Nathan der Weise: 4. Aufzug, 4. Auftritt:
Der Aberglaub', in dem wir aufgewachsen,
Verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darum
Doch seine Macht nicht über uns.-- Es sind
Nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten.
Die Texte und Ausarbeitungen dieser Seiten sind das Ergebnis einer 10jährigen, intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema "Neuapostolische Kirche". Ich selbst bin 1956 in die NAK hineingeboren und war ein musikalisch regional und überregional sehr aktiv tätiges Mitglied bis zum Jahr 2000, dann begann der mühsame Ausstiegs- und Ablöseprozess. Zunächst völlig undurchschaubar hatte das "System NAK" sich in der gesamten Persönlichkeit, in allem Denken, Fühlen und Handeln eingenistet und das Leben bestimmt. Diese Fäden zu entdecken, zu entwirren und sie vor allem auch noch zu zerreißen war und ist ein gewaltiger Akt für jeden, der diesen Schritt wagt.
Die folgenden Ausarbeitungen und Zusammenstellungen dokumentieren zumindest die rationale Seite im Sinne fortschreitender Erkenntnisse darüber, was das System NAK eigentlich ist und was es mit einem macht. Nicht dargestellt werden können die tiefgreifenden emotionalen Aspekte des Weges und die Schwierigkeiten, sich innerlich wirklich von all den getriggerten Gefühls- und Denkbahnen zu lösen. Die spezifischen Aussteigerforen zeugen davon, dass die meisten dort schreibenden Menschen sich zwar theologisch von den Dogmen getrennt haben, emotional aber jahrelang durch den geistlichen Missbrauch weiter dem System und seinen psychischen Auswirkungen verhaftet bleiben, indem sie als Aussteiger z.B. immer wieder aufs Neue ihrem Ärger über die NAK und den Folgen ihrer Mitgliedschaft Raum geben, anstatt vollständig den Schritt heraus zu machen. Am "System NAK" selbst nagt ohnehin der Rost - ihr Bestand ist und bleibt nur noch eine Frage der Zeit.
In diesem Zusammenhang möchte ich noch deutlich betonen, dass die nachstehenden Arbeiten sich analytisch mit dem "System NAK" beschäftigen, nicht mit der hier und da vielleicht anders gesehenen "Gemeinderealität". Das Wort "»System« bezeichnet eine Vielzahl von Elementen, die durch Informationen miteinander verbunden, eine Eigendynamik entwickeln, auf Grund derer sie zum einen eine Struktur ausbilden und sich zum anderen gegen das Außen abgrenzen. Sie alle haben die endogenen Zwecke Selbsterhaltung und Expansion (insofern diese nicht den Selbsterhalt gefährden). Sie versuchen, über ihre Strukturen die Umwelten zu beeinflussen, daß sie sich diesen Zwecken entsprechend einrichten, organisieren, verhalten." (R. Lay, Die Macht der Moral S.10) Insofern zählt die einzelne Gemeinde zwar zum System dazu, ist aber nicht fokussierter Gegenstand der Untersuchung.
Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass ich die NAK in meinen Arbeiten zwar durchgängig als "Sekte" bezeichne, dabei aber ausschließlich einem psychologisch orientierten Sektenbegriff folge, der durch klare und objektiv nachvollziehbare Kriterien definierbar ist. Einen theologisch orientierten Sektenbegriff, der die eigene Lehre mehr oder weniger als "geistlich wahren Bezugspunkt" ansieht und meint, damit gegenüber anderen Religionen exklusivistisch argumentieren zu können, verwende ich nicht, da eine solche Zuordnung das Wesen des Glaubens in seiner spezifischen Subjektivität selbst berührt und sogleich verletzt, denn auch die "eigene Subjektivität" ist ja weder objektivierbar noch verifizierbar. Gleichwohl lassen sich aber aus einer Religion ethische Prinzipien ableiten, die normative Kraft entwickeln und dabei helfen können, den oben bereits genannten "Geistlichen Missbrauch" ernsthaft unter theologischen Aspekten zu beleuchten und begründet abzulehnen.
Mögen diese Seiten nun dabei helfen können, durch die gewollte Verschiedenheit der vielfältigen Leseangebote betroffene Menschen von der Macht der durch das System NAK erzeugten inneren Bilder und damit konditionierten Verhaltens- und Denkmuster frei werden zu lassen und die emotional immer noch bindenden Ketten zu zerreißen:
kirche (Detlef Streich 15.10.03)
ich bin die kirche, dein lebensplan
du sollst keinen anderen lebensplan haben neben mir
du sollst mich lieben mehr als dich selbst
ohne meine erlaubnis sollst du überhaupt nicht lieben
du sollst dir keine eigenen gedanken machen
denn meine gedanken sind so viel höher als deine gedanken
und meine wege sind viel besser als deine wege
spricht die kirche, dein gott –
ich wandle mich nicht
Zum Glück aber kann der Mensch sich wandeln!