschenkt werden!

„Das ganze Umfeld, alle Verwandten, alle Freunde sind kirchlich geprägt. Theater und Kino sind tabu, alles ‚Welt’. Der Blick richtet sich auf ein gottgefälliges Leben oder was in dieser kirchlich-kleinbürgerlichen Welt dafür gehalten wird. Mit 8 Jahren begreife ich erstmals wirklich die Konsequenzen der ‚Botschaft’, bekomme Angst und frage meine Mutter: ‚Was ist, wenn ihr nicht mehr da seid und Jesus euch heimholt und auf der Welt der Krieg mit Atombomben ausbricht, Feuer und Schwefel vom Himmel fallen und ich da bleiben muss, weil ich nicht immer brav war’? Die Mutter versucht zwar zu beschwichtigen, doch meine Ängste als kleines Kind bleiben und werden nie richtig entkräftet.’“

Nach dem Tod des Stammapostels bricht die Furcht des inzwischen 17-Jährigen nochmals auf: „Meine Mitschüler fragten hämisch: ‚Dein oberster kirchlicher Chef ist ja nun doch gestorben. Was nun‘? Meine Antwort noch im Glauben verwurzelt: ‚Entweder es passiert auf der Welt in den nächsten 14 Tagen etwas ganz Fürchterliches oder ich löse mich von der Kirche‘. […] Er bricht folgerichtig mit der Kirche und rebelliert gegen die Eltern. Riesenkrach. Er wird vor den obersten Amtsträger zitiert. ‚Wir wollen dir ja nur helfen, … aber eins musst du wissen, wenn du dich von Gott abwendest, wirst du keinen Segen mehr haben. Und wer weiß, wie dir’s dann im Leben geht‘. Er hält dagegen: ‚Die Kirche ist doch nicht Gott. Und dann verbreiten Sie mit ihren Aussagen nur Angst. Und diese Angst soll die Gläubigen zusammen halten‘. ‚Wer hat dir denn das erzählt‘? ‚Das spüre ich in mir‘!“

Die sich anschließende Ausstiegsphase beginnt: „Die Umbruchszeit zählt zu den schlimmsten Abschnitten meines Lebens. Alle alten Verbindungen mussten gekappt werden, alte Freunde waren weg, sie waren alle der Kirche verbunden, Teil des alten Systems. Wie oft wurde ich noch von allen möglichen Leuten angesprochen‚ ‚komm doch zurück, wende dich nicht von Gott ab’! Ich wollte nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Und bei den nicht-kirchlich geprägten Bekannten traute ich mich nicht über meine Probleme zu reden. Also niemand, mit dem ich mich austauschen konnte, der Zweifel und Ängste verstand. Nur ich selbst mit meiner ziemlich einsamen Ratio. Und dies in einem Alter, in dem man sowieso noch auf der Suche nach sich selbst ist.’“

Heute, im fortgeschrittenen Alter, ist er auf der Suche nach den damaligen Hintergründen. Seine Sicht auf das Geschehen fasst er am Schluss seines Briefes eindrücklich zusammen:

„Ich versuche nun - sechzig Jahre nachdem ich mich von der Kirche gelöst habe – rational die Hintergründe von damals besser zu verstehen. Dabei bin ich auf Ihren Artikel gestoßen. Macht und Machtspielchen habe ich in der Arbeitswelt zur Genüge kennen gelernt. Nun zu erfahren, dass sich ein solcher Machtpoker mit dramatischen Folgen für die Gläubigen auch in den obersten Kreisen der NAK abspielte, ist schockierend. Aus skrupellosem Eigeninteresse wurde 100.000 oder noch mehr Gläubigen eingetrichtert, ihr ewiges Seelenheil sei in Gefahr, wenn sie die ‚Botschaft‘ - ein eigentlich unmögliches Ereignis - nicht glauben würden. Wie sollte sich denn dieses Botschaftsgeschehen physisch abspielen, wenn ‚Jesus seine Braut heimholt‘? Wie sollte die ‚Hochzeit im Himmel‘ stattfinden? In welchem Himmel bitteschön? Wir lebten doch nicht mehr im Mittelalter! Trotzdem glaubten alle daran, der ‚Propagandaminister‘ aus Frankfurt hatte volle Arbeit geleistet.“

Schlussfolgerungen: Dieser bei vielen Menschen in seinen frühen Jahren vom Apostelkollegium sehr gefürchtete und Angst erzeugende Amtsträger und  in seinen späten Jahren in seinem Apostelbezirk sehr beliebte und erfolgreiche Bezirksapostel FB zeigte sein Leben lang ein ununterbrochenes Streben nach Ruhm und Macht. Äußerlich eitel und mit maßgeschneiderten Anzügen gekleidet war FB stets eine  korrekte Erscheinung. Und Trotz teuerster Sportwagen gab er sich gerne auch betont bescheiden. Als er z.B. in meinem Jugendliederbuch unterschrieb, merkte er an, dass er oben etwas Platz lassen würde, falls ich einmal dem Stammapostel begegnete! Er, der nie eine Schwäche zeigte, stellte von Anfang an selbst die geltenden Regeln auf und manipulierte strategisch zielgerichtet seinen Vater, um die gesamte Kontrolle zu behalten. Wer ihm kritisch begegnete, den verfolgte er als Feind rachsüchtig und unerbittlich mit dreisten Lügen. Und wenn gar die Realität als persönliche Bedrohung empfunden wurde,  bestand die Tendenz, die Bedeutung der Realität zu verändern und die ihn umgebende neuapostolische Wirklichkeit mit allen Mitteln inszenierend und langfristig geplant in seinem Sinn zu gestalten. Dazu gehörte mit Sicherheit auch die selbstgefällige Inszenierung der eigenen Person einschließlich vorgetäuschter Bescheidenheit, die im Widerspruch zu seinem ansonsten luxuriösen Leben steht.

All diese Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmale, die FB aus der Ferne und aufgrund der hier aufgezeigten Ergebnisse aus den Recherchen zugeschrieben werden können, könnten auch psychologisch gedeutet werden. Wer ihn aus der Nähe und familiär kannte, wird mehr dazu sagen können. In den späteren Jahren hatte er jedenfalls keine Gegner mehr – und somit auch keinerlei Ursache zu derartigen Manipulationen. FB  blieb unangefochten in der kleinen Enklave seines Apostelbezirkes und als Chef des Verlages völlig unabhängig von jeglicher Kritik und Kontrolle von außen in ´seinem` Reich! In diesem Zusammenhang liest sich auch die eingangs zitierte Bemerkung von FB „Von so einer lahmen Ente lassen Sie sich überholen“ weniger lustig:  Friedrich Bischoff  ließ sich von niemandem überholen!

Warum FB selbst nie Ambitionen zeigte, das Stammapostelamt anzustreben kann spekulativ vermutet vielleicht daran liegen, dass er nicht als Chef über den Aposteln verantwortlich sein wollte für deren kleingeistige Amtsausführung (Bartfrage etc.). Neben seinen Apostelkollegen konnte FB jedoch - in exklusiver Art sogar positiv herausstechend - die von ihnen aufgestellten lebensfeindlichen NAK-Regeln schlichtweg ignorieren, bzw. durch seine kleinen Werbebotschaften für andere Betrachtungsweisen im Geleit oder später in seinem Buch "Einsichten und Erfahrungen" schriftstellerisch mit kleinen Spitzen begleiten. Diese Diskrepanzen und auch sein Schreiben an Stap Urwyler (1985) mit der dreisten Lüge, von der selbst geschilderten, konkreten Begegnung des Stap Bischoffs mit Jesus nichts gewusst zu haben, lassen ernste Zweifel daran aufkommen, ob FB der NAK  und ihrer obersten Leitung überhaupt loyal zugewandt war, obgleich er 1960 versichert hatte: „Mit der Kraft meines Lebens, mit den Gaben des Geistes, mit den Kräften des Leibes will ich dem ergeben und treu dienen, den mir der Herr nun gesetzt hat, auf daß ich ihm nachfolge.“ Zwar hatte der Herr faktisch weder Schmidt noch Urwyler ins Amt gesetzt(18.11.78) – beide wurden nur vom Apostelkollegium gewählt -, das gegebene Versprechen dem Stammapostelamt gegenüber galt aber dennoch. Schon dass er erst zwei Jahre nach Urwylers Bitte das Schreiben beantwortete, zeigt  auch auf Grund des völlig belanglosen Inhalt sein Desinteresse am damaligen Stammapostel. Vermutlich war FB nur sich selbst und seinen eigenen Interessen und theologischen Erkenntnissen gegenüber loyal, verschleierte aber seine konkrete Kritik an den Lehrmeinungen seiner Mitapostel in seinen kleinen Artikeln, weil der Verlag Friedrich Bischoff unauflösbar an die NAK gebunden war.

Die in dieser Arbeit – die  keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, dazu ist die Quellenlage nicht hinreichend genug erforscht! - mit besten Bemühen um Wahrheitsfindung aufgedeckten und analysierten historischen Tatbestände sind dem Autor keinesfalls ein Grund zur Freude. Eher sind persönliche Enttäuschung und Trauer die sich einstellenden Emotionen über die hier fokussiert beschriebenen Taten Friedrich Bischoffs! Das weite Feld der skrupellos machtpolitischen Manipulationen in der damaligen Zeit zum persönlichen Vorteil hat ein Ausmaß, das aus meiner Sicht den absoluten Tiefpunkt neuapostolischer Kirchengeschichte darstellt.

Häufig wird aus interner NAK-Sicht der Vorwurf aufgebracht, die Quellen würden von Kritikern einseitig verwendet, um ein möglichst schlechtes Bild von der NAK zu kreieren. Das lag nicht in meiner Absicht, aber manche externen Quellen sprechen eben eine eindeutige Sprache. Wer den eigenen Kirchenquellen vorbehaltslos zu stark vertraut läuft Gefahr, ihren vorgenommenen Inszenierungen zum Opfer zu fallen! So ist das vielleicht erinnerte  Bild von FB aus den 80er Jahren als dem offenen und freundlichen Bezirksapostel nun konfrontiert mit den hier aufgedeckten Fakten seiner den meisten Lesern bislang wohl unbekannten Seite. Ein neues Bild von ihm zu entwickeln, das die hier dargestellten Informationen bewertend einbezieht, bleibt nun der Verantwortung eines jeden Lesers selbst überlassen. Beachten könnte man dabei vielleicht die Sätze von Papst Franziskus aus dem Prä-Konklave 2013:

„[…] Die Übel, die sich im Laufe der Zeit in den kirchlichen Institutionen entwickeln, haben ihre Wurzel in dieser Selbstbezogenheit. Es ist ein Geist des theologischen Narzissmus.[…] Diese (Kirche) lebt, damit die einen die anderen beweihräuchern. Vereinfacht gesagt: Es gibt zwei Kirchenbilder: die verkündende Kirche, die aus sich selbst hinausgeht, die das «Wort Gottes ehrfürchtig vernimmt und getreu verkündet»; und die mondäne Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt.Quelle: Papst Franziskus: 'Es gibt zwei Kirchenbilder'

 

Danksagung

Mein persönlicher Dank am Ende dieser Arbeit gilt Dieter Kastl und Rudolf Stiegelmeyr, deren zahlreiche und intensiv recherchierten Publikationen Anregungen und Material zu dieser Arbeit lieferten. Besonderer Dank gilt Rudolf Stiegelmeyr für seine  lektoralen Impulse und beharrlich geforderten Korrekturen, ohne die diese Ausarbeitung nicht das geworden wäre, was sie jetzt ist!

 

(II) Stammapostel Bischoff und sein Sohn Fritz auf dem Weg zur absoluten Macht  - Enthüllungen über kirchenpolitische Strategien im Zusammenhang mit der beginnenden NS-Zeit und der Einfluss von Fritz auf seinen Vater in der Nachkriegszeit

Pdf-Fassung der Ausarbeitung  zur besseren Lesbarkeit und als Druckvorlage (45 Seiten)

Autor: Detlef Streich am 27. Juli 2021;  (Fassung vom 17.10.21)

 

Gliederung

  1. Einleitung                                                      
  2. Die Statuten von 1922                                 
  3. Beginn der Ära Bischoff                              
  4. Die Statutenänderungen von 1933                
  5. Zwiefältige Verpflichtungen                         
  6. Fatale Schlüsse?                                           
  7. Warnung vom Sekretär des Stammapostels:  Fritz steht nicht im erforderlichen Glauben   
  8. Apostel Hahn, die konspirative Nord-Süd-Achse  und der neue Apostelbezirk für Friedrich Bischoff                                          
  9. Schlusskommentar                

Ps.: Weitere Zitate von Friedrich Wolf

Anhang: Wichtige Quellen, die online abrufbar sind 

 

Vorbemerkungen

Die Frage, wie das Verhalten von Stap Bischoff (in Folge JGB) und seines Sohnes Friedrich (Fritz - in Folge FB), geb. 1909, in der Zeit des NS-Regimes und nach Kriegsende einzuordnen und zu bewerten ist, wird von neuapostolischen Historikern und NAK-Kritikern sehr unterschiedlich beantwortet. Dr. Karl-Peter Krauss , der Vorsitzende der AG-Geschichte der NAK, vertritt in seinem 2020 erschienenen Buch „Inszenierte Loyalitäten? Die Neuapostolische Kirche in der NS-Zeit“ (Blick ins Buch) die Ansicht, dass die politischen Äußerungen von Vater und Sohn Bischoff als strategisch notwendige Anpassungen zu deuten sind, um einem möglichen Kirchenverbot zu entgehen. Kritiker hingegen bewerten die belastenden Zitate als Beweis für eine nationalsozialistische Gesinnung. FB trat 1933 in die NSDAP ein und fungierte während dieser Zeit als Sprecher zwischen der NAK und den Personen der Parteiführung. In dieser Ausarbeitung werden nun u.a. auch vier neu erschlossene Quellen (Statuten 1933, Ordinationswege für Hahn, Neuer Ap-Bezirk für FB, Schreiben von Weine über FB) vorgestellt und kritisch analysiert, die darauf hindeuten, dass die Frage der politischen Überzeugung von Vater und Sohn eher zweitrangig zu bewerten ist. Es wird aufgezeigt werden, dass ihre Bestrebungen weniger von dem Interesse an der Politik geleitet waren. Vielmehr war das Hauptanliegen aller Maßnahmen und Äußerungen auch in der Zeit des NS-Regimes der skrupellose Ausbau der eigenen Macht innerhalb des Apostelkollegiums der NAK. Dies wird  klar durch die Aufdeckung der Hintergründe des Geschehens zwischen 1922 und 1933 und 1948 bis 1953/54  gezeigt werden. Auch theologische Änderungen der Lehre dienten einzig diesem Zweck! Im Hintergrund an allem wesentlich, wenn nicht vielfach ursächlich beteiligt war Friedrich (Fritz) Bischoff.  Man bedenke beim Lesen der folgenden Arbeit:

„Das, was war, interessiert uns nicht darum, weil es war, sondern weil es in gewissem Sinn noch ist, indem es noch wirkt…" Historiker Droysen (1808-84)

 

1. Einleitung

Der Weg zur zentralen Machtposition von  Stammapostel Johann Gottfried Bischoff   ist von Anfang an wesentlich mit der Kontrolle der Schriften durch den Verlag Friedrich Bischoff verbunden gewesen. Dies ist sehr ausführlich in meiner umfangreichen Arbeit „(IWer war Friedrich (Fritz) Bischoff? Inszenierte Wirklichkeiten als konstitutives Merkmal“, DS 2021 online eingestellt (Pdf-Fassung der Ausarbeitung ) untersucht  und dargestellt worden. Besonders herausgearbeitet wurde dabei die nicht zu unterschätzende Rolle seines Sohnes Friedrich (Fritz), der vor keinem Mittel zurückschreckte, den Stammapostel in eine absolute Machtposition zu rücken. Friedrich Bischoff als Verleger und Autor des Verlages soll folglich in dieser Arbeit nur gestreift werden, seine Rolle aber als 24jähriger rücksichtsloser Manipulator seines Vater  herausgestellt und bestätigt werden. Es galt und gilt bis heute: Wer das Wort kontrolliert, hat auch die Macht, unliebsame Gedanken oder Meinungen polemisierend abzutun und ungehindert das zu verbreiten, was der Festigung der eigenen Position und der damit verbundenen Macht dient. Die Zusammenarbeit von Vater und Sohn funktionierte bis zum Tod von JGB 1960 reibungslos.  Die Entwicklungen in der hier fokussierten frühen Zeit bildeten die notwendigen Grundlagen für alle Geschehnisse, die ab 1948/49 in Gang gesetzt wurden. Diese Ereignisse sind von mir sehr ausführlich in der oben erwähnten Arbeit geschildert worden und werden hier nur angedeutet. In dem nun vorliegenden Aufsatz, der als Ergänzung zur Ausarbeitung über FB anzusehen ist,  geht es hauptsächlich um Ereignisse in den Jahren 1922 bis 1933 und 1948 bis 1955. Einer Zeit, in der Kuhlens „demokratische Aufgeblasenheit in fünf Jahren mehr Sorgen und Kummer bereitet hat, als Hitler und seine ganzen Genossen in den zwölf Jahren ihres Regimes!“ So die Meinung von BezAp Weinmann im Jahr 1951!

 

2. Die Statuten von 1922

Blicken wir also zurück ins Jahr 1922, in dem die Neuapostolischen Gemeinden in Deutschland noch  kein gesamtdeutscher Verein waren. JGB war Stellvertreter des amtierenden Stammapostels Niehaus und dessen rechte Hand. Jeder  Bezirk hatte seinen Bezirksleiter (Apostel), allen übergeordnet war der Hauptleiter (Stammapostel). Beschlüsse wurden im Apostelkollegium beraten und mit einer festgelegten Mehrheit auch umgesetzt. So entstanden 1922 neben den schon vorhandenen 10 Glaubensartikeln die Hausregeln  und Satzungen (Statuten), vom noch sehr kleinen Apostelkollegium (neun Apostel und der Stammapostel sowie weitere Hilfsapostel) entwickelt und gemeinsam  beschlossen. Aber schon damals galt: „Über die Auslegung der Satzung entscheidet der Stammapostel.“ Quelle: Satzungen der Neuapostolischen Gemeinden 1922, S.8)

Jeder Apostelbezirk hatte somit seine eigenen, wohl aber sehr ähnlichen Statuten, die von Niehaus genehmigt werden mussten. In ihnen war z.B. geregelt, dass nur die Apostel finanziell entlohnt wurden, alle anderen Mitarbeiter hatten ihre Aufgaben ehrenamtlich zu erfüllen. Geregelt war auch, dass jeder Bezirksapostel 20.000 Goldmark  (!!!) mit schriftlicher Genehmigung des Stammapostels ausgeben konnte. Ausgaben zwischen 20.000 und 50.000 Goldmark bedurften zusätzlich der schriftlichen Zustimmung dreier weiter Apostel. Ausgaben von über 50.000 Goldmark musste das ganze Apostelkollegium schriftlich bestätigen (ebd. S.5f).  Verpflichtet war jedes Mitglied, einmal im Jahr  10 Mark „zu Händen des Apostelbezirksleiters zu zahlen.“ (ebd. S. 7)  Außerdem „fühlen sich die Mitglieder im Glauben verpflichtet,[…] in die im Kirchensaal stehende Opferbüchse freiwillige  Spenden zu legen […] Die durch die Opferbüchse eingehenden freiwilligen Beiträge werden von dem Apostel für das Wohl der Gemeinden verwendet.“ (ebd. S.21) Wer nicht oder unregelmäßig spendete, dem drohte der Ausschluss. So berichtet der Zeitzeuge Friedrich Wolf in seinem Buch „Seelenfänger und ihre Arbeitsweisen“ von 1931: Der Dresdner Vorsteher (kam) einmal im Gespräch mit meinem Vater auf einen Herrn H. zu sprechen, der die neuapostolischen Gottesdienste seit längerer Zeit nicht mehr besuchte. Herr K. sagte hierbei: "..... Wir haben nichts von ihm, wir haben auch keine Opfer mehr von ihm (!) - da haben wir ihn [im Kirchenbuch] gestrichen."  Friedrich Wolf 1931 "Seelenfänger und ihre Arbeitsweisen"  ebd. S.6

Einmal im Monat mussten die Bezirksapostel dem Stammapostel einen Kassenbericht schicken. Von den Einnahmen wurde ein festzulegender Betrag an die Vereinskasse des Apostelkollegiums gezahlt (ebd. S.7), die vom Stammapostel verwaltet wurde (ebd. S.14) „Dem Stammapostel steht das Recht zu, bei Beiträgen bis zu 10.000 Goldmark nach seinem Ermessen  […] zu verfügen.“ (ebd. S.13). Er hat auch „ Anspruch auf ein seiner Stellung entsprechendes Gehalt, sowie auf Vergütung aller aus seiner Geschäftsführung entstehenden Unkosten. Das Gehalt des Stammapostels und der übrigen Mitglieder des Apostelkollegiums wird unter Berücksichtigung der jeweiligen Verhältnisse vom Apostelkollegium festgesetzt.“ (ebd. S.13) „Außerordentlich“ unterstützt wurden aus der Vereinskasse neben (6) Missionszwecken und (2) Darlehen für in Not geratene Apostelbezirke  (3) im Ruhestand befindliche Mitglieder des Apostelkollegiums, [...], (4) bedürftige Witwen und Waisen der Apostel und (5)Beihilfen zum Zweck der Wiederherstellung der Gesundheit erkrankter Apostel.“ (ebd. S.14)

Es liegt auf der Hand, dass eine wirkliche Kontrolle über die angemessene Verwendung der eingehenden Spendengelder nicht möglich war. Auch und gerade die Vergütung aller aus der Geschäftsführung entstehenden Unkosten des Stammapostels sind weit gefasst und reichten bis hin zur Finanzierung der allerteuersten Luxusfahrzeuge!  Wolf zitiert Stap Niehaus und schreibt: „"Was mein Kassenführer ist, den lasse ich auch nicht in alles hineinsehen, weil mir andere Mittel zur Verfügung stehen." (22.8.1918) - "Na, in Berlin ist's nun wieder Ruhe, dem Hallmann habe ich 1000 Mark gesandt, damit habe ich ihm bewiesen, daß ich sein Feind nicht bin." (5.12.1919.) (***) Auch sonst hatte Herr Niehaus ein sehr weites Gewissen: Das Protokoll über eine Apostelversammlung verschwieg z.B. den Beschluß über die Bezahlung eines in Holland gekauften  Luxus-Automoblils  für Herrn Niehaus, das ca. 20000 Gulden (damaliger Wert = annähernd 30000 Goldmark) erforderte! (Blatt 166/67 der Vereinsakten im Amtsgericht Dresden.)“ Wolf ebd. S.22.

Um die 1000 Mark einzuordnen muss man wissen, dass der Wochenlohn eines Arbeiters damals 51 Reichsmark betrug. Auch das hier ist noch interessant: „Wenn man noch bedenkt, daß es allgemein üblich ist, Gemeinden mit großen Opfern oft zu besuchen, Gemeinden mit kleinen Opfern dagegen selten und daß wohlhabende Gemeindeglieder, die reichlich opfern, viel liebevoller und entgegenkommender  behandelt werden, als arme, die nicht viel opfern können - so liegt der Gedanke sehr nahe, daß die Liebe der neuapostolischen Seelenhirten zu einem guten Teil durch die Opferbüchse  zu gehen scheint.“ Wolf ebd. S. 22

Die finanziellen Privilegien der Apostel waren also mehr als abgesichert. Für den Fall einer Auflösung des Vereins wären alle vorhandenen Gelder in die Vereinskasse des Apostelkollegiums geflossen, die, wie schon erwähnt, der Stammapostel selbst verwaltete! (ebd. S. 8) Dass diese 10 Personen des Apostelkollegiums sich an den Einnahmen der Spenden  der ca.125.000 Mitglieder (1925) auch als Entlohnung ihrer Dienste reichlich bedienten, ist sicher anzunehmen. Apostel Brückner war 1921 wegen unterschiedlicher Lehrmeinungen vom Stammapostel Niehaus ausgeschlossen worden, denn der Stammapostel hat „bei auftretenden Meinungsverschiedenheiten die entscheidende Stimme.“  (ebd. Seite 18). Für die anderen Mitglieder des Führungsstabes lohnte es sich also, sich den Meinungen des Stammapostels anzuschließen, zumindest ihm gegenüber nicht allzu deutlich in Opposition zu gehen. (Vergl. Zu diesen Ausführungen auch Wolf, ebd. Kap.: Die Satzung der Neuapostolischen Gemeinde S. 28

Was musste man aber tun, um in diesen privilegierten Kreis aufgenommen zu werden?  Zunächst einmal musste man „erwählt“ und dann von der Apostelversammlung mit einer „dreiviertel Stimmenmehrheit“  gewählt werden, die Hausregeln etc. unterschreiben und das folgende Gelöbnis abgeben: “Ich gelobe vor Gott und dem Apostelkollegium, den mir befohlenen Dienst sorgfältig und treu dem Worte Gottes und den Lehren des Neuapostolischen Glaubensbekenntnisses gemäß zu warten, die Bestimmungen der Satzungen des Apostelkollegiums, sowie die  mir unterstellten Gemeinden zu achten und auch die Hausregeln zu befolgen.“ (ebd. S. 10f)

 

3. Beginn der Ära Bischoff

Diese Satzung galten auch noch, als JGB, der 1924 von Niehaus als Nachfolger bestimmt wurde, dann 1930 das Stammapostelamt übernahm. In dem zitierten Gelöbnis wird  „vor Gott und dem Apostelkollegium“ ausdrücklich gelobt, „den Kirchendienst auszuführen."  Das alles und noch mehr sollte sich durch JGB in Kürze ändern.  Mit nur 19 Jahren wurde sein Sohn Fritz ohne eine beendete Ausbildung  und ohne Zustimmung des Apostelkollegiums als erster Schritt von Stap  Niehaus am 15.11.28  die Leitung der Hausdruckerei als Geschäftsführer auf Lebenszeit übertragen. Bereits 1929 ließen die beiden Herren des Schriftwortes, Vater und Sohn Bischoff,  in der Wächterstimme für die Mitglieder drucken, in welche Richtung die weitere Reise  gehen sollte:

 „Das Fundament, an dem die wühlenden Geister zu nagen suchen, ist die Erkenntnis, daß der Stammapostel für uns der verkörperte Weg der Wahrheit und des Lebens ist. Er ist der Weg, weil wir ihm folgen  und unseren Fuß in seine Fußtapfen setzen, von ihm hören wir die Wahrheit, weil der Geist, der in alle Wahrheit leitet, aus ihm redet, er vermittelt uns das geistliche Leben, weil er der Träger des geistlichen Lebens ist. Quelle: Wächterstimme aus Zion, 1. Januar 1929, Seite 4-5. Gefunden von Naktalk.de

Dass in der Bibel Jesus von sich sagt,  „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh. 14,6) und an anderer Stelle „Wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12)   wurde damit relativiert und auf den Stammapostel hin umgedeutet. Und in Apg.4, 11f  wird über Jesus gesagt: „Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist. Und ist in keinem andern Heil, ist auch kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden.“ Diese christliche  Glaubensgrundlage wird mit der theologischen Zentrierung auf den Stammapostel eindeutig verlassen und das erwartete Heil von nun an von der Stammapostelnachfolge abhängig gemacht! Ab jetzt sollte der Stammapostel zielgerichtet und strategisch geplant in das  Zentrum des neuapostolischen Glaubens gerückt werden!  Dass damit gleichzeitig ein strategisch gewollter Personenkult um JGB auf den Weg gebracht wurde, liegt auf der Hand!

1930 wurde zunächst der in der Weimarer Zeit gestrichene 10. Glaubensartikel, der in den 1922er Statuten eben fehlt,  zeitgleich mit dem aufkommenden Nationalsozialismus wieder eingeführt. Karl-Peter Krauss (Jg 55) schreibt in seinem bereits erwähnten Buch „Inszenierte Loyalitäten?  Die NAK in der NS-Zeit“ dazu folgenden Anmerkungen:

 „Die traditionellen Verhaltensmuster der Neuapostolischen Kirche — und vieler anderer Kirchen — waren auf den totalitären Staat nicht vorbereitet, denn das totalitäre System erzwang ein „fast vollkommenes Monopol der Kontrolle‘“. Damit wurde der 1930 wieder eingeführte, auf dem Römerbrief, Kapitel 13, 1-7 beruhende 10. Glaubensartikel, in dem es um den Gehorsam gegenüber der weltlichen Obrigkeit ging, in der damaligen Form ad absurdum geführt. Er war auf eine andere Staatsform gemünzt, sicher nicht auf eine, die eine „umfassende Kontrolle über alle Lebensbereiche“ anstrebte. […]“Krauss a.a.O. S.121 ff

Und an anderer Stelle behauptet Krauss:

Es ist dabei kaum anzunehmen, dass 1930 und damit drei Jahre vor der „Machtübernahme“ der Nationalsozialisten von einer solchen ausgegangen werden konnte. Die NSDAP errang zwar am 14. September 1930 erstmals über 18 Prozent der Stimmen, doch die Entscheidung für die Aufnahme des Glaubensartikels steht wohl eher in Zusammenhang mit der krankheitsbedingten Versetzung des damaligen Kirchenleiters Hermann Niehaus in den Ruhestand am 21. September 1930. Insofern ist die erneute Aufnahme dieses Glaubensartikels im Jahre 1930 eher als Akzeptanz der Verfassung der Weimarer Republik zu werten.“  Kraus: a.a.O. S. 23

Wenn das tatsächlich ein Bekenntnis zur Weimarer Republik gewesen sein sollte, kam die Wiedereinführung deutlich zu spät. Der Artikel wurde gerade wegen der Weimarer Republik und ihrer politischen Ausrichtung in den Statuten von 1922  gestrichen. Eine gewählte Regierung ist nicht von Gott gesetzt, sondern vom Volk bestimmt. Fraglich auch, was der Ruhestand von Niehaus in diesem Zusammenhang bedeuten soll. Fakt ist:

„Schon während der Kaiserzeit und vor allem im Dritten Reich hatte dieser Artikel für die Mitglieder der NAK eine besondere und durchaus auch politische Dimension, weil durch ihn eine strikte Trennung zwischen Staat und Kirche aufgelöst wurde. Die staatlichen Vorgaben und Ziele konnten dadurch - und dies besonders in der Zeit des NS-Terrors - in der NAK zu Glaubensgrundsätzen erhoben werden. In einem Aufruf ohne Datumsangabe (19??) von Stammapostel Niehaus Zur Reichstagswahl hieß es schon:

Vom Standpunkte des Glaubens sind wir bei jeder Wahl verpflichtet, die Regierung zu unterstützen, denn wir glauben, die Obrigkeit ist Gottes Dienerin*. Als Gottes Volk sind wir verpflichtet, die Dienerin Gottes, die Obrigkeit zu stützen, und zu schützen gegen die revolutionären Bestrebungen und Strömungen, ganz egal ob sie "rot" oder "schwarz" sind. [...] Wir fordern hierdurch unsere Mitglieder auf, ihr Wahlrecht und auch ihre Wahlpflicht auszuüben. Wir halten es für eine heilige Pflicht, nur solche Männer zu wählen, die die Kaiserliche Regierung stützen. Das ist unser Stellung und öffentliche Erklärung.    gez. H. Niehaus“

Und in den „Allgemeinen Hausregeln“ von Niehaus (1908) ist  - das Kaiserreich unterstützend - zu lesen:

 „Personen, welche Verächter der politischen und religiösen Einrichtungen des Staates und der bürgerlichen Gemeinde sind, welche umstürzlerischen, staatsfeindlichen Bestrebungen huldigen oder Verbindungen angehören, welche solche auf ihre Fahne geschrieben haben, können nicht Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde werden."  (Zitat aus: Detlef Streich 2021, Anmerkungen zur NAK zu Zeiten des Kaiserreichs, des  Nationalsozialismus und in der DDR, Kap. 2 

Krauss lässt offen, was die Gründe seiner behaupteten Interpretation zur Wiedereinführung des 10.GA  sind, mit quellenbasierten Fakten stimmt sie jedenfalls nicht überein!

Die Zahlen zeigen folgendes Bild: 1928 bekam die NSDAP 2,6 % der Stimmen, 1930 bereits als zweitstärkste Partei die erwähnten 18,3 %. Zu dieser Zeit war nur die SPD mit 24,5 % mit mehr Stimmen vertreten.  Die dann 1933 von der NSDAP erreichten 37,3% lagen also auch als Stimmung in der Bevölkerung durchaus erwartbar  in der Luft. Auch Stap Bischoff unterstützte  bereits in den Jahren zuvor die NSDAP mit enormen Geldspenden. „Die finanzielle Unterstützung in Form geleisteter Spenden betrug laut Bischoffs eigenem Lebenslauf (datiert vom 2.8.1933) im Zeitraum von 1931 (!) bis September 1933 , also auch bereits deutlich vor der Machtübernahme Hitlers, insgesamt 137.541 RM, eine durchaus sehr beachtliche Summe! Der Durchschnittsverdienst in dieser Zeit betrug pro Monat ca. 165 RM. Ein Arbeiter hätte also für diese Spendensumme knapp 70  Jahre durcharbeiten müssen.“ (Quelle ebd. NAK im Nationalsozialismus)

Geradezu absurd mutet somit die von Krauss einfach nur erhobene Behauptung an, die erneute Aufnahme des 10. Glaubensartikels sei Ausdruck der Akzeptanz der Weimarer Verfassung, da gerade in dieser Zeit der zuvor nämlich geltende Artikel gestrichen wurde! Nachgewiesene Loyalitäten seitens der NAK-Führung gab es  nur zu autoritären Regierungen, die dem eigenen Bild entsprachen! (siehe z.B. hier)

 

4. Die Statutenänderungen von 1933

Versuchen wir, den Ereignissen im Jahr 1933, in dem sich der politische Machtwechsel im Deutschen Reich vollzog, kurz  chronologisch nachzugehen.  Am 30.1.33 ließ sich Hitler zum Reichskanzler ernennen. Durch diese Machtergreifung begann Deutschlands Weg in die Diktatur. Von Propaganda unterstützt und von nationalsozialistischem Terror und Notverordnungen begleitet wurde die kommende Reichstagswahl vorbereitet und mit 3 Millionen Reichsmark durch Spendengelder der Industrie gefördert. Hitler erreichte am 5. März 33 die Stimmenmehrheit und brachte sich durch weitere politische Verordnungen und Manipulationen unter Ausschaltung demokratischer Rechte  im Verlauf des Jahres in die Rolle des „Führers“ mit uneingeschränkter, diktatorisch ausgeübter Macht!

Bereits am 21.März 33, dem Tag von Potsdam, gab JGB zur Eröffnung des neuen Reichstags  sein politisches Credo ab und „verkündigte unter Zugrundelegung von Sir.10,5, daß jetzt der von Gott gesandte Führer gekommen sei. Den Text der Ansprache ließ er samt vielen Unterlagen in die Reichskanzlei schicken.“ (Kurt Hutten, Seher Grübler Enthusiasten - 1982 - S.477)

"In einem Rundschreiben vom 21.3.1933 machte es der Hauptleiter allen Dienern und Mitgliedern der Neuapostolischen Gemeinden zur Pflicht, der von Gott gegebenen Obrigkeit untertan und gehorsam zu sein. Er forderte ferner auf, für die Obrigkeit zu beten und im Gemeinde- und Staatsleben die gegebenen Gesetze und Verordnungen gewissenhaft zu befolgen. Er wies auf eine Verfügung des Hauptleiters der Neuapostolischen Kirche aus dem Jahre 1908 hin, worin gesagt ist, daß die Neuapostolischen in Staat und Gemeinde sich so bewegen sollen, daß ihre Mitmenschen von ihnen lernen können und daß sie die Ersten in der Treue zur Obrigkeit und zum Vaterland sein sollen." (1933 Reichsstatthalter Epp, Aktenmaterial über die NAK, 1934-1935, Akt Reichs.st.h. 638/1, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München)

Gleichzeitig wurde auch der Machtwandel innerhalb der NAK eingeleitet und der Stammapostel als alleinige Führungsinstanz installiert  (siehe nächstes Kapitel). Ihm gegenüber galt es fraglos nachzufolgen und im Gehorsam zu stehen. Im Gelöbnis  von 1922 wurde der Begriff „Gehorsam“ überhaupt nicht verwendet. Der allseits bekannte Slogan der Nazis zur  Reichstagswahl „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ wurde nun sinngemäß auch auf den Stammapostel und die Mitglieder der NAK übertragen und zur neuapostolischen Grundregel erklärt! Dieser eingeforderte Glaubensgehorsam hat aber Tradition in der NAK und wird von Wolf in einer Weise definiert, die noch heute Gültigkeit hat: „Ein neuapostolischer Christ muß in religiösen Fragen so dumm als möglich sein - man nennt das "kindlich" - Dummheit ist sogar einmal in Dresden im Gottesdienst gleichsam als Ideal hingestellt worden! Der Verstand ist vom Teufel, er hat einen Bund mit der Hölle geschlossen - das ist eine der neuapostolischen Fundamental-"Wahrheiten". So werden die Menschen dumm gemacht und gegen alles abgestumpft, was nicht von der Neuapostolischen Gemeinde  ausgeht; das Ergebnis ist dann das gewünschte blinde Vertrauen und der neuapostolische "Glaubensgehorsam".“ Wolf a.a.O. S. 6f

In einer mir vorliegenden und hier erstmalig in den wesentlichen Aussagen öffentlich gemachten Verfassung der NAK-Preußen von 1933 (Quelle: Bundesarchiv) werden die neu beanspruchten Befugnisse des Stammapostels konkret benannt und somit kirchenpolitisch legitimiert. Ausdrücklich wird darin jetzt festgelegt, dass alleine der Stammapostel als höchste Autorität  das Recht hat, neu zu ordinierende Apostel selbst  zu bestimmen, sie  „in ihr Amt einzuweisen“ und  bei Verstößen „gegen die Lehre“ auch die Befugnis hat, sie und jeden anderen Amtsträger „abzuberufen!“. Das Mitspracherecht des Apostelkollegiums (Wahl) wurde damit zumindest kirchenrechtlich ausgeschaltet!

Diese Statutenänderung wurde am 25. April 1933 gültig, also kurz nach der Reichstagswahl und der Machtergreifung Hitlers. Der ausgearbeitete Statutentext musste natürlich bereits zuvor entworfen worden sein.

Im Artikel 11 der preußischen NAK-Statuten von 1933 wird festgelegt (Hervorhebungen nicht im Original):

Der Hauptleiter (Stammapostel).

Der Hauptleiter wird von der Bezirksleiterversammlung der Neuapostolischen Kirchen Deutschlands bestellt. Er muss Reichsdeutscher sein und in Deutschland wohnen. In Sachen  des Glaubens und der Lehre ist er oberste Autorität, sodass er befugt ist,  solchen Beschlüssen der Landesversammlung und  des  Landesvorstandes, die gegen die Lehre der Kirche verstossen, die Genehmigung zu  versagen. Alle Beschlüsse bedürfen zu ihrer  Gültigkeit der schriftlichen Zustimmung  des Hauptleiters.

Es gehört zu seinem speziellen Aufgabenkreis, die Bezirksleiter und deren Vertreter zu ernennen und in ihr Amt einzuweisen. Er hat ferner die Befugnis, die benannten sowie alle übrigen Religionsdiener nötigenfalls abzuberufen.  Im Fall ein Bezirksleiter durch Krankheit oder zu hohes Alter seine Amtspflichten  nicht mehr erfüllen kann oder sich durch sein Verhalten mit der Lehre der Neuapostolischen Kirche in Widerspruch setzt, hat der Hauptleiter für eine geeignete Vertretung oder für die Bestellung  eines anderen Bezirksleiters zu sorgen.

Vorstehende Verfassung ist sämtlichen Neuapostolischen Kirchengemeinden in Preussen zur Beschlussfassung vorgelegt und nach erfolgter Zustimmung der Landesversammlung der Neuapostolischen Kirche in Preussen beschlossen worden.

Frankfurt a/Main, den 25. April 1933.

Das Dokument ist unterzeichnet mit:

Neuapostolische Kirche in Preussen,

              Der Hauptleiter:

             gez. J.G.Bischoff.

Quelle: Verfassung der NAK-Preußen von 1933 S. 6, 7 und 13  (Transkription  und Formatierung D. Streich Juli 2021)

Ferner liegt mir eine gedruckte, fast wortgleiche Fassung vor. Dort heißt es unter 12/19: „Abänderungen der Verfassung, die von der zuständigen Behörde für die Verleihung der Körperschaftsrechte gestellt werden, darf der Landesvorstand vornehmen. Vorstehende Verfassung ist sämtlichen Neuapostolischen Kirchengemeinden in Preussen zur Beschlussfassung vorgelegt und nach erfolgter Zustimmung der Landesversammlung von dem Landesvorstand der Neuapostolischen Kirche in Preussen beschlossen worden.“ (Quelle: Gedruckte, vollständige Verfassung NAK  Preussen 1933)

Der hervorgehobene Einschub macht deutlich, dass das kirchenpolitische Ziel  neben der Stärkung des Stammapostelamtes auch die Anerkennung der NAK als KdÖR war. Dazu ist es aber in der Zeit des NS-Regimes nicht mehr gekommen.

Die mit der Maschine geschriebene Fassung war demnach der Vorläufer, über den in der Landesversammlung zunächst abgestimmt wurde. „Die Landesversammlung setzt sich zusammen a) aus den Vertretern sämtlicher anerkannten Gemeinden der Neuapostolischen Kirche in Preussen (ein Vertreter kann mehrere Gemeinden vertreten); b) aus den Bezirksleitern und deren Vertretern; c) aus dem Hauptleiter als Vorsitzenden.“  Quelle: Statuten 1933  

Da die KdÖR das Ziel war, kann spekuliert werden, dass diese Verfassung  in ganz Deutschland einheitlich hätte übernommen werden sollen. Dafür spricht auch die Formulierung in § 2 der Hausregeln von 1932 zur Überschrift „Organisation“: „Sämtliche neuapostolische Gemeinden des In- und Auslandes bilden ein geschlossenes Ganzes, die Neuapostolische Kirche. […] Die Leitung der Kirche liegt in den Händen des Hauptleiters (Stammapostel), der die oberste Autorität in allen kirchlichen Angelegenheiten ist.“ Quelle:  S. 7 f Hausregeln_1932.pdf (apostolische-geschichte.de) Sicher ist auch die teilweise Vereinigung als eingetragener Verein, denn a.a.O. ist auf  S. 2 als Herausgeber zu lesen: „Vereinigte Neuapostolische Gemeinden Süd- und Mitteldeutschlands e.V. Abteilung Hausdruckerei, Frankfurt a.M,West, Sophienstraße 75.“

Auch wenn das  Ziel der Anerkennung als KdÖR in ganz Deutschland nicht erreicht wurde, machen diese Statuten  von 1933 die angestrebte, verschärfte  Zentralisierung der Macht in der NAK durch Stammapostel Bischoff quellenbasiert deutlich! Mit diesem Regelwerk konnten ohne Mitbestimmungs- oder Vorschlagsrechte diejenigen Amtsträger als Apostel ordiniert werden, von denen der Stammapostel zumindest glaubte, dass sie ganz auf seiner Seite waren. Es bleibt allerdings offen, ob 1933 noch die Statuten von 1922 galten oder doch eine gänzlich andere Fassung, die den Ansätzen der preußischen Formulierungen entspricht. Aber auch aus anderen Quellen wird das Ziel der Machtzentrierung klar bestätigt. Apostel Kuhlen, der 1935 zum Apostel berufen wurde,  berichtet:

„Fritz Bischoff war immer ein strikter Vertreter der Theorie, dass der Stammapostel allein entscheide und die Apostelversammlung nicht gehört werden brauche. Schon in der Zeit, als ich in den Apostelkreis kam, (1935) sagte mir Apostel Rockstroh, dass die Apostelversammlung einem Marionetten-Theater gleiche, wo einer die Köpfe aller andern an der Strippe halte, und wenn dann dieser eine an der Strippe ziehe, denn nickten alle andern "Ja". Es war im Apostelkreise kaum noch Mut, irgendwie zu Themen Stellung zu nehmen, vor allen Dingen dann nicht, wenn man fühlte, der Stammapostel dachte zu einer Sache anders als die andern Apostel. Apostel Schall sagte mir 1950: "Wenn einer es mit Fritz verdirbt, der fällt in Ungnade." Und Apostel Weinmann sagte 1950: "Wer es mit Fritz verdirbt, der verdirbt es mit dem Chef." Quelle:  Transkription der Originalkopie: Diverses hinsichtlich Einfluss Fritz Bischoff in der Leitung – Bericht von Apostel Kuhlen, ca. 1950

Politisch und kirchlich wurde die Macht auch in der NAK auf eine einzige Person verschoben, der gegenüber man sich zunehmend zum unbedingten Gehorsam verpflichtete. Nicht Anbiederung an das politische System war also alleine das Ziel, sondern explizit auch der Ausbau der eigenen  Macht! Der politische Umbruch in die Diktatur wurde dazu benutzt, die neue Machtausrichtung in der NAK zu begründen und sie wie nie zuvor zu stabilisieren!

 

5. Zwiefältige Verpflichtungen

Durch die staatlich verordnete Veränderung wurde gleichzeitig bestätigt, dass die kirchliche Zentrierung auf den Stammapostel ebenso berechtigt und richtig war, ja sogar auf Gottes Willen gründete, wie die politischen Umbrüche.

Karl-Peter Krauss zitiert und kommentiert in seinem Buch zwei Predigtzitate zur Rolle des „Führers“ Adolf Hitler als dem „von Gott gesandten Volkskanzler“,  die  hier genauer betrachtet werden sollen.

Stammapostel Bischoff im August 1933: „Der Kirchenleiter […], predigte nun unter anderem, dass wir „durch die natürliche Geburt [...] Bürger und Volksgenossen von dem Staate, in dem unsere Geburt stattfand“, seien. Hingegen sei „der Mensch ein Bürger und Volksgenosse des Reiches Christi“ durch die „Wiedergeburt“. So hätten „wir eine zwiefältige Verpflichtung, erstens, daß wir da, wo wir geboren sind, uns als treue, ehrbare, rechtschaffene, gewissenhafte Staatsbürger beweisen, die dem von Gott gegebenen Führer Gehorsam leisten. Was das Reich Christi betrifft, da gibt Gott auch einen Führer [...].“ Dieser Argumentation folgend fuhr Johann Gottfried Bischoff fort: Gott hat aber für unser Vaterland einen Mann erweckt, der im bittersten Elend heranwuchs, wodurch er mit seinen Volksgenossen ein Herz voll Mitleid bekam, dem es nicht wohl war, wenn er ein Stückchen Brot hatte und ein anderer nicht. Man tat ihn ins Gefängnis, er wurde bekämpft, man hat [...] auf ihn geschossen, aber er war der von Gott erwählte Führer des deutschen Volkes.“ So kam er zu dieser Schlussfolgerung:Damit ist bewiesen, daß die Neuapostolischen, vom Stammapostel bis zum geringsten Glied nicht staatsfeindlich sind.“ Quelle Krauss a.a.O. Seite 41ff

Krauss schließt daraus: „Die Argumentationslinie von Bischoff lässt tiefe Einblicke zu: Offensichtlich ging der Kirchenleiter davon aus, dass die Kirche vom Regime als staatsfeindlich eingeschätzt wurde. […] Wider besseres Wissen wurde die „Obrigkeit“ gepriesen. Das Verhalten entsprach wohl in idealtypischer Weise einer „inszenierten Loyalität“. Dass es retrospektiv betrachtet verstörend wirkt, bedarf keiner näheren Ausführung.“ Krauss a.a.O. S. 41

Es ist nicht nachvollziehbar, dass diese eindeutigen und unmissverständlichen Aussagen des Stammapostels von Krauss  derart umgedeutet  und sie allen Ernstes sogar in „idealtypischer Weise“ als „inszenierte Loyalität“ interpretiert werden!  Auch ist seine aufgestellte Behauptung, JGB hätte „wider besseres Wissen die Obrigkeit gepriesen“ alleine aufgrund dieses und des nächsten Zitates unverständlich.

Das zweite von Krauss erwähnte Zitat stammt vom Juli 33, müsste also eigentlich als Vorlauf des eben zitierten Textes vorangestellt untersucht werden müssen, da die eine Aussage auf der anderen aufbaut. In diesem früheren Zitat zeigt sich JGB´s Haltung  noch sehr viel deutlicher:

Stammapostel Bischoff am 24. Juli 1933: „Das Überirdische, Geistliche hat in dem Natürlichen seine Gleichnisse und seinen Niederschlag: lernen wir allen Ernstes daraus. Deutschland durchlebt  gegenwärtig auch seine Wiedergeburt. Der Führer des deutschen Volkes hat längst erkannt, daß es zwecklos gewesen wäre mit Parteilappen das alte Kleid zu flicken oder den neuen Wein in die alten Parlamentsschläuche zu füllen: denn da wäre alles verloren gewesen, die neuen Lappen sowie auch der neue Wein (Geist). Er hat in der rechten Erkenntnis für den neuen Geist (Wein) neue Männer (Schläuche)  genommen und für das alte Kleid ein neues gegeben. Er wird nicht eher ruhen und rasten, bis Deutschlands Wiedergeburt in allen Zweigen und auf allen Gebieten restlos durchgeführt ist. Er wird den alten Systemen weder Zweig noch Wurzel lassen, denn er hat erkannt und weiß ganz genau: Würde er von dem alten Geist etwas mitübernehmen, dann würde sich dies wie ein Pilz im Volkskörper des neuen Reiches unheilvoll auswirken. Wer anders denkt, kennt weder den Volkskanzler Adolf Hitler noch den lebendigen Gott, der ihn zu dieser Arbeit erwählt, ausgerüstet und gesandt hat. Diese Revolution erstreckt sich auch auf das kirchliche Gebiet.“ Krauss a.a.O. Seite 46f

Der Stammapostel verbindet in diesen, den Mitgliedern gepredigten (!) Aussagen die Dogmen des NAK-Glaubens mit den staatlichen NS-Denkvorgaben. Dies ist kein spontan „inszenierter“ Einfall innerhalb der Predigt, um sich nur anbiedernd vor Verfolgungen zu schützen. Die von JGB strukturiert gezielte Verknüpfung beider jeweils autokratisch ausgerichteten Systeme zu einem neuen, jetzt übergeordnet gültigen Denk- und Machtsystem (restlose Wiedergeburt und politische und kirchliche Revolution) rechtfertigt  - politisch bestätigt - Bischoffs eigene Führer-Rolle als Kirchenleiter. Der Hauptleiter und Stammapostel selbst hebt das deutlich hervor und fordert von seinen Mitgliedern die zwiefältige Verpflichtung ein, den von Gott gegebenen Führern Gehorsam zu leisten und ihnen in allen Punkten zu folgen, weil dies der aktuelle göttliche Wille sei. Dies ist beileibe nicht nur ein notwendiges „Preisen“ der Obrigkeit, oder eine „aus Angst vor einem Verbot“ „kalkulierte Konformität“, wie Krauss interpretiert (Krauss a.a.O. S. 46), sondern eine eindeutige Übertragung der Machtprinzipien des Terrorregimes auf die kirchenpolitischen Führungsstrukturen der NAK. Folglich gilt: „Wer anders denkt, kennt weder den Volkskanzler Adolf Hitler noch den lebendigen Gott, der ihn zu dieser Arbeit erwählt, ausgerüstet und gesandt hat. Diese Revolution erstreckt sich auch auf das kirchliche Gebiet.“

Diese Verbindung ist keine spontan „inszenierte Anbiederung“ an das NS-Regime im Rahmen einer frei gehaltenen Predigt zum Schutz vor staatlicher Verfolgung. 1935 wurde die Notwendigkeit des „einen“ Führers in einem Buch mit dem Titel „Ämter und Sakramente der Neuapostolischen Kirche" (Verlag Friedrich Bischoff, 1935) mit dem Versuch theologischer Begründungen wie folgt ausgeführt:

Auszüge ebd. S. 32ff, (Hervorhebungen fett nicht im Original)

Unter der Schar der Apostel war er (Petrus) das anerkannte Haupt, und sein Wort entschied in vorkommenden Meinungsverschiedenheiten. Er sorgte für die einheitliche Verkündigung des Evangeliums und überwachte die Lehre und die Geistesoffenbarungen und veranlaßte die Aussonderung weiterer Apostel. Petrus war nach der göttlichen Ordnung der  eine Leiter der Kirche Christi, seinem Mitaposteln zur Hilfe und allen Gläubigen zum Großen Segen.

Wir haben nun die Beweise, daß Gott seinem Volke  einen  Leiter nach seinem Willen gegeben hat, nach den mancherlei Beispielen der Heiligen Schrift zu Genüge angeführt. Wir sehen daraus, daß sich der Herr auch stets zu den von  ihm erwählten Männern bekannte. […]

Die Geschichte des Erlösungswerkes Gottes lehrt und zeigt uns, daß die verderbende und zerstörende Macht stets in der Vielheit offenbar wird, aber niemals in der Einheit. Gott hat seine Macht stets in der Einheit entfaltet, indem er den ihm anvertrauten Seelen und seinem Volke  ein  sichtbares Haupt gab, von dem aus dem ganzen Leib die göttlichen Segnungen und Gnadenerweisungen zuteil wurden. Zu allen Zeiten war die Arbeit der Gottesboten von größtem Erfolg gekrönt, wenn sie sich im Vertrauen dem  einen von Gott erwählten Friedensboten unterstellten. […] Sollte es dann in unserer heutigen Zeit anders sein? Mitnichten. Warum sollte Gott seinen Plan […] in irgendeiner Form ändern? Wäre es zu verstehen, wenn Gott […] sich nunmehr in einer Vielheit den Menschen offenbaren wollte?  Er weiß, weshalb er die Verantwortung für seine Heilseinrichtungen in  eine  Person gelegt hat. Die Schrift beweist unwiderlegbar, daß Gott immer, wenn er den Menschen seine Liebe zeigte, einen  Menschen zum Hauptsegensträger erwählte. Es zeigt sich ja auch im natürlichen Leben, sei es im Staate oder in einem Privatunternehmen, an deren Spitze man  einen  König, einen  Führer, einen  Direktor stellt, die für das ihnen Anvertraute die Verantwortung tragen […]“

Gerade durch diese erweiterten Ausführungen beweist  sich eindeutig die eigentlich beabsichtigte Stärkung des Stammapostels. Zusätzlich zeigt sich auch durch die mühelose Übernahme des nationalsozialistischen Vokabulars und Gedankengutes in der Predigt in Bezug auf die eingeforderte Macht die Konformität JGB´s  mit den Führungsvorstellungen des Terrorregimes. Dazu schrieb ich bereits in meiner Ausarbeitung „DS Anmerkungen zur NAK zu Zeiten des Kaiserreichs, des  Nationalsozialismus und in der DDR“, dass der 1930 wieder eingeführte 10 GA es der NAK-Führung ermöglichte, „die funktionale  Trennung zwischen Staat und Kirche aufzuheben und die jeweiligen politischen Ziele zu gleichrangigen Glaubensgrundsätzen zu erheben, denen die NAK-Mitglieder in absolutem Gehorsam folgen mussten. Dies konnte funktionieren, weil die Struktur diktatorischer und totalitärer Systeme auch den Struktur- und Wertevorstellungen der autoritären Kirchenführung entsprach. […] Keinesfalls ging es - wie offiziell bisher stets behauptet – um eine bloße Anbiederung oder erforderliche Anpassung als Überlebensstrategie an diese zeitbedingten politischen Systeme. Die Ursache der Annäherung liegt vielmehr in der Gleichartigkeit des Denkens: Das Ziel und Kernstück beider Systeme ist nicht das Wohl der an sie glaubenden Menschen, sondern die voraussetzungslose und absolut eingeforderte, unbedingte Nachfolge gegenüber den jeweils geistlichen Führern und der Erhalt ihres Machtapparates. Die Person als Einzelne galt nichts, sondern ihre uneingeschränkte Hingabe an die  Sache. Die vollständige Unterstützung der aufgebauten Institutionen und Strukturen waren kirchlich wie politisch der Gradmesser ihrer Treue zum System, auch und explizit zur Institution der NAK.“ Quelle: ebd. zitiert aus: Abstract

Damit ist diese Aussage von JGB, die Mitglieder der NAK hätten "eine zwiefältige Verpflichtung, erstens, daß wir da, wo wir geboren sind, uns als treue, ehrbare, rechtschaffene, gewissenhafte Staatsbürger beweisen, die dem von Gott gegebenen Führer Gehorsam leisten. Was das Reich Christi betrifft, da gibt Gott auch einen Führer“ keine Anpassung an die Verhältnisse, sondern durch die politische Grundierung Amtsmissbrauch zum eigenen Vorteil mittels Unterdrückung und Überwachung. Beides zusammen sind neben der Kontrolle der Schriften von jeher schon  immer die repressiven Partner von diktatorisch-autokratischen Systemen gewesen, um die eigenen, ideologischen Vorgaben zum System- und persönlichen Machterhalt konsequent durchzusetzen. Jeder daran Beteiligte, dem der Systemschutz auch in der NAK den Interessen und dem Schutz der in ihm lebenden Menschen vorgeordnet ist, muss somit eindeutig als Systemagent und Faschist bezeichnet werden. Und dies gilt jedem Amtsträger der NAK auch und vor allem in der Nachkriegszeit, der Vater und Sohn Bischoff auf ihrem Weg zur absoluten Macht nicht offen in den Weg getreten ist, obwohl er die Mittel, Einsichten und Möglichkeiten dazu gehabt hätte! Eine politische Verfolgung drohte nun nicht mehr, nur der persönliche Machtverlust, der die fehlende Courage zwar erklärt, aber keinesfalls entschuldigt. Die durch die Botschaft hervorgerufene Abspaltung mit all ihren furchtbaren Folgen und menschlichen Verteufelungen hätte aufgehalten werden können, wenn die von Kuhlen auftragsgemäß erarbeiteten  und mit dem Apostelkollegium abgestimmten Statutenveränderungen, die bereits genehmigt und von allen unterzeichnet worden waren, nicht kurzer Hand am 2.7.1950 von Vater und Sohn rechtswidrig in der Luft zerrissen worden wären.

Wegen ihrer enormen Bedeutung seien diese Statuten von 1950 an dieser Stelle erwähnt:

• Der Stammapostel wird nicht mehr auf Lebenszeit sein Amt ausführen und ist wie jedes Mitglied abrufbar (§ 4).

• Das Vorschlagsrecht für Apostelberufungen steht nun jedem Mitglied des Apostelkollegiums zu (§ 3).

• Das Gelöbnis eines neuordinierten Apostels musste „vor Gott, dem Stammapostel und dem Apostelkollegium“ abgelegt werden und er hatte seinen Dienst gemäß den Bestimmungen dieser neuen Statuten auszuführen, womit eine Anbindung an das Apostelkollegium und nicht direkt an das Stammapostelamt verbunden war (§ 3).

• Apostelversammlungen musste der Stammapostel künftig bereits auch dann einberufen, wenn wenigstens 50% -und nicht wie bisher 75% -der Apostel dies wünschten. Eine Beschlussfähigkeit konnte jetzt ebenfalls mit einer geringeren Prozentzahl als vorher hergestellt werden.

• Der Stammapostel wird nicht mehr von seinem Vorgänger bestimmt, sondern von den Aposteln gewählt.

• Das Vorschlagsrecht für die Wahl eines Stammapostelnachfolgers und –helfers liegt nun nicht mehr allein beim Stammapostel, sondern bei allen Aposteln (§ 6).

• Ein zu Lebzeiten eines Stammapostels einmal gewählter Stammapostelnachfolger tritt ohne weitere Wahl – wie dies jedoch in der Satzung von 1922 noch vorgesehen war – das Amt des Stammapostels an (§ 6). […]

• Abänderungen oder Ergänzungen der neuen Statuten bedurften der Zustimmung des Apostelkollegiums und nicht allein des Stammapostels (§ 11).

• Bei Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung der Statuten entscheidet die Apostelversammlung und nicht der Stammapostel allein (§ 12).“

Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 25

 (lies dazu ausführlich hier)

 

6. Fatale Schlüsse?

 „[…] es wäre fatal, ausschließlich dem bislang gängigen Interpretationsmodell zu folgen, indem fast nur die Akten des NS-Staates oder die bei den Überwachungsorganen und Behörden dort eingegangenen Schriftstücke der Kirche für eine Bewertung herangezogen würden. Es wäre jene wenig überzeugende Methode des oben zitierten Urgroßvaters: „Hier steht es. Also ist es wahr.“ Gerade die Interpretation von Dokumenten in Diktaturen und insbesondere deren Geheimdienste setzen ein intensives quellenkritisches Vorgehen voraus. Sonst wird die Sichtweise des Unterdrückerapparates unkritisch übernommen.“ Kraus: a.a.O. S. 18

Diese Kritik ist  - auf einige Quellentexte bezogen -  zumindest teilweise durchaus nachvollziehbar. Vermutlich waren beide weder Judenhasser noch eifrige Parteigänger. Die Verkürzung auf diesen Betrachtungswinkel wird der Bewertung von Vater und Sohn aber nicht gerecht: Faschisten sind eben nicht alleine über den Judenhass zu definieren, sondern durch die rücksichtslose Umsetzung ihrer ideologischen Vorstellungen innerhalb der von ihnen konstruierten Parallelwelt. Die Gleichartigkeit des Denkens (siehe Stiegelmeyr Glaubensgehorsam als Bindeglied zur staatlichen Diktatur) ist ausschlaggebend, nicht die zu glaubenden Inhalte. Ideologien müssen sich nie an der Wirklichkeit oder Wahrheit messen lassen. Beides wird vom aufgebauten Wahn ersetzt! Hierzu sind bezüglich der NAK – soweit muss man Krauss Recht geben – nicht die NS-Akten allein ausschlaggebend, sondern besonders die eigenen Schriften und Predigten. Der von Krauss erwähnte „Unterdrückerapparat“ dieser Zeit ist aber nicht – wie er es unterstellt - allein das faschistische NS-Regime, sondern für die NAK-Mitglieder und Amtsträger auch das Duo Vater und Sohn Bischoff. Und genau deren strategisches Vorgehen und ihre fokussierten Ziele müssen im Zusammenhang mit internen  Quellen einer genauen, kritischen Analyse unterzogen werden. Ansonsten wird in diesem Fall tatsächlich „die Sichtweise“  der NAK-Führung und ihres aufgebauten „Unterdrückerapparates“ in Schrift und gesprochenem Wort „unkritisch übernommen.“ Und das ist vom Gesamtgeschehen aus gesehen nicht nur faktisch falsch, sondern wirklich fatal!  Der Kirchensprecher Johanning ist dafür ein deutliches Beispiel. Im Vortrag  „Alte und neue Zeit“ zur Entwicklungsgeschichte der NAK von 2003 behauptet er:

Indem die Kirche ihre Eigenständigkeit bewahren konnte, verschaffte sie ihren Mitgliedern die Möglichkeit, ungeachtet der totalitären staatlichen Beeinflussung ein nach christlichen Werten orientiertes Leben zu führen. [...]sie waren weder Judenhasser noch Brandstifter, allerdings auch keine Widerstandskämpfer. Sie haben vor allem die theologische und seelsorgerische Betreuung der Gemeinden im Blickfeld gehabt.“  (Quelle ebd. S. 6)

Das Gegenteil wurde bereits nachgewiesen! Die vorhandenen Fakten zur NAK im NS-Regime können als Zusammenfassung hier verkürzt nachgelesen werden:  Exzerpt: Die NAK im Nationalsozialismus in 20 Punkten  oder ausführlich im Exkurs: Die NAK im Nationalsozialismus.

Das von Krauss kritisierte,  nicht intensiv quellenkritische Vorgehen wird auch durch Auslassung wesentlicher Informationen bei ihm selbst deutlich: Indem Krauss die neuapostolischen Quellen weitestgehend unkritisch  in seinen Ausführungen übernimmt bzw. inhaltlich eindeutige Aussagen  sogar  beliebig als politische Überlebensnotwendigkeit uminterpretiert, kommt er  – wie dargestellt - selbst zu kritisch zu hinterfragenden Schlüssen und Bewertungen. So behauptet Krauss: „Es waren nur wenige Personen, die zum engsten Kreis des Kirchenleiters gehörten. Es handelte sich um die (stellvertretenden) Bezirksleiter von Frankfurter Kirchenbezirken, Paul Weine (Frankfurt-West), die rechte Hand von Bischoff, dann Wilhelm Glück (Frankfurt Südwest) und Alloys Illig (Frankfurt- Ost). Eine besondere Vertrauensstellung scheint auch Bezirksapostel Arthur Landgraf genossen zu haben, dem 1933 die Leitung des Apostelbezirks Frankfurt übertragen worden war. Daneben gab es den Austausch mit den anderen Aposteln.“ Kraus: a.a.O. S.31

Diese von Krauss genannten “vertrauten Personen“ waren jedoch lediglich nur linientreue Vasallen ohne Mitwirkung am Geschehen der Zeit. Und der behauptete „Austausch mit anderen Aposteln“ war, wie gezeigt,  einseitig, bzw. überhaupt nicht vorhanden! Die eigentlich wesentliche und auf ihn Einfluss nehmende Gestalt war sein Sohn Friedrich. Kraus weiß offensichtlich zumindest in  Teilen um den Einfluss von FB, denn er beschreibt ihn wie folgt:

Friedrich Bischoff war keine unumstrittene Persönlichkeit, er hatte offensichtlich ein ausgeprägtes Repräsentationsbedürfnis. Er fuhr teure Autos und erwarb im April 1933 den Flugschein. Das stieß bei vielen Kirchenmitgliedern nicht gerade auf ungeteilte Zustimmung, zumal damals viele arbeitslos waren. Dass er seine Interessen durchzusetzen wusste und auch mit harten Bandagen kämpfen konnte, mag eine Auseinandersetzung mit dem Bezirksapostel der Schweiz, Ernst Güttinger (1877-1960) im Jahre 1939 illustrieren. Güttinger hatte den Stammapostel um Genehmigung gebeten, die kirchlichen Zeitschriften „Wächterstimme“, und „Der Jugendfreund“ in der Schweiz drucken zu lassen. Von diesem Vorgang informiert wandte sich Bischoff am 24. Oktober 1939 an das Apostelkollegium. Diktion und Duktus des Briefes zeigen nicht nur seine hervorgehobene Stellung, die er als Sohn des Kirchenleiters in Anspruch nahm, sondern auch seine kompromisslose Haltung. So schrieb er, dass er nicht gewillt sei Verlagsrechte „aus der Hand zu geben“, auch dann nicht „wenn seitens der Schweiz dafür eine Zahlung angeboten würde“. Immerhin ging es um 6.732 Exemplare „Wächterstimme“ und 5.822 Exemplare „Der Jugendfreund“, wie er mitteilte. Er sprach von einer „Zumutung, die auf alle Fälle zurückgewiesen werden muss“. Der angeschlagene Ton wirkte machtbewusst sowie überheblich und war durchaus geeignet, den Konflikt zusätzlich anzuheizen. […] Schließlich drohte er sogar dem Apostelkollegium. Wenn sich dieses nicht in der Lage sähe, Güttinger zu veranlassen, seine „Eigenmächtigkeiten“ aufzugeben, würde er sich gezwungen sehen, über das Deutsche Auswärtige Amt beim Schweizer Bundesrat „vorstellig“* zu werden. So könnten Schweizer Gerichte die Verletzung des „internationalen Presserechtes“ ahnden. Mit dieser Drohung überschritt er seine Kompetenzen mit Sicherheit ganz erheblich. *Quelle: ., S 45-47, Schreiben von Friedrich Bischoff an das Apostelkollegium der Vereinigten neuapostolischen Gemeinden, 14.12.1939“ Kraus: a.a.O. S. 121 ff

Diese Charakterisierung von FB stimmt mit meinen Recherchen überein und zeigt, welches Potential im Führungsduo Vater und Sohn steckte, die gemeinsam, zielgerichtet und strategisch geplant den Weg zur alleinigen Macht sehr erfolgreich voran schritten. Jeder, der diesen Bestrebungen im Weg stand, wurde von Anfang an – wie auch das Krauss-Zitat bestätigt -systematisch und gnadenlos bekämpft. Die weiteren, furchtbaren Entwicklungen in der Nachkriegszeit (Botschaft und Abspaltungen) sind durch die  hier beschrieben Verfassungsänderungen und weiteren Maßnahmen unter maßgeblicher Beteiligung von FB erst möglich geworden.

Bereits in den 20er Jahren war die Kirchenleitung der damaligen NAK keineswegs ein demokratisch ausgerichteter, wohltätiger Verein, sondern eine Einrichtung, die wesentlich dazu diente, ihre Mitglieder zu unterdrücken und sie zum Vorteil ihrer Bezirksleiter (Apostel) finanziell auszubeuten. Die aus der Satzung zitierten Festlegungen über die Finanzen und deren mögliche, missbräuchliche Verteilung  haben das aufgezeigt. Auch war „Macht“ schon immer das entscheidende Mittel, diese Bestrebungen umzusetzen. Somit ist der Machterhalt eine der Voraussetzungen zur Stabilität des autokratischen Systems der NAK und ihrer Führung.

Auf dieser traditionellen Grundlage standen also die hier vorgestellten Änderungen der Statuten und des Gelöbnisses, die Vater und Sohn Bischoff in Korrelation  mit den politischen Grundlagen des sich aufbauenden, diktatorischen  NS-Staates strategisch planten und durchsetzten. Sie schufen nichts Neues, perfektionierten aber 1933 die Bedingungen zur weiteren Zentralisierung der Macht des Stammapostels und seines Sohnes Friedrich! Dieser eingeschlagene Weg wurde durch die folgenden Kriegsjahre  und die Einstellung der Publikationen unterbrochen, konnte aber bereits 1948/49  auch nach dem Zusammenbruch des staatlichen Terrorregimes kirchenintern nahtlos fortgesetzt werden.

 

7.  Warnung vom Sekretär des Stammapostels:  Fritz steht nicht im erforderlichen Glauben

Auf Bestreben des Apostelkollegiums wurde für den mittlerweile 77jährigen JGB der Apostel Kuhlen als Helfer und Nachfolger für den Stammapostel gewählt. JGB stimmte dem Anliegen zu und schrieb 1948 noch:  „In diesem Schriftsatz teilten mir die Apostel mit, daß sie den Apostel Kuhlen als meinen Nachfolger erwählt haben. Ich kann die Apostel in dieser Hinsicht verstehen; denn mit vollendetem 77. Lebensjahr ist man kein Jüngling mehr. In diesem Alter ist man dem Tag, an dem einem der Herr Feierabend machen heißt, näher, als wenn man 40 oder 50 Jahre alt ist.“ (Brief Stammapostel Bischoff vom 18. Februar 1948  an Apostel Schneider sen. (Schweiz). Quelle: aus „NAKI Offizielle Zusammenschau AG-Geschichte 2007“ Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, S. 22).

Kuhlens deutlich gemachte Absicht, kollegiale Strukturen einzuführen und Änderungen in der Verlagsleitung vorzunehmen, war aber nicht im Sinne von seinem Sohn Friedrich, der mit seinen 40 Jahren gerade in der unsicheren Nachkriegszeit seine finanzielle Situation festigen wollte. Also galt es zu handeln! 1949 nimmt der Verlag von Kirchengeldern finanziert wieder seine Produktion auf. In der Wächterstimme ist am 1.10.49 klar lesen, dass aber an den aufgebauten Machtstrukturen nichts verändert werden sollte (Autor FB?):

 „Wer sich dieses im Besitz des Stammapostels befindlichen Schlüssels bedienen will, muß das Herz jenes Mannes besitzen, der das völlige Vertrauen des Sohnes Gottes sein eigen nennen darf. Ihm nicht restlos zu vertrauen und seinem Worte nur in Gedanken widerstehen zu wollen heißt, sich wider den Sohn Gottes zu versündigen. Wem der Vater so sein Vertrauen schenkt, wie dem gegenwärtigen Stammapostel, dem sollten wir armen schwachen Menschen doch erst recht restlos vertrauen. Aber gerade darin liegt oft die Tragik einer von Gott besonders gesegneten Schar, daß sie das edelste, was sie besitzt, nicht zu schätzen weiß.“ (Quelle)

Und in der ersten Nachkriegsausgabe ´Unsere Familie` vom 1.10.1949 hieß es im Artikel  "Der Schlüssel des Himmelreichs":

„Durch den dem gegenwärtigen Stammapostel übergebenen Schlüssel des Himmelreichs sind uns alle Erkenntnisse, die das Werk Gottes über alle Religionssysteme so hoch erhebt, übermittelt worden. Auch die guten und neuen Gedanken, die da und dort in den Gottesdiensten der Apostel und Brüder geboren werden, haben in dem Geiste des Stammapostel ihren Ursprung, ihre Quelle, bevor sie in den Worten der Amtsbrüder Niederschlag und Ausdruck finden. [...] Kraft dieses empfangenen Schlüssels handelte er in den zurückliegenden Jahren in einer Weisheit, die über jede menschliche Vernunft erhaben ist.“

Im Amtsblatt der Neuapostolischen Kirche vom 15.6.1952 zu lesen:

„Der Stammapostel allein ist die geoffenbarte Liebe Gottes. Wer sich von ihm trennt, hat sein eigenes Todesurteil unterschrieben.“

1950 überträgt JGB ein zweites Mal ohne Rücksprache mit dem Apostelkollegium seinem Sohn ohne finanzielle Forderungen die Verlagsleitung diesmal sogar mit einer zugesagten Laufzeit von nun  25 Jahren. (Quelle) Von Anfang an manipulierte der 24jährige FB seinen Vater in seinem Sinn, und er sollte das bis zum Lebensende seines Vaters weiterhin betreiben. Hier ein Beispiel aus den 30er  Jahren zur Vorbereitung der späteren Botschaft:

So hat der Stammapostel damals dem Apostel Landgraf kurz nach dem Tode des Priesters Hoffmann in Frankfurt (des Bruders der jetzigen Frau des Stammapostels) berichtet, daß sein Sohn Fritz geträumt habe, der vor wenigen Tagen entschlafene Priester Hoffmann sei bei ihm gewesen und habe gesagt, daß der Herr Jesus am nächsten Weihnachten käme.“ Quelle: Peter Kuhlen: Nachdenkliches zur Botschaft

Kuhlens Artikel ist insgesamt sehr lesenswert, weil  akribisch genau und mit vielen Zitaten versucht wird, die obskure Entstehungsgeschichte der Botschaft nachzuvollziehen. In einem anderen Artikel schreibt  Kuhlen 1950 direkt zum Thema FB: 

„Apostel Landgraf hat oft berichtet über seine Tätigkeit und Erfahrungen in Frankfurt a. M., dass er vieles mit dem Stammapostel besprochen habe und mit ihm über mancherlei übereingekommen sei. Aber stets, wenn etwas zwischen ihm und dem Stammapostel für gut gefunden war und durchgeführt werden sollte, wurde eine solche Übereinkunft dann nicht eingehalten, wenn sie Fritz Bischoff nicht passte. Unzählige Male hat Apostel Landgraf es dann erlebt, dass der Stammapostel ihm tags nach der Vereinbarung eröffnete, dass das Besprochene nicht so gemacht werden könne. Jede Besprechung des Stammapostels mit Apostel Landgraf wurde dann torpediert, wenn deren Inhalt Fritz Bischoff nicht zusagte. So regierte schon zu Zeiten, da Apostel Landgraf in Frankfurt wohnte, in Wirklichkeit Fritz Bischoff.“ Quelle: Vollständige Transkription der Originalkopie: Diverses hinsichtlich Einfluss Fritz Bischoff in der Leitung – Bericht von Apostel Kuhlen, ca. 1950 )

Landgraf hatte die Leitung des Bezirkes Frankfurt als Apostel von 1933 bis 1936. Ohne Rücksicht beeinflusste FB seinen Vater also bereits in dieser frühen Zeit  zur Durchsetzung der eigenen Interessen. Dazu  sollte  JGB unbedingt als Garant für den Machterhalt von FB als Stammapostel unverrückbar installiert werden und erhalten bleiben.   Kuhlens Stellung als Stammapostelnachfolger in den Nachkriegsjahren musste folglich verhindert werden. Peter Kuhlen berichtet:

„Ich wusste dann bereits sonnenklar, dass die Arbeit meiner Beseitigung als Nachfolger des Stammapostels auf Hochtouren lief und dass man den Stammapostel mittlerweile gänzlich umgestimmt hatte, deshalb drang ich bittend in den Bez. Ält. Weine ein, er möge mir doch einen brüderlichen Rat geben, was ich tun solle. Aber er wollte nicht mehr mit der Sprache heraus, er war sehr eingeschüchtert und hatte direkt Angst, zu sprechen. Ich frug dann ganz eindringlich, was denn jetzt los sei, er möge mir das doch sagen, damit ich evtl. den Geistern zuvorkommen und von mir aus meinen Rücktritt erklären könnte. Dann hat Bruder Weine sich erweichen lassen, mir zu sagen, dass der Sohn des Stammapostels in dessen Auftrag mehrere Apostel nach Frankfurt bestellt habe zu einer Besprechung, die zum Ziele habe, die am 1. August 1948 als eine in menschlicher Gutmeinung vorgenommene Handlung rückgängig zu machen. Dann frug ich weiter, ob er denn glaube, dass die bestellten Apostel  „ja“  sagen würden. Darauf sagte er ganz kleinlaut: „Leider muss ich das als sicher annehmen.“ Außerdem sagte er mir, dass der Stammapostel inzwischen derart mit der Ansicht seines Sohnes übereinstimme, dass es für die Folge wohl unmöglich wäre, dass noch einmal ein ersprießliches Zusammenarbeiten zwischen dem Stammapostel und mir als Stammapostelhelfer stattfinden könnte.“ Quelle: Akte Peter Kuhlen S. 20f

Noch deutlicher wird der Sekretär vom Stammapostel, der äußerst loyale Bezirksälteste Paul Weine, der ab 1929 auch verantwortlicher Redakteur der „Wächterstimme“ war. Er hatte alle Entwicklungen und Ereignisse von Anfang an aus nächster Nähe mitverfolgt. Mit seinem persönlichen Schreiben wird hier eine zeitgemäße Quelle in die Betrachtung des historischen Geschehens um die Person FB eingebracht, die fernab vom Verdacht subjektiver Wahrnehmungen oder gefärbter Darstellungen aus dem internen Blickwinkel heraus ein weiteres Licht ins Dunkel des heimlichen Treibens von FB bringt.  Dieser Brief ist insofern von besonderer Bedeutung, weil in ihm auch die Apostel Rockstroh und Bucher zum Thema FB zu Wort kommen und sich inhaltlich ähnlich kritisch äußerten.

In seinem Brief vom 15. Juli 1949 schreibt Weine an den Helfer Kuhlen (Auszüge, Hervorhebungen nicht im Original):

„Lieber Helfer Kuhlen!

vor einigen Tagen war unser Apostel Buchner hier. Er gab mir ein Schreiben zum Lesen, das ihm der Helfer Schlaphoff am 23. Juni geschrieben hat. In diesem Schreiben heißt es u.a. wörtlich:

"[…]  Ich würde dem lieben Stammapostel vorschlagen, daß er Dir den lieben Bischof Rockenfelder als Hilfsapostel gibt, […] Und dann würde ich ihm sofort eine Hilfe geben, und zwar den Bez,Ev. Fritz Bischoff als seinen Bischof, denn das sind zwei Kollegen, die sehr gut zusammen arbeiten, und wenn der liebe Fritz sagt: "Nein, ich will es nicht haben," dann mußt Du ihm einfach gerade heraus sagen: "Hier wird nichts gesagt, hier wird gearbeitet - das Sprechen kann nachher kommen, also es wird zuerst gearbeitet.[…]"

Apostel Buchner gab mir den Brief, ich möchte ihn lesen; der Helfer Schlaphoff habe darin manches geschrieben, aber derselbe habe ja keinen Einblick in die hiesigen Verhältnisse, - Denn ging Apostel Buchner fort, um in der Stadt etwas zu besorgen. Inzwischen las ich den Brief und habe mir den obigen Teil abgeschrieben.

Als er zurückkam, gab ich ihm den Brief zurück. Er sagte mir dann, daß er mit dem Vorschlag betr. Fritz Bischoff sein Herz nicht verbinden könne; er wisse gar nicht, ob Fritz in dem Glauben stehe, der dazu erforderlich sei. Er wollte dann von mir wissen, wie ich darüber denke. Das war natürlich für mich nicht leicht, ihm dazu meine Gedanken zu sagen. Ich sagte ihm sinngemäß folgendes:

Es ist für mich schwer, dazu etwas zu sagen aus Gründen, die er sicherlich verstehen könne. Aber ich schalte dabei ganz aus; denn ich kann mich unter jeden Bruder stellen, selbst wenn es ein Priester sein sollte, der über mich gesetzt würde. Ich muß aber wissen, daß der Betreffende durch seinen Glauben, sein Wort und Wandel dazu befähigt ist; denn ich möchte doch ans Ziel kommen. Jedoch weiß ich nicht, wie ich mit meinem Glauben das fertig bringen solle, wenn Fritz zum Bischof gesetzt würde. Ebenso weiß ich, daß die vielen Brüder und Geschwister das niemals fassen könnten. Der Glaube vieler würde dadurch einen schweren Stoß bekommen und käme bestimmt ins Wanken. Also ich kann das nach allem, was hinter uns liegt, niemals begreifen.

In diesem Sinne habe ich dem Apostel geantwortet, Er sagte dann von sich aus, daß er derselben Meinung sei, auch im seinem engeren Bereich Gießen wisse man doch von all den Vorgängen usw. […]

Dann fragte der Apostel noch, was er denn nun tun solle, ob er mit dem Stammapostel darüber sprechen solle und was er dann zum Stammapostel sagen solle? Ich sagte, daß ich es nicht für gut finde, wenn er mit dem Stammapostel darüber spreche; denn was wolle er denn sagen? Es sei doch vielleicht  besser, er würde dem Helfer Schlaphoff schreiben, daß er davon Kenntnis genommen habe, aber es sei heute noch nicht so weit und er werde die Sache im Auge behalten. Also er solle sehen, daß er erst einmal Zeit gewinne.

- - - - - -

Lieber Helfer Kuhlen,

ich gebe Ihnen von dieser Sache Kenntnis, weil ich es um des Werkes willen für notwendig halte, Sie davon zu unterrichten. Ich habe von jeher eine meiner Aufgaben darin gesehen, zu vermitteln und soweit als möglich Schaden zu verhüten. […]

Ich bitte Sie noch um eins: Behandeln Sie den Inhalt dieses Schreibens vertraulich. Am liebsten ist es mir, wenn Sie dieses Schreiben vernichten, nachdem Sie es gelesen haben. Bitte, tun Sie dies!“ Quelle: Brief von Paul Weine an Helfer Kuhlen

Halten wir fest: Der Vertraute und Sekretär Paul Weine warnt in seinem konspirativen Schreiben den Helfer Kuhlen mit klaren Worten vor FB, der den“ erforderlichen Glauben“ für das Amt eines Bischoffs auch im „Wort und Wandel“ aus seiner Sicht nicht hat. Auch Weine könnte unter seiner Führung nicht arbeiten und vielen Geschwistern käme der „Glauben ins Wanken“, nach „allem, was hinter uns liegt“, wenn FB zum Bischoff gesetzt würde. Unter „jedem Priester könnte Weine arbeiten“, nicht aber unter FB! Der „Einblick in die hiesigen Verhältnisse“ und „Vorgänge“ würde eine solche Einsetzung für ihn  „unbegreiflich“ machen. Um „möglichen Schaden zu verhüten“ schreibt Weine diese Warnung an Kuhlen und rät auch von einem Gespräch mit dem Stammapostel (Was wolle er ihm sagen?) ab. Leider präzisiert Weine nicht, welche „Vorgänge, die hinter uns liegen“, gemeint sind. Wäre dieser Brief in die Hände von Vater oder Sohn Bischoff gekommen, hätte das seine Amtsenthebung und den späteren Ausschluss bedeutet.

Das Gespräch Kuhlens mit JGB konnte jedoch nicht vermieden werden und verlief als „Vulkanausbruch“ äußerst bezeichnend. Kuhlen berichtet (Zitat Vulkanausbruch S. 23/27 ff Akte Peter Kuhlen :

„Ich sagte ihm (Apostel Güttinger) um was es sich handele und eröffnete ihm gleichzeitig, dass ich am nächsten Morgen nach Frankfurt fahren und mein Amt als Stammapostelhelfer und Nachfolger im Stammapostelamte zur Verfügung stellen würde. „Was,“sagte da Apostel O. Güttinger, „das wirst du nicht tun, das ist doch ausgeschlossen.“ Ich sagte dann: „Mein Entschluss ist unabänderlich und unwiderruflich.³ Da rief Apostel O. Güttinger ins Telefon hinein: „Du, das will ich dir sagen, das ist die erste und große Enttäuschung, die ich an dir erlebe. Du wirst doch niemals vor einem alten Manne zurückweichen, zumal du doch weißt, dass dieser alte Mann nur vorgeschoben ist und Hintermänner diese Sache so wollen. Du darfst nicht zurücktreten.“  […] … als wir beim Stammapostel waren, wo Bez. Ält. anwesend war, erlebten wir einen Vulkanausbruch aus dem Herzen des Stammapostel, wie er wohl von ihm noch über keinen ergossen worden ist. Der Stammapostel begann ruhig mit den Worten: „Sie wollen also von sich aus als Stammapostelhelfer zurücktreten, wie es gestern Abend Bruder Weine gesagt haben?“ „Ja,“ sagte ich, „dazu bin ich bereit, aber sie verzeihen mir, wenn ich fragen möchte, was habe ich denn nun eigentlich getan?“ Weiter kam ich nicht; denn da sprang  der Stammapostel erregt auf und sprach nicht mehr, sondern schrie und tobte: „Sie, was sie getan haben, sie haben sämtliche Apostel gegen mich aufgewiegelt. Sie sind hinter meinem Rücken zu den Aposteln gefahren und haben mich gezwungen, die Handlung damals vorzunehmen. Sie haben damals das Schreiben aufgesetzt, was die 15 Apostel unterschrieben haben. Sie und Apostel Lembke sind hinter meinem Rücken bei den Aposteln gewesen. Ich möchte in der Ewigkeit mal nicht in der Haut des Apostels Lembke stecken. Ihr habt damals den demokratischen Geist in die Apostel gelegt und seid damit von der Lehre abgewichen. In der Wohnung von Bruder Weine haben sie die Apostel gegen mich aufgewiegelt. Das hat man in der Etage darüber gehört und mir erzählt. Ja, das weiß ich, das haben sie nicht gedacht usw. usw.“ Ich habe während dieses Wutausbruches, bei dem der Stammapostel auf den Tisch schlug und bei dem die Zornesadern auf seiner Stirne standen, gänzlich still geschwiegen; denn da war Apostel Dehmel und mir klar, dass bei Erwiderungen zu diesen Beschuldigungen des Stammapostels derselbe wahrscheinlich vor Erregung einen Schlaganfall bekommen hätte, und dann hätte man in die Welt hinaus posaunt, wir hätten den Stammapostel auf dem Gewissen. So blieben wir beide gänzlich stille. Der Stammapostel verlor jede Haltung und verklagte in seinen weiteren Ausführungen besonders den Apostel E. Güttinger mit seiner demokratischen Gesinnung. Er habe aber kürzlich den Schweizer Aposteln bewiesen, dass die damalige Handlung ungöttlich gewesen sei; denn der Herr habe ihm eine Offenbarung gegeben, dass er das Volk Gottes zur Vollendung führen würde. Er habe zu den Schweizer Aposteln gesagt, und das wiederhole er auch uns gegenüber: „Ich werde nicht sterben.“  Da hätten die Schweizer Apostel große Augen gemacht; aber er wüsste, was er sagte und er bliebe auch dabei. Er wüsste wohl, dass es viel gesagt sei, „ich werde nicht sterben,“ aber er werde es niemals anders sagen, denn wenn er es je anders sagen würde, dann wäre das ein abweichen von der Lehre. Die Wiederkunft des Herrn stehe nahe bevor, und wer das nicht lehre, der stehe verkehrt. Ich warf dann schüchtern ein, dass ich von jeher die nahe Wiederkunft des Herrn gepredigt hätte, worauf er aufgeregt sagte: „Was heißt nahe?, damit kann ein Monat, damit kann ein Jahr und noch viel länger gemeint sein.“ Dann sagte ich fest und bestimmt: „Ich lehre nicht nur, dass die Wiederkunft des Herrn nahe ist, sondern ich predige eindringlich immer wieder: richtet euch darauf ein, dass der Herr jeden Tag, jeden Augenblick erscheinen kann.“ Darauf schwieg der Stammapostel. Ich sagte dann noch leise: „Lieber Stammapostel habe ich mir denn [S. 18] etwa in meiner Amtsführung als Stammapostelhelfer etwas zu Schulden kommen lassen?“ Das war schon zu viel: denn wieder sprang der Stammapostel auf und schrie: „Stehen sie zu dem, was sie gestern zu Bruder Weine gesagt haben, und wollen sie zurücktreten? Sonst unterbreite ich die Sache dem Apostelkollegium, und dann werden sie erleben, dass die Apostel, welche damals für sie waren heute gegen sie sind, mit wenigen Ausnahmen. Dann werden sie allein dastehen. Jetzt kommen die Apostel und bereuen, dass sie sich haben damals verleiten lassen heute erkennen sie, dass ihr tun menschlich war, jetzt bricht das ganze Kartenhaus zusammen. Also, bleiben sie dabei, dass sie zurücktreten wollen? sonst  …“ Und dann ging der zur Türe, womit klar war, dass er uns hinauswerfen würde, wenn ich nicht ja und amen sagte. Ich sagte dann wieder ganz ruhig: „Ja, dabei bleibe ich, ich bin bereit, als Stammapostelhelfer zurückzutreten, aber ich möchte keinesfalls von ihnen scheiden, ohne mit ihnen in Frieden zu sein, ich will auf jeden Fall mit ihnen eins sein, ganz gleich, was auch kommen mag. […]³ Da jedoch eine sachliche Aussprache gänzlich unmöglich war, und da es bei weiteren Entgegnungen meinerseits zu einem offenen Bruch kommen wäre, und da auch offensichtlich war, dass ein ersprießliches Arbeiten als Stammapostelhelfer an der der Stammapostels zukünftig unmöglich war, so sagte ich denn, dass ich zurückträte als Stammapostelhelfer und wieder wie früher als Bezirksapostel im Düsseldorfer Bezirke tätig sein möchte. Das war dann für den Stammapostel das erlösende Wort. und er wurde sofort wesentlich ruhiger. Er sagte dann ganz lieb zu mir: „Wenn sie wieder nur als Bezirksapostel arbeiten, dann ist damit die damalige Angelegenheit erledigt, dann ist alles gut, dann wird der Herr mit ihnen sein.“  Ich fragte dann den Stammapostel noch, ob es denn damit auch wirklich gut sei, wenn ich als Stammapostelhelfer zurückträte und wieder als Bezirksapostel arbeiten würde, worauf er erwiderte: „Aber selbstverständlich, ich habe sie doch immer lieb gehabt und habe sie auch weiterhin lieb.“ Ich fügte noch hinzu: „Ich weiß aber, dass etliche mich nicht haben wollen und dass diese vielleicht weiter gegen mich stehen und keine Ruhe geben; halten sie dann zukünftig schützend ihre Hände über mich und schützen mich vor jenen?“  Wieder sagte der Stammapostel: „Ganz gewiss, das verspreche ich ihnen. [S. 19] Weiter habe ich dann nochmals kurz gefragt: „Habe ich denn in meiner Amtsführung als Stammapostelhelfer etwas verkehrt gemacht oder liegen sonst Klagen gegen mich vor?“ „Nein, sonst ist gar nichts gegen sie vorliegend, “ sagte da der Stammapostel.“

Dieser Bericht spricht für sich selbst und bedarf aus meiner Sicht keiner weiteren Erörterungen! Lediglich die von JGB als ungöttlich bezeichnete demokratische Haltung soll wiederholt werden:

Ihr habt damals den demokratischen Geist in die Apostel gelegt und seid damit von der Lehre abgewichen.“

Von der Lehre abgewichen wegen demokratischen Bestrebungen? Was für ein Vorwurf! Ohnehin steht dieser Vorwurf auf sehr wackeligen Füßen, da auch JGB selbst „demokratisch“ gewählt wurde. Volker Wissen kommentiert:

Nach § 6 der Apostelstatuten von 1922 konnte der Stammapostel seinen Nachfolger nicht ohne Zustimmung (=Wahl) der Apostel einsetzen. Niehaus hat es genauso auch bei der Einsetzung Bischoffs gehalten. Außerdem ist laut dem eigenhändig unterschriebenen Lebenslauf von J.G. Bischoff vom 2. August 1933 auch er selbst von den Aposteln gewählt worden: .Am 21 . September 1930 wurde der damalige Hauptleiter infolge eines Unfalls in den Ruhestand gesetzt. Das Apostelkollegium hat mich nach § 6 der Satzung des Apostelkollegiums einstimmig auf Lebenszeit zum Hauptleiter der Neuapostolischen Kirche gewählt." (aus: Facsimile-Abdruck des Lebenslaufes bei König, Michael: Die Neuapostolische Kirche in der N.S.·Zeit, Feldafing 1993, S. 5) Nach anderen Quellen soll es dabei sogar zwei Gegenstimmen, also keine Einstimmigkeit wie bei Kuhlen, gegeben haben. Die Anzweifelung der rechtmäßigen Nachfolge Kuhlens und deren spätere Diskreditierung mit dem Argument der .demokratischen, also ungöttlichen Wahl" wäre also auf J.G. Bischoff selbst anzuwenden.“ (Quelle:  Volker Wissen 2012, Beiträge zu Geschichte, Lehre und Leben der apostolischen Gemeinschaften, Nummer 5:  Der Konflikt Bischoff .I. Kuhlen S.28)

 

8. Apostel Hahn, die konspirative Nord-Süd-Achse  und der neue Apostelbezirk für Friedrich Bischoff  

Trotz der kirchenrechtlichen Ausschaltung des Mitspracherechtes bei neuen Aposteleinsetzungen schien die Einsetzung neuer Apostel von JGB nicht ganz so rigoros umgesetzt worden zu sein. Welche verschlungenen Wege zu einer Amtseinsetzung führen konnten, und wie auch FB daran beteiligt war, zeigt eine Aktennotiz von Apostel Kuhlen aus dem Jahr 1950 über die mehr als merkwürdigen Wege zur Ordination des Apostels Hahn. Nachdem Kuhlen eingehend einen Nachfolger für den Apostel Hartmann gesucht hatte, stellte sich der Bischof Steidlinger als geeignet heraus. Der aber war wohl nicht im Sinne von JGB und seinem Sohn. Mit einem Kniff gelingt Kuhlen die Aufdeckung der heimlichen Hintertreibung und der „Nacht- und Nebel-Aktion von FB. Kuhlen schreibt:

„Auf meine Frage, ob denn Br. Hahn überhaupt gefragt worden sei und mit der Übernahme des Apostelamtes einverstanden wäre, sagte der Stammapostel, er wird schon annehmen; aber sie können ihn ja nach der Trauerfeier für A. Hartmann fragen, ob er die Berufung annehmen wolle. Ich habe dann in Karlsruhe nach der Beerdigung des A. Hartmann mit Br. Hahn und Apostel Dehmel in einem Kaffee für eine halbe Stunde zusammen gesessen und ihm als Einleitung meiner Worte zuerst gesagt (ich klopfte einfach aufs Geratewohl auf den Busch): „Sie sind ja durch einen Beauftragten des St. A. bereits unterrichtet, dass Sie als Nachfolger für Apostel Hartmann ausersehen sind!“ Das bejahte er, und somit wusste ich, dass irgendjemand mit Br. Hahn bereits alles besprochen hatte, ehe auch nur ein Apostel unterrichtet war über das was geschehen sollte. Zwei Tage danach sagte Friedrich Bischoff zum Bez.Ält. Weine: "Der Helfer Kuhlen hat dem Bez. Evgl. Hahn nach der Beerdigungsfeier gesagt, dass er ja bereits durch einen Beauftragten des St.A. über die Absicht, ihn als Nachfolger zu berufen, orientiert worden (sei). Er möchte bloss wissen, woher Kuhlen das erfahren habe, denn er (Friedrich Bischoff) sei doch in dieser Angelegenheit bei Nacht und Nebel bei Bruder Hahn in Stuttgart gewesen, das könne doch niemand gemerkt haben. […] Es ist zweifellos, dass Fritz Bischoff erst durch den Stammapostel über die Apostelversammlung orientiert wurde und dass dann Fritz Bischoff darüber mit Bruder Hahn gesprochen hat.“

Dass Hahn, obwohl Steidlinger die erste Wahl war,  von JGB aber lanciert und von FB in dieser „Nacht- und Nebel-Aktion“ klammheimlich  über seine Wahl als Apostelnachfolger informiert wurde, hatte Gründe. Einerseits waren FB und Hahn befreundet, andererseits schien sich JGB über die Loyalität Hahns sicher zu sein.

Neben FB waren in den Nachkriegsjahren die Bezirksapostel bzw. Apostel Weinmann, Schmidt, Rockenfelder und kurze Zeit später auch Volz und Hahn ein innerhalb des Apostelkollegiums sich heimlich formierendes Schattenkabinett, das eigenen Interessen folgend starken Einfluss auf JGB ausübte – einmal wöchentlich besuchte z.B. Rockenfelder den Stammapostel - und in regem Briefwechsel von Anfang an untereinander konspirativ gegen den Helfer Kuhlen in einer Nord-Süd-Achse aktiv tätig war. Die folgenden Auszüge aus den Korrespondenzen können das überdeutlich aufzeigen.

Alle Anspielungen in den Briefen beziehen sich auf den am 21.5.48 vom Apostelkollegium als Nachfolger gewählten BezAp Peter Kuhlen. Am 1.8.48 wurde er in Bielefeld „ins Stammapostelamt eingesetzt und sollte bis zur Amtsübernahme als Stammapostelhelfer wirken.“ Quelle: Johann Gottfried Bischoff – APWiki (apostolische-geschichte.de)) JGB sagte dazu in seiner Predigt:

 „Und dieser Tag ist zur Aussonderung des Apostels Kuhlen als zukünftiger Stammapostel vorgesehen. Solange ich noch da und arbeitsfähig hin, ist er mein Helfer. In dem Augenblick aber, wo ich infolge Krankheit oder sonstwie vom Herrn abberufen werde, tritt er ohne weiteres an meine Stelle. So will ich nun heute die Handlung vollziehen und ihm Amt und Auftrag übergeben, so daß dann die Sorge um die zukünftige Führung des Werkes von den Aposteln genommen ist.

Nun rechnen ja viele der Brüder und Geschwister damit, dass der Herr zu meiner Zeit kommen würde. Dazu bemerke ich: Ich habe noch nie gelehrt, daß der Herr das tun müßte. Zu glauben, daß der Herr zu unserer Zeit kommt, das kann uns niemand verbieten und wird auch nicht verboten, denn die, die ein Ziel vor Augen haben, bereiten sich auch entsprechend vor. Das Ganze aber hat mit dem Tag des Herrn absolut nichts zu tun.“ Quelle: Schweiz "Brot des Lebens", Jahrgang 1948, Nr.19 + 20, siehe auchZitate zur Botschaft“)

Und in der Ordinationsansprache sagte der Stammapostel:

„Im Namen und Auftrag des Apostelkollegiums nimm hin das Stammapostelamt, dazu den Amtsgeist in dem Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Dieser Geist mache in dir das Amt lebendig; er sei in dir die treibende und führende Kraft, um Vorgänger und Vorbild sein zu können. Trage die Schwachen in Geduld und Langmut, richte das Niedergebeugte auf, und stärke das, was schwach, und hinfällig wird. Der Geist des Herrn, der dir zu diesem Amte gegeben ist, bewahre dich auf dem Wege, auf den der Herr dich gestellt hat. Und der Engel des Herrn sei dein Schutz und Schirm und bewahre dich vor dem Verderben, das da überall in Erscheinung treten wird. Dazu nimm hin den Segen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Friede von Christo Jesu sei mit dir. Amen.“ (ebd)

Auffällig daran ist, dass JGB Kuhlen zwar „im Namen und Auftrag des Apostelkollegiums“ ordinierte, im Verlauf jedoch davon spricht, dass ihn „der Herr auf diesen Weg gestellt hat!“

Trotz dieser klaren und zustimmenden Worte des Stammapostels begann bereits drei Monate nach der Ordination aber die üble Konspiration dieser sich immer stärker einbringenden „Nord-Süd-Achse“, wie Hahn es bezeichnet, und damit bereits ca.  zwei Jahre vor dem Auftauchen der Botschaft! Kuhlen berichtet:

Am 25. November 1950 war ich dann gemeinsam mit Apostel Dehmel beim Stammapostel. Bei unserer Unterredung mit dem Stammapostel war auch Bezirksältester Weine zugegen. Im Laufe des Gespräches sagte der Stammapostel: „Ich habe vor einiger Zeit den Schweizer Aposteln gesagt, und das wiederhole Ich auch euch gegenüber: „Ich werde nicht sterben!" Da haben die Schweizer große Augen gemacht; aber ich weiß, was ich sage, und ich bleibe auch dabei. Ich weiß wohl, daß es viel gesagt ist „Ich werde nicht sterben", aber ich werde es niemals anders sagen; denn wenn ich es je anders sagen würde, dann wäre das ein Abweichen von der Lehre. Die Wiederkunft Christi steht kurz bevor, und wer das nicht lehrt, der steht nicht richtig“. An jenem Tage erklärte ich meinen Rücktritt vom Amte als Stammapostelhelfer und Nachfolger im Stammapostelamte. Als ich nach der Besprechung beim Stammapostel anschließend mit Apostel Dehmel und dem Bezirksältesten Weine im Büro der Gemeinde auf der Sophienstraße 48 ankam, um dort mein Rücktrittsschreiben zu formulieren, wurde mir gleich durch den Hirten Weiler gesagt, daß soeben der Stammapostel telefonisch angerufen habe, und mir bestellen ließ, ich soll in mein Schreiben einfügen, ich träte deshalb zurück, weil ich zu der Erkenntnis gekommen sei, daß der Stammapostel das Werk Gottes vollenden würde. - Daraufhin habe ich gesagt: „Das tue ich nicht, denn das ist nicht meine Überzeugung". So hatte der Stammapostel also bereits am 18.06.1950 gegenüber den Schweizer Aposteln mit aller Bestimmtheit gesagt, daß ihm eine göttliche Offenbarung geworden sei, nach welcher er nicht mehr sterben werde, und uns gegenüber wiederholte er solches am 25.11.1950 mit allem Nachdruck. Aber erst Weihnachten 1951 verkündigte der Stammapostel dies öffentlich in der Gemeinde zu Gießen. Später jedoch hat es immer geheißen, der Stammapostel habe die Botschaft, daß er nicht mehr sterben werde und Gottes Werk vollenden würde, unmittelbar nach deren Empfang durch den Herrn dem Volke Gottes mitgeteilt Wann hat denn nun der Stammapostel diese Botschaft vom Herrn erhalten? Hat er sie schon lange vor 1950 bekommen, oder erst 1950, oder an Weihnachten 1951?“ Quelle: Peter Kuhlen, Nachdenkliches über die Botschaft S. 5

Nach der Inszenierung der Botschaft 1951/52 (hier der originale Stimmenmitschnitt von JGB), , die polemisierend gezielt instrumentalisiert wurde gegen Kuhlen, der zwar von höchster Naherwartung predigte, nicht aber von der Botschaft selbst, trat der von dieser Gruppe der Apostel unerwünschte Nachfolger Kuhlen zwar wie erwartet zurück, das angestrebte Ergebnis ihrer Verunglimpfungen war aber seine 1955 durch JGB ausgesprochene Amtsenthebung und der sofortige Kirchenausschluss. (siehe ausführlich in: DS 2021Teil 2 „Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff?“ 1948 bis 1951 - Finanzielle Machenschaften, intrigantes Verhalten und der Einfluss auf den Stammapostel und  Teil 3 „Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff“ 1951 bis 1960 – Der inszenierte Botschaftswahn mit seiner exklusivistisch-endzeitlichen Parallelwelt der NAK als Basis der beabsichtigen Spaltung)

Kuhlen hatte von Anfang an keine Chance gegen diese sich immer stärker einbringende Gruppe und ihre betriebene Hexenjagd. Bereits 1951 kamen sie sogar als kleiner Kreis vor der gemeinsamen Apostelversammlung zusammen und trafen ihre geheimen Absprachen. Auch ist die stellenweise sehr abfällige Sprache in den folgenden Briefzitaten erschreckend und zeigt die mehr als niederträchtige Art und Weise ihres strategisch geplanten und skrupellos menschenverachtenden Vorgehens. Auf einen Kommentar dieser Aussagen verzichte ich bewusst, sie sprechen für sich selbst (Hervorhebungen DS):

Brief vom 4. Dezember 1948 von Ap Friedrich Hahn an Bischof Ludwig Hennrich (Quelle der Hahn-Briefe: Günter Törner zusammen mit A. Törner (2013). ‘Dass du in Ffm. unten durch bist, war uns beiden bekannt. . . Der Briefwechsel Bischof Ludwig Hennrich mit Bezirksevangelist Friedrich Hahn. Unveröffentlichtes Manuskript, 27 Seiten.)  

¨Was ist denn das faustdicke Geschwür in der Brust, unter der Lunge, also der Atmung und dem allerinnersten des Menschen? Lieber Ludwig, entschuldige, wenn ich gar zu offen bin, vielleicht zu offen. Ist es nicht Düsseldorf, das aus Deinem Herzen ausgeschnitten werden soll?

Düsseldorf, das Dir soviel Freude und Leid,  soviel Kampf und Licht und doch keine Klarheit brachte, das Dich zwiespältig werden ließ, wo Dir die Entscheidung Du oder Frankfurt stets im Nebel lag?

Oder, hat sich vielleicht der Kampf Deiner lieben Seele anders abgespielt, als wie Du jetzt dieses Geschwür in Dir spürst mit all seinen tödlichen Gefahren?

Klar ist Dir das eine, nachdem Du den Beweis der Röntgenstrahlen erhältst. Doch glaube ich fest, dass auch das Stuttgarter Erleben die Seele durchleuchtete, so dass damit eine innere Klarheit kam, die den Nebel lichtete.

Ob die gefährliche Operation notwendig wird oder verhütet werden kann, weiß ich nicht. Eines weiß ich aber sicher, wo Du an Deinem Innenmenschen den Schnitt Du / Ffm.* vornimmst, dass Du dann Dich getrost dem Chirurgen anvertrauen darfst. Dann ist die innere Entscheidung für das Leben schon vorher gefallen und das Messer kann keinen Lebensnerv mehr verletzten. Ja ich glaube, Du wirst dann mehr und Größeres tun können, denn vordem. Du hast ja den so schönen Weg, unseren lieben Ia** durch Gebet, Telefon oder Brief anzurufen.“ (*gemeint ist Düsseldorf/ Frankfurt am Main. ** = JGB)

Brief  vom 18. Dezember 1948 von Ap Friedrich Hahn an Hennrich:

"Ich fing damit an, dass ich ihm [JGB], soweit vertretbar, davon erzählte, dass Du ja manch bitteren Kampf erlebt habest, Dir jedoch am 31.10.1948 in Stuttgart die in Bezug auf Weinstock und Reben bestehende Differenz zwischen Ia und Kuhlen bewusst geworden sei. Dass Du in Ffm. unten durch bist, war uns beiden bekannt. Der Grund dazu liegt bestimmt in der Tatsache, dass Du als Steigbügelhalter betrachtet wirst."

Brief vom 31.Oktober 1950 von BezAp Hahn an BezAp Weinmann (Quelle der folgenden Briefe: Günter Törner (2014). Die Causa Kuhlen und die Neuapostolische Kirche – eine quellenkritische Analyse. Unveröffentliches Manuskript, 69 Seiten.)

Nun haben wir, wie Sie ganz richtig schreiben, eine ausgesprochene Nord-Süd-Achse. Es kommt nun darauf an, dass alles, was östlich und vor allem westlich liegt so neutralisiert wird, dass jeder fremde Geist zu Schanden wird. Ein anderes Ziel können und wollen wir nicht haben.“

Brief vom 23. Februar 1951 von BezAp Weinmann an JGB:

[…] Generalbereinigung […]

Brief vom 25. Mai 1951 von BezAp Weinmann an JGB: 

Wohin sind wir gekommen, wenn man bedenkt, dass vor dem Zusammentritt des gesamten Kollegiums in einem vertrauten Kreis eine Vorbesprechung abgehalten werden muss. Ich finde, das war doch ein vernünftiger, diskutabler Vorschlag, den Apostel Schmidt in seiner Rede gemacht hat. Warum soll man denn einem Mann, der Ihnen in seiner demokratischen Aufgeblasenheit in den fünf zurückliegenden Jahren mehr Sorgen und Kummer bereitet hat, als Hitler und seine ganzen Genossen in den zwölf Jahren ihres Regimes, warum soll man demselben nicht mit aller Entschlossenheit begegnen? Zumal es um Tausende Unsterblicher Seelen geht. Dulden sie es nicht, lieber Stammapostel, wenn man neben Ihnen versucht, Schachfiguren hin- und herzuschieben, nur um seine Machtgelüste zu befriedigen. […]

"Wie ist das köstlich und wie stärkt es die Schaffenskraft, wenn man mit Ihnen, dem Haupt verbunden ist, anstatt mit einer Mißgeburt mit zwei Köpfen."

Brief vom 4. September 1952 von BezAp Volz an BezAp Schmidt:

„Der Bezirk Düsseldorf macht mir große Sorgen. Ich werde das Gefühl nicht los,  dass Apostel Kuhlen eines Tages das Haupt derer wird, die eine Trennung bewirkt und mit allen Mitteln den Kampf gegen Gottes Werk und den Stammapostel aufnimmt. Ap. Kuhlen verwindet seinen Sturz nicht.“

Brief vom 16.September 1954 von BezAp Weinmann an Apostel Startz:

"Ich kenne auch alle Schliche und alle Verlogenheit. Unserem Stammapostel habe ich gesagt, dass von dieser Seite aus im Apostelbezirk Hamburg kein Dienst mehr gehalten werden darf, solange ich den Bezirk verwalte. Ich kann keine zersetzenden Einflüsse hier dulden,  die mit frommen Worten anfangen. Gestern habe ich noch über den Fall an Fritz Bischoff geschrieben und habe ihm betont, dass man einen Mohren nicht weiß waschen könne.“

JGB selbst schrieb noch im Dezember 1954 an BA Kuhlen (Quelle: Brief von Stap Bischoff vom 2.12.1954 an BA Kuhlen)

2. Dezember 1954

Mein Lieber Freund und Apostel Kuhlen!

[…] Dann schreiben Sie von Gerüchten, wonach sich die Apostel im Rheinland von mir trennen wollten. Mein Lieber Apostel Kuhlen, es sind in diesem Jahre so viele Gerüchten im Umlauf gewesen, daß es unmöglich ist, denselben allen nachzugehen. Wir haben schließlich besseres zu tun, als den aus der Fabrik des Teufels stammenden Gerüchten zu glauben. […]

Dies für heute mit herzlichem Gruß

Ihr Sie liebender

(J. G. Bischoff)

Auffällig freundlich, ja liebevoll klingen diese Zeilen. Nichts an ihnen lässt darauf schließen, dass JGB in nur 7 Wochen einen vollständigen Sinneswandel vollziehen würde, der im Januar zum gnadenlosen Ausschluss Kuhlens führen würde.  

BA Hahn durfte am 23. Januar 1955  im sogenannten Frankfurter Tribunal das vorher gefasste Urteil (zwei im Voraus vorbereitete Protokolle!) zur Amtsenthebung Kuhlens und seiner Mithelfer vortragen. Herbert Kloss (Bischof i.R, von Kind an neuapostolisch, seit Juni 1953 bis zur Spaltung Bezirksältester im Bezirk Essen II und hauptamtlicher Mitarbeiter der Verwaltung) berichtet als Teilnehmer dieser Veranstaltung und somit Zeitzeuge:

„Stammapostel Bischoff eröffnete um 14.00 Uhr die Versammlung mit Gebet.  Apostel Dehmel, Dunkmann und Kuhlen, sowie die Bischöfe und Bezirksältesten des Bezirks Düsseldorf bekamen einen Platz angewiesen, die anderen eingeladenen Apostel zogen an uns verlegen vorbei. Teilweise auch ohne Begrüßung oder mit abgewandten Gesicht. An einem quergestellten Tisch saß dann der Stammapostel Bischoff, sein Sohn Friedrich Bischoff, sowie sein Sekretär Bischof Weine. Die Aufteilung der Sitzordnung und das Stellen von Tischen und Stühlen erinnerte von vornherein weniger an eine Besprechung, als an eine Gerichtsverhandlung. Das muss man wirklich so sagen. Stammapostel Bischoff nahm seine Mappe und klagte Apostel Kuhlen wegen „Groben Ungehorsams“ an. Grober Ungehorsam gegen den Stammapostel, vorsätzliche Unterminierung seiner Lehre und Illoyalität gegenüber seinem Treueversprechen. Besonders betont wurde, dass die Botschaft im Bezirk Düsseldorf nicht freudig aufgenommen worden sei, dadurch hätte Apostel Kuhlen zu erheblicher  Unruhe und Verwirrung in seinem Bezirk beigetragen.

Dann wurde ich mit den anderen Bischöfen und Ältesten gebeten, das Zimmer zu verlassen. Wir wurden in ein Büro gebracht und obwohl es ja Mittag war und hell, wurden die Fensterläden geschlossen und Licht angemacht. Wir fühlten uns da alle nicht mehr wie Seelsorger in der Neuapostolischen Kirche, sondern wie Untersuchungsgefangene. Eine halbe Stunde später wurden dann die Apostel zu uns in den Raum geleitet. Wir schwiegen zwar, aber schrien zu Gott im stillen Gebet, denn die Anklagen hatten nichts mit den Tatsachen zu tun. Wir warteten dann circa eine Stunde schweigend in diesem Raum bis unsere Apostel dann in einen anderen Raum gebeten wurden.

Der Stammapostel sagte, er wolle uns ein paar Worte der Orientierung geben, ehe wir zu einem Entschluss kämen. Er sprach über die Wahl von Apostel Kuhlen zum Nachfolger für Bischoff, verdrehte aber dabei einige Tatsachen. Ich fragte mich, was die Botschaft mit der Wahl zu tun haben sollte, denn bei den Vorwürfen ging es ja um die Botschaft. Bischoff hatte unterdessen Apostel Walter Schmidt die Leitung des Bezirks Düsseldorf  anvertraut. Bischoff wäre wohl bereit gewesen, uns als die Bezirksämter, eigentlich zu behalten, wenn wir mit Apostel Walter Schmidt weiterarbeiten wollten. Das wollte ich aber nicht. Bischoff verlangte jetzt nach dem Protokoll, es waren aber im voraus wohl zwei unterschiedliche Protokolle angefertigt worden und auf die Frage: „Welches, das erste oder das letzte?“, antwortete er: „Das Letzte“.

Dann verlas Apostel Hahn mit harter und lauter Stimme: „Apostel Kuhlen ist als Vorsitzender des Landesvorstandes der Neuapostolischen Kirche des Landes Nordrhein-Westfalen abberufen. Apostel Kuhlen ist seines Amtes als Bezirksapostel enthoben und die Apostel Dehmel und Dunkmann sind ihres Amtes als Apostel enthoben, womit ihre Mitgliedschaft im Apostelkollegium erloschen ist. Die Apostel Kuhlen, Dehmel und Dunkmann sind aus der Neuapostolischen Kirche ausgeschlossenDie Bischöfe und Bezirksältesten des Apostelbezirks Düsseldorf werden vom Amte suspendiert. Schmidt kann mit Zustimmung des Apostolats über die Möglichkeit ihrer Wiederverwendung bestimmen. 
Noch im Wartesaal des Frankfurter Bahnhofs schrieben wir, die Bischöfe und Bezirksältesten, einen Brief an den Stammapostel, in dem wir es ablehnten, unter der Hand von Apostel Schmidt zu dienen und wir uns weiter zu unseren Aposteln Kuhlen, Dehmel und Dunkmann bekennen würden. […] Es war mittlerweile späterer Nachmittag und wir gingen dann auf die Straße, wo unsere Apostel bereits auf uns warteten. Um es kurz zu sagen: Unsere Apostel Kuhlen, Dunkmann und Dehmel wussten nichts von ihrer Amtsenthebung und dem Kirchenausschluss. Das hat Bischoff ihnen noch nicht einmal selbst in dem Konferenzraum gesagt. Das erfuhren sie dann erst durch uns, durch die Bischöfe und Ältesten. Stammapostel Bischoff hatte den Aposteln im Konferenzraum lediglich den „freiwilligen Rücktritt“ aus ihrem Amt empfohlen. […] 
Am 24. Januar 1955 fand die Übergabe des Apostelbezirks zwischen Kuhlen und Schmidt statt. Bei dieser Gelegenheit machte Apostel Kuhlen darauf aufmerksam, dass wir ohne alles dastanden, und bat Schmidt darum sich dazu zu verwenden, dass uns wenigstens eine Kirche überlassen wird. Schmidt versprach, das weiterzugeben, aber es gab keine Reaktion darauf“. (Quelle: Schade, dass es so gekommen ist!
 Interview mit Zeitzeugen der „Botschafts“-Ära)

Dass dieses konspirative Verhalten der Mitglieder der Nord-Süd-Achse, dass schlussendlich zu dieser beispiellosen Sitzung führte,  eine Vorgeschichte hatte und FB dabei bereits in den 30er Jahren eine führende Rolle einnahm, bestätigt selbst die NAK-Arbeitsgruppe Geschichte. Sie stellte 2012 fest:

 „Das Verhältnis zwischen Friedrich Bischoff und Kuhlen kann als Konkurrenzverhältnis mit feindlichen Zügen charakterisiert werden. […] Im Verlauf des Jahres 1950 erschienen in der neuapostolischen Presse einige Artikel, die als Angriff auf die Position und Legitimation des Helfers Kuhlen verstanden werden können. Initiatoren waren im Wesentlichen Apostel Rockenfelder und Friedrich Bischoff. Die Intention war die Stärkung der Stellung des Stammapostels, und es spricht etliches dafür, dass dieses Vorgehen eine Strategie war.[…] Reaktionen des Stammapostels und aus dem Kreis der Apostel und des Verlags führten dazu, dass er zunehmend mehr isoliert wurde.“ (Quelle NAKI Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007, S. 29f)

Und Apostel Kuhlen notiert zum Thema FB 1950: „Apostel Landgraf hat oft berichtet über seine Tätigkeit und Erfahrungen in Frankfurt a. M., dass er vieles mit dem Stammapostel besprochen habe und mit ihm über mancherlei übereingekommen sei. Aber stets, wenn etwas zwischen ihm und dem Stammapostel für gut gefunden war und durchgeführt werden sollte, wurde eine solche Übereinkunft dann nicht eingehalten, wenn sie Fritz Bischoff nicht passte. Unzählige Male hat Apostel Landgraf es dann erlebt, dass der Stammapostel ihm tags nach der Vereinbarung eröffnete, dass das Besprochene nicht so gemacht werden könne. Jede Besprechung des Stammapostels mit Apostel Landgraf wurde dann torpediert, wenn deren Inhalt Fritz Bischoff nicht zusagte. So regierte schon zu Zeiten, da Apostel Landgraf in Frankfurt wohnte, in Wirklichkeit Fritz Bischoff.

Es ist auch mit vielen in Apostelversammlungen gefassten Beschlüssen so gegangen; dass, wenn der Stammapostel aus solchen heimgekehrt war, kurz danach mit irgend einer Begründung diese Beschlüsse zu Fall gebracht wurden. Fritz Bischoff war immer ein strikter Vertreter der Theorie, dass der Stammapostel allein entscheide und die Apostelversammlung nicht gehört werden brauche.

Schon in der Zeit, als ich in den Apostelkreis kam, (1935) sagte mir Apostel Rockstroh, dass die Apostelversammlung einem Marionetten-Theater gleiche, wo einer die Köpfe aller andern an der Strippe halte, und wenn dann dieser eine an der Strippe ziehe, denn nickten alle andern "Ja". Es war im Apostelkreise kaum noch Mut, irgendwie zu Themen Stellung zu nehmenvor allen Dingen denn nicht, wenn man fühlte, der Stammapostel dachte zu einer Sache anders als die andern Apostel. Apostel Schall sagte mir 1950: "Wenn einer es mit Fritz verdirbt, der fällt in Ungnade." Und Apostel Weinmann sagte 1950: "Wer es mit Fritz verdirbt, der verdirbt es mit dem Chef." Apostel Schmidt wusste, dass Fritz mir nicht gut gesonnen war und dass solches beim Stammapostel hinsichtlich seines Verhaltens mir gegenüber deutlich in Erscheinung trat.“ Quelle: Diverses hinsichtlich Einfluss Fritz Bischoff in der Leitung – Bericht von Apostel Kuhlen, ca. 1950, S. 1

Aus einem weiteren Schreiben vom Stammapostel geht zudem hervor, dass Hahn auch den Weg bereitete zu einem eigenen Apostelbezirk für FB. JGB schreibt am 26.3.53 an die Bezirksapostel: 

(Seite 1 im Original)

„In allen Ländern der Deutschen Bundesrepublik, mit Ausnahme des Landes Rheinland-Pfalz, besitzt  die Neuapostolische Kirche die Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.  Apostel Hahn, der sich mit dieser Angelegenheit befaßt hat, unterbreitete mir den Vorschlag, aus den im Lande Rheinland-Pfalz liegenden Gemeinden  einen neuen Apostelbezirk zu bilden. Am 22.Mai schrieb er mir u.a. folgendes:

Die Ursache, daß wir für das Land Rheinland-Pfalz die Körperschaftsrechte noch nicht haben, dürfte darin liegen, daß die einzelnen Gebietsteile des Landes Rheinland-Pfalz drei verschiedenen Apostelbezirken angehören. Somit fehlt Regierungsstellen gegenüber eine einheitliche Führung. Ich kann mir deshalb eine unseren Interessen dienende Änderung nur in der Form vorstellen, daß ein neuer selbständiger Apostelbezirk "Rheinland-Pfalz" geschaffen wird. An diesen Bezirk müßten dann die den Bezirken Düsseldorf, Frankfurt und Baden angehörenden rhein-pfälzischen Gemeinden abgegeben werden.

Mein Vorschlag ist, daß Sie mit der Führung dieses Bezirkes Apostel Bischoff betrauen.  Er besitzt alle Voraussetzungen und genießt auch jedes Vertrauen bei Brüdern und Geschwistern.

Der Bezirk Karlsruhe wird bei einer solchen Lösung zwar 4 388 Seelen verlieren, Ihr Segen zur Arbeit im Weinberge des Herrn ist mir jedoch mehr wert. Ich bin ja nur Verwalter des durch Sie anvertrauten Eigentums Jesu.  Ich denke deshalb weder in Mitgliederzahlen noch in Quadratkilometer Land.

Auch möchte ich niemals für eine notwendige organisatorische Änderung ein Hindernis sein, höchstens möchte ich den Aposteln das Beispiel geben, daß wir nur Glied, Sie aber das Haupt am Leibe Christi sind.

Da wir am 31. Mai in Düsseldorf sind, möchte ich meine Gedanken vorhergehend unterbreiten, damit Sie mit Apostel Kulhlen, wenn Sie es für richtig halten, sprechen können, und dazu eine positive Unterlage zur Hand haben.

Wie Apostel Hahn schreibt, müßte er an den neuen Apostelbezirk 4 388 Seelen abgeben.

Von dem Apostelbezirk Frankfurt a.M.  lagen am 1.Januar 1953 26 Gemeinden mit 2 779 Seelen in Rheinland-Pfalz.

Der Apostelbezirk Düsseldorf hat laut Adreßbuch 1952 7 Gemeinden in Rheinland-Pfalz.

Die Mitgliederzahlen sind mir nicht bekannt, ich schätze höchstens 1 ooo Seelen, zusammen 8 167 Seelen.

(Seite 2 im Original)

Da es sich hierbei um eine Angelegenheit dar Apostel in Deutschland handelt, ist die Satzung des Apostelkollegiums der Neuapostolischen Gemeinden Deutschlands e.V. maßgebend, In § 2 wird unter dem Vereinszweck genannt:

Das Apostelkollegium hat mithin .....

9.) Veränderungen in bestehenden Gemeinde-Bezirken oder Bildung neuer Bezirke vorzunehmen.

Ich sende dieses Schreiben an die Apostel in Deutschland und bitte, mir umgehend in einem Eilbrief mitzuteilen, ob Ihr den Vorschlag des Apostels Hahn zustimmt der nicht. Wenn drei Viertel der Apostel ihre Zustimmung geben, dann wollen wir am Montag, 1.Juni, vormittags, in Düsseldorf zusammenkommen und in einer Apostelversammlung die Neubildung des Apostelbezirkes Rheinland-Pfalz protokollieren.“ Quelle: Brief von JGB (1953) zur Schaffung eines Ap-Bezirkes für seinen Sohn Fritz

Auffällig ist, dass Apostel Hahn, kaum im dritten Amtsjahr, „niemals für eine notwendige organisatorische Änderung ein Hindernis sein (möchte), höchstens möchte ich den Aposteln das Beispiel geben, daß wir nur Glied, Sie aber das Haupt am Leibe Christi sind.“  Zumindest gibt Hahn als Grund seines Schreibens an, dass JGB „eine positive Unterlage zur Hand haben“ sollte für das Gespräch mit Apostel Kuhlen zur Begründung der von ihm vorgeschlagenen „Gebietsreform“ zur Erlangung des Körperschaftsrechtes in Rheinland-Pfalz. 

Fakt ist, dass FB 1950 als Bezirksältester,  1951 als Apostel und am 12.7.1953,  also nur vier Monate nach dieser Versammlung, als Bezirksapostel und Kirchenpräsident der neuen Gebietskirche eingesetzt wurde. Es hätte durchaus auch andere Möglichkeiten gegeben, die Körperschaftsrechte zu erlangen, wenn nicht offensichtlich machtpolitische Erwägungen zugunsten FB´s im Vordergrund gestanden hätten. Vermutlich sind die drei Apostelbezirke dem Land Rheinland-Pfalz gegenüber (Kultusministerium?) mit unterschiedlich formulierten Anträgen oder Aussagen aufgetreten. Wenn die Anträge ein durchgehend einheitliches Erscheinungsbild abgegeben hätten, hätte sich RhPf mit den umliegenden Ländern abstimmen können, die allesamt ja auch die Körperschaftsrechte verliehen haben. Diese Länder werden es gehandhabt wie das damalige Land Württemberg. Hier wurden Ende der zwanziger Jahre ohne nähere inhaltliche Prüfung die Körperschaftrechte verliehen mit der (bequemen) Begründung, dass sie von Berlin auch an die NAK vergeben wurden und dort schon ausreichend die Voraussetzungen geprüft worden seien. Auch hätte eine Zusammenführung dergestalt geschehen können, dass unter Zusammenlegung aller Gemeinden eine  „Landeskirche“ RhPf hätte gegründet werden können (wie für FB durchgeführt), die nach der Anerkennung als K.d.ö.R. dann auch mit Kuhlens Bezirk hätten fusionieren können.  Eine solche Fusion wurde 2018 durchgeführt. Dazu heißt es (Quelle):

„Zusammenschluss der Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen K. d. ö. R. und
der Neuapostolischen Kirche Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland K. d. ö. R.
zur Neuapostolischen Kirche Westdeutschland mit Sitz in Dortmund K. d. ö. R.

Vom 17. Januar 2018

Die Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen K. d. ö. R. und die Neuapostolische Kirche Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland K. d. ö. R. haben zum 1. Januar 2018 ihren Zusammenschluss zur Neuapostolischen Kirche Westdeutschland K. d. ö. R. mit Sitz in Dortmund beschlossen. Das gesamte Vermögen der Neuapostolischen Kirche Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland K. d. ö. R., einschließlich aller Rechte und Pflichten sowie aller Arbeitsverhältnisse, ist auf die Neuapostolische Kirche Nordrhein-Westfalen K. d. ö. R. übergegangen; deren Name wurde in Neuapostolische Kirche Westdeutschland K. d. ö. R. geändert.

Düsseldorf, den 17. Januar 2018

Der Ministerpräsident
des Landes Nordrhein-Westfalen“

Und dass, wie von Hahn behauptet, FB „alle Voraussetzungen besitzt  und auch jedes Vertrauen bei Brüdern und Geschwistern geniest“, steht jedenfalls im Gegensatz zu den Zweifeln, die Weine und die Apostel Rockstroh und Buchner äußerten. Interessant ist auch, dass Hahn dafür gesorgt hat, dass seine Amtsträger keine Sozialabgaben mehr leisten. JGB schreibt: „Apostel Hahn hat für seinen Bezirk erwirkt, daß die hauptamtlich tätigen Brüder von der Pflicht, Sozialbeiträge zu leisten, befreit werden. In der Apostelversammlung wird er den anwesenden Aposteln darüber berichten.“ Da die NAK gemäß Verfassung allgemeinnützige Zwecke verfolgt, tut sich hier ein Widerspruch auf, weil diese Maßnahme eher eigennützig ist.

 

9. Schlusskommentar

Durch die dargestellten Zusammenhänge und Hintergründe wirft sich aus meiner Sicht wie eingangs bereits angedeutet die Frage nach den politischen Überzeugungen von Vater und Sohn Bischoff weniger auf. Auch rücken die von Krauss hervorgehobenen  Notwendigkeiten von „Inszenierungen“ zum  Schutz der NAK in den Hintergrund. Vielmehr und entscheidender sollte gewichtet werden, dass beide zum Ausbau ihrer persönlichen Macht nicht davor zurückschreckten, den von ihnen wohl erwarteten, politischen Umbruch durch die Nationalsozialisten zur Indoktrination der eigenen Kirchenmitglieder und des Apostelkollegiums hemmungslos ausnutzten. 1933 wurden die Grundlagen geschaffen, die durch den Krieg teilweise unterbrochenen Strategien ab 1949/50 in sehr zielgerichteten Maßnahmen weiter zu verfolgen. Auch nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes blieben nämlich in der NAK das zuvor aufgebaute, absolute Führerprinzip und der konstruierte Personenkult um JGB erhalten.  Stiegelmeyr schreibt in diesem Zusammenhang: „Dies findet beweiskräftige Bestätigung in der verblüffenden Tatsache, dass weder diese genannten Maßnahmen noch die Gehorsamskultur mit Beendigung des Terrorregimes der Nazis ebenfalls ihre Beendigung gefunden hätten – wovon eigentlich auszugehen gewesen wäre. Weder wurde der 10. Glaubensartikel wieder an die demokratische Version der Weimarer Republik angepasst noch der Führerkult um den Stammapostel ad akta gelegt – ganz im Gegenteil. Dies aber beweist unwiderleglich, dass der nationalstaatliche Totalitarismus für die NAK-Führung nur Mittel zum Zweck war für den hauseigenen Glaubenstotalitarismus, der dann im Scherbenhaufen der Botschaft ebenso wenig ein Ende fand wie der Nazigeist mit dem verlorenen Weltkrieg – Geist stirbt eben nicht.“ Quelle:  Rudolf J. Stiegelmeyr, 2021, Glaubensgehorsam als Bindeglied zur staatlichen Diktatur

(Fortgesetzt werden konnte diese Praxis auch nahtlos in der DDR, nur dass das rechte, faschistische in  das linke, sozialistische System gewechselt hatte. Kurt Hutten schrieb am 21.5.1958 an die Evangelische Kirche in Deutschland zum Verhältnis NAK und DDR-Staat zutreffend: "Zum Verhältnis zwischen Sekten und staatlichen Stellen: Unter den Sekten, die erlaubt sind, scheinen die Neuapostolischen sich besonders um ein gutes Verhältnis zum Staat zu bemühen. Sie setzen damit im Grund nur die Linie fort, die sie schon in der nationalsozialistischen Zeit von Anfang an eingehalten haben. " (Quelle: Olaf Wieland: Von einer" Sekte" zur "Freikirche"?)

Mit christlichem Glauben hat das aber überhaupt nichts mehr zu tun, im Gegenteil! Mit dem Stammapostolizismus  und der Adaption autokratischer Führungsprinzipien haben Vater und Sohn auch den Eckstein Jesus verworfen. Ja mehr noch wurde der Personenkult nach Kriegsende in der BRD noch ausgeweitet und mit der Erzeugung von Feindbildern in Gestalt der demokratisch orientierten Apostel auf die Spitze getrieben. All dies hat FB aus dem Hintergrund mit in die Wege geleitet und seinen Vater dementsprechend manipuliert. Je erfolgreicher dies gelang, umso sicherer stabilisierte sich  die durch den Verlag garantierte finanzielle Situation von FB. Für ihn war der erfolgreich zementierte Stammapostel überlebensnotwendig. Die in der Nachkriegszeit u.a. von Kuhlen eingeleiteten Demokratisierungsbemühungen mussten deswegen mit allen Mitteln unterbunden und gestoppt werden. Die Gelöbnis- und Statutenänderung und die dadurch theologisch begründbare Machtzentrierung bildete dazu die Grundlage. Wer gegen den Stammapostel opponierte, konnte als „Feind“ und „Gegner“ des „Werkes Gottes“ ausgemacht und  solange gnadenlos diffamiert werden, bis der Kirchenausschluss als zu Recht ausgesprochene Maßnahme angesehen werden konnte.

Deutlich ist dabei herauszustellen, dass die Botschaft von der Wiederkunft Jesu zu Lebzeiten des Stammapostels keine isolierte Einzelaktion war, die auf einen fehlgeleiteten Irrtum des greisen JGB zurückzuführen ist. Nein, sie war beileibe kein religiöser Wahn, sondern der zielstrebig vorbereitete Schlussstein einer Kette von Ereignissen, die in der Abfolge so schlüssig und zielstrebig sind, dass sie nicht als Zufall angesehen werden können. Ihr Verbindungsglied ist die strategisch geplante Herbeiführung der absoluten Führungsmacht von Vater und Sohn Bischoff. 

Folgende, aufeinander aufbauende Ereignisse können als Etappenziele - ohne Anspruch auf Vollständigkeit –  ausgemacht werden:

  1. Der Aufbau des zentralisierten Kirchenverlages in Frankfurt (Wohnort von Vater und Sohn)
  2. Die Übernahme der Verlagsleitung und damit Kontrolle der Schriften mit dem Ziel, den Stammapostel „als Träger des geistlichen Leben“ herauszuheben, der die Aufgabe hat, dieses „Geistliche Leben“ den Kirchenmitgliedern zu vermitteln.
  3. Durch den fingierten „Kauf“ des Verlages von FB und der damit verbundenen Privatisierung wurden die Publikationen auch dem Zugriff des Apostelkollegiums entzogen. Die Einnahmen sicherten Vater und Sohn zudem ihren finanziell aufwändigen Lebensstil!
  4. Der angestrebte, absolute und diktatorische Führerkult durch JGB wurde durch die Statutenänderungen von 1933 kirchenpolitisch abgesichert  und unter dem Deckmantel des Glaubens vom staatspolitischen Umbruch her als notwendig und gottgewollt abgeleitet.
  5. Die nach Kriegsende vom Apostelkollegium eingeleiteten Demokratisierungsprozesse einschließlich der Ordination des Stammapostelnachfolgers Kuhlen und der beschlossenen Statutenänderungen wurden sukzessive torpediert und als ungöttlich verteufelt.
  6. Ein zweites Mal werden 1949 Druckerei und Verlag ohne finanzielle Gegenleistung an FB für 25 Jahre übergeben.
  7. FB wird 1951 zum Apostel und 1953  „zum Bezirksapostel ordiniert und gleichzeitig Kirchenpräsident der neu gegründeten Gebietskirche Rheinland-Pfalz. Diese sehr kleine und extra für FB geschaffene Gebietskirche wurde dem bisher dafür zuständigen Bezirksapostel und 1948 als Stammapostelhelfer und Stammapostelnachfolger bereits ordinierten Peter Kuhlen entzogen. Kuhlen votierte zuvor deutlich gegen die 25jährige Verlängerung der Verlagsleitung von FB und gefährdete damit u.a. auch dessen sichere finanzielle Absicherung. (Quelle)“ Zitiert aus: DS Wer war Friedrich (Fritz) Bischoff?  Teil 3
  8. Die 1951/52  zum Dogma erhobene Botschaft machte Kuhlen als Nachfolger im Amt überflüssig und JGB als den letzten Führer zum erwarteten Heil absolut unentbehrlich.
  9. Selbst Segenshandlungen wie Taufen, Konfirmationen, Verlobungen, Hochzeiten und Silberne Hochzeiten wurden an das Bekenntnis zur Botschaft geknüpft (Süddeutschland).
  10. Die Statutenänderung wurde 1950 unrechtmäßig für nichtig erklärt und von FB vollständig in seinem Sinn überarbeitet.
  11. Kuhlen wurde 1955 aus fadenscheinigen Gründen unrechtmäßig des Amtes enthoben und aus der NAK ausgeschlossen. Die Spaltung war die in Kauf  genommene Folge. Gegen diese Gegner und Feinde wurde weiterhin mit aller Macht bis hin zur Verteufelung polemisiert.
  12. Nach dem Tod von JGB 1960 wurde flugs ein Nachfolger gewählt, da Gott nun seinen Willen geändert hatte. FB´s Funktionen als Bezirksapostel mit eigenen Gesetzen und Verlagsleiter wurde nie wieder angezweifelt.  Sein Ziel war erreicht!

Eine interessante Zuweisung von Krauss, FB hätte in seiner Kyffhäuser-Rede übertreibend „potemkinsche Dörfer gemalt“ (Kraus a.a.O. S 127), die einer Überprüfung nicht standgehalten hätten, legt nahe, dass auch die von ihm langfristig inszenierte Botschaft ein ebensolches potemkinsches Dorf war. Wer sich traut, vor den Nazis erfolgreich übertreibend zu lügen, setzt dieses Mittel auch innerhalb der eigenen Zielgruppe ein!  Faktisch war die Botschaft jedenfalls das Mittel zum Ausschluss aller „Gegner“, die auf dem Weg zur Macht Vater und Sohn Bischoff hinderlich sein konnten. Niemand stand ihnen von da an in den eigenen Reihen noch im Weg, die kirchenpolitische  Säuberung durch den Abfall von Kuhlen und Co – der in Wirklichkeit ein Rausschmiss war - war erfolgreich. Das folgende, an selbstherrlicher Arroganz nicht zu überbietende Zitat  aus einem Artikel in der Wächterstimme, der mit großer Sicherheit von FB verfasst wurde (der Einstieg ist ebenso wie der Redestil typisch für seine markante Art), zeigt das überdeutlich. Man beachte, wenn hier vom „unbedingten Gehorsam“ die Rede ist, dass dieser Artikel 1955 nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes geschrieben wurde.

 Die Erfahrung lehrt uns in ungezählten Fällen, wenn es um den Bestand und die Erhaltung einer wichtigen Sache geht, daß der unbedingte Gehorsam an einen Auftrag oder Befehl notwendig ist. Kein Unternehmen kann gedeihen, wenn jeder Beteiligte seine eigenen Interessen verfolgt, Kein Staat würde bestehen können, wenn jeder Bürger tun wollte, was ihm beliebt. […] Uns, dem Volke Gottes der Endzeit, ist der Stammapostel vom Herrn gegeben, damit er uns zum Ziele führe, und wir müssen erst einmal durch Gehorsam und Treue dem Mann Gottes gegenüber, vor Gott beweisen. daß wir überhaupt wert sind, geführt zu werden. […] Jeder einzelne im Volke Gottes entscheidet aber durch sein Verhalten zur göttlichen Führung über sein eigenes Los jetzt und in Ewigkeit. Es ist unmöglich, daß in den Reihen der Getreuen die Ungetreuen bleiben können, und daß in der Schar derer, die kindlich gläubig dem Stammapostel folgen, noch Platz wäre für die Ungläubigen und Widerstreber . […] Niemand sollte im Angesichte der notwendigen Reinigung von Lieblosigkeit reden, denn wer das Arge duldet, der liebt es und ist selbst im Argen. Solche, die da meinen, das, was sie im Bereich des Fürsten dieser Welt gelernt und angenommen haben, in dem Himmel der Gemeinschaft fortsetzen zu können, werden erleben müssen, daß ihnen der liebe Gott zu solchen Bestrebungen keine Entfaltungsmöglichkeit läßt. Durch das Licht der Wahrheit wird der Geist der Lüge entblößt. Wo der Felsen des unerschütterlichen Glaubens im Stammapostel steht, müssen alle Widersacher, Besserwisser, Zweifler und Ungläubige zu Fall kommen (Quelle:  NAK-Amtsblatt 1955 Nr. 16-18 Ämtergottesdienst STAP. Bischoff )

Fünf Jahre später sah die Welt nach dem Tod von JGB anders aus, die Widersacher, Zweifler und Ungläubigen waren aber nicht zu Fall gekommen, sondern eigentlich die NAK. Aber das durfte nicht sein. Folglich wurde mit nicht zu überbietender Dreistigkeit der Tod des Stammapostels als Gottes Plan umgedeutet:

 „ […] Auch daß der Herr durch unsern alten Stammapostel die uns bekannte Botschaft verkündigen ließ, gehört zu seinem Plan. Auch daß dieselbe durch seinen Tod hinfällig wurde, war sicherlich vorgesehen. Der Tod unseres alten Stammapostels hat alle Treuen wie ein gewaltiger Donnerschlag erschreckt. Es sollte ein heilsames Erschrecken sein. Wir waren zu sicher geworden und wohl auch zu träge, um unser Hauptaugenmerk auf unsere eigene Vollendung zu richten. Wir haben nur auf das Ziel gestarrt und haben dabei viel Wichtiges vergessen zu überwinden. […] Durch das Ausscheiden aller Zweifler, Rechthaber und Eigenbrötler ist unter seiner Führung die völlige Einheit in allen Glaubensfragen, nicht nur im Kreis der Apostel, sondern auch in allen Gemeinden der Neuapostolischen Kirche auf der ganzen Erde hergestellt worden." Brief von Ap. Weinmann, von FB publiziert am 15.8.60 in der Wächterstimme

Das alles sind  so gewaltige Ungeheuerlichkeiten, dass einem eigentlich schlicht die Worte fehlen. Für Bezirksapostel Friedrich Bischoff und die Nord-Süd-Achsewar es dennoch ein Sieg auf ganzer Linie! Zu FB ist festzuhalten:

„FB war kein Nachfolger, er war selbst ein Akteur, ein „Macher“, der die  Richtung bestimmte, wohin es gehen soll! Eher setzte FB also auch in den 80er Jahren nur die eigene Tradition fort, dass er - wie schon immer und ohne Nachfrage - allein und an erster Stelle entschied, was die richtige und was die falsche Lehre oder Entwicklungsrichtung ist? […] (Dies) wird bestätigt durch seine im Schreiben an Urwyler gezeigte unaufrichtige Haltung, sich zu seiner Tätigkeit innerhalb der Botschaftszeit nur lügend und ausflüchtig zu äußern. Das verständliche Anliegen des Stammapostels ignorierte er schlicht, um sich nicht selbst zu belasten.

Hier […] der Versuch einer sehr knappen Zusammenfassung der insgesamt quellenbasiert […]  kritisierten Sachverhalte zu Friedrich Bischoff:

Die Fakten sind

  1. seine Machtkämpfe um den Verlag, bei denen ihm jedes Mittel recht war, die eigenen Interessen durchzusetzen,
  2. seine politisch polemischen Aktivitäten als Mitglied der NSDAP einschließlich selbst geschriebener und als Herausgeber verbreiteter nationalsozialistischer Propaganda zur staatspolitischen Beeinflussung der NAK-Mitglieder,
  3. seine strategisch langfristig geplante und intrigante Art, Widersacher auf hinterlistige Art und Weise auszuschalten,
  4. seine innerkirchlich beißende Polemik gegen jeden Kritiker, der seine finanzielle und kirchenpolitische Machtsituation gefährden könnte,
  5. seine in den Artikeln des Verlages strategisch gezielt eingesetzte Propaganda zur Instrumentalisierung der Botschaft,
  6. seine Verweigerung, Co-Predigten von Apostel Kuhlen in Gottesdienstberichten zu drucken,
  7. seine Botschafts-Inszenierung als kirchenpolitisches Machtinstrument zur Ausschaltung von persönlichen Gegnern,
  8. seine verschleierten finanziellen Manipulationen und sogar strafrechtlich relevante Veruntreuungen von Kirchengeldern zur eigenen Bereicherung,
  9. seine Verhinderung der Modernisierung und Demokratisierung der NAK durch die vollständige Ablehnung der neuen Statuten,
  10. seine im Alleingang durchgeführte Neuformulierung und Revision der Statuten zugunsten der verschärften Bedeutung des Apostelamtes,
  11. seine Verantwortlichkeit als manipulierender Verursacher des Kirchenausschlusses von Kuhlen,
  12. seine gezielte Manipulation des Stammapostels zur Durchsetzung eigener Interessen und
  13. seine durch den Kirchenausschluss Kuhlens bedingte Verantwortlichkeit für die sich anschließenden Abspaltungen, Enteignungen und dadurch hervorgerufenen menschlichen Tragödien,
  14. seine vor- und  nachbotschaftlich grauenhaften Verteufelungen der von ihm selbst als solche erst fälschlich aufgebauten, sogenannten Gegner und Feinde des Werkes Gottes, die faktisch aber nur Feinde seines eigenen Machtstrebens waren,
  15. seine nach dem Todes des Vaters auf sich geladene Schuld durch die wissentlich falschen Uminterpretationen der Botschaft, die als Rechtfertigungen den Kirchenmitgliedern die nach wie vor aufrecht erhaltene Göttlichkeit der Botschaft vorgaukeln sollten,
  16. seine illoyale Haltung gegenüber Stap Urwyler, den er  belogen und mit Halbwahrheiten abgespeist hat, um sich nicht selbst zu belasten.“

Quelle: Streich 2021, Wer war Friedrich Bischoff, Teil 7

Und Fakt bleibt: Bei all den geschilderten Ereignissen, Manipulationen und Lügen, bei allen Verunglimpfungen der sogenannten Feinde und Zweifler an den Verkündigungen von Vater und Sohn Bischoff und den gleichzeitig betriebenen finanziellen Schiebereien  ging es niemals um religiöse Wege zum Heil, sondern ausschließlich um die aus den herbeigeführten Ereignissen zu erreichenden eigenen Vorteile  hinsichtlich der ausgebauten Macht und dem damit verbundenen finanziellen Vorteil dieses Führungsduos. Für jeden gedruckten Artikel kassierten beide von Anfang an gehörige Tantiemen, durch die sie ihre luxuriöse Lebensweise mit dem von ihnen "geschriebenen Wort Gottes" und der stets garantierten Abnehmerzahl bequem finanzieren konnten. Der Deckmantel des Glaubens hinsichtlich des eingeforderten Stammapostelglaubens, der „Treue“ und des Gehorsams zu ihm war eine bewusste und absichtliche Täuschung der Mitglieder der NAK zur eigenen Machtabsicherung. Und bis auf den heutigen Tag bleibt diese damals konstruierte zentrale Bedeutung des Stammapostel- und Apostelamtes das Kennzeichen, was die NAK noch immer konstitutiv ausmacht. Ihre Kirchenführer inszenieren sich selbst und noch immer folgen ihnen – wie damals – die Mitglieder dieser theologisch haltlosen Indoktrinationen nach und spenden zuverlässig  monatlich 10% ihres Einkommens.  Christlich ist diese „Kirche“ bestenfalls in zweiter Hinsicht. Die erste Forderung an die Mitglieder ist die Anerkennung des Apostelsamtes, alles andere ist nachgeordnet. Dies ist ihr exklusivistisches Markenzeichen und wird es auch bleiben. (Siehe dazu auch: 18.5.2021 Pfingsten – Tatsächlicher Geburtstag der (NAK-)Kirche Christi oder falsche Bibelinterpretation? )

Stap. Schneider am 1.3.2015 in Berlin: „Wer an die Apostel glaubt, darf sich auf die Fürbitte Jesu berufen.  … Wer nicht mehr so an die Sendung glaubt, wer nicht mehr an das Erlösungswerk glaubt, wer so langsam zurückgeht, wird zum Feind.“

Weitere Forschungen zur Aufarbeitung der neuapostolischen Kirchengeschichte könnten die  in dieser Arbeit mittels der neuen Quellen aufgedeckten Hintergründe und Zusammenhänge  vertiefen oder sie auch kritisch mit neuem Quellenmaterial durchleuchten. Zumindest sollten sie in der Diskussion um die Geschichte der NAK Beachtung finden, auch und gerade in offiziellen Stellungnahmen zu diesem Thema. Ob das allerdings wirklich geschieht,  bleibt mehr als fraglich und wäre noch unter Beweis zu stellen. Der Vorsitzende der NAK-AG Geschichte, Dr. Karl-Peter Krauss,  und der Kirchensprecher Johanning sind über meine Ausarbeitungen jedenfalls per Email informiert worden …

Festzuhalten bleibt hier, dass Abläufe in der Geschichte, wenn sie nicht schonungslos analysiert werden,  unkontrollierte Auswirkungen bis in die Gegenwart hinein entwickeln.  Insofern sind die hier dargestellten, machtpolitisch orientierten Manipulationen aus der Geschichte der NAK keinesfalls nur marginale Ereignisse aus der Vergangenheit im Sinne bedeutungsloser und vielleicht bedauerlicher Fehler. Vielmehr zeigen sie grundlegende Fehlausrichtungen der Führungsriege der NAK auf, die bis auf den heutigen Tag leider nichts an Bedeutung verloren haben. Die eigene Geschichte zu kennen, besser, sie und die damit verbundenen Fehler  analytisch erkennend zu durchdringen. wäre der erste Schritt. Daraus abgeleitet wäre eine Neuorientierung mit strukturellen Veränderungen möglich, die gegenwärtig und zukünftig dazu führen könnten, gemachte Fehler nicht zu wiederholen. 

Der christliche Terminus dafür lautet „Buße“, die zu einer inneren und äußeren Umkehr führen sollte. Dazu allerdings scheint die NAK aber weder willens noch in der Lage zu sein, damals wie auch heute nicht. Die neueste Idee von Stap Schneider lautet sogar in absurder Weise:  „Gott schützt uns vor dem, was hinter uns liegt!“ So gesprochen am 18.7.21 in Altkirch (Frankreich) und eingestellt am 7.8.21 von Kirchensprecher Johanning! (Quelle: Weitermachen – weitergehen – weiter glauben! - nac.today) Wozu braucht man da noch die interne Arbeitsgruppe Geschichte? Schneider weiter in gewohnter Manier: „Es steht uns nicht zu, zu richten oder den Sünder gar zu bestrafen!“  (Vergleiche die Zitate zum Stichwort Vergebung“, die immer am Täterschutz orientiert sind!)

Die Relevanz der Wolf´schen Kritik von 1931 an der NAK bestätigt sich also somit nochmals durch diese jüngsten,  aus psychologischer und theologischer Sicht unsinnigen Behauptungen und Forderungen: Weitermachen, weitergehen, weiter der NAK glauben, gleich was mal war oder gegenwärtig ist! „Anstatt die Vergangenheit zu begraben, richtet man sich im Selbstmitleid ein. – Was habe ich schon alles durchgemacht!“ (QuelleSchneider im Wort zum Juli 2015)  Kritisch denkende Menschen sollten sich jedenfalls keinesfalls von solchen unchristlichen Durchhalteparolen verunsichern  oder gar unterdrücken lassen.

So möchte ich nun auch meine aktuellen Arbeiten zur Inszenierung von Scheinwirklichkeiten und Machtbehauptung um jeden Preis durch die Führungsriege der NAK  in großer Hochachtung vor diesem damals schon sehr kundigen und mutigen Kritiker und in Erinnerung an ihn mit dessen sehr passendem, eigenen Schlusswort beenden. Vor solchen scheintheologisch daherkommenden  „Seelenfängern“ kann nicht genug gewarnt werden! Das eigentliche und wirkliche Leben wartet auf diejenigen, die sich von diesem unterdrückenden System trennen können und zukünftig ihr geschenktes, einmaliges menschliches  Sein endlich selbst  in die eigene Hand nehmen. Eigenverantwortlichkeit und Authentizität sind die Schritte, die dann allerdings unweigerlich auf dem zu beschreitenden Weg zu sich selbst hin liegen. Das, und nur das, ist – aus meiner persönlichen Sicht- der Sinn des Lebens und die Aufgabe, die das Leben an jeden Einzelnen richtet, mit oder ohne  religiöse Ausrichtung.

„Wahre Religion halte ich für eines der edelsten und kostbarsten Güter der Menschheit. Wenn die Religion jedoch zu egoistischen Zwecken mißbraucht und so zum Fluch der Menschheit wird, empfinde ich es als Gewissenspflicht, den Kampf hiergegen aufzunehmen - und wenn er auch noch so schwer ist. [...] Möge die vorliegende Broschüre dazu beitragen, daß recht viele Menschen davor bewahrt bleiben, religiösen Wahnideen und bibelvers-gepanzerten Betrügern  zum Opfer zu fallen!“ S.4 (Friedrich Wolf, 1931)

 

PS.: Weitere Zitate von Friedrich Wolf

S. 3 „Immer und immer wieder habe ich bei vielen Menschen auf religiösem Gebiet eine geradezu kindliche Einfalt und blinde Vertrauensfestigkeit feststellen müssen - am meisten im Sektenwesen. Viele sehen hier nur den heiligen Mantel und die guten Seiten, die gern zur Schau gestellt werden - aber was sich hinter den Kulissen abspielt, davon haben die wenigsten eine Ahnung.“

S. 7 "Jede Verirrung hat einen Anfangspunkt. Dieser Punkt liegt in der Annahme, daß die Apostel genannten Männer der letzten Zeit unter allen Umständen die Autorität sind und souverän über der Bibel und ihren Lehren stehen. Also die päpstliche Irrlehre: Was die Apostel lehren, ist unfehlbar. Ihre Auslegung der Bibel und ihrer Zeugnisse ist allein maßgebend. Prüfungsrecht gibt's nicht. Nur Anerkennungs- und Glaubenspflicht."

S. 9 "Der Gipfelpunkt auf diesem Gebiet (Totentaufe, Totenabendmahl und Totenversiegelung). wurde aber erreicht, als im Jahre 1916 auf der Apostel- und Ämterversammlung in Bielefeld am 28. Juli 1916 nachmittags 'Ämter für das Jenseits' gesetzt wurden. Die lebenden neuapostolischen Apostel unter Leitung ihres Präses, des Stammapostels, hielten sich nämlich für berufen, unter Mitwirkung, Anrufung und Zitierung entschlafener neuapostolischer Apostel: aus dem Jenseits - für das Jenseits - Apostel zu rufen und zu ordinieren, nicht allein aber Apostel, sondern auch Bischöfe, Propheten, Älteste, Evangelisten, Hirten, Priester, Diakonen usw  --- Wir, die wir Mitzeuge dieser […] unternommenen Ungeheuerlichkeit waren (es mögen bald einhalbtausend Amtsträger zugegen gewesen sein), konnten uns nicht enthalten, die Sache als eine mindestens problematische und zweifelhafte zu bezeichnen. Die im Nachgang gemachten Einwände fanden aber keine Aufnahme und keinen Widerhall. Wir machten etlichen Aposteln gegenüber die Vorstellung, daß bei konsequenter Festhaltung an dieser […] Anmaßung dann aber die neuapostolischen Handlungen für die Toten im Diesseits jetzt aufhören müßten. Nun ist aber durchgreifende sachliche Logik leider nicht die Stärke der neuapostolischen Bekenntnisse, und so fand auch diese Meinung keinen Boden. Diese 'Totenämtereinsetzung', die das Grab für die bisher geübten Totensakramente hätte konsequenterweise sein müssen, mußte und sollte eben im Effekt nur dazu dienen, die unbedingte Notwendigkeit der lebenden neuapostolischen Apostel für das Diesseits und für das gesamte Jenseits zu illustrieren."

S. 10 „Ein erfahrener neuapostolischer "Seelenhirte" weiß eben auf alles eine Antwort zu geben, denn ein passender Bibelvers findet sich immer! Daß man manchmal in die peinliche Lage kommen kann, heute auf Grund der Bibel das Gegenteil von dem beweisen zu müssen, was man erst gestern mit derselben Bibel bewiesen hat, tut nichts zur Sache. Man weiß ja nur zu gut, daß sich die meisten Glieder mit einigen Bibelversen abspeisen lassen und daß sich selten jemand findet, der tiefer nachdenkt!“

S. 20 „Es gibt ab und zu sonderbare Zusammenhänge im menschlichen Leben. Sind sie geeignet, den Eindruck zu erwecken, als bestätige damit Gott die Worte der neuapostolischen Amtsträger, alsdann werden diese Begebenheiten in alle Welt hinausposaunt.[…]  Die große Masse der Neuapostolischen läßt sich auf diese Weise willig irreführen; die meisten Menschen w o l l e n  ja betrogen sein - und schimpfen auf diejenigen, die ihre Betrüger entlarven - - -!

S. 6 Verpflichtet war jedes Mitglied, einmal im Jahr  10 Mark „zu Händen des Apostelbezirksleiters zu zahlen.“ (S. 7)  Außerdem „fühlen sich die Mitglieder im Glauben verpflichtet,[…] in die im Kirchensaal stehende Opferbüchse freiwillige  Spenden zu legen […] Die durch die Opferbüchse eingehenden freiwilligen Beiträge werden von dem Apostel für das Wohl der Gemeinden verwendet.“ ( S.21) „Tieropfer, die doch auch im Alten Testament gefordert werden, halten die Führer der Neuapostolischen Gemeinde für wertlos, wenn es sich jedoch um G e l d handelt, haben die alttestamentischen Opfergesetze noch Gültigkeit (!). - Die Bibel wird eben so angewendet und gedeutet, wie es "zeitgemäß" erforderlich ist, d.h. wie es den Interessen dieser Herren entspricht! S.24 „Ich bin fest überzeugt, daß es genug Neuapostolische gibt, die - auch wenn sie das gelesen haben - trotzdem wie bisher "dem lieben Gott" "ihr Opfer darbringen". - Auf religiösem Gebiet hat die menschliche Einfalt keine Grenzen!“

S.27 Zitat aus "Der Größte unter ihnen" : "Der Stammapostel hat in den letzten Jahren auf Schmähschriften, mögen sie noch von so beleidigendem Inhalte gestrotzt haben, nicht mehr geantwortet. Die feindlichen Schmähungen haben dem Werke Gottes nicht im geringsten Abbruch getan, sondern viel gutes gebracht." Ebd S. 112

S.27 „Da meine Schrift nur Tatsachen enthielt, die man nicht widerlegen konnte, hat man der Gemeinde empfohlen, meine Schriften nicht anzunehmen oder sie sofort zu verbrennen; man hat vor mir gewarnt und mich sogar im Gottesdienst (!) als "dummen Jungen" bezeichnet.“

S.32 „Manche Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde werden einwenden, daß alles, was ich hier von Dresden erwähnt habe, eine r e i n  ö r t l i c h e   A n g e l e g e n h e i t  sei; in anderen Gemeinden käme so etwas gar nicht vor. Dem muß ich folgendes entgegenhalten:

1. Jede Neuapostolische Gemeinde kann auf Uneingeweihte einen durchaus sympathischen Eindruck machen; in jeder Gemeinde wird es unter den Gliedern (mitunter auch unter den niederen Amtsträgern) wirklich gute, rechtschaffene Menschen geben.

2. Was auch in einer Gemeinde vorgefallen sein mag - stets wird man zu verhindern suchen, daß unbeteiligte Glieder oder gar Gäste etwas erfahren. So kann es vorkommen, daß Glieder, die Jahre, ja selbst Jahrzehnte der Neuapostolischen Gemeinde angehören, davon überzeugt sind, daß alles in bester Ordnung sei.

3. Alle Neuapostolischen Gemeinden stehen unter einheitlicher Leitung; jeder Amtsträger hat sich den Anordnungen seiner Vorgesetzten u n b e d i n g t  z u   f ü g e n. Jeder Kenner der Verhältnisse weiß, daß es v ö l l i g   u n d e n k b a r ist, daß sich Amtsträger einer Gemeinde etwas erlauben könnten, das von ihren Vorgesetzten nicht gutgeheißen wird.

Wiederholt ist schon an mich die Frage gerichtet worden, wo nun eigentlich "die Wahrheit" oder "etwas Besseres" als in der Neuapostolischen Gemeinde zu finden sei. […] Allerdings muß ich gleich im voraus bemerken, daß ich nicht damit rechne, bei bornierten Mitgliedern der Neuapostolischen Gemeinde oder irgend einer anderen Sekte Verständnis zu finden - denen wird kaum noch zu helfen sein. Nach meinen bisherigen Erfahrungen halte ich es für zwecklos, mich mit solchen Menschen auseinanderzusetzen und bitte deshalb alle, die gern auf Bibelversen herumreiten und mit ihrem "guten Glauben" prahlen, mich mit Briefen zu verschonen. - Auf Grund von Bibelversen weißt  j e d e   r e l i g i ö s e  G e m e i n d e nach, d a ß  n u r  s i e   a l l e i n  die einzig richtige ist!

Dem, der erkannt hat, daß er "die Wahrheit" nicht finden kann, wenn er aus einer religiösen Gemeinde in die andere stolpert, dem ernstlich nach höherer Erkenntnis Strebenden will ich gern behilflich sein. Zu diesem Zweck habe ich auf der dritten Umschlagseite verschiedene Bücher empfohlen. Diese Bücher behandeln allgemeine religiöse Fragen; sie sind durchdrungen von dem heißen Bemühen, den Kern der christlichen Religion zu finden und stets die r e i n e  W a h r h e i t zu sagen. Allerdings wird dabei manche Illusion eines "gutgläubigen" Christen zerstört - doch nur so wird der Weg frei zu wahrhaft höherer Erkenntnis und zu wahrem religiösem Erleben.

Wer sich so – im ehrlichen Bemühen stets bei der Wahrheit zu bleiben und sich nicht durch religiöse Schwärmereien beirren zu lassen - aus der Engstirnigkeit des Sektenwesens zu wahrer geistiger Höhe emporgearbeitet und innerlich gefestigt hat, der wird weiterer Ratschläge von mir nicht bedürfen.

Wahre Religion halte ich für eines der edelsten und kostbarsten Güter der Menschheit. Wenn die Religion jedoch zu egoistischen Zwecken mißbraucht und so zum Fluch der Menschheit wird, empfinde ich es als Gewissenspflicht, den Kampf hiergegen aufzunehmen - und wenn er auch noch so schwer ist.“

 

Anhang: Quellenverzeichnis zur Ära Bischoff und zu den weiteren Entwicklungen der NAK nach 1960, die online abgerufen werden können (Stand: 12.10.2021)

Hinweis: Die blaue Farbe markiert Quellen, die meines Wissens nach entweder von mir gänzlich neu erschlossen oder teilweise neu formatiert wurden, damit besser auf sie zugegriffen werden kann!  Einige der historischen Texte (dunkelblau und fett) sind teilweise nicht nur für meine Ausarbeitungen von Bedeutung, sondern können als Sammlung für weitere Untersuchungen und Recherchen betrachtet und gerne unter sachgerechter Zitatangabe weiter verwendet werden.

      NAK-Quellen

     1.  Satzungen, Hausregeln und Statuten 

  1. NAK-Satzung von 1914 Seite 1 bis 9 
  2. Auszug 1914 § 7  Nichtaufnahmefähige Personen
  3. Vollständige NAK-Satzung von 1922
  4. Verfassung der NAK-Preußen von 1933 Auszüge, Schreibmaschine
  5. Gedruckte, vollständige Verfassung NAK  Preussen 1933
  6. Hausregeln_1932.pdf (apostolische-geschichte.de)
  7. Statuten der NAK vom 1.1.1950 (Kuhlen)
  8. Artikel zum Apostelkollegium Deutschlands und den Statuten von 1922, 1949, 1951 und 1961
  9. Satzung der NAK-DDR von 1956 
  10. Vollständige NAKI-Statuten von 1977
  11. Revision der NAKI-Statuten von 1990
  12. Statuten NAKI von 2010

2.  1935 bis 1960 Botschaftszeit

  1. Verlag FB 1935 Die Ämter und Sakramente der NAK (apostolische-geschichte.de)
  2. Rundschreiben zur Endzeit von BA Hartmann vom 12.5.1945
  3. Gottesdienstbericht aus "Brot des Lebens" (Schweiz) vom 1. August 1948
  4. Brief von Paul Weine an Helfer Kuhlen vom 15.7.49 zur Person Friedrich Bischoff
  5. Mitteilung von Stammapostel J. G. Bischoff über den Rücktritt von Stammapostelhelfer P. Kuhlen
  6. Scan Kalender 1951: An Christi Statt-UF Kalender1951.pdf (blickpunkt-nak.de)
  7. Die erste Botschaftsverkündigung von Stammapostel  J.G. Bischof  im August 1951 in Karlsruhe 
  8. Brief von JGB (1953) zur Schaffung eines eigenen Apostelbezirkes für seinen Sohn Fritz
  9. Kopie eines Briefes von Stap Bischoff vom 2.12.1954 an BA Kuhlen
  10. Die „Auf-Ewig-Toten“ - Drei Schreiben von BA Hahn aus den Jahren 1954,1955 und 1960 zum Thema „Botschaft“ Auszüge aus den originalen Schreiben
  11. Scan: Vollständiges Jugendrundschreiben Karlsruhe 1954 mit "Weg und Bahn" von BA Hahn (S.4f)
  12. Scan: Vollständiger Vortrag zur Kindererziehung vom 20.Januar 1955 von BA Hahn
  13. Scan: Brief von Apostel Hahn (Propaganda)vom 24.8.1960
  14. Zeugnisse NAK – Der gute Hirte – Botschaft J. G. Bischoff (naktalk.de)
  15. Der gute Hirte von 1952 bis 1988 (NAK-Zentralarchiv)
  16. Aufforderung zur Schriftenverbrennung  in der NAK , Quelle: „Unsere Familie 1957
  17. NAK-Amtsblatt 1955 Nr. 16-18 Ämtergottesdienst STAP. Bischoff 
  18. Scan: Schreiben von BA Fendt und Hiby vom 12.1.1955 zur Botschaft von Stap Bischoff an alle Mitglieder der NAK in den USA, Kanada und Großbritannien
  19. NAK-Zitate zur Botschaft
  20. Ostern 1960: Letzter Gottesdienst von Stammapostel J.G. Bischoff +++ - Gruppe Zentralarchiv Westdeutschland (nak-zentralarchiv.de)
  21. Bericht von BA Friedrich Bischoff über den Tod des Stammapostels
  22. NAKI Infoabend vom 4.12. 2007: Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, 2007

3.  Nachbotschaftliche Zeit

  1. 60. Todestag von Stammapostel Bischoff - Neuapostolische Kirche Westdeutschland (nak-west.de)
  2. Predigt von Stammapostel Schmidt anlässlich des Todes von Stammapostel Bischoff am 6. Juli 1960)  in Frankfurt am Main-West mit der Co-Predigt von BA Friedrich Bischoff
  3. Schreiben aller Apostel zum Tod von Stammapostel Bischoff vom 7. Juli 1960 an alle Brüder und Geschwister im In- und Ausland 
  4. Scan: Wächterstimme vom 15. August 1960
  5. 11.-Jul-1960-Trauerfeier für Stammapostel J.G.-Bischoff
  6. Neuapostolische Kirche 14 / 1960 2.11.60 Innerdienstliche Mitteilung für Amtsträger, „Das ist die Wahrheit“ 
  7. Karfreitag 1961 Gottesdienst Ap. Friedrich Bischoff in Frankfurt a. Main

4.  Gehorsamseinforderungen ab 1985

  1. Brief von BA Steinweg an den „traurigen Mitbruder“ aus dem NAK-Orchester Westberlin vom 2. Juli 1985
  2. BA Kraus Rundschreiben vom 22.3.1989 "from District Apostle Kraus to every New Apostolic family in the United States and Canada". Quelle: Originale Scanversion in englisch (auszugsweise Übersetzung von R.S.)
  3. BA i.R. Startz Brief  vom 4. Juni 1992 zum Thema „Botschaft“ und „Kirchenaustritt“ 
  4. Brief von BA i.R. Pusch an einen psychisch kranken Mitbruder von 1992 
  5. BA Schröder zur Lage der Musik, Innerdienstliche Mitteilungen für Amtsträger vom 31.8.1993
  6. BA Schröder, Christi Jugend Rundschreiben zum Thema  Freizeitbetätigung im Apostelbezirk Berlin-Brandenburg, Mai 1996, Hrg. Fritz Schröder
  7. Gefahren für Leib und Seele“ Hrg. NAK Hamburg 1993
  8. Lebensfragen Gegenwartsfragen- Warum bis zur Ehe warten?“ 1992, NAK-NRW Verhaltensvorgaben zur Sexualität von Jugendlichen
  9. Stellungnahme zur Sexualität von NAKI 2005 
  10. Peter Johanning, Vortrag 2003  „Alte und neue Zeit“ zur Entwicklungsgeschichte der NAK  
  11. BA Nadolny (Kugelschreiber): Ansprache zur Ordination in Berlin – Mariendorf am 29.6.2014
  12. Zitate von Stammapostel Schneider Schneiderlexikon:  Schneiders Schöne Neue NAK-Welt- von A bis Z

 

5.  Berichte von Zeitzeugen

  1. Authentischer Zeitzeugenbericht eines Gemeindevorstehers aus dem Apostelbereich Kuhlen, vom 15. März 1955
  2. Zu 1. passend und ergänzend ein NAK-Artikel: „Die letzte Zeit“ DER JUGENDFREUND , 19. Jahrgang Nr. 6 Monatsschrift 5. Juni 1956
  3. Marc Daniel "Mein Leben da drinnen" 2014           
  4. Alternativlos Glauben, oder: Der Verzicht auf die Dinge der 'Welt', ein Beitrag des Zeitzeugen Otto notiert 2011
  5. Das Fiasko der Botschaft - ein damals junger Zeitzeuge berichtet (notiert Juni 2021)
  6. Interview mit Zeitzeugen der „Botschafts“-Ära Schade, dass es so gekommen ist!
  7. Zur Geschichte der NAK 1938-1955 – Gespräch mit Zeitzeugen, 12.07.2008
  8. Der Fall Arie Boer – Erinnerungen eines Zeitzeugen (2001)

 

     6.  Kuhlen-Quellen

  1. Diverses hinsichtlich Einfluss Fritz Bischoff in der Leitung – Bericht von Apostel Kuhlen, ca. 1950
  2. Scan der Kopie des originalen Schreibens "Diverses hinsichtlich Einfluss Fritz Bischoff"
  3. Akte Peter Kuhlen 
  4. Aktennotiz von Apostel Kuhlen aus dem Jahr 1950 über die Ordination des Apostels Hahn
  5. Peter Kuhlen: Nachdenkliches über die Botschaft
  6. Denkschrift vom 29.1 1955
  7. Ereignisse_in_der_Neuapostolischen_Kirche_die_zur_Gruendung_der_Apostolischen_Gemeinde_gefuehrt_haben.pdf (apostolische-geschichte.de)
  8. Weitere Quellen: Peter Kuhlen (N0066) - Gruppe Zentralarchiv Westdeutschland (nak-zentralarchiv.de)
  9. Ämtergottesdienst zum Thema Amtsverständnis von Stammapostelhelfer Kuhlen am 6.Juni 1949

 

7.  Kritiker-Quellen

  1. Dr. med. Erwin Meier-Widmer, Kompendium „Gefährliche Sekte
  2. Dr. med. Erwin Meier-Widmer, "Chronologie der Ära Johann Gottfried Bischoff mit Bezug zuEreignissen und Fehlentscheidungen in der Neuapostolischen Kirche"  
  3. D. Streich 2021, Die NAK im Nationalsozialismus,  Die NAK im Nationalsozialismus in 20 Punkten
  4. Rudolf Stiegelmeyr, "Die Verteidigung der Botschaft des J.G. Bischoff (Dezember 2007)" Stap Schmidt Ämterdienst vom 9.10.1960/Alsdorf
  5. Rudolf Stiegelmeyr Glaubensgehorsam als Bindeglied zur staatlichen Diktatur
  6. Rudolf Stiegelmeyr; NacBeth:  Neuapostolische Anleitung zum geistlichen Königsmord ( Was wirklich hinter der Botschaft steckte, ab 1945)  Hinweis: Seit dem 27.9.21 hat Stiegelmeyr seine verschiedenen Aufsätze zur NAK-Geschichte auf einer Unterseite zusammengefasst
  7. Auszüge aus dem Brief von Apostel Kuhlen an Dr. Schreckenberger; abgedruckt in „Der Herold“ Nr.23/ Sechster Jg., 1.12. 1960  Quelle Dieter Kastl (nak-talk), Versöhnung jetzt
  8. Friedrich Wolf 1931 "Seelenfänger und ihre Arbeitsweisen" 
  9. Sammlung Steurich "Botschaftswahn"
  10. Kurt Hutten 1960: Die Stunde X ist gekommen, Erschienen im Quell (blickpunkt-nak.de)
  11. Wilhelm Parzich: Rundschreiben von 1952. hier Sondernummer 1 1972:  Wilhelm Parzich Sondernummer Febr 72 (blickpunkt-nak.de) 
  12. Wilhelm Parzich Sondernummer 3: Kam der Tod plötzlich, oder war der Stammapostel J.G. Bischoff schon lange Zeit krank? - PDF Kostenfreier Download (docplayer.org)
  13. Dominik Schmolz, Vortrag im Archiv Brockhagen am 27.4.2019:  Die Entstehung der Botschaft J. G. Bischoffs in ihrem welt- und kirchenpolitischen Kontext (apostolische-geschichte.de)
  14. Brückners Reformbemühungen versus übertriebene Parusievorstellungen von Stap Niehaus als historischer Vorlauf zur Botschaft von Stammapostel Bischof und dem Ausschluss von Ap Kuhlen: Geschichte wiederholt sich doch (Scan und Kommentar: DS)
  15. Brückner 1921 Kein Abfall sondern Ausschluss (apostolische-geschichte.de) 
  16. Manifest Otto Güttinger 1954
  17. Detlef Streich, Anmerkungen zum Infoabend der Arbeitsgruppe Geschichte Der Draveprozess
  18. Gerrit Sepers: (1) Offener Brief an Stap Leber vom 27. Dezember 2007 zum Informationsabend der AG-Geschichte am 4. Dezember 2007
  19. Gerrit Sepers: [2] Offener Brief „Letzter Versuch“(2008?)
  20. ZUR WIRKSAMKEIT RELIGIÖSER IDEOLOGIEN UNTER BÜRGERN DER DDR AM BEISPIEL DER NAK, Dissertation von Erhard Ludwig, Berlin 1969

 

 

 

 

 

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